Es war einmal … Manhattan New York ist nicht nur die Stadt, die niemals schläft,es ist auch die Stadt, die alles schon gesehen hat. So wie Berge irgendwie schon immer da waren und sichin Ruhe angesehen haben, wie Menschen begannen dieWelt zu bevölkerten, hat Manhattan die Nachfahren ebendieser Menschen beherbergt als sie auf- und wiederabstiegen, versuchten, aufzufallen oderunterzutauchen. Als sie Musikstile und passendeLebensentwürfe entwickelten, Kunstströmungen prägten.Und sie hat zweifellos viele wütend zerknüllte Blätterbeschriebenen Papiers durch die Strassen wehen sehen,wann immer Schreiberlinge wie Paul Auster unzufriedenwaren mit ihren Versuchen, die Stadt zu beschreiben. Als ich am Brooklyner Ufer auf einem Stein saß, dieDämmerung um mich herum langsam von Dunkelheitabgelöst wurde und ich gegenüber die Lichter inManhattan angehen sah, habe ich meineManhattan-Theorie entwickelt, die über alleCharakteristika verfügt, die meine Theorien imallgemeinen auszeichnen: Sie ist sehr verkürzt undentbehrt jeglicher Logik. Hier ist sie: Meine Manhattan Theorie Egal, was die Leute erzählen und egal, wie vieleDokumentationen du über den Bau des Empire StateBuildings gesehen hast: Die Wolkenkratzer waren schonimmer da. Sie sind die Organe, die den Stadtteillebendig machen. Und wenn man des Nachts und aus derFerne darauf schaut, kann man sehen, wie er blinkendein- und ausatmet. Manhattan ist ein großer Organismus und daraufprogrammiert, mit uns Menschenkindern eine seltsamesymbiotische Beziehung einzugehen. Wir summen undbrummen, Arbeitsbienen gleich, durch die Strassen, dieFlure und die zahlreichen Etagen des Stadtteils underwecken alles zum Leben, was sonst nur kalt und großscheinen würde. Wir füttern es mit unserer Kreativität undLebensenergie als wären sie Gelee Royale und als wäreManhattan eine ziemlich große Bienenkönigin. Sie würdekeinen einzigen Tag ohne uns überleben, aber was wärenwir Arbeitsbienchen ohne sie? Sie liebt uns. Jedenmorgen küsst sie einem den Schlaf aus den Augen undschmeichelt einem die Knie weich. Für exaktzweieinhalb Minuten. Dann lehnt sie sich zurück,schaut dich abfällig an und wartet auf Resultate,Ideen, Quoten, Erfolge. Was immer es kostet, bezahles! Und Du rennst los und tust, was du kannst und nochmehr für diese zweieinhalb Minuten Liebe. Man tut gut daran, New Yorker beim Sammeln ihrer Formvon Gelee Royale nicht zu stören. Erinnert sich jemandan diese eine wunderbare Zeile aus dem wunderbarenFilm "Fight Club" (der, wie es der Zufall will, auchim wunderbaren New York spielt)? Das englische "Don'tfuck with us." kann gut und gerne in "Komm' mir bloßnicht in die Quere." übersetzt werden und alsLebensmotto der meisten New Yorker herhalten. Dass sich das alles ganz furchtbar anhört, darf nichtüber die Tatsache hinweg täuschen, dass es sich ganzgrandios anfühlt und was sich so gut anfühlt, kanndoch nicht ganz schlecht sein, oder? Und wenn ichjetzt ganz schnell einschlafe, weckt mich gleichManhattan und erzählt mir, wie toll ich bin. Und exaktzweieinhalb Minuten später renne ich aus dem Haus … Du brauchst das alles nicht zu glauben, aber ich kannmit old-school-anthropologischem Hochmut sagen: Ichwar hier, habe es mit eigenen Augen gesehen ergo mussich es ja wohl wissen.