chapter 1 ~ arrival
Es war noch mehr als eine Viertelstunde bis die Schule beginnen würde, als Ruki an diesem Morgen vor dem Schulgebäude ankam. Wie jeden Tag um diese Uhrzeit ließ er seinen Rucksack neben die den Schulhof umlaufende Mauer sinken, zog eine Schachtel Zigaretten und ein Feuerzeug aus dem vorderen Fach und zündete sie sich gemütlich an, die Augen dabei blinzelnd in Richtung Himmel gelenkt. Es hingen nur weniger Wolken vor der hellblau durchzogenen Fläche. Es würde ein schöner Tag werden."Morgen Hitsugi," murmelte er lächelnd, ohne seinen Blick zu senken. Auch so hatte er die tapsenden Schritte, die nun neben ihm zum Stillstand kamen, seinem besten Freund mühelos zugeordnet.
"Morgen," nuschelte Angesprochener müde, setzte sich an die Mauer, woraufhin Ruki seinem Beispiel folgte. Die roten, wuscheligen Haare standen dem Kleineren in alle Richtungen vom Kopf ab, als er sich mit geschlossenen Augen an die Schulter des Rauchenden lehnte und ein zufriedenes Murren von sich gab.
"Kommst du heute Mittag mit zu mir?", stellte er die gewohnte Frage. Ein Nicken gab die eigentlich bereits bekannte Antwort. Es war selten, dass sie die Mittage ohne den jeweils anderen verbrachten. Entweder war er bei Ruki oder umgekehrt. Meist taten sie zusammen nur geringfügig andere Dinge als alleine, doch alleine das Wissen, dass der andere bei einem war, während man so nervige Sachen wie Hausaufgaben erledigte, tröstete bereits ungemein.
"Steht heute nach den Ferien etwas besonderes auf dem Plan?", wollte Ruki gelangweilt wissen, seine Hand führte automatisch die Zigarette in regelmäßigem Abstand zu seinen Lippen. Die an ihnen vorbeigehenden Schüler beachtete keiner der beiden wirklich.
"Hm...Stunden- und Kurspläne haben wir bereits. Lehrer kennen wir ebenfalls. Also nichts wichtiges für uns. Angeblich bekommen wir einen neuen Mitschüler, vielleicht ist der interessant. Ansonsten kann man den Tag wohl vergessen." Schulterzuckend verweilte Hitsugi noch neben dem Blonden, bis dieser seine Zigarette vollständig aufgeraucht und ausgedrückt hatte. Als die beiden kurz darauf gemeinsam den Schulhof betraten, hatten sich auch die letzten Wolken vom Himmel verzogen.
Die ersten Stunden des Tages schlichen wie die Schatten einer Sonnenuhr bedächtig an ihnen vorbei, ohne einen bleibenden Eindruck bei ihnen zu hinterlassen. Nach Wochen der Freizeit waren ihre Köpfe nur sehr widerstrebend dazuzubringen, Eigenschaften der DNA oder ähnliches in sich aufzunehmen. Sehnsüchtig wandte sich Rukis Blick nicht selten vom Geschehen an der Tafel hinaus aus dem Fenster, das Aussichten auf einen wunderbaren Mittag preisgab. Doch in ihr Klassenzimmer drang kaum ein Sonnenstrahl hinein, da sie sich in dem Teil des Schulgebäudes aufhielten, der nach Norden hin ausgerichtet war.
Nur mit Mühe unterdrückte Ruki schließlich ein hörbares Seufzen, als es zum Unterrichtsende klingelte und der Lehrer trotzdem mit seinem Stoff ungehindert noch weitere drei Minuten fortfuhr, bevor er mit ernster Miene das Zimmer verließ und die Schüler somit endlich die Gewissheit hatten, nur noch eine weitere Doppelstunde aushalten zu müssen.
"Kommst du mit, kurz eine rauchen?", wandte sich der Blonde gähnend an Hitsugi, der sich quer über seinen Tisch ausgebreitet hatte, um seine müden Glieder zu strecken. Einen Murren entkam ihm als Antwort.
"Bitte~", säuselte Ruki und wie immer ließ sich der andere breitschlagen, sodass sie bald im kleinen Innenhof des Gebäudes standen, dem sogenannten Raucherkreis, da der zimmergroße Hof ein kreisförmig angelegtes Beet beherbergte, in dem, am dicken Stamm eines Baumes befestigt, eine Bank stand.
Außer den beiden Freunden hielten sich nur noch wenige Jungs aus ihrer Stufe auf der Bank auf, die restlichen Raucher waren ausschließlich Schüler der dreizehnten Klasse. Einer davon, ein feminin wirkender, braunhaariger Junge, nickte ihnen kurz zur Begrüßung zu, wandte sich dann jedoch sofort wieder seinem Gesprächspartner zu. Der Schwarzhaarige, der seinem Gegenüber mit seinen weiblichen Gesichtszügen in nichts nachstand, redete aufgeregt auf diesen ein, wobei er unbewusst immer wieder mit seiner Zunge sein Lippenpiercing verschob.
"Das war Liebe auf den ersten Blick! Ich schwöre es dir, Uruha, so heftig hat es mich bisher noch nie erwischt!" Seine Augen strahlten hinter den teilweise in sein Gesicht fallenden, schwarzen Haaren hervor. Der andere verdrehte jedoch nur mit einem amüsierten Lächeln auf dem Lippen seine Augen.
"Natürlich, Aoi. Das sagst du doch jedes Mal..."
"Aber diesmal ist es anders!", beharrte der Schwarzhaarige und fuchtelte erklärend mit seinen Händen umher. "Er hat mich vor den Schlägern gerettet! Hörst du?! Gerettet! So etwas hat bisher noch nie jemand für mich getan..." Ein abwesender Ausdruck erschien auf seinem Gesicht und noch bevor Uruha seine Zigarette fertig geraucht hatte, war sein Freund auch schon wieder im Gebäude verschwunden, wobei er mehr zu schweben als zu gehen schien. Kopfschüttelnd schmiss der Braunhaarige schließlich die Überreste seines Glimmstängels fort und folgte dann in ruhigen, beinahe anmutigen Schritten.
Kaum war die Tür hinter im ins Schloss gefallen, brachen Ruki und Hitsugi, die von ihrem Standort aus problemlos der Unterhaltung der beiden folgen konnten, in Gelächter aus. Selbst auf ihrem Rückweg zum Unterricht konnte Hitsugi sich noch immer nicht beherrschen und kicherte unentwegt.
"Da hat dein Bruder aber wieder mal ganz schön viel um die Ohren, wenn sich Aoi-kun bereits zwei Wochen nach dem letzten ein neues Opfer ausgesucht hat..."
"Irgendwie kann er einem leid tun...", grinsend stimmte Ruki dem anderen zu, dann betraten sie zusammen das Klassenzimmer, um sich erneut für längere Zeit von langweiligen Schulstoff berieseln zu lassen.
Doch zu ihrer Überraschung betrat ihr Mathematiklehrer wenig später nicht alleine den Raum. Direkt hinter ihm folgte ein schlanker Junge mit braunen, welligen Haaren, die ihm bis zu den Schultern reichten. Ruki tauschte einen kurzen Blick mit Hitsugi aus. Anscheinend stand nun der bereits angekündigte neue Mitschüler vor ihnen. Gelangweilt blickte dieser durch die Reihen der Klasse, musterte scheinbar jeden Schüler kurz. Ruki wurde leicht unbehaglich, als er den forschenden Blick auf sich spürte und zu seiner Verwunderung war es ihm, als galt die Aufmerksamkeit des Neuen ihm um einiges länger als den anderen.
"Edokawa Sakito", stellte er sich plötzlich höflich und mit einer leichten Verbeugung vor, dann verschwand er ohne einen weiteren Blick zu den Mitschülern oder ihrem Lehrer zu werfen auf einem der freien Plätze, scheinbar nicht gewillt, weitere Auskünfte über sich zu geben. Kurz zögerte ihr Lehrer, räusperte sich nervös. Sakito blickte nicht mehr auf.
Seufzend gab sich daraufhin der andere geschlagen und begann im üblichen monotonen Singsang den Unterricht.
"Was hältst du von dem Neuen?" Rukis Frage riss ihn unerwartet aus seinen Gedanken, sodass Hitsugi ihn zuerst nur verwundert ansehen konnte.
Sie waren gerade in der U-Bahn und auf dem Weg zu seiner Wohnung, das Abteil war für diese Uhrzeit ungewöhnlich leer, und jeder der beiden hatte auf der bisherigen kurzen Fahrt seinen eigenen Gedanken nachgehangen.
Er warf einen kurzen Blick raus zu der Haltestelle, die sie gerade erreichten. Die nächste müssten sie raus. Nachdenklich kratzte er sich am Hinterkopf, dann sah er wieder zu Ruki.
"Er ist sehr in sich gekehrt, hat den ganzen Tag keinen Kontakt zu anderen gesucht. Er wirkt jedoch nicht schüchtern oder unglücklich deswegen. Einzelgänger würde ich sagen. Außerdem erinnert mich sein Aussehen ein bisschen an deinen Bruder. Sehr hübsch, leicht feminin. Doch anders als Uruha scheint er genau zu wissen, wie gut er aussieht. Stolz oder sogar eingebildet...eins von beiden dürfte auf ihn zutreffen." Mit einem bekräftigenden Nicken beendete er seine Analyse und erhob sich gleichzeitig. Sie waren angekommen.
"Wow, du hast dir ja richtig Gedanken um ihn gemacht," meinte Ruki wenig später neckend, als sie die Treppen hinaus ins Tageslicht emporstiegen.
"Zufall," murmelte der Rothaarige daraufhin unsicher, errötete dabei leicht. Zu seinem Glück jedoch blieb dieser Umstand unentdeckt.
Kälte empfing ihn, als er die Wohnung betrat. Er hatte es bislang versäumt, die Heizung in Betrieb zu nehmen. Im Gang stapelten sich Umzugkartons. Bis auf wenige waren die meisten leer, nur eine Täuschung als Ersatz für all die persönlichen Dinge, die er nicht besaß. Der Kühlschrank war das einzige, um das er sich bisher gekümmert hatte. Ein paar Fertigprodukte, Obst und Gemüse waren darin. Eigentlich auch nur Täuschung...Trotzdem nahm er sich einen der Äpfel, bevor er seine Schultasche im Wohnzimmer abstellte.
Schule...als ob er so etwas noch nötig hätte. Er hatte seine "Schule" bereits vor Monaten mit Bestnoten abgeschlossen. Wenn es kein Befehl gewesen wäre, hätte er nie im Traum daran gedacht, nur wegen diesem Fall die Schulbank hier zu drücken...es war doch absurd...
Mit geschlossenen Augen ließ er sich auf dem Sofa nieder, das einzige Möbelstück im ganzen Zimmer und gleichzeitig seine Schlafgelegenheit. Der Tag war völlig umsonst gewesen, er wäre am liebsten gleich nach einer Stunde wieder gegangen...Wenn es doch nur schon beendet wäre...
"Musst du mich beobachten?", fragte er plötzlich in die Stille hinein und öffnete seine Augen wieder, um eine auf seinem Balkongeländer sitzende Eule mit einem kalten Blick zu fixieren. Seufzend stand er schließlich nach einiger Zeit auf, betrat den Balkon widerwillig.
"Was willst du?"
"Darauf aufpassen, dass du nicht durchdrehst...", kam die belustigte Antwort und wo kurz zuvor eine schneeweiße Eule ihren Platz hatte, lehnte nun ein junger Mann am Geländer, seine Haare und Augen so hell wie die der Eule zuvor.
"Ich brauche keinen Wächter als Gehilfen, richte ihnen das aus und verschwinde gefälligst wieder!", herrschte er ihn aufgebracht an, wandte sich abrupt zum Gehen. Das Lachen hinter ihm ließ ihn jedoch vor der Balkontür noch einmal innehalten.
"Was ist so lustig?", zischte er, seine unterdrückte Wut war deutlich zu hören.
"Du bist schrecklich von dir eingenommen, Sakito-sama, dabei führst du einen Auftrag aus der eigentlich den Prinzipien deiner Rasse widersprechen müsste...Du bist wirklich erbärmlich..."
Ein wütender Aufschrei, das Geländer von einer heftigen Windböe verbogen. Doch der andere war längst verschwunden.
In einem anderen Stadtteil bestritten Uruha und Aoi währenddessen einen ganz anderen Kampf. Den, ein paar passende Klamotten im größten Einkaufszentrum der Stadt zu ergattern, ohne unter ihren bisherigen Errungenschaften in ihren Einkaufstüten zu zusammenzubrechen.
Sie wären auch sicherlich siegreich gewesen, wäre eben jenes Einkaufszentrum nicht fürchterlich überfüllt.
Inmitten dieses Menschengetümmels stieß Uruha jedoch aus diesem Grund mit einem bulligen Kerl zusammen. Seine Einkaufstüten flogen knisternd zu Boden, während er selbst in seinem Fall sein Gegenüber mit sich zu Boden riss. Erschrocken wandte sich Aoi um, wollte seinem Freund sofort wieder auf die Beine helfen, als der andere Mann, den Aoi sofort in seinen Gedanken als Schlägertyp abstempelte, zu fluchen begann und den Braunhaarigen unsanft noch etwas weiter fort schubste.
„Kannst du nicht aufpassen, wo du langgehst, du Schwuchtel?!g Schnaubend erhob er sich, machte einen weiteren, bedrohlichen Schritt auf den am Boden Sitzenden zu. Doch ehe er diesen erreicht hatte, hatte sich bereits eine weitere Gestalt aus der Menschenmenge um sie herum gelöst und sich zwischen die beiden gestellt.
Erstaunt sah Aoi zu ihm, schüttelte grinsend seinen Kopf und begann dann Uruhas verstreute Tüten einzusammeln. Um seinen Freund musste er sich nun sicherlich keine Sorgen mehr machen.
Der Hinzugekommene war um einige Zentimeter kleiner und schmaler als sein Gegenüber, seine Kleider waren größtenteils geflickt und verdreckt, die Haare, teilweise blond, teilweise schwarz, waren zu einer Iro-ähnlichen Frisur gestylt, das Gesicht halb durch ein bis über die Nase gezogenes Tuch verdeckt. Darüber hinweg blickten dunkle Augen herausfordernd in die Richtung des Größeren, der nicht wusste, wie er den anderen beurteilen sollte. Als dieser schließlich sogar einen Schritt auf ihn zuging, entschied er sich jedoch gegen eine Auseinandersetzung und verschwand fluchend in der Menge.
Der Blonde ließ seufzend seinen Blick zu Uruha schweifen, näherte sich ihm und bot ihm die Hand als Hilfe zum Aufstehen an. Aber der Braunhaarige sah demonstrativ in eine andere Richtung, erhob sich ohne jegliche Hilfe und schritt erhobenen Hauptes an seinem Helfer vorbei zu Aoi, nahm diesem die eigenen Taschen ab und machte sich zügig auf ihren weiteren Weg. Aoi blieb kurz zurück, beobachtete ungläubig, wie Uruha ohne ein Wort des Dankes verschwand, und wandte sich dann selbst an den Blonden.
„Danke Reita! Gilt auch für Uruha, auch wenn er es nicht sagt. Du weißt ja, er ist etwas empfindlich...g Zwinkernd verabschiedete er sich somit und folgte seinem Freund so schnell es die Menschenmassen um ihn herum zuließen.
Der Zurückgelassene zog langsam sein Tuch nach unten, entblößte dadurch ein skeptisches Schmunzeln, das ihn plötzlich um einiges ungefährlicher wirken ließ als wenige Minuten zuvor. Seufzend ließ er sich auf einer der in der Nähe stehenden Bänke nieder.
Kurz danach folgte ein schwarzhaariger Junge lautlos seinem Beispiel. Seine kinnlangen Haare teilweise ins Gesicht fallend, ließ er lediglich ein belustigtes Grinsen erkennen, als er ohne Reita anzusehen zu Sprechen begann.
„Läufst du ihm etwa jeden Tag hinterher oder nur gestern und heute?g
„Kommt darauf an...möchtest du mir etwa jeden Tag folgen?g, kam die kühle Antwort.
„Nur bis du mich in deiner Gang aufnimmst,g stellte der Schwarzhaarige lachend fest und holte ein Päckchen Zigaretten aus seiner Jackentasche hervor, bot sie dem anderen an, der dies jedoch kopfschüttelnd ablehnte.
„Also sind wir uns doch ähnlich,g meinte er sachlich, erhob sich währenddessen, „Du hast dein Ziel, und ich meins. Aber vermutlich sind wir beide völlig umsonst unterwegs...g Mit einem letzten Seitenblick auf seinen Verfolger verschwand Reita schließlich.
Seine Füße wurden mehr und mehr von Wasser umspült, er konnte sich nicht bewegen, das Wasser verfestigte sich nach und nach. Kälte kroch seinen Körper empor, er schloss die Augen, bevor er umfiel. Die Wolken um ihn herum rauschten in seinen Ohren, er fiel immer weiter Richtung Erde, dann wurden die Wolken zu Felsen, die ihn einkesselten, ihm den Atem nahmen. Ein heller Blitz, er schrie. Lachen, überall Lachen um ihn herum. Er flüchtete hinter einer Tür, schloss sie mit zittrigen Händen hinter sich ab. Heftiges Klopfen erklang, er weinte. Die Tür wurde heller, durchsichtig. Eine Glaswand. Ein Spiegel. Er sah sich selber, klein, zittrig. Hinter dem Glas schließlich zwei Erwachsene, ihre Gesichter verschwommen. Das Glas bekam Risse, er fuhr darüber, wollte sie schließen, doch die Risse übertrugen sich auf seine Haut, sie brannte, offenbarte Blut, das ihm haltlos durch die Hände glitt.
Abrupt schlug sich Ruki gegen den Kopf, schrie kurz erschrocken auf, obwohl er selbst diese Aktion bewusst hervorgerufen hatte. Ihn schwindelte einige Zeit, er musste tief durchatmen, bevor er sich aufsetzen konnte.
Neben ihm auf dem Sofa lag Hitsugi, seine Hände zuckten im Schlaf. Mit wehmütigem Gesicht dachte Ruki an den Traum, den er soeben mitangesehen hatte. Er konnte ihn so nicht liegen lassen. Entgegen der sonstigen Gewohnheit rüttelte er Hitsugi daher sanft an der Schulter, bis dieser ihn schlaftrunken ansah.
„Hitsu-chan, ich geh dann mal heim, es ist schon nach neun...g, erklärte er ihm lächelnd, drückte seinen besten Freund kurz zum Abschied an sich.
„Ist ok,g meinte dieser verwirrt, schüttelte den Kopf, um klarer zu werden. „Ist was passiert? Warum hast du mich geweckt?g
„Alles in Ordnung,g beruhigte ihn der Blonde, „wollte mich nu heute mal von dir verabschieden, anstatt mich einfach so davonzuschleichen.g
Skeptisch erwiderte Hitsugi seinen Blick, dann erhob er sich langsam.
„Ich geh vielleicht auch besser ins Bett zum Schlafen...Wir sehen uns morgen, ne?g
„Ja, machfs gut!g, verabschiedete sich Ruki schlussendlich.
Nachdenklich verließ er die Wohnung, fuhr mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss. Die kalte Nacht umgab ihn draußen vor dem Gebäude, sodass er augenblicklich seinen Mantel fester um sich zusammenzog. Eine Viertelstunde würde er noch für den Heimweg benötigen. Uruha würde sicherlich bereits schlafen. Ob er ebenfalls wieder Alpträume hatte? Es gefiel Ruki gar nicht, dass ausgerechnet die zwei Menschen, die ihm am wichtigsten waren, zurzeit scheinbar Sorgen hatten, von denen er nichts wusste.
Doch zumindest bei Hitsugi hatte er eine sichere Vermutung, womit sein Kummer zusammenhing. Nächste Woche würde es sich wieder jähren. Mit Schaudern dachte Ruki daran, ballte seine Hände unbewusst zu Fäusten. Er würde es nicht zulassen, dass sich Hitsugi wie die letzten Jahre über alleine in seiner Wohnung vergrub und ihm ständig absagte, während er absurder Weise gleichzeitig beteuerte, er wäre in Ordnung und nur leicht erkältet.
Dieses Jahr würde er damit nicht davonkommen. Denn dieses Jahr wusste Ruki um seinen Schmerz und diese Tatsache machte es ihm unmöglich, das ganze ein weiteres Mal zu ignorieren und Hitsugis eigensinnige Entscheidungen zu akzeptieren.







