
Du sollst Gutes sprechen oder schweigen
Wenn wir Mitglied einer Gemeinschaft sind, ist es für uns verpflichtend, die Gesetze und Gewohnheiten dieser Gemeinschaft zu respektieren und sie nachzuleben. Das Ziel eines Sportvereins ist es immer, sich in einer bestimmten körperlichen Disziplin weiterzuentwickeln und diesem Ziel ordnen sich alle anderen unter. Ob es regnet oder schneit, hagelt oder donnert, sie lassen ihre Gemeinschaft nicht im Stich. Besonders erfolgreich sind dabei die, die sich in einer Gruppe bewegen, die besonders motiviert ist und hart an ihren körperlichen Zielen arbeitet. Der Grund für den Erfolg liegt in dem gegenseitigen „Sich-Erinnern" und „Sich-Motivieren" für einen bestimmten Wettkampf oder eine bestimmte Laufzeit, weiter oder höher. Diese Gruppe ist untereinander so gefestigt, daß sie sich blind vertrauen und auch im privatem Bereich alles füreinander tun würden. Sie sind gerne bereit, ihre Mitgliderbeiträge zu bezahlen, besuchen Trainer oder Physiotherapeuten, um ihre Leistungsfähigkeit zu optimieren. Sie sind stolz darauf, das Wappen des Vereins an ihrer Kleidung zu tragen und sie identifizieren sich mit der Satzung, die zu einem Höchstmaß an körperlicher Leistungsfähigkeit ermahnt und die sich als Elite betrachtet.
Wenn ein Sportler nun eine gute Leistung erbringt, schafft er dies nicht nur für sich, sondern auch für den Verein. Er weiß, daß er dem Verein alles zu verdanken hat und sieht rückblickend die ganzen Unterstützungen moralischer und finanzieller Art.
Liebe Brüder und Schwestern! In diesem Beispiel geht es um einen kleinen Sportverein, dessen Bedeutung gering ist und dessen Ziele einseitig gelagert sind.
Unser Ziel im Leben heißt Allah und wir müssen uns fragen, wie wir zu einem Diener Allahs werden können. Wie in diesem Beispiel gezeigt, können wir unser großes Vorhaben nicht alleine erreichen und brauchen dringend die Gemeinschaft. Jeder, der alleine trainiert, geht niemals an seine Belastungsgrenze, weil ihm die Motivation/Herausforderung oder das gute Vorbild seiner Freunde fehlt. Aus ihm wird nie ein wirklich guter Sportler, denn er hat zudem den Sinn der Gemeinschaft nicht erkannt. Letztendlich sind wir keine Sportler und haben deshalb auch kein einseitiges Ziel vor Augen. Deshalb müssen wir uns fragen, um wie viel das Leben und die Herausforderung als Moslem da zu sein, uns nicht zu viel größeren Taten ermutigen muß. Suchen wir nach einer Anleitung für das Zusammenleben mit anderen Muslimen, so hat der Prophet (s.a.w.) uns in seiner Vorbildfunktion schon die Mittel und den Weg gegeben. Als wichtige Kernaussage dient folgende Hadith: Allahs Gesandter hat gesagt:
„Hütet euch vor Argwohn (zweifelhaft über seinen Bruder denken), denn Argwohn ist von großer Falschheit. Sucht nicht gegenseitig nach (euren) Fehlern und spioniert einander nicht nach. Seid einander nichr mißgünstig und beneidet einander nicht. Haßt einander nicht, wendet euch nicht voneinander ab, sondern seid Allahs Knechte, Brüder, wie es euch aufgetragen ist. Jeder Muslim ist Bruder des Muslim. Er fügt ihm kein Unrecht zu, und läßt ihn nicht im Stich. Er verachtet ihn nicht. Die Gottesfurcht ist hier, die Gottesfurcht ist hier"- und er zeigte auf seine Brust.
Diese Eigenschaften des Argwohns, des Ausspionierens, des Neides, des Unrechttuns, des Abwendens voneinander oder einen Bruder im Stich lassen, sind nicht dies alles Falschheiten in unserem Herzen, die zuerst uns und dann die Gemeinschaft treffen. Dazu drei Hadithe:
„Muslim ist, vor dessen Zunge und Hand die Muslimen sicher sind". „Hütet euch vor dem Neid, denn der Neid frißt die guten Taten, wie das Feuer den Brennstoff frißt." „Den Muslim zu beschimpfen ist sündhaft, ihn zu töten ist kufr (Glaubensverweigerung)." Wer diese Eigenschaften besitzt, sollte nicht nur fragen wie es um seine Ibada (Gottesdienst) steht, sondern ebenfalls, ob er damit nicht auch die Brüderlichkeit zerstört und das Erreichen des gemeinsamen Zieles für alle verhindert. Ein Mensch, der den Neid und die Mißgunst in seiner Gruppe verspürt, erlebt ihn nicht nur in seinem Herzen, sondern er wird versuchen andere zu finden, um dem etwas anzuhaben, auf den er neidisch ist. So wird am Anfang aus reinem Argwohn und Zweifel gegenüber seinem Bruder, Neid und schließlich Haß. Obwohl uns der Prophet Muhammed (s.a.w) vor diesem Verhalten ausdrücklich warnte: „Laß das, was in dir Zweifel weckt, für das, was nicht Zweifel weckt, denn die Wahrheit verursacht Ruhe, und Falschheit verursacht Zweifel." Außerdem ist es uns ausdrücklich verboten, unseren Vermutungen nachzustellen und eine Person auszuspionieren: „ Es gehört zur Schönheit des Islam, das zu lassen, was den Menschen nicht angeht! Der Muslim ist damit in seiner Privatsphäre geschützt und sein Recht auf Unantastbarkeit seiner Würde und Ehre bleibt bewahrt. Selbst der Prophet (s.a.w) legte großen Wert keine vorgefaßten Meinungen über eine dritte Person zu erfahren. Er sagte: „Keiner meiner Gefährten soll mir über einen anderen etwas erzählen, denn ich möchte zu jedem von euch mit reinem Herzen kommen."
Deshalb ist es für uns besser, wenn wir aufhören uns über andere Menschen zu unterhalten, denn wir laufen Gefahr, durch bloße Vermutungen und Gerüchte einem Muslim großes Unrecht anzutun. Der Prophet sagte hierzu: „Wißt ihr, was üble Nachrede ist?" Die Leute sagten: „Allah und sein Gesandter wissen es am besten." Er sagte: „Über einen Bruder zu sagen, was er verabscheut (daß es gesagt wird) !" Jemand sagte: „Und wenn in ihm ist, was ich über ihn sage?" Er antwortete: „Wenn in ihm ist, was du über ihn sagst, ist es üble Nachrede, und wenn in ihm nicht ist, was du über ihn sagst, hast du ihn verleumdet."
Diese Hadith zeigt uns deutlich, daß selbst, wenn wir über einen Bruder Wahrheiten verbreiten, er dies aber nicht wünschen würde, wir eine üble Nachrede begangen hätten. Noch schlimmer ist eine gelogene Aussage, wo wir selbst als Verleumder agieren würden. Um sich davor zu schützen, rief der Prophet (s.a.w.): „Wer an Allah und den jüngsten Tag glaubt, der soll Gutes sprechen oder schweigen."
Abdul Wahid Holtkötter