Die lange Nacht der Kuscheltiere

(Katja Bartholmess, Februar 2003)

 

 

Minimaler Aufwand, maximaler Erfolg könnte das Motto des Abends lauten. Es ist Waltermeister-Abend im EBI in der Ackerstraße in Berlin Mitte.

Die Leute stehen dicht an dicht und man muss aufpassen, dass einem im Gedränge nicht die blaue Götterspeise vom Pappteller rutscht. Andreas Walter und Claudius Hagemeister präsentieren am letzten Samstag des Monats Gäste und eigenes. Alles wirkt ein wenig provisorisch; wer eben noch auf die Hockerpodeste gestiegen ist um Literatur zu rezitieren, sorgt danach hinter der Bar für das leibliche Wohl der Gäste. Eiswürfel gibt es nicht, die verwässern nur das Getränk. Auch das heimliche Highlight braucht nicht viel: Ein zur Bühne beschnittener Umzugskarton, eine Hand voll mehr und auch deutlich weniger niedlicher Plüschtiere aus der Humana-Grabbelbox, fertig ist die Ausstattung der wohl ersten Soap Opera mit Hasen, Schweinen und Igeln in den Hauptrollen. „Humana Leben in Berlin“ heißt sie und das Publikum weist nach den ersten sechs Folgen schon Suchterscheinungen auf. „Man wird wirklich ein wenig angefixt,“ sagt eine, die sich fast bis ganz an die Pappbühne herangedrängelt hat, „und muss dann immer wieder kommen, damit man weiß, wie’s weitergeht.“ Andreas Walter hat sich die Plüschsoap ausgedacht und sorgt zusammen mit Ulrike Dittrich dafür, dass sich in der Guckkastenbühne etwas bewegt. Er ist erstaunt, wie ernst die Leute die Figuren nehmen. Unter denen befinden sich Ralf, das Hauptdarstellerschwein in Hotpants (siehe Foto), Gabi, die Igelin mit den Bürstenborsten und Frau Franke aus dem Arbeitsamt, ein rosa Hase mit kräftig gepolstertem Hinterteil. „Ich habe es ja selber leider noch nie gesehen,“ sagt er, „aber irgendwie scheinen die Figuren nach einiger Zeit des Hinguckens mit den Charakteren zu verschwimmen. Man hat dann nicht mehr klar vor Augen, dass es ja eigentlich nur ein Stoffschwein ist, über das man da redet.“

Die viertel Stunde Serienglück kann man gut in die Samstagabendgestaltung einbauen. Das EBI liegt günstig und sobald nach der Show die letzte Fanpostkarte des Kuscheltierensembles verlost ist, kann man weiter durch Mitte ziehen. Oder einfach bleiben. Wenn man sich die ganzen Leute und die mobile Theke wegdenkt, weiß man ungefähr, wie die Wochenendbar EBI während ihrer Wochentagsbeschäftigung als Kuratorenbüro Emil Bock Institut aussieht. Ob Inhaber Ilya Castellanos nur eine Ausrede gesucht hat, auch an arbeitsfreien Tagen ins Büro zu gehen, ist nicht überliefert. Andreas Walter sagt, es liege wohl eher an seinem großen Herz für die Kunst, dass er Künstlern ein Forum bietet.

Anfang März wird es die Lange Ralf Nacht geben. „Manche Leute haben Folgen verpasst oder sind erst später dazu gekommen,“ erklärt Andreas, „deswegen werden wir die ersten vier Folgen an einem Abend spielen.“ Aber nicht nur das. Wer einen ambitionierten Teddy besitzt, soll ihn unbedingt mitbringen. „Es wird ein Stofftier-Casting geben.“ sagt Andreas. „Und das Gewinnerstofftier bekommt einen Gastauftritt in der nächsten Folge.“ Vielleicht bekommt man ja bis dahin noch was Hübsches bei Humana.

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