Der Junge -
nur ein weltfremder Träumer?
Der Junge ist ein Einzelgänger, er denkt und grübelt viel, ist
neugierig und will die Welt kennenlernen. Sein Vorbild ist
Huckleberry Finn und er identifiziert sich teilweise mit ihm. Denn
sowohl sein eigener Vater, als auch jener von Finn, waren
Alkoholiker. Er sucht die Paralellen, die er in den von ihm
gelesenen Bücher findet, zu seinem Leben, kann sie aber, auch
wenn er sie verzweifelt sucht, nicht immer finden.
Ich finde, der Junge ist nicht nur ein weltfremder Träumer. Er
macht im Laufe der Geschichte eine Wandlung durch. So auch an
jenem Abend, als er auf dem Dachboden liegt und liest. Noch ganz
überwältigt von den Geschichten, merkt er, dass er nicht
einfach abhauen kann, dass er nicht einfach nach Hamburg gehen
und eine Heuer suchen kann. Er braucht Papiere und diese bekommt
er nur, wenn seine Mutter einverstanden ist. Diesen Fakt erkennt
er ganz realistisch. Er merkt zum einen sehr wohl, dass die Bücher
"falsch" sind, wie er es nennt, also nicht der Realität
entsprechen. Aber trotzdem sträubt sich noch etwas in ihm, seine
Träume zu vergessen.
Als er schließlich die Gelegenheit bekommt mit Knudsen, der bis
auf seine Mutter die einzige Person ist, zu der er Kontakt hat,
nach Schweden zu gelangen, nimmt er sie auch sofort wahr. Kaum
angekommen, haut er ab und will zuerst wegbleiben, spielt mit dem
Gedanken, sich als Politischer auszugeben, in der Hoffnung, er
brauche so keine Papiere. Ja, er bewundert Judith geradezu und
beneidet sie. Was doch wieder das Vorhandensein seiner Träume
bestätigt. Dann jedoch merkt er, dass er irgendwo auch
Verantwortung hat. Dass er seine Mutter verletzt. Ein neues Gefühl
kommt in ihm auf. Er sieht Knudsen nicht mehr nur als mürrisch
und starr und ohne Herz, sondern als er die Hinweise auf den
Grund des Unternehmens sieht, erkennt er, dass auch Knudsen sich
ändern kann und er zeigt Mitgefühl und zeigt Rücksicht. Wäre
er sonst zum Boot zurückgekommen? Ist es nicht so, dass er weiß,
wieviel Schwierigkeiten er ihm machen würde?
Auch wenn das Ende offen ist, glaube ich, er wäre zurückgefahren.
Er hat gesehen, dass er seine Träume nicht so verwirklichen
kann, wie er es gerne wollte. Auch wenn er in der Handlung eher
eine Nebenrolle spielt, glaube ich, dass Andersch etwas durch den
Jungen sagen möchte. Der Junge eröffnet und beendet sozusagen
das Buch und seine Passagen sind kursiv gedruckt. Ich glaube, der
Junge soll auch Zeichen dafür sein, dass es die absolute
Freiheit, wie er, wie alle sie gerne hätten, nicht gibt, dass
man aber trotzdem nicht aufhören soll, danach zu streben, d.h.,
dass auch er weiter träumen soll von Sansibar in der Karibik,
trotzdem aber den Blick vor der Realität nicht verbergen soll.
Und wer weiß, vielleicht gelingt es ihm eines Tages, sich den
Traum, Sansibar, ein Stück weit zu erfüllen.