Zurück

Sadaqa - die Almosen

Almosen gehören zu den fünf Pflichten eines Muslim. Besonders im Ramadan geben die Muslime Almosen. Einer, dem Gott verschiedene Gaben geschenkt hat, ist verpflichtet ärmeren Menschen von diesen Geschenken Gottes etwas abzugeben. Das ist die reinste Form der Nächstenliebe. Man muß nicht sehr reich sein, um anderen Menschen zu helfen. Nicht die Höhe der Almosen ist wichtig, sondern der Gedanke, den Menschen zu helfen, denen es schlechter geht.

Grafik: Özkan Kalem

Sprich zu meinen Dienern, die gläubig sind, auf daß sie das Gebet verrichten, und von dem, was Wir ihnen gegeben haben, im Verborgenen und öffentlich spenden (yunfiqu) mögen, bevor ein Tag kommt, an dem es weder Handel noch Freundschaft geben wird. Sura 14:31

Alle Gaben kommen von Allah. Es mag sich dabei um materielle Dinge handeln wie Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Reichtümer und dergleichen, oder um Dinge, die sich nicht greifen lassen, wie Einfluß, Macht, Gesundheit, Begabung, Abstammung und die Möglichkeit, die sich einem dadurch eröffnen, oder um geistige Gaben wie Einsichtigkeit und richtige Unterscheidung zwischen Gut und Böse, Verständnis für die Mitmenschen, die Fähigkeit zu lieben und dergleichen mehr. Wir sollten von all diesen Gaben in Demut und mit Maß Gebrauch machen. Doch wir sollten auch von jeder einzelnen dieser Gaben etwas hingeben, um damit zum Wohl anderer beizutragen. Wir sollten weder Asketen noch in Luxus schwelgende Genüßlinge sein, weder selbstsüchtige Geizhälse noch gedankenlose Verschwender. Kommentar von Yusuf Ali zum Thema Infaq.

 

Hadith: Allahs Gesandter hat gesagt: „Zwischen Zweien Gerechtigkeit herstellen ist Sadaqa, einem Mann mit seinem Reittier zu helfen, ihn hinaufzuheben oder ihm sein Gepäck hinaufzureichen ist Sadaqa, und das gute Wort ist Sadaqa, und jeder Schritt, den du zum Gebet gehst, ist Sadaqa, und etwas Schädliches vom Weg zu entfernen ist Sadaqa. (Abu Huraira ; Buchari)

 

Abu Bruadas Großvater berichtete, daß der Prophet (sav) sagte, "einem jedem Muslim obliegt die Abgabe der Sadaqa." Die Leute fragten; " O Prophet (sav),

und wie, wenn man nichts hat?" Der Prophet (s) antwortete; " Er soll mit seinen Händen arbeiten und etwas verdienen, wovon er für sich Nutzen hat und Sadaqa gibt!" Die Leute fragten; "Und wie, wenn man keine Arbeit findet?" Der Prophet (sav) antwortete; " Er soll einem Behinderten in seiner Not helfen!" Die Leute fragten; "Und wie, wenn man keinen findet?" Der Prophet (sav) antwortete; " Er soll mit guten Taten umgehen und sich von Übel fernhalten; denn dies ist von ihm ein Sadaqa!" (Buchari).

 

Doch das Gleichnis derjenigen, die ihren Besitz spenden im Verlangen nach dem Wohlgefallen Gottes und zur Stärkung ihrer Seelen, ist wie das Gleichnis eines Gartens auf hohem Grund, auf den ein schwerer Regen fällt und der den doppelten Ertrag hervorbringt. Und wenn kein schwerer Regen auf ihn fällt leichter. Und Gott sieht wohl, was ihr tut. Sura 2:265

Aus dem Vers können wir entnehmen, daß Spenden die Seelen der Spendenden stärkt. Grund genug dafür, daß man immer spendet.

 

... Und jenen, die Gold und Silber anhäufen und es nicht auf dem Weg Allahs spenden - ihnen verkünde schmerzliche Strafe. Sura 9:34

Am Tag, wenn dieses im Feuer der Hölle erhitzt wird und ihnen Stirn, Seiten und Rücken damit gebrandmarkt werden: "Dies ist, was ihr für euch selbst gehortet habt. So kostet das, was ihr anzuhäufen pflegtet!" Sura 9:35

 

Kommentar von Yusuf Ali zum Thema; "Anhäufen von Eigentümer"

Der Mißbrauch von Eigentum und Mitteln wird verurteilt, und zwar in dreierlei Hinsicht:

1. Nichts darf auf illegitime Weise oder unter falschen Vorwänden erworben werden

2. Eigentum darf nicht gehortet, aus dem Verkehr gezogen werden oder sonstwie um seiner selbst willen angesammelt werden, sondern soll frei für gute Zwecke Verwendung finden, sei es für andere oder für dich selbst.

3. Besonders ist darauf zu achten, daß Eigentum nicht sinnlos verschwendet wird, sondern es soll so verwendet werden, daß es den Menschen Nutzen bringt

 

Hadith

Allahs Gesandter hat gesagt; "Kinder Adams! Es ist besser für euch, das, was ihr nicht benötigt, freigiebig zu spenden, und es ist schlecht für, es zu behalten; und ihr werdet nicht wegen des Lebensnotwendigen getadelt. Beginnt mit dem, für dessen Unterhalt ihr verantwortlich seid" (Abu Umama; Muslim)

 

Lieber Brüder und Schwestern!

Sadaqa ist so wichtig für die Ausübung des Glaubens im Islam, daß man jeden Tag spenden muß. Wie der Prophet (sav) gesagt hat; Sadaqa ist jede Art von Hilfeleistung. Jeder Mensch hat Millionen von Möglichkeiten Sadaqa zu geben. Jeder in seiner Art und Weise. Wichtig ist, daß man es dafür tut, um Allah zu gefallen und die eigene Seele zu stärken.

Wir in Europa lebenden Muslime bringen immer das Argument vor, es gebe keine richtig arme Menschen in Europa, also können wir nicht in klassischem Sinne spenden. Wenn es denn überhaupt Armen gibt, dann sind wir es. Mit Spenden ist nicht nur gemeint, daß man Geld ausgibt. Es gibt zwei Pflichten, zwischen denen man unterscheiden muß.

1. Wir sind dazu aufgefordet zu spenden.

2. Uns ist das Anhäufen von Eigentümer verboten.

Es gibt viele Menschen, die Hunderte von Bücher in ihren Schränken angesammelt haben, welche die sie nicht regelmäßig benutzen. Sie sollten sie nicht schenken, denn sie werden auch nicht gelesen werden, wenn man sie anderen schenkt. Man sollte dafür sorgen, daß sie vernünftig benutzt werden, entweder von sich selbst oder von anderen. Man sollte zum Beispiel eine Mini - Bibliothek gründen und die Möglichkeit schaffen, daß andere, die daran interessiert sind Zugang zu den Büchern finden.

Man hat zum Beispiel einen Kassettenrecorder zu Hause. Man könnte jede Woche eine oder zwei leere Kassetten kaufen und darauf Quranlesungen aufnehmen und anderen, die so was nicht haben schenken.

Man sollte dabei bedenken , daß wenn man jemandem etwas spendet, kriegt man Belohnung für jede Benutzung des Geschenks. Jedes Mal, wenn von dir geschenkte Quranlesung gehört wird, wird ein Teil der Belohnung auf dem Konto deiner Taten überwiesen. Die Absicht spielt dabei eine sehr wichtige Rolle.

Die Unterlassung von Hilfeleistung ist nicht nur einfach eine Frage der menschlichen Entscheidungsfreiheit, indem man glaubt, man könnte helfen, bzw. Sadaqa in diesem Sinne geben, wann man Lust und Laune hat. Nein es geht um die Probe unseres Glaubens.

 

Quranvers:

Hast du diejenigen gesehen, der die Religion (din) verleugnet? Er ist derjenige, der das Waisenkind schroff abweist, und auch nicht dazu ermutigt, den Bedürftigen zu speisen. Also wehe den Betenden, denjenigen, die in ihrem Gebet nachlässig sind, denjenigen, die gesehen werden wollen, und die Hilfeleistung (arab. Ma ´un) versagen. (107:1-7)

 

Kommentar von Asad:

Al-Ma´un umfaßt die viele kleinen Bedürfnisse des täglichen Gebrauchs, ebenso wie die gelegentliche Freundlichkeit, die darin bestehen, anderen damit auszuhelfen. Im weitesten Sinne heißt es so viel "Hilfe" oder "Unterstützung" in jeglichen Schwierigkeiten.

 

Hamza Asmaty

1