Ihr Direktor war Karl Iogan (Ivanovitsch) May (1820-1895), ein hochbegabter, faehiger Paedagoge und Anhaenger der fortschrittlichen paedagogischen Ideen N.I.Pirogovs und K.D.Uschinskijs. Karl May hatte die deutsche St.Petri-Schule 1838 mit Auszeichnung beendet und studierte danach auf der historisch-philologischen Fakultaet der Sankt Petersburger Universitaet. Das Studium schloss er 1845 ebenfalls mit Auszeichnung ab.
Die erste Bezeichnung der Schule war �Realgymnasium". Die Ausbildung war auf die praktische Anwendbarkeit ausgerichtet, doch wurden auch Faecher der klassischen Gymnasiumsausbildung gelehrt, insbesondere Sprachen. Latein und Griechisch standen neben Deutsch, Franzoesisch und (auf Wunsch) Englisch auf dem Stundenplan.
Seit 1861 befand sich die Schule im Haus Nr. 13 auf der 10. Linie, doch schon zu Ende des Jahrhunderts wurde deutlich, dass dank der Beliebtheit der Schule die Raeumlichkeiten nicht ausreichend waren.
So wurde im Jahre 1909 das Gelaende Nr. 39 in der 14. Linie erworben. Der Architekt arbeitete unentgeltlich: Es war G.D. Grimm, ein ehemaliger Schueler, der im Jahre 1883 die Schule abgeschlossen hatte und mittlerweile Mitglied der Architekturakademie geworden war. Nach seinen Plaenen wurde im Herbst 1910 das neue Schulhaus erbaut UEber dem Eingangsportal wurde das Wahrzeichen der Schule, ein Maikaefer-Relief angebracht. Der Bischof von Gdov und spaetere Metropolit von Petrograd, Benjamin, weihte am 31. Oktober 1910 im Beisein vieler Gaeste feierlich das Gebaeude ein.
Auf den vier Etagen befanden sich ausser den Klassenraeumen fuer die 600 Schueler auch zwoelf ausgezeichnet eingerichtete Kabinette, die bestimmten Faechern gewidmet waren. Drei davon waren als Hoersaele mit ansteigenden Sitzreihen gebaut. Weiterhin gab es eine Schreinerwerkstatt, eine Bibliothek mit 12000 Baenden in sechs verschidenen Sprachen, eine Turnhalle und einen Speisesaal.
Umsowohl den Schuelern, die mehr in den humanistischen Faechern, als auch denen, die mehr naturwissenschaftlich begabt waren, gerecht zu werden, wurde ein breites Programm angeboten. Dem entsprach auch die neue Bezeichnung der Schule als �Gymnasium und Realschule Karl May". Zwischen 1856 und 1918 erwarben mehr als 1000 Schueler hier ihr Wissen.