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●本心:不足
☉Siddhartha hatte begonnen, Unzufriedenheit in sich zu naehren, Er hatte
begonnen zu fuehlen, dass die Liebe seines Vaters, und die Liebe seiner
Mutter, und auch die Liebe seines Freundes, Govindas, nicht immer und
fuer alle Zeit ihn begluecken, ihn stillen, ihn saettigen, ihm genuegen
werde. Er hatte begonnen zu ahnen, dass sein ehrwuerdiger Vater und
seine anderen Lehrer, dass die weisen Brahmanen ihm von ihrer Weisheit
das meiste und beste schon mitgeteilt, dass sie ihre Fuelle schon in
sein wartendes Gefaess gegossen haetten, und das Gefaess war nicht voll,
der Geist war nicht begnuegt, die Seele war nicht ruhig, das Herz nicht
gestillt. (DER SOHN DES BRAHMANEN)
☉Viele ehrwuerdige Brahmanen kannte
Siddhartha, seinen Vater vor allen, den Reinen, den Gelehrten, den
hoechst Ehrwuerdigen. Zu bewundern war sein Vater, still und edel war
sein Gehaben, rein sein Leben, weise sein Wort, feine und adlige
Gedanken wohnten in seiner Stirn--aber auch er, der so viel Wissende,
lebte er denn in Seligkeit, hatte er Frieden, war er nicht auch nur
ein Suchender, ein Duerstender? Musste er nicht immer und immer wieder
an heiligen Quellen, ein Durstender, trinken, am Opfer, an den Buechern,
an der Wechselrede der Brahmanen? Warum musste er, der Untadelige,
jeden Tag Suende abwaschen, jeden Tag sich um Reinigung muehen, jeden
Tag von neuem? War denn nicht Atman in ihm, floss denn nicht in seinem
eigenen Herzen der Urquell? Ihn musste man finden, den Urquell im
eigenen Ich, ihn musste man zu eigen haben! Alles andre war Suchen,
war Umweg, war Verirrung. (DER SOHN DES BRAHMANEN)
●苦行:無我
☉Ein Ziel stand vor Siddhartha, ein einziges: leer werden, leer von
Durst, leer von Wunsch, leer von Traum, leer von Freude und Leid. Von
sich selbst wegsterben, nicht mehr Ich sein, entleerten Herzens Ruhe
zu finden, im entselbsteten Denken dem Wunder offen zu stehen, das war
sein Ziel. Wenn alles Ich ueberwunden und gestorben war, wenn jede
Sucht und jeder Trieb im Herzen schwieg, dann musste das Letzte
erwachen, das Innerste im Wesen, das nicht mehr Ich ist, das grosse
Geheimnis.
Schweigend stand Siddhartha im senkrechten Sonnenbrand, gluehend vor
Schmerz, gluehend vor Durst, und stand, bis er nicht Schmerz noch Durst
mehr fuehlte. Schweigend stand er in der Regenzeit, aus seinem Haare
troff das Wasser ueber frierende Schultern, ueber frierende Hueften und
Beine, und der Buesser stand, bis Schultern und Beine nicht mehr froren,
bis sie schwiegen, bis sie still waren. Schweigend kauerte er im
Dorngerank, aus der brennenden Haut tropfte das Blut, aus Schwaeren der
Eiter, und Siddhartha verweilte starr, verweilte regungslos, bis kein
Blut mehr floss, bis nichts mehr stach, bis nichts mehr brannte.
(BEI DEN SAMANAS)
☉Sprach Siddhartha: "Mir will es nicht so erscheinen, mein Freund. Was
ich bis zu diesem Tage bei den Samanas gelernt habe, das, o Govinda,
haette ich schneller und einfacher lernen koennen. In jeder Kneipe
eines Hurenviertels, mein Freund, unter den Fuhrleuten und
Wuerfelspielern haette ich es lernen koennen."
Sprach Govinda: "Siddhartha macht sich einen Scherz mit mir. Wie
haettest du Versenkung, wie haettest du Anhalten des Atems, wie haettest
du Unempfindsamkeit gegen Hunger und Schmerz dort bei jenen Elenden
lernen sollen?"
Und Siddhartha sagte leise, als spraeche er zu sich selber: "Was ist
Versenkung? Was ist Verlassen des Koerpers? Was ist Fasten? Was ist
Anhaltendes Atems? Es ist Flucht vor dem Ich, es ist ein kurzes
Entrinnen aus der Qual des Ichseins, es ist eine kurze Betaeubung gegen
den Schmerz und die Unsinnigkeit des Lebens. Dieselbe Flucht,
dieselbe kurze Betaeubung findet der Ochsentreiber in der Herberge,
wenn er einige Schalen Reiswein trinkt oder gegorene Kokosmilch. Dann
fuehlt er sein Selbst nicht mehr, dann fuehlt er die Schmerzen des
Lebens nicht mehr, dann findet er kurze Betaeubung. Er findet, ueber
seiner Schale mit Reiswein eingeschlummert, dasselbe, was Siddhartha
und Govinda finden, wenn sie in langen UEbungen aus ihrem Koerper
entweichen, im Nicht-Ich verweilen. So ist es, o Govinda."(BEI DEN
SAMANAS)
(逃避自我也是暫時的,平民也可輕易達到)
●存在:實踐
☉Sie ist dir
geworden aus deinem eigenen Suchen, auf deinem eigenen Wege, durch
Gedanken, durch Versenkung, durch Erkenntnis, durch Erleuchtung.
Nicht ist sie dir geworden durch Lehre! Und--so ist mein Gedanke, o
Erhabener--keinem wird Erloesung zu teil durch Lehre! Keinem, o
Ehrwuerdiger, wirst du in Worten und durch Lehre mitteilen und sagen
koennen, was dir geschehen ist in der Stunde deiner Erleuchtungt Vieles
enthaelt die Lehre des erleuchteten Buddha, viele lehrt sie,
rechtschaffen zu leben, Boeses zu meiden. Eines aber enthaelt die so
klare, die so ehrwuerdige Lehre nicht: sie enthaelt nicht das Geheimnis
dessen, was der Erhabene selbst erlebt hat, er allein unter den
Hunderttausenden. Dies ist es, was ich gedacht und erkannt habe, als
ich die Lehre hoerte. Dies ist es, weswegen ich meine Wanderschaft
fortsetze--nicht um eine andere, eine bessere Lehre zu suchen, denn
ich weiss, es gibt keine, sondern um alle Lehren und alle Lehrer zu
verlassen und allein mein Ziel zu erreichen oder zu sterben.(GOTAMA)
(即使智慧言教就在眼前,也必須親身追尋)
☉Er blickte um sich, als saehe er zum ersten Male die Welt. Schoen war
die Welt, bunt war die Welt, seltsam und raetselhaft war die Welt!
Hier war Blau, hier war Gelb, hier war Gruen, Himmel floss und Fluss,
Wald starrte und Gebirg, alles schoen, alles raetselvoll und magisch,
und inmitten er, Siddhartha, der Erwachende, auf dem Wege zu sich
selbst. All dieses, all dies Gelb und Blau, Fluss und Wald, ging zum
erstenmal durchs Auge in Siddhartha ein, war nicht mehr Zauber Maras,
war nicht mehr der Schleier der Maya, war nicht mehr sinnlose und
zufaellige Vielfalt der Erscheinungswelt, veraechtlich dem tief
denkenden Brahmanen, der die Vielfalt verschmaeht, der die Einheit
sucht. Blau war Blau, Fluss war Fluss, und wenn auch im Blau und Fluss
in Siddhartha das Eine und Goettliche verborgen lebte, so war es doch
eben des Goettlichen Art und Sinn, hier Gelb, hier Blau, dort Himmel,
dort Wald und hier Siddhartha zu sein. Sinn und Wesen war nicht
irgendwo hinter den Dingen, sie waren in ihnen, in allem.(ERWACHEN)
(回到美的感官世界)
☉Beide,
die Gedanken wie die Sinne, waren huebsche Dinge, hinter beiden lag der
letzte Sinn verborgen, beide galt es zu hoeren, mit beiden zu spielen,
beide weder zu verachten noch zu ueberschaetzen, aus beiden die geheimen
Stimmen des Innersten zu erlauschen. Nach nichts wollte er trachten,
als wonach die Stimme ihm zu trachten befoehle, bei nichts verweilen,
als wo die Stimme es riete. Warum war Gotama einst, in der Stunde der
Stunden, unter dem Bo-Baume niedergesessen, wo die Erleuchtung ihn
traf? Er hatte eine Stimme gehoert, eine Stimme im eigenen Herzen, die
ihm befahl, unter diesem Baume Rast zu suchen, und er hatte nicht
Kasteiung, Opfer, Bad oder Gebet, nicht Essen noch Trinken, nicht
Schlaf noch Traum vorgezogen, er hatte der Stimme gehorcht. So zu
gehorchen, nicht aeusserm Befehl, nur der Stimme, so bereit zu sein, das
war gut, das war notwendig, nichts anderes war notwendig.(KAMALA)
(傾聽內在的聲音)
●愛情
☉"Ich kann denken. Ich kann warten. Ich kann fasten."
"Nichts sonst?"
"Nichts. Doch, ich kann auch dichten. Willst du mir fuer ein Gedicht
einen Kuss geben?"
"Das will ich tun, wenn dein Gedicht mir gefaellt. Wie heisst es denn?"
Siddhartha sprach, nachdem er sich einen Augenblick besonnen hatte,
diese Verse:
In ihren schattigen Hain trat die schoene Kamala,
An Haines Eingang stand der braune Samana.
Tief, da er die Lotusbluete erblickte,
Beugte sich jener, laechelnd dankte Kamala.
Lieblicher, dachte der Juengling, als Goettern zu opfern,
Lieblicher ist es zu opfern der schoenen Kamala.
Laut klatschte Kamala in die Haende, dass die goldenen Armringe klangen.
(KAMALA)
●性愛
☉Ihm, der in der Liebe noch ein Knabe war und dazu
neigte, sich blindlings und unersaettlich in die Lust zu stuerzen wie
ins Bodenlose, lehrte sie von Grund auf die Lehre, dass man Lust nicht
nehmen kann, ohne Lust zu geben, und dass jede Gebaerde, jedes
Streicheln, jede Beruehrung, jeder Anblick, jede kleinste Stelle des
Koerpers ihr Geheimnis hat, das zu wecken dem Wissenden Glueck bereitet.
Sie lehrte ihn, dass Liebende nach einer Liebesfeier nicht voneinander
gehen duerfen, ohne eins das andere zu bewundern, ohne ebenso besiegt
zu sein, wie gesiegt zu haben, so dass bei keinem von beiden
UEbersaettigung und OEde entstehe und das boese Gefuehl, missbraucht zu
haben oder missbraucht worden zu sein.(BEI DEN KINDERMENSCHEN)
☉"Du bist der beste Liebende," sagte sie nachdenklich, "den ich gesehen
habe. Du bist staerker als andre, biegsamer, williger. Gut hast du
meine Kunst gelernt, Siddhartha. Einst, wenn ich aelter bin, will ich
von dir ein Kind haben. Und dennoch, Lieber, bist du ein Samana
geblieben, dennoch liebst du mich nicht, du liebst keinen Menschen.
Ist es nicht so?"
"Es mag wohl so sein", sagte Siddhartha muede. "Ich bin wie du. Auch
du liebst nicht--wie koenntest du sonst die Liebe als eine Kunst
betreiben? Die Menschen von unserer Art koennen vielleicht nicht
lieben. Die Kindermenschen koennen es; das ist ihr Geheimnis."
(BEI DEN KINDERMENSCHEN)(把愛當藝術經營,就不是愛了)
●無為
☉"Du hast gewollt. Sieh, Kamala: Wenn du einen Stein ins Wasser wirfst,
so eilt er auf dem schnellsten Wege zum Grunde des Wassers. So ist
es, wenn Siddhartha ein Ziel, einen Vorsatz hat. Siddhartha tut
nichts, er wartet, er denkt, er fastet, aber er geht durch die Dinge
der Welt hindurch wie der Stein durchs Wasser, ohne etwas zu tun, ohne
sich zu ruehren; er wird gezogen, er laesst sich fallen. Sein Ziel zieht
ihn an sich, denn er laesst nichts in seine Seele ein, was dem Ziel
widerstreben koennte. Das ist es, was Siddhartha bei den Samanas
gelernt hat. Es ist das, was die Toren Zauber nennen und wovon sie
meinen, es werde durch die Daemonen bewirkt. Nichts wird von Daemonen
bewirkt, es gibt keine Daemonen. Jeder kann zaubern, jeder kann seine
Ziele erreichen, wenn er denken kann, wenn er warten kann, wenn er
fasten kann."(KAMALA)(任何努力如同投石入水般地自然)
☉Zuzeiten spuerte er, tief in der Brust, eine sterbende, leise Stimme,
die mahnte leise, klagte leise, kaum dass er sie vernahm. Alsdann kam
ihm fuer eine Stunde zum Bewusstsein, dass er ein seltsames Leben
fuehre,
dass er da lauter Dinge tue, die bloss ein Spiel waren, dass er wohl
heiter sei und zuweilen Freude fuehle, dass aber das eigentliche Leben
dennoch an ihm vorbeifliesse und ihn nicht beruehre. Wie ein
Ballspieler mit seinen Baellen spielt, so spielte er mit seinen
Geschaeften, mit den Menschen seiner Umgebung, sah ihnen zu, fand
seinen Spass an ihnen; mit dem Herzen, mit der Quelle seines Wesens war
er nicht dabei. Die Quelle lief irgendwo, wie fern von ihm, lief und
lief unsichtbar, hatte nichts mehr mit seinem Leben zu tun. Und
einigemal erschrak er ob solchen Gedanken und wuenschte sich, es moege
doch auch ihm gegeben sein, bei all dem kindlichen Tun des Tages mit
Leidenschaft und mit dem Herzen beteiligt zu sein, wirklich zu leben,
wirklich zu tun, wirklich zu geniessen und zu leben, statt nur so als
ein Zuschauer daneben zu stehen.(BEI DEN KINDERMENSCHEN)
(如遊戲般無法真實融入生活)
●人生:體驗
☉Langsam nur,
zwischen seinen wachsenden Reichtuemern, hatte Siddhartha selbst etwas
von der Art der Kindermenschen angenommen, etwas von ihrer
Kindlichkeit und von ihrer AEngstlichkeit. Und doch beneidete er sie,
beneidete sie desto mehr, je aehnlicher er ihnen wurde. Er beneidete
sie um das Eine, was ihm fehlte und was sie hatten, um die Wichtigkeit,
welche sie ihrem Leben beizulegen vermochten, um die
Leidenschaftlichkeit ihrer Freuden und AEngste, um das bange aber suesse
Glueck ihrer ewigen Verliebtheit.(SANSARA)(品嚐各種情緒)
☉Jene Angst,
jene furchtbare und beklemmende Angst, welche er waehrend des Wuerfelns,
waehrend des Bangens um hohe Einsaetze empfand, jene Angst liebte er
und suchte sie immer zu erneuern, immer zu steigern, immer hoeher zu
kitzeln, denn in diesem Gefuehl allein noch fuehlte er etwas wie Glueck,
etwas wie Rausch, etwas wie erhoehtes Leben inmitten seines
gesaettigten,
lauen, faden Lebens.(SANSARA)(好賭)
●人生:無常
☉Lange hatte er
ihr vom erhabenen Buddha erzaehlen muessen, und Kamala hatte geseufzt,
und hatte gesagt: Jinst, vielleicht bald, werde auch ich diesem Buddha
folgen. Ich werde ihm meinen Lustgarten schenken, und werde meine
Zuflucht zu seiner Lehre nehmen." Darauf aber hatte sie ihn gereizt,
und ihn im Liebesspiel mit schmerzlicher Inbrunst an sich gefesselt,
unter Bissen und unter Traenen, als wolle sie noch einmal aus dieser
eiteln, vergaenglichen Lust den letzten suessen Tropfen pressen. Nie war
es Siddhartha so seltsam klar geworden, wie nahe die Wollust dem Tode
verwandt ist. Dann war er an ihrer Seite gelegen, und Kamalas Antlitz
war ihm nahe gewesen, und unter ihren Augen und neben ihren
Mundwinkeln hatte er, deutlich wie noch niemals, eine bange Schrift
gelesen, eine Schrift von feinen Linien, von leisen Furchen, eine
Schrift, die an den Herbst und an das Alter erinnerte, wie denn auch
Siddhartha selbst, der erst in den Vierzigen stand, schon hier und
dort ergraute Haare zwischen seinen schwarzen bemerkt hatte.
Muedigkeit stand auf Kamalas schoenem Gesicht geschrieben, Muedigkeit
vom
Gehen eines langen Weges, der kein frohes Ziel hat, Muedigkeit und
beginnende Welke, und verheimlichte, noch nicht gesagte, vielleicht
noch nicht einmal gewusste Bangigkeit: Furcht vor dem Alter, Furcht vor
dem Herbste, Furcht vor dem Sterbenmuessen. Seufzend hatte er von ihr
Abschied genommen, die Seele voll Unlust, und voll verheimlichter
Bangigkeit.(SANSARA)(感受到老化與死亡的恐懼)
●人生:解悟
☉Einzig Kamala war
ihm lieb, war ihm wertvoll gewesen--aber war sie es noch? Brauchte er
sie noch, oder sie ihn? Spielten sie nicht ein Spiel ohne Ende? War
es notwendig, dafuer zu leben? Nein, es war nicht notwendig! Dieses
Spiel hiess Sansara, ein Spiel fuer Kinder, ein Spiel, vielleicht hold
zu spielen, einmal, zweimal, zehnmal--aber immer und immer wieder?
Da wusste Siddhartha, dass das Spiel zu Ende war, dass er es nicht mehr
spielen koenne. Ein Schauder lief ihm ueber den Leib, in seinem Innern,
so fuehlte er, war etwas gestorben.(SANSARA)(拒絕再玩此種輪迴遊戲)
☉Mit verzerrtem Gesichte starrte er ins Wasser, sah sein Gesicht
gespiegelt und spie danach. In tiefer Muedigkeit loeste er den Arm vom
Baumstamme und drehte sich ein wenig, um sich senkrecht hinabfallen zu
lassen, um endlich unterzugehen. Er sank, mit geschlossenen Augen,
dem Tod entgegen.
Da zuckte aus entlegenen Bezirken seiner Seele, aus Vergangenheiten
seines ermuedeten Lebens her ein Klang. Es war ein Wort, eine Silbe,
die er ohne Gedanken mit lallender Stimme vor sich hinsprach, das alte
Anfangswort und Schlusswort aller brahmanischen Gebete, das heilige
"OM", das so viel bedeutet wie "das Vollkommene" oder "die Vollendung".
Und im Augenblick, da der Klang "Om" Siddharthas Ohr beruehrte,
erwachte sein entschlummerter Geist ploetzlich, und erkannte die
Torheit seines Tuns.(AM FLUSSE)(在「唵」的內在聲音中,領悟自殺之愚)
●人生:犯錯
☉Ist es nicht so,
als sei ich langsam und auf grossen Umwegen aus einem Mann ein Kind
geworden, aus einem Denker ein Kindermensch? Und doch ist dieser Weg
sehr, gut gewesen, und doch ist der Vogel in meiner Brust nicht
gestorben. Aber welch ein Weg war das! Ich habe durch so viel
Dummheit, durch so viel Laster, durch so viel Irrtum, durch so viel
Ekel und Enttaeuschung und Jammer hindurchgehen muessen, bloss um wieder
ein Kind zu werden und neu anfangen zu koennen. Aber es war richtig so,
mein Herz sagt Ja dazu, meine Augen lachen dazu. Ich habe
Verzweiflung erleben muessen, ich habe hinabsinken muessen bis zum
toerichtesten aller Gedanken, zum Gedanken des Selbstmordes, um Gnade
erleben zu koennen, um wieder Om zu vernehmen, um wieder richtig
schlafen und richtig erwachen zu koennen. Ich habe ein Tor werden
muessen, um Atman wieder in mir zu finden. Ich habe suendigen muessen,
um wieder leben zu koennen. Wohin noch mag mein Weg mich fuehren?
Naerrisch ist er, dieser Weg, er geht in Schleifen, er geht vielleicht
im Kreise. Mag er gehen, wie er will, ich will ihn gehen.(AM FLUSSE)
(必須不斷犯錯才能解悟)
●反智
☉"Es ist gut," dachte er, "alles selber zu kosten, was man zu wissen
noetig hat. Dass Weltlust und Reichtum nicht vom Guten sind, habe ich
schon als Kind gelernt. Gewusst habe ich es lange, erlebt habe ich es
erst jetzt. Und nun weiss ich es, weiss es nicht nur mit dem
Gedaechtnis,
sondern mit meinen Augen, mit meinem Herzen, mit meinem Magen. Wohl
mir, dass ich es weiss!"(AM FLUSSE)(用感官而非理性來體驗)
☉Nun auch ahnte Siddhartha, warum er als Brahmane, als Buesser
vergeblich
mit diesem Ich gekaempft hatte. Zu viel Wissen hatte ihn gehindert, zu
viel heilige Verse, zu viel Opferregeln, zu viel Kasteiung, zu viel
Tun und Streben! Voll Hochmut war er gewesen, immer der Kluegste,
immer der Eifrigste, immer allen um einen Schritt voran, immer der
Wissende und Geistige, immer der Priester oder Weise. In dies
Priestertum, in diesen Hochmut, in diese Geistigkeit hinein hatte sein
Ich sich verkrochen, dort sass es fest und wuchs, waehrend er es mit
Fasten und Busse zu toeten meinte. Nun sah er es, und sah, dass die
heimliche Stimme Recht gehabt hatte, dass kein Lehrer ihn je haette
erloesen koennen. Darum hatte er in die Welt gehen muessen, sich an Lust
und Macht, an Weib und Geld verlieren muessen, hatte ein Haendler, ein
Wuerfelspieler, Trinker und Habgieriger werden muessen, bis der Priester
und Samana in ihm tot war. Darum hatte er weiter diese haesslichen
Jahre ertragen muessen, den Ekel ertragen, die Leere, die Sinnlosigkeit
eines oeden und verlorenen Lebens, bis zum Ende, bis zur bittern
Verzweiflung, bis auch der Luestling Siddhartha, der Habgierige
Siddhartha sterben konnte. Er war gestorben, ein neuer Siddhartha war
aus dem Schlaf erwacht. Auch er wuerde alt werden, auch er wuerde einst
sterben muessen, vergaenglich war Siddhartha, vergaenglich war jede
Gestaltung. Heute aber war er jung, war ein Kind, der neue Siddhartha,
und war voll Freude.(AM FLUSSE)(一切經歷都為化解知識障)
☉Laengst wusste er sich nicht mehr von Gotama getrennt, dessen Lehre er
doch nicht hatte annehmen koennen. Nein, keine Lehre konnte ein
wahrhaft Suchender annehmen, einer, der wahrhaft finden wollte. Der
aber, der gefunden hat, der konnte jede, jede Lehre gutheissen, jeden
Weg, jedes Ziel, ihn trennte nichts mehr von all den tausend anderen,
welche im Ewigen lebten, welche das Goettliche atmeten.(DER FAEHRMANN)
(雖不信佛陀言教,但精神同在)
☉"Wenn jemand sucht," sagte Siddhartha, "dann geschieht es leicht, dass
sein Auge nur noch das Ding sieht, das er sucht, dass er nichts zu
finden, nichts in sich einzulassen vermag, weil er nur immer an das
Gesuchte denkt, weil er ein Ziel hat, weil er vom Ziel besessen ist.
Suchen heisst: ein Ziel haben. Finden aber heisst: frei sein, offen
stehen, kein Ziel haben. Du, Ehrwuerdiger, bist vielleicht in der Tat
ein Sucher, denn, deinem Ziel nachstrebend, siehst du manches nicht,
was nah vor deinen Augen steht."(GOVINDA)(求道意味非道)
●輪迴
☉Von den Geheimnissen des Flusses aber sah er heute nur eines, das
ergriff seine Seele. Er sah: dies Wasser lief und lief, immerzu lief
es, und war doch immer da, war immer und allezeit dasselbe und doch
jeden Augenblick neu! O wer dies fasste, dies verstuende! Er verstand
und fasste es nicht, fuehlte nur Ahnung sich regen, ferne Erinnerung,
goettliche Stimmen.(DER FAEHRMANN)(流變而不變)
☉"Ja, Siddhartha," sprach er. "Es ist doch dieses, was du meinst: dass
der Fluss ueberall zugleich ist, am Ursprung und an der Muendung, am
Wasserfall, an der Faehre, an der Stromschnelle, im Meer, im Gebirge,
ueberall, zugleich, und dass es fuer ihn nur Gegenwart gibt, nicht den
Schatten Vergangenheit, nicht den Schatten Zukunft?"
"Dies ist es," sagte Siddhartha. "Und als ich es gelernt hatte, da
sah ich mein Leben an, und es war auch ein Fluss, und es war der Knabe
Siddhartha vom Manne Siddhartha und vom Greis Siddhartha nur durch
Schatten getrennt, nicht durch Wirkliches. Es waren auch Siddharthas
fruehere Geburten keine Vergangenheit, und sein Tod und seine Rueckkehr
zu Brahma keine Zukunft. Nichts war, nichts wird sein; alles ist,
alles hat Wesen und Gegenwart."
Siddhartha sprach mit Entzuecken, tief hatte diese Erleuchtung ihn
beglueckt. O, war denn nicht alles Leiden Zeit, war nicht alles
Sichquaelen und Sichfuerchten Zeit, war nicht alles Schwere, alles
Feindliche in der Welt weg und ueberwunden, sobald man die Zeit
ueberwunden hatte, sobald man die Zeit wegdenken konnte?(DER FAEHRMANN)
(無所謂過去未來,只有現在。超越時間便是解脫。)
☉dies Gesicht glich einem andern,
das er einst gekannt und geliebt und auch gefuerchtet hatte. Es glich
dem Gesicht seines Vaters, des Brahmanen. Und er erinnerte sich, wie
er vor Zeiten, ein Juengling, seinen Vater gezwungen hatte, ihn zu den
Buessern gehen zu lassen, wie er Abschied von ihm genommen hatte, wie er
gegangen und nie mehr wiedergekommen war. Hatte nicht auch sein Vater
um ihn dasselbe Leid gelitten, wie er es nun um seinen Sohn litt? War
nicht sein Vater laengst gestorben, allein, ohne seinen Sohn
wiedergesehen zu haben? Musste er selbst nicht dies selbe Schicksal
erwarten? War es nicht eine Komoedie, eine seltsame und dumme Sache,
diese Wiederholung, dieses Laufen in einem verhaengnisvollen Kreise?(Om)
(兒子的背叛也在自己身上輪迴著)
●親情
☉"Ich wusste es. Du zwingst ihn nicht, schlaegst ihn nicht, befiehlst
ihm nicht, weil du weisst, dass Weich staerker ist als Hart, Wasser
staerker als Fels, Liebe staerker als Gewalt. Sehr gut, ich lobe dich.
Aber ist es nicht ein Irrtum von dir, zu meinen, dass du ihn nicht
zwingest, nicht strafest? Bindest du ihn nicht in Bande mit deiner
Liebe? Beschaemst du ihn nicht taeglich, und machst es ihm noch
schwerer, mit deiner Guete und Geduld? Zwingst du ihn nicht, den
hochmuetigen und verwoehnten Knaben, in einer Huette bei zwei alten
Bananenessern zu leben, welchen schon Reis ein Leckerbissen ist, deren
Gedanken nicht seine sein koennen, deren Herz alt und still ist und
anderen Gang hat als das seine? Ist er mit alledem nicht gezwungen,
nicht gestraft?"(DER SOHN)(過度寬容的愛又不是愛了,必須適對方之性)
☉"Wir werden ein Floss bauen," sagte Vasudeva, "um unser Boot wieder zu
holen, das der Junge entfuehrt hat. Ihn aber solltest du laufen lassen,
Freund, er ist kein Kind mehr, er weiss sich zu helfen. Er sucht den
Weg nach der Stadt, und er hat Recht, vergiss das nicht. Er tut das,
was du selbst zu tun versaeumt hast. Er sorgt fuer sich, er geht seine
Bahn. Ach, Siddhartha, ich sehe dich leiden, aber du leidest
Schmerzen, ueber die man lachen moechte, ueber die du selbst bald lachen
wirst."(DER SOHN)(必須割捨親情,因為小孩也在走自己的路)
●存在:孤獨
☉Sie lauschten. Sanft klang der vielstimmige Gesang des Flusses.
Siddhartha schaute ins Wasser, und im ziehenden Wasser erschienen ihm
Bilder: sein Vater erschien, einsam, um den Sohn trauernd; er selbst
erschien, einsam, auch er mit den Banden der Sehnsucht an den fernen
Sohn gebunden; es erschien sein Sohn, einsam auch er, der Knabe,
begehrlich auf der brennenden Bahn seiner jungen Wuensche stuermend,
jeder auf sein Ziel gerichtet, jeder vom Ziel besessen, jeder leidend.
Der Fluss sang mit einer Stimme des Leidens, sehnlich sang er,
sehnlich floss er seinem Ziele zu, klagend klang seine Stimme.(Om)
(每個人都在自己的人生路上焦急著)
●至善
☉Siddhartha bemuehte sich, besser zu hoeren. Das Bild des Vaters, sein
eigenes Bild, das Bild des Sohnes flossen ineinander, auch Kamalas
Bild erschien und zerfloss, und das Bild Govindas, und andre Bilder,
und flossen ineinander ueber, wurden alle zum Fluss, strebten alle als
Fluss dem Ziele zu, sehnlich, begehrend, leidend, und des Flusses
Stimme klang voll Sehnsucht, voll von brennendem Weh, voll von
unstillbarem Verlangen. Zum Ziele strebte der Fluss, Siddhartha sah
ihn eilen, den Fluss, der aus ihm und den Seinen und aus allen Menschen
bestand, die er je gesehen hatte, alle die Wellen und Wasser eilten,
leidend, Zielen zu, vielen Zielen, dem Wasserfall, dem See, der
Stromschnelle, dem Meere, und alle Ziele wurden erreicht, und jedem
folgte ein neues, und aus dem Wasser ward Dampf und stieg in den
Himmel, ward Regen und stuerzte aus dem Himmel herab, ward Quelle, ward
Bach, ward Fluss, strebte aufs Neue, floss aufs Neue. Aber die
sehnliche Stimme hatte sich veraendert. Noch toente sie, leidvoll,
suchend, aber andre Stimmen gesellten sich zu ihr, Stimmen der Freude
und des Leides, gute und boese Stimmen, lachende und trauernde, hundert
Stimmen, tausend Stimmen.....
Und alles zusammen, alle Stimmen,
alle Ziele, alles Sehnen, alle Leiden, alle Lust, alles Gute und Boese,
alles zusammen war die Welt. Alles zusammen war der Fluss des
Geschehens, war die Musik des Lebens. Und wenn Siddhartha aufmerksam
diesem Fluss, diesem tausendstimmigen Liede lauschte, wenn er nicht auf
das Leid noch auf das Lachen hoerte, wenn er seine Seele nicht an
irgendeine Stimme band und mit seinem Ich in sie einging, sondern alle
hoerte, das Ganze, die Einheit vernahm, dann bestand das grosse Lied der
tausend Stimmen aus einem einzigen Worte, das hiess OM : die
Vollendung.(Om)
☉Die
Welt, Freund Govinda, ist nicht unvollkommen, oder auf einem langsamen
Wege zur Vollkommenheit begriffen: nein, sie ist in jedem Augenblick
vollkommen, alle Suende traegt schon die Gnade in sich, alle kleinen
Kinder haben schon den Greis in sich, alle Saeuglinge den Tod, alle
Sterbenden das ewige Leben. Es ist keinem Menschen moeglich, vom
anderen zu sehen, wie weit er auf seinem Wege sei, im Raeuber und
Wuerfelspieler wartet Buddha, im Brahmanenwartet der Raeuber. Es gibt,
in der tiefen Meditation, die Moeglichkeit, die Zeit aufzuheben, alles
gewesene, seiende und sein werdende Leben als gleichzeitig zu sehen,
und da ist alles gut, alles vollkommen, alles ist Brahm an. Darum
scheint mir das, was ist, gut, es scheint mir Tod wie Leben, Suende wie
Heiligkeit, Klugheit wie Torheit, alles muss so sein, alles bedarf nur
meiner Zustimmung, nur meiner Willigkeit, meines liebenden
Einverstaendnisses, so ist es fuer mich gut, kann mich nur foerdern,
kann
mir nie schaden. (GOVINDA)(一切平等至善)
☉Er sah seines Freundes Siddhartha Gesicht nicht mehr, er sah statt
dessen andre Gesichter, viele, eine lange Reihe, einen stroemenden Fluss
von Gesichtern, von hunderten, von tausenden, welche alle kamen und
vergingen, und doch alle zugleich dazusein schien-en, welche alle sich
bestaendig veraenderten und erneuerten, und welche doch alle Siddhartha
waren. Er sah das Gesicht eines Fisches, eines Karpfens, mit
unendlich schmerzvoll geoeffnetem Maule, eines sterbenden Fisches, mit
brechenden Augen--er sah das Gesicht eines neugeborenen Kindes, rot
und voll Falten, zum Weinen verzogen--er sah das Gesicht eines Moerders,
sah ihn ein Messer in den Leib eines.Menschen stechen--er sah, zur
selben Sekunde, diesen Verbrecher gefesselt knien und sein Haupt vom
Henker mit einem Schwertschlag abgeschlagen werden--er sah die Koerper
von Maennern und Frauen nackt in Stellungen und Kaempfen rasender
Liebe--er sah Leichen ausgestreckt, still, kalt, leer--er sah
Tierkoepfe, von Ebern, von Krokodilen, von Elefanten, von Stieren, von
Voegeln--er sah Goetter, sah Krischna, sah Agni--er sah alle diese
Gestalten und Gesichter in tausend Beziehungen zueinander, jede der
andern helfend, sie liebend, sie hassend, sie vernichtend, sie neu
gebaerend, jede war ein Sterbenwollen, ein leidenschaftlich
schmerzliches Bekenntnis der Vergaenglichkeit, und keine starb doch,
jede verwandelte sich nur, wurde stets neu geboren, bekam stets ein
neues Gesicht, ohne dass doch zwischen einem und dem anderen Gesicht
Zeit gelegen waere--und alle diese Gestalten und Gesichter ruhten,
flossen, erzeugten sich, schwammen dahin und stroemten ineinander, und
ueber alle war bestaendig etwas Duennes, Wesenloses, dennoch Seiendes,
wie ein duennes Glas oder Eis gezogen, wie eine durchsichtige Haut,
eine Schale oder Form oder Maske von Wasser, und diese Maske laechelte,
und diese Maske war Siddharthas laechelndes Gesicht, das er, Govinda,
in eben diesem selben Augenblick mit den Lippen beruehrte. Und, so sah
Govinda, dies Laecheln der Maske, dies Laecheln der Einheit ueber den
stroemenden Gestaltungen, dies Laecheln der Gleichzeitigkeit ueber den
tausend Geburten und Toten, dies Laecheln Siddharthas war genau
dasselbe, war genau das gleiche, stille, feine, undurchdringliche,
vielleicht guetige, vielleicht spoettische, weise, tausendfaeltige
Laecheln Gotamas, des Buddha, wie er selbst es hundertmal mit Ehrfurcht
gesehen hatte. So, das wusste Govinda, laechelten die Vollendeten.
(GOVINDA)(最後Siddhartha的臉孔如河流般流變而不變地示現)
●仁愛
☉Und dies ist nun eine Lehre, ueber welche du lachen wirst: die
Liebe, o Govinda, scheint mir von allem die Hauptsache zu sein. Die
Welt zu durchschauen, sie zu erklaeren, sie zu verachten, mag grosser
Denker Sache sein. Mir aber liegt einzig daran, die Welt lieben zu
koennen, sie nicht zu verachten, sie und mich nicht zu hassen, sie und
mich und alle Wesen mit Liebe und Bewunderung und Ehrfurcht betrachten
zu koennen." (GOVINDA)(愛這世界)
1998.8.27
立人祕密書齋
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