
Der letzte Prophet (Die Zeit in Mekka)
Das Leben Muhammeds (F.s.m.i.) weist zwei wichtige Einschnitte auf: das Berufungserlebnis, das in das Jahr 609/610 n. Chr. anzusetzen ist, und die Hidschra, die Emigration von Mekka nach Medina im Jahre 622.
Muhammed (F.s.m.i.) hatte sich als junger Mann in der Kaufmannschaft seiner Heimatstadt den Beinamen "al- Amin" (der Vertrauenswürdige, der Ehrenhafte) erworben. Da vertraute ihm eines Tages die reiche Witwe Hatice ihre Waren an, um sie in Syrien zu verkaufen. Hatice (sie soll damals 40 Jahre alt gewesen sein) warb um Muhammed (F.s.m.i.) und heiratete ihn schließlich, um mit ihm eine glückliche Ehe zu führen.
Etwa um das Jahr 605 n. Chr. war die Kaaba durch Feuer und heftige Regenfälle zerstört worden. Am Wiederaufbau beteiligten sich viele Stadtbewohner. Als es aber darum ging, den ehrenwürdigen Schwarzen Stein wieder an seinen Platz zu setzen, kam es zu Diskussionen, wem die Ehre gebühre. Schließlich einigte man sich darauf, daß derjenige diese wichtige Handlung vollziehen solle, der als erster noch zu der Gruppe der Bauleute hinzukäme. In diesem Augenblick erschien Muhammed (F.s.m.i.), um seine Arbeit aufzunehmen. Somit durfte er den Schwarzen Stein an seinen Platz setzen. Aber er hatte eine Idee. Nach der Überlieferung breitete Muhammed (F.s.m.i.) ein Tuch aus, worauf er den Schwarzen Stein stellte und forderte die Sippenältesten auf, das Tuch gemeinsam hochzuheben. Dann küßte er den Stein und setzte ihn an seinen Platz. An diesen Vorgang erinnert noch heute das Kußritual beim Tawaf um die Kaaba.
Die Steinsetzung an der Kaaba führte zu grundlegenden Veränderungen im Leben des späteren Propheten. Er zog sich immer häufiger, vor allem im Monat Ramadan, in eine Höhle des Dschabal an- Nur ( Berg des Lichtes) zurück, um zu beten. Ein anderer Name der Höhle ist Ghar Hira (Grotte des Forschens).
Im fünften Jahr seiner Zurückgezogenheit, am 27. Ramadantage des Jahres 610 n. Chr., erschien ihm hier der Erzengel Gabriel, um ihn mitzuteilen, daß Allah ihn auserwählt habe, den Islam zu verkünden. Muhammed (F.s.m.i.) erzählte später, was sich in dieser Heiligen Nacht abspielte: "Als ich schlief, kam Gabriel mit einem Tuch zu mir, worauf etwas geschrieben stand und sprach: <Lies!> Ich erwiderte darauf, daß ich nicht lesen könne. Da preßte er das Tuch auf mich, daß ich dachte, es wäre mein Tod. Er ließ mich jedoch wieder los und forderte mich nochmals auf: <Lies!> Und wieder antwortete ich, daß ich nicht lesen könne. Da würgte er mich mit dem Tuch bis ich fürchtete, daran zu sterben. Als er mich schließlich freigab, befahl er erneut: <Lies!> Und zum drittenmal erwiderte ich ihm, daß ich nicht lesen könne. Als er mich dann nochmals fast zu Tode gewürgt hatte und mir wieder zu lesen befahl, fragte ich aus Angst: <Was soll ich lesen?> Da sprach er: <Lies im Namen deines Herren, der erschuf, der den Menschen erschuf aus geronnenem Blut. Lies! Denn dein Herr ist der Allgütige, der ( den Menschen) lehrte durch die Feder, den Menschen lehrte, was er nicht wußte.> (96, 1-5) Ich wiederholte die Worte und so enfernte er sich von mir. Als ich erwachte machte ich mich auf den Weg nach Hause. Aber währenddessen hörte ich eine Stimme vom Himmel: <Oh Muhammed, du bist der Erwählte Allahs und ich bin Gabriel!> Ich schaute zum Himmel und sah Gabriel in der Gestalt eines Mannes, und seine Füße berührten den Horizont des Himmels. Schließlich wich die Erscheinung von mir und ich machte mich auf den Rückweg zu meiner Familie."
Auf dem Rückweg nach Hause grüßte ihn alles in seinem Umfeld, angefangen von Steinen bis zu Bäumen. Als er in einem geschockten Zustand nach Hause kam, bat er seiner Frau Hatice, ihn mit vielen Decken zu bedecken....
Die Verkündung des Islam stieß sehr bald auf den Widerstand der Mekkaner. Denn die neue Lehre forderte von ihnen die Abschaffung des herrschenden Götzenkultes und der Sklaverei. Sie verkündete die Bruderschaft aller Menschen und ihre Gleichheit vor dem Einen und Alleinigen Allah. Sie nahm die Begüterten gegenüber den Mittellosen in Pflicht und setzte die Frauen in die ihnen von Gott verbrieften Rechte ein. Götzendienst und Sklaverei bildeten die kommerzielle Grundlage der Kaufmannsrepublik Mekka. Muhammed (F.s.m.i.) und seine Anhänger wurden zunächst verspottet, dann mit einem empfindlichen Boykott belegt und verfolgt, gedemütigt und gefoltert und schließlich vertrieben. Große Teile der Gemeinde emigrierten im Jahre 615 n. Chr. auf Anraten des Propheten nach Äthiopien.
In der 53. Sure des Qur´an, die das Erlebnis der Himmelsreise (miradsch= Aufstieg) vermittelt, wird noch einmal die ungeheure Dynamik deutlich, die das Geschehen vom Hira im Jahre 610 n. Chr. begleitet hat. In der Himmelsreise findet die Berufung des Propheten gewisserweise ihre Bestätigung. "Beim Stern, wenn er heruntersaust! Euer Gefährte ist weder verwirrt, noch befindet er sich im Unrecht, noch spricht er aus Begierde. Vielmehr ist es eine Offenbarung, die ihm eingegeben wird. Gelehrt hat ihn Einer, der über starke Macht verfügt, dessen Macht sich auf alles erstreckt; darum stand er aufrecht da, als er am obersten Horizont war. Hierauf näherte er sich; kam dann nach unten, bis er eine Entfernung von zwei Bogenlängen erreicht hatte oder noch näher. Und er offenbarte Seinem Diener, was er offenbarte. (Und) dessen Herz hielt es nicht für gelogen, was er sah. Wollt ihr da mit ihm über das Streiten kam, was er sah?" (53, 1-12)
Die Himmelsreise fiel im übrigen in eine schwere Zeit. Muhammed (F.s.m.i.) hatte kurz hintereinander seine treue Lebensgefährtin Hatice und seinen Onkel Abu Talib verloren, der als Stammesältester stets seine schützende Hand über ihn gehalten hatte. Nun war ein anderer Onkel, Abu Lahab- ein erbitterter Feind der islamischen Gemeinde-, Vorsteher des Prophetenstammes (Sure 111).
Muhammed (F.s.m.i.) brachte von dieser Reise seiner Gemeinschaft als göttliches Geschenk den Schlüssel zur wahren Vereinigung mit Gott: das islamische Gebet. Wir haben es also beim Ritualgebet mit einer Stiftung Gottes zu tun und nicht mit einer von Menschen ersonnenen Liturgie. Unter Hinweis auf diese Stiftung hat der Prophet erklärt, daß das Gebet einer Himmelreise gleichkomme, daß der Gläubige in dessen Gegenwart erhoben werde.
Fortsetzung folgt...
Quelle:
Muhammed für Christen, Muhammed Salim Abdullah
Mihriban Yücel