●Einleitung
☉Daß alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein
Zweifel; denn wodurch sollte das Erkenntnisvermögen sonst zur Ausübung
erweckt werden, geschähe es nicht durch Gegenstände, die unsere Sinne
rühren und teils von selbst Vorstellungen bewirken, teils unsere
Verstandestätigkeit in Bewegung bringen, diese zu vergleichen, sie zu
verknüpfen oder zu trennen, und so den rohen Stoff sinnlicher Eindrücke zu
einer Erkenntnis der Gegenstände zu verarbeiten, die Erfahrung heißt? Der
Zeit nach geht also keine Erkenntnis in uns vor der Erfahrung vorher, und
mit dieser fängt alle an. (一切始於經驗)(p.29)
☉Daß es nun dergleichen notwendige und im strengsten Sinne allgemeine,
mithin reine Urteile a priori, im menschlichen Erkenntnis wirklich gebe,
ist leicht zu zeigen. Will man ein Beispiel aus Wissenschaften, so darf
man nur auf alle Sätze der Mathematik hinaussehen, will man ein solches
aus dem gemeinsten Verstandesgebrauche, so kann der Satz, daß alle
Veränderung eine Ursache haben müsse, dazu dienen(先天知識)(p.31)
☉Und gerade in diesen letzteren Erkenntnissen, welche über die Sinnenwelt
hinausgehen, wo Erfahrung gar keinen Leitfaden, noch Berichtigung geben
kann, liegen die Nachforschungen unserer Vernunft, die wir, der
Wichtigkeit nach, für weit vorzüglicher, und ihre Endabsicht für viel
erhabener halten, als alles, was der Verstand im Felde der Erscheinungen
lernen kann, wobei wir, sogar auf die Gefahr zu irren, eher alles wagen,
als daß wir so angelegene Untersuchungen aus irgendeinem Grunde der
Bedenklichkeit, oder aus Geringschätzung und Gleichgültigkeit aufgeben
sollten. Diese unvermeidlichen Aufgaben der reinen Vernunft selbst sind
Gott, Freiheit und Unsterblichkeit(寧可犯錯也不願迴避的玄學領域:神、自由、靈魂不滅三者)(p.33)
☉Durch einen solchen Beweis von der Macht der Vernunft eingenommen, sieht
der Trieb zur Erweiterung keine Grenzen. Die leichte Taube, indem sie im
freien Fluge die Luft teilt, deren Widerstand sie fühlt, könnte die
Vorstellung fassen, daß es ihr im luftleeren Raum noch viel besser
gelingen werde. Ebenso verließ Plato die Sinnenwelt, weil sie dem
Verstande so enge Schranken setzt, und wagte sich jenseit derselben, auf
den Flügeln der Ideen, in den leeren Raum des reinen Verstandes. Er
bemerkte nicht, daß er durch seine Bemühungen keinen Weg gewönne, denn er
hatte keinen Widerhalt, gleichsam zur Unterlage, worauf er sich steifen,
und woran er seine Kräfte anwenden konnte, um den Verstand von der Stelle
zu bringen.(理性探索之自由:柏拉圖)(p.34)
☉Erfahrungsurteile, als solche, sind insgesamt synthetisch. Denn es wäre
ungereimt, ein analytisches Urteil auf Erfahrung zu gründen, weil ich aus
meinem Begriffe gar nicht hinausgehen darf, um das Urteil abzufassen, und
also kein Zeugnis der Erfahrung dazu nötig habe. Daß ein Körper ausgedehnt
sei, ist ein Satz, der a priori feststeht, und kein Erfahrungsurteil. Denn,
ehe ich zur Erfahrung gehe, habe ich alle Bedingungen zu meinem Urteile
schon in dem Begriffe(分析/綜合判斷)(p.35)
☉In allen theoretischen Wissenschaften der Vernunft sind synthetische
Urteile a priori als Prinzipien enthalten(p.38)(數學、自然科學與玄學都是先天綜合判斷)
☉Die eigentliche Aufgabe der reinen Vernunft ist nun in der Frage
enthalten: Wie sind synthetische Urteile a priori möglich?
Daß die Metaphysik bisher in einem so schwankenden Zustande der
Ungewißheit und Widersprüche geblieben ist, ist lediglich der Ursache
zuzuschreiben, daß man sich diese Aufgabe und vielleicht sogar den
Unterschied der analytischen und synthetischen Urteile nicht früher in
Gedanken kommen ließ.(p.40)(玄學的根本問題是:先天綜合判斷如何可能?)
☉Denn ist Vernunft das Vermögen, welches die Prinzipien der Erkenntnis a
priori an die Hand gibt. Daher ist reine Vernunft diejenige, welche die
Prinzipien, etwas schlechthin a priori zu erkennen, enthält. Ein Organon
der reinen Vernunft würde ein Inbegriff derjenigen Prinzipien sein, nach
denen alle reinen Erkenntnisse a priori können erworben und wirklich
zustande gebracht werden.(p.43)(理性與純粹理性的定義)
☉Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich nicht sowohl mit
Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, insofern
diese a priori möglich sein soll, überhaupt beschäftigt. Ein System
solcher Begriffe würde Transzendental-Philosophie heißen.(p.44)(先驗哲學的定義)
●●Transzendentale Elementarlehre
●Die transzendentale Ästhetik (先驗感性論)
☉Auf welche Art und durch welche Mittel sich auch immer eine Erkenntnis
auf Gegenstände beziehen mag, es ist doch diejenige, wodurch sie sich auf
dieselbe unmittelbar bezieht, und worauf alles Denken als Mittel abzweckt,
die Anschauung. (p.49)(直觀)
☉Die Fähigkeit (Rezeptivität), Vorstellungen durch die Art, wie wir von
Gegenständen affiziert werden, zu bekommen, heißt Sinnlichkeit.
Vermittelst der Sinnlichkeit also werden uns Gegenstände gegeben, und sie
allein liefert uns Anschauungen; durch den Verstand aber werden sie
gedacht, und von ihm entspringen Begriffe. (p.49)(對象→感性→直觀→悟性→概念)
☉Raume
a) Der Raum stellt gar keine Eigenschaft irgend einiger Dinge an sich,
oder sie in ihrem Verhältnis aufeinander vor(不表現物自身)
b) Der Raum ist nichts anderes, als nur die Form aller Erscheinungen
äußerer Sinne(一切現象的方式)(p.54)
→z. B. des Gesichts, Gehörs, Gefühls, durch die Empfindungen der Farben,
Töne und Wärme, die aber, weil sie bloß Empfindungen und nicht
Anschauungen sind, an sich kein Objekt, am wenigsten a priori, erkennen
lassen. (如熱聲色等只是感覺而非直觀)
☉Zeit
a) Die Zeit ist nicht etwas, was für sich selbst bestünde, oder den Dingen
als objektive Bestimmung anhinge, mithin übrig bliebe, wenn man von allen
subjektiven Bedingungen der Anschauung derselben abstrahiert; denn im
ersten Fall würde sie etwas sein, was ohne wirklichen Gegenstand dennoch
wirklich wäre. (p.58)(無主觀則無時間)
b) Die Zeit ist nichts anderes, als die Form des inneren Sinnes, d. i. des
Anschauens unserer selbst und unseres inneren Zustandes. (僅為內感方式)
c) Die Zeit ist die formale Bedingung a priori aller Erscheinungen
überhaupt. (一切現象的先天方式)
☉Wir haben also sagen wollen: daß alle unsere Anschauung nichts als die
Vorstellung von Erscheinung sei: daß die Dinge, die wir anschauen, nicht
das an sich selbst sind, wofür wir sie anschauen, noch ihre Verhältnisse
so an sich selbst beschaffen sind, als sie uns erscheinen, und daß, wenn
wir unser Subjekt oder auch nur die subjektive Beschaffenheit der Sinne
überhaupt aufheben, alle die Beschaffenheit, alle Verhältnisse der Objekte
im Raum und Zeit, ja selbst Raum und Zeit verschwinden würden, und als
Erscheinungen nicht an sich selbst, sondern nur in uns existieren können.
Was es für eine Bewandtnis mit den Gegenständen an sich und abgesondert
von aller dieser Rezeptivität unserer Sinnlichkeit haben möge, bleibt uns
gänzlich unbekannt. Wir kennen nichts, als unsere Art, sie wahrzunehmen,
die uns eigentümlich ist, die auch nicht notwendig jedem Wesen, obzwar
jedem Menschen, zukommen muß. Mit dieser haben wir es lediglich zu tun.
(p.64)(只為人類存在的表象)
☉nicht allein diese Tropfen sind bloße Erscheinungen, sondern selbst ihre
runde Gestalt, ja sogar der Raum, in welchen sie fallen, sind nichts an
sich selbst, sondern bloße Modifikationen, oder Grundlagen unserer
sinnlichen Anschauung, das transzendentale Objekt aber bleibt uns
unbekannt. (p.66)(彩虹現象、及其構成雨滴,都僅是感性直觀)
●Die transzendentale Logik(先驗邏輯)
☉Wollen wir die Rezeptivität unseres Gemüts, Vorstellungen zu empfangen,
sofern es auf irgendeine Weise affiziert wird, Sinnlichkeit nennen, so ist
dagegen das Vermögen, Vorstellungen selbst hervorzubringen, oder die
Spontaneität des Erkenntnisses, der Verstand.....Ohne Sinnlichkeit würde
uns kein Gegenstand gegeben, und ohne Verstand keiner gedacht werden.
Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.
Daher ist es ebenso notwendig, seine Begriffe sinnlich zu machen, als
seine Anschauungen sich verständlich zu machen. Beide Vermögen, oder
Fähigkeiten, können auch ihre Funktionen nicht vertauschen.....Daher
unterscheiden wir die Wissenschaft der Regeln der Sinnlichkeit überhaupt,
d. i. Ästhetik, von der Wissenschaft der Verstandesregeln überhaupt, d. i.
der Logik. (p.73)(人類兩大知識源流:感性與悟性)
☉Die allgemeine Logik ist nun entweder die reine, oder die angewandte
Logik. In der ersteren abstrahieren wir von allen empirischen Bedingungen,
unter denen unser Verstand ausgeübt wird, z. B. vom Einfluß der Sinne, vom
Spiele der Einbildung, den Gesetzen des Gedächtnisses, der Macht der
Gewohnheit, der Neigung usw., mithin auch den Quellen der Vorurteile, ja
gar überhaupt von allen Ursachen, daraus uns gewisse Erkenntnisse
entspringen, oder untergeschoben werden mögen, weil sie bloß den Verstand
unter gewissen Umständen seiner Anwendung betreffen, und, um diese zu
kennen, Erfahrung erfordert wird. (p.73)(純粹/應用邏輯)
☉Was ist Wahrheit? Die Namenerklärung der Wahrheit, daß sie nämlich die
Übereinstimmung der Erkenntnis mit ihrem Gegenstande sei....Es ist schon
ein großer und nötiger Beweis der Klugheit oder Einsicht, zu wissen, was
man vernünftigerweise fragen solle. Denn, wenn die Frage an sich ungereimt
ist, und unnötige Antworten verlangt, so hat sie, außer der Beschämung
dessen, der sie aufwirft, bisweilen noch den Nachteil, den unbehutsamen
Anhörer derselben zu ungereimten Antworten zu verleiten, und den
belachenswerten Anblick zu geben, daß einer (wie die Alten sagten) den
Bock melkt, der andere ein Sieb unterhält. (p.76)(真理乃知識及其對象之一致;知正確提問者為聰慧)
☉Der Teil der transzendentalen Logik also, der die Elemente der reinen
Verstandeserkenntnis vorträgt, und die Prinzipien, ohne welche überall
kein Gegenstand gedacht werden kann, ist die transzendentale Analytik, und
zugleich, eine Logik der Wahrheit.....(p.79)(先驗分析論)
☉Da sie also eigentlich nur ein Kanon der Beurteilung des empirischen
Gebrauchs sein sollte, so wird sie gemißbraucht, wenn man sie als das
Organon eines allgemeinen und unbeschränkten Gebrauchs gelten läßt, und
sich mit dem reinen Verstande allein wagt, synthetisch über Gegenstände
überhaupt zu urteilen, zu behaupten, und zu entscheiden. Also würde der
Gebrauch des reinen Verstandes alsdann dialektisch sein. Der zweite Teil
der transzendentalen Logik muß also eine Kritik dieses dialektischen
Scheines sein, und heißt transzendentale Dialektik, nicht als eine Kunst,
dergleichen Schein dogmatisch zu erregen, (eine leider sehr gangbare Kunst
mannigfaltiger metaphysischer Gaukelwerke) sondern als eine Kritik des
Verstandes und der Vernunft in Ansehung ihres hyperphysischen
Gebrauchs(p.79)(先驗辯證論:批判一般哲學裡悟性與理性的超經驗使用)
●Die transzendentale Analytik(先驗分析論):Die Analytik der Begriffe(概念分析論)
☉Alle Urteile sind demnach Funktionen der Einheit unter unseren
Vorstellungen, da nämlich statt einer unmittelbaren Vorstellung eine
höhere, die diese und mehrere unter sich begreift, zur Erkenntnis des
Gegenstandes gebraucht, und viel mögliche Erkenntnisse dadurch in einer
zusammengezogen werden. Wir können aber alle Handlungen des Verstandes auf
Urteile zurückführen, so daß der Verstand überhaupt als ein Vermögen zu
urteilen vorgestellt werden kann.(p.83)(悟性是統一雜多表象的判斷:由多而一也)
☉「悟性邏輯機能」:
1.Q u a n t i t ä t d e r U r t e i l e
Allgemeine
Besondere
Einzelne
2.Q u a l i t ä t
Bejahende
Verneinende
Unendliche
3.R e l a t i o n
Kategorische(斷言)
Hypothetische(假言)
Disjunktive (抉擇)
4.M o d a l i t ä t(形相)
Problematische(相當)
Assertorische(實然)
Apodiktische (必然) (p.83)
☉Das erste, was uns zum Behuf der Erkenntnis aller Gegenstände a priori
gegeben sein muß, ist das Mannigfaltige der reinen Anschauung; die
Synthesis dieses Mannigfaltigen durch die Einbildungskraft ist das zweite,
gibt aber noch keine Erkenntnis. Die Begriffe, welche dieser reinen
Synthesis Einheit geben, und lediglich in der Vorstellung dieser
notwendigen synthetischen Einheit bestehen, tun das dritte zum
Erkenntnisse eines vorkommenden Gegenstandes, und beruhen auf dem
Verstande.(p.88)(知識產生三要件:直觀雜多、綜合、統覺)
☉「純粹悟性概念」(範疇K a t e g o r i e n)
l.Der Quantität:
E i n h e i t
V i e l h e i t
A l l h e i t.
2.Der Qualität:
R e a l i t ä t
N e g a t i o n
L i m i t a t i o n.
3.Der Relation:
der I n h ä r e n z und Subsistenz (substantia et accidens)
der K a u s a l i t ä t und Dependenz (Ursache und Wirkung)
der G e m e i n s c h a f t (Wechselwirkung zwischen dem Handelnden und
Leidenden).
4.Der Modalität:
M ö g l i c h k e i t - Unmöglichkeit
D a s e i n - Nichtsein
N o t w e n d i g k e i t - Zufälligkeit.(必然與偶然)(p.89)
☉Die Rechtslehrer, wenn sie von Befugnissen und Anmaßungen reden,
unterscheiden in einem Rechtshandel die Frage über das, was Rechtens ist,
(quid juris) von der, die die Tatsache angeht, (quid facti) und indem sie
von beiden Beweis fordern, so nennen sie den ersteren, der die Befugnis,
oder auch den Rechtsanspruch dartun soll, die Deduktion. Wir bedienen uns
einer Menge empirischer Begriffe ohne jemandes Widerrede, und halten uns
auch ohne Deduktion berechtigt, ihnen einen Sinn und eingebildete
Bedeutung zuzueignen, weil wir jederzeit die Erfahrung bei der Hand haben,
ihre objektive Realität zu beweisen. Es gibt indessen auch usurpierte
Begriffe, wie etwa Glück, Schicksal, die zwar mit fast allgemeiner
Nachsicht herumlaufen, aber doch bisweilen durch die Frage: quid juris, in
Anspruch genommen werden, da man alsdann wegen der Deduktion derselben in
nicht geringe Verlegenheit gerät, indem man keinen deutlichen Rechtsgrund
weder aus der Erfahrung, noch der Vernunft anführen kann, dadurch die
Befugnis seines Gebrauchs deutlich würde.(p.95)(演繹常難以證明其正當性)
☉Diese Vorstellung(Ich denke) aber ist ein Aktus der Spontaneität, d. i.
sie kann nicht als zur Sinnlichkeit gehörig angesehen werden. Ich nenne
sie die reine Apperzeption, um sie von der empirischen zu unterscheiden,
oder auch die ursprüngliche Apperzeption, weil sie dasjenige
Selbstbewußtsein ist, was, indem es die Vorstellung Ich denke
hervorbringt, die alle anderen muß begleiten können, und in allem
Bewußtsein ein und dasselbe ist, von keiner weiter begleitet werden kann.
Ich nenne auch die Einheit derselben die transzendentale Einheit des
Selbstbewußtseins, um die Möglichkeit der Erkenntnis a priori aus ihr zu
bezeichnen. Denn die mannigfaltigen Vorstellungen, die in einer gewissen
Anschauung gegeben werden, würden nicht insgesamt meine Vorstellungen
sein, wenn sie nicht insgesamt zu einem Selbstbewußtsein
gehörten(p.103)(「我思」為先驗統覺)
☉Verbindung liegt aber nicht in den Gegenständen, und kann von ihnen nicht
etwa durch Wahrnehmung entlehnt und in den Verstand dadurch allererst
aufgenommen werden, sondern ist allein eine Verrichtung des Verstandes,
der selbst nichts weiter ist, als das Vermögen, a priori zu verbinden, und
das Mannigfaltige gegebener Vorstellungen unter Einheit der Apperzeption
zu bringen, welcher Grundsatz der oberste im ganzen menschlichen
Erkenntnis ist. (p.104)(悟性將連結置於「統覺」之下;「統覺」為人類知識最高原理)
☉Einbildungskraft ist das Vermögen, einen Gegenstand auch ohne dessen
Gegenwart in der Anschauung vorzustellen. Da nun alle unsere Anschauung
sinnlich ist, so gehört die Einbildungskraft, der subjektiven Bedingung
wegen, unter der sie allein den Verstandesbegriffen eine korrespondierende
Anschauung geben kann, zur Sinnlichkeit(p.113)(想像力也屬於感性直觀)
☉ich habe also demnach keine Erkenntnis von mir wie ich bin, sondern bloß
wie ich mir selbst erscheine.(p.117)(對我自體一無所知)
●Die transzendentale Analytik(先驗分析論):Die Analytik der Grundsätze(原理分析論)
☉Wenn der Verstand überhaupt als das Vermögen der Regeln erklärt wird, so
ist Urteilskraft das Vermögen unter Regeln zu subsumieren, d. i. zu
unterscheiden, ob etwas unter einer gegebenen Regel (casus datae legis)
stehe, oder nicht.....so zeigt sich, daß zwar der Verstand einer Belehrung
und Ausrüstung durch Regeln fähig, Urteilskraft aber ein besonderes Talent
sei, welches gar nicht belehrt, sondern nur geübt sein will.....Ein Arzt
daher, ein Richter, oder ein Staatskundiger, kann viel schöne
pathologische, juristische oder politische Regeln im Kopfe haben, in dem
Grade, daß er selbst darin gründlicher Lehrer werden kann, und wird
dennoch in der Anwendung derselben leicht verstoßen, entweder, weil es ihm
an natürlicher Urteilskraft (obgleich nicht am Verstande) mangelt, und er
zwar das Allgemeine in abstracto einsehen, aber ob ein Fall in concreto
darunter gehöre, nicht unterscheiden kann, oder auch darum, weil er nicht
genug durch Beispiele und wirkliche Geschäfte zu diesem Urteile
abgerichtet worden. Dieses ist auch der einige und große Nutzen der
Beispiele: daß sie die Urteilskraft schärfen..... So sind Beispiele der
Gängelwagen der Urteilskraft, welchen derjenige, dem es am natürlichen
Talent desselben mangelt, niemals entbehren kann.
(p.142)(判斷力為辨別具體事物是否從屬抽象規律的能力,必須經由實例練習而無法教導)
☉Denn, um dem Verstande im Felde reiner Erkenntnisse a priori Erweiterung
zu verschaffen, mithin als Doktrin scheint Philosophie gar nicht nötig,
oder vielmehr übel angebracht zu sein, weil man nach allen bisherigen
Versuchen damit doch wenig oder gar kein Land gewonnen hat, sondern als
Kritik, um die Fehltritte der Urteilskraft (lapsus judicii) im Gebrauch
der wenigen reinen Verstandesbegriffe, die wir haben, zu verhüten, dazu
(obgleich der Nutzen alsdann nur negativ ist) wird Philosophie mit ihrer
ganzen Scharfsinnigkeit und Prüfungskunst
aufgeboten.(p.143)(哲學的目的不在擴大悟性範圍,而在批判判斷力之謬誤)
☉「純粹悟性圖型」:
→Wir wollen diese formale und reine Bedingung der Sinnlichkeit, auf welche
der Verstandesbegriff in seinem Gebrauch restringiert ist, das Schema
dieses Verstandesbegriffs, und das Verfahren des Verstandes mit diesen
Schematen den Schematismus des reinen Verstandes nennen. (p.145)
1.Das reine Bild aller Größen (quantorum) vor dem äußeren Sinne, ist der
Raum; aller Gegenstände der Sinne aber überhaupt, die Zeit. Das reine
Schema der Größe aber (quantitatis), als eines Begriffs des Verstandes,
ist die Zahl, welche eine Vorstellung ist, die die sukzessive Addition von
Einem zu Einem (gleichartigen) zusammenbefaßt. Also ist die Zahl nichts
anderes, als die Einheit der Synthesis des Mannigfaltigen einer
gleichartigen Anschauung überhaupt, dadurch, daß ich die Zeit selbst in
der Apprehension der Anschauung erzeuge.(p.147)(量:時空→數)
2.Realität ist im reinen Verstandesbegriffe das, was einer Empfindung
überhaupt korrespondiert; dasjenige also, dessen Begriff an sich selbst
ein Sein (in der Zeit) anzeigt; Negation, dessen Begriff ein Nichtsein (in
der Zeit) vorstellt. (質:在時間中存在/不存在)
3.Das Schema der Substanz ist die Beharrlichkeit des Realen in der
Zeit...Das Schema der Ursache und der Kausalität eines Dinges überhaupt
ist das Reale, worauf, wenn es nach Belieben gesetzt wird, jederzeit etwas
anderes folgt.....Das Schema der Gemeinschaft (Wechselwirkung), oder der
wechselseitigen Kausalität der Substanzen in Ansehung ihrer Akzidenzen,
ist das Zugleichsein der Bestimmungen der Einen, mit denen der Anderen,
nach einer allgemeinen Regel. (p.148)(關係:持久性、雜多繼起、依照規律)
4.Das Schema der Möglichkeit ist die Zusammenstimmung der Synthesis
verschiedener Vorstellungen mit den Bedingungen der Zeit überhaupt....Das
Schema der Wirklichkeit ist das Dasein in einer bestimmten Zeit....Das
Schema der Notwendigkeit ist das Dasein eines Gegenstandes zu aller Zeit.
(形相:在某時間中之存在)
→Die Schemate sind daher nichts als Zeitbestimmungen a priori nach Regeln,
und diese gehen nach der Ordnung der Kategorien, auf die Zeitreihe, den
Zeitinhalt, die Zeitordnung, endlich den Zeitinbegriff in Ansehung aller
möglichen Gegenstände.....Daher ist das Schema eigentlich nur das
Phänomenon, oder der sinnliche Begriff eines Gegenstandes, in
Übereinstimmung mit der Kategorie. (Numerus est quantitas phaenomenon,
sensatio realitas phaenomenon, constans et perdurabile rerum substantia
phaenomenon - - aeternitas, necessitas, phaenomena usw.)
(p.149)(圖型不過依據規律之「時間的先天規律」)
☉Von dem obersten Grundsatze aller analytischen Urteile(分析判斷最高原理為不矛盾律)
→Der Satz nun: Keinem Dinge kommt ein Prädikat zu, welches ihm
widerspricht, heißt der Satz des Widerspruchs, und ist ein allgemeines,
obzwar bloß negatives, Kriterium aller Wahrheit(p.151)
☉Von dem obersten Grundsatze aller synthetischen Urteile(綜合判斷最高原理為與從屬可能經驗)
→ein jeder Gegenstand steht unter den notwendigen Bedingungen der
synthetischen Einheit des Mannigfaltigen der Anschauung in einer möglichen
Erfahrung.(p.155)
☉「純粹悟性原理」:
→Daher werden die Grundsätze des mathematischen Gebrauchs unbedingt
notwendig d. i. apodiktisch lauten, die aber des dynamischen Gebrauchs
werden zwar auch den Charakter einer Notwendigkeit a priori, aber nur
unter der Bedingung des empirischen Denkens in einer Erfahrung, mithin nur
mittelbar und indirekt bei sich führen, folglich diejenige unmittelbare
Evidenz nicht enthalten, (obzwar ihrer auf Erfahrung allgemein bezogenen
Gewißheit unbeschadet,) die jenen eigen ist.(p.156)(數學:直接自明性/力學:經驗正確性)
1.Axiome der Anschauung: Alle Anschauungen sind extensive
Größen.(p.158)(一切直觀皆為延擴的量)
2.Antizipationen der Wahrnehmung: In allen Erscheinungen hat das Reale,
was ein Gegenstand der Empfindung ist, intensive Größe, d. i. einen
Grad.(p.161)(現象為感覺對象之實在者皆有強弱的量)(影響感官的程度)
3.Analogien der Erfahrung: Erfahrung ist nur durch die Vorstellung einer
notwendigen Verknüpfung der Wahrnehmungen
möglich.(p.167)(經驗僅由知覺之必然連結之表象而可能)
→Eine Analogie der Erfahrung wird also nur eine Regel sein, nach welcher
aus Wahrnehmungen Einheit der Erfahrung (nicht wie Wahrnehmung selbst, als
empirische Anschauung überhaupt) entspringen soll, und als Grundsatz von
den Gegenständen (der Erscheinungen) nicht konstitutiv, sondern bloß
regulativ gelten. (p.169)(經驗非構成的、而是歸整的;並不告訴如何發生)
(A).Erste Analogie: Grundsatz der Beharrlichkeit der Substanz(實體永恆性)
Bei allem Wechsel der Erscheinungen beharrt die Substanz, und das Quantum
derselben wird in der Natur weder vermehrt noch vermindert.
→Ich finde, daß zu allen Zeiten nicht bloß der Philosoph, sondern selbst
der gemeine Verstand diese Beharrlichkeit, als ein Substratum alles
Wechsels der Erscheinungen, vorausgesetzt haben, und auch jederzeit als
ungezweifelt annehmen werden, nur daß der Philosoph sich hierüber etwas
bestimmter ausdrückt, indem er sagt: bei allen Veränderungen in der Welt
bleibt die Substanz, und nur die Akzidenzen wechseln.(p.172)
(B).Zweite Analogie: Grundsatz der Zeitfolge nach dem Gesetze der
Kausalität(時間因果律)
Alle Veränderungen geschehen nach dem Gesetze der Verknüpfung der Ursache
und Wirkung.
(C).Dritte Analogie: Grundsatz des Zugleichseins, nach dem Gesetze der
Wechselwirkung, oder Gemeinschaft
Alle Substanzen, sofern sie im Raume, als zugleich wahrgenommen werden
können, sind in durchgängiger Wechselwirkung.(交互作用律)
4.Die Postulate des empirischen Denkens überhaupt
(l). Was mit den formalen Bedingungen der Erfahrung (der Anschauung und
den Begriffen nach) übereinkommt, ist möglich. (可能的:與形式相合)
(2). Was mit den materialen Bedingungen der Erfahrung (der Empfindung)
zusammenhängt, ist wirklich. (現實的:與質料相合)
(3). Dessen Zusammenhang mit dem Wirklichen nach allgemeinen Bedingungen
der Erfahrung bestimmt ist, ist (existiert) notwendig. (必然的:與普遍條件相合)
→Das bloße, aber empirisch bestimmte, Bewußtsein meines eigenen Daseins
beweist das Dasein der Gegenstände im Raum außer mir.(p.200)(我之外有對象存在)
→Alles, was geschieht, ist hypothetisch notwendig; das ist ein Grundsatz,
welcher die Veränderung in der Welt einem Gesetze unterwirft, d. i. einer
Regel des notwendigen Daseins, ohne welche gar nicht einmal Natur
stattfinden würde.(p.203)(一切必然)
→(a)nichts geschieht durch ein blindes Ohngefähr (in mundo non datur
casus)(Grundsatzes von der Kausalität)(無盲目之偶然性)
(b)keine Notwendigkeit in der Natur ist blinde, sondern bedingte, mithin
verständliche Notwendigkeit (non datur fatum)(Grundsätzen der
Modalität)(可理解之必然性)
(c)verbot in der Reihe der Erscheinungen (Veränderungen) allen Absprung
(in mundo non datur saltus)(Das Prinzip der Kontinuität)(禁止突變)
(d)verbot in dem Inbegriff aller empirischen Anschauungen im Raume alle
Lücke oder Kluft zwischen zwei Erscheinungen (non datur hiatus)(Das
Prinzip der Kontinuität)(禁止間隙)(p.203)
→In der Tat ist aber die absolute Möglichkeit (die in aller Absicht gültig
ist) kein bloßer Verstandesbegriff, und kann auf keinerlei Weise von
empirischem Gebrauche sein, sondern er gehört allein der Vernunft zu, die
über allen möglichen empirischen Verstandesgebrauch
hinausgeht.(p.205)(絕對的可能性隸屬於理性)
☉Wir haben jetzt das Land des reinen Verstandes nicht allein durchreist,
und jeden Teil davon sorgfältig in Augenschein genommen, sondern es auch
durchmessen, und jedem Dinge auf demselben seine Stelle bestimmt. Dieses
Land aber ist eine Insel, und durch die Natur selbst in unveränderliche
Grenzen eingeschlossen. Es ist das Land der Wahrheit (ein reizender Name),
umgeben von einem weiten und stürmischen Ozeane, dem eigentlichen Sitze
des Scheins, wo manche Nebelbank, und manches bald wegschmelzende Eis neue
Länder lügt, und indem es den auf Entdeckungen herumschwärmenden Seefahrer
unaufhörlich mit leeren Hoffnungen täuscht, ihn in Abenteuer verflechtet,
von denen er niemals ablassen und sie doch auch niemals zu Ende bringen
kann. Ehe wir uns aber auf dieses Meer wagen, um es nach allen Breiten zu
durchsuchen, und gewiß zu werden, ob etwas in ihnen zu hoffen sei, so wird
es nützlich sein, zuvor noch einen Blick auf die Karte des Landes zu
werfen, das wir eben verlassen wollen, und erstlich zu fragen, ob wir mit
dem, was es in sich enthält, nicht allenfalls zufrieden sein könnten, oder
auch aus Not zufrieden sein müssen, wenn es sonst überall keinen Boden
gibt, auf dem wir uns anbauen könnten; zweitens, unter welchem Titel wir
denn selbst dieses Land besitzen, und uns wider alle feindseligen
Ansprüche gesichert halten können. (p.211)(已經充分探討「純粹悟性」的疆土,準備向海洋出發!)
☉Verstehen wir aber darunter ein Objekt einer nichtsinnlichen Anschauung,
so nehmen wir eine besondere Anschauungsart an, nämlich die
intellektuelle, die aber nicht die unsrige ist, von welcher wir auch die
Möglichkeit nicht einsehen können, und das wäre das Noumenon in positiver
Bedeutung. (p.217)(本體:透過「智性的直觀」的一種預想)
☉Der Begriff eines Noumenon ist also bloß ein Grenzbegriff, um die
Anmaßung der Sinnlichkeit einzuschränken, und also nur von negativem
Gebrauche. Er ist aber gleichwohl nicht willkürlich erdichtet, sondern
hängt mit der Einschränkung der Sinnlichkeit zusammen, ohne doch etwas
Positives außer dem Umfange derselben setzen zu
können.(p.219)(本體只是一種消極的限界觀念)
☉Nichts, als
l.L e e r e r B e g r i f f
o h n e G e g e n s t a n d ,
ens rationis.
2.L e e r e r G e g e n s t a n d
e i n e s B e g r i f f s ,
nihil privativum.
3.L e e r e A n s c h a u u n g
o h n e G e g e n s t a n d ,
ens imaginarium.
4.L e e r e r G e g e n s t a n d
o h n e B e g r i f f ,
nihil negativum.(p.243)
●Die transzendentale Dialektik (先驗辯證論)
☉sondern der uns selbst, wider alle Warnungen der Kritik, gänzlich über
den empirischen Gebrauch der Kategorien wegführt und uns mit dem
Blendwerke einer Erweiterung des reinen Verstandes hinhält.....Die Ursache
hiervon ist diese, daß in unserer Vernunft (subjektiv als ein menschliches
Erkenntnisvermögen betrachtet) Grundregeln und Maximen ihres Gebrauchs
liegen, welche gänzlich das Ansehen objektiver Grundsätze haben, und
wodurch es geschieht, daß die subjektive Notwendigkeit einer gewissen
Verknüpfung unserer Begriffe, zugunsten des Verstandes, für eine objektive
Notwendigkeit, der Bestimmung der Dinge an sich selbst, gehalten wird.
Eine Illusion, die gar nicht zu vermeiden ist, so wenig als wir es
vermeiden können, daß uns das Meer in der Mitte nicht höher scheine, wie
an dem Ufer, weil wir jene durch höhere Lichtstrahlen als diese sehen,
oder, noch mehr, so wenig selbst der Astronom verhindern kann, daß ihm der
Mond im Aufgange nicht größer scheine, ob er gleich durch diesen Schein
nicht betrogen wird. (p.246)(純粹悟性越過經驗的界限造成先驗的幻相)
☉Der Verstand mag ein Vermögen der Einheit der Erscheinungen vermittelst
der Regeln sein, so ist die Vernunft das Vermögen der Einheit der
Verstandesregeln unter Prinzipien. So geht also niemals zunächst auf
Erfahrung, oder auf irgendeinen Gegenstand, sondern auf den Verstand, um
den mannigfaltigen Erkenntnissen desselben Einheit a priori durch Begriffe
zu geben, welche Vernunfteinheit heißen mag, und von ganz anderer Art ist,
als sie von dem Verstande geleistet werden kann.
(p.249)(理性為保持悟性統一之能力,與經驗無涉)
☉In jedem Vernunftsschlusse denke ich zuerst eine Regel (major) durch den
Verstand. Zweitens subsumiere ich ein Erkenntnis unter die Bedingung der
Regel (minor) vermittelst der Urteilskraft. Endlich bestimme ich mein
Erkenntnis durch das Prädikat der Regel (conclusio), mithin a priori durch
die Vernunft. (p.250)(三段論式中的結論乃由理性得到)
☉Man sieht daraus: daß die Vernunft im Schließen die große
Mannigfaltigkeit der Erkenntnis des Verstandes auf die kleinste Zahl der
Prinzipien (allgemeiner Bedingungen) zu bringen und dadurch die höchste
Einheit derselben zu bewirken suche.(p.250)(理性是原理的能力:最小數目原理)
☉Vernunfteinheit ist also nicht Einheit einer möglichen Erfahrung, sondern
von dieser, als der Verstandeseinheit, wesentlich unterschieden. Daß
alles, was geschieht, eine Ursache habe, ist gar kein durch Vernunft
erkannter und vorgeschriebener Grundsatz. (p.251)(理性是超驗的)
●Die transzendentale Dialektik:Von den Begriffen der reinen Vernunft
(純粹理性之概念)
☉Die platonische Republik ist, als ein vermeintlich auffallendes Beispiel
von erträumter Vollkommenheit, die nur im Gehirn des müßigen Denkers ihren
Sitz haben kann, zum Sprichwort geworden, und Brucker findet es
lächerlich, daß der Philosoph behauptete, niemals würde ein Fürst wohl
regieren, wenn er nicht der Ideen teilhaftig wäre. Allein man würde besser
tun, diesem Gedanken mehr nachzugehen, und ihn (wo der vortreffliche Mann
uns ohne Hilfe läßt) durch neue Bemühung in Licht zu stellen, als ihn,
unter dem sehr elenden und schädlichen Vorwande der Untunlichkeit, als
unnütz beiseite zu setzen. Eine Verfassung von der größten menschlichen
Freiheit nach Gesetzen, welche machen, daß jedes Freiheit mit der anderen
ihrer zusammen bestehen kann, (nicht von der größten Glückseligkeit, denn
diese wird schon von selbst folgen;) ist doch wenigstens eine notwendige
Idee, die man nicht bloß im ersten Entwurfe einer Staatsverfassung,
sondern auch bei allen Gesetzen zum Grunde legen muß, und wobei man
anfänglich von den gegenwärtigen Hindernissen abstrahieren muß, die
vielleicht nicht sowohl aus der menschlichen Natur unvermeidlich
entspringen mögen, als vielmehr aus der Vernachlässigung der echten Ideen
bei der Gesetzgebung. (p.257)(理念先於現實)
☉Ob nun gleich das letztere niemals zustande kommen mag, so ist die Idee
doch ganz richtig, welche dieses Maximum zum Urbilde aufstellt, um nach
demselben die gesetzliche Verfassung der Menschen der möglich größten
Vollkommenheit immer näher zu bringen. Denn welches der höchste Grad sein
mag, bei welchem die Menschheit stehenbleiben müsse, und wie groß also die
Kluft, die zwischen der Idee und ihrer Ausführung notwendig übrigbleibt,
sein möge, das kann und soll niemand bestimmen, eben darum, weil es
Freiheit ist, welche jede angegebene Grenze übersteigen
kann.(p.258)(實現與否無害於理念之正確)
☉Denn in Betracht der Natur gibt uns Erfahrung die Regel an die Hand und
ist der Quell der Wahrheit; in Ansehung der sittlichen Gesetze aber ist
Erfahrung (leider!) die Mutter des Scheins, und es ist höchst verwerflich,
die Gesetze über das, was ich tun soll, von demjenigen herzunehmen, oder
dadurch einschränken zu wollen, was getan wird.(p.258)(「應然」應在「實然」之上)
☉Folglich werden alle transzendentalen Ideen sich unter drei Klassen
bringen lassen, davon die erste die absolute (unbedingte) Einheit des
denkenden Subjekts, die zweite die absolute Einheit der Reihe der
Bedingungen der Erscheinung, die dritte die absolute Einheit der Bedingung
aller Gegenstände des Denkens überhaupt enthält.
Das denkende Subjekt ist der Gegenstand der Psychologie, der Inbegriff
aller Erscheinungen (die Welt) der Gegenstand der Kosmologie, und das
Ding, welches die oberste Bedingung der Möglichkeit von allem, was gedacht
werden kann, enthält, (das Wesen aller Wesen) der Gegenstand der
Theologie. Also gibt die reine Vernunft die Idee zu einer transzendentalen
Seelenlehre (psychologia rationalis), zu einer transzendentalen
Weltwissenschaft (cosmologia rationalis), endlich auch zu einer
transzendentalen Gotteserkenntnis (Theologia transzendentalis) an die
Hand. (p.267)(先驗理念的體系:依主觀、現象、所有分為心靈論、宇宙論、神學)
●Die transzendentale Dialektik:Von den dialektischen Schlüssen der reinen
Vernunft (純粹理性之辯證推理)
☉「誤謬推理」(Paralogismen):心理學四大論題(p.273)
1.Die Seele ist Substanz. (Immaterialität)(心為實體,但非物質)
2.Ihrer Qualität nach einfach. (Inkorruptibilität)(心為單純,不朽)
3.Den verschiedenen Zeiten nach, in welchen sie da ist,
numerisch-identisch, d. i. Einheit (nicht
Vielheit).(Personalität)(心為同一,人格)
4.Im Verhältnisse zu möglichen Gegenständen im Raume*. (Kommerzium mit
Körpern)(Seele (anima) und
Animalität)(Spiritualität)(Immortalität)(動物性受精神性限制,靈魂不滅)
→Die Beweise, die für die Welt brauchbar sind, bleiben hierbei alle in
ihrem unverminderten Werte, und gewinnen vielmehr durch Abstellung jener
dogmatischen Anmaßungen an Klarheit und ungekünstelter Überzeugung, indem
sie die Vernunft in ihr eigentümliches Gebiet, nämlich die Ordnung der
Zwecke, die doch zugleich eine Ordnung der Natur ist, versetzen, die dann
aber zugleich, als praktisches Vermögen an sich selbst, ohne auf die
Bedingungen der letzteren eingeschränkt zu sein, die erstere und mit ihr
unsere eigene Existenz über die Grenzen der Erfahrung und des Lebens
hinaus zu erweitern berechtigt ist. Nach der Analogie mit der Natur
lebender Wesen in dieser Welt, an welchen die Vernunft es notwendig zum
Grundsatze annehmen muß, daß kein Organ, kein Vermögen, kein Antrieb, also
nichts Entbehrliches, oder für den Gebrauch Unproportioniertes, mithin
Unzweckmäßiges anzutreffen, sondern alles seiner Bestimmung im Leben genau
angemessen sei, zu urteilen, müßte der Mensch, der doch allein den letzten
Endzweck von allem diesem in sich erhalten kann, das einzige Geschöpf
sein, welches davon ausgenommen wäre. Denn seine Naturanlagen, nicht bloß
den Talenten und Antrieben nach, davon Gebrauch zu machen, sondern
vornehmlich das moralische Gesetz in ihm, gehen so weit über allen Nutzen
und Vorteil, den er in diesem Leben daraus ziehen könnte, daß das letztere
sogar das bloße Bewußtsein der Rechtschaffenheit der Gesinnung, bei
Ermangelung aller Vorteile, selbst sogar des Schattenwerks vom Nachruhm,
über alles hochschätzen lehrt, und sich innerlich dazu berufen fühlt, sich
durch sein Verhalten in dieser Welt, mit Verzichtung auf viele Vorteile,
zum Bürger einer besseren, die er in der Idee hat, tauglich zu
machen.(p.285)(對人類不被自然束縛的理性及實踐能力的歌頌!!)
→So ist denn also aller Streit über die Natur unseres denkenden Wesens und
der Verknüpfung desselben mit der Körperwelt lediglich eine Folge davon,
daß man in Ansehung dessen, wovon man nichts weiß, die Lücke durch
Paralogismen der Vernunft ausfüllt, da man seine Gedanken zu Sachen macht
und sie hypostasiert....oder fromme Seufzer über die Schranken unserer
Vernunft, sondern vermittels einer nach sicheren Grundsätzen vollzogenen
Grenzbestimmung derselben, welche ihr nihil ulterius mit größter
Zuverlässigkeit an die herkulischen Säulen heftet, die die Natur selbst
aufgestellt hat, um die Fahrt unserer Vernunft nur so weit, als die stetig
fortlaufenden Küsten der Erfahrung reichen, fortzusetzen, die wir nicht
verlassen können, ohne uns auf einen uferlosen Ozean zu wagen, der uns
unter immer trüglichen Aussichten, am Ende nötigt, alle beschwerliche und
langwierige Bemühung, als hoffnungslos
aufzugeben.(p.316)(第一版:應設立理性的限界防止種種人為謬誤)
☉「二律背反」(Antinomie):宇宙論四大理念(p.327)
1.Die absolute Vollständigkeit der Zusammensetzung des gegebenen Ganzen
aller Erscheinungen(有/無起始)
2.Die absolute Vollständigkeit der Teilung eines gegebenen Ganzen in der
Erscheinung(可/否分割) 3.Die absolute Vollständigkeit der Entstehung einer
Erscheinung(自然/自由)
4.Die absolute Vollständigkeit der Abhängigkeit des Daseins des
Veränderlichen in der Erscheinung (必然/偶然)
→Indessen ist die Schlußart in beiden, selbst der gemeinen
Menschenvernunft ganz angemessen, welche mehrmalen in den Fall gerät, sich
mit sich selbst zu entzweien, nachdem sie ihren Gegenstand aus zwei
verschiedenen Standpunkten erwägt. Herr von Mairan hielt den Streit zweier
berühmter Astronomen, der aus einer ähnlichen Schwierigkeit über die Wahl
des Standpunktes entsprang, für ein genugsam merkwürdiges Phänomen, um
darüber eine besondere Abhandlung abzufassen. Der eine schloß nämlich so:
der Mond dreht sich um seine Achse, darum, weil er der Erde beständig
dieselbe Seite zukehrt; der andere: der Mond dreht sich nicht um seine
Achse, eben darum, weil er der Erde beständig dieselbe Seite zukehrt.
Beide Schlüsse waren richtig; je nachdem man den Standpunkt nahm, aus dem
man die Mondbewegung beobachten
wollte.(p.353)(以月球自轉論爭為例,說明雙方理性由不同觀點導致相互矛盾)
→Könnte sich aber ein Mensch von allem Interesse lossagen, und die
Behauptungen der Vernunft, gleichgültig gegen alle Folgen, bloß nach dem
Gehalte ihrer Gründe in Betrachtung ziehen: so würde ein solcher, gesetzt,
daß er keinen Ausweg wüßte, anders aus dem Gedränge zu kommen, als daß er
sich zu einer oder anderen der strittigen Lehren bekennte, in einem
unaufhörlich schwankenden Zustande sein. Heute würde es ihm überzeugend
vorkommen, der menschliche Wille sei frei; morgen, wenn er die
unauflösliche Naturkette in Betrachtung zöge, würde er dafür halten, die
Freiheit sei nichts als Selbsttäuschung, und alles sei bloß Natur. Wenn es
nun aber zum Tun und Handeln käme, so würde dieses Spiel der bloß
spekulativen Vernunft, wie Schattenbilder eines Traums, verschwinden, und
er würde seine Prinzipien bloß nach dem praktischen Interesse
wählen.(p.362)(人常因利益而選擇不同的理性立場)
→Alle Aufgaben auflösen und alle Fragen beantworten zu wollen, würde eine
unverschämte Großsprecherei und ein so ausschweifender Eigendünkel sein,
daß man dadurch sich sofort um alles Zutrauen bringen müßte.
(p.363)(自稱能解決一切問題者為自欺欺人)
→Wenn ich demnach von einer kosmologischen Idee zum voraus einsehen
könnte, daß, auf welche Seite des Unbedingten der regressiven Synthesis
der Erscheinungen sie sich auch schlüge, so würde sie doch für einen jeden
Verstandesbegriff entweder zu groß oder zu klein sein; so würde ich
begreifen, daß, da jene doch es nur mit einem Gegenstande der Erfahrung zu
tun hat, welche einem möglichen Verstandesbegriffe angemessen sein soll,
sie ganz leer und ohne Bedeutung sein müsse, weil ihr der Gegenstand nicht
anpaßt, ich mag ihn derselben bequemen, wie ich will. Und dieses ist
wirklich der Fall mit allen Weltbegriffen, welche auch eben um deswillen,
die Vernunft, so lange sie ihnen anhängt, in eine unvermeidliche Antinomie
verwickeln.(p.368)(其見解對悟性概念非過大即過小,是為二律背反之原因)
→Zu dem Spielwerke der alten dialektischen Schulen gehörte auch diese
Frage: wenn eine Kugel nicht durch ein Loch geht, was soll man sagen: Ist
die Kugel zu groß, oder das Loch zu klein? In diesem Falle ist es
gleichgültig, wie ihr euch ausdrücken wollt; denn ihr wißt nicht, welches
von beiden um des anderen willen da ist. Dagegen werdet ihr nicht sagen:
der Mann ist für sein Kleid zu lang, sondern das Kleid ist für den Mann zu
kurz.(p.371)(就像球與穴是相對的)
→So wird demnach die Antinomie der reinen Vernunft bei ihren
kosmologischen Ideen gehoben, dadurch, daß gezeigt wird, sie sei bloß
dialektisch und ein Widerstreit eines Scheins, der daher entspringt, daß
man die Idee der absoluten Totalität, welche nur als eine Bedingung der
Dinge an sich selbst gilt, auf Erscheinungen angewandt hat, die nur in der
Vorstellung, und, wenn sie eine Reihe ausmachen, im sukzessiven Regressus,
sonst aber gar nicht existieren.(p.380)(根本矛盾的解決:將用於物自身的理念錯用於表象上)
→Auflösung der kosmologischen Idee:
1.Eine solche Erfahrung aber, als völlig leer an Inhalt, ist unmöglich.
Also ist eine absolute Weltgrenze empirisch, mithin auch schlechterdings
unmöglich**.(p.388)(經驗上不可能)
2.Dieser ist also ins Unendliche teilbar, ohne doch darum aus unendlich
viel Teilen zu bestehen.(p.391)(物體無限可分,但非由無限多部分所構成)
3.Die Freiheit im praktischen Verstande ist die Unabhängigkeit der Willkür
von der Nötigung durch Antriebe der Sinnlichkeit. Denn eine Willkür ist
sinnlich, sofern sie pathologisch (durch Bewegursachen der Sinnlichkeit)
affiziert ist; sie heißt tierisch (arbitrium brutum), wenn sie
pathologisch necessitiert werden kann. Die menschliche Willkür ist zwar
ein arbitrium sensitivum, aber nicht brutum, sondern liberum, weil
Sinnlichkeit ihre Handlung nicht notwendig macht, sondern dem Menschen ein
Vermögen beiwohnt, sich, unabhängig von der Nötigung durch sinnliche
Antriebe, von selbst zu bestimmen.(p.396)(人有實踐的自由)
Und da würden wir an einem Subjekte der Sinnenwelt erstlich einen
empirischen Charakter haben, wodurch seine Handlungen, als Erscheinungen,
durch und durch mit anderen Erscheinungen nach beständigen Naturgesetzen
im Zusammenhange ständen, und von ihnen, als ihren Bedingungen, abgeleitet
werden könnten, und also, mit diesen in Verbindung, Glieder einer einzigen
Reihe der Naturordnung ausmachten. Zweitens würde man ihm noch einen
intelligiblen Charakter einräumen müssen, dadurch es zwar die Ursache
jener Handlungen als Erscheinungen ist, der aber selbst unter keinen
Bedingungen der Sinnlichkeit steht, und selbst nicht Erscheinung ist. Man
könnte auch den ersteren den Charakter eines solchen Dinges in der
Erscheinung, den zweiten den Charakter des Dinges an sich selbst nennen.
(p.398)(經驗的性格/直悟的性格:現象/物自身)
So würde denn Freiheit und Natur, jedes in seiner vollständigen Bedeutung,
bei eben denselben Handlungen, nachdem man sie mit ihrer intelligiblen
oder sensiblen Ursache vergleicht, zugleich und ohne allen Widerstreit
angetroffen werden.(p.400)(自然/自由並行不悖)
Daß diese Vernunft nun Kausalität habe, wenigstens wir uns eine
dergleichen an ihr vorstellen, ist aus den Imperativen klar, welche wir in
allem Praktischen den ausübenden Kräften als Regeln aufgeben. Das Sollen
drückt eine Art von Notwendigkeit und Verknüpfung mit Gründen aus, die in
der ganzen Natur sonst nicht vorkommt. Der Verstand kann von dieser nur
erkennen, was da ist, oder gewesen ist, oder sein wird. Es ist unmöglich,
daß etwas darin anders sein soll, als es in allen diesen Zeitverhältnissen
in der Tat ist, ja das Sollen, wenn man bloß den Lauf der Natur vor Augen
hat, hat ganz und gar keine Bedeutung. Wir können gar nicht fragen: was in
der Natur geschehen soll; ebensowenig, als: was für Eigenschaften ein
Zirkel haben soll, sondern, was darin geschieht, oder welche Eigenschaften
der letztere hat. (p.403)(理性/悟性:Sollen/Sein)
Und zwar sieht man die Kausalität der Vernunft nicht etwa bloß wie
Konkurrenz, sondern an sich selbst als vollständig an, wenngleich die
sinnlichen Triebfedern gar nicht dafür, sondern wohl gar dawider wären;
die Handlung wird seinem intelligiblen Charakter beigemessen, er hat
jetzt, in dem Augenblicke, da er lügt, gänzlich Schuld; mithin war die
Vernunft, unerachtet aller empirischen Bedingungen der Tat, völlig frei,
und ihrer Unterlassung ist diese gänzlich beizumessen.
(p.408)(理性完全自由,故有責罰)
Man sieht diesem zurechnenden Urteil es leicht an, daß man dabei in
Gedanken habe, die Vernunft werde durch alle jene Sinnlichkeit gar nicht
affiziert, sie verändere sich nicht....sie ist bestimmend, aber nicht
bestimmbar in Ansehung desselben. Daher kann man nicht fragen: warum hat
sich nicht die Vernunft anders bestimmt? sondern nur: warum hat sie die
Erscheinungen durch ihre Kausalität nicht anders bestimmt?
(p.408)(理性為「規定之」者,而非「為其所規定」者)
4.Darin würde sich also diese Art, ein unbedingtes Dasein den
Erscheinungen zum Grunde zu legen, von der empirischunbedingten Kausalität
(der Freiheit), im vorigen Artikel, unterscheiden, daß bei der Freiheit
das Ding selbst, als Ursache (Substantia phaenomenon), dennoch in die
Reihe der Bedingungen gehörte, und nur seine Kausalität als intelligibel
gedacht wurde, hier aber das notwendige Wesen ganz außer der Reihe der
Sinnenwelt (als ens extramundanum) und bloß intelligibel gedacht werden
müßte(p.411)(純然直悟的必然存在者在感性世界之外)
☉「理想」(Das Ideal)
→Nun kann sich niemand eine Verneinung bestimmt denken, ohne daß er die
entgegengesetzte Bejahung zum Grunde liegen habe. Der Blindgeborene kann
sich nicht die mindeste Vorstellung von Finsternis machen, weil er keine
vom Lichte hat; der Wilde nicht von der Armut, weil er den Wohlstand nicht
kennt.** Der Unwissende hat keinen Begriff von seiner Unwissenheit, weil
er keinen von der Wissenschaft hat, usw. Es sind also auch alle Begriffe
der Negationen abgeleitet, und die Realitäten enthalten die Data und
sozusagen die Materie, oder den transzendentalen Inhalt, zu der
Möglichkeit und durchgängigen Bestimmung aller Dinge.(p.419)(只有肯定才有否定)
→Das Ideal ist ihr also das Urbild (Prototypon) aller Dinge, welche
insgesamt, als mangelhafte Kopien (ectypa), den Stoff zu ihrer Möglichkeit
daher nehmen, und indem sie demselben mehr oder weniger nahekommen,
dennoch jederzeit unendlich weit daran fehlen, es zu erreichen.
(p.421)(一切來自「原型」)
→Wenn wir nun dieser unserer Idee, indem wir sie hypostasieren, so ferner
nachgehen, so werden wir das Urwesen durch den bloßen Begriff der höchsten
Realität als ein einiges, einfaches, allgenugsames, ewiges usw., mit einem
Worte, es in seiner unbedingten Vollständigkeit durch alle Prädikamente
bestimmen können. Der Begriff eines solchen Wesens ist der von Gott, in
transzendentalem Verstande gedacht, und so ist das Ideal der reinen
Vernunft der Gegenstand einer transzendentalen Theologie, so wie ich es
auch oben angeführt habe. (p.422)(純粹理性的理想就是神的概念,不受條件限制)
→Daher sehen wir bei allen Völkern durch ihre blindeste Vielgötterei doch
einige Funken des Monotheismus durchschimmern, wozu nicht Nachdenken und
tiefe Spekulation, sondern nur ein nach und nach verständlich gewordener
natürlicher Gang des gemeinen Verstandes geführt hat.
(p.429)(多神論進化至一神論之悟性自然傾向)
→Es sind nur drei Beweisarten vom Dasein Gottes aus spekulativer Vernunft
möglich.
Alle Wege, die man in dieser Absicht einschlagen mag, fangen entweder von
der bestimmten Erfahrung und der dadurch erkannten besonderen
Beschaffenheit unserer Sinnenwelt an, und steigen von ihr nach Gesetzen
der Kausalität bis zur höchsten Ursache außer der Welt hinauf: oder sie
legen nur unbestimmte Erfahrung, d. i. irgendein Dasein, empirisch zum
Grunde, oder sie abstrahieren endlich von aller Erfahrung, und schließen
gänzlich a priori aus bloßen Begriffen auf das Dasein einer höchsten
Ursache. Der erste Beweis ist der physikotheologische, der zweite der
kosmologische, der dritte der ontologische Beweis. Mehr gibt es ihrer
nicht, und mehr kann es auch nicht geben.(p.429)(三種神的證明方法)
→Von der Unmöglichkeit eines Beweises vom Dasein Gottes
1.ontologischen:vom Dasein eines höchsten Wesens, aus Begriffen, alle Mühe
und Arbeit verloren, und ein Mensch möchte wohl ebensowenig aus bloßen
Ideen an Einsichten reicher werden, als ein Kaufmann an Vermögen, wenn er,
um seinen Zustand zu verbessern, seinem Kassenbestande einige Nullen
anhängen wollte.(p.436)(最高存在者的知識並不能增加實際存在者的知識)
2.kosmologischen:Es war etwas ganz Unnatürliches und eine bloße Neuerung
des Schulwitzes, aus einer ganz willkürlich entworfenen Idee das Dasein
des ihr entsprechenden Gegenstandes selbst ausklauben zu wollen. (p.436)
(演繹法為經院派的錯誤)
3.physikotheologischen:Die gegenwärtige Weit eröffnet uns einen so
unermeßlichen Schauplatz von Mannigfaltigkeit, Ordnung, Zweckmäßigkeit und
Schönheit, man mag diese nun in der Unendlichkeit des Raumes, oder in der
unbegrenzten Teilung desselben verfolgen, daß selbst nach den Kenntnissen,
welche unser schwacher Verstand davon hat erwerben können, alle Sprache,
über so viele und unabsehlich große Wunder, ihren Nachdruck, alle Zahlen
ihre Kraft zu messen, und Selbst unsere Gedanken alle Begrenzung
vermissen, so, daß sich unser Urteil vom Ganzen in ein sprachloses, aber
desto beredteres Erstaunen auflösen muß(p.448)(對大自然的禮讚)
Der Beweis könnte also höchstens einen Weltbaumeister, der durch die
Tauglichkeit des Stoffs, den er bearbeitet, immer sehr eingeschränkt wäre,
aber nicht einen Weltschöpfer, dessen Idee alles unterworfen ist, dartun,
welches zu der großen Absicht, die man vor Augen hat, nämlich ein
allgenugsames Urwesen zu beweisen, bei weitem nicht hinreichend ist.
(p.451)(只能證明有個偉大工程師而非創造者)
→Ich begnüge mich hier, die theoretische Erkenntnis durch eine solche zu
erklären, wodurch ich erkenne, was da ist, die praktische aber, dadurch
ich mir vorstelle, was da sein soll. Diesem nach ist der theoretische
Gebrauch der Vernunft derjenige, durch den ich a priori (als notwendig)
erkenne, daß etwas sei; der praktische aber, durch den a priori erkannt
wird, was geschehen solle.(p.455)(理論/實踐的知識:所存/應存)
→Ich behaupte nun, daß alle Versuche eines bloß spekulativen Gebrauchs der
Vernunft in Ansehung der Theologie gänzlich fruchtlos und ihrer inneren
Beschaffenheit nach null und nichtig sind; daß aber die Prinzipien ihres
Naturgebrauchs ganz und gar auf keine Theologie führen, folglich, wenn man
nicht moralische Gesetze zum Grunde legt, oder zum Leitfaden braucht, es
überall keine Theologie der Vernunft geben könne.(p.457)(神學不能用理性證明,只有靠道德律)
●Die transzendentale Dialektik :Von dem regulativen Gebrauch der Ideen der
reinen Vernunft(純粹理性之統制使用)
☉Daß aber auch in der Natur eine solche Einhelligkeit angetroffen werde,
setzen die Philosophen in der bekannten Schulregel voraus: daß man die
Anfänge (Prinzipien) nicht ohne Not vervielfältigen müsse (entia praeter
necessitatem non esse multiplicanda). Dadurch wird gesagt: daß die Natur
der Dinge selbst zur Vernunfteinheit Stoff darbiete, und die anscheinende
unendliche Verschiedenheit dürfe uns nicht abhalten, hinter ihr Einheit
der Grundeigenschaften zu vermuten, von welchen die Mannigfaltigkeit nur
durch mehrere Bestimmung abgeleitet werden kann. Dieser Einheit, ob sie
gleich eine bloße Idee ist, ist man zu allen Zeiten so eifrig
nachgegangen(p.466)(科學家追求「統一律」之思考傾向)
☉Dem logischen Prinzip der Gattungen, welches Identität postuliert, steht
ein anderes, nämlich das der Arten entgegen, welches Mannigfaltigkeit und
Verschiedenheiten der Dinge, unerachtet ihrer Übereinstimmung unter
derselben Gattung, bedarf, und es dem Verstande zur Vorschrift macht, auf
diese nicht weniger als auf jene aufmerksam zu sein. Dieser Grundsatz (der
Scharfsinnigkeit, oder des Unterscheidungsvermögens) schränkt den
Leichtsinn des ersteren (des Witzes) sehr ein, und die Vernunft zeigt hier
ein doppeltes, einander widerstreitendes Interesse, einerseits das
Interesse des Umfanges (der Allgemeinheit) in Ansehung der Gattungen,
andererseits des Inhalts (der Bestimmtheit), in Absicht auf die
Mannigfaltigkeit der Arten, weil der Verstand im ersteren Falle zwar viel
unter seinen Begriffen, im zweiten aber desto mehr in denselben denkt.
Auch äußert sich dieses an der sehr verschiedenen Denkungsart der
Naturforscher, deren einige (die vorzüglich spekulativ sind), der
Ungleichartigkeit gleichsam feind, immer auf die Einheit der Gattung
hinaussehen, die anderen (vorzüglich empirische Köpfe) die Natur
unaufhörlich in so viel Mannigfaltigkeit zu spalten suchen, daß man
beinahe die Hoffnung aufgeben müßte, ihre Erscheinungen nach allgemeinen
Prinzipien zu beurteilen. (p.468)(類/種的雙重理性原理:同一性/差別性,隨研究者思辯/經驗氣質而各有偏重)
☉so verlangt die Vernunft in ihrer ganzen Erweiterung, daß keine Art als
die unterste an sich selbst angesehen werde, weil, da sie doch immer ein
Begriff ist, der nur das, was verschiedenen Dingen gemein ist, in sich
enthält, dieser nicht durchgängig bestimmt, mithin auch nicht zunächst auf
ein Individuum bezogen sein könne, folglich jederzeit andere Begriffe, d.
i. Unterarten, unter sich enthalten müsse. Dieses Gesetz der Spezifikation
könnte so ausgedrückt werden: entium varietates non temere esse
minuendas.(p.468)(「種」下又必有「族」的「特殊律」)
☉Die Vernunft bereitet also dem Verstande sein Feld, l. durch ein Prinzip
der Gleichartigkeit des Mannigfaltigen unter höheren Gattungen, 2. durch
einen Grundsatz der Varietät des Gleichartigen unter niederen Arten; und
um die systematische Einheit zu vollenden, fügt sie 3. noch ein Gesetz der
Affinität aller Begriffe hinzu, welches einen kontinuierlichen Übergang
von einer jeden Art zu jeder anderen durch stufenartiges Wachstum der
Verschiedenheit gebietet. Wir können sie die Prinzipien der Homogenität,
der Spezifikation und der Kontinuität der Formen nennen. Das letztere
entspringt dadurch, daß man die zwei ersteren vereinigt, nachdem man,
sowohl im Aufsteigen zu höheren Gattungen, als im Herabsteigen zu niederen
Arten, den systematischen Zusammenhang in der Idee vollendet hat; denn
alsdann sind alle Mannigfaltigkeiten untereinander verwandt, weil sie
insgesamt durch alle Grade der erweiterten Bestimmung von einer einzigen
obersten Gattung abstammen.(p.469)(同質性、特殊性→連續性)
☉Auf solche Weise vermag bei diesem Vernünftler mehr das Interesse der
Mannigfaltigkeit (nach dem Prinzip der Spezifikation), bei jenem aber das
Interesse der Einheit (nach dem Prinzip der Aggregation). Ein jeder
derselben glaubt sein Urteil aus der Einsicht des Objekts zu haben, und
gründet es doch lediglich auf der größeren oder kleineren Anhänglichkeit
an einen von beiden Grundsätzen, deren keine auf objektiven Gründen
beruht, sondern nur auf dem Vernunftinteresse, und die daher besser
Maximen als Prinzipien genannt werden
könnten.(p.475)(不同思想家因其理性之利益而採取特殊/統一律,稱為「理性之格律」)
●Die transzendentale Dialektik :Von der Endabsicht der natürlichen
Dialektik der menschlichen Vernunft(純粹理性之終極意向)
☉Und dieses ist die transzendentale Deduktion aller Ideen der spekulativen
Vernunft, nicht als konstitutiver Prinzipien der Erweiterung unserer
Erkenntnis über mehr Gegenstände, als Erfahrung geben kann, sondern als
regulativer Prinzipien der systematischen Einheit des Mannigfaltigen der
empirischen Erkenntnis überhaupt, welche dadurch in ihren eigenen Grenzen
mehr angebaut und berichtigt wird, als es ohne solche Ideen durch den
bloßen Gebrauch der Verstandesgrundsätze geschehen
könnte.(p.477)(思辯理性為「統制原理」而非「構成原理」)
☉Diese höchste formale Einheit, welche allein auf Vernunftbegriffen
beruht, ist die zweckmäßige Einheit der Dinge, und das spekulative
Interesse der Vernunft macht es notwendig, alle Anordnung in der Welt so
anzusehen, als ob sie aus der Absicht einer allerhöchsten Vernunft
entsprossen wäre. Ein solches Prinzip eröffnet nämlich unserer auf das
Feld der Erfahrungen angewandten Vernunft ganz neue Aussichten, nach
teleologischen Gesetzen die Dinge der Welt zu verknüpfen, und dadurch zu
der größten systematischen Einheit derselben zu gelangen. Die
Voraussetzung einer obersten Intelligenz, als der alleinigen Ursache des
Weltganzen, aber freilich bloß in der Idee, kann also jederzeit der
Vernunft nutzen und dabei doch niemals schaden. Denn, wenn wir in Ansehung
der Figur der Erde (der runden, doch etwas abgeplatteten)*, der Gebirge
und Meere usw. lauter weise Absichten eines Urhebers zum voraus annehmen,
so können wir auf diesem Wege eine Menge von Entdeckungen machen. Bleiben
wir nur bei dieser Voraussetzung, als einem bloß regulativen Prinzip, so
kann selbst der Irrtum uns nicht schaden. Denn es kann allenfalls daraus
nichts weiter folgen, als daß, wo wir einen teleologischen Zusammenhang
(nexus finalis) erwarteten, ein bloß mechanischer oder physischer (nexus
effectivus) angetroffen werde, wodurch wir, in einem solchen Falle, nur
eine Einheit mehr vermissen, aber nicht die Vernunfteinheit in ihrem
empirischen Gebrauche verderben. Aber sogar dieser Querstrich kann das
Gesetz selbst in allgemeiner und teleologischer Absicht überhaupt nicht
treffen. Denn, obzwar ein Zergliederer eines Irrtums überführt werden
kann, wenn er irgend ein Gliedmaß eines tierischen Körpers auf einen Zweck
bezieht, von welchem man deutlich zeigen kann, daß er daraus nicht
erfolge: so ist es doch gänzlich unmöglich, in einem Falle zu beweisen,
daß eine Natureinrichtung, es mag sein welche es wolle, ganz und gar
keinen Zweck habe. Daher erweitert auch die Physiologie (der Ärzte) ihre
sehr eingeschränkte empirische Kenntnis von den Zwecken des Gliederbaues
eines organischen Körpers durch einen Grundsatz, welchen bloß reine
Vernunft eingab, so weit, daß man darin ganz dreist und zugleich mit aller
Verständigen Einstimmung annimmt, es habe alles an dem Tiere seinen Nutzen
und gute Absicht(p.486)(理性的最高統一:必然符合目的論,至少也是機械論)
☉so viel ihr nun, nach demselben, Zweckmäßigkeit in der Welt antrefft, so
viel habt ihr Bestätigung der Rechtmäßigkeit eurer
Idee(p.493)(愈能發現世界之目的則愈正確)
●●Transzendentale Methodenlehre
●Die Disziplin der reinen Vernunft
☉Wir können also darüber ganz unbekümmert sein, daß uns jemand das
Gegenteil einstens beweisen werde; daß wir darum eben nicht nötig haben,
auf schulgerechte Beweise zu sinnen, sondern immerhin diejenigen Sätze
annehmen können, welche mit dem spekulativen Interesse unserer Vernunft im
empirischen Gebrauch ganz wohl zusammenhängen, und überdem es mit dem
praktischen Interesse zu vereinigen die einzigen Mittel sind. Für den
Gegner (der hier nicht bloß als Kritiker betrachtet werden muß,) haben wir
unser non liquet in Bereitschaft, welches ihn unfehlbar verwirren muß,
indessen daß wir die Retorsion desselben auf uns nicht weigern, indem wir
die subjektive Maxime der Vernunft beständig im Rückhalte haben, die dem
Gegner notwendig fehlt, und unter deren Schutz wir alle seine Luftstreiche
mit Ruhe und Gleichgültigkeit ansehen können.(p.519)(事在疑,尚不能裁決)
☉Auf solche Weise gibt es eigentlich gar keine Antithetik der reinen
Vernunft. Denn der einzige Kampfplatz für sie würde auf dem Felde der
reinen Theologie und Psychologie zu suchen sein; dieser Boden aber trägt
keinen Kämpfer in seiner ganzen Rüstung, und mit Waffen, die zu fürchten
wären. Er kann nur mit Spott oder Großsprecherei auftreten, welches als
ein Kinderspiel belacht werden kann. Das ist eine tröstende Bemerkung, die
der Vernunft wieder Mut gibt; denn, worauf wollte sie sich sonst
verlassen, wenn sie, die allein alle Irrungen abzutun berufen ist, in sich
selbst zerrüttet wäre, ohne Frieden und ruhigen Besitz hoffen zu können?
(p.519)(譏笑與大言為彼之全部武器)
☉Alles, was die Natur selbst anordnet, ist zu irgendeiner Absicht gut.
Selbst Gifte dienen dazu, andere Gifte, welche sich in unseren eigenen
Säften erzeugen, zu überwältigen, und dürfen daher in einer vollständigen
Sammlung von Heilmitteln (Offizin) nicht fehlen.(p.519)(至善觀:即使毒藥也有其存在之善目的)
☉Zu dieser Freiheit gehört denn auch die, seine Gedanken, seine Zweifel,
die man sich nicht selbst auflösen kann, öffentlich zur Beurteilung
auszustellen, ohne darüber für einen unruhigen und gefährlichen Bürger
verschrieen zu werden. Dies liegt schon in dem ursprünglichen Rechte der
menschlichen Vernunft, welche keinen anderen Richter erkennt, als selbst
wiederum die allgemeine Menschenvernunft, worin ein jeder seine Stimme
hat; und, da von dieser alle Besserung, deren unser Zustand fähig ist,
herkommen muß, so ist ein solches Recht heilig, und darf nicht geschmälert
werden. Auch ist es sehr unweise, gewisse gewagte Behauptungen oder
vermessene Angriffe auf die, welche schon die Beistimmung des größten und
besten Teils des gemeinen Wesens auf ihrer Seite haben, für gefährlich
auszuschreien: denn das heißt, ihnen eine Wichtigkeit geben, die sie gar
nicht haben sollten. Wenn ich höre, daß ein nicht gemeiner Kopf die
Freiheit des menschlichen Willens, die Hoffnung eines künftigen Lebens,
und das Dasein Gottes wegdemonstriert haben solle, so bin ich begierig,
das Buch zu lesen, denn ich erwarte von seinem Talent, daß er meine
Einsichten weiter bringen werde.(p.524)(誓死維護人類理性發言權之自由)
☉Gerade das Gegenteil von dem, was man hier anrät, muß in der akademischen
Unterweisung geschehen, aber freilich nur unter der Voraussetzung eines
gründlichen Unterrichts in der Kritik der reinen Vernunft.....Ob nun zwar
eben dieselben Streiche, die das Gebäude des Feindes niederschlagen, auch
seinem eigenen spekulativen Bauwerke, wenn er etwa dergleichen zu
errichten gedächte, ebenso verderblich sein müssen: so ist er darüber doch
gänzlich unbekümmert, indem er es gar nicht bedarf, darinnen zu wohnen,
sondern noch eine Aussicht in das praktische Feld vor sich hat, wo er mit
Grund einen festeren Boden hoffen kann, um darauf sein vernünftiges und
heilsames System zu errichten.(p.526)(大學生必須以邪說異端為培養獨立思考起點)
☉So gibts demnach keine eigentliche Polemik im Felde der reinen Vernunft.
Beide Teile sind Luftfechter, die sich mit ihrem Schatten herumbalgen,
denn sie gehen über die Natur hinaus, wo für ihre dogmatischen Griffe
nichts vorhanden ist, was sich fassen und halten ließe. Sie haben gut
kämpfen; die Schatten, die sie zerhauen, wachsen, wie die Helden in
Walhalla, in einem Augenblicke wiederum zusammen, um sich aufs neue in
unblutigen Kämpfen belustigen zu können.(p.526) (理性實無爭執可言,天堂勇士以不流血爭鬥為娛樂)
☉So ist der Skeptizismus ein Ruheplatz für die menschliche Vernunft, da
sie sich über ihre dogmatische Wanderung besinnen und den Entwurf von der
Gegend machen kann, wo sie sich befindet, um ihren Weg fernerhin mit
mehrerer Sicherheit wählen zu können, aber nicht ein Wohnplatz zum
beständigen Aufenthalte; denn dieser kann nur in einer völligen Gewißheit
angetroffen werden, es sei nun der Erkenntnis der Gegenstände selbst, oder
der Grenzen, innerhalb denen alle unsere Erkenntnis von Gegenständen
eingeschlossen ist. (p.529)(懷疑論為必要工具,但非目的)
☉Hypothesen sind also im Felde der reinen Vernunft nur als Kriegswaffen
erlaubt, nicht um darauf ein Recht zu gründen, sondern nur es zu
verteidigen. Den Gegner aber müssen wir hier jederzeit in uns selbst
suchen. Denn spekulative Vernunft in ihrem transzendentalen Gebrauche ist
an sich dialektisch. Die Einwürfe, die zu fürchten sein möchten, liegen in
uns selbst. (p.538)(理性的最大敵人在自身)
●Der Kanon der reinen Vernunft
☉Der größte und vielleicht einzige Nutzen aller Philosophie der reinen
Vernunft ist also wohl nur negativ; da sie nämlich nicht, als Organon, zur
Erweiterung, sondern, als Disziplin, zur Grenzbestimmung dient, und,
anstatt Wahrheit zu entdecken, nur das stille Verdienst hat, Irrtümer zu
verhüten.....Vermutlich wird auf dem einzigen Wege, der ihr noch übrig
ist, nämlich dem des praktischen Gebrauchs, besseres Glück für sie zu
hoffen sein.(p.548)(哲學僅為消極的,除非理性之實踐)
☉Diejenige aber, welche unabhängig von sinnlichen Antrieben, mithin durch
Bewegursachen, welche nur von der Vernunft vorgestellt werden, bestimmt
werden kann, heißt die freie Willkür (arbitrium liberum), und alles, was
mit dieser, es sei als Grund oder Folge, zusammenhängt, wird Praktisch
genannt. Die praktische Freiheit kann durch Erfahrung bewiesen werden.
Denn, nicht bloß das, was reizt, d. i. die Sinne unmittelbar affiziert,
bestimmt die menschliche Willkür, sondern wir haben ein Vermögen, durch
Vorstellungen von dem, was selbst auf entferntere Art nützlich oder
schädlich ist, die Eindrücke auf unser sinnliches Begehrungsvermögen zu
überwinden; diese Überlegungen aber von dem, was in Ansehung unseres
ganzen Zustandes begehrungswert, d. i. gut und nützlich ist, beruhen auf
der Vernunft. Diese gibt daher auch Gesetze, welche Imperative, d. i.
objektive Gesetze der Freiheit sind, und welche sagen, was geschehen soll,
ob es gleich vielleicht nie geschieht, und sich darin von Naturgesetzen,
die nur von dem handeln, was geschieht, unterscheiden, weshalb sie auch
praktische Gesetze genannt werden. (p.552)(實踐理性)
☉Alles Interesse meiner Vernunft (das spekulative sowohl, als das
praktische) vereinigt sich in folgenden drei Fragen:
Was kann ich wissen?
Was soll ich tun?
Was darf ich hoffen? (p.554)
☉Ich nenne die Welt, sofern sie allen sittlichen Gesetzen gemäß wäre, (wie
sie es denn, nach der Freiheit der vernünftigen Wesen, sein kann, und,
nach den notwendigen Gesetzen der Sittlichkeit, sein soll,) eine
moralische Welt. Diese wird sofern bloß als intelligible Welt gedacht,
weil darin von allen Bedingungen (Zwecken) und selbst von allen
Hindernissen der Moralität in derselben (Schwäche oder Unlauterkeit der
menschlichen Natur) abstrahiert wird. Sofern ist sie also eine bloße, aber
doch praktische Idee, die wirklich ihren Einfluß auf die Sinnenwelt haben
kann und soll, um sie dieser Idee so viel als möglich gemäß zu machen.
......Das war die Beantwortung der ersten von den zwei Fragen der reinen
Vernunft, die das praktische Interesse betrafen: Tue das, wodurch du
würdig wirst, glücklich zu sein.
(p.556)(道德世界:「汝應為由之汝成為足值幸福者」)
☉Wir werden, soweit praktische Vernunft uns zu führen das Recht hat,
Handlungen nicht darum für verbindlich halten, weil sie Gebote Gottes
sind, sondern sie darum als göttliche Gebote ansehen, weil wir dazu
innerlich verbindlich sind. (p.562)(基於內在義務,而非神之命令)
☉Der Arzt muß bei einem Kranken, der in Gefahr ist, etwas tun, kennt aber
die Krankheit nicht. Er sieht auf die Erscheinungen, und urteilt, weil er
nichts Besseres weiß, es sei die Schwindsucht. Sein Glaube ist selbst in
seinem eigenen Urteile bloß zufällig, ein anderer möchte es vielleicht
besser treffen. Ich nenne dergleichen zufälligen Glauben, der aber dem
wirklichen Gebrauche der Mittel zu gewissen Handlungen zum Grunde liegt,
den pragmatischen Glauben.(p.565)(醫術為「實用的信仰」)
●Die Architektonik der reinen Vernunft
☉In dieser Absicht ist Philosophie die Wissenschaft von der Beziehung
aller Erkenntnis auf die wesentlichen Zwecke der menschlichen Vernunft
(teleologia rationis humanae), und der Philosoph ist nicht ein
Vernunftkünstler, sondern der Gesetzgeber der menschlichen
Vernunft......Der Mathematiker, der Naturkündiger, der Logiker sind, so
vortrefflich die ersteren auch überhaupt im Vernunfterkenntnisse, die
zweiten besonders im philosophischen Erkenntnisse Fortgang haben mögen,
doch nur Vernunftkünstler. (p.574)(哲學為人類理性之立法者;自然哲學家為理性領域之技術家)
☉Die Gesetzgebung der menschlichen Vernunft (Philosophie) hat nun zwei
Gegenstände, Natur und Freiheit, und enthält also sowohl das Naturgesetz,
als auch das Sittengesetz, anfangs in zwei besonderen, zuletzt aber in
einem einzigen philosophischen System. Die Philosophie der Natur geht auf
alles, was da ist; die der Sitten, nur auf das, was da sein soll.
(p.575)(自然/道德哲學)
☉Demnach besteht das ganze System der Metaphysik aus vier Hauptteilen. 1.
Der Ontologie. 2. Der rationalen Physiologie. 3. Der rationalen
Kosmologie. 4. Der rationalen Theologie. Der zweite Teil, nämlich die
Naturlehre der reinen Vernunft, enthält zwei Abteilungen, die physica
rationalis* und psychologia rationalis. (p.578)(形上學四部分)
●Die Geschichte der reinen Vernunft
☉Es ist merkwürdig genug, ob es gleich natürlicherweise nicht anders
zugehen konnte, daß die Menschen im Kindesalter der Philosophie davon
anfingen, wo wir jetzt lieber endigen möchten, nämlich, zuerst die
Erkenntnis Gottes, und die Hoffnung oder wohl gar die Beschaffenheit einer
anderen Welt zu studieren. Was auch die alten Gebräuche, die noch von dem
rohen Zustande der Völker übrig waren, für grobe Religionsbegriffe
eingeführt haben mochten, so hinderte dieses doch nicht den aufgeklärteren
Teil, sich freien Nachforschungen über diesen Gegenstand zu widmen, und
man sah leicht ein, daß es keine gründliche und zuverlässigere Art geben
könne, der unsichtbaren Macht, die die Welt regiert, zu gefallen, um
wenigstens in einer anderen Welt glücklich zu sein, als den guten
Lebenswandel. Daher waren Theologie und Moral die zwei Triebfedern, oder
besser, Beziehungspunkte zu allen abgezogenen Vernunftforschungen, denen
man sich nachher jederzeit gewidmet hat. Die erstere war indessen
eigentlich das, was die bloß spekulative Vernunft nach und nach in das
Geschäft zog, welches in der Folge unter dem Namen der Metaphysik so
berühmt geworden. (p.581)(人類歷史以神學始終)
☉形上學的三種爭論:
l. In Ansehung des Gegenstandes aller unserer Vernunfterkenntnisse, waren
einige bloß Sensual-, andere bloß Intellektualphilosophen. Epikur kann der
vornehmste Philosoph der Sinnlichkeit, Plato des Intellektuellen genannt
werden.(知識對象)
2. In Ansehung des Ursprungs reiner Vernunfterkenntnisse, ob sie aus der
Erfahrung abgeleitet, oder, unabhängig von ihr, in der Vernunft ihre
Quelle haben. Aristoteles kann als das Haupt der Empiristen, Plato aber
der Noologisten angesehen werden. Locke, der in neueren Zeiten dem
ersteren, und Leibnitz, der dem letzteren folgte.(知識起源)
3. In Ansehung der Methode. Wenn man etwas Methode nennen soll, so muß es
ein Verfahren nach Grundsätzen sein. Nun kann man die jetzt in diesem
Fache der Naturforschung herrschende Methode in die naturalistische und
szientifische einteilen.(知識方法)
1999.7.22
立人祕密書齋
|