
Der Dialog aus islamischer Sicht
Die Bedeutung des Dialogs zwischen den Religionen ist gerade in einer multikulturellen Gesellschaft wie Deutschland sehr groß. Diesen Satz kann man immer wieder zu jeder Gelegenheit und aus jedem Munde hören. Doch stellt sich die Frage, was mit dem Dialog gemeint ist, wie weit der Dialog geht oder gehen soll, inwiefern es überhaupt möglich ist zu dialogisieren, und ob der Dialog überhaupt angewendet wird oder ob nicht vielmehr ein Monolog stattfindet.
Viele Berichterstattungen in den Medien lassen daran zweifeln, ob die verschiedenen Religionen und Kulturen miteinander im Dialog stehen oder ob sie nicht vielmehr aneinander vorbeireden und vorbeileben. Auf der anderen Seite zeigen auch zahlreiche Dialogveranstaltungen, dass ein Bestreben - zumindest einiger Kreise - nach einem Dialog vorhanden ist. Festzuhalten ist jedoch, dass ein Bedürfnis nach einem Dialog in dieser Gesellschaft allemal besteht. Gewiss kann man - je nach Sichtweise - auf diese Fragen eine Vielzahl von Antworten finden.
In diesem Bericht soll in erster Linie auf die islamische Betrachtungsweise zum Dialog eingegangen werden.. Der Dialog zwischen den Religionen insbesondere mit den Christen und Juden wird vom Islam gefordert. Die Menschen - gleich welchem Volk sie zugehören - sollen sich gegenseitig kennenlernen. Jeder Muslim hat hierbei die Pflicht andere Menschen zum Islam einzuladen. Dies geschieht im wesentlichen dadurch, dass der Islam erläutert wird. Beim Verkünden spielt die Tonart und die Wortwahl eine große Rolle. So so11te der Muslim nicht zu hart und zu grob reden. Vielmehr ist bei dem Dialog die Beweisführung von großer Bedeutung. Zu beachten ist stets, dass der Andersgläubige nicht zum Islam gezwungen werden kann. Der Dialog muss also auf freier und ungezwungener Basis stattfinden. Im Qur´an heißt es: ’Es gibt keinen Zwang in der Religion." (2;256) Hieraus wird deutlich, dass man keinen Menschen zum Verlassen seiner Religion und zur Annahme des Islam zwingen kann. So konnten Juden und Christen in der islamischen Welt ihrer Religion zugehörig bleiben. Ein weiterer Vers im Qur´an lautet: ’Und setzt euch nicht mit dem Volk der Schrift auseinander; es sei denn auf die beste Art und Weise. " (29;44) Die Diskussion so11 also in vernünftiger Weise und in anständiger Sprache geführt werden, so dass sie das Herz des anderen anspricht. Das Ziel der Diskussion ist nicht einen anderen Menschen zu überwinden. Es soll vielmehr mit Freundlichkeit und Aufrichtigkeit diskutiert werden. Der Islam fordert nicht nur zum Dialog auf, sondern geht noch weiter, indem er den Muslim dazu aufruft andere Religionen und Kulturen zu tolerieren, das heißt sie anzuerkennen und zu respektieren. Innerhalb der muslimischen Gemeinschaft ist. Der islamische Staat sogar gezwungen, Minderheiten gegen die Leistung der Wehrersatzsteuer (Dschizya: eine Abgabe durch die dem Nichtmuslim Schutz innerhalb des islamischen Staates garantiert wird) zu beschützen. Wenn es den Muslimen aber nicht gelingen sollte die Nichtmuslime zu beschützen, soll dieser Betrag zurückerstattet werden. Der Islam gebietet, wie oben schon erwähnt, Toleranz und Respekt gegen die Andersgläubigen. Gerade Toleranz und Respekt sind auch die wesentlichen Elemente des Dialogs. Ohne sie wäre ein sinnvoller Dialog nicht möglich. Lernen andere Religionen und andere Lebensbräuche zu tolerieren, so dass man den andersgläubigen Menschen respektiert, ist für ein rücksichtsvolles Zusammenleben unerlässlich. Nur so können alle am Dialog gleichwertig beteiligt sein. Der Muslim muss sich aber immer im klaren darüber sein, dass er die nichtislamische Lebensweise nicht akzeptieren darf. Im Qur´an gibt es einige Verse darüber, wie der Dialog aussehen soll. Hier seien zwei erwähnt. Im Qur´an heißt es: "Sprich: ’O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem entscheidend gerechten Wort zwischen uns und euch, dass wir nämlich Allah alleine dienen und nichts neben Ihn stellen und daß nicht die einen von uns die anderen zu Gottheiten nehmen außer
In einem anderen Vers heißt es: "Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und guter Ermahnung und disputiere mit ihnen auf beste Art. " (16; 125) In beiden Versen erfolgt eine Einladung zur Diskussion. Wir sehen, dass der Islam den Muslimen rät
, Kontakte zu suchen und interreligiöse Beziehungen zu pflegen, ohne jedoch einen einzigen Grundsatz des Islam aufzugeben. Es heißt im Qur´an: Und folge nicht ihren Neigungen, und sei vor ihnen auf der Hut, damit sie dich nicht von einem Teil dessen, was Allah zu dir herabgesandt hat, abbringen. " (5;49) Man soll den Disput suchen, jedoch nur im Rahmen der im Qur´an empfohlenen Art. So müssen die Muslime die Andersgläubigen respektieren, mit ihnen den Dialog suchen, jedoch ohne aus den Augen zu verlieren, dass der Dialog dazu dient, Andersgläubige zum Islam einzuladen, ohne die Andersgläubigen zum Islam zwingen zu wollen, aber auch wohlwissend, dass "die Religion bei Allah der Islam ist" (3,19)Im Ergebnis ist festzuhalten, dass aus islamischer Sicht der Weg zum Dialog geebnet ist.
Es soll nun kurz einige Kritikpunkte zur Betrachtungsweise des Dialogs im Westen erörtert werden. Aus westlicher Sicht sind in unserem Zeitalter auch Bemühungen zu sehen, die den interreligiösen Dialog stärken. Jedoch werden diese Bemühungen von Aussagen wie die von Samuel Huntington, dass der Problemherd der Zukunft die Unterschiede der Kulturen sein werde, dass es einen Zusammenstoß der Kulturen geben werde und dass der Gegner des Westens die islamische Welt sein werde, überschattet. Inwieweit sich diese These behauptet hat, sei dahingestellt. Fakt ist, dass Huntington mit dieser These, dessen einfallsreiche Formel: "The West against the rest?" heißt, dazu dient, den Dialog zu erschweren oder ihn ganz aus der Welt zu schaffen und man sich die Frage stellt, inwiefern diese These die Gedanken des Westens widerspiegeln. Diese Formel, negative Berichterstattungen in den Medien, die islamfeindliche Politik einiger Länder lässt die Vermutung aufkommen, dass im Westen der Gedanke "west is best" lebt. Man stellt sich die Frage, inwiefern der Westen wirklich bereit ist,
zuzuhören und das eigene Weltbild kritisch zu hinterfragen ohne gleich davon auszugehen, dass die westliche Weltordnung die beste sei und eine Gabe für alle anderen Kulturen. Der Westen müsste auch mal in Erwägung ziehen, dass ihre Weltordnung nicht die beste ist und dass es Alternativen gibt. Die einzige Alternative aber ist der Islam. Der entscheidende Schritt für einen Dialog wäre getan, wenn die Menschen bereit wären Andersgläubige/Andersdenkende auch wirklich zu tolerieren und zu respektieren und bereit wären, ihre Vorurteile abzubauen. Sprich: Auch andere Religionen, insbesondere die im Westen herrschende, müsste dem Islam mit Toleranz begegnen. Der Islam selber fordert die Toleranz, den Respekt und den Dialog mit den anderen Religionen. Ein sinnvoller Dialog kann nur dann stattfinden, wenn alle Partner im Dialog gleichwertig behandelt werden und bereit sind aufeinander einzugehen, zu diskutieren ohne jedoch dem anderen seinen Glauben aufzwingen zu wollen.Ayþe Karabulut