
|
Können wir noch danken? Mit besonderer Freude folgte ich der Einladung zur Einweihung des renovierten Pfarrhauses in Schwedler. Vom Pfarrhaus aus, begleitet von der Blasmusik, zogen in traditionellen Bergmannstrachten gekleidete Bergmänner, z ahlreiche kirchliche Gäste an der Spitze mit dem neugewählten Herrn Bischof Igor Mièina und vielen weltlichen Gästen zum Gottesdienst in die festlich ge-schmückte Kirche.Vor 6 Jahren kamen die evang. Gläubigen aus Schwedler zum damaligen Senior Herrn Igor Mièina mit der Bitte um einen eigenen Seelsorger. Das Pfarrhaus war aber in einem desolaten Zustand, 7 Jahre lang war es unbewohnt. Wohin sollte ein neuer Pfarrer einziehen?Landsleuten, die aus dem Ausland zu den traditionellen “Schwedlerer Treffen” kamen, war der Zustand des Pfarrhauses nicht gleichgültig. Und so beschloßen sie im August 1996 mit Hilfe von Spenden aus Deutschland das Pfarrhaus zu renovieren und wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zu übergeben. Nun konnte ein neuer Seelsorger einziehen. Die Wahl für den Festgottesdienst am 1. Oktober 2000 hatte mehrere Gründe. Mit einem traditionellen Bergopfer- mit großen Kerzen in der Hand - ehrten die Schwedlerer den 200. Jahrestag des Bergopferfestes. Die Bergmänner standen Wache um den Altar während des ganzen Gottesdienstes. Und herzer- Allerliebst bereicherte der Kinderchor und die Jugend das Programm auch mit deutsch gesungenen Liedern. Der 1. Oktober ist der Sonntag der Dankbarkeit. In der Festpredigt erläuterte Herr Pfarrer Andreas Metzl vom Hilfskomitee der evang. luth. Slowakeideutschen aus Stuttgart viele Gründe zum Danken. Vielsagend lautete seine Frage: Können wir noch danken? - Erntedankfest. Dank an Gott, unseren Vater dafür, daß ER uns reiche Ernte geschenkt hat. Dank für Gottes Gaben, daran hat Gott sein Gefallen. “Es ist tierisch, sich an den Tisch zu setzen und nicht zu beten und dann satt vom Tisch aufzustehen ohne zu danken”. (Joh. Kalvinus) Unsere Vorfahren kannten viele Tischgebete... - Nach Jahrzehnten bedrückender Verfolgung kann heute Gottesdienst und Predigt in deutscher Sprache gehalten werden, was noch vor 15 Jahren unmöglich war. Ist das nicht ein Grund zum Danken? “ Wer denkt, der dankt!” Denken und danken wir!!! - Heute hat die Kirchengemeinde ihren eigenen Pfarrer, er und seine Familie hat eine würdige Wohnung, wozu alle Kirchengemeindeglieder mit ihrem Fleiß und Aufopferung beigetragen haben. Ihnen allen ge-bührt Dank dafür. Heute sind wir Zeugen der vollbrachten Arbeit. Das ist aber nur der Anfang, die Startlinie. Erst jetzt beginnt richtig die Arbeit in der Kirchengemeinde. Ein Pfarrer braucht Menschen um sich und die Gemeinde lebt nur, wenn wir gemeinsam arbeiten. Vergessen wir dabei nicht unsere Kinder, denn sie sind die Zukunft der Kirchengemeinde. In der Vergangenheit fielen Kinder auf, als sie nicht dankten. Heute fallen sie auf, wenn sie danken. Denken wir daran! Franz Richweis Vorsitzender der OG des KDV erinnerte in seinem Grußwort u. a. an den vor 70 Jahren verstorbenen Heimatdichter evang. Pfarrer Franz Ratzenberger mit einem seiner Mundartgedichte. Auch dafür Dank, daß es ihn gab. Einige Gedanken, die Frau Susanne Patz an alle gerichtet hat, die aus dem Ausland zur Renovierung des Pfarrhauses beigetragen haben: “Wir melden uns zu allen, (in Deutschland) deren Wurzeln, Heimat und Herzen hier in diesem Land sind. Wir danken für Ihre Hilfe. Wir danken Ihnen, dass Sie den Ruf unserer Herzen und Sehnsucht des Glaubens gehört haben und darauf mit Tat der Barmherzigkeit geantwortet haben. Der Herr blicke gnädig auf die Opfergabe Ihrer gläubigen Herzen und belohne Sie reichlich mit seinem Segen...” ...“Besonders bedanken wir uns bei Ihnen, Herr Prof. Ferdinand Klein, als Ehrenpresbyter unserer Kirchengemeinde und in diesem Fall unser Botschafter und Sprecher, Koordinator aller Hilfe. Wir danken für Ihre Opferwilligkeit und selbstlose Treue. Für alles, was Sie für uns getan haben, vergelts Ihnen allein Gott.” In Gottes Namen danken wir den Spendern für ihre Hilfe: Ökumenische Pfarrerhilfe, Stuttgart für 35.000,- DM, Hilfskomitee für evang. luth. Slowakeideutsche Stuttgart für 12.000,- DM, Gustav-Adolf-Werk, Stuttgart für 13.000,- DM Spenden vieler Lands-leute für 3.200,- DM. In unserer Heimat steuerten zu Renovierung bei: Evang.Kirchengemeinde Schwedler und Einsiedel 103.000,- Sk, Gemeindeamt Schwedler, Firma Schlossa und wei-tere Firmen 87.000,- Sk, viele Arbeitstunden unserer Kirchenglieder im Wert von 80.000,- Sk. Vielen Dank auch dafür.” Herr Klein übergab die ergänzte Chronik der Evang. Kirchenge- “Danke für alle guten Freunde, danke, o Herr für jedermann. Danke, wenn auch dem größten Feinde ich verzeihen kann. Danke, Dein Heil kennt keine Schranken, danke ich halte mich daran. Danke, ach Herr ich will Dir danken, dass ich danken kann”. Vor dem renovierten Pfarrhaus folgte dann bei strahlendem Sonnenschein die eigentliche Einwei-hung des vollendeten Werkes. Ich weilte nach 28 Jahren mit gemischten Gefühlen in der festlich geschmückten Kirche. Damals (1972) war ich bei der Beerdigung unseres Onkels Arpad Neupauer, der 40 Jahre lang das Amt des örtlichen Seelsorgers bekleidete. Und die Besichtigung des renovierten Pfarrhauses weckte in mir Erinnerungen an die mit seinen Kindern Sylvia und Egon im Pfarrhaus verbrachten Schulferien. Gabriele KINTZLER |