Sie
saß auf einer Bank, die Füße fest an ihren Körper gezogen.
Zusammengekauert saß sie da, in Gedanken versunken. Sie fühlte
sich so allein, unendlich einsam.
Traurigkeit
füllte ihren ganzen Körper aus. Hilflosigkeit, Verzweiflung,
Angst. Wie oft hatte sie versucht diese zu beschreiben? Wie oft
war dieser Versuch gescheitert?
Es
war die Angst, ihr Leben nicht mehr in den Griff zu bekommen, die
Angst, niemanden mehr zu haben, der ihrem Körper, ihrer Seele,
ihren Gedanken, ja ihren Ängsten Schutz bot, die Angst gefangen
zu sein in ihren Ängsten, ohne die Hoffnung auf einen Ausweg.
Sie versuchte tief zu atmen, aber Brust und Lunge waren
zusammengezogen. Alles war so eng und ließ nichts nach draußen,
dabei wollte es doch eben alles raus.
Sie
wollte weinen, nur noch weinen endlos. Allem Schmerz und
Kummer Ausdruck verleihen, alles von sich weinen, aber die rot
verweinten Augen ? Nein, es ging nicht, noch nicht
vielleicht in der Nacht. Der Tod, der ihr so oft als letzter
Ausewg erschienen war, jetzt machte auch er ihr Angst, ließ sie
zittern und beben. Ja, es war so, der Tod fiel und stieg mit dem
Leben. Gab es keinen Trost im Leben, gab es auch keinen im Tod,
denn Gott schien ja so fern von ihr, in fernen Himmeln verloren.
Ihre Gebe waren verstummt. All die frommen Verse und Psalmen,
Lieder und Bibelstellen ihrer Kindheit schienen ihr kein Trost
mehr zu bringen. Aber halt, war sie hier nicht zu voreilig, zu
hart mit ihrem Urteil?
Waren
es nicht tatsächlich die andächtigen Minuten einer Messe,
gelesen an einem ihr so vertrauten Ort ihrer Heimat, die in ihr
ein Gefühl der Ruhe und inneren Geborgenheit aufkommen ließen ?
Waren es nicht doch die alten Psalme, die ihr Zuversicht, Trost
ja Hilfe zuflüsterten? War es nicht das leise Summe des segne
du Maria, vor dem Einschlafen, dass sie zur Ruhe kommen
liess ?
Innere
Einkehr, ja, sie wollte fliehen, vor so vielem, dass sie umgab,
weit weg von all dem, schlafen! Aber war Flucht das Richtige?
Sie
brauchte die momentane Flucht, die Minuten des Ausruhens, die
wenigen, aber sie mußte es schaffen, die Angst und die Tränen
zu überwinden, nur war dies ja eben das Schwere, ihr so
unmöglich erscheinende. Es gab einfach kein verschreibbares
Patentrezept gegen diese, aber doch kannte sie da ein Mittelchen,
dass ihrem Leiden Linderung bereitete. Es war die Menschenwärme,
der Humor und Witz, die einfühlsame und liebevolle Art eines
Menschen, der sie doch ständig ermutigte, bestärkte und
tröstete. Der es verstand ihr zuzuhören oder sie einfach ganz
fest in den Arm zu nehmen und den sie doch so sehr liebte. Solang
sie diesen noch hatte, wollte sie der Angst doch immer wieder und
wieder aufs neue trotzen, denn sie war ja eben nicht allein,
sondern hatte Halt, Stütze und Zuflucht.