Titel: Ein Eiswürfel mit Folgen - oder Wie genießt man einen B52? Teil: 8 Autor: K-chan, Neko, Seya, Silberchen E-Mail: kchan_yaoi@yahoo.de sumeragi_subarukun@yahoo.de sheseya@yahoo.de silberchenxx@yahoo.de Genre: real, RPG Bewertung: PG-? Warnung: yaoi Inhalt: Ist eine Überraschung, vor allen Dingen für uns. 3 x ^^;;; Erklärung: Dies ist unser erstes Rollenspiel. Wie bitten hiermit um Gnade ... aber vor allen Dingen um C&C. *** Am selben Morgen hatte Nico ein kaum erfreulicheres Frühstück hinter sich gebracht. Sein Vater hatte sich kurz vor seiner Abreise die Mühe gemacht, sich nach den Noten seines Sohnes zu erkundigen. "Sechs Punkte in Mathe? Das geht doch wohl noch besser.", war sein einziger Kommentar gewesen, bevor er sich ohne wirklichen Abschied auf den Weg gemacht hatte. Kein Wort zu den zwölfen und dreizehnen, die die anderen Klausuren zierten. Nein, der Herr Sohn musste ja genau wie sein Erzeuger sein, nicht nur vom Äußeren sondern auch vom Verstand - eine perfekte Kopie eben. Perfekt. Für den 17jährigen ein widerliches Wort, den Appetit hatte es ihm gründlich verdorben. Daran konnten auch die beschwichtigenden Worte seiner Mutter nichts ändern. Ein bisschen später saß Nico im Bus Richtung Universität. Die Gedanken an das "Gespräch" mit seinem Vater - eines der seltenen - stimmten nicht unbedingt fröhlich, also schob er sie beiseite und sah aus dem Fenster. Er verlor sich in seinen seine Tagträume und hätte sogar fast die Haltestelle verpasst. Gerade noch rechtzeitig stieg er aus und ging rasch die kurze Strecke bis zu Andreas' Haus. Schnell entdeckte er das richtige Klingelschild wieder und drückte den Knopf. Mehr als erleichtert sah Jonas von seinem Frühstück auf, als er die Türklingel hörte. "Soll ich aufmachen?" fragte er, zum einen, um der Anspannung zu entkommen, die zwischen ihnen lag, zum anderen, weil er Andreas den Weg zur Wohnungstür nicht zumuten wollte. Und noch bevor Andreas antworten konnte, war Jonas zumindest aufgestanden, und sah ihn erwartungsvoll an. "Klar, kannst du. So lange du schon auf mich aufpassen musst, kannst du dich wie zu Hause fühlen." Jonas lächelte den anderen an, dann wandte er sich um und ging zum Flur. Er drückte den kleinen Summer neben dem Lichtschalter und öffnete die Wohnungstür. Wer Andreas wohl besuchen kommen würde? Und was würde der sagen, wenn er Jonas auffinden würde, mit honigverklebten Haaren und dreckiger Jeans? Während er die Treppen in den fünften Stock hinaufstieg, überlegte Nico, ob Jonas wohl noch da sein würde. Die Frage war einen Moment später auch schon beantwortet, denn dort stand der Braunhaarige in der Tür. "Guten Morgen", begrüßte Nico ihn. Erst als er noch ein Stück näher kam bemerkte er, dass Jonas etwas verwuschelt aussah, und stutzte. "Guten Morgen," wünschte auch Jonas. Er freute sich, dass er den Neuankömmling kannte, und nicht einer vollbusigen Blondine gegenüberstand, die ihn an die Seite und sich an Andreas presste. Was dachte er sich da?!? Wurde er jetzt schon auf eine imaginäre Freundin eifersüchtig? "Komm doch rein," forderte ihn auf und riß sich damit selbst aus seinen unverständlichen Gedanken. "Wir frühstücken gerade. Hast du auch Hunger?" Nico folgte ihm in die Wohnung. "Ich hab schon gegessen, danke. Aber sag mal, habt ihr 'ne Essenschlacht gemacht oder was?" Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Dann begrüßte er Andreas. "Hi! Dir geht es also schon besser, ja?", erkundigte er sich, während er sich nebenbei an den Tisch setzte. Andreas warf Jonas einen Blick zu, dann nickte er und erwiderte zu Nico gewandt: "Ja, mir geht es besser. Nur die Nebenwirkungen der Medikamente machen mir noch zu schaffen. Ansonsten geht es steil bergauf." "Und wie geht es dir so? Du sahst gestern auch nicht mehr so fit aus," versuchte Jonas ein Gespräch mit Nico in Gang zu bringen. "Was hast Du gestern noch so gemacht?" "Nicht mehr viel", erwiderte Nico und musterte die Überreste des Frühstücks, "außer, dass ich fast über meinen Matheaufgaben eingeschlafen wäre." Die beiden jungen Männer ihm gegenüber schienen sich ja wirklich amüsiert zu haben... offensichtlich hatte er etwas verpasst. Vage fragte Nico sich, warum es ihm bereits so vorkam, als wären Jonas und Andreas seine Freunde. Sonst hielt er doch immer gebührend Abstand, wenn andere es nicht taten... einen reichen Vater zu haben war nicht gerade eine sympathische Eigenschaft, das hatte Nico schon vor Jahren herausgefunden. "Ich auch," lächelte Jonas, "ich bin über Rechnungswesen eingeschlafen. War nicht gerade bequem... Möchtest du wirklich nichts essen? Oder vielleicht einen Kaffee?" "Naja, ein Kaffee wäre nicht schlecht, falls ihr noch welchen übrig habt..." Nico streckte sich ein bisschen, wie um die letzten Reste von Müdigkeit zu vertreiben. Nickend stand Jonas auf und holte eine weitere Tasse aus dem Geschirrschrank. Inzwischen kannte er sich hier fast so gut aus wie zu Hause - solange Nico keinen Zucker in den Kaffee wollte... Er stellte die Tasse vor dem anderen ab und schenkte gleich von dem heißen Gebräu ein. Dann setzte er sich wieder und sah ihn an. Wie gut, dass der nicht wußte, aus was für einem Gespräch er Jonas gerade gerettet hatte! Gut erzogen, wie er war, bedankte Nico sich und nahm einen Schluck. Eine kleine Koffein-Infusion war jetzt genau das Richtige! Derweil blickte er zwischen Jonas und Andreas hin und her und hatte das immer stärker werdende Gefühl, etwas verpasst zu haben. Irritiert sah Jonas den Neuangekommenen an. Spürte der etwas von der vorangegangenen Diskussion? Oder warum sah er sich so eigenartig um? Zögernd biß er in sein Honigbrötchen und hoffte, dass Andreas etwas sagen würde. Der nippte an seinem Wasser und lächelte freudlos. "Wenn ich euch so zuhöre, dann fällt mir ein, dass ich auch noch etwas für die Uni machen muss. Wirklich klasse Timing, dass ich mich selbst ausgeknockt habe. Naja, dann werde ich wohl Nachtschichten einschieben müssen und vielleicht gibt mir ja der Chef frei, so dass ich es noch schaffe. Verbuche ich dann halt unter dem kleinen Unfall." Andreas zuckte resigniert mit der Schulter. "Es.. es tut mir wirklich leid," stammelte Jonas erneut, ihm war es wirklich unangenehm, Andreas solche Umstände zu machen. Sicher brauchte er das Geld, das er in der Disco verdiente, und wenn er nun nicht arbeiten konnte, weil Jonas... "Wieso?", warf Andreas ein. "Glaubst du immer noch, dass du dafür verantwortlich bist? Ich habe dir gesagt, dass es jederzeit hätte passieren können. Immer ist jemand daran hängengeblieben. Ein Loch in der Hose war bis jetzt der schlimmste Unfall. Mal sehen, was der Chef dazu sagt. Bin schon gespannt." Unsicher sah Jonas den anderen an. Sie hatten ja schon einmal über die Sache geredet, aber er war sich sicher, dass Andreas sich das alles noch einmal überlegen würde. Doch im Moment wollte er nicht näher darauf eingehen, es war eine zu angenehme Gesellschaft, als dass er sie zerstören wollte. Krampfhaft suchte er nach einem unverfänglichen Gesprächsthema, doch in seinem Hirn herrschte Ebbe. Nico bemerkte, wie sich eine etwas unangenehme Atmosphäre breitmachte. Einmal Jonas' Schuldgefühle, die sich offensichtlich nicht vertreiben ließen, und dann Andreas' versucht lockere Art, die auch auch langsam ein wenig gezwungen wirkte... "Also, wenn ich euch irgendwie helfen kann...", Nico lächelte die beiden jungen Männer am Tisch an und hoffte, dass er das Richtige gesagt hatte. "Ihm das ausreden", erklärte Andreas und deutete auf Jonas. Nico seufzte lautlos. Hätte es nicht etwas einfacheres sein können? Doch er beschloss, diesmal ein wenig inverse Logik anzuwenden - angeblich half die ja immer. "Andreas und ich sagen beide, dass du nichts dafür kannst", begann Nico und blickte Jonas dabei fest in die Augen, "damit sind wir in der Mehrheit. Denkst du, wir könnten nicht zwischen böser Absicht und einem dummen Zufall unterscheiden? Oder willst du dich unbedingt verantwortlich fühlen, auch wenn damit überhaupt keinem geholfen ist?" Die Aussage war gut, stimmte Andreas mit innerlichen Beifall zu. Erwartungsvoll sah er Jonas an und hoffte auf eine positive Reaktion. Wollten die beiden ihm das wirklich nicht vorhalten? Bisher kannte er es nicht anders, als dass ihm solche Mißgeschicke ewig nachgetragen wurden. "Ich... danke," brachte er nur heraus, und hoffte, dass es seine Haltung zu diesem Thema zur Genüge zum Ausdruck bringen würde. Nico lächelte erleichtert. Wenigstens ein Anfang. "Wofür auch immer, gern geschehen.", nahm Andreas huldvoll an und parodierte eine Verbeugung. "Wie wäre es, wenn wir jetzt versuchen weiter zu frühstücken. Bis jetzt war es nicht sehr erfolgreich. Aber Übung macht bekanntlich den Meister." Jonas lächelte und fuhr sich verlegen in die Haare. Verdammt, das ziepte, er würde wirklich noch mal duschen müssen, wenn er heute noch gekämmt rausgehen wollte. "Ja, wer möchte noch ein Brötchen," fragte er und bot den anderen aus der weißen Papiertüte an. "Wir haben noch Mohn-, Mehrkorn- und normale Brötchen - glaub ich. Wenn wir nicht eine Sorte schon aufgegessen haben." "Naja, nach dem ganzen Stress habe ich, glaube ich, doch Hunger bekommen. Und wenn ihr so untalentiert im Essen seid...", grinste Nico und griff in die angebotete Tüte. Da die Belagauswahl doch recht gering war - wenigstens für seinen verwöhnten Standard - verzichtete er einfach ganz darauf. Irritiert sah Jonas ihm beim Essen zu. Wollte der wirklich ein trockenes Mohnbrötchen essen? Naja, jedem das seine, beschloß er und strich sich Butter und Honig auf seine zweite Hälfte. Jonas wurde immer nervöser. Die Atmosphäre zwischen ihnen wurde gespannter, keiner wußte so recht, was er sagen sollte. Am liebsten wäre Jonas abgehauen, aber andererseis war Andreas ein netter Mensch, den er nicht von sich aus verlassen wollte. Zudem sahen beide Anwesenden schon beinahe unverschämt gut... WAS dachte er da?!? Nur, weil Andreas so nett zu ihm gewesen war, und Nico auch ganz in Ordnung schien, mussten die zwei doch nicht *gutaussehend* sein! Andreas hatte doch einen auf den Schädel bekommen und nicht er, Jonas! Auf was für verrückte Gedanken er schon kam, nur, weil mal jemand freundlich war... Vielleicht sollte doch er lieber gehen, bevor er noch alles kaputt machte! Im nächsten Moment klingelte es an der Haustür. "Bleibt sitzen, ich mache mich mal nützlich!", erklärte Nico, sprang auf und ging in den Flur. Kaum hatte er die Tür geöffnet, müsste er zweimal hinsehen, um sicher zu gehen, dass er sich nicht irrte. Eine Katze schaute ihn an. Das wäre an sich nichts besonderes gewesen, aber dieses Exemplar der Gattung Felis Catus hätte man auch für einen etwas unterentwickelten Panther halten können. Es war absolut riesig, pechschwarz und blickte irgendwie... amüsiert? "Oh, entschuldigen Sie, könnte ich Herrn Graumann sprechen? Es ist sehr dringend! Es geht nämlich um meinen Mephi!"" Hinter der gewaltigen Katze kam das besorgte Gesicht einer älteren Dame zum Vorschein, die Nico bittend ansah. "Äh, Mephi?", fragte Nico verwirrt. "Ja, meine Tochter hatte einen Autounfall, nichts Schlimmes, aber meine Enkel brauchen natürlich jemanden, der in nächster Zeit auf sie aufpasst. Aber ich kann Mephi nicht mitnehmen, er würde depressiv werden... aber hier im Haus habe ich schon alle gefragt, niemand hat genug Zeit. Und Frau Schmitz, die sonst immer Mephi gefüttert hat, wenn ich meine Tochter besucht habe, hat plötzlich eine Katzenallergie, können Sie sich das vorstellen?" "Äh, ja." Nico wollte etwas geistreicheres erwidern, doch die alte Dame ließ ihn nicht zu Wort kommen. "Ich wäre Ihnen, beziehungsweise Herrn Graumann unendlich dankbar, wenn Sie sich um Mephi kümmern würden!", fuhr sie fort und streichelte die riesige Katze, "er ist wirklich brav!" Und im nächsten Moment hatte Nico die Arme voller Minipanther. Große grüne Augen blinzelten ihn abschätzend an, und irgendwie... irgendwie erinnerte ihn dieser Blick an Andreas. Apropos Andreas... "Ich bin mir aber nicht sicher, ob...", begann er, doch die Frau türmte bereits Dosenfutter, Streu und ein Katzenklo vor die Wohnungstür. "Wunderbar, dann wäre das ja geklärt! ich werde Sie dann anrufen und Ihnen sagen, wie lange ich weg sein werde. Oh, und ich bin Frau Wohlgemuth, 1. Stock, falls Herr Graumann fragt. Seien sie bitte lieb zu meinem Mephistolein! Auf Wiedersehen!" Im nächsten Augenblick stand Nico allein im Flur. Mephisto blickte ihn fragend an, kuschelte sich dann an ihn und begann zu schnurren. Nico seufzte und kehrte in die Wohnung zurück. Wie sollte er das nun erklären? Jonas blickte erstaunt auf, als er den riesigen schwarzen Kater in Nicos Armen sah. "Wow," keuchte er leise, "was für ein riesiges Tier! Deiner?", sah er Andreas an. Der schütttelte nur den Kopf. Fragend sah er Nico an. "Deiner? Und wie kommt der hierher?" Andreas stand vorsichtig auf und beäugte das Prachtexemplar genauer. "Das ist doch der Kater von Frau Wohlgemuth. Mephisto oder so ähnlich. Was soll das Tier hier?", begehrte er zu wissen. "Äh, ja, besagte Frau brauchte jemanden, der auf das Tier aufpasst... für offensichtlich unbestimmte Zeit. Sie hat mich so zugelabert, dass ich überhaupt nichts erwidern konnte..." Nico blickte Andreas hilflos an. "Was heißt das jetzt?", fragte der nur ahnende Besitzer eines Stubentigers. Nico holte tief Luft. "Das heißt, dass du einen neuen Mitbewohner hast, fürchte ich", meinte er etwas kleinlaut. "Was?" Zu mehr war Andreas nicht in der Lage. Davon abgesehen, sah man es ihm an, dass er einerseits schockiert und fassungslos war, andererseits spürten die beiden anderen Männer, dass die Ablehnung auch noch andere Gründe haben konnte, außer dass Andreas einfach so überrumpelt worden war. Prompt bekamen sie eine Kostprobe dessen, was passieren konnte: Der Kater sprang von Nicos Arm und lief auf den Studenten zu, sich schnurrend an ihm reibend. "Haltet mir das Vieh vom Hals.", schrie Andreas entsetzt und sprang zurück. Taumelnd suchte er das Gleichgewicht zu halten, als sein Körper sich für diese sportliche Einlage rächte. Jonas griff das Tier, bevor es Andreas erreichen konnte, und nahm es auf den Arm. "Du bist wirklich ein Prachtvieh," lächelte er und bewunderte die großen Pfoten des Katers. So einen riesigen Kater hatte er noch nie gesehen. "Ich hätte auch gerne ein Haustier, aber wenn ich arbeite, kann ich mich nicht darum kümmern. Außerdem erlaubt mein Vermieter keine Tiere." Er setzte sich wieder an den Esstisch und kraulte den Stubenpanther am Bauch, so dass dieser heftig zu schnurren begann. Andreas ließ sich zurück auf den Stuhl fallen und starrte auf das Tier. "Wieso hat sie mir das Vieh überlassen? Ich mag keine Katzen.", lamentierte er leise. "Wie, du magst keine Katzen? Wie kann man so ein schöne Tier wie Mephisto nicht mögen?" Noch immer streichelte Jonas das schnurrende Etwas auf seinem Schoß und betrachtete dabei kritisch Andreas. "Ich glaub, du solltest wieder ins Bett, nicht dass du hier noch ganz umkippst," riet er. "Wir beide kümmern uns inzwischen um die Küche und den Kater." Lächelnd stand er auf und setzte Mephisto in den Flur, dessen Tür er rechtzeitig schloß, bevor sich eine große, schwarze Pfote zurück ins Zimmer schieben konnte. Andreas ließ sich willenlos ins Bett bugsieren, während sein Blick noch immer zur Tür gerichtet war. "Was soll ich mit dem Kater?" Nico lächelte. "Es heißt, Katzen seien gut für die Seele. Vielleicht hilfts ja?" Zumindest was Jonas betraf, stimmte dies ganz sicher. Der junge Mann schien sofort besserer Stimmung zu sein, und ein warmes Lächeln hatte sich auf seinem ernsten Gesicht breitgemacht. Jonas musste nicht lange überlegen, um die Vorteile eines Haustieres zu erklären. "Es ist jemand da, wenn du nach Hause kommst. Du bist nie alleine. Wenn es dir schlecht geht, kommt er an und tröstet dich." "Trost?", echote Andreas. Er sah die zwei jüngeren Männer an und schüttelte den Kopf. "Ich muss mir wirklich heftig den Kopf gestoßen haben", murmelte er und legte sich hin. Leise flüsterte er vor sich hin: "Ich habe einfach nur Halluzinationen. Eine Katze hier, ausgerechnet den größten Hauskater auf diesem Planeten und dann noch welche, die mir die Vorzüge von Haustieren erklären." Der Schwarzhaarige rollte sich zusammen. Es kratzte vernehmlich an der Tür. Mit einem Ruck saß Andreas wieder. "Doch kein Traum..." "Hey, bleib liegen," hielt Jonas den anderen fest. "Wenn du nicht willst, dann lassen wir Mephisto im Flur, aber ich glaub nicht, dass dem das gefallen würde. Aber warum willst du es nicht mal ausprobieren und ihn hier reinlassen? Es ist bestimmt schön, so eine schnurrende Wärmflasche im Bett zu haben," wurde er ein wenig träumerisch, so etwas hatte er sich schon lange gewünscht. "Wäre es nicht schön, nicht immer alleine in der Wohnung zu sein?" Andreas sah Jonas an, als ob der plötzlich lauter grüne Punkte im Gesicht hätte. "Eine schnurrende Wärmflasche im Bett? Nicht mehr allein?" Er sah geradezu entsetzt aus. "Ein Fellbündel?" Dann schien Andreas mit einem Mal Hoffnung zu haben, denn seine grünen Augen blitzten auf. "Möchtest du ihn?", fragte er abrupt. "Ich? Ich hätte ihn unheimlich gerne, aber dann müßte ich mir eine neue Wohnung suchen. Haustiere sind strengstens untersagt. Ich hab schon ein paar mal darüber nachgedacht, mir eine oder zwei Katzen anzuschaffen, aber ich werd bestimmt nicht noch mal das Glück haben, eine so günstige Wohnung zu bekommen." Andreas würde sicher verstehen, was er meinte, und Nico ging es nichts an. Wieder kratzte es an der Tür. "Macht sie auf", bat Andreas, "Ehe er die Tür durchwetzt." Nico tat dies auch auf der Stelle und im nächsten Moment musste sich Andreas gegen ein Bündel aus schwarzen Fell wehren. "Hilfe", rief er gedämpft und wurde fast von dem lauten Schnurren übertönt. Genüsslich roch Mephisto an seinem neuen Herrchen, dann rollte er sich in Andreas' Armbeuge ein und schnurrte laut. Jonas streckte eine Hand aus und kaulte den riesigen Kater am Bauch und unterm Kinn, was ihm anscheinend besonders gut gefiel. "Womit habe ich das nur verdient", nörgelte Andreas auf dieses Bild hin resigniert, wobei er geflissentlich übersah, dass er die Hauptperson neben dem Kater darstellte. "Hey, Katzen haben einen untrüglichen Instinkt. Mephisto wird schon wissen, was er da tut." Nico lächelte und gesellte sich ebenfalls zu dem Stilleben mit Kater, jedoch mit etwas mehr Abstand. Andreas sah nämlich nicht so aus, als könne er noch jemanden gebrauchen, der ihm auf die Pelle rückte. "Ernsthaft? Ich halte das für eine unbewiesene Theorie", wurde Nico vehement widersprochen. Andreas strich sich die Haare hinter das Ohr und beäugte das Tier auf seinem Schoß misstrauisch. Dieses jedoch warf ihm einen unschuldigen Blick aus grünen Augen zu und schnurrte noch ausgiebiger. Nicos Lächeln wurde breiter. "Ich denke eher, die Theorie hat sich gerade bewiesen", erwiderte er und streichelte Mephisto über die Ohren, die zufrieden zuckten. Dabei kam er fast in Berührung mit Jonas' Fingern. Irgendwie schien Jonas in diesem Moment der Teufel zu reiten. Er erinnerte sich daran, wie genau dieser Junge, der da neben ihm den Kater streichelte, vor nicht allzu langer Zeit seine Wange ebenso liebkost hatte. Ein wenig legte er es darauf an, ein wenig war es Zufall, dass beim nächsten Kraulen der Katzenohren ihre Hände aneinander strichen. Nico hob eine Augenbraue hoch, sagte aber nichts. Warum sollte man nicht einmal ein bisschen... abenteuerlustig sein? Schade allerdings, dass Andreas immer noch so ein frustriertes Gesicht machte... Die kurze Regung in Nicos Gesicht hatte Jonas sehr wohl gesehen, doch er wusste nichts damit anzufangen. War es eine Aufforderung, weiterzumachen? Oder doch eher eine Warnung, das bloß nicht wieder zu versuchen? Mephisto war glücklicherweise groß genug, dass zwei Hände ihn kraulen konnten, ohne sich zu berühren, und so strich Jonas in weniger gefährlichen Gegenden, am Bauch des schwarzen Tieres. Im Gegensatz zu der Annahme, dass Andreas zu beschäftigt war, sah dieser sehr wohl, was auf dem Fell des Katers geschah. Richtig war schon, dass er das ganze überhaupt nicht witzig fand. Aber die Anbandelungsversuche vor seinen Augen, die allein nur mit Fingern gemacht wurden, erinnerten ihn doch stark an einen Flirtversuch. Andreas bekam rote Ohren, hielt seinen mürrischen Gesichtsausdruck aber tapfer bei. Er saß er mit zwei Männern ... und wenn er es noch präziser nahm ... mit zwei Männern und einem Männchem im Bett, und zwei von denen unternahmen erste Gehversuche vor seinen Augen. War nun Jonas schwul, oder nicht? Und war es Nico? Wie viel Zufall konnte da im Spiel sein, dass sich zwei durch einen Unfall trafen und dann vielleicht sogar noch verliebten. Andreas schluckte. Die Finger vor seinen Augen hatten sich wieder berührt. Er hätte schwören können, kleine Funken zu sehen. Wieso bekam denn nun gerade Andreas rote Ohren? Nico wunderte sich erst ein bisschen, dann musste er ein Grinsen unterdrücken. Offensichtlich war der unfreiwillige Gastgeber ein bisschen eifersüchtig! Na, wenn das so war... "Vielleicht räume ich die Sachen von Frau Wohlgemuth mal aus dem Flur, sonst fallen die anderen Nachbarn noch darüber", erklärte Nico, fuhr dem Kater noch einmal durchs Fell - wobei er Jonas' Hand nicht ausließ - , stand auf und verließ das Zimmer. Die letzte Handbewegung Nicos hinterließ ein heftiges Kribbeln in Jonas' Magen. Was hatte der damit beabsichtigt? Und nun war er auch noch abgehauen, ohne ein weiteres Wort zu sagen, und hatte Jonas mit Andreas alleine gelassen. Was hatte der eigentlich von den Annäherungsversuchen Nicos mitbekommen - wenn es denn welche waren? Zögernd sah er in Andreas' Gesicht, aber darin konnte er keine Regung sehen... obwohl seine Ohren eine interessante Färbung angenommen hatten. Hatte er also doch etwas mitbekommen? Und er reagierte nicht weiter darauf? Irritiert fuhr er fort, durch das weiche Fell des Katers zu streicheln und hoffte dabei, dass das dem nicht zu viel wurde. ***