Gregor - nur ein abtrünniger Kommunist?
Eine der fünf Hauptpersonen, in dem Roman "Sansibar oder
der letzte Grund",
von Alfred Andersch ist Gregor, ein Kommunist und ehemaliger KPD
Anhänger.
Er studierte in Moskau an der Leninakademie, wo er eine gute
Freundin Franziska
verlor, ohne die Möglichkeit zu haben, ihr helfen zu können. Er
ist ein Einzelgänger
und kommt mit dem Fahrrad nach Rerik, um dort einen Auftrag für
die Partei
auszuführen. Er soll den lesenden Klosterschüler vor den Nazis
retten.
Dieser ist eine Holzstatue, die von den Nazis verboten worden
ist, und die
als Zeichen für die Kraft der Freiheit und Ungebundenheit steht.
Im Bezug auf die zu erörternde Frage, ist klarzustellen, was
unter einem
"abtrünnigen Kommunisten" zu verstehen ist.
Ein Kommunist strebt mit seiner Partei nach Freiheit, Gleichheit,
Brüderlichkeit.
Sein Ziel ist die Herrschaft des Proletariats, sowie jegliche
Abschaffung des
Privateigentums. Allerdings werden die Interessen des Einzelnen
in der Partei zum
Wohl der Gemeinschaft verdrängt, was Gregor dazu bewegt, sich
von der Partei
lösen zu wollen, also "abtrünnig" zu werden.
Doch Gregor ist nicht nur ein abtrünniger Kommunist. Er ist zwar
davon überzeugt,
die Partei zu verlassen, ändert aber im Verlauf der Geschichte
seine Einstellung zur
Flucht nochmals. Er opfert seine Vorstellung der Flucht, zum
Einen zu Judiths Gunsten,
die Jüdin ist und bei dem Versuch eine eigene Flucht zu
organisieren, kläglich versagt,
und zum Anderen Knudsen. Denn Gregor würde ihm, der ihn für
einen willensarmen
Verräter hält, der nur seine eigenen Interessen verfolgt, nämlich
denen vor den Nazis
und letztendlich auch vor der Partei zu flüchten und aus dem
Land zu kommen, in
diesem Falle recht geben. Nach einer Lösung von der Partei, wird
Gregor trotzdem
weiterhin Ihre Interessen vertreten und weiterhin wie ein
Kommunist handeln,
allerdings hätte er eine größere Freiheit.
Gregor spielt aber nicht nur die Rolle des abtrünnigen
Kommunisten, sondern auch weitere.
So ist er auch ein sehr wichtiger Verbindungsmann. Er vermittelt
zwischen dem sich strikt
weigernden Fischer Knudsen und dem Pfarrer Helander, der alles
dafür tut den
Klosterschüler, vor den "Anderen", den Nazis zu retten.
Auch knüpft er das Band weiter,
von Judith zu Knudsen, um das Leben der jungen Jüdin zu retten,
welche ihn sehr an
seine ehemalige Freundin Franziska erinnert. Und konnte er dieser
schon nicht helfen,
so will er zumindest bei Judith nicht versagen.
Ohne die Unnachgiebigkeit Gregors, wären diese Geschehnisse
voraussichtlich weniger
erfolgreich ausgegangen, denn er ist die treibende Kraft dazu. Er
ist es, der Knudsen
daran erinnert, dass es nicht alleinig irgendeine wahnwitzige
Idee des Pfarrer ist,
sondern, dass es der Auftrag der Partei ist, den es auszuführen
gilt. Knudsen, der in sich
selbst den Wunsch und die Sehnsucht nach einem Austritt verspürt,
muss sich jedoch
diesem schließlich stellen, denn er kann es nicht Gregor
ankreiden, wenn er selber nicht
besser ist als dieser. Doch auch als jenes Argument immer noch
zum Widerstand Knudsens
führte, schreckt Gregor nicht davor zurück, ihn schließlich
mit Gewalt zum Handeln zu zwingen.
Nichts hält den jungen Kommunisten davon ab, seinen Plan
durchzuführen.
Wie aus diesen Punkten hervorgeht und schon erwähnt wurde, ist
er schließlich der
Retter in der Not. Einmal der des Klosterschülers, der Ausdruck
der Freiheit ist, die alle suchen
und zum anderen, der Retter von Judith. Ganz am Rande, erfüllt
er auch noch dem
Jungen, der bei Knudsen in der Lehre ist, seinen großen Traum,
aus Rerik raus zu kommen,
und wer weiß, vielleicht schlägt dieser sich nach Sansibar,
dank Gregors Hilfe, durch.
Würden wir also sagen, Gregor sei nur ein abtrünniger
Kommunist, so würden wir nicht der Rolle
gerecht werden,die er wirklich spielt. Im Gegenteil, er tut
trotzdem noch alles, was in seiner Macht steht, um den
Widerstand gegen die Nazis, aktiv zu unterstützen, was in der
Zeit,
in der die Geschichte spielt, auch das Hauptziel seiner Partei
war.
Beim Lesen kommt das Gefühl auf, dass er für diesen Auftrag
sogar bereit gewesen wäre, sein Leben zu opfern, so viel liegt
ihm an allem.