Lieber Herr
Faber,
ein netter Bericht, den Sie da geschrieben haben. Ich fürchte, Sie
stehen mit ihren Schwierigkeiten und Problemen, die Sie im Laufe
des Geschehens versteckt oder auch unmittelbar offenbaren nicht
alleine da.
Im Gegenteil, vielen Menschen der heutigen Zeit, der heutigen
Gesellschaft, geht es wie ihnen und werden ihre Worte voller
Begeisterung und Verständnis lesen. Wer möchte nicht alles
unter Kontrolle haben, alles errechnen und erklären können? Und
wie viele scheitern daran?
Der Tod, die Liebe, Naturkatastrophen, Krankheit und das Versagen
der Technik, gehören in das Leben eines jeden von uns. Die Frage
ist nur, wie man damit umgeht. Verdrängen, verleugnen,
Selbstbetrug, Hass auf sich selbst oder das Verfluchen der
Anderen, können Auswirkungen sein. Man erkennt plötzlich, dass
die Natur Nichts getrenntes von uns ist, sondern dass sie Teil,
ja, dass wir in gewissem Sinne Natur sind, und das eben die
einzige wirkliche Möglichkeit, das Leben zu kontrollieren nur
funktioniert, wenn wir dies begreifen. Wenn wir uns nicht von
jenem, dass uns fremd und Angst einjagend erscheint distanzieren,
sondern wenn wir, wie man so schön sagt: dem Feind in die Augen
schauen. Wer weiß, vielleicht wird der Feind zum Freund.
Alle protestieren sie gegen Kriege, aber führen wir nicht alle
Kriege im Kleinen mit uns selbst, in der Tiefe unseres Wesens,
unserer Sehnsüchte und Wünsche? Und ist es nicht so, dass sich
die Technick aus der Natur heraus entwickelt hat? War nicht das
erste Rad aus Holz und somit die Technik nicht auch ein Stück
Natur? Die Menschen, die Schöpfer der Technik, halten sie sich
nicht für die Primaten der Natur?
Aber zurück zum Thema. Ich muss ihnen sagen, dass sie in
Versuchung kommen könnten, ihr Weltbild radikal umzuwerfen, also
von einem Extrem ins andere zu verfallen. Der Rationalist wird
Mensch, der sich nur noch von Emotionen leiten lässt. Aber ist
es nicht Beides, dass uns inne wohnt? Die Ratio und die Emotion?
Brauchen wir sie nicht beide? Wären wir, würde eine fehlen,
nicht nur halbe Menschen? Ist zu dieser Erkenntnis nicht schon
Aristoteles gekommen?
Allerdings, so muss ich ihnen sagen, ist ihr Bericht für jene,
die ihre Probleme nicht haben, für jene, welche diese Einheit
von Ration und Emotion, von Zivilisation und Natur, von Körper,
Geist und Seele begriffen haben, extrem langweilig (insbesondere
für Frauen). So sollten sie sich nicht wundern, wenn ihr Bericht
auch viel Kritik erntet und ihn mancher unbeeindruckt, unberührt,
vollständig oder nur zur Hälfte gelesen, wieder zur Seite legt.
Aber wie auch immer, jeder muss seinen Weg gehen und seine
Erfahrungen machen und aus ihenen lernen. In diesem Sinne, wünsche
ich ihnen alles Gute für ihre Zukunft.