Titel: Ein Eiswürfel mit Folgen - oder Wie genießt man einen B52? Teil: 1/? Autor: K-chan, Seya, Silberchen E-Mail: kchan_yaoi@yahoo.de, sheseya@yahoo.de, silberchenxx@yahoo.de Genre: real, RPG Bewertung: PG-? Warnung: yaoi Inhalt: Ist eine Überraschung, vor allen Dingen für uns. 3 x ^^;;; Erklärung: Dies ist unser erstes Rollenspiel. Wie bitten hiermit um Gnade ... aber vor allen Dingen um C&C. *********************************************************************** So ein Mist! Jonas hatte heute seinen ersten Arbeitstag nach seinem Berufsschulunterricht, und schon hatten seine Kolleginnen ihn wieder auf dem Kieker. Erst hatte er Formulare ordnen müssen, und jetzt sortierte er die Ablage der letzten zwei Wochen. Und wie immer hatten sie Wichtigeres zu tun, als ihm mal Dinge zu erklären, die er für seine Abschlussprüfung brauchen würde. Dabei war die in zwei Wochen! Der Kunde Müller-Reihmann-Tiefbau wurde unter "R" abgelegt, weil Herr Müller erst später dazugekommen war. TKC-Verfahrenstechnik unter "F", weil der frühere Name der Firma Flohrssen war. Gerbau unter "T", Neptun unter "G" und Tellmann unter "H". Oder Thiemann unter "H"? Wer sollte sich das merken können?!? Jonas konzentrierte sich eher auf die Einkäufe, die er noch zu tät hatte. Da er nicht bei seinen Eltern aufgewachsen war, hatte er seit Beginn seiner Ausbildung an eine eigene Ein-Zimmer-Wohnung, die ihm zum Teil von Jugendamt finanziert wurde. Doch große Sprünge konnte er von dem Geld, das ihm zur Verfügung stand, nicht machen. Eier brauchte er noch, außerdem Zwiebeln, Gemüse, Schokolade... stellte er in Gedanken seine Einkaufsliste zusammen. "Herr Gebert? Hier muss noch ein Fax geschrieben werden, an Reihmann. Wir liefern in zwei Wochen. Und dann bringen Sie die Briefe hier ins Sekretariat!" Sein Kollegin, Frau Horsberg, war heute wieder besonders freundlich. Für sie war Berufsschulunterricht nur eine Möglichkeit für die Azubis, sich vor der Arbeit zu drücken. Und da Jonas jetzt sechs Wochen gefehlt hatte, war sie dementsprechend schlecht gelaunt. Glücklicherweise war die Post immer ein Zeichen dafür, dass bald Arbeitsende war, und damit würde Jonas diese Vorstufe der Hölle für einen weiteren Tag überlebt haben. Bei diesem Gedanken musste er grinsen, doch achtete er genau darauf, dass Frau Horsberg das nicht sehen konnte. Sonst würde sie auf die Idee kommen, dass im die Arbeit gefiel und damit würde er noch mehr unangenehme Aufgaben aufgehalst bekommen. Schließlich war es vier Uhr und Jonas konnte seine Karte in die Stempeluhr stecken. Er schwang sich auf sein Fahrrad, machte sich auf den Weg zum Supermarkt, und fuhr von da aus nach Hause. Doch heute konnte er nicht so lange dort bleiben, wie er es sich gewünscht hätte. Seine Berufsschulklasse feierte ihren Abschied, ihr letzter gemeinsamer Unterrichtsblock war mit Beginn der Ferien beendet, viele seiner Mitschüler würde er vermutlich nicht wiedersehen. Und bei vielen war er auch nicht traurig darüber. Jonas duschte und zog sich um, dann war es auch schon Zeit loszufahren. Vor dem Lollipop wollten sie sich treffen, und für den Weg dahin brauchte er ohne Auto etwa eine Dreiviertelstunde. Und ein Auto konnte er sich nun wirklich nicht leisten. Er erreichte die Disco rechtzeitig, bevor die Masse seiner Klasse ankam - er war lieber etwas zu früh dran als zu spät. Doch binnen kürzester Zeit war die Klasse vollständig, und selbst die notorischen Zuspätkommer waren pünktlich. Gemeinsam gingen sie in die Disco. Laute Musik empfing sie, und dicht hintereinander betraten sie den abgedunkelten Raum. Anja griff gleich nach Jonas' Hand, schon in den letzten Wochen hatte sie deutlich gemacht, dass sie Jonas mehr als sehr mochte. Doch Jonas hatte sie trotz all ihrer Versuche - und Überredungskünste der Mitschüler - nicht näher an sich herangelassen. Gerade die Mädchen seiner Klasse waren immer der Meinung, dass er eine Freundin brauchte. Er selbst war sich da nicht so sicher. Er war schon immer alleine gewesen und hatte kein Interesse daran, das zu ändern. Das gab nur Enttäuschungen, dass wusste er. Sobald man sich auf einen anderen Menschen einließ, wurde man schon wieder verraten und verlassen. Doch Anja ließ ihn nicht los, und für den Moment war es nicht unangenehm, die Wärme ihrer Hand zu spüren. Doch Jonas musste aufpassen, dass ihm die Situation nicht aus dem Ruder lief. Die meisten seiner Mitschüler verschwanden auf der Tanzfläche, doch auch nachdem Anja ihn sehr nachdrücklich aufgefordert hatte, konnte Jonas sich nicht dazu aufraffen, sich in die Menschenmasse zu werfen. Da heute Donnerstag war, war die Disco auch zu dieser noch recht frühen Stunde schon gut gefüllt. Jonas stellte sich mit dem Rücken an die Theke und beobachtete die Leute. Mädchen mit bauchfreien Oberteilen, egal, ob es sexy oder wie gepresste Leberwurst aussah, Jungs mit Muscleshirts, die Ausgeprägtheit der Muskeln außer Acht lassend -über einige der Anwesenden konnte Jonas wirklich grinsen. Irgendwann drehte er sich um, schließlich stand er an der Bar, und dort gab es bekannter weise auch Getränke. Jonas wollte nicht länger auf dem Trockenen sitzen und hielt Ausschau nach einem Bediensteten der Bar, der ihm etwas zu trinken empfehlen konnte. Am anderen Ende der Theke stand ein auffallend großer, dunkelhaariger Typ, der ein paar Gläser auf Hochglanz polierte. Gutaussehend, das war das Wort, dass Jonas zuerst in den Kopf kam. Und nach einem Moment hatte auch der Jonas fragenden Blick entdeckt und nickte dem Jungen zu, dass er gleich kommen würde. *** Andreas, seines Zeichen Barkeeper des Lollipop, musterte misstrauisch die Vorräte der Bar und ließ immer wieder prüfend den Blick in der Runde schweifen, ob nicht einer der frühen Besucher des Lollipop etwas zu Trinken wollte. Ah, nicht schon wieder, knurrte Andreas innerlich. Wieso vergaß P. immer wieder das Eis? Der Laden war jetzt schon voll. Das Eis würde hinten und vorn nicht reichen. Scheißladen! Verdammt ... Andreas hätte am liebsten laut geflucht, verbiss sich aber jeglichen Kommentar. Mittlerweile drängten immer mehr Leute in die Disco, schienen aber noch nicht so sehr auf einen Abstecher zur Bar aus zu sein. Was soll's! Bis auf das Eis war noch alles da. Der Grenadier musste noch für das Wochenende nachgekauft werden, aber bis morgen sollte er eigentlich noch reichen. Er würde Tina nachher zum Eisholen losschicken. Sie müsste eigentlich bald da sein, da sie mit ihm für die heutige Schicht eingeteilt war. Irgendwie war Andreas irritiert, dass jetzt schon so viele Leute da waren. Der Abend war noch jung und es war Donnerstag. Selbst am Freitag war um diese Uhrzeit in der Regel weniger los. Irgendwie hatte er den Verdacht, dass jemand die Irrenanstalt geöffnet hatte und alle Insassen Ausgang hatten. Er verkniff sich ein Grinsen. Der Gedanke war heute sein einziger Lichtblick. So prall war der Tag in der Uni nicht gelaufen. Sein Prof hatte ihm klargemacht, dass es keine Verlängerung für die Hausarbeit gab. Er musste pünktlich abgeben, ansonsten durfte er den Schein vergessen. Eine Woche. Andreas hatte keine Ahnung, wie er das anstellen sollte. So wie es aussah, musste er ein paar Abende in der Bar tauschen. Dann sollte es eigentlich klappen. Der dunkelhaarige Mann wischte unwillig sein Glas aus, riss sich von seinen frustrierenden Erinnerungen los und stellte das hochglänzende Objekt an seinen Platz. Jetzt galt es die Kundschaft zu bedienen. Andreas registrierte den fragenden Blick von dem braunhaarigen Jungen am Ende der Bar. Na, ob der schon Alkohol trinken durfte, resümierte Andreas nach einer kurzen Musterung der zarten, jungenhaften Gestalt, kam aber dann zu dem Schluss, dass der wahrscheinlich schon volljährig war. Er würde ihm also besser kein Wasser oder Milch anbieten, obwohl es seiner Meinung nach für ihn besser wäre. So, wie er aber die Erfahrung gemacht hatte, wollten gerade Halbstarke in diesem Alter die härtesten Getränke. Lächeln nicht vergessen, ermahnte er sich. Nach der Philosophie seines Chefs, sollte das angeblich das Geschäft ankurbeln. Er glaubte weniger daran. "Was möchtest du haben?" Auch so eine Philosophie seines Chefs. Hier waren meist nur Jugendliche, die ihren Thrill in ekstatischen Tänzen und Unmengen von Alkohol suchten, und ein ,Du' war sehr viel persönlicher als das distanzierende ,Sie'. "Donnerstags bieten wir immer bis 22.00 Uhr alle Mixgetränke für den halben Preis an." Jonas nickte und bestellte: "Caipirinha" Er hatte schon einige Male von Mitschülern gehört, dass das gut schmecken sollte. Der dunkelhaarige Barkeeper machte sich auch gleich an die Arbeit und Jonas überschlug im Kopf, dass er sich nach diesem Getränk noch gerade zwei Wasser leisten konnte oder ein Bier, wenn er bis zum Ende des Monats nicht hungern wollte. Nicht darüber nachdenken, sondern es genießen, stieß er sich selbst an, aber so ganz konnte er das nicht umsetzten. Nachdenklich beobachtete er den Dunkelhaarigen, der konzentriert Limonenstücke mit einem Mörser zerkleinerte, dann Zucker dazugab und alles schließlich in ein Glas kippte. Dann gab er Eis in einen Plastiktopf und drehte an einer Kurbel, um es zu zerkleinern. Ein lauter Fluch kam Andreas über die Lippen, als er das Gerät abstellte und zu einem Lappen griff. Jonas konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, der Typ hatte offensichtlich den unteren Einsatz zum Auffangen des Eises vergessen. Und das mühsam zerstückelte kalte Nass lag nun auf dem Boden. Nach einem Moment hatte der Dunkelhaarige wohl das Eis aufgewischt, stand wieder auf. Und blickte Jonas ungehalten an. War es falsch, über die Ungeschicklichkeit des Barkeepers zu lachen? Jonas verstummte sofort wieder und beobachtete den Anderen still weiter. Der sah sein Gegenüber wiederum etwas zu lange an, bevor er sich wieder an das Mixgetränk für den Braunhaarigen machte und ihm schließlich das Glas überreichte. Jonas suchte etwas umständlich nach seinem Portemonnaie und zahlte schließlich das Geld, das der Andere verlangte. Dann fuhr Jonas fort, den Barkeeper zu beobachten, der ein weiteres Mixgetränk für einen Jungen neben Jonas bereitete. Schon im nächsten Moment lagen weiche Hände um seinen Hals und drehten ihn um. Anja. Kapitulierend drehte er sich um und sah sie an. Sie war ziemlich verschwitzt, hatte wohl die ganze Zeit getanzt. "Gibst du mir auch was zu trinken aus?", bettelte sie ihn gleich an. "Tut mir leid, ich hab kaum Geld mit", entschuldigte er sich. Sie nickte, war aber dennoch verstimmt, als sie sich bei dem gutaussehenden Barkeeper eine Bacardi-Cola bestellte. *** Was musste sich dieses Mädchen denn so durchquetschen, um etwas zu bestellen? Nico konnte doch wirklich nichts dafür, wenn der Typ neben ihr was Falsches gesagt hat. Das Lächeln des Barkeepers sah auch schon genervt aus, der konnte einem fast leid tun. Mit einem Zug leerte Nico sein Glas und sah dann stirnrunzelnd auf die Uhr an seinem Handgelenk. Patrick und Linda hatten schon vor einer halben Stunde auftauchen wollen. Nicht, dass er großen Wert auf ihre Gesellschaft legte, aber es war ihre Idee gewesen. Sie wollten ihn aufmuntern. Ja, klar! Als wenn es so erheiternd wäre, nach einer Trennung einem ständig turtelndem Pärchen zu zugucken. Super Einfall! Aber alleine hier zu hocken war auch nicht das Beste. Nico ließ seinen Blick über die Tanzfläche gleiten. Gerade lief Shakiras "Whenever, wherever" und alle Mädchen schwangen aufreizend ihre Hüften. Naja, die meisten versuchten es halt. Da war auch wieder die von vorhin. Ob der Braunhaarige ihr Freund war? Jedenfalls tanzte er nicht, sondern stand immer noch neben ihm und schaute zu einer rumalbernden Gruppe. Nico musterte ihn eingehend. Die zierliche Gestalt, die großen Augen... Da drehte der andere sich um und schaute ihm direkt ins Gesicht... Was Nico einige Sekunden später den Blick abwenden ließ, war sein Handy, dass sich durch leichtes Vibrieren auch in der lauten Disco bemerkbar machte. Er drückte ein paar Tasten und starrte dann leer auf das Display. Hi! Sorry, haben die Bio-Klausur morgen verschwitzt. Verstehst du doch, oder? :) Bis dann! Bussi, Linda u. Patrick Ohne eine Miene zu verziehen drehte Nico sich um und winkte den Barkeeper zu sich. "Was Starkes, bitte!" Andreas musterte den schwarzhaarigen Jungen misstrauisch. Nun, der schien wirklich weniger den Anforderungen für etwas Starkes zu entsprechen. "Ich hätte etwas Starkes für dich, aber ich weiß nicht, ob du stark genug dafür bist.", klang es abweisend von der anderen Seite der Theke. Noch immer grübelte Jonas über die Aufforderung von Anja. Sie ging schon seit einigen Tagen davon aus, dass sie jetzt zusammen seien und wollte sich nicht von ihm überzeugen lassen. Und nun war sie auch noch sauer, dass er ihre Bacardi-Cola nicht bezahlt hatte. Wie hätte er die denn finanzieren sollen? Hier in der Disko waren alle Getränke dermaßen sündhaft teuer, dass er sich, wenn er Durst bekam, eigentlich unter den Wasserhahn im Klo hängen müsste. Jonas sah auf seine Mitschüler, die sich einige Meter vor ihm zusammen aufgestellt hatten und sich gegenseitig uninteressante Dinge in die Ohren brüllten. Ganz in Gedanken blickte er sich um und sah den Jungen mit den hochgegelten, schwarzen Haaren an, der ihm direkt in die Augen blickte. Doch schon im nächsten Moment sah der Junge weg, er kramte in seiner Hosentasche und zog sein Handy hervor. Wollte er bei diesem Lärm hier telefonieren? Nein, er sah nur auf das Display, muss wohl eine super-dringende SMS gewesen sein. Dann winkte er den Barkeeper heran und bestellte etwas. Was der Barkeeper dazu sagte, konnte Jonas beim besten Willen nicht verstehen, warum es ihn überhaupt interessierte, wusste er allerdings auch nicht. War doch nicht interessanter als die Gespräche seiner Mitschüler da vor ihm, die aus dem Gackern, Kichern und Lachen gar nicht mehr herauskamen. Irgendwie war das ziemlich frustrierend hier. Jonas war es gewohnt, für sich alleine zu stehen und den Anderen zuzusehen, das hatte er schon immer gemacht. Aber so gar nicht beachtet zu werden... Mit einem langen Zug leerte er seinen Drink und beobachtete die Tänzer weiter auf der Tanzfläche. Langsam merkte er, wie der Alkohol seine Wirkung tat. Die Musik schien lauter, irgendwie intensiver, und die Leute bewegten sich irgendwie... eigenartig. Jonas drehte sich um, er wollte das Glas auf den Tresen stellen. Der Barkeeper war wieder in seiner Nähe, er bückte sich gerade, um irgend etwas unter der Theke hervorzuholen. Jonas schob er ihm das Glas entgegen. Was er dabei übersehen hatte, war, dass die Theke irgendwo aufhörte, und dass sein Glas über diese Kante hinausrutschte. Das Glas traf den Dunkelhaarigen am Kopf, das restliche Eis rutschte ihm in den Kragen und den Ausschnitt hinunter. Mit einem erschrockenem Aufschrei fuhr Andreas bei dieser eiskalten Attacke hoch und stieß sich heftig an der Kante der Theke. Ein jäher Schmerz stach sich in dessen Schädel, raubte ihm die Sicht. Keuchend schwankte er zurück. Seine Hände hatte er unwillkürlich auf die schmerzende Stelle gedrückt. Verwirrt spürte er etwas Warmes und Feuchtes zwischen seine Finger hervorquellen. Ungläubig betrachtete er seine Hände. Blut schimmerte dunkel auf seinen Händen und floss ihm das Gesicht hinab. Dem dunkelhaarigen Barkeeper wurde mit einem Mal schwindlig. Fassungslos starrte er Jonas an. "Was...", flüsterte er. Mit einem Seufzen verlor er das Bewusstsein. Schockiert sah Nico, wie der Barkeeper umkippte. Hatte er sich den Kopf so sehr angestoßen? Schnell beugte er sich über die Theke. Tatsächlich bildete sich um den Kopf des Bewusstlosen schon eine Blutlache. Nico hatte keine Ahnung, was er nun tun sollte. Am besten schnell einen Krankenwagen rufen. Doch bevor er den Gedanken in die Tat umsetzen konnte, wurde er heftig von hinten angerempelt. Die teilweise recht betrunkene Masse von Jugendlichen musste sich natürlich mit eigenen Augen davon überzeugen, was denn hier passiert war. Einige sprangen sogar über die Theke und wollten dem Verletzten helfen, was aber eher so aussah, als würden sie noch mehr Schaden anrichten. Entgegen seiner sonstigen Zurückhaltung warf sich Nico auch über die Theke und zerrte die Jungs erst mal von dem Barkeeper weg. Dann wollte er auch die anderen zurückdrängen, was allerdings schwierig werden würde. Hilflos sah er zu dem Bewusstlosen und dann in die Runde. Er erblickte den braunhaarigen Jungen wieder, der auch irgendwie nicht mehr ganz klar aussah. Doch wieso auch immer, er brauchte jetzt Hilfe von ihm. Still flehte er: 'Tu doch was...' Jonas starrte noch immer stumm auf den Dunkelhaarigen, der da hinter der Theke lag. Er, Jonas, hatte Schuld daran! Er hätte das Glas einfach hinstellen und nicht so unkoordiniert über das Holz der Theke gleiten lassen sollen! Als er schließlich wieder ein wenig klarer denken konnte, war es schon wieder etwas ruhiger um ihn herum. Nur ein Paar blauer Augen sah ihn bittend an. Der Typ mit dem Handy von vorhin! Vorsichtig stemmte sich Jonas auf die Theke und rutschte auf der anderen Seite wieder herunter. Und hockte sich gleich neben den Schwarzhaarigen; sein Gleichgewichtssinn hatte doch ziemlich unter dem ungewohnten Alkohol gelitten. Jetzt wünschte er sich einmal mehr, nichts getrunken zu haben. Eine kleine Blutlache hatte sich schon unter dem Kopf des Barkeepers gebildet, und der Handy-Junge sah unschlüssig auf das weiter heraussickernde Blut. Vorsichtig hob Jonas den Kopf des Bewusstlosen an. "Hol mal was zum Verbinden", bat er den Anderen. "Und dann ruf nen Krankenwagen!" Vorsichtig betastete er die Wunde. Wie hatte sich der Typ bei einem so leichten Stoß so verletzen können? Ein Blick an die Theke verriet ihm den Grund: Ein halb eingeschlagener Nagel war dem Schwarzhaarigen zum Verhängnis geworden. Wo blieb denn der andere, Jonas musste irgendwie die Blutung stoppen! Zum Glück wurde die Menge mittlerweile von den Bodyguards der Disco zurückgeschoben, so dass Nico sich auf die Suche nach Verbandszeug machen konnte. Er riss einem heraneilenden Mädchen, das wohl auch an der Bar arbeitete, den Erste-Hilfe-Kasten aus der Hand und hockte sich neben den Braunhaarigen hin. Schnell merkte er, dass er hier nicht weiter helfen konnte, also ging er einige Schritte zurück und wählte auf seinem Handy den Notruf an. Die Musik war längst ausgegangen, so konnte er einigermaßen gut mit dem Mann am Telefon reden. Kurz erklärte er, was passiert war und wo sie waren. Dann hieß es einfach warten. Ein leises Stöhnen drang zu den beiden. Jonas nahm dem Handy-Jungen den Verbandskasten aus der Hand und suchte eine Mullbinde heraus, um sie auf die blutende Wunde zu pressen. Offensichtlich hatte ihn der Schock wieder soweit ernüchtert, dass er ruhig arbeiten konnte. Dennoch - oder deswegen? - konnte er eine leichte Übelkeit beim Anblick des Blutes nicht unterdrücken. Sicher war er schon ganz weiß im Gesicht. Er erinnerte sich daran, wie sich einer seiner Mitbewohner im Heim die Pulsadern aufgeschnitten hatte. So eine Menge Blut... Mit einer Hand presste er die Binde auf die Wunde, wandte sich dabei ab. Mehr Blut konnte er nicht ertragen, sein Magen rebellierte bereits. Das immer lauter durch die aufgeregten Stimmen der Schaulustigen dringende Stöhnen ließ ihn wieder zu dem Dunkelhaarigen blicken. Vorsichtig strich er ihm über die blutverklebten Haare. Patienten beruhigen, eine der wichtigsten Grundsätze bei der ersten Hilfe, war ihm im Rot-Kreuz-Kurs eingebläut worden. Nervös sah Nico zu, wie der braunhaarige Junge die Wunde behandelte und dabei selbst nicht besonders fit aussah. Er legte eine Hand auf dessen Schulter und fragte leise: "He, alles in Ordnung mit dir?" Jonas drehte sich zu dem Anderen um und schüttelte leicht den Kopf: "Hoffentlich kommen die Sanis bald..." Andreas fühlte sich irgendwie seltsam und hörte von weit entfernt Stimmen. Jemand schien über seine Stirn zu streichen und irgendetwas zu ihm zu sagen. Er verstand nicht, warum er nichts sehen konnte oder warum er scheinbar auf dem Boden lag. Merkwürdigerweise schien sich sein Geist von seinem Körper getrennt zu haben. Was war passiert? Der Versuch, sich zu erinnern, endete vor einer Wand aus Watte. Mit einem Seufzen gab der Dunkelhaarige der Schwäche nach und orientierte sich nur noch an den Stimmen über sich. Der leicht angehobene Kopf in Jonas' Arm fiel wieder zurück, der Barkeeper schien wieder ohnmächtig geworden zu sein. Und noch immer tropfte das Blut. Wenn nicht bald jemand kam, würde der Verletzte nicht der einzige sein, der hier auf der Erde lag. Jonas merkte schon deutlich, dass sein Magen bald protestieren würde. Irgendjemand hatte die Musik wieder angemacht, die zwischenzeitlich verstummt war. Jonas atmete erleichtert auf, denn die Musik lockte die Schaulustigen auf die Tanzfläche. Es schien, als würden Stunden vergehen, ehe der Krankenwagen kam. Sofort verscheuchten die Sanitäter den Rest der Leute, die um den Bewusstlosen herumstanden. Auch den alles andere als glücklich aussehenden Jungen, der sich um ihn gekümmert hatte, schoben sie einfach zur Seite. Nico hoffte nur, dass der nicht auch noch umkippen würde. Der Notarzt beugte sich über den Barkeeper und begutachtete die Wunde. Routiniert suchte der Sanitäter die notwendigen Sachen heraus und reichte sie dem älterem Mediziner. "Hey, wie heißt du?" Ah, lasst mich in Ruhe! Seid nicht so laut!, versuchte Andreas zu protestieren. Er mochte die schrillen Stimmen nicht, die sich auf einmal in seinen Kopf zu bohren schienen. Wo war die andere Stimme geblieben? Sie war wenigstens leise und angenehm. Verschwindet...! "Erst mal die Blutung stoppen. Im Krankenhaus sollen sie seinen Kopf röntgen.", murmelte der grauhaarige Mann, während der Sani zustimmend nickte. Der Notarzt schaute sich suchend um. "Weiß jemand hier seinen Namen?" Der suchende Blick des Arztes fiel auf Jonas. Doch er konnte nur mit einem Kopfschütteln antworten. Es war heute das erste Mal, dass er den Barkeeper gesehen hatte. Dann merkte er, wie sein Magen endgültig den Kampf gegen das Blut aufgab und sich verkrampfte. Er wollte aufspringen, doch seine Beine gaben nach. Im letzten Moment griff er nach einem herumstehenden Eimer, als der verstärkte Speichelfluss das Unvermeidbare ankündigte. Nico zuckte zusammen, als der Junge sich ruckartig über einen Eimer beugte. Beruhigend strich er dem Braunhaarigen über den Rücken, guckte dabei jedoch zur Seite. Inzwischen sprachen ein paar Leute von der Bar mit dem Notarzt. Kurz darauf wollten sie den Verletzten mitnehmen, doch einer der Helfer kam noch zu den beiden Jungs. "Hey, willst du nicht gleich mitkommen?" Die Stimme des Sanitäters ließ Jonas aufschrecken, und auch das plötzliche Fehlen der warmen, beruhigenden Hand auf seinem Rücken. Er konnte gerade noch nicken, als ein weiterer Krampf durch seinen Körper zuckte und er sich erneut über den Eimer beugte, obwohl sein Magen schon völlig leer war. Eigentlich ging es ihm nicht so schlecht, aber er wollte in diesem Zustand auf keinen Fall alleine sein, und zu Hause wartete nun mal niemand auf ihn. Vorsichtig stand Jonas auf, er merkte, dass seine Beine ihn bald im Stich lassen würden. Doch die warme Hand, die eben noch auf seinem Rücken gelegen hat, half ihm auf. Er wurde hinter der Bare, auf der der Barkeeper lag, nach draußen geführt. Anja lief ihm hinterher, doch sie wurde von einem der Sanitäter aufgehalten. Wenn der Junge ihn nicht unterstützt hätte, wäre Jonas auf dem Weg zum Krankenwagen mehrfach umgekippt, doch die warmen Hände hielten ihn aufrecht. Der Junge sprach kurz mit den Sanitätern, dann schob er Jonas in den Wagen hinein. Zwei weißbekleidete Männer beugten sich über die Bare und hantierten am Kopf und Oberkörper der Schwarzhaarigen, ein weiterer, offensichtlich der Fahrer, wies sie an, sich auf die beiden Notsitze am Fuße der Bare zu setzen und sich anzuschnallen. Jonas konnte später nicht sagen, wie lange sie gefahren waren - er wusste noch nicht einmal, in welchem Krankenhaus sie sich befanden. Das einzig Stetige in dieser Situation war die warme Hand des Anderen, die ihn noch immer beruhigte. *** Rezept Caipirinha Lime Juice 2 Limette(n) Pitu Rohrzucker braun Crushed Ice Der Drink des Jahres 1999. Einfach cool, ein Hit, ein Schlager, auf allen Partys, keine Party ohne ihn: der Caipirinha. Aus den tropischen Gefilden hat er auch die Bars im Rest der Welt erobert... Was soll man dazu noch sagen? Ein echter Trendsetter eben. Hier die originale Zubereitung von Talex... Die beiden Limetten halbieren, dann jeweils die Hälften vierteln. Die Limettenachtel von 1 1/2 Limetten dann in ein Caipirinhaglas (mit festem, stabilen Boden) geben und mit einem Holzstößel etwas zerdrücken. Nicht allzu sehr, nicht alles zerquetschen, ein bisschen was darf noch für's Auge übrigbleiben. Das Glas zu 3/4 mit Crushed Ice füllen. Braunen Rohrzucker dazu, etwa 3-4 gehäufte Barlöffel, dann Limejuice darauf bis das Eis fast unter selbigem verschwunden ist. Mit Pitu oder Cachaca (wer das lieber mag und einen Original-Caipirinha haben möchte) auffüllen bis zum Rand und einen gekürzten, dicken schwarzen Strohhalm ins Glas geben. Mit dem Strohalm kräftig umrühren, von unten nach oben, damit der Zucker etwas aufgewirbelt wird. Übrigens mixt man den Caipirinha in Ländern fern von hier eigentlich mit weißem, nicht mit braunem Zucker. Quelle: http://www.cocktaildreams.de/home.php unter Longdrinks *** Vielen Dank fürs Lesen! Fortsetzung folgt... ... und natürlich wollen wir Feedback ^^