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STOP THE REAL TERRORISTS

 

Während die gesamte islamische Welt „gemeinschaftlich" in den Winterschlaf versunken ist, werden tschetschenische Kinder durch die pausenlos herniederregnenden russischen Bomben aus ihrem Schlaf gerissen. Endlich hat die Welt erfahren (für diese Einsicht bedurfte es der beiden Balkankriege), dass auch im Kaukasus die gesamte Bevölkerung, jung oder alt, Frau oder Kind, gesund oder krank und die Infrastruktur samt ihrer medizinischen, sozialen, wirtschaftlichen und religiösen Einrichtungen „zugebombt" werden. Nachdem Bosnien-Herzegowina und Kosovo größtenteils ethnisch gesäubert und der spärliche Rest sozusagen existenzunfähig gemacht wurde, versucht nun „Uncle Sam" mit der Rückendeckung seiner getreuen Gefährten die blutrünstigen Slawengebrüder zwar nicht in die Knie zu zwingen, aber wenigstens zu versuchen, ihnen zu signalisieren, dass das russische Vergehen die westlichen Mächte in Verlegenheit und unter Zugzwang versetzt. Als würden sie versuchen Jelzin und Konsorten begreiflich zu machen, dass sie im Angesicht der Weltöffentlichkeit über so viel Ungerechtigkeit, Unmenschlichkeit und Willkür nicht mehr hinwegsehen können. Nicht einmal die Medien vermögen die Wahrheit zu kaschieren. Hatten sie denn nicht versucht, die Tschetschenen als Terroristen darzustellen, als fundamentalistische Islam-Miliz, deren Ziel und einziger Fehler darin besteht, ihre islamische Identität zurückzugewinnen, nach islamischen Wertvorstellungen und in aufrichtiger Gottergebenheit zu leben? Es galt den größenwahnsinnig gewordenen IWAN zu bändigen und ihm den Weg zurück nach Moskau zu weisen. Diejenigen, die heute als Terroristen proklamiert werden, wären an einem anderen Schauplatz der Geschichte womöglich als Widerstandskämpfer gar Freiheitskämpfer umjubelt und gefeiert worden. Was ist mit uns, dass wir noch hoffnungsvoll in die Augen der westlichen Ordnungshüter schauen? Denn sie allesamt profilierten sich doch schon zwischenzeitlich mit ihrer Hilfsbereitschaft in den Erdbebenkrisengebieten der Türkei. Gegen Ende dieses Jahrhunderts haben sie ihr Pensum schon längst erfüllt. Und wie steht es da um uns Muslime? Haben wir überhaupt verstanden, worum es in diesem Krieg überhaupt geht? Inwieweit sind wir unseren Verpflichtungen als Muslime nachgegangen und haben unsere Hilfe und Solidarität ihnen zukommen lassen? Was wir heute erleben ist genau das Gegenteil. Männer werden verschleppt und umgebracht, Frauen vor den Augen ihrer Familien gedemütigt, vergewaltigt und anschließend ermordet, Kinder, alte Menschen, Kranke und Bedürftige an den Grenzen zu den Nachbarstaaten zurückgehalten. Und die muslimische Öffentlichkeit schaut nicht nur tatenlos zu, nein, sie kommt mit dem Tyrannen, der mit dem Lärm seiner Waffen die Wahrheit und den Aufschrei der Unterdrückten nach Selbstbestimmung zu übertönen versucht, zusammen um ihnen zu versichern, dass der Kampf gegen die tschetschenischen Terroristen ein innenpolitisches Problem darstelle und somit kein Grund zur Intervention bestünde. Anscheinend haben wir Muslime immer noch nicht erkannt, wer in diesem Krieg die wahren Terroristen sind. Gedenken wir ihrer in unseren täglichen Gebeten? Wie aufrichtig ist unsere Wohltätigkeit und unser Mitgefühl, wenn für die Notleidenden im Kaukasus Spenden gesammelt werden? Wir dürfen es aber auf keinen Fall bei Bittgebeten und Spendenaufrufen belassen, sondern müssen das menschenverachtende Vorgehen Russlands an die Öffentlichkeit herantragen, beispielsweise in Form von Demo-Organisationen. Wie viele Muslime haben beispielsweise im November an den Demos in Mannheim, Bonn und Brüssel teilgenommen? Wo bleiben die islamischen Institutionen, die die Menschenmassen mobilisierten als es darum ging, gegen die fremdenfeindlichen Anschläge in Solingen oder gegen die Ausländerpolitik (doppelte Staatsbürgerschaft) zu demonstrieren? Sie alle sind bis auf wenige Ausnahmen verstummt. Jedenfalls dürfen wir den Ausspruch des Propheten Muhammed (ALLAHs Segen und Frieden seien mit ihm) nicht vergessen: „Wer sich mit unseren Problemen nicht befasst, gehört nicht zu uns." Und falls die islamische Welt zum Millennium-Auftakt sich an den Feuerwerken erfreut und dafür einige Millionen verschwendet, sollte sie sich einen kurzen Moment an die Bombenstimmung in Tschetschenien erinnern.

P.B.U.Y.

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