Die sprachliche Entwicklung
1. Die Mangel der Sprachlosigkeit
- Bei seiner Ankunft in Nürnberg 1828 Kenntnis von knapp 50
Worten
- Sprach altbayerischen Dialekt, der sich später durch
Unterricht veredelt haben soll
- Versuchte sich mittels weniger Wortfolgen verständlich zu
machen und bezeichnete die verschiedensten Dinge mit ein und dem selben Ausdruck, da er
diese zwar undeutlich sprechen konnte, aber keinerlei Begriff von ihrer Bedeutung hatte
- Sprach die Rede der Leute, die ihn neugierig befragten, nach,
wobei er einzelne Wörter bei der Wiederholung verdoppelt haben soll
(z.B.:"Krieg-Krieg", "Wach-Wach")
- Scharen von Menschen besuchten ihn in seinem Gefängnisturm
und versuchten ihn durch Vorsprechen das Sprechen beizubringen, was Hausers Wortschatz
zweifellos erweiterte
- Zeitgenossen waren durch den scheinbar subjektlosen Findling
ebenso erstaunt und fasziniert wie auch erschreckt, da sie mit dem Sprachlosen nichts
anzufangen wussten, solange dieser nicht ihre, durch Zivilisation bedingte
"symbolische Ordnung" eintrat.
- Spätere Experimente ließen vermuten, dass er seine frühe
Kindheit unter Menschen verbracht hatte und seine Muttersprache die polnische oder
ungarische gewesen war (erinnerte sich an ung. Worte)
2.Die Weiterentwicklung durch Unterricht
- Prof. Daumer unterrichtete ihn schon in Gefängnisturm- Hauser
zeigte sich auf allen Gebieten als äußerst gelehriger Schüler und machte sehr schnelle
Fortschritte
- Hatte schon im November 1828 die Sprache so gut in der Gewalt,
dass er sich an das Abfassen der ersten Fassung einer Autobiographie wagen konnte
- Auffälligkeiten seiner Selbstbiographie: -zahlreiche
orthographische Fehler, -willkürliche Zeichensetzung, -Dialekt tritt gelegentlich in
Erscheinung,- kindlich-naiver Schreibstil
- Sehr große Wissbegierde und Ausdauer, liebte es, seine
Aufsätze endlos umzuarbeiten, so dass mehrere Anfänge seiner Autobiographie existieren;
zweite Fassung seiner Autobiographie zeigt große Fortschritte; schrieb außerdem kleine
Aufsätze und sogar ein Gedicht
- Eigentümlichkeiten seiner Sprache: - gebrachte lange Zeit nur
den Infinitiv, -sprach von sich selbst und bei der Anrede anderer Personen in der dritten
Person; auch ihn musste man auf diese Weise ansprechen, -gebrauchte eigene
Wortverbindungen
Wie Kaspar Hasuer der erste Satz, den er bei seiner Ankunft
bei den Menschen sprach, souffliert worden war, so geschah es auch mit seinem letzten, den
er einem Pfarrer an seinem Sterbebett nachsprach "Vater, nicht mein, sondern dein
Wille geschehe!". Als sei es Ironie des Schicksals, drückten beide Sätze einen
Gehorsam aus,m im Leben den Gehorsam gegenüber dem irdischen Vater, dessen Beispiel er
folgt, nach dem Tod den Gehorsam gegenüber dem Willen des himmlischen . Es scheint das
Schicksal Kaspar Hausers gewesen zu sein, sich willenlos gegnüber sich von anderen
soufflieren und formen zu lassen, ohne je die MÖglichkeiten zu haben nach eigenen
Ermessen Wünsche zu aüßern.