Iserlohner
EC
Kommentar zum Ende des ERC Westfalen Dortmund
Kommentar
Eishockey-Norden ein Scherbenhaufen
Nun ist also jener Fall eingetreten, den der "Eishockey-Norden" vermeiden wollte, der aber im Prinzip schon absehbar war: Bereits vor dem Start der Saison ist mit Westfalen Dortmund der erste Klub ausgeschieden. Nicht wenige befürchten, daß das ERC-Aus eine Kettenreaktion nach sich ziehen könnte, denn allen Vereinen fehlt nun ein Heimspiel. Glücklich ist da, wer - wie der IEC - Rücklagen schaffen konnte, um derartige Ausfälle zu kompensieren. Die Weitsicht der IEC-Führung zahlt sich jetzt bereits aus und sollte all jene verstummen lassen, die hochkarätige Neuverpflichtungen angesichts der gut gefüllten Vereinskasse gefordert haben.
Nein, größere Sorgen muß sich der IEC (noch) nicht machen. Die Alarmglocken müssen indes bei jenen Vereinen schrillen, denen ohnehin das Wasser bis zum Halse steht. Für sie könnte ein Heimspielausfall verheerende Wirkungen haben. Tritt also nach dem Cra sh der Dortmunder der "Domino-Effekt" ein, nach dem ein gefallener Stein weitere umstürzt?
Ungeachtet dessen hören Vereine nicht auf, sich aus der "Konkursmasse" zu bedienen. So haben die Devils Königsborn, denen viele ohnehin eine harte Saison vorhersagen, bereits Teal Fowler, Roger Bruns und Andreas Kemper verpflichtet - sicherlich nicht di e preiswertesten Spieler. Der Verein hat zwar ein Heimspiel weniger, dennoch werden weiterhin munter Neuzugänge präsentiert. Ob sich das allein mit der Trennung von Spielern oder mit einem neuen Sponsorenvertrag rechnet? Aber auch andere Klubs, u.a. Gr efrath und Trier, werden an jenem Einnahmeverlust zu knacken haben.
Was aber ist zu tun? Schon wird der Ruf nach einer Doppelrunde laut. Ob die heimischen Fans aber wirklich zweimal Bremerhaven oder Trier sehen wollen? Außerdem würde die 21.Liga Nord, die ohnehin bis Januar nur "Freundschaftsspiele" austrägt (denn alle neun Klubs erreichen sowieso anschließend die Relegation mit den drei schwächsten Erstligisten, nach ihrem Vorrundenende bis zum Abschluß einer Erstliga-Doppelrunde inaktiv sein.
Fazit: Der Eishockey-Norden ist nur noch ein Scherbenhaufen. Es gibt zu wenige Vereine für zwei DEB-Ligen, von gesunden Klubs ganz zu schweigen. Hier bedarf es einer dringenden Reform, denn in einem Jahr werden die Probleme nicht geringer sein. Eine Mög lichkeit: Nur noch eine Nord-Liga unterhalb der DEL. Allerdings wird es ohnehin schon schwierig genug, eine derartige Klasse auf Sollstärke zu bekommen, denn erstligatauglich sind in der 2.Liga wohl nur die Hammer Eisbären, mit Abstrichen vielleicht auc h Limburg, Braunlage oder Adendorf.
Eine andere Möglichkeit: Zwei, jeweils erheblich abgespeckte 10er-Ligen. Eine weitere Alternative: Ein eingleisiger DEL-Unterbau aus Nord- und Süd- Erstligisten- Allerdings ist es fraglich, ob der insgesamt (noch) recht intakte Süden überhaupt Interesse daran hat, mit dem maroden Norden eine Ehe einzugehen. Und dann besteht für gesunde Vereine wie den IEC noch die Chance, die Flucht nach vorne anzutreten: Aufstieg in die höchste Spielklasse, sofern diese nicht zu Gunsten des Unterbaus reduziert wird. Denn sollte es im norden ganz schlecht laufen, spielt auf absehbarer Zeit nur noch in der DEL die Musik - trotz deren immenser Probleme. Die Entwicklung beim ESC Wedemark als DEL-Neuling könnte wichtige Aufschlüsse liefern.
Michael Topp
Iserlohner Kreisanzeiger vom 13.09.96
Stand: 13.09.96
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