
Medina - die Stadt des Propheten
Der Besuch des Propheten Muhammed (Gott segne ihn und gebe ihm Heil) in Medina, gehört nicht zu den Riten des Hadsch, aber kein Muslim denkt auch nur im Traum daran, ihn auszulassen.
Medina wird von allen Muslimen verehrt, denn sie ist die zweitheiligste Stadt des Islam. Sie ist auch die Stadt, die den Propheten vor den Quraischiten, die ihn verfolgten und ihn töten wollten, Zuflucht gewährte; von der aus sich der Islam ausbreitete und wo der Prophet Muhammed (Gott segne ihn und gebe ihm Heil) begraben wurde.
In einem Hadith sagte unser Prophet "man bricht nur auf eine lange Reise auf, um drei Moscheen zu besuchen: al-Masjid al-Haram (Heilige Moschee in Mekka; die Kaaba), meine Moschee (Masjid an-Nabawi in Medina) und al Masjid al-Aqsa (in Jerusalem)".
Wie kann ein Pilger dann die Wallfahrt nach Mekka machen, ohne den Besuch nach Medina miteinzubeziehen?
Nach einer anstrengenden Reise von Jerusalem war unser nächster Reiseziel Medina, die Stadt des Propheten. Sehr aufgeregt über den ersten Besuch des Propheten näherten wir uns mit Takbirat (Allahu akbar) und Tahlilat (Labbayk, Labbayk...) der Stadt Medina, die 425 km von Jeddah und 447 km von der heiligsten Stadt des Islam Mekka entfernt ist. Da ihr Gebiet zum Haram (heiliges,verbotenes Gebiet ) gehört, darf sie nur von Muslimen betreten werden.
Was in Medina sofort ins Auge sticht, sind die Dattelgärten. Es werden bis heute mindestens 172 verschiedene Dattelarten angebaut. Dies wurde auch nur möglich, weil die Stadt durch eine gewaltige Vulkaneruption im Jahre 1260 v. Chr. einen Umbruch in den Verlauf der Bäche erlitt und so zu einer der bestbewässerten Gebiete in Nordarabien wurde.
Medina ist wie Mekka reich an Namen. Sie besitzt etwa neunzig. Muhammed (Gott segne ihn und gebe ihm Heil) änderte den Namen Yathrib, das von einem alten Verb stammt, das soviel wie Korruption und Verdorbenheit bedeutet, in den Namen at-Tayyiba (die Gute), al-Medina al-Munawwara (die erleuchtete Stadt), Medina-tun-Nabi (Stadt des Propheten), Dar-as-Salam (Haus des Friedens), Qaryat-al-Ansar (Stadt der Verbündeten des Propheten), al-Mubaraka (die Gesegnete), al-Muhtara (die Erwählte), Dar-al-Abrar (Stadt der Frommen, der Gerechten), Qubbat-al-Islam (Kuppel des Islam) etc. .
Das bedeutendste Ereignis in der Geschichte der Stadt vollzog sich am 24. September 622 n. Chr., als unser Prophet mit seinem besten Freund Abu-Bakr von Mekka nach Medina auswanderte und an diesem Tag die Oase von Yathrib (Medina) erreichte. Dieses Ereignis wurde als Anfang der islamischen Zeitrechnung bestimmt und stellte für den Islam einen Wendepunkt dar. Durch die Verfolgungen und grausamen Attentaten auf Muslime in Mekka beschlossen der Prophet und seine Gefährten die Auswanderung (Hijra) nach Medina. Hier wurde auch der erste islamische Staat gegründet.
Da wir wußten, daß das Wesentliche beim Besuch in Medina der Gruß an dem Grab des Propheten Muhammed (Gott segne ihn und gebe ihm Heil) ist, schlug für uns die große Stunde, als wir zum ersten Mal vor der wunderschönen und penibel sauberen Moschee standen. Uns fiel der folgende Hadith ein: "das Gebet in meiner Moschee ist besser als tausend Gebete in jeder anderen Moschee außer der heiligen Moschee in Mekka." Wie recht hatte Bediuzzaman Said Nursi (ein islamischer Gelehrter), als er Mekka und Medina beschrieb, daß Medina den Gottesnamen "Jamal" (*) und Mekka den Gottesnamen "Jelal" (*) reflektieren. Die Schönheit der Moschee, die Gastfreundlichkeit und Barmherzigkeit der Menschen ist unbeschreiblich...
Der Pilger sollte die Moschee des Propheten "al-Haram an-Nabawi" durch "das Tor des Friedens" (Bab-us-Salam) betreten.
Mit viel Salam (Gruß) und Salawat (Bittgebete für den Propheten) näherten wir uns dem Grab des Propheten Muhammed (Gott segne ihn und gebe ihm Heil). Denn Allah gebietet: "Gott und seine Engel sprechen den Segen über den Propheten. Ihr Gläubigen, sprecht auch Ihr den Segen über ihn und grüßt ihn , wie es sich gehört." (33:56)
Als wir bemerkten, daß wir auf andersfarbigen Teppichen standen, wußten wir: "wir sind im Paradies!" Denn unser Prophet sagte über die "Rauda" (Garten), die sich zwischen der Wand der Grabkammer und dem "Mimbar" (ein Podest in der Moschee, auf dem die Freitagspredigt gehalten wird) des Propheten befindet, daß sie ein Teil des Paradiesgartens sei. Dieser Platz ist auch die überfüllteste Stelle in der Moschee. Nach zwei Rak´at (tahiyyatul-masjid)- Gebet in dieser Moschee gleich einer Umra sei.
Gegenüber der Moschee des Propheten liegt der Friedhof von al-Baqi, wo viele der namhaften Muslime, die Schüler des Propheten waren, sind dort begraben. Der Friedhof ist mit Gitterfenstern umzäunt. Wir waren von der Einfachheit sehr überrascht, als wir den Friedhof besuchten. Die Gräber sovieler Helden des Islam z.B. de dritten Kalifen "Utman ibn‘Afwan; oder des Enkel des Propheten Hasan werden nur durch Steine markiert, die keinerlei Inschriften tragen. Unter dem Gründer des modernen Saudi-Arabien, König Abd al-Aziz al-Suud, haben die Wahhabiten, um jeglichen Heiligenkult zu unterbindet, der zum Götzendienst zu entarten drohte, alle Kuppeln und Mausoleen zerstört, die einst diese Gräber geschmückt haben.
Einer der sehenswürdigen Moscheen, die wir besucht haben, ist die Moschee mit den zwei Qibla (Gebetsrichtungen). Von der ersten Qibla sind nur noch Spuren übrig; sie zeigte nach Jerusalem zur Masjid al-Aqsa, der ersten Gebetsrichtung der Muslime. Als unser Prophet (Gott segne ihn und gebe ihm Heil) während eines Gebets, in dem er Imam (Vorbeter) war, den Vers "und von wo du auch herkommst, wende dein Gesicht in Richtung der Heiligen Moschee; denn dies ist gewiß die Wahrheit von deinem Herrn..." (2:148) offenbart bekam, drehte er sich um, rezitierte diesen Verse, die betende Menge drehte sich ebenfalls um. Seit dem ist die Heilige Moschee in Mekka die Qibla der Muslime.
Als wir mit erstaunten Augen und sehr beeindruckt vor dem Berg des Paradieses (Uchud) standen, mußten wir an die harte Prüfung denken, die jene in der berühmten Schlacht bestanden haben. Die Quarischiten hatten eine Armee von 3000 Mann, einschließlich 200 Reitern aufgestellt, um ihre Niederlage in der Schlacht bei Badr im Jahre 2 der Hidschra zu rächen. Die islamische Armee bestand aus nur 700 Soldaten, darunter einige Reiter. Zunächst sah es für die Muslime sehr günstig aus, doch durch die Habgierigkeit der Bogenschützen, die glaubten die Schlacht sei gewonnen, verließen sie ihren Posten, obwohl es der Prophet und die Befehlshaber verboten hatten. Die Muslime erlitten an diesem Tag eine Niederlage. Hamza, der Onkel des Propheten, und etwa siebzig andere islamische Krieger, fielen in dieser Schlacht. Sie wurden direkt auf dem Schlachtfeld begraben. Folgende Qur´anverse handeln von allen, die für die Sache Gottes und des Islam sterben: "Und du darfst ja nicht meinen, daß diejenigen, die um Gottes Willen getötet worden sind, wirklich tot sind. Nein, sie sind lebendig im Jenseits und ihnen wird bei ihrem Herrn eine himmlische Speise beschert. Dabei freuen sie sich über das, was Gott ihnen von seiner Huld gegeben hat, und sie sind froh über diejenigen, die hinter ihnen nachkommen und sie noch nicht eingeholt haben, in der Gewißheit, daß auch sie wegen des Gerichts keine Angst zu haben brauchen und nach der Abrechnung am Jüngsten Tag nicht traurig sein werden." (3:169-171)
Haben wir uns je gefragt, wie hat mich die Umra verändert und wie bin ich zurückgekehrt, ob wir überhaupt eine Veränderung bemerkt haben?
Trotz allem blieb Mekka das geistige Zentrum der Muslime. Nach der Eroberung von Mekka beschloß unser Prophet in Medina zu bleiben und ernannte Medina zur Hauptstadt der Umma (islamische Nation).
Eins sollten und dürfen wir nicht vergessen, wir müssen versuchen unsere eigene Medina zu gründen, um unsere Mekka zu erobern.
Quellen:
Qur´an
Hadithe
Mekka und Medina in Farbe
Mustafa Islamoglu, Hac Risalesi
Sevgi Dutlu