„Gepriesen sei Der, Der bei Nacht Seinen Diener von der heiligen Moschee zu der fernen Moschee, deren Umgebung Wir gesegnet haben, hinführte, auf dass Wir ihm einige Unsere Zeichen zeigten. Wahrlich, Er ist der Allhörende, der Allsehende."
( Sure Al- Isra)„Und wir haben das Traumgesicht, das Wir dich sehen ließen, nur zu einer Versuchung für die Menschen gemacht, desgleichen den verfluchten Baum im Koran. Wir wollen ihnen damit Angst machen. Aber es bestärkt sie nur um so mehr in ihrer Widersetzlichkeit." (Sure 17,60)
Der Körper des Propheten wurde in jener Nacht nicht vermisst, sondern Allah ließ nur seinen Geist die Nachtreise machen. „Meine Augen schlafen, während mein Herz wach ist."
Umm Hani´, die Tochter Abu Talibs erzählte folgendes über die Nachtreise des Propheten:
„Der Prophet ging auf keine Nachtreise, wenn er nicht in meinem Hause war. Auch in jener Nacht schlief er bei uns. Er hatte das zweite Nachtgebet verrichtet und war mit uns zur Ruhe gegangen. Kurz vor Anbruch der Morgendämmerung weckte er uns, und nachdem wir zusammen das Morgengebet verrichtet hatten, sprach er: ´Umm Hani´, ich habe gestern das zweite Nachtgebet, wie du gesehen hast, mit euch hier in diesem Tal verrichtet. Dann kam ich nach Jerusalem und betete dort. Und nun habe ich das Morgengebet, wie du siehst, wieder hier mit euch gesprochen.´
Mit diesen Worten erhob er sich, um wegzugehen. Ich ergriff den Saum seines Gewandes, wodurch sich sein Leib entblößte, ´O Prophet Gottes, erzähle den Leuten nichts davon, denn sie werden dich einen Lügner nennen und beschimpfen.´ ´Bei Gott, ich werde es ihnen erzählen!´ antwortete er jedoch."
Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete: "Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, erzählte: Dort in (Hijr) (einer Stätte) befand ich mich und die Leute von Quraisch fragten mich nach meiner nächtlichen Reise. Ich wurde also nach den Merkmalen und den Kennzeichen Jerusalems gefragt, welche ich im Gedächtnis nicht behalten konnte. So fühlte ich mich so betrübt wie nie zuvor. Er (der Prophet) sagte weiter: Da ließ Allah das Stadtbild von (Jerusalem) vor meinen Augen erscheinen, so daß ich auf jede Frage, die sie mir stellten, antworten konnte. Ich sah mich auch unter einer Gruppe von Propheten. Da stand Moses auf, um das Gebet zu verrichten; er war ein Mann von starkem Körperbau, als ob er zu den Männern von Schanu’a gehörte. Jesus, der Sohn Marias, Allahs Heil auf ihm, stand auch auf, um das Gebet zu verrichten. ‘Urwa Ibn Mas‘ud Ath-Thaqafiy ist derjenige, der ihm am stärksten ähnelt. Dann stand Abraham, Allahs Heil auf ihm, auch auf, um das Gebet zu verrichten. Derjenige, der ihm am stärksten ähnelt, ist euer Freund. Er meinte damit sich selbst. Als die Zeit des Gebets kam, betete ich ihnen vor und als das Gebet zu Ende war, sagte einer: Muhammad, das ist Malik, der Höllenwärter, begrüße ihn. So wendete ich mich ihm zu; aber er begann eilend mit der Begrüßung."
Die Himmelreise
„Nachdem ich in Jerusalem gebetet hatte, wurde mir eine Leiter gebracht, so schön, wie ich noch nie etwas gesehen hatte. Es war die Leiter, auf die die Todgeweihten ihre Augen richten, wenn das Ende naht. Gabriel ließ mich auf ihr hinaufsteigen, bis er mich zu einem der Himmelstore brachte, das man das Hütertor nennt. Es wird bewacht von einem Engel namens Ismail, dem zwölftausend Engel unterstehen, von denen einem jeden wiederum zwölftausend Engel gehorchen.´ An dieser Stelle pflegte der Prophet in seinem Bericht die Worte Gottes anzuführen: „Die Heerscharen deines Herrn kennt nur Er allein." (Sure 74, 31)
Dann fuhr er fort: ‘Als ich durch das Tor geführt wurde, fragte der Engel: „Wer ist dies, Gabriel?" Er erwiderte:" Dies ist Muhammed." -„Ist er gesandt worden?" –„Ja!"
Darauf erflehte er Gottes Güte für mich. Ich trat in den untersten Himmel ein und sah dort einen Mann sitzen, an dem die Seelen der verstorbenen Menschen vorüberzogen. Über die einen sprach er Gutes und freute sich, wobei er sagte: „Eine gute Seele aus einem guten Körper!" Zu den anderen aber sprach er mit finsterem Gesicht: „Wie abscheulich! Eine schlechte Seele aus einem schlechten Körper!"
„Wer ist dies?" fragte ich Gabriel, und er erklärte mir: „Dies ist dein Vater Adam, an dem die Seelen seiner Nachkommen vorüberziehen. Die Seelen der Gläubigen darunter erfreuen ihn, worauf er spricht: ´Eine gute Seele aus einem guten Körper´, während die Seelen der Ungläubigen seinen Abscheu und seinen Widerwillen erregen, worauf er spricht: ´Eine schlechte Seele aus einem schlechten Körper.´"
Dann erblickte ich Männer mit Lippen wie von Kamelen. In ihren Händen hatten sie faustgroße glühende Steine, die sie sich in den Mund warfen und die an ihrem Gesäß wieder herauskamen. „Wer sind sie?" fragte ich Gabriel, und dieser antwortete: „ Dies sind jene, die den Besitz der Waisen ohne Recht aufgezehrt haben."
Sodann erblickte ich Männer in der Art der Familie des Pharao mit Bäuchen, wie ich sie noch nie gesehen habe. Über sie zogen Wesen hin wie vor Durst schmachtende Kamele, wenn sie dem Feuer ausgesetzt werden. Sie traten auf die Männer, ohne dass sich diese von ihrer Stelle bewegen konnten. Wieder fragte ich Gabriel: „Wer sind diese Männer?", und er erwiderte mir: „Dies sind jene, die sich vom Wucher genährt haben!"
Und dann sah ich Männer, vor denen neben stinkendem, erbärmlichen Fleisch auch gutes, fettes lag, doch nur von dem stinkenden konnten sie essen. „Wer sind sie?" fragte ich Gabriel, und er erklärte mir: „Das sind jene Männer, die sich nicht die Frauen nahmen, die Gott ihnen erlaubte, sondern zu jenen gingen, die Gott ihnen verbot." Dann erblickte ich Frauen, die an ihren Brüsten aufgehängt waren, und ich fragte Gabriel: „Wer sind sie?" „Dies sind jene Frauen, die ihren Männern Kinder unterschoben haben, die diese nicht gezeugt haben." antwortete er. Sodann brachte er mich hinauf in den zweiten Himmel, und siehe, da waren die beiden Vettern Jesus, der Sohn der Maria, und Johannes, der Sohn des Zacharias. Und er brachte mich hinauf in den dritten Himmel, und dort war ein Mann mit einem Gesicht so schön wie der Vollmond. Ich fragte Gabriel, wer dies sei, und er sprach: „Dies ist dein Bruder Joseph, der Sohn Jakobs!" Und er brachte mich hinauf in den vierten Himmel, wo ein Mann war, von dem Gabriel mir sagte, es sei Idris. Und er brachte mich in den fünften Himmel; dort war ein Mann in reifem Alter mit weißem Haar und einem mächtigen weißen Bart. Nie habe ich einen schöneren Mann gesehen. „Wer ist dies?" fragte ich wieder Gabriel, und er gab mir zur Antwort: „Dies ist der Vielgeliebte in seinem Volk, Aaron, der Sohn des Imran." Und er brachte mich in den sechsten Himmel; dort war ein Mann von dunkler Farbe, großem Wuchs und mit einer gekrümmten Nase, als gehöre er zum Stamm der Shanu´a: Als ich Gabriel nach ihm fragte, erklärte er mir, dass dies Moses, der Sohn Imrans, war. Und er brachte mich in den siebten Himmel; dort sah ich einen Mann in reifem Alter auf einem Stuhl am Tore zum Paradiese sitzen, durch das an jedem Tag siebzigtausend Engel eintraten, die erst am Tage der Auferstehung wieder zurückkehren. Nie habe ich einen Mann gesehen, der mir ähnlicher war, und Gabriel sprach: „Dies ist dein Vater Abraham!" Schließlich betrat er mit mir das Paradies.
Immer wenn mich Gabriel von einem Himmel zum nächsten brachte, fragte man ihn, als er um Einlass bat, wer ich sei. Er nannte ihnen meinen Namen, und sie fragten ihn weiter, ob ich gesandt worden sei. Als er bejahte, riefen sie aus: „Gott schenke ihm Leben, Bruder und Freund!" So geschah es, bis wir zum siebten Himmel gelangten und er mich schließlich zu meinem Herrn brachte, der mir für jeden Tag fünfzig Gebete zur Pflicht machte,. Als ich dann auf dem Rückweg wieder bei Moses vorbeikam, fragte er mich: „Wieviele Gebete sind dir auferlegt worden?" „Fünfzig jeden Tag", erwiderte ich, worauf er sprach: „Das Gebet ist eine schwere Last, und dein Volk ist schwach. Gehe zurück zu deinem Herrn und bitte Ihn, Er möge dir und deinem Volke diese Last erleichtern!" Ich tat, wie er mich geheißen hatte, „O mein Herr! Erleichtere es meiner Gemeinde." So hob er mir fünf Gebete auf. Ich kehrte zu Moses wieder und sagte: Allah hob mir fünf Gebete auf. Er (Moses) erwiderte: Deine Gemeinde wird das nicht zu leisten vermögen. Kehre zu deinem Herrn zurück und bitte ihn um eine Erleichterung! Ich hörte nicht auf, zwischen Allah, Segensreich und Erhaben sei Er, und Moses zu gehen, bis Allah sagte: Es sind fünf Gebete jeden Tag und jede Nacht. Jedes Gebet gleicht zehn Gebete und das macht fünfzig Gebete. Und wer die Absicht hat, eine Wohltat auszuführen, sie aber nicht ausführt, wird ihm das als eine Wohltat niedergeschrieben. Wenn er aber die Wohltat wirklich ausführt, wird sie für ihn als zehn Wohltaten niedergeschrieben. Und wer dagegen eine schlechte Tat zu begehen beabsichtigt; sie aber nicht begeht, wird ihm nichts niedergeschrieben. Begeht er sie aber, so wird sie für ihn nur als eine einzige schlechte Tat niedergeschrieben. Ich stieg dann herunter, bis ich bei Moses, Allahs Segen und Heil auf ihm, war und erzählte ihm (was passierte). Er sagte: Kehre zu deinem Herrn zurück und bitte ihn um Erleichterung. Ich sagte: Ich bin zu meinem Herrn mehrmals zurückgekehrt, bis ich mich vor ihm schämte."
Muhammed (saw) brachte von dieser Reise seiner Gemeinde als göttliches Geschenk das islamische Gebet mit.
Quellen:
Ibn Ishaq, Das Leben des Propheten,Spohr Verlag
http://hadith.al-islam.com/Bayan/Ger/
Mihriban YÜCEL