
Ein neuer Anfang
Wer von uns wünscht sich nicht einmal im Leben einen neuen Anfang, alle Fehler und Sünden mit einem Schlag vergessen machen? Wer würde nicht um jeden Preis so eine Gelegenheit wahrnehmen, wenn man es ihm anböte?
Diesen Augenblick haben wir uns für das Silvester 1998 aufgehoben.
Es ist der 1.1.1999 nach 0 Uhr.
Keine Silvesterknaller betören die Ohren. Es herrscht Totenstille. Mit unseren weißen Gewändern sitzen wir angespannt im Bus auf dem Weg nach Mekka.
Jeder ist mit seinen Gedanken beschäftigt oder in seinen Schlaf vertieft. Die Stille wird durch die Talbiya unterbrochen, die wir alle wie aus einem Mund herausrufen: "Labbayk, Labbayk ..." (Hier bin ich, o Herr, hier bin ich. Dir ist niemand gleichgestellt, hier bin ich. Wahrlich, alles Lob und alle Huld gebühren Dir, sowie die Herrschaft, Dir ist niemand gleichgestellt.) Damit zeigen wir, daß wir allein um Gottes Willen die Strapazen der Reise auf uns genommen haben. So stimmen wir uns auf die Umkreisung der Kaaba ein.
Was wird uns erwarten?
Es ist eine wichtige Nacht. Die Nacht, in der wir das erste Mal die Kaaba sehen werden.
Ja, die Kaaba, die erste, wichtigste und einfachste Moschee der Welt. Da stehen wir nun vor der Kaaba ... dem Monument, dem Denkmal und Mahnmal, das errichtet wurde, um an die Einzigartigkeit Gottes zu erinnern. Endlich dürfen wir die Kaaba umkreisen, wie die Elektronen den Atomkern, wie das Blut das Herz, wie der Mond die Erde und wie die Erde die Sonne umkreist. Es ist wie eine sanfte Umarmung des Liebsten ...
Für die Umkreisung der Kaaba müssen wir unsere Absicht aussprechen: "O Herr, ich beabsichtige dein Haus zu umkreisen, um Dir, Der Du Allmächtig bist, in der Hoffnung Dein Wohlwollen und Deine Gnade zu erlangen." Die Umkreisung beginnt am Schwarzen Stein, der an der Nordost-Ecke befestigt ist. Dabei drehen wir uns mit dem Antlitz in Richtung des Schwarzen Steines und grüßen ihn mit erhobenen Händen: "BismiLLAHi ALLAHu akbar" (Im Namen Allahs, Allah ist am größten)
Anschließend lesen wir in der Menschenmenge für jede Umkreisung bestimmte Gebete. Es ist, als ob wir uns in einer Traumwelt befinden. Wir können es kaum fassen, daß wir all das sehen dürfen, was für uns bis jetzt nur vom Hörensagen bekannt war.
Nach der Umkreisung verrichten wir das Tawaf-Gebet am Maqam al-Ibrahim. Diese zwei Rak´a kann man bei großem Andrang auch an anderen nahegelegenen Stellen oder überall sonst in der Moschee verrichten. Zur Erfrischung trinken wir Wasser vom Zamzam-Brunnen getrunken. Daraufhin bereiten wir uns auf den Sa´y vor. Unten am Hügel Safa, der heutzutage, wie auch Marwa und die gesamte Wegstrecke überbaut ist. Hier fassen wir unsere Absicht für den Sa´y. Wie der Prophet (saw) selbst berichtete, ist der Grund für den Lauf der Menschen bei Umra und Hajj der, daß Hajar, die Mutter Ismaels (Friede sei auf beiden) die Strecke zwischen den beiden Hügel sieben Mal auf der Suche nach Wasser zurückgelegt hat, bis ihr schließlich der Erzengel Gabriel (Friede sei auf ihm) erschien und die Erde aufbrach, so daß heiliges Wasser (Zamzam) hervorfloß. Durch diese gottesfürchtige Frau, die Allah ergeben und gehorsam gedient hat, wird deutlich, daß neben der Gottergebenheit und Allah vertrauen auch die eigene Anstrengung und Mühe wichtig sind, um von Allah Gnade zu erlangen.
Genauso wie beim Tawaf gibt es bestimmte Gebete, die während des Sa´ys aufgesagt werden. Mit dem Beenden des Sa´ys ist auch der größte Teil der Umra verrichtet. Um aus dem Ichram austreten muß man sich einen Teil der Haare abschneiden.
Wir hoffen nun alle, daß unsere Umra von Allah, dem Allvergebenden, angenommen wird, der uns ermöglicht hat, die drei wichtigsten Moscheen der Erde zu besuchen.
Hast Du Dir schon einmal gewünscht Dein Leben von neuem zu beginnen? Mit der Wallfahrt gibt Allah jedem Muslim die Gelegenheit wenigstens einmal vor seinem Tod, die Sünden in seinem "Buch der Taten" zu tilgen.
Ein neuer Anfang ...