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Der Frühling in den Bergen, wo meine Heimat liegt, kommt später. Er ist noch ohne Blumen, nur schwache Knospen sind auf Bäumen und Sträuchern zu sehn, aber die Bächlein von den Bergen fliessen hurtig vom Eise befreit ins Tal, um sich mit den Wellen des Mutterbaches zu vereinen. In diese Frühlingszeit fallen die Ostern. Die Fastenzeit, die am Aschermittwoch anfängt, wurde streng eingehalten. Der erste Fasttag hatte seine Privilegien. Zu Mittag wurden Piroggen und Abends Hirsebrei gegessen (diese Speisen wurden als Symbol für Groß- und Kleingeld betrachtet). An diesem Tag durfte auch der Putapranfein/Butterbrannt-wein/ nicht fehlen. Er wurde heiß getrunken - als Mittel gegen Insektenstiche. Karfreitag. - Das heilige Grab wurde reichlich mit blühenden Zimmerblumen geschmückt . Vor dem Grabe hielten zwei Schächer Wacht - Berg-leute in ihrer Tracht mit Tschako und Lanze versehen wurden jede Stunde von anderen zwei Schächern abgelöst. An diesen Tag verstummten auch die Glocken, die laut Legende nach Rom wanderten - sie wurden durch Rasseln ersetzt. Ostersamstag. - Mittags beeilten sich die Mädel zum Bach oder Brunnnen, um mit fliessendem Wasser das Gesicht zu waschen. Jede wollte ja das ganze Jahr frisch und flink sein. Die Auferstehung gehörte zu den schönsten Kirchfesten und wurde dementsprechend mit großem Prunk ge-feiert. Wenn das Geläut unserer 3 Glocken er-klang, war der Klang so schön und voll, als hätten die Glocken im Schweigen des Karfreitags neue Kräfte gesammelt. Nach der Auferstehungsfeier beeilten sich die Gläubigen nach Hause, um sich nach der langen Fastzeit an den reichlichen Speisen zu erfreuen. Ostersonntag. - Frühmorgens wurde Schinken, Butter, Brot, Eier, Salz in ein Körbchen gelegt, auch eine Flasche Wein fehlte nicht, alles wurde mit einer Serviette überdeckt. In der Frühmesse wurden die Speisen geweiht. Nach der Messe eilten besonders die Jugendlichen im Laufschritt nach Hause. Daheim angekommen, ging man mit den geweihten Speisen um das Haus herum, erst dann wurde der Eintritt ins Haus gestattet. Gemeinsam setzte sich die Familie zum Frühstückstisch. Als erstes wurde ein Ei geschält und auf so viele Teile geteilt, wieviel Mitglieder in der Familie waren. Jeder bekam einen Teil. (Der Sinn, dass die Familie zusammen bleibt) Von den geweihten Speisen bekamen auch die Haustiere ihren Teil. Nach dem ausgiebigen Frühstück rüstete man sich in die Kirche. An diesem Tag wurde die lateinisch gesungene Figuralmesse mit kompletter Choralmusik abgehalten. Ostermontag. Für alle Mädchen in unserem Städtchen ein Schreckgespenst. Die Bader waren da mit ihrer obligaten Frage “ ist erlaubt zu baden?” Gebadet wurde mit Parfüm und mit Wasser /leicht bespritzt, das steigerte sich bis...... Ich möchte nicht meine zwei Erlebnisse beim Baden übergehen und schildere sie so, wie ich sie erlebt habe. Es war in meiner Jugendzeit. Ausser anderen kam auch ein Freund von mir mit seiner Frage “ist erlaubt zu baden?” Wasser war keines im Hause, weil ich meine Pappenheimer kannte. Da kein Wasser da war, zog er mich auf den Hof. Ich vergaß, dass dort eine Pumpe war, ein leerer Eimer, den pumpte er voll und begoß mich von oben bis unten. Ich schnappte nach Luft, wie ein Fisch auf trockenem Boden und ging mich um-kleiden. Das nächste Jahr kam es noch besser. Diesmal endete ich im Mutterbach, der vor dem Hause floss. Es war ein komplettes Baden mit Kleidung und Schuhen. Nach dieser “Reinigung” hatte ich die Nase voll und ging dieser Sitte aus dem Wege... Nach solchen Leistungen werden die Bader auch noch mit Schinken, Gebäck, Wein oder Scharfem bewirtet. Ich frage,wo bleibt die Gerechtigkeit? Am Osterdienstag konnten ja die Mädel Vergeltung üben, aber es war schon Arbeitstag, da waren die Mädel nicht mehr so aktiv. So verlebten wir Schmöllnitzer in unserem schönen Städtchen die Ostern in Frieden und Freude, gemeinsam mit Slowaken und Ungarn, mit Evangelischen und Juden, ohne Zwist und Hader, achteten die Sitten anderer Mitbürger viele Jahre. Es war einmal.
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