Aufgabe:

Beschreibe, wie Nathan mit anderen Menschen umgeht, wie er sie für seine Sicht der Dinge zu gewinnen versucht, und zeige dies beispielhaft an einer Szene deiner Wahl (II,5)



Nathan ist ein Mensch, der gelernt hat mit Menschen umzugehen und sie für seine Sicht der Dinge zu gewinnen wie auch die Szene II,5 zeigt.


In dieser Szene macht der Tempelherr eine Wandlung durch, an der Nathan nicht ganz unbeteiligt ist. Sie fängt damit an, dass Nathan sich nochmals für die Rettung seiner Tochter bedanken möchte. Der Tempelherr jedoch meint, schon zuviel Worte des Dankes bekommen zu haben:
"Wenn zu danken. - Spart's! Ich hab [...] des Dankes schon zu viel erdulden müssen"(Z.1210 ff). Doch Nathan, völlig unbeeindruckt, verwickelt den Tempelherren in eine Unterhaltung und entlockt diesem sein Motiv der Tat. Dieser führt es darauf zurück, dass es "[...]des Tempelherren Pflicht [sei], dem Ersten, dem Besten beizuspringen, dessen Not sie sehn"(Z.1213 ff).

Nathan, greift genau diese Gedanken später ähnlich nochmals auf :"Ihr wart zu gut, zu bieder, um höflicher zu sein" (Z. 1263 f). "Ihr trugt für ihren guten Namen Sorge" (Z. 2167), Worte, von denen der Tempelherr sichtlich beeindruckt ist: "Ich muss gestehen, ihr wisst, wie Tempelherren denken sollten".

Worauf Nathan ihm erklärt, dass gutes Handeln jedoch nicht auf Ordenszugehörigkeit basiert, sondern in der Natur des Menschen liegt, liegen sollte: "Nur Tempelherren? Sollten bloß? Und bloß weil es die Ordensregeln so gebieten? Ich weiß, wie gute Menschen denken; weiß, dass alle Länder gute Menschen tragen" (Z.1271 - 1274).


Schließlich ist die Einsicht noch nicht vollkommen da, denn der Tempelherr weist auf Unterschiede in den Religionen hin. Doch Nathan widerlegt diese geschickt mit Metaphern:
"Der große Mann braucht überall viel Boden, und mehrere zu nah gepflanzt, zerschlagen sich nur die Äste. [...] Nur muss der eine nicht den andern mäkeln [...] muss ein Gipfelchen sich nicht vermessen, Dass es allein der Erde nicht entschossen" (Z. 1280 ff). Nathan zeigt also, wie wichtig es ist, zu erkennen, dass wir alle Menschen sind, alle geboren und wir nichts für unsere Religionszugehörigkeit können.

Schließlich geht der Tempehlerr noch darauf ein, dass die Juden mit dieser "Menschenmäkelei" (Z.1288) angefangen haben und will schon gehen (Z. 1304), worauf Nathan ihm unmittelbar, geradezu enthusiastisch seine Freundschaft anbietet, weil er so froh ist " [...] einen mehr [...] gefunden [zu haben], dem es g'nügt, ein Mensch zu [sein]!" (Z. 1311).


Der Tempelherr ohne Zögern, stimmt dieses Mal zu und entschuldigt sich sogar Nathan
"verkannt zu haben" (Z.1311).
Man sieht auch, dass Nathan sich zu Beginn geradezu etwas unterwürfig verhält und dem Tempelherr schmeichelt:
"Ich heiße Nathan; bin des Mädchens Vater, Das Eure Großmut aus dem Feu'r gerettet"(Z 1206 f). Auch dies ist ein bewußt gewähltes Mittel Nathans, das Gespräch zu beginnen. Der Tempelherr, der sich zu Beginn überlegen fühlt, merkt gar nicht, wie es bald Nathan ist, der die Oberhand im Gespräch gewinnt.


So hat Nathan durch seine Gerissenheit, Redekunst, Toleranz, Offenheit und Sensibilität den Tempelherr in gewissem Sinne aufgeklärt und nebenbei noch einen Freund gewonnen.

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