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●旅行
☉Wohl möglich, daß Aschenbach es bei seiner halb zerstreuten, halb
inquisitiven Musterung des Fremden an Rücksicht hatte fehlen lassen;
denn plötzlich ward er gewahr, daß jener seinen Blick erwiderte und zwar
so kriegerisch, so gerade ins Auge hinein, so offenkundig gesonnen, die
Sache aufs Äußerste zu treiben und den Blick des andern zum Abzug zu
zwingen, daß Aschenbach, peinlich berührt, sich abwandte und einen Gang
die Zäune entlang begann, mit dem beiläufigen Entschluß, des Menschen
nicht weiter achtzuhaben. Er hatte ihn in der nächsten Minute vergessen.
Mochte nun aber das Wandererhafte in der Erscheinung des Fremden auf
seine Einbildungskraft gewirkt haben oder sonst irgendein physischer
oder seelischer Einfluß im Spiele sein: eine seltsame Ausweitung seines
Innern ward ihm ganz überraschend bewußt, eine Art schweifender Unruhe,
ein jugendlich durstiges Verlangen in die Ferne, ein Gefühl, so lebhaft,
so neu oder doch so längst entwöhnt und verlernt, daß er, die Hände auf
dem Rücken und den Blick am Boden, gefesselt stehen blieb, um
die Empfindung auf Wesen und Ziel zu prüfen. Es war Reiselust, nichts
weiter; aber wahrhaft als Anfall auftretend und ins Leidenschaftliche,
ja bis zur Sinnestäuschung gesteigert.(1)(因陌生人的一眼而決定旅行)
☉Fluchtdrang war sie, daß er es sich eingestand, diese Sehnsucht ins
Ferne und Neue,diese Begierde nach Befreiung, Entbürdung und
Vergessen,der Drang hinweg vom Werke, von der Alltagsstätte eines
starren, kalten und leidenschaftlichen Dienstes. Zwar liebte er ihn und
liebte auch fast schon den entnervenden, sich täglich erneuernden Kampf
zwischen seinem zähen und stolzen, so oft erprobten Willen und dieser
wachsenden Müdigkeit, von der niemand wissen und die das Produkt auf
keine Weise, durch kein Anzeichen des Versagens und der Laßheit verraten
durfte.(1)(想飛的慾望)
●意志
☉Aber sein Lieblingswort war »Durchhalten«,--er sah in seinem
Friedrich--Roman nichts anderes als die Apotheose dieses Befehlswortes,
das ihm als der Inbegriffleitend--tätiger Tugend erschien. Auch wünschte
er sehnlichst, alt zu werden, denn er hatte von jeher dafür gehalten,
daß wahrhaft groß, umfassend, ja wahrhaft ehrenwert nur das Künstlertum
zu nennen sei, dem es beschieden war, auf allen Stufen des Menschlichen
charakteristisch fruchtbar zu sein.(2)(堅毅的個性)
☉Mit vierzig, mit fünfzig Jahren wie schon in einem Alter, wo andere
verschwenden, schwärmen, die Ausführung großer Pläne getrost verschieben,
begann er seinen Tag beizeiten mit Stürzen kalten Wassers über Brust und
Rücken und brachte dann, ein Paar hoher Wachskerzen in silbernen
Leuchtern zu Häupten des Manuskripts, die Kräfte, die er im Schlaf
gesammelt, in zwei oder drei inbrünstig gewissenhaften Morgenstunden der
Kunst zum Opfer dar.(2)(每天清晨以沖冷水澡開始)
☉Gustav Aschenbach war der Dichter all derer, die am Rande der
Erschöpfung arbeiten, der
Überbürdeten, schon Aufgeriebenen, sich noch Aufrechthaltenden, all
dieser Moralisten der Leistung, die, schmächtig von Wuchs und spröde von
Mitteln, durch Willensverzückung und kluge Verwaltung sich wenigstens
eine Zeitlang die Wirkungen der Größe abgewinnen. Ihrer sind viele, sie
sind die Helden des Zeitalters. Und sie alle erkannten sich wieder in
seinem Werk, sie fanden sich bestätigt, erhoben, besungen darin, sie
wußten ihm Dank, sie verkündeten seinen Namen.(2)(是向命運挑戰者的榜樣)
●藝術
☉Bedeutende Schicksale schienen über dies meist leidend seitwärts
geneigte Haupt hinweggegangen zu sein, und doch war die Kunst es gewesen,
die hier jene physiognomische Durchbildung übernommen hatte, welche
sonst das Werk eines schweren, bewegten Lebens ist. Hinter dieser Stirn
waren die blitzenden Repliken des Gesprächs zwischen Voltaire und dem
Könige über den Krieg geboren; diese Augen, müde und tief durch die
Gläser blickend, hatten das blutige Inferno der Lazarette des
Siebenjährigen Krieges gesehen. Auch persönlich genommen ist ja die
Kunst ein erhöhtes Leben. Sie beglückt tiefer, sie verzehrt rascher. Sie
gräbt in das Antlitz ihres Dieners die Spuren imaginärer und geistiger
Abenteuer, und sie erzeugt, selbst bei klösterlicher Stille des äußeren
Daseins, auf die Dauer eine Verwöhntheit, Überfeinerung, Müdigkeit und
Neugier der Nerven, wie ein Leben voll ausschweifendster Leidenschaften
und Genüsse sie kaum hervorzubringen vermag.(2)
(藝術是他的動力)
●孤獨
☉Die Beobachtungen und Begegnisse des Einsam--Stummen sind zugleich
verschwommener und eindringlicher als die des Geselligen, seine Gedanken
schwerer, wunderlicher und nie ohne einen Anflug von Traurigkeit. Bilder
und Wahrnehmungen, die mit einem Blick, einem Lachen, einem
Urteilsaustausch leichthin abzutun wären, beschäftigen ihn über Gebühr,
vertiefen sich im Schweigen, werden bedeutsam, Erlebnis, Abenteuer,
Gefühl. Einsamkeit zeitigt das Originale, das gewagt und befremdend
Schöne, das Gedicht. Einsamkeit zeitigt aber auch das Verkehrte, das
Unverhältnismäßige, das Absurde und Unerlaubte.--So beunruhigten die
Erscheinungen der Herreise, der gräßliche alte Stutzer mit seinem
Gefasel vom Liebchen, der verpönte, um seinen Lohn geprellte Gondolier,
noch jetzt das Gemüt des Reisenden. Ohne der Vernunft Schwierigkeiten zu
bieten, ohne eigentlich Stoff zum Nachdenken zu geben, waren sie dennoch
grundsonderbar von Natur, wie es ihm schien, und beunruhigend wohl eben
durch diesen Widerspruch.(3)
●同性愛
☉Mit Erstaunen bemerkte Aschenbach, daß der Knabe vollkommen schön war.
Sein Antlitz,--bleich und anmutig verschlossen, von honigfarbenem Haar
umringelt, mit der gerade abfallenden Nase, dem lieblichen Munde, dem
Ausdruck von holdem und göttlichem Ernst, erinnerte an griechische
Bildwerke aus edelster Zeit, und bei reinster Vollendung der Form war es
vonso einmalig--persönlichem Reiz, daß der Schauende weder in Natur noch
bildender Kunst etwas ähnlich
Geglücktes angetroffen zu haben glaubte. Was ferner auffiel, war ein
offenbar grundsätzlicher Kontrast zwischen den erzieherischen
Gesichtspunkten, nach denen die Geschwister gekleidet und allgemein
gehalten schienen.(3)(完美如神的型態)
☉War er leidend? Denn die Haut seines Gesichtes stach weiß wie Elfenbein
gegen das goldige Dunkel der umrahmenden Locken ab. Oder war er einfach
ein verzärteltes Vorzugskind, von
parteilicher und launischer Liebe getragen? Aschenbach war geneigt, dies
zu glauben. Fast jedem
Künstlernaturell ist ein üppiger und verräterischer Hang eingeboren,
Schönheit schaffende Ungerechtigkeit anzuerkennen und aristokratischer
Bevorzugung Teilnahme und Huldigung entgegenzubringen.(3)
☉Müde und dennoch geistig bewegt, unterhielt er sich während der
langwierigen Mahlzeit mit abstrakten, ja transzendenten Dingen, sann
nach über die geheimnisvolle Verbindung, welche das Gesetzmäßige mit dem
Individuellen eingehen müsse, damit menschliche Schönheit entstehe, kam
von da aus auf allgemeine Probleme der Form und der Kunst und fand am
Ende, daß seine Gedanken und Funde gewissen scheinbar glücklichen
Einflüsterungen des Traumes glichen, die sich bei ernüchtertem Sinn als
vollständig schal und untauglich erweisen. (3)
☉Lächelnd, mit einem halblauten Wort in seiner weich verschwommenen
Sprache nahm er seinen Platz ein, und jetzt zumal, da er dem Schauenden
sein genaues Profil zuwandte, erstaunte dieser aufs neue, ja erschrak
über die wahrhaft gottähnliche Schönheit des Menschenkindes. Der Knabe
trug
heute einen leichten Blusenanzug aus blau und weiß gestreiftem
Waschstoff mit rotseidener Masche auf der Brust und am Halse von einem
einfachen weißen Stehkragen abgeschlossen. Auf diesem Kragen aber, der
nicht einmal sonderlich elegant zum Charakter des Anzugs passen wollte,
ruhte die Blüte des Hauptes in unvergleichlichem Liebreiz,--das Haupt
des Eros, vom gelblichen Schmelze parischen Marmors, mit feinen und
ernsten Brauen, Schläfen und Ohr vom rechtwinklig einspringenden
Geringel des Haares dunkel und weich bedeckt.(3)
☉Beinahe schien es ihm, als säße er hier, um den Ruhenden zu
behüten,--mit eigenen Angelegenheiten beschäftigt und dabei doch in
beständiger Wachsamkeit für das edle Menschenbild dort zur Rechten,
nicht weit von ihm. Und eine väterliche Huld, die gerührte Hinneigung
dessen, der sich opfernd im Geiste das Schöne zeugt, zu dem, der die
Schönheit hat, erfüllte und bewegte sein Herz.(3)(作為保護者的父愛感覺,畢竟他喪妻有女無子)
☉Er stand ganz nahe bei Aschenbach, zum ersten Male so nah, daß dieser
ihn nicht in bildmäßigem Abstand, sondern genau, mit den Einzelheiten
seiner Menschlichkeit wahrnahm und erkannte. Der Knabe ward angeredet
von irgend jemandem, und während er mit unbeschreiblich lieblichem
Lächeln antwortete, trat er schon wieder aus, im ersten Stockwerk,
rückwärts, mit niedergeschlagenen Augen. Schönheit macht schamhaft,
dachte Aschenbach und bedachte sehr eindringlich, warum. Er hatte jedoch
bemerkt, daß Tadzios Zähne nicht recht erfreulich waren: etwas zackig
und blaß, ohne den Schmelz der Gesundheit und von eigentümlich spröder
Durchsichtigkeit wie zuweilen bei
Bleichsüchtigen. Er ist sehr zart, er ist kränklich, dachte Aschenbach.
Er wird wahrscheinlich nicht alt werden. Und er verzichtete darauf, sich
Rechenschaft über ein Gefühl der Genugtuung oder Beruhigung zu geben,
das diesen Gedanken begleitete.(3)(享受著男孩不健康不完美的事實)
☉Aschenbach erkannte ihn aus seiner Höhe sofort, bevor er ihn eigentlich
ins Auge gefaßt, und wollte etwas denken, wie: »Sieh, Tadzio, da bist ja
auch du wieder!« Aber im gleichen
Augenblick fühlte er, wie der lässige Gruß vor der Wahrheit seines
Herzens hinsank und verstummte,--fühlte die Begeisterung seines Blutes,
die Freude, den Schmerz seiner Seele und erkannte, daß ihm um Tadzios
willen der Abschied so schwer geworden war.(3)(因為他的緣故總不甘心離開)
●同性愛:激情
☉Der, welcher dies Lächeln empfangen, enteilte damit wie mit einem
verhängnisvollen Geschenk. Er war so sehr erschüttert, daß er das Licht
der Terrasse, des Vorgartens, zu fliehen gezwungen war und mit hastigen
Schritten das Dunkel des rückwärtigen Parkes suchte. Sonderbar
entrüstete und zärtliche Vermahnungen entrangen sich ihm: »Du darfst so
nicht lächeln! Höre, man darf so niemandem lächeln!« Er warf sich auf
eine Bank, er atmete außer sich den nächtlichen Duft der Pflanzen. Und
zurückgelehnt, mit hängenden Armen, überwältigt und mehrfach von
Schauern überlaufen, flüsterte er die stehende Formel der
Sehnsucht,--unmöglich hier, absurd, verworfen, lächerlich und heilig
doch, ehrwürdig auch hier noch: »Ich liebe
dich!«(4)(對他的笑容,一開始憤怒,而後卻是完全的投降)
☉Er mußte stehen bleiben, wenn sie sich verweilten, mußte in Garküchen
und Höfe flüchten, um die
Umkehrenden vorüber zu lassen; er verlor sie, suchte erhitzt und
erschöpft nach ihnen über Brücken und in schmutzigen Sackgassen und
erduldete Minuten tödlicher Pein, wenn er sie plötzlich in enger
Passage, wo kein Ausweichen möglich war, sich entgegenkommen sah.
Dennoch kann man nicht sagen, daß er litt. Haupt und Herz waren ihm
trunken, und seine Schritte folgten den Weisungen des Dämons, dem es
Lust ist, des Menschen Vernunft und Würde unter seine Füße zu
treten.(5)(如魔鬼般的追蹤)
●同性愛:美
☉ja, nur mit Hülfe eines Körpers vermöge sie dann noch zu höherer
Betrachtung sich zu erheben. Amor fürwahr tat es den Mathematikern
gleich, die unfähigen Kindern greifbare Bilder der reinen Formen
vorzeigen: So auch bediente der Gott sich, um uns das Geistige sichtbar
zu machen, gern der Gestalt und Farbe menschlicher Jugend, die er zum
Werkzeug der Erinnerung mit allem Abglanz der Schönheit schmückte und
bei deren Anblick wir dann wohl in Schmerz und Hoffnung
entbrannten.(4)(美的理念透過形式表達)
☉ein Ältlicher und ein Junger, ein Häßlicher und ein Schöner, der Weise
beim Liebenswürdigen. Und unter Artigkeiten und geistreich werbenden
Scherzen belehrte Sokrates den Phaidros über Sehnsucht und Tugend. Er
sprach ihm von dem heißen Erschrecken, das der Fühlende leidet, wenn
sein Auge ein Gleichnis der ewigen Schönheit erblickt; sprach ihm von
den Begierden des Weihelosen und Schlechten, der die Schönheit nicht
denken kann, wenn er ihr Abbild sieht, und der Ehrfurcht nicht fähig
ist; sprach von der heiligen Angst, die den Edlen befällt, wenn ein
gottgleiches Antlitz, ein vollkommener Leib ihm erscheint, er dann
aufbebt und außer sich ist und hinzusehen sich kaum getraut und den
verehrt, der die Schönheit hat, ja, ihm opfern würde, wie einer
Bildsäule, wenn er nicht fürchten müßte, den Menschen närrisch zu
scheinen. Denn die Schönheit, mein Phaidros, nur sie, ist liebenswürdig
und sichtbar zugleich: sie ist, merke das wohl! die einzige Form des
Geistigen, welche wir sinnlich empfangen, sinnlich ertragen können. Oder
was würde aus uns, wenn das Göttliche sonst, wenn Vernunft und Tugend
und Wahrheit uns sinnlich erscheinen wollten? Würden wir nicht vergehen
und verbrennen vor Liebe, wie Semele einstmals vor Zeus? So ist die
Schönheit der Weg des Fühlenden zum Geiste,--nur der Weg, ein Mittel
nur, kleiner Phaidros... Und dann sprach er das Feinste aus, der
verschlagene Hofmacher: Dies, daß der Liebende göttlicher sei, als der
Geliebte, weil in jenem der Gott sei nicht aber im andern,--diesen
zärtlichsten, spöttischsten Gedanken vielleicht, der jemals gedacht
ward, und
dem alle Schalkheit und heimlichste Wollust der Sehnsucht entspringt.
Glück des Schriftstellers ist der Gedanke, der ganz Gefühl, ist das
Gefühl, das ganz Gedanke zu werden
vermag(4)(重回到Socartes與Phaedrus同性情愫與討論美的歷史場合)
☉Sonderbare Stunden! Sonderbar entnervende Mühe! Seltsam zeugender
Verkehr des Geistes mit einem Körper! Als Aschenbach seine Arbeit
verwahrte und vom Strande aufbrach, fühlte er sich erschöpft, ja
zerrüttet, und ihm war, als ob sein Gewissen wie nach einer
Ausschweifung Klage führe.(4)(近乎耽溺肉慾的美學想向)
☉»Denn die Schönheit, Phaidros, merke das wohl! nur die Schönheit ist
göttlich und sichtbar zugleich, und so ist sie denn also des Sinnlichen
Weg, ist, kleiner Phaidros, der Weg des Künstlers zum Geiste....
Denn du mußt wissen, daß wir Dichter den Weg der Schönheit nicht gehen
können, ohne daß Eros sich
zugesellt und sich zum Führer aufwirft; ja, mögen wir auch Helden auf
unsere Art und züchtige Kriegsleute sein, so sind wir wie Weiber, denn
Leidenschaft ist unsere Erhebung, und unsere Sehnsucht muß Liebe
bleiben,--das ist unsere Lust und unsere Schande. Siehst du nun wohl,
daß wir Dichter nicht weise noch würdig sein können? Daß wir notwendig
in die Irre gehen, notwendig liederlich und Abenteurer des Gefühles
bleiben? Die Meisterhaltung unseres Styls ist Lüge und Narrentum, unser
Ruhm und Ehrenstand eine Posse, das Vertrauen der Menge zu uns höchst
lächerlich, Volks--und Jugenderziehung durch die Kunst eingewagtes, zu
verbietendes Unternehmen....
Aber Form und Unbefangenheit, Phaidros, führen zum Rausch und zur
Begierde, führen den Edlen vielleicht zu grauenhaftem Gefühlsfrevel, den
seine eigene schöne Strenge als infam verwirft, führen zum Abgrund, zum
Abgrund auch sie. Uns Dichter, sage ich, führen sie dahin, denn wir
vermögen nicht, uns aufzuschwingen, wir vermögen nur auszuschweifen. Und
nun gehe ich, Phaidros, bleibe du hier; und erst wenn du mich nicht mehr
siehst, so gehe auch du.«(5)(對美的堅持終究要導致肉慾的墮落)
●同性愛:距離
☉Er war verwirrt, er fürchtete, daß irgend jemand, wenn auch der
Strandwächter nur, seinen Lauf, seine Niederlage beobachtet haben
möchte, fürchtete sehr die Lächerlichkeit. Im übrigen scherzte er bei
sich selbst über seine komisch--heilige Angst. »Bestürzt«, dachte er,
»bestürzt wie ein Hahn, der angstvoll seine Flügel im Kampfe hängen
läßt. Das ist wahrlich der Gott, der beim Anblick des Liebenswürdigen so
unseren Mut bricht und unsern stolzen Sinn so gänzlich zu Boden
drückt...« Er spielte, schwärmte und war viel zu hochmütig, um ein
Gefühl zu fürchten(4)
●同性愛:默契
☉Seltsamer, heikler ist nichts als das Verhältnis von Menschen, die sich
nur mit den Augen kennen,--die täglich, ja stündlich einander begegnen,
beobachten und dabei den Schein gleichgültiger Fremdheit grußlos und
wortlos aufrecht zu halten durch Sittenzwang oder eigene Grille genötigt
sind. Zwischen ihnen ist Unruhe und überreizte Neugier, die Hysterie
eines unbefriedigten, unnatürlich unterdrückten Erkenntnis--und
Austauschbedürfnisses und namentlich auch eine Art von gespannter
Achtung. Denn der Mensch liebt und ehrt den Menschen, so lange er ihn
nicht zu beurteilen vermag, und die Sehnsucht ist ein Erzeugnis
mangelhafter Erkenntnis.(4)
(兩個只互相認識容貌的人之間的奇特默契)
☉Irgend eine Beziehung und Bekanntschaft mußte sich notwendig ausbilden
zwischen Aschenbach und dem jungen Tadzio, und mit durchdringender
Freude konnte der Ältere feststellen, daß Teilnahme und Aufmerksamkeit
nicht völlig unerwidert blieben. Was bewog zum Beispiel den Schönen,
niemals mehr, wenn er morgens am Strande erschien, den Brettersteg an
der Rückseite der Hütten zu benützen, sondern nur noch auf dem vorderen
Wege, durch den Sand, an Aschenbachs Wohnplatz vorbei und manchmal
unnötig dicht an ihm vorbei, seinen Tisch, seinen Stuhl fast streifend,
zur Hütte der Seinen zu schlendern? Wirkte so die Anziehung, die
Faszination eines überlegenen Gefühls auf seinen zarten und
gedankenlosen Gegenstand? Aschenbach erwartete täglich Tadzios
Auftreten, und zuweilen tat er, als sei er beschäftigt, wenn es sich
vollzog, und ließ den Schönen scheinbar unbeachtet vorübergehen.(4)
●瘟疫
☉»Man soll schweigen!« flüsterte er heftig. Und: »Ich werde schweigen!«
Das Bewußtsein seiner Mitwisserschaft, seiner Mitschuld berauschte ihn,
wie geringe Mengen Weines ein müdes Hirn berauschen. Das Bild der
heimgesuchten und verwahrlosten Stadt, wüst seinem Geiste vorschwebend,
entzündete in ihm Hoffnungen, unsagbar, die Vernunft überschreitend, und
von ungeheuerlicher Süßigkeit. Was war ihm das zarte Glück, von dem er
vorhin einen Augenblick geträumt, verglichen mit diesen Erwartungen? Was
galt ihm noch Kunst und Tugend gegenüber den Vorteilen des Chaos? Er
schwieg und blieb.(5)(耽溺非理性甜蜜的一念之轉)
☉In dieser Nacht hatte er einen furchtbaren Traum,--wenn man als Traum
ein körperhaft--geistiges Erlebnis bezeichnen kann, das ihm zwar im
tiefsten Schlaf und in völligster Unabhängigkeit und sinnlicher
Gegenwart widerfuhr, aber ohne daß er sich außer den Geschehnissen im
Raume wandelnd und anwesend sah; sondern ihr Schauplatz war vielmehr
seine Seele selbst, und sie brachen von außen herein, seinen
Widerstand--einen tiefen und geistigen Widerstand--gewalttätig
niederwerfend, gingen hindurch und ließen seine Existenz, ließen die
Kultur seines Lebens verheert, vernichtet zurück.....
Wahnsinn. Dünste bedrängten den Sinn, der beizende Ruch der Böcke,
Witterung keuchender Leiber und ein Hauch wie von faulenden Wassern,
dazu ein anderer noch, vertraut: nach Wunden und umlaufender Krankheit.
Mit den Paukenschlägen dröhnte sein Herz, sein Gehirn kreiste, Wut
ergriff ihn, Verblendung, betäubende Wollust, und seine Seele begehrte,
sich anzuschließen dem Reigen
des Gottes. Das obszöne Symbol, riesig, aus Holz, ward enthüllt und
erhöht: da heulten sie zügelloser die Losung. Schaum vor den Lippen
tobten sie, reizten einander mit geilen Gebärden und buhlenden Händen,
lachend und ächzend,--stießen die Stachelstäbe einander ins Fleisch und
leckten das Blut von den Gliedern.(5)(狂歡縱慾如野蠻人之夢)
●「陌生人」
1.Mäßig hochgewachsen, mager, bartlos und auffallend stumpfnäsig,
gehörte der Mann zum rothaarigen Typ und besaß dessen milchige und
sommersprossige Haut. Offenbar war er durchaus nicht bajuwarischen
Schlages: wie denn wenigstens der breit und gerade gerandete Basthut,
der ihm den Kopf bedeckte, seinem Aussehen ein Gepräge des
Fremdländischen und Weitherkommenden verlieh. Freilich trug er dazu den
landesüblichen Rucksack um die Schultern geschnallt, einen gelblichen
Gurtanzug aus Lodenstoff, wie es schien, einen grauen Wetterkragen über
dem linken Unterarm, den er in die Weiche gestützt hielt, und in der
Rechten einen mit eiserner Spitze versehenen Stock, welchen er schräg
gegen den Boden stemmte und auf dessen Krücke er, bei gekreuzten Füßen,
die Hüfte lehnte. Erhobenen Hauptes, so daß an seinem hager dem losen
Sporthemd entwachsenden Halse der Adamsapfel stark und nackt hervortrat,
blickte er mit farblosen, rot bewimperten Augen, zwischen denen,
sonderbar genug zu seiner kurz aufgeworfenen Nase passend, zwei
senkrechte, energische Furchen standen, scharf spähend ins Weite.(1)
2.Kaum aber hatte Aschenbach ihn genauer ins Auge gefaßt, als er mit
einer Art von Entsetzen erkannte, daß der Jüngling falsch war. Er war
alt, man konnte nicht zweifeln. Runzeln umgaben ihm Augen und Mund. Das
matte Karmesin der Wangen war Schminke, das braune Haar unter dem farbig
umwundenen Strohhut Perücke, sein Hals verfallen und sehnig, sein
aufgesetztes Schnurrbärtchen und die Fliege am Kinn gefärbt, sein gelbes
und vollzähliges Gebiß, das er lachend zeigte, ein billiger Ersatz, und
seine Hände, mit Siegelringen an beiden Zeigefingern, waren die eines
Greises. Schauerlich angemutet sah Aschenbach ihm und seiner
Gemeinschaft mit den Freunden zu.(3)
3.--Zur Dampferstation also! wiederholte er, indem er sich vollends
umwandte und in das Gesicht des Gondoliers emporblickte, der hinter ihm,
auf erhöhtem Borde stehend, vor dem fahlen Himmel aufragte. Es war ein
Mann von ungefälliger, ja brutaler Physiognomie, seemännisch blau
gekleidet, mit einer gelben Schärpe gegürtet und einen formlosen
Strohhut, dessen Geflecht sich aufzulösen begann, verwegen schief auf
dem Kopfe. Seine Gesichtsbildung, sein blonder, lockiger Schnurrbart
unter der kurz aufgeworfenen Nase ließen ihn durchaus nicht
italienischen Schlages erscheinen. Obgleich eher schmächtig von
Leibesbeschaffenheit, so daß man ihn für seinen Beruf nicht sonderlich
geschickt geglaubt hätte, führte er das Ruder, bei jedem Schlage den
ganzen Körper einsetzend, mit großer Energie.(3)
4.Dem weichen Kragen des Sporthemdes, das er zu übrigens städtischer
Kleidung trug, entwuchs sein hagerer Hals mit auffallend groß und nackt
wirkendem Adamsapfel. Sein bleiches, stumpfnäsiges Gesicht, aus dessen
bartlosen Zügen schwer auf sein Alter zu schließen war, schien
durchpflügt von Grimassen und Laster, und sonderbar wollten zum Grinsen
seines beweglichen Mundes die beiden Furchen passen, die trotzig,
herrisch, fast wild zwischen seinen rötlichen Brauen standen. Was jedoch
des Einsamen tiefe Achtsamkeit eigentlich auf ihn lenkte, war die
Bemerkung, daß die verdächtige Figur auch ihre eigene verdächtige
Atmosphäre mit sich zu führen schien. Jedesmal nämlich, wenn der Refrain
wieder einsetzte, unternahm der Sänger unter Faxen und grüßendem
Handschütteln einen grotesken Rundmarsch, der ihn unmittelbar unter
Aschenbachs Platz vorüberführte, und jedesmal, wenn das geschah, wehte,
von seinen Kleidern, seinem Körper ausgehend,ein Schwaden starken
Karbolgeruchs zur Terrasse empor.(5)
2004.9.27
立人祕密書齋
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