Aufgabe:
- Ordne die Textstelle (S. 115(Z.11) - S.11(Z.27) kurz in das unmittelbare Geschehen ein
- Inwiefern gibt diese Textstelle Auskuunft über die Befindlichkeit Effis und was erfährt der Leser über Crampas?
- Fontane arbeitet in seine Romane immeer wieder mit Vorausdeutungen ein. Belegen diese Aussage am Beispiel der Person Crampas. Gehe dabei von der vorliegenden Textstelle aus. Nenne ein weiteres Beispiel.



Nachdem Effi, die Hauptperson des Romans "Effi Briest" von Theodor Fontane, nicht zuletzt auf Drängen ihrer Mutter und durch das Festhalten an Konventionen, den Landrat Baron von Innstetten geheiratet hatte, wurde diese schon bald nach ihrer Ankunft von dem Leben in Kessin, einem pommerschen Badeort, in dem ihr Ehegatte wohnt und arbeitet, enttäuscht. Denn ihre Erwartungen: Liebe, Glanz, Zerstreuung blieben unerfüllt. Neben dem gesellschaftlichen Notstand, den sie erlitt, plagten sie zusätzlich Spukängste, welche ihr Ehemann noch zusätzlich nährte. Dies zeigt folglich auch den emotionalen Notstand, die fehlende Zuneigung von Seiten Innstettens, welcher Effi, das Leben in Kessin, zu einem Leben in Angst und Langeweile machte. Denn Ablenkung gab es kaum. In diese Situation tritt ein neuer Landwehrbezirkskommandeur von Crampas, den Effi in der angegebenen Textstelle in einem Brief an die Mutter vorstellt.

Die Textstelle gibt zunächst darüber Auskunft, wie sehr Effi unter dem gesellschaftlichen Notstand leidet. Es gab zwar wenige Zerstreuungen, wie den
"Tripelli - Abend" und " [den] Silvesterball" (S.115, Z. 16/17), aber meistens ist ihr Leben in Kessin "monoton" (S. 115, Z. 19). Dies kommt auch daher, dass sich Effi "mit dem Adel nicht gut [versteht]" (S. 116, Z. 13).
Neben dem gesellschaftlichen Notstand, also der schrecklichen Langeweile, welche dieser zur Folge hatte, wird in der Textstelle auch ihre Einsamkeit deutlich. Vor allem, in den Nächten, in denen Innstetten beim Fürsten in Varzin war. Die Spukängste, im Hinblick auf den Chinesen, beschreibt Effi hingegen, als beinahe willkommene Abwechslung. Dies rührt wohl daher, dass sie zu jener Zeit, nicht unter ihnen litt und diese wohl wirklich ein wenig Langeweile vertrieben hatten. Dies zeigt auch ihre Sehnsucht nach Abwechslung:
"wenn es doch nur wiederkäme" ( S. 115, Z.29). Der Konjunktiv drückt dies besonders deutlich aus.
Zuletzt wird deutlich, dass Effi auch von einer Sehnsucht nach Hohen - Cremmen getrieben wird. So schreibt sie öfter an die Mama und erzählt dieser viel mehr als Innstetten, was sei umtreibt (S. 116, Z.4). So hat Effi Heimweh nach ihrer alten Heimat und ihren Eltern.

In Crampas hingegen sieht Effi
"Trost und Rettung [...]" (S. 116, Z.17). Sie hofft, dass er dazu beiträgt die Langeweile und Angst zu überwinden. Sie meint, es "könne [...] nun nichts Schlimmeres mehr in diesem lieben Kessin passieren" (S. 116, Z. 25). Ihre Stimmung wurde also durch die Ankunft des Majors deutlich gehoben. Gute Chancen für eine Veränderung sieht Effi auch im Wesen von Crampas: "ausgelassen und übermütig" (S. 117, Z. 15 f.), ohne "die pommerschen Vorurteile" (S. 117, Z.24 f.)
Aber zugleich zweifelt Effi die mögliche Verbesserung an und sieht Probleme, die aufterten werden. Denn der Major ist verheiratet, hat zwei Kinder und seine Frau ist
"immer verstimmt, beinahe melancholisch" (S. 116, Z. 34 f.).
Eine Freundschaft wird, wenn überhaupt, nur heimlich möglich sein. Diese Zweifel macht schon ihre zu Anfang gestellte Frage:
"Ja, haben wir ihn wirklich?" (S. 116, Z. 28 f.) deutlich und sie gibt auch die Antwort : "es scheint, [...], wieder nichts werden zu wollen" (S. 116, Z.26). Über Crampas erfahren wir, neben den schon genannten Attributen, dass er ein "Damenmann" (S. 117, Z.2) ist, der schon ein Duell hatte, was den Major in ein zwiespältiges Licht stellt. Außerdem wird er als "vollkommener Kavalier, ungewöhnlich gewandt" (S. 117, Z. 19 f.) charakterisiert. Diese Eigenschaften scheinen Effi in gewisser Weise zu faszinieren.
Schließlich bekommt der Leser darüber Aufschluss, dass er zusammen mit Innstetten im Krieg war, die Zwei sich gut kennen und folglich ein freundschaftliches Verhältnis zueinander haben.

Die erste Vorausdeutung besteht in den Zweifeln Effis, dass das Leben in Kessin sich wirklich zum Guten wenden wird, da sie mit der Frau von Crampas nicht auskommt. Es kann also nur eine heimliche Freundschaft zwischen Crampas mit ihr werden, was ja durch den folgenden Ehebruch bestätigt wird. Eine weitere Vorausdeutung liegt in der Charakterisierung Crampas als
"Mann vieler Verhältnisse", als "Damenmann" (S. 117, Z. 2f.). Der Leser erwartet wohl ein neues Verhältnis, eine neue Affaire, die in der Beziehung zu Effi Erfüllung findet. Der "vollkommen[e] Kavalier", lässt vermuten, dass es Crampas gelingt, Frauen für sich zu gewinnen. Auch diese Vermutung zeigt sich gerechtfertigt. Effi schafft es nicht, sich Crampas zu entziehen.
Er hat keine
"pommerschen Vorurteile" (S. 117, Z.25), d.h., er scheint offener, unkonventioneller zu sein, als andere in Kessin, als Innstetten, der auf Pflicht und Ehre beharrt. Dies bestätigt sich darin, dass er gegen die Konventionen, gegen das Gesetz verstöst und Ehebruch begeht. Auch die Freundschaft zu Innstetten, deutet auf ein mögliches Konfliktfeld hin und tatsächlich geht die Dreierbeziehung nicht gut. Innstetten ist Einer zuviel. Die letzte, sehr wichtige Andeutung, liegt in dem Duell, durch welches Crampas den linken Arm verloren hat. Es deutet auf das bevorstehende Duell mit Innstetten hin und somit auf seinen Tod.

Dieser Verdacht verstärkt sich in dem Gespräch, das Crampas und Innstetten während dem Frühstück am 27. September (S. 138 / 139) führen. Der Major kam vom Baden und man erzählt die Geschichte eines Bankiers, der dabei ertrunken war. Diese Geschichte kontert Crampas mit dem Spruch:
"Wer für den Strick geboren ist, kann im Wasser nicht umkommen" (S. 138 , Z. 15 f.). Der Major spricht also locker über den Tod, als könne dieser ihm nichts anhaben. Er zieht weitere Todesarten in Betracht. Die Spielernatur Crampas wird hier deutlich, welche ihren Höhepunkt in der Provokation Innstettens erlangt, wenn er diesen um Krieg bittet, welchen dieser bei Bismarck bestellen soll. Der Major macht sich darin über Innstettens verbissenes Streben nach Aufstieg lustig, hält sich darin dann aber doch scheinbar zurück, da er "nicht direkt vor [Innstettens] Pistolenlauf kommen [will]". (S. 139, Z. 18/19). Crampas hat in diesem Ausspruch seinen tatsächlichen Tod vorweggenommen, da er ja wirklich beim folgenden Duell mit Innstetten durch dessen Pistolenlauf ums Leben kommt. Auch der Konflikt, der sich zwischen Crampas und Innstetten anbahnt, wurde nochmals deutlich aufgezeigt, so dass der Leser ahnt, dass es letzten Endes zur Eskalation zwischen den beiden Freunden kommen wird.

So zeigen diese Textstellen, dass sich ie Person Crampas eignet, Fontanes Mittel der Vorausdeutungen zu belegen.



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