Die lange Nacht der Kuscheltiere
(
Minimaler Aufwand, maximaler Erfolg könnte das Motto des Abends lauten. Es
ist Waltermeister-Abend im EBI in der Ackerstraße in Berlin Mitte.
Die Leute stehen dicht an dicht und man muss aufpassen, dass einem im
Gedränge nicht die blaue Götterspeise vom Pappteller rutscht. Andreas Walter
und Claudius Hagemeister präsentieren am letzten Samstag des Monats Gäste und
eigenes. Alles wirkt ein wenig provisorisch; wer eben noch auf die
Hockerpodeste gestiegen ist um Literatur zu rezitieren, sorgt danach hinter der
Bar für das leibliche Wohl der Gäste. Eiswürfel gibt es nicht, die verwässern
nur das Getränk. Auch das heimliche Highlight braucht nicht viel: Ein zur Bühne
beschnittener Umzugskarton, eine Hand voll mehr und auch deutlich weniger
niedlicher Plüschtiere aus der Humana-Grabbelbox, fertig ist die Ausstattung
der wohl ersten Soap Opera mit Hasen, Schweinen und Igeln in den Hauptrollen.
„Humana Leben in Berlin“ heißt sie und das Publikum weist nach den ersten sechs
Folgen schon Suchterscheinungen auf. „Man wird wirklich ein wenig angefixt,“
sagt eine, die sich fast bis ganz an die Pappbühne herangedrängelt hat, „und
muss dann immer wieder kommen, damit man weiß, wie’s weitergeht.“ Andreas
Walter hat sich die Plüschsoap ausgedacht und sorgt zusammen mit Ulrike
Dittrich dafür, dass sich in der Guckkastenbühne etwas bewegt. Er ist erstaunt,
wie ernst die Leute die Figuren nehmen. Unter denen befinden sich Ralf, das
Hauptdarstellerschwein in Hotpants (siehe Foto), Gabi, die Igelin mit den
Bürstenborsten und Frau Franke aus dem Arbeitsamt, ein rosa Hase mit kräftig
gepolstertem Hinterteil. „Ich habe es ja selber leider noch nie gesehen,“ sagt
er, „aber irgendwie scheinen die Figuren nach einiger Zeit des Hinguckens mit
den Charakteren zu verschwimmen. Man hat dann nicht mehr klar vor Augen, dass
es ja eigentlich nur ein Stoffschwein ist, über das man da redet.“
Die viertel Stunde Serienglück kann man gut in die Samstagabendgestaltung
einbauen. Das EBI liegt günstig und sobald nach der Show die letzte
Fanpostkarte des Kuscheltierensembles verlost ist, kann man weiter durch Mitte
ziehen. Oder einfach bleiben. Wenn man sich die ganzen Leute und die mobile
Theke wegdenkt, weiß man ungefähr, wie die Wochenendbar EBI während ihrer
Wochentagsbeschäftigung als Kuratorenbüro Emil Bock Institut aussieht. Ob
Inhaber Ilya Castellanos nur eine Ausrede gesucht hat, auch an arbeitsfreien
Tagen ins Büro zu gehen, ist nicht überliefert. Andreas Walter sagt, es liege
wohl eher an seinem großen Herz für die Kunst, dass er Künstlern ein Forum
bietet.
Anfang März wird es die Lange Ralf Nacht geben. „Manche Leute haben Folgen
verpasst oder sind erst später dazu gekommen,“ erklärt Andreas, „deswegen
werden wir die ersten vier Folgen an einem Abend spielen.“ Aber nicht nur das.
Wer einen ambitionierten Teddy besitzt, soll ihn unbedingt mitbringen. „Es wird
ein Stofftier-Casting geben.“ sagt Andreas. „Und das Gewinnerstofftier bekommt
einen Gastauftritt in der nächsten Folge.“ Vielleicht bekommt man ja bis dahin
noch was Hübsches bei Humana.