Vorwort:
Nein, ein richtiges Buch, wie man es in den
vielen Läden kaufen kann, soll das hier eigentlich nicht werden.
Es soll nur eine Art Tagebuch oder Lebensbericht sein. Der Grund
warum ich es/ihn verfass? Ich hoffe, dass ich durch es/ihn mein
Leben klarer sehen kann und es/er mich in gewissem Sinne
weiterbringt. Es wird ein Bericht voll Freude und Hoffnung, voll
Glaube und Liebe aber auch voll Trauer und Verzweiflung, voll Tränen
und Wut, voll Kampf gegen den Rest der Welt und doch wird am Ende
der Humor siegen.
I wie jeden Morgen
Da Erste, was ich an diesem kalten Januartag wahrnahmm, war wie
jeden Morgen, das ungeduldige Klopfen an meiner Zimmertüre und
meine Mutter, die diese schließlich aufriss und mit
verschlafener Stimme meinte, dass es Zeit zum Aufstehen sei. Doch
ich fühlte mich mal wieder wie gerädert. Kuschelte mich wieder
in meine zwei Decken, ja, ich hatte im Winter immer zwei Decken,
ein Federbett und eine braune Wolldecke, und versuchte die
Traumbilder der vergangen Nacht viel mehr zu verdrängen, als
mich an sie zu erinnern. Mit aller Energie, die ich fähig war
aufzubringen, schaltete ich das Radio an. SWR3 wie jeden Morgen.
Da kamen auch schon die 6.00 Uhr Nachrichten. Themen waren mal
wieder der Irakkrieg, die Wirtschaftskrise, das Haushaltsdefizit
und die Steuerreformen, wie jeden Morgen. Da kamen mir die mit
Bleistift hingekritzelten Zeilen ins Blickfeld, die ich gestern,
da ich mal wieder nicht einschlafen konnte, geschrieben hatte.
Notgedrungen las ich sie nochmals:
Manchmal komme ich mir so unendlich alt vor.
Als hätte ich schon so vieles im Leben erfahren, erlebt, komme
mir so viel älter vor, als meine Eltern. Und damit auch so
unendlich müde. Das sind diese Nächte, in denen das Schlafen
einfach nicht geht, in denen die Gedanken dich zerfressen, oder
du von einem schrecklichen, zum nächsten komischen Traum träumst
und morgens, wenn du aufstehen solltest, dich so gerädert fühlst,
als hättest du Wochen nicht geschlafen.
Oh ja, wie passend das doch alles war. Aber das sind keine guten
Gedanken für einen Montag Morgen, an dem die Eltern in der Küche
mit dem Frühstück warten und man noch eine Physikarbeit zu
schreiben hat, zu diesem Zeitpunkt wusste ich natürlich nicht,
dass diese Arbeit trotz allem Zweifel und allen Ängsten, wie
schon so oft, eine 2 werden sollte. So schob ich diese Zeilen
geradezu hastig in die oberste Schubalde meines Nachttisches, zu
all den anderen Gedanken, Gedichten, Träumen, mit der Hoffnung,
dass sie dort möglichst lang aus meinen Augen bleiben würden.
II Spiel des Lebens
Wie schon gesagt, auch jene Physikarbeit und jener Tag gingen
vorbei. So wie eben jeder Tag. Und irgendwo frage ich mich
wirklich, wie lange dieses Spiel noch gehen soll. Ja, das Leben
gleichte mir in dieser Zeit wirklich wie ein Spiel. Nein, nicht
wie ein Traum, das wohl nur ganz selten.
Ich meine, ich habe das immer noch nicht begriffen, wie eine
Gerade plötzlich eine Lücke haben soll und wofür es gut sein
soll, eine solche Lücke berechnen zu können. Wobei ich mir von
unserem lieben Mathelehrer sagen lassen habe, dass gar nicht jede
Gerade eine Lücke hat. Ganz im Gegenteil eigentlich hat sie ja
gar keine Lücke. Nur wenn man eine Randuntersuchung oder etwas
Ähnliches durchführt, wenn sie eine sogenannte Definitionslücke
hat. Aber so genau bin ich diesem Mysterium noch nicht auf den
Grund gekommen. Da sind mir die Fortpflanzungsstrategien von
Schimpansen und Blattläusen doch schon verständlicher. Obwohl
ich mich ehrlich frage, ob es gut ist sich über andere Dinge
oder Tiere Gedanken zu machen, wo diese doch selbst absolut keine
Ahnung davon haben. Oder doch? Schade eigentlich, dass wir gar
nicht so genau wissen, was in einer Blattlaus und in einem
Schimpansen vor sich geht. Aber ich bezweifle, dass sich die
Blattläuse über unsere Fortpflanzungsstrategien Gedanken machen.
Obwohl das so genau wohl keiner sagen kann.
Ja, es klingt verrückt, aber genau solche Sachen lernt man eben
heutzutage in der Schule, und genauso schnell wie man sie lernt
vergisst man sie auch schon wieder. Immer noch nicht überzeugt
von dem Spiel?
Was ist das eigentlich? Man geht Arbeiten, verdient Geld, kauft
sich schöne Dinge, muss Steuern zahlen, und bekommt wieder Geld.
Und hat man mal keines mehr, so ist man out, so hat man verloren.
Manchmal sollte man wirklich nicht zuviel nachdenken, sonst wird man noch ganz verrückt. Aber verrückt, was ist das schon? Und was ist schon normal? Wer hat überhaupt die Macht zu sagen, was normal ist und was nicht? Ist das nicht ganz schön arrogant? Das erinnert mich an unsere letzte Relistunde, in der es doch tatsächlich über die "Sinnhaftigkeit reduzierten Lebens" ging und über Werte und Normen. Auch wenn ich es will, es gibt so vieles, das ich einfach nicht verstehen kann, und ehrlichgesagt, ich bin froh und stolz darauf, dass ich es eben nicht verstehe!
Ach ja, um nochmal auf das Spiel zurückzukommen, meine Damen und
Herren, ich bitte um Aufmerksamkeit für meine neuste Kreation:
Das Spiel des Lebens
Ist das Leben nicht ein Spiel,
mit scheinbar unbekanntem Ziel?
Nicht ein Wettlauf mit der Zeit,
bei dem der Pokal des Glückes unerreichbar bleibt?
Eine Mischung aus Monopoly und Mensch-ärger-dich-nicht,
aus Risiko, Memory und einem alten Schachbrett das schon
zerbricht?
Aufdecken, umdrehen, verdienen und riskieren,
alles einsetzen, nur nicht verlieren.
Jeder nur für sich allein,
andere dürfen höchstens helfendes Mittel sein.
Wartet der Fehler nicht darauf zu sagen "du hast verloren",
hat sich das "time out" auf dem Bildschirm nicht gegen
uns verschworen?
Scheinbar gefällt es uns nicht schlecht,
kommt uns zur Unterhaltung gerade recht,
aber ist es wirklich uns'res Lebens Ziel,
zu gewinnen ein uns aufgezwung'nes Spiel?
III Wir gegen den Rest der Welt
Natürlich kommt man als Schüler auch in den Genuss Ferien zu
genießen. Was würden wir denn auch ohne diese tun ? Aber vorher
werden natürlich noch einmal heftig Arbeiten geschrieben. Am
besten jeden Tag eine, wenn es nach den Lehrern ginge.
Nein, wir Schüler wir können nicht planen, können unsere Zeit
nicht einteilen, aber die Herren Lehrer haben das natürlich
schon immer gekonnt. Ja, wir Schüler, wir merken das. Ehrlich,
vor allem vor den Ferien.
Doch dann sind auch die letzten Arbeiten geschrieben, man verlässt das Schulhaus und weiß nicht so recht, ob man sich jetzt wirklich freuen soll, freuen kann, freuen will. Ich persönlich, merkte zuerst einmal gar nicht das Ferien sind. Aber das liegt nur an meinem vollgestopften Freitag. Gitarrenensemble, Chor und nochmal Chor. Daran bin ich selber Schuld. Ja, bin ich wirklich, aber am Ende hab ich gar nichts gegen diesen vollen Freitag, nein, ganz im Gegenteil, er ist mir einer meiner liebsten Tage, vom Wochenende natürlich abgesehen. Denn, ich liebe Musik über alles. Ja, ich glaube das kann ich wirklich sagen. Aber auch dieser Freitag geht vorbei und irgendwann merke ich wirklich, dass Ferien sind.
Wenn man einmal soweit ist, fragt man sich schließlich ziemlich schnell, was man denn jetzt eigentlich machen könnte, machen will, machen sollte. Freunde treffen, ein guter Vorschlag, wenn man welche hat. Nein, kommt nicht auf falsche Gedanken. Auch ich habe Freunde. Wobei ich nicht sagen will, dass es sehr sehr viele sind. Aber es sind gute, richtige, solche auf die man sich verlassen kann und die für einen da sind. Die einen einschätzen können und mit denen man über alles reden kann und bei denen man nicht ständig nett und freundlich sein muss, wenn einem nicht danach ist. Nein, keine Auswechselbaren. Ich gehöre nicht zu der Sorte von Menschen, die ihre Freunde, befänden sie sich unter lauter Gleichaussehenden, mit gleicher Stimme, nicht wiedererkennen würden. Nein, wahrlich nicht. Ich gehöre sogar zu den glücklichen, die ein Individuum als "beste Freundin" bezeichnen dürfen. Ich habe mir nämlich sagen lassen, dass das heutzutage gar nicht mehr so selbstverständlich ist, dass sogar Leute, von denen man denkt, sie hätten viele Freunde, hätten immer was zu tun, wären immer gut drauf, ständig unterwegs, ständig am Party machen, sich oftmals unendlich einsam fühlen und nie auf die Idee kämen, eine von ihren ganzen Freunden gar als "besten Freund" oder "beste Freundin" zu bezeichnen. Aber zum Glück ist das bei mir anders. Diese gewisse Person, nennen wir sie mal, aus einer Laune heraus, Aicha, ist wirklich eine Person, die vieles weiß, vieles kann, über vieles nachdenkt, vieles versteht, von dem der Rest der Welt noch nicht einmal wagt zu träumen. Wir kennen uns seit geraumer Zeit und verbringen sehr viel Zeit miteinander. Aber Aicha ist natürlich nicht immer zu Hause oder hat hin und wieder, vor allem in den Ferien, da dies wohl die beste Zeit dazu ist, Besuch aus anderen Teilen der Welt. Und so fällt diese Art der Beschäftigung erstmal weg.
Auch andere Freunde waren im Urlaub, auf der Schule oder andersweitig beschäftigt. Manchmal soll es sogar das Phänomen geben, dass man auch Leute, die man sehr sehr gern hat, eine zeitlang nicht sehen möchte. Aber gut, es gibt wohl auch noch andere Möglichkeiten. Lesen zum Beispiel. Das tue ich nun auch, aber den ganzen Tag lesen, ist wohl auch nichts das Wahre, am Ende doch eher eine Beschäftigung, für schlaflose Nächte. Ja, Hesse oder Gaarder oder sonstige Literaten machen auch diese durchaus angenehm. Wenn wir schon beim Lesen sind, man kann natürlich auch Schreiben, wie ihr gerade seht. Des Weiteren verbringe ich in den Ferien viel Zeit mit dem Spazierengehn und dem Muszieren. Nun, so voreilig würde ich nicht urteilen, wenn ich du wäre, denn das ist immer so eine Sache. Etwas, das man einmal ausgesprochen hat, lässt sich nämlich nicht mehr so schnell zurücknehmen. Man könnte Gefahr laufen, sehr schnell als unglaubwürdig, oder gar als Lügner dazustehen, und das wollen wir doch nicht, oder ?
Vielleicht bin ich nicht der Rest der Welt, aber sicher habe ich
mit ihm zu tun, stehe mit ihm ständig in Verbindung und lebe
eben auf der gleichen Weltkugel wie er. Im Übrigen bin ich weder
taub noch blind, noch stumm oder habe sonst irgend eine Art von
Behinderung, die mich daran hindert, den Rest der Welt
wahrzunehmen. Obwohl, wenn ich mir das so überlege,
wahrzunehmen, damit hab ich wohl keine Schwierigkeiten, aber
vielleicht habe ich ab und zu eine Hinderung ihn zu verstehen.
Aber nun gut, eigentlich wollte ich nur sagen, dass auch ich
schon in den Genuss von den Festen gekommen bin, die dem Rest der
Welt so gut gefallen. Doch bei genauem Hinsehen, muss ich sagen:
Festliches, habe ich da überhaupt Nichts gesehen. Zugegeben
manche Bands waren ganz nett und das rumhüpfen kann auch mal
eine zeitlang ganz amüsant sein, aber ich muss euch ehrlich
sagen: glücklichsein, Spaß haben, zufrieden sein, Sinn finden,
das ist mir auf euren Festen nicht gelungen. Und darf ich euch
nochmal was sagen ? Ich glaube, auch der Rest der Welt, war nicht
glücklich, hat nicht gefunden, was er suchte. Aber ich habe
gemerkt, dass er sich alle Mühe gab, sich fröhlich zu geben,
auch wenn er nur am Rand saß, vor sich hinstarrte, schwieg und
wie in Trance schien, oder aber farbige oder durchsichtige Getränke
in sich reinschüttete.
Das gleiche Phänomen ist mir auch bei gewissen Busfahrten in die
Stadt aufgefallen. Ja, man ist bestrebt Themen zu finden, über
die man nachdenken kann und tatsächlich stößt man da auf so Einiges.
Da wäre zum einen die Frage, was man anzieht, die schwarze oder
die blaue Jeansjacke, oder gar eine Lederjacke oder vielleicht
doch lieber Kord? Oder aber nur ein Stoffjäckchen. Die Frage ist,
was die Freundin anziehen wird und vor allem, was wir der Freund
sagen? Es ist wirklich eine Frage, der man sehr viel Zeit und
Ernst widmen sollte, wenn man zu der Rasse des Rest der Welt gehört,
denn wenn man das nicht tut, dann kann es sein, dass man das schöne
Spiel schnell verloren hat. Als Frau sollte man natürlich auch
immer über die Haarmode und das richtige Schminken informiert
sein. Auch über das neuste Design der Handtaschen und über das,
was in so eine Tasche dann alles hineingehört. Man sollte hier
wirklich Nichts vergessen, denn dies könnte die fatalsten Folgen
haben. Die Männer haben es da etwas leichter, aber Mode und
Haarstyling, gehört auch zu ihrem Themengebiet, über das viel
diskutiert und nachgedacht wird. Hat man das abgehakt, so kommt
man mit den zwischenmenschlichen Beziehungen in Konfrontation.
Zum Einen, ist da jenes der Prominenten, der Popstars, Models und
Schauspieler und zum Anderen, das der Freundin oder gar dem
Freund der Freundin, oder der Freundin von dem Freund der
Freundin. Man kann auch bemerken, dass ein durchaus unbekanntes
Individuum ihre Tasche falsch trägt oder einen absolut uncoolen
Freund hat. Oder aber unsere Herren der Schöpfung, haben schon
wieder eine Nutte oder ein Flittchen oder einfach eine absolut
geile Tuss bemerkt, über die sie meinen philosophieren zu müssen.
Denn es gefällt ihnen ja nicht, wie sie rumlaufen, finden das ja
absolut widerlich und überhaupt, wer würde sich sowas schon
anlachen ?
Aber nun gut, nach der Busfahrt geht man dann nun in die Disco,
in Clubs, in Bars, Cafés, Kneipen oder nur zum Italiener oder
ins Kino um sich bestätigen zu lassen, dass man erkannt hat, auf
was es in einem gelungen Leben ankommt. Aber ich möchte mich an
diesem Punkt nicht weiter mit dem Rest der Welt beschäftigen.
Schließlich gehen auch Ferien rum, Aicha's Besuch reist wieder
zurück in andere Teile der Welt und man genießt letzte Tage
zusammen, bei ruhigem Sitzen und miteinander Reden, voll innerer
Unruhe und Zerrissenheit und dem friedlichen Gefühl, noch so
vieles machen zu müssen, von dem man im Grunde sowieso weiß,
dass man es nicht tun wird.
IV ihn lieben, ehren und achten alle Tage meines Lebens
Ich schlenderte durch die Straßen unseres recht kleinen,
provinzialischen Städtchens, da kommt mir ein weinendes Mädchen
entgegen. Sie schluchzte herzzerreißend und ich konnte es nicht
lassen, zu ihr zu gehen und sie nach dem Grund ihrer Gefühlslage
zu fragen. Da sie nun so überhaupt nicht fähig war zu reden,
gab ich ihr erst einmal ein Taschentuch. Sie schneuzte sich und
ließ erstmal einen Hagel von Wortfetzen auf mich los. Lieb ihn,
zu dick, hässlich, umbringen, Leere, mein Sinn verloren und Ähnliches
drangen da an mein Ohr. Aber, trotz meiner Kreativität,
ermunterte ich sie, doch nochmal alles in Ruhe von Vorne zu erzählen.
Da genau in diesem Moment, unserem lieben Gott, wohl genau das Gleiche wie dieser jungen Dame passiert ist, oder er dermaßen mit ihr mitlitt, fing es jedoch schlagartig an zu regnen. So flüchteten wir ins nächste Kaffee und ergatterten doch tatsächlich noch einen Tisch. Und nachdem wir unsere Bestellung aufgegeben hatten und der freundliche Herr Kellner uns auch soeben bedient hatte, fing sie nun an zu erzählen was passiert ist.
Sie konnte einem schon leid tun. Ihr Freund hatte sie verlassen.
Heute Morgen hat er ihr eine SMS geschickt, "Es ist aus. Ich
liebe Dich nicht mehr". Nun erzählte sie mir, dass dies
bestimmt sei, weil sie vor zwei Wochen eine Brille bekommen hatte,
sie viel zu dick sei, unbedingt abnehmen müsse, zu große Füße
und eine hässliche Nase hätte. Doch ich muss euch sagen, sie
war wirklich hübsch, und durch die Brille wirkte sie unheimlich
erwachsen und intelligent. Aber aus Erfahrung weiß ich, dass sie
mir das sowieso nicht glauben würde. So unterbrach ich sie nur
gedanklich in ihrem Redefluß und hörte ihr weiter zu. Sie
meinte, dass sie nun seit zwei Monaten zusammengewesen wären und
er der Mann ihres Lebens sei. Sie kann nicht ohne ihn Leben, sie
sieht keinen Sinn mehr in einem solchen, denn wenn sie morgens
aufsteht, dann fühle sie sich doch so leer. Sie will ihn
heiraten, sie will alles tun, um ihn wiederzubekommen. Sie will
ihm ersteinmal Zeit geben und sie will warten, bis sie ihn wieder
bekommt und wenn nicht, dann will sie sich umbringen, aber ein
Leben ohne ihn niemals.
Nun, man könnte dies an dieser Stelle als kindliche Naivität
abtun und hier einen Punkt setzen und aufhören. Aber ich bin ein
Mensch, der findet, dass man auch den Rest der Welt durchaus
ernst nehmen sollte. Und zwar den ganzen Rest der Welt. Kinder
wie Erwachsene, Jugendliche wie Alte, Politiker wie Penner,
Arbeiter wie Ärzte, Gärtner wie Generäle, ausnahmslos alle.
Wobei wir aufpassen müssen, nicht schon wieder zu dieser Werte,
Normen, sinnhaftigkeit von Leben - Frage zu kommen.
Nun gut, was ich damit sagen wollte, ist zum Einen, dass sich der Rest der Welt gegenseitig häufig alles andere als Ernst nimmt, ich aber diese junge Frau durchaus. Aber, ich mußte mir gut überlegen, was ich ihr nun sagen konnte, denn mir lag zwar eine Menge Zeug auf der Zunge, aber ich wollte sie nicht noch mehr verletzen. Denn für sie war das sowieso schon alles ein kleines Drama , eine Passion keines gleichen.
Im Übrigen bin und war ich schon immer der Meinung, sagen wir
mal solang ich denken kann, dass wahre Erkenntnis von innen
kommen muss, also nützt es am Ende absolut gar Nichts, wenn ich
hier nun einen kleinen Vortrag halte. So fragte ich sie viel eher,
was denn für sie eine wahre Beziehung ausmache, was für einen
Sinn sie in einer solchen sehe?
Erstmal sah die junge Frau ganz verblüfft auf, und vergas für
einen kurzen Moment das Schniefen, nichteinmal eine Träne
kullerte in diesem Augeblick aus ihren Augen. Sie schluckte und
meinte danach, glücklich zu sein. Sich einfach zu lieben, mit
einander Spaß haben, einander verstehen, einander vertrauen können,
einander nahe sein und den anderen einfach glücklich machen. Im
Grunde eine gar nicht so üble Antwort, für eine von dem Rest
der Welt, aber es war nun nicht das erste Mal, dass ich mir über
dieses Thema Gedanken machte oder dass ich mit einem vom Rest der
Welt über dieses Thema redete. Viele von diesen gehen nämlich
Beziehungen am Ende ein, um sich selbst besser zu fühlen, um
geliebt zu werden, um das Ego zu stärken. Das Fatalste finde ich
noch heute, dass Liebe immer etwas tun muss, dass Liebe nicht
einfach sein kann. Obwohl ich selber immer noch ein Problem damit
habe, dass man nur eine einzige Person lieben kann...
Aber darum soll es hier zunächst nicht gehen. Allerdings war ich dieser Person nun eine Art Antwort schuldig, so meinte ich zur ihr, dass sie mit ihrem Freund scheinbar sehr glücklich gewesen sei. Dass sie schönes Erfahren und auch gelernt hat, dass sie sich glücklich schätzen kann, aber, dass es noch viele andere junge Männer gibt, mit denen sie glücklich sein kann, denen sie vertrauen kann, denen sie nahe sein kann und die sie glücklich machen kann.
Worauf sie, wie ich erwartet hab natürlich sofort Protest
einlegte, sie meinte, dass er einzigartig war. Doch als ich sie
nach dieser Einzigartigkeit fragte, schwieg sie zuerst einen Moment.
Schließlich meinte sie, dass er ihr einfach vertraut war, dass
sie sich so gut ergänzt hätten. In Gedanken schüttelte ich
heftig den Kopf. Sie tat mir so leid, denn auf der Grundlage, auf
der sie ihre Beziehung eingegangen war, musste das Scheitern doch
früher oder später kommen. Zunächst einmal sagte ich ihr, dass
sie genauso einzigartig sei, es eigentlich jeder Mensch war.
Jeder Mensch ist nicht nur Abbild Gottes, sondern trägt das Göttliche,
das Besondere, das Einmalige doch auch selber in sich. Und dann
fragte ich sie:"Glaubst du wirklich, dass der Sinn und Zweck
einer Beziehung darin besteht, einander zu ergänzen?" Sie
zuckte ein wenig verschüchtert die Schultern. Am liebsten hätte
ich sie in diesem Moment einfach fest in den Arm genommen und an
mich gedrückt, aber so einfach geht das auch nicht. Sie war im
Grunde ja doch eine wildfremde Person. Und so setzte ich erneut
an zu reden. "Weißt du", sagte ich, "Ich glaube,
dass der Sinn und Zweck einer Beziehung nicht darin besteht, dass
die jeweiligen Partner sich vervollständigen, sondern, dass
dieser viel mehr darin liegt, dass sie mit einander ihre Vollständigkeit
teilen können. Ich verstehe wie traurig und verletzt du bist und
die Art und Weise, wie dein Freund dich abgefertigt hat, ist
nicht in Ordnung, aber schau, es bringt nichts, in einer
Beziehung irgendetwas aus einem Gefühl der Verpflichtung heraus
zu tun. Der Mensch sollte immer die Gelegenheit sehen und du
solltest auch jetzt die Gelegenheit sehen, welche dir diese
Situation, auch wenn sie mit Schmerz verbunden ist, bringt. Denn
alles, was im Leben passiert, hat letztendlich einen Sinn, lässt
uns wachsen und reifen, will uns etwas lehren, etwas mitgeben.
Wir verstehen das nur oft erst viel viel später und wissen es
erst dann zu schätzen. Auch dieses "es ist aus", lässt
dich wachsen, will dir neue Chancen, neue Perspektiven schenken.
Jedes Ende ist doch zugleich ein Neuanfang."
Ja, ich zitierte ihr den guten alten Hesse:
"In jedem
Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns
hilft zu leben."