Titel : Frei bin ich
in Deinen Armen
Autor: GiaSheeneDarkstealer/GinaAkari
Beta: Super, mega, dollen Dank an Monsterchen (Julia) fürs Beta-Lesen! Echt
klasse von Dir!!!!!!
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E-Mail: [email protected] oder [email protected]
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~Widmung:
Geht an Julia K. (Monsterchen) fürs Beta-Lesen, an Julia G. für die tolle
Unterstützung und ihren guten Geschmack, mein kleines Englisch-Aas, weil sie so
brav erträgt, dass ich seit Wochen nur noch von Gundam Wing rede, an
Birthe-chan und Rike-chan, weil's Yaoi ist und ich Euch einfach mag! (Du
bekommst sicher auch Mal eine Story mit Zechs von mir zu lesen, Birthchen, also
mal was Anderes. *g*!) Weiterhin geht die Widmung an Kathi, auf dass ich Dich
noch bekehre und Du Gundam Wing kennenlernst! Und nicht zu vergessen: Steph und
Sissy! Danke, dass Ihr mich so aufheiterst! Außerdem ist die Story allen
Yaoi-Freaks gewidmet!Yaoi rocks!!!
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Fanfiction: Gundam Wing
Rating: Anfang PG, später NC-17
Warnung: [Lemon] [Children's sex]
Kommentar: Hee-chan ist hier mal winzig, Duo ist 5 Jahre älter. Kriegen sie
sich, oder kriegen sie sich nicht?!
Pairing: 2x1
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Disclaimer: Die Rechte für Gundam Wing liegen nicht bei mir, sondern bei
Bandai, Sunrise und... Ich weiß nicht, beim wem noch. Ich verwende diese
Geschichte zu keinerlei kommerziellen Zwecken, möchte das Copyright nicht
verletzten und: ICH VERDIENE DAMIT WIRKLICH KEIN GELD! (Wäre ja auch noch
schöner...) Gegeben den Falles irgendwem fällt auf, daß ich irgend etwas aus
seiner Geschichte verwendet habe, möge er mir bitte verziehen und mich darauf
hinweisen! Ich lese so viel, daß ich manchmal nicht mehr genau weiß, ob die
Gedanken, die mir kommen wirklich von mir sind, oder ob ich sie schon einmal
irgendwo gelesen habe. Das ist natürlich keine Entschuldigung, jedoch ist es
mir nicht möglich mehr als dies zu sagen, denn es entspricht der Wahrheit...
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~*~Frei bin ich in deinen Armen~*~
Ein Klopfen. "Duo?" Der Junge mit den kastanienbraunen Haaren hob den
Kopf. Als es erneut klopfte seufzte er und legte das Musikmagazin, das er
gerade las zur Seite. Er hüpfte vom Bett und öffnete die Tür. "Ja?!"
Vor der Tür stand sein Trainer, seine Hand auf die Schulter eines kleinen
Jungen gelegt. "Das wird dein neuer Zimmerpartner sein. Dr. J wollte es
so. Wie ihr klarkommt müßt ihr selbst sehen, morgen ist Training!" Mit
diesen Worten wurden Duo und der Kleine rasch wieder allein gelassen. Duo
begutachtete den Jungen etwas.
Er hatte dunkelbraune, struppige Haare und wunderschöne, kobaltblaue Augen. Er
trug eine viel zu große Jeansjacke über seinem grünen Muscle-Shirt und der
schwarzen Spandex. Duo mußte schmunzeln als er sein trotziges Gesicht sah. Es
ließ ihn irgendwie süß aussehen. "Na dann komm' rein! Ich bin Duo, Duo
Maxwell, aber du kannst mich auch gerne Shinigami nennen!"
Heero musterte den Größeren, der im Zimmer auf und ab rannte und mit Händen und
Füßen redete, mit einem flüchtigen, aber sehr aufmerksamen Blick. Der Junge sah
nicht aus, wie man sich Shinigami vorstellen würde. Er trug ein schwarzes
Priesteroutfit und einen langen Zopf.
Immer noch stand Heero wie angewurzelt in der Tür, doch dort ließ Duo ihn nicht
lange. Er nahm dem Jungen, ungeachtet seiner Proteste, seinen Rucksack ab und
zog ihn ins Zimmer. "Wir haben nur das eine Bett und einen Schreibtisch.
Wir werden uns das alles teilen, auch das Bad!" Duo zeigte auf eine Tür.
"Du kannst dich ganz wie zu Hause fühlen, kein Problem! Ich hoffe ich rede
dir nicht zu viel, denn eigentlich rede ich gern. Hey, wie heißt du
überhaupt?!" Heero staunte über die Redseligkeit und die Fröhlichkeit, die
dieser Duo ausstrahlte. "Heero.", antwortete er und schaute sich um,
während er noch immer etwas unsicher im Zimmer herum stand.
Er wußte nicht sehr viel mit der Situation anzufangen. Dr. J hatte ihn einfach
in einen Flieger gesetzt und ihm gesagt es werde schon alles seinen rechten
Gang gehen, wenn er nur erst an seinem Ziel angekommen wäre, aber alles was
bisher passiert war, war, dass er von einer Person zur anderen gebracht wurde,
niemand sich auch nur vernünftig vorstellte oder ihm gar sagte, warum er
eigentlich zu dieser Ausbildung sollte.
Er war immer noch verwirrt und das sah man ihm auch an. Seine Gedanken wurden
von Duo jäh unterbrochen.
"Geht's noch irgendwie weiter?" "Hn?" Heero verstand nicht.
"Du hast doch bestimmt einen Nachnamen, ne?" Heero nickte.
"Yuy!", formten seine Lippen fast lautlos den Ton. Duo lächelte.
"Möchtest du was trinken?" Er öffnete den kleinen Kühlschrank, der
sich in der hinteren Zimmernische befand. "Ich habe nur Coke, aber ich
denke das ist kein Problem. Jedes Kind mag Coke, oder?! Magst du etwa
keine?!"
Heero setzte sich mitten auf den Zimmerboden und versuchte Duo zu ignorieren.
Er wollte erst einmal wissen, was mit ihm geschehen sollte. Alles andere
interessierte ihn nicht, auch wenn er zugeben mußte, dass sein Hals wirklich
schon fast ausgetrocknet war.
Er hatte seit seinem Abflug nichts mehr getrunken oder gegessen, und inzwischen
waren gute 15 Stunden vergangen. Er war müde, hatte Jetleg.
"Du bist sicher totmüde, nicht wahr?!", erriet Duo seine Gedanken. Er
reichte Heero eine Dose Coke, kniete sich zu ihm nieder und wuschelte ihm mit
der Hand durchs Haar.
Heero trank die Dose aus und versuchte weiterhin Duo zu ignorieren, was bei
seinem vielen Gerede so gut wie unmöglich war.
"Erzähl' doch mal was von dir! Wo kommst du her? Wie alt bist du?"
Heero schüttelte verwirrt den Kopf. Das alles war ihm zu viel. "L1-Colony.
Zehn.", antwortete er nur knapp und in stichpunktartigen Wortfetzen.
Seine Blicke suchten immer noch das Zimmer ab. "Mmh... Nicht sehr
gesprächig, was?! Na ja, das ändert sich garantiert noch! Wir werden bestimmt
gute Freunde!" Duo lächelte zuversichtlich.
"Duo?", fragte Heero schließlich leise. Der angesprochene Junge
horchte auf. "Halt die Klappe, ja?!" Heero sah ihn ernst an. Duo
verstummte kurz, dann lachte er auf. "Hast ja recht! Du solltest
schlafen!"
Er machte einige rasche Handbewegungen und scheuchte Heero damit zum Bett.
"Schlaf! Wir können uns ja später auch noch unterhalten!" Heero
überlegte kurz, dann entschied er, dass es vielleicht besser wäre, wenn er
wirklich erst einmal schliefe. Wenn er nicht mehr so müde war, würde es ihm
bestimmt leichter fallen herauszufinden, was los war. Er zog seine Schuhe aus
und legte sich aufs Bett.
Duo schaltete sich leise den Fernseher an. Hin und wieder sah er zu Heero
hinüber. //Komischer Junge!// Dachte er bei sich.
Heero Yuy... Was war das für einer?
Duo wußte sehr wohl nach wem der Kleine benannt war. Es gab niemanden, der den
verstorbenen Kolonistenführer nicht kannte.
Duo mußte schmunzeln, als er Heero, der zusammengerollt auf dem Bett lag,
beobachtete. Er konnte sich kaum vorstellen, dass dieser Junge wirklich zu
einem Soldaten ausgebildet werden sollte. Er war so winzig! Zwar war er
wirklich hübsch mit seinen verwuschelten Haaren und den kobaltblauen Augen,
aber er war immer noch ein Kind!
Was hatte er gesagt? Wie alt war er? Duo dachte nach, bis es ihm wieder
einfiel. "Erst zehn!", murmelte er leise vor sich hin. Er verstand
schon nicht, dass sie 15-jährige Jungen, wie ihn ausbildeten, aber ein kleines
Kind?! Duo seufzte erneut.
Der Junge tat ihm leid. Er wußte, was noch alles auf ihn zukommen würde. Er
hatte es selbst schon erlebt. Leise stand er auf und ging zum Bett. Er nahm die
Decke und legte sie vorsichtig über Heero, damit er nicht wach wurde.
Ihn persönlich hätte es nicht gestört. Er hätte sich gern noch mit ihm
unterhalten. Andererseits wußte Duo aber auch sehr gut, dass das was die beiden
am nächsten Morgen erwartete sehr anstrengend war und Heero seinen Schlaf
brauchte. Er selbst entschied sich mit einem Blick auf die Uhr, die gerade mal
8:30pm anzeigte, sich fertigzumachen.
Er ging ins Bad und wusch sich, kämmte seine langen Haare, was die meiste Zeit
in Anspruch nahm. Schließlich schlüpfte er in seinen Schlafanzug und ging zu
seinem, und jetzt wohl auch Heeros, Bett. Er brachte den kleinen Jungenkörper
dazu ihm etwas Platz zu machen und legte sich neben ihn.
"AUFSTEHEN!", halte ein lauter Ruf in ihr Zimmer. Duo grummelte,
setzte sich aber sofort auf.
Das grelle Licht, das durch die weit aufgerissene Tür fiel, blendete ihn, da
sie jedoch genauso schnell wieder zufiel, war das allerdings auch kein
unumgängliches Problem.
Er blinzelte ein paar Mal, bis sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnten.
Sein Blick wanderte zu Heero, der immer noch mit geschlossenen Augen neben ihm
lag. Er hatte die Stimme bewusst ignoriert, weil er sich zu müde fühlte, um
sich auch nur einen Zentimeter zu rühren. Duo konnte gut nachvollziehen wie es
ihm ging. Er selbst hatte eine halbe Ewigkeit gebraucht, um sich an das frühe
Aufstehen zu gewöhnen und er haßte es noch immer.
Er rüttelte Heero sachte an der Schulter. "Hn?!", kam es grummelnd
von ihm. "Wir müssen aufstehen!", sagte Duo leise. Heero öffnete die
Augen und starrte auf die Uhr, die über dem Bett hing. Er konzentrierte sich
auf die Leuchtzeiger. "3am?!", beschwerte er sich. Duo nickte.
"Das Training beginnt in einer halben Stunde, du solltest dich
fertigmachen!" "Eh?!" Heero sah Duo verblüfft an. //So früh?//
Er stöhnte innerlich, stand aber widerwillig zusammen mit Duo auf. "Geh du
ruhig zuerst ins Bad!" Duo zeigte nochmal auf die Tür vom Vortag.
Heero nickte. Er nahm seinen kleinen Rucksack und trottete ins Nebenzimmer. Duo
plünderte indessen den Kühlschrank. Als Heero wieder vor ihm stand, immer noch
in seinen Sachen von vorher, oder waren es inzwischen wieder neue, die nur
aussahen, wie die alten?! Egal! Duo ignorierte es und schob Heero ein Sandwich
zu.
"Das hab' ich gemacht!", verkündete er stolz und schlug sich mit der
Faust auf die Brust. Heero verstand nicht, wie jemand so stolz darauf sein
konnte ein Sandwich zu schmieren. Dann erinnerte er sich daran, was Duo ihm am
Vortag gesagt hatte. Er musste zugeben, dass er sich nicht unbedingt leicht
vorstellen konnte, dass der Gott des Todes sich damit beschäftigte den lieben
langen Tag Essen zuzubereiten.
"Keinen Hunger!" Heero schwang sich auf einen der Barhocker. Er mußte
zugeben, dass Duo sein kleines Reich wirklich in einem netten, amerikanischen
Stil eingerichtet hatte.
"Du solltest aber essen! Sonst brichst du uns nachher noch zusammen!"
Duo schob den Teller etwas näher zu Heero und dieser seufzte. Er nahm das
Sandwich und biss lustlos hinein. Seine Mundwinkel verzogen sich jedoch
genüßlich, als er den Geschmack des ganzen auf seiner Zunge zergehen ließ.
"Mmh... Was ist das?!", fragte er kauend. "Erdnussbutter!"
Duo grinste und legte ihm noch ein Sandwich auf den Teller. Dann schnappte er
sich seine Sachen und ging ins Bad.
Als er wiederkam hatte Heero gerade sein Frühstück beendet. Er hatte Durst.
"Ist noch was von der..." Er versuchte sich an das Wort zu erinnern.
"... Co.. Co..." "Coke?", unterbrach Duo ihn fragend. Heero
nickte und Duo grinste. Er öffnete die Kühlschranktür und nahm zwei Dosern heraus.
Eine davon reichte er Heero.
Was war das für ein Kind, dass den Begriff Coke nicht kannte? Duo schüttete
verständnislos den Kopf.
"Ich werde nachher einkaufen gehen!", berichtete Heero schnell. Er
hatte Duos Kopfschütteln als Zeichen dafür aufgefaßt, dass er nicht damit
einverstanden war, dass Heero ihm seine Lebensmittel wegtrank und -aß.
Ein sanftes Lachen erfüllte den Raum, in dem etwas mitschwang, das Heero nicht
definieren konnte. Es hörte sich an wie eine Mischung zwischen Mitleid und
Traurigkeit.
"Du wirst dazu wohl kaum Zeit und Energie haben, wenn wir heute fertig
sind! Du dürftest eigentlich genauso viel Geld bekommen wie ich, oder?! Dort
hinten hängt eine Liste. Schreib' einfach auf, was du haben willst. Es wird
dann schon geliefert!"
Heeros Blick folgte Duos ausgestrecktem Finger und er entdeckte eine kleine
Pinwand. Er hatte kein Problem damit sein Geld für seine zukünftige Nahrung
auszugeben. Er wußte eh nicht, was er sich sonst hätte kaufen sollen und
außerdem war es fair so - für beide.
Heero sah auch keinen Grund dafür, dass Duo sich überhaupt um ihn kümmern
sollte. Sie waren zwei vollkommen Fremde füreinander. Obwohl... Wenn Heero
genau darüber nachdachte, mußte er sich eingestehen, dass er die
aufgeschlossene, fröhliche Art des anderen mochte. Es war ihm unerklärlich,
wieso. Schließlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Duo mahnte ihn an
endlich aufzubrechen, damit sie nicht zu spät kämen.
Duo führte Heero zum Sportpatz. Das Teil war riesig, wie er zugeben mußte. Er
schien fast das dreifache Ausmaß eines normalen Platzes zu haben. Für einen
Moment blieb er ehrfürchtig stehen, Duos Blick auf ihm ruhen spürend, wie auch
schon die ganze Zeit über während er hier war.
"Da seid ihr ja endlich! Los! Aufwärmen! 20 Runden ums Stadion!",
drang plötzlich eine autoritäre Stimme an seine Ohren. Er sah sich verblüfft
um, entdeckte aber niemanden. Nun, es war egal. Heero war daran gewöhnt Befehle
zu befolgen - besser als irgend etwas anderes. Er sah Duo bereits loslaufen und
rannte hinterher. Es dauerte nicht lange, bis er gleichgezogen hatte, auch wenn
er zugeben mußte, dass Duo wirklich schnell lief.
"Warum nicht langsamer?", fragte er, während er sich bemühte mit dem
Größeren mitzuhalten. "Weil Aufwärmrunden hier immer gesprintet werden,
oder denkst du wir haben ewig Zeit dafür?!" Heero wäre fast wie
angewurzelt stehengeblieben, als er das hörte, raffte sich aber zusammen und
lief weiter.
Nachdem die zwanzig Runden überstanden waren, mußte Duo zugeben, dass er Heero
zu sehr unterschätzt hatte. Er hätte damit gerechnet, dass der Junge nach den
zwanzig Runden keinen Fuß mehr vor den anderen setzen hätte können, doch Heero
schien es erstaunlich gut zu gehen.
Duo nickte zufrieden. Das war nichts, was negativ gewesen wäre, im Gegenteil.
Duo freute sich für seinen kleinen Zimmergenossen. Das würde ihm das ganze
leichter machen.
Doch viel Zeit zum Ausruhen blieb ihnen nicht. Als nächstes war Stangenklettern
angesagt - wieder einmal eine Gelegenheit bei der Heero Duo zeigen konnte, wie
geschickt er war.
Während Duo zunächst Probleme hatte den richtigen Griff zu finden, war Heero
schon ganz oben und ließ sich wieder hinuntergleiten. Duo grinste und machte
einen Wettkampf daraus und genauso hielten die beiden es bei allem, was noch
kam.
Sie sprachen sich nicht ab, aber ihre Blicke sagten einander alles. Es war
komisch: Sie mußten nicht reden und doch verstanden sie den anderen ganz genau.
Zu ihrem Erstaunen stellten die beiden fest, dass sie annähernd gleich gut
waren, nur gewann Heero mit einem klaren Ergebnis den Aufmerksamkeitstest. Er
hatte die gestellten Gegner immer schon ausgeschaltet, bevor Duo sie überhaupt
bemerkte. Duo bewunderte ihn dafür und redete auf ihn ein, doch für Heero war
das nichts Besonderes. Er war darauf trainiert worden sein Gespür für Gefahr
immer weiter zu verbessern. "Routine!", war das einzige Wort, das er
für Duos Komplimente übrig hatte.
Als der Tag gegen Abend endlich um war und sie das Training für diesen Tag
absolviert hatten, mußten jedoch beide zugeben, dass sie erschöpft waren. Heero
hatte sehr schnell begriffen, dass dieser Tag nur ein Bruchteil dessen war, was
er in den kommenden Wochen, Monaten, vielleicht sogar Jahren zu leisten hatte
und er mußte zugeben, dass es ihn erschöpfte. Er war müde und ausgelaugt, als
er am Abend endlich wieder saß. Seine Füße schmerzten vom vielen Laufen, seine
Hände taten weh, von der Anstrengung, die es ihm bereitet hatte über mehrere
Stunden hinweg rissige, scharfkantige Felsen hinaufzuklettern. Sein Körper war
übersät von Kratzern und Prellungen. Und er verstand es immer noch nicht. Er
verstand nicht, warum ihm diese Last aufgebürdet wurde, warum ausgerechnet er
sein Leben aufgeben mußte, um in den Krieg zu ziehen.
Seine Gedanken waren bei seiner Vergangenheit, als Duo immer noch auf ihn einredete.
Ganz automatisch prägte er sich die wichtigsten Daten ein. Er wußte nun, dass
Duo 15 war, also satte fünf Jahre älter, als er. Er erfuhr auch, dass Duo
Amerikaner war, was den ganzen Einrichtungsstil erklärte.
Duos Mundwerk stand einfach nicht still. Er redetet und redete und redete -
ganz gleich, ob Heero es hören wollte, oder nicht. Er wurde von Details aus
Duos Leben überschwemmt.
Duo trug einen Zopf, seit eine Nonne ihn ihm geflochten hatte, da er sich um
keinen Preis die Haare schneiden lassen wollte. Heero erfuhr, dass Duo, wie er,
keine Eltern hatte und das er auf der Straße aufgewachsen war, sich sein Leben
mit Diebstählen sichern mußte. Seinen Namen hatte Duo von seinem alten Freund
Solo, also war Duo Maxwell auch nicht Duos wirklicher Name.
Nach einer Weile hielt Heero sich die Ohren zu. Warum erzählte ihm dieser
fremde Junge das alles?! Er wollte es nicht hören! Er wollte nicht, dass er es
ihm erzählte, denn es ließ ihn Gefühle für ihn entwickeln.
Er fühlte Mitleid und Bewunderung und er begann Duo zu mögen, aber das war
falsch. Ganz sicher war es das! Es war ihm doch immer gesagt worden, dass
Gefühle verwerflich seinen, dass sie manipulierbar machten, Gefahr bedeuteten.
Heero wollte nichts fühlen. Er wollte nicht verletzlich sein, ein Versager.
Er stand vom Esstisch auf, den die kleine Küchentheke darstellte und hängte die
Einkaufsliste wieder auf. Er hatte alles eingetragen. Duo hatte ihm das System
erklären wollen, doch Heero ließ es nicht zu. Er wollte es selbst analysieren.
"Warum erzählst du mir nichts von dir, hm?! Ich habe doch jetzt genug von
mir geredet! Ich will wissen, mit wem ich es zu tun habe!"
Duo war immer noch munter und das nach solch einem anstrengendem Tag, wie
diesem. Heero verstand es nicht. Er selbst fühlte sich unsagbar müde. Er ging
zu seinem Rucksack und kramte darin herum. Dann zog er einen Hefter hervor und
warf ihn Duo zu, der ihn reflexartig fing. "Was ist das?!", fragte
Duo verwundert. Heero ging ins Bad. Seine Miene war wie versteinert, wie eingeschlafen.
An der Tür blieb er kurz stehen. "Mehr weiß ich nicht!", sagte er
leise und schloß die Tür hinter sich.
Irrte Duo sich, oder hatte er gesehen, wie Heero kurz zusammenzuckte, als er
das sagte? Hatte der Junge seinen Blick gesenkt?
Duo seufzte. Er schlug den Hefter auf und stellte fest, dass es eine Kopie von
Heeros Personalakte war. Er fand es unpersönlich und wußte, da er eigentlich
kein Recht hatte sie zu lesen, aber Heero hatte sie ihm selbst gegeben und er
war neugierig.
Er laß jedes einzelne Wort ganz genau durch. Inzwischen war Heero fertig
gewaschen. Er legte sich ins Bett und schlief ziemlich schnell ein. Duo las
immer noch und je weiter er kam, desto mehr mußte er schlucken. Er war sich
nicht sicher, ob Heero sich darüber im Klaren war, was die Abkürzungen und
Fachbegriffe in seiner Akte bedeuten. Ihn jedenfalls schockierten sie!
Alles, was mit Heero geschehen war, jede noch so kleine Tat, alles war
genaustens protokolliert. Duo erfuhr aus der Akte mehr, als er gewollt hatte.
Ihm wurden Berichte vorgelegt, wie sie genauer nicht hätten sein können.
Heero hatte keine Eltern. Er war gleich nach der Geburt in ein Heim abgeschoben
worden. Dort wuchs er auf, bis er 2 Jahre alt war. Ab dann kümmerte sich ein
gewisser Dr. J um ihn. Er und sein Team machten Heero mit Hilfe von chemischen
Wirkstoffen gefügig, brachten ihm alles bei, was er wußte. Er wurde dazu
erzogen, zu hassen, zu töten, zu vernichten.
Duo war geschockt, als er die genauen Berichte las.
Sie hatten ihn eingesperrt - sein ganzes Leben lang hatten sie über ihn
gewacht. Es gab nicht eine Minute in Heeros Leben, die nicht genau festgehalten
wurde.
Die wichtigsten Dinge, die, die Heero nicht erfahren sollte, waren in einer
Fachsprache geschrieben, von der Duo sich sicher war, dass Heero sie nicht
kennen konnte. Er selbst hätte sie nicht gekannt, wäre er nicht durch Zufall
auf sie gestoßen und hätte nicht eher Ruhe geben, bis er sie beherrschte. Wie
konnte man so etwas nur tun? Duo verstand es nicht.
Sie hatten ihn behandelt, wie einen Gegenstand, versucht aus ihm eine
Kampfmaschine zu machen - aus dem kleinen Jungen der so friedlich
zusammengerollt im Bett lag und sich an die Decke klammerte.
Duo fühlte Stiche in seinem Herzen. Er selbst war kaum anders aufgewachsen,
aber ihm war nie das Recht abgesprochen worden ein Mensch zu sein. Ganz
plötzlich überkam Duo das Gefühl er müsse Heero umarmen. Er ging zu ihm und
legte sich zu ihm ins Bett. Gewaschen hatte er sich schon vor Heero. Der Junge
hatte es vorgezogen erst seine Einkaufsliste zu schreiben.
Mit zitternder Hand strich Duo über Heeros Arm. Er war so winzig. Duo verstand
nicht, wie man einem Kind zu etwas antun konnte. In der Natur so schwach und
dennoch zu stark. Wie hielt er das aus? Es war ihm ein Rätsel.
Plötzlich ein Laut. Duo horchte auf, hielt die Hand still. Heero murmelte
irgend etwas vor sich hin, was er nicht verstand. Nur einzelne Wortfetzen
erreichten sein Ohr. Irgend etwas mit Frieden und Lachen, Feuer und Tod. Der
kleine Körper an Duos Seite zog sich weiter zusammen, schlang die dünnen
Ärmchen um sich selbst, wie zum Schutz.
Duo zerriss es das Herz. Er legte seinen Arm um Heero und zog ihn dicht an
sich. Sein Körper war kalt. Es schien Duo absonderlich, dass Heero nicht tiefer
unter die Decke kroch. Wußte er überhaupt, dass man sich vor dem Frieren
schützen konnte? Wußte er, dass es so etwas wie Wärme gab? Nun, Duo faßte den
Entschluß es ihm zu zeigen. Er deckte sie beide besser zu und hielt Heero
schützend im Arm. Seine Gedanken wichen immer wieder aus, konnten sich nicht
auf eine bestimmte Sache konzentrieren. Und immer wieder drang das Bild von
Heeros schmalen Lippen und seinem zarten Gesicht in sein Geistesgut.
Er dachte an diese kobaltblauen Augen. Wie war es nur möglich, dass sie ihn so
sehr fesselten? Vielleicht weil sie so klar und gleichzeitig undurchsichtig
waren? Es war wie eine Herausforderung zu erkennen, was wirklich dahinter
steckte.
Als die beiden am nächsten Tag wieder durch einen befehlerischen Ruf geweckt
wurden, fand Heero sich in Duos Armen wieder. Er gab vor noch zu schlafen,
wollte zunächst das Gefühl analysieren, dass er auf einmal verspürte. Was war
das?
Er roch Duos Haare. Sie dufteten nach Vanille und Honig. Heero atmete tief ein.
Es roch gut! Warum fühlte er sich auf einmal so leicht? Er verstand es nicht.
Und wieso um alles in der Welt hielt Duo ihn überhaupt fest?! Wieso lag er so
ruhig, obwohl er sich am Tag zuvor fast zeitgleich mit dem Ruf aufgesetzt
hatte?!
Heeros Analyseversuch brachte ihn nicht sehr viel weiter. Er war verunsichert
über dieses nicht bekannte Gefühl in ihm. Ja richtig! Es war nur ein Gefühl.
Darauf mußte er nicht achten, Gefühle täuschten!
Er schlug die Augen auf, widmete Duo keinen einzigen Blick, während er sich aus
der Umarmung befreite und aus dem Bett sprang. Duo seufzte innerlich. Er
merkte, dass Heero sich verschloss. Wie sollte es auch anders sein? Es war ihm
ja so beigebracht worden.
"Guten Morgen, Kleiner!", sagte er trotzdem fröhlich und hüpfte aus
dem Bett. "Hn!" Heero nickte nur, als Zeichen, dass er es gehört
hatte und es erwiderte. Duo verstand. Er schob Heero ins Bad und schmierte den
beiden wieder ein paar Sandwiches.
Als Heero wieder auftauchte, war er gerade fertig. Der Kleine war wirklich
schnell! Umso besser! Dann konnten sie wenigstens gemeinsam frühstücken.
Duo reichte Heero den für ihn vorgesehenen Teller und stellte ihm eine Coke vor
die Nase. Heero konnte nicht umhin zu grinsen. Duo erinnerte ihn an die Mütter
aus den Erzählungen, die er kannte. Er hatte einmal ein Kinderbuch gelesen, in
dem es ganz genauso war. Die Mutter sorgte sich um ihre Kinder und machte ihnen
jeden Morgen, bevor sie zur Schule gingen ihr Frühstück. Sie stand extra auf
deswegen.
Heero hatte das Buch gemocht. Es war ihm jedoch wieder weggenommen worden - wie
alles, was er gern hatte. Irgendwann hatte er sich dazu entschieden, gar nichts
mehr gern zu haben. So konnte ihm zumindest nichts entrissen werden, dem er
nachtrauern würde.
Und nun? Nun war Duo da, denn er irgendwie mochte. Er wollte es sich selbst
nicht eingestehen, aber der Größere gewann immer mehr seiner Sympathie.
Mit einem Schwung saß Heero auf dem Stuhl und begann wortlos zu kauen. Er
erkannte den Geschmack nicht wieder. Dieses Mal war es also keine Erdnußbutter.
Dennoch: Es schmeckte süß und zerging auf der Zunge. "Konfitüre!",
erklärte Duo, als er Heeros, nach einer Antwort forschenden, Blick sah.
Heero leerte seine Coke und ließ sich vom Stuhl gleiten. Er kramte in seinen
Sachen herum und zog einen Laptop hervor. Duo staunte. "Wow! Ist ja cool!
So was schleppst du einfach mit dir herum? Ist das deiner?" Er starrte
Heero neugierig über die Schulter. Heero nickte nur stumm und ignorierte ihn
dann. Er rief mit flinken Fingern und der Hilfe einiger gekonnten
Tastenkombinationen Programme auf, die Duo zwar kannte, aber nie verstanden
hatte. Umso mehr war er überrascht, als sich herausstellte, dass dieses kleine
Kind vor ihm damit so gut umgehen konnte.
Duos Blicke hafteten auf dem Bildschirm und Heeros Fingern. "Duo,
Waschen!", murmelt Heero plötzlich. Dass der Junge so plötzlich etwas
sagte, riss Duo wieder aus seinen Gedanken. Er sah zur Uhr und stellte fest,
dass Heero recht hatte. Mit Widerwillen ging er ins Bad.
Als er wieder zurückkam, war Heero bereits verschwunden. Er hatte den Laptop
wieder ordentlich verstaut. So gern Duo diesen Tag auch ruhig hätte angehen
lassen - er mußte zum Training.
Die Aufwärmrunden wurden an diesem Tag auf dreißig angehoben, mit der
Erklärung, dass man Heero am Vortag lediglich eine Chance geben wollte, um sich
einzugewöhnen. Während Duo noch immer vor sich hinfluchte, sprintete Heero
schon los. Erst, als er nach einer Runde wieder dort ankam, wo Duo noch immer
herumstand, fing dieser an sich auch zu bewegen.
Nachdem sie eine halbe Runde weitergerannt waren und beide auf gleicher Höhe
liefen, löcherte Duo Heero wieder mit Fragen. "Sag' mal, wie kommt es,
dass du dich so gut mit diesen Programmen auskennst?!", war eine davon.
Als Heero das hörte, blieb er kurz stehen und sah Duo fassungslos an. "Es sind
Computer! Mit denen kennt man sich aus!", warf er Duo empört an den Kopf
und dieser fand, dass der Kleine mit diesem empörten Blick wirklich süß aussah.
Er klopfte ihm auf den Kopf. "Komm schon, weiter! Sonst dürfen wir
Extrarunden drehen!"
Heero zuckte unberührt mit den Schultern, rannte aber trotzdem wieder los. Nach
dem Aufwärmen wurden die beiden zum Schießstand abkommandiert. Duo grinste
breit. Das war was, was auch mal Spaß machte! Er erschrak nur, als er sah, wie
Heero lächelte, als er seine Waffe in der Hand hielt. Plötzlich lag soviel
Entschlossenheit und Hass in seinem Blick. Seine Augen waren kalt und
undurchdringlich, nicht einfach mehr emotionslos. Nein! Sie hatten irgend
etwas, was Duo einen kalten Schauer über den Rücken jagte.
Duo versuchte sich zu konzentrieren. Er zielte und setzte die Schüsse sicher,
aber sein Blick glitt immer wieder zu Heero hinüber. Seine Zielgenauigkeit war
erschreckend. Es war, als würde der Junge von einem Computer übernommen worden
sein, der ihn steuerte und ganz genaue Befehle zur Ausführung gab.
Duo konnte nicht anders. Er wollte endlich wissen, was in dem Jungen wirklich
vor sich ging. Er nutzte die Gelegenheit, als Heero seine Waffe nachlud,
stellte sich hinter ihn und drückte ihn dicht an sich. Erschrocken ließ Heero
die Waffe sinken.
Was war nun wieder los? Was veranlaßte den Amerikaner ihn so zu behandeln?
Entsetzen machte sich in Heero breit, als ihm auffiel, dass er die sanfte
Berührung sogar genoß. "Duo, laß mich los!", wisperte er leise, aber
seine Stimme klang entschlossen und fest. Er wußte selbst nicht, wie er es
schaffte seine Unsicherheit zu überspielen. Doch Duo ließ ihn nicht los. Statt
dessen drückte er den jungen Japaner dichter an sich. So gut es ging, drehte
sich Heero. Er hielt Duo seine, inzwischen wieder geladene, Waffe seitlich vor
den Kopf. Seine Hand zitterte etwas.
Was tat er da? Wieso bedrohte er jemanden, den er doch eigentlich mochte. Aber
was... Was waren das für Gedanken?! Dr. J hatte recht! Gefühle für jemanden zu
empfinden war schlecht! Es machte einen unsicher und anfällig.
Ganz plötzlich begann Heeros Kopf furchtbar weh zu tun. Er ließ die Waffe
fallen und klemmte den Kopf zwischen die Arme. Duo, der noch kurze Zeit zuvor
wie gelähmt war, reagierte wieder. Er legte seine Hände auf Heeros Schultern
und zog ihn an sich. Doch der Schmerz verging einfach nicht. Heero fühlte sich
merkwürdig in die Knie gezwungen. Ihm war schlecht. Sein kleines Herz pochte
heftig gegen seine Brust. Sein Hals war trocken. Doch wieso? Dieses Mal ließ er
sich ohne Protest von Duo halten. Er fühlte die sanften Berührungen Duos Hände,
die beruhigend über seinen Rücken glitten und fühlte sich dadurch nur noch
schlechter. Duo hätte jetzt sauer auf ihn sein sollen, oder zumindest
enttäuscht. Damit wäre Heero klargekommen, aber nicht mit dem Mitleid und der
Fürsorge, die über ihm ergossen wurde.
Doch wie sollte Duo dem kleinen Jungen nachtragend sein? Er hatte ihn in der
kurzen Zeit viel zu lieb gewonnen, sich viel zu sehr von ihm einwickeln lassen.
Und er wußte ja auch, dass es gewiß nicht Heeros eigener Wille war, der ihn so
handeln ließ.
Schließlich ließ das Kopfweh wieder nach. Heero befreite sich aus Duos Armen.
Er durfte es nicht zulassen, dass er sich so schwächen ließ. Obgleich er sich
erniedrigt fühlte, Duo gezeigt zu haben, dass ihm etwas weh tat, versuchte er
seine Haltung zu wahren. Er trat einen Schritt nach vorne, nahm sich eine neue
Waffe und ballerte wieder drauf los.
Duo beobachtete das Ganze mit einem Seufzen. Er wußte, dass er noch hart zu
kämpfen hatte, wenn er Heero helfen wollte, doch er wollte es unbedingt
schaffen.
Im Laufe des Tages jedoch gewann Duo den Eindruck, dass er mit seiner Aktion
eher das Gegenteil von dem erreicht hatte, was er wollte. Heero war
verschlossener denn je. Er sprach nicht ein Wort mehr mit Duo, befolgte nur die
Befehle, die ihm gegeben wurden. Das war genau das, was Duo hatte verhindern
wollen.
Er wollte, dass der Junge wieder ein eigenes Leben führte. Und was, wenn er
dafür alles hinwarf? Die Ausbildung? //Himmel, er ist noch klein! Er hat ein
Recht darauf sein Leben zu genießen!// Dachte Duo wütend bei sich. Warum musste
es diesen verdammten Krieg auch geben? Warum konnten die Menschen nicht einfach
friedlich sein?! Während er darüber nachdachte, wurde seine eigene Laune immer
weiter nach unten gezogen. Durch das harte Training, das noch folgte, wurde
sich auch nicht sehr gebessert.
Als die zwei Jungs am Abend wieder zusammen in ihrem Zimmer saßen, stand Duo
auf. Er brauchte jetzt ein Bad. Ein schönes, langes Bad, bei dem er abschalten
konnte. Er verließ wortlos den Raum und ging ins Nebenzimmer. Heero dachte über
Duos Verhalten nach. Er kannte ihn erst seit knapp drei Tagen, aber er hatte
schnell erkannt, dass diese Laune für den sonst so aufgeweckten Amerikaner
nicht üblich war. Aus einem, für ihn unersichtlichen Grund, fühlte er sich
schuldig daran. Warum? Er hatte sonst nie so etwas wie Schuldgefühle besessen.
Er stand auf und ging zum Kühlschrank. Als Duo wieder aus dem Badezimmer kam,
drang ein wohltuender Geruch an seine Nase. Er schnupperte etwas herum und lief
zur der kleinen Küchennische.
Dort wartete die Theke, die hübsch mit Tellern und kleinen Schüsseln
angerichtet war, auf ihn. Vor seiner Nase stieg der Geruch eines saftigen
Steaks in die Luft und Duo verzog genießerisch das Gesicht.
Er suchte nach Heero, doch der war nicht mehr da. Es wunderte ihn etwas, doch
es war gut so, wie es war. Heero zeigte langsam, dass er Duo mochte. Doch all
diese Gedanken verschwanden, als Duo sich ausgehungert über das Essen
hermachte. Es schmeckte wirklich gut. Heero schien wirklich in fast allem
perfekt zu sein. Doch wo war er nur? Der Gedanke überkam Duo recht rasch
wieder, als es langsam soweit war, sich an den Abwasch zu machen.
Es war schon nett, einen Zimmergenossen zu haben - auch wenn er noch immer
nicht verstand, warum nur sie beide zum Training hierher geschickt worden
waren. Er verstand, dass sie ausgebildet werden sollten, er wußte auch, was ihn
erwartete, aber er konnte und wollte es einfach nicht glauben, dass auch Heero
zu einem Piloten ausgebildet werden sollte. Sicher! Nach dem er ihn im Training
erlebt hatte, gab es für ihn keinen Zweifel mehr, dass er seine Sache gut
machen würde, doch wieso dieses junge Ding? Die Frage ließ Duo einfach nicht
mehr los.
Er räumte den Tisch ab und alles ins Waschbecken. Dort ließ er es einfach
stehen. Wenn Heero die Unordnung störte, würde er aufräumen - das hatte Duo
schon bemerkt. Und er selbst? Duo sah keine Veranlassung dafür, dass der große
Shinigami abwaschen sollte.
Nachdem Duo eine Weile ferngesehen hatte, entschied er sich, Heero suchen zu
gehen. Es war schon spät und er wollte langsam ins Bett. Allerdings wollte er
sich nicht zu Ruhe begeben, bevor er sich nicht davon überzeugt hatte, dass es
Heero gut ging.
Dou schnappte sich seinen schwarzen Mantel und zog ihn an. Es war zu dieser
Zeit bereits immer sehr kalt. Der Herbst hatte längst begonnen, bis zum Winter
war es nicht mehr weit.
Als er das Haus verließ, wehte ihm ein kräftiger Wind entgegen. Die Wipfel der
Bäume wurden wild umhergeweht. Es knackte zwischen den alten, knorrigen Ästen.
Es war stockfinster. Duo mußte seine Taschenlampe anschalten. Das würde morgen
sicher wieder ein schöner Tag werden! Sicher durften sie die Äste wegschleppen,
die diese Nacht noch auf den Boden krachen würden.
Der Wind peitschte Duo scharf ins Gesicht und er richtete seinen Kragen höher.
Es dauerte lange, bis er Heero gefunden hatte. Er war zum Waldrand gelaufen,
der ganz in der Nähe war. Dort hatte man einen wunderbaren Ausblick über das
ganze Gelände, da der Forst sich auf einer kleinen Berghöhe befand.
Bis Duo Heero überhaupt bemerkte, dauerte es schon recht lange, da sein grünes
Muscle-Shirt sich kaum von dem Gras abhob und die Sicht durch die Dunkelheit
der Nacht eh schon schlecht genug war. Heero saß mitten im Gras, hatte sich an
einem Baum gelehnt und die Augen starr in die Ferne gerichtet. Er schien
nachzudenken. Duo war sich sicher, dass er es bemerkte, als er sich neben ihn
setzte, auch wenn er keine Miene verzog, ihn nicht einmal beachtete.
Schon mit einem Blick, den er über Heero streifen ließ, wurde Duo eisig kalt.
Sein kleiner Schützling, was Duos Meinung nach genau die passende Bezeichnung
war, trug immer noch lediglich die dünnen, schwarzen Spandex und dieses luftige
Shirt.
Eine Weile saßen sie einfach wortlos da. Selbst Duo bekam kein Wort heraus.
Irgendetwas war so anders... Ein Gefühl, dass Duo nie zuvor so intensiv gespürt
hatte, lähmte ihn schier. Es fühlte sich flau an, in seiner Magengegend
und er glaubte bei jedem Atemzug zerspringen zu müssen, doch er wußte nicht,
weshalb.
Ruhig saß er da, ließ seine Blicke im schwachen Schein der Taschenlampe über
Heeros glatte Haut gleiten. Er sah die kleinen aufgerichteten Häarchen, die versuchten
Heeros Körper vor der Kälte zu schützen. Langsam streckte Duo die Hand aus.
Heero starrte noch immer regungslos geradeaus. Erst, als Duo sanft zwei Finger
seinen Arm hinaufgleiten ließ, zuckte er zusammen. Er hielt die Luft an.
Was war das? Er fühlte sich, als müßte er schreien. Nicht vor Schmerz, oder
Angst. Diese zarte Bewegung war wie eine süße Qual, die ihn nach mehr davon
riefen ließ. Plötzlich fühlte er sich so schwach. Warum nur? Er mußte sich Mühe
geben, seine Beine, die auf einmal ganz weich wurden, unter Kontrolle zu
halten. Was für ein Glück, dass er nicht stand.
Duo spürte Heeros kalte Haut unter seinen Fingern. Er selbst zuckte nicht, als
Heero kurz in sich zusammengefahren war. Warum hatte er das getan? Er hatte ihn
doch bemerkt gehabt? Hatte er sich erschrocken, über diese unbekannte
Sanftheit?
"Laß uns gehen!", flüsterte er. Heero sah nicht auf. "Ich komme
nach!", sagte er leise. Das rechte Bein hatte er noch immer angezogen, den
Oberkörper leicht nach vorne geneigt, nur mit dem Rücken an den alten,
knorrigen Baum gestützt. Duo stand auf. "Du solltest dir etwas anziehen.
Du bist ganz kalt!" Er legte ihm seinen Mantel über die Schultern.
Heeros Blick war in die Ferne gerichtet. Duo warf ihm noch einen ruhigen Blick
zu, wollte nicht gehen. Doch er wußte, dass es Zeit brauchte. Heero konnte
nicht von heute auf morgen seine ganze Erziehung vergessen.
Es machte Duo nichts aus, dass der Wind ihn nun auf seinem Nachhauseweg scharf
schnitt. Es war ihm zu wichtig, Heero vor der Kälte geschützt zu wissen.
Der Junge saß da. Unsicher hatte er die Arme um sich gelegt, wie zum
Selbstschutz. Fest hielt er den Mantel um sich geschlungen, atmete tief ein,
als er Duos Geruch, der daran haftete, erkannte. Es roch wieder nach Vanille
und Honig. Doch auch etwas, dass er bisher noch nicht gerochen hatte, fiel ihm
auf.
An dem Mantel haftete ein leicht herber Geruch. Parfum. Ganz eindeutiger ein
Männerduft. Ein plötzliches Stechen zog durch Heeros Körper, als er daran
dachte, dass es möglicher Weise nicht von Duo selbst war. Mehr noch: Ihm wurde
schwindelig. Heiß und kalt lief es ihm den Rücken herunter bei dem Gedanken. Er
stellte sich vor, wie Duo jemand andern berührte, als ihn und er erschrak, als
er feststellte, wie sauer und zugleich ängstlich ihn diese Vorstellung machte.
Er stand auf und rannte so schnell er konnte wieder heim. Heim? Nach Hause?
Heero blieb stehen. Er besaß so etwas doch gar nicht! Wie konnte er es wagen zu
glauben, er würde irgendwo zu Hause sein. Zu Hause war bei dem Menschen, den
man liebte! Soviel hatte Heero sich erlesen. Doch wie merkte man, dass man
jemanden liebte?
Das Zimmer war dunkel. Heero sah die Wölbung unter der Bettdecke. Duo schlief
schon? Leise schlich er ins Bad, wusch sich. Er vollführte nur eine kleine
Katzenwäsche, um Duo nicht durch das Klappern von Schranktüren und Sonstigem zu
stören. Als Heero bemerkte, dass sein Schlafanzug noch gar nicht gewaschen war,
fluchte er leise. Er behielt seine kurzen Boxershorts an und tastete sich im
Dunklen durch das Zimmer bis zum Bett.
Duo war nicht an die Wand aufgerückt, sondern lag, wie immer, auf der äußeren
Bettseite. Vorsichtig machte Heero sich daran über ihn zu klettern. Als er sich
neben ihn legte, blinzelten ihn zwei müde Augen an.
"Noch wach?", fragte Heero, erschrocken über die Sanftheit in seiner
Stimme. Schnell drehte er sich um, sich dafür schämend. Duo sagte nichts. Er
legte seinen Arm um Heero. Der hielt die Luft an, als er Duos warme Hand auf
seinem nackten Bauch spürte. Dann hörte er, wie Duo gleichmäßig begann zu
atmen. Er war eingeschlafen. Heero entschloß sich wieder zu atmen.
Das Training war hart gewesen. Sie hatten beide wenig geschlafen. Ihre Augen
waren immer wieder zugefallen.
Heero suchte Ruhe. Er brauchte sie, für sein Vorhaben. Er wollte nicht, dass
Duo merkte, was er tat. Er ging mit seinem Rucksack ins Bad, gab vor auch
einmal baden zu wollen. Sorgsam verschloß er die Tür hinter sich.
Alles sollte stimmen! Heero drehte das Wasser an uns ließ es in die Wanne
laufen. Dann setzte er sich mitten auf den Boden und kramte seinen Laptop aus
dem Rucksack hervor. Er schaltete ihn ein und suchte, passierte Internetseiten,
von denen er noch vor weniger Zeit nicht einmal wußte, dass es sie gab. Aber er
wollte es endlich wissen! Er wollte wissen, was Liebe war.
Er fand massig Seiten. Einige von ihnen schreckten ihn zurück, enthielten nicht
das, was er suchte. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen, wann immer er auf
eine Seite gelangte, auf denen er Bilder von nackten Frauen zu Gesicht bekam.
Das wollte er nicht! Er wollte es gar nicht erst sehen!
Schließlich fand er, was er suchte. Liebeslexikon nannte sich die Datei. Er las
sie aufmerksam durch. 'Weißt du, was Liebe ist?' stand da. Aufmerksam ließ
Heero seine Blicke über die Zeilen wanderen. Er studierte sie, wie einen
wichtigen Sachbericht.
'Lieben bedeutet, dem anderen nahe sein zu wollen, seine Gefühle teilen. Wenn
du dir wünscht er würde nie aufhören zu reden... Wenn du dich nicht an ihm
sattsehen kannst... Wenn Du nur noch an ihn denken kannst... Wenn du dieses
Prickeln im Bauch hast... Wenn du seine Fehler übersiehst... Wenn du glaubst,
dahinfließen zu müssen, wenn er dich versehentlich berüht...'
Die Textdatei ging noch sehr viel weiter. Erst als er am Ende angekommen war,
bemerkte Heero, dass er auf eine Seite für Girls gestoßen war. Aber war das
nicht egal? So viel anders konnten Mädchen doch auch nicht fühlen, oder?!
Heero las sich die Stichpunkte noch weitere dreimale durch. Der Abschlußsatz
klang immer wieder in seinem Kopf nach. 'Wenn du diese Dinge nur mit Ja
beantworten kannst, dann bist du wirklich verliebt...'
Heero fühlte, wie seine Hände zu zittern begannen. Es war so schlimm, dass er
glaubte umfallen zu müssen. Er rang nach Luft, doch ihm war nicht schlecht.
Viel eher war das Gefühl in ihm noch bestärkt worden. Es fühlte sich so
unglaublich gut an!
Der Laptop wurde heruntergefahren und wieder verstaut. Dann lehnte sich Heero
an die Badewanne. Er fühlte sich so kraftlos. Was war das nur?! Er hatte
erkannt, dass die meisten Stichpunkte, die er gelesen hatte auf seine Gefühle
zutrafen. Gefühle, von denen er glaubte, dass er sie nicht einmal besaß.
Er schloß die Augen. Er dachte an Duo, an sein wunderhübsches Gesicht, die
langen Haare, den angenehmen Geruch. Dann erinnerte er sich an die Umarmungen,
die sanften Berührungen. Er stellte sich vor Duo würde ihn wieder berühren.
Je weiter er in seine Vorstellungen drang, desto stärker wurde dieses
wundersamme Prickeln in ihm. Es war, als könnte er die erdachten Berührungen
förmlich spüren.
Nach einer Weile öffnete er ruckartig und überrascht die Augen. Er spürte, wie
sich etwas zwischen seinen Beinen bewegte. Unsicher sah er an sich herunter,
sah die kleine Beule in seiner Hose.
Was war das? Was war mit ihm geschehen? Heero war verunsichert. Wie war das
möglich? Niemand hatte ihm je gesagt, dass so etwas passieren konnte. War er
krank? Leichte Panik überfiel ihn. Er wollte nachsehen, was mit ihm passiert
war. Er hob seine Spandex an und versuchte einen Blick zu erhaschen, doch es
gelang ihm nicht. Zu ungünstig war der Blickwinkel, zu ungünstig die
Beleuchtung.
Zögerlich streckte er seine Hand aus, berührte sein Glied. Etwas trieb ihn
dazu, zu stöhnen. Er wußte nicht, was es war. Wieso fühlte es sich auf einmal
so fest an? Heero war wirklich beunruhigt. Was sollte er jetzt machen? Er wußte
sich nicht zu helfen. Was war das nur? Was passierte mit ihm.
Von Panik erschüttert wandte er den Blick nach allen Seiten, überlegte
angestrengt, wie er sich helfen konnte. Sollte er einen Arzt konsultieren?
Heero schüttelte den Kopf. Nein, das mußte sicher nicht sein! Aber was, wenn es
doch etwas Ernstes war?! Wie sollte er das wissen?
Er überlegte. Sollte er Duo fragen? Heero schämte sich bei dem Gedanken daran.
Außerdem würde er auch ein ganzes Stück seiner schützenden Mauer verlieren,
wenn er plötzlich einfach so zu Duo watschelte und ihn um Hilfe bat.
Andererseits... Er sah wieder auf die Beule, berührte sein Glied erneut -
zaghaft, vorsichtig. Das Ergebnis war, dass die Beule noch mehr anschwellte.
Nun doch von der Angst übertrumpft, sprang er auf. Er schloß hektisch die Tür
auf und lief aufgeregt zu Duo, der gerade in der Küche herumhantierte.
"Duo...", wisperte er leise. Seine Stimme klang zaghaft. Sie
zitterte. Duo drehte sich überrascht um. "Was ist denn?", fragte er.
Er sah ihn Heeros gerötetes Gesicht. Seine Augen waren plötzlich so offen,
spiegelten Angst wieder.
Dou erschrak. Er lief sofort zu Heero. "Was ist denn?", fragte er und
umarmte ihn. Heero lugte auf die Wölbung seiner Hose hinunter. Duos Blicke
folgten seinen.
Einen Moment sagten beide gar nichts. Heero empfand das als äußerst
beunruhigend. Dann lachte Duo los. Es war ein lautes, herzhaftes Lachen. Heero
fühlte sich verletzt, nicht ernst genommen. Er begriff plötzlich, dass er etwas
völlig falsch verstanden haben mußte.
Verwirrt und mit roten Gesicht riss er sich los. Er rannte ins Bad und knallte
die Tür hinter sich zu. Er fühlte warmen Tränen über sein Gesicht rennen. Es
war ihm so peinlich! Er hatte Angst gehabt und Duo hatte gelacht! Wieso tat es
so weh? Sein kleines Herzchen krampfte sich schmerzlich zusammen. Es stimmte
also... Heero durfte niemandem vertrauen! Er wollte es so gerne und doch... Er
wurde enttäuscht. Warum nur?
Dann hörte er ein Klopfen an die Tür hinter sich. Ein Zucken durchfuhr seinen
kleinen Körper. Er war gerade dabei sich hastig die Tränen wegwischen zu
wollen, als Duo bereits die Tür öffnete. Heero wurde einfach zur Seite
geschoben und plötzlich stand Duo vor ihm. Er sah auf einmal wieder ganz ernst
aus.
"Heero...", wisperte er leise. Der kleine Junge war verunsichert. Er
wußte nicht, wo er hinsehen sollte, bis Duo ihn an sich zog. Er fühlte wieder
die Wärme, die von Duo ausging und füllte sich hin- und hergerissen. Wie sollte
so etwas böse sein? Es fühlte sich doch so gut an!
Duo streichelte Heero zärtlich. Es tat ihm furchtbar leid, dass er gelacht
hatte. Das hätte er nicht tun dürfen! Ihm war sehr wohl bewußt, dass er Heero
damit weh getan hatte und das wollte er doch nicht. Vorsichtig trocknete er die
Tränen des Kleineren.
Heero tat nichts. Er ließ sich einfach nur halten. Es war schön! Er war traurig
und jemand versuchte ihn zu trösten. Das erste Mal in seinem Leben fühlte Heero
sich nicht schuldig seine Mauer einen Moment lang abzulegen.
"Komm', ich erklär's dir!", sagte Duo dann plötzlich. Er schob Heero
vor sich her, zum Bett. Seine Stimme und seine Berührung war leicht. Er übte
nur einen sanften Druck auf den Kleineren aus, um ihn vorwärts zu schieben.
Heero ließ sich aufs Bett drücken und Duo setzte sich neben ihn.
"Weißt du..." Duo suchte nach Worten. "Ich weiß nicht recht, wie
ich sagen soll..." "Hn." Das half Heero auch nicht weiter. Im
Gegenteil! Duo verwirrte ihn nur noch mehr.
Duo fühlte sich angezogen von Heeros weit geöffneten Augen. Er spürte, wie sie
ihn hoffnungsvoll anstarrten. //Oh weh!// Dachte Duo bei sich. Er versuchte
sich zusammen zu reißen. "Na weiß du... Ab einem gewissen Alter... Nein,
anders... Der Mensch wächst doch, nicht wahr?!" Heero nickte. Natürlich
tat er das! Hielt Duo ihn für blöd?
"Also, ist dir aufgefallen, dass dein Körper sich verändert?", fragte
Duo hoffnungsvoll somit einen günstigen Anfangspunkt zu finden. Heeros Blick
ruhte nur fragend auf ihm. Was meinte Duo damit? "Na, du bekommst doch
breitere Schultern..." Wieder ein Nicken. "Das, was du da vorhin
beobachtet hast, ist eine Auswirkung davon!"
Duo wandt sich hin und her. Er kam sich irgendwie albern vor, aber er hatte
beim besten Willen keine Ahnung, wie er das, was er sagen wollte, einem kleinen
Jungen beibringen sollte.
"Duuuuo!" Heero sah den Größeren gequält an. Duo seufzte. "Also
na ja, sagen wir's so: Dein Körper befindet sich im Wachstum. Und na ja, Du
machst gewisse körperliche und geistige Veränderungen durch. So was nennt man
Pupertät!" Aha! Nun schien Duo den Faden gefunden zu haben. Heero hörte
ihm aufmerksam zu und Duo erzählte weiter: "Weißt du... Du wirst älter,
fängst langsam an dich für Mädchen zu interessieren..."
Heero zog eine Augenbraue nach oben. Was sollte das? Seit wann sollte er sich
für Mädchen interessieren?! Er schüttelte angeekelt den Kopf. Duo grinste.
"Na ja, früher oder später geht dir das vielleicht mal so. Es muß ja nicht
sofort sein." Heero verstand. Es schien also etwas zu sein, was die
Menschen dazu trieb. Irgend etwas in ihnen. Ein Gefühl oder so etwas in der
Art.
Duo plapperte weiter: "Wenn du dich dann für ein Mädchen interessierst,
dann kann es sein, dass du dich in sie verliebst. Du bekommst Schmetterlinge im
Bauch, möchtest bei Ihr sein, sie berühren..." Heero lauschte. Als er Duos
Worte hörte, zuckte er innerlich. Da war es schon wieder! Schon wieder diese
Gründe, die er so oft gelesen hatte. Schon wieder alles, was auf ihn zutraf!
War er wirklich verliebt? Aber Duo sprach doch von Mädchen?!
"Was ist mit Mädchen? Verlieben die sich auch irgendwann in
Mädchen?", fragte er unsicher. Duo lachte leise auf, als er Heeros
unschuldiges Gesicht sah. Ja, es schien wirklich unschuldig zu sein! "Ja,
manchmal verlieben sich Mädchen auch in Mädchen. Das sind dann Lesben.",
erklärte er. Wieder traf ihn ein fragender Blick.
"Weißt du Hee-chan.... Wenn du dich danach sehnst, jemanden zu berühren,
dann gehen die Gedanken manchmal viel weiter... Du möchtest vielleicht
irgendwann ein Mädchen berühren, es streicheln, umarmen, küssen..." Heero
verzog angewidert das Gesicht. Er konnte sich nicht vorstellen, dass er das
wirklich wollte. Duo beobachtete es mit einem Grinsen.
Also doch! Heero konnte auch kindlich sein! Er konnte es doch zeigen! Duo
freute sich ungemein darüber, doch er fuhr fort.
Insgeheim ärgerte es ihn, dass er von Mädchen sprach. Er wollte nicht, dass
Heero mit irgend einem Mädchen zusammen war! Er wollte nicht, dass sein
Hee-chan überhaupt mit irgendwem zusammen war! Er wollte ihn für sich!
Duo erschrak, als er sich bei dem Gedanken ertappe. Was dachte er sich da?!
Heero war ein Kind! Er war ein ganz normaler Junge! Er hatte nicht das Recht,
Heero vorzuschreiben, dass er Jungs mögen sollte, dass er IHN mögen sollte!
Doch als er Heeros wartenden Blick sah, fuhr er fort mit seinen Erklärungen:
"Also, was ich sagen will... Jungen und Mädchen sind unterschiedlich.
Mädchen sind oft feinfühliger. Sie sind verletzlicher. Und wir haben etwas,
dass sie nicht haben..." Duo grinste verschwörerisch. "Was?",
fragte Heero. Er war neugierig geworden.
Duo tippte mit seinem Finger ganz leicht zwischen Heeros Beine und der Kleine
errötete. "Duo...", wisperte er tonlos.
"Also die Mädchen..." Heero unterbrach ihn. Er wollte nichts über Mädchen
wissen! Er wollte wissen, was mit ihm passiert war! Es interessierten ihn die
kleinen aufgeblasenen Tussis? Er mochte diese ganzen Mädchen nicht, die sich
immer nur um ihr Aussehen kümmerten und immer bei allem beleidigt waren.
"Duo, keine Mädchen mehr, ja?!" Er sah den Amerikaner flehend an und
dieser nickte. "Okay..." Innerlich lachte Duo auf. Ein Schmunzeln
konnte er sich nicht verkneifen. Heero war so süß, wenn er sich so aufführte!
"Dann erzähl' ich dir etwas über dich...", sagte er.
Doch zuvor machte Duo es sich etwas bequemer. Er legte sich hin, den Kopf aufs
Kissen gelegt und zog Heero an sich. Nun lag der Kleine mit dem Rücken gegen
Duos Bauch gelehnt und hörte ihm zu, während Duo ihn festhielt.
"Die Veränderungen, die du mitmachst, die äußern sich auf verschiedene
Arten, verstehst du?! So was, wie dir vorhin passiert ist, das ist normal. Da
mußt du dir keine Gedanken drum machen. Du kommst jetzt langsam in ein Alter,
in dem du dich nach etwas sehnst... Nach Berührungen und Zärtlichkeit... Es
gibt empfindsame Stellen an deinem Körper, die es mögen, berührt zu werden. Das
ist nichts Schlimmes oder Verwerfliches! Im Gegenteil! Es macht Spaß!"
Heero hatte die Augen geschlossen. Er konnte sich sehr gut vorstellen, dass Duo
Recht hatte. Als er noch im Bad gesessen und sich vorgestellt hatte, dass Duo
ihn berührte, war es wunderschön gewesen. Als Heero daran dachte, spürte er,
wie sich zwischen seinen Beinen erneut etwas regte. Er hielt die Luft an. Auch
Duo bemerkte es.
Er lächelte und ließ seine Hand über Heeros Brust gleiten. Der Kleine zog die
Luft ein. Ein Prickeln durchfuhr ihn, als Duo seine Hand unter das dünne
Muscle-Shirt schob und über seine Brustwarze strich. "Hn!" Heero
mußte ein Stöhnen unterdrücken und Duo lächelte. Er nahm Heeros Hand und legte
sie auf dessen Brust. Dann brachte er sie dazu über Heeros Körper gleiten zu
lassen, die Stelle zwischen seinen Beinen zu striefen.
"Hnn~nnn!" Heero hielt inne. Was war das nur? Es fühlte sich
unglaublich gut an. Plötzlich ließ Duo seine Hand los. Heero war irritiert, als
er sich unter ihm weg zog und aufstand. "Ich geh' Bummeln, probier's aus,
danach reden wir weiter!", flüsterte Duo ihm zu und seine Stimme klang
verlockend. Heero sah ihm zu, wie er sich den Mantel anzog und sich seinen
Rucksack schnappte. Dann schloss Duo leise die Tür und war weg.
Heero sah ihm einige Minuten lang nach. Sollte er wirklich? Er überlegte. Es
hatte sich sehr schön angefühlt und Duo hatte gesagt, es sei nichts Schlimmes!
Nein, er hatte ihn sogar dazu aufgefordert...
Vorsichtig und etwas unsicher ließ Heero seine Hand zu der Stelle gleiten, an
der Duo ihn zuerst berührt hatte. Seine Hand schob sich unter das dünne
Muscle-Shirt und fuhr über seine glatte Haut. Er entdeckte die kleinen Nippel
auf seine Brust und berührte einen davon leicht. Er schloß seine Augen und
begann sanft, ihn zwischen Daumen und Mittelfinger zu drehen.
"Mmmh..." Heero öffnete erstaunt die Augen. Das war wirklich gut!
Neugier überkam ihn. Er fragte sich, ob es sich auf der anderen Seite genauso
anfühlte und so probierte er es auch dort. Mit Erfolg!
Heero spürte das Verlangen, sich weiter zu berühren. Er zog sich das Shirt aus
und betrachtete sich seinen Körper. Bauch und Brust waren flach. Seine Muskeln
waren deutlicher zu sehen, als bei anderen Jungen aus seinem Alter. Kein Wunder
- er trainierte ja auch hart genug.
Die zarten Knospen hatten sich etwas aufgerichtet. Heero berührte sie wieder,
legte seine Hände auf seine Brust, ließ die Fingerspitzen sacht kreisen. Heero
sah an sich hinab. Plötzlich störte ihn die Wölbung seiner Hose nicht mehr, im
Gegenteil: Er war neugierig geworden.
Er ließ seine Hände an seinen Hüften hinabgleiten und streifte sich die Spandex
ab. Dann ließ er seine Hand über seinen Bauch fahren, ließ sie kreisen und
hinabgleiten. Er strich vorsichtig über den gespannten Stoff seiner Shorts und
fühlte sein Glied immer fester werden. Aber plötzlich war es nicht mehr
beängstigend. Es fühlte sich auf eine gewisse Weise richtig an.
Mit schnellen Bewegungen hatte er sich die Shorts abgestrampelt. Er ließ seine
nackten Fußspitzen über das jeweils andere Bein gleiten. Dann hielt er kurz
inne. Er betrachtete sich.
Während er noch bei Dr. J gewesen war, hatte er andere Jungen gesehen, die in
seinem Alter noch nicht so weit entwickelt waren. Bei der Erinnerung daran
erfüllte ihn ein seltsamer Stolz.
Er drehte und wandte sich etwas, genoß den Anblick, fühlte sich schön. Im
Bewußtsein dessen machte es ihm gleich doppelt soviel Spaß, sich sanft zu
berühren, sich zu streicheln.
Schließlich sah er, dass sein Glied sich ganz aufgerichtet hatte. Er tippte mit
der Fingerkuppe auf die Spitze und stöhnte auf. So etwas Gutes hatte er bisher
noch nie erlebt. Er begann mutiger zu werden und ließ seine Finger über den
Schaft gleiten, lehnte sich dabei zurück.
Nach einer Weile vergaß er alles um sich herum und versank in seinen
Berührungen. Seine Gedanken waren bei Duo. Er stellte sich vor, er würde ihn
berühren, würde die Lust in ihm so sehr wecken, wie seine Hände es taten.
Heero war froh, dass Duo ihm den Tipp gegeben hatte, es einfach mal
auszuprobieren. Schließlich umschloss er sein Glied mit der Hand. Er bewegte
die Hüften leicht auf und ab, stöhnte, als es sich anfühlte, als würde er
explodieren.
Er schaffte es eine Weile sich kurz vor dem Höhepunkt zu halten, doch
schließlich wollte er mehr von diesem Gefühl. Er stieß kräftiger in seine
Handflächen und kam schließlich mit einem unterdrückten Aufschrei.
Er fühlte seine Lust langsam wieder abnehmen, doch das entspannte, gelöste und
zufriedene Gefühl in ihm blieb. Ganz ruhig lag er auf dem Bett, ließ sich
selbst genug Zeit um wieder zu Atem zu kommen. Schließlich besah er sich seine
Hand. Sie war feucht und sein Saft klebte an ihr.
Ein glückliches Lächeln spielte um Heeros Mundwinkel. Noch eine kurze Weile
verharrte er, streichelte seinen kleinen Körper, dann stand er auf und ging ins
Bad. Er duschte sich ab und zog sich eine neue Shorts an. Anschließend ging er
zu Bett. Zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich wirklich wohl. Entspannt
kuschelte er sich in die Decke und schlief kurz darauf ein.
Auch als Duo kam öffnete er die Augen nicht. Er war inzwischen längst wieder
aufgewacht, aber er wusste nicht recht, was er sagen sollte. Seiner Meinung
nach war er Duo etwas schuldig, aber er wusste nicht was.
Duo setzte sich zu Heero aufs Bett. "Schläfst du?", fragte er leise.
Heero schüttelte den Kopf. Er schlug die Augen auf und drehte sich zu Duo. Eine
Weile sah er ihn schweigend an, dann schenkte er ihm ein Lächeln. Langsam
konnte er seine Gefühle für Duo nicht mehr zurückhalten und je näher er den
liebenswürdigen Amerikaner kennen lernte, desto größer wurde sein Vertrauen zu
ihm. Er verlor langsam die Angst, sich zu öffnen, auch wenn sie immer noch da
war.
"Danke!", wisperte er dann ganz leise, kaum hörbar. Er hatte einfach
das Gefühl er müsse sich bei Duo bedanken. "Hast du es probiert?",
fragte der Größere ruhig. Heero war sich nicht sicher, ob er diese Frage
wirklich beantworten sollte, doch schließlich nickte er. "War es
schön?" Heero nickte und Duo lächelte zufrieden. "Gut!"
Wieder eine Weile Schweigen. Duo dachte über Heero nach. Er fragte sich, wie
der Kleine sich wohl angestellt hatte und lächelte bei der Vorstellung.
"Wir haben morgen erst später Training. Sehen wir noch etwas fern?",
fragte er schließlich. "Hn." Heero zuckte mit den Schultern.
"Willst du nicht?", fragte Duo wieder. Erneutes Schulterzucken.
"Weiß nicht!" "Warum nicht?", Duo ließ keine Ruhe.
"Ich weiß nicht, ob es interessant ist." Nun verstand Duo gar nichts
mehr. "Wieso nicht?" Heero starrte geradeaus. "Weil ich es noch
nie getan habe!" "Waaaas?!" Duo glaubte sich verhört zu haben,
doch dann fielen ihm die Berichte aus Heeros Akte wieder ein.
Seufzend stand er auf. Er ging in die Küchennische und klapperte etwas herum.
Nach einer Weile kam er mit Schüsseln und Dosen zurück. Heero sah ihn fragend
an. "Was ist das?", wollte er wissen und erhob sich etwas, um in die
Schüsseln zu spähen. "Chips und Coke und Popcorn! Ich zeig dir jetzt, wie
man sich einen gemütlichen Fernsehabend macht!"
Duo stieg aufs Bett und ließ sich neben Heero nieder. Er stellte die Schüsseln
und die Dosen auf dem Bett ab und angelte dann nach der Fernbedienung. Dann
schichtete er ein paar Kissen hinter den beiden auf und lehnte sich an. Heero
sah ihn erst abwartend an, dann machte er es ihm nach. Duo drückte ihm eine der
Schüsseln in die Hand und nahm sich selbst eine. Die Coke und den restlichen
Süßkram legte er zwischen die zwei.
"Fertig?", fragte Duo. Heero wußte nicht, wofür er fertig sein
sollte, nickte aber.
Duo schaltete den Fernseher an und sofort erschien das Bild auf dem großen
Flatscreen. Heero war beeindruckt von der Farbenpracht. Duo schaltete zu einem
Actionfilm um und Heero ließ sich davon fesseln. Als er merkte, dass Duo neben
ihm immer wieder in seine Schüssel langte und munter drauflos mampfte, griff
auch er zu.
Er schob sich die Chips in den Mund und ließ sie auf der Zunge zergehen. Es
schmeckte wirklich außerordentlich gut! Irgendwann löschte Duo das Licht, damit
sie mehr Kinoatmosphäre hatten.
Heero machte Duo alles nach, kostete hier und da von den Leckereien und gewann
besonderen Gefallen an den Paprikachips, die zwischen ihnen standen. Er griff
in die Schüsseln, abwechselnd in die zwischen ihnen und in seine eigene. Duo
machte es genauso. Er lachte und hatte seinen Spaß an dem Film. Heero grinste
nur manchmal. Er war viel zu fasziniert, um wirklich jeden Witz mitzubekommen.
Schließlich passierte es: Duo griff zur selben Zeit wie Heero in die Schüssel
zwischen ihnen. Ihre Hände berührten sich zufällig. Erschrocken wollte Heero
seine Hand wegziehen. Ein Kribbeln war durch seinen ganzen Körper geschossen.
Duo jedoch ließ es gar nicht soweit kommen, dass Heero seine Hand zurückzog. Er
hielt sie fest und drückte sie leicht. Dann nahm er mit der anderen Hand einen
Chip aus der Schüssel und drehte sich zu Heero. Er beugte sich etwas vor uns
hielt dem kleinen Jungen den Chip vor den Mund.
Heero glaubte sein Herzchen würde zerspringen, solche Hüpfer machte es. Er war
leicht rot um die Nasenspitze und er war froh, dass man es nur leicht im Schein
des Fernseherlichtes sah. Noch etwas scheu reckte er sich ein kleines Stückchen
nach vorne und biss eine Hälfte von dem Chip an. Duo lächelte. Er ließ die
andere Hälfte in seinen Mund gleiten, während er die Hand von Heero, der ihn
mit seinen großen, süßen Augen ansah, noch immer nicht losließ.
"Duo...", wisperte er leise. Der Amerikaner jedoch reagierte nicht.
Irgendwie war Heero froh darüber. Es war viel schöner so! Er war glücklich,
dass Duo seine Hand hielt, und dass keiner der beiden etwas sagte, schien der
Situation einen ruhigen, andächtigen Schein zu geben.
Plötzlich spürte Heero, dass er mehr wollte. Er wollte nicht nur, dass Duo
seine Hand hielt, er wollte, dass er ihn umarmte, wie so oft, als er noch so
sehr mit sich selbst hatte ringen müssen, um es zuzulassen.
Nun war es soweit, dass er selbst bereit war, seine Mauer etwas fallenzulassen.
Er bahnte sich seinen Weg durch die Schüsseln und krabbelte zu Duo. Der
beobachtete ihn wortlos und hielt die Arme auf, als Heero dicht neben ihm saß.
Heero schenkte ihm ein herzzerreißend liebevolles Lächeln. Dann schmiegte er
sich eng an Duo, seine eigenen dünnen Ärmchen um ihn gelegt.
Duos Herz klopfte wild, als Heero sich ihm endlich von sich aus näherte. Wie
sehr hatte er sich das gewünscht?! Er legte behutsam die Hand auf den kleinen,
dunkelbraunen Haarschopf und streichelte Heero liebevoll. Der gab einen
zufriedenen Seufzer von sich und vergrub seinen Kopf in Duos Brust.
Plötzlich spielte der Film keine Rolle mehr. Der außergewöhnliche Geschmack der
Süßigkeiten war Nebensache. In diesem Moment zählten nur noch sie beide. Duo
tastete nach der Fernbedienung und schaltete den Fernseher aus. Dann wischte er
mit einer Handbewegung alles vom Bett, was nicht darauf gehörte und rollte
sich, zusammen mit Heero, in eine vernünftige Schlafposition. Er hielt den
Kleinen fest und deckte ihn zu. Es brauchte keiner Worte mehr, nur ein kleiner
Wunsch: "Gute Nacht, Duo-chan!"
Am nächsten Tag war auf einmal alles so anders. Duo half nicht nur Heero mit
seinen Ratschlägen das Training besser zu absolvieren, auch Heero zeigte ihm
einige Tricks.
Als Duo beim Stangenklettern wieder nicht den richtigen Griff fand, nahm Heero
sich die Zeit es ihm zu zeigen. Er schob Duo an die Stange heran und nahm seine
Hände. Dann legte er sie in der richtigen Position auf die Stange.
"Versuch' es!", forderte er den Größen auf. Duo nickte. Er zog sich
ein Stückchen hoch und plötzlich ging es so leicht.
Mit wenig Anstrengung war er in kürzester Zeit die Stange hinaufgeklettert. Er
ließ sich wieder nach unten gleiten, wo Heero bereits mit einem Lächeln auf ihn
wartete. Als Duo wieder Boden unter den Füßen hatte, ging er zu der zweiten
Stange und fing mit seinen Übungen an. Er wusste, dass Duo es ein zweites Mal
allein schaffen würde und er hatte recht.
Duo kletterte, wie nie zuvor. "BOKU WA SHINIGAMI!!!", rief er
fröhlich, als er wieder am oberen Ende der Stange hing. Heero sah zu ihm
herauf, er war gerade auf halber Höhe. Ein leises Lachen drang aus seiner
Kehle. Es war noch scheu, aber es war ein Lachen. Duo freute sich sehr darüber.
Endlich! Endlich war er auf dem richtigen Weg! Er würde Heero zeigen, was es
hieß zu leben!
Gegen Nachmittag wurden die beiden einem Test unterzogen. Sie sollten in eine
alte Lagerhalle eindringen und von dort einen geheimen Sprengsatztyp stehlen,
den sie zuvor deaktivieren mussten. Es war alles nur ein Fake, aber die Fallen
waren sauber gestellt, jedes kleinste Detail durchgeplant. Sie wussten, dass
ihnen nichts passierte, falls sie versagten, aber beide hatten zu viel Stolz,
zu viel Ehrgeiz, um einen Fehler machen zu wollen.
Heero hatte zunächst Probleme über den Zaun zu kommen. Er hatte trug keine
Handschuhe und seine Hände waren zu rutschig. Er fand einfach keinen Halt an
den hohen Eisenstangen, die noch dazu sehr spröde und uneben waren. Immer
wieder glitt er ab und zerschrammte sich dabei seine Arme und Beine. Duo
wünschte sich der Junge hätte einfach mal keine Spandex angezogen. Er griff
Heero um die Hüften, noch ehe dieser wusste, was mit ihm geschah und hob ihn
hoch, so dass er über den Zaun gelangen konnte.
"Paß' auf die Metallspitzen auf! Die stehen bestimmt unter Strom!",
warnte er ihn. Heero nickte und schwang sich dann mit katzenhafter Eleganz über
den Zaun. Duo folgte ihm. Er war größer und vorteilhafter gekleidet, als Heero.
Es gelang ihm ohne viel Mühe dieses Ziel zu meistern. Auf der anderen Seite
wollte er losstürmen, doch Heero hielt ihn fest.
Er zeigte Duo mit Hilfe einer Spezialbrille ein paar Lichtschranken, die dieser
übersehen hatte. Duo nickte ihm dankbar zu. Sie sprachen nicht ein Wort. Sie
wußten sie mussten lernen, sich ohne Worte zu verständigen. Sie würden es
sicher einmal brauchen.
Als Heero sah, dass Duo im falschen Winkel durch die Schranken klettern wollte,
hielt er ihn auf. Er machte ihm mittels weniger Handzeichen klar, dass er so
die Schranken berühren würde und zeigte ihm, wie man es richtig machte. Er nahm
Duos Hände und legte sie um seine Taille, damit er fühlen konnte, wie er sich
bewegen musste.
Duo gelang es, seine Bewegungen nachzuahmen und schließlich brachen sie auf.
Heero beobachtete Duo unsicher, während er sich selbst seinen Weg bahnte. Als
er sah, dass der Amerikaner aller richtig machte, konzentrierte er sich wieder
auf sich selbst.
Eine Weile später standen sie endlich vor ihrem Ziel. Während Duo versucht
hatte sich etwas vor Verletzungen zu schützen, war Heero ganz strikt vorwärts
gegangen. Ob er irgendwo hängenbleib und sich die Haut aufriß, oder ob er
umknickte und ihm hartes Dornengebüsch im Weg war störte ihn nicht. Duo
bewunderte ihn. Er hatte noch nie jemanden mit so viel Professionalität sein
Ziel verfolgen sehen.
Doch als sie endlich vor dem Sprengkopf standen wurde seine Miene immer
ratloser. Er hatte solch einen Typ wirklich noch nie gesehen und hatte keine
Ahnung, wie sie ihn entschärfen sollten. Sie hatten etwas mehr Zeit als
eingeplant benötigt und hatten nun nur noch 5 Minuten, um die Explosion zu
verhindern.
Duo zermarterte sich den Kopf, aber ihm fiel absolut keine Lösung ein. Er
beobachtete angespannt, wie Heero sich langsam um den Sprengkopf bewegte. Seine
Augen schienen Millimeter für Millimeter einzeln einscannen zu wollen.
Schließlich zog er ein kleines Gerät aus der Tasche. Er tippte darauf herum und
Duo sah ihm gespannt zu. Heero schien seine Analyse genau zu machen. "Ich
hab's!", verkündete er dann. Seine Stimme klang ruhig und gefasst.
Duo sah ihn an, dann nickte er. Er vertraute dem Jungen! "Was müssen wir
tun?", fragte er. Heero zeigte auf ein Kabel. "Du schneidest es
durch, wenn ich 'jetzt' sage!" Duo nickte. Heero beugte sich nach vorne
und begann einen Zahlencode auf der winzigen Tastatur zu tippen.
Duo hielt sich bereit. Schweiß stand ihm auf der Stirn. Er hatte ganz
vergessen, dass es eine Übung war. "Jetzt!", kam plötzlich der Befehl
von Heero und Duo schnitt sofort.
Einen Moment lang hielt er die Luft an, dann sah er gebannt zu Heero. Nichts
passierte. Die beiden warteten 5 Sekunden, 10 Sekunden, 30 Sekunden. Als nach 4
Minuten noch immer nichts geschah atmete Duo auf. Er lief zu Heero und hob ihn
hoch. Doch Heero warf ihm einen tödlichen Blick zu. "Omae o koruso,
Duo!"
Duo sah Heero erschrocken an. Meinte er das ernst? Nach allem? Er war verwirrt,
doch dann hellte sich Heeros Gesicht wieder auf. "Niemals bei der Arbeit,
Duo!", erklärte er dem geschockten Amerikaner. Duo nickte verständnisvoll
und ließ Heero wieder herunter. Der Junge nickte und sie traten den Rückzug an.
Langsam wurde es schwerer. Sie waren erschöpft von dem langen Training. Dennoch
strengten sie sich auch auf dem Rückweg an, denn im Ernstfall mußten sie es
dann ja auch schaffen, zu entkommen.
Endlich wieder außer Reichweite des Einsatzortes ließen die beiden sich ins
Gras fallen. Die Augen geschlossen, lagen sie für einen Moment einfach nur da.
Dann sah Duo zu Heero, dessen kleine Brust sich gleichmäßig hebte und wieder
senkte.
Er war so schön! Es war ungewöhnlich für einen kleinen Jungen, eine so große
Ausstrahlung zu haben. Duo rollte sich etwas näher zu Heero heran, betrachtete
seine Verletzungen. Es waren nur kleine Kratzer, aber sie waren tief.
Schließlich schlug Heero die Augen auf. Beide sahen sich an, lange und
schweigend. Die kobaltfarbenen Augen waren fasziniert vom Indigo, Indgo war
fasziniert von Kobaltblau.
Langsam streckte Heero seine Hand aus, berührte vorsichtig Duos Gesicht, zuckte
etwas zurück und legte erneut die Handfläche sanft auf Duos Wange. Duo
lächelte. Er sagte nichts. Das musste er auch nicht. Seine Augen und sein
Lächeln sagten soviel mehr.
Beide genossen diesen Moment. Dann brach Duo die Andächtigkeit. "Wir
müssen gehen!", mahnte er, doch an seiner Stimme war deutlich zu erkennen,
dass er es selbst nicht wollte. Heero nickte. Er nahm seine Hand wieder zu sich
und stand auf. Duo folgte ihm. Dieser kleine Körper... Duo wünschte sich nichts
sehnlichster, als ihn zu schützen!
"Halt still!" Duo hielt Heeros Arm vorsichtig fest. "Das muß
nicht sein!" Die Augen des Kleinen blinzelten Duo auf eine kindlich scheue
Art süß an. Er setzte sich dennoch auf den Rand der Badewanne und ließ Duo
seine Kratzer säubern.
"Das brennt sicher!", verkündete er. "Hn." Heero hielt
still und ließ Duo einfach machen. Er sagte kein Wort, spürte das Brennen gar
nicht. Ganz sanft waren die Berührungen von Duo. Er war vorsichtig, bearbeitete
Heero langsam mit Pinzette und Wattestäbchen.
Es war so schön! Jemand machte sich Sorgen um sein Wohlergehen... Ja... Duo
kümmerte sich rührend um ihn und Heero war dankbar, unsagbar dankbar. Nie zuvor
hatte ihm jemand soviel Wärme, soviel Geborgenheit gegeben. Für den kleinen
Jungen, der immer allein gewesen war, war es das schönste Geschenk, das er sich
vorstellen konnte!
Er lächelte, als er sich ebenfalls einen Wattebausch nahm, ihn mit Jod betupfte
und sich weiter zu Duo drehte, der neben ihm auf dem Wannenrand saß. Dann
säuberte er vorsichtig die kleine Schramme, die sich über die Wange des
Größeren zog.
Als Heero fertig war und seine Hand wieder wegnehmen wollte, hielt Duo sie
fest. Er zupfte Heero den Wattebausch weg und drückte seine Hand an sein
Gesicht. Zärtlich küsste er das Handgelenk des Jungen, schenkte ihm ein Lächeln
und ließ seine Lippen den Rest seines Armes mit federartigen Küssen bedecken.
Heero hielt ganz still. Er war gefangen von den warmen Blicken des anderen,
fühlte sich merkwürdig angezogen von dessen Lippen.
Ihre Gesichter näherten sich langsam, Millimeter für Millimeter. Dann spürte er
Duos Lippen mit einem leichten Druck auf seine pressen. Ein wohlig warmes
Gefühl durchflutete seinen kleinen Körper und Duo erging es nicht anders. Er
hielt den kleinen Körper und berührte diese weichen Kinderlippen. So sehr hatte
er sich das gewünscht!
Heero schmiegte sich an Duo, begann den Kuss zaghaft zu erwidern. Er spürte
Duos Hand sanft auf seinem Hinterkopf liegen, ihn halten. So erfüllt und so
glücklich zu sein - lange Zeit hatte er nicht gewußt, was das bedeutete, doch
Duo zeigte es ihm. Er zeigte es ihm mit einer Sanftmut und Verständigkeit, wie
er es sich nie zu träumen gewagt hätte. Nach einer Weile ging ihnen die Luft
aus. Duo löste seine Lippen von den kleinen schmalen und legte seine Stirn
leicht gegen die von Heero, kraulte mit der Hand leicht seinen Nacken.
"Weißt du... manchmal verlieben sich Jungs auch in Jungs...",
flüsterte er leise. Seine Stimme klang sanft, einfühlsam.
Liebe? Da war es wieder, dieses Wort, dieses Gefühl... Heero bemerkte, dass er
seine Angst davor allmählich verlor. Es fühlte sich so schön an, zu lieben,
geliebt zu werden! Duo liebte ihn doch oder?!
Er sah ihm in die wunderschönen, indigofarbenden Augen und die Antwort auf
seine Frage in dem herzlichen Blick. Auf eine merkwürdig schöne Art geschwächt
ließ Heero sich in Duos Arme gleiten, die ihn feinfühlg umschlossen.
Nie zuvor hatte Heero die Stille als so angenehm empfunden. Er hatte sich vor
ihr gefürchtet, sie verachtete, doch nun war sie auf einmal so andächtig und
friedvoll... Heero verstand, dass Stille nicht immer etwas Negatives war.
"Duo-chan...", wisperte er stimmlos, ergriffen von der Macht dieser
neuen Gefühle in ihm. Duo lächelte, erhob sich und hob Heero in seine Arme. Er
trug ihn zum Bett und legte ihn hinein. Dann legte er selbst sich neben ihn,
spürte Heeros fragenden Blick, als er die sanften Berührungen von Duos
Fingerspitzen auf seiner Haut fühlte. Sie glitten seinen nackten Oberkörper
entlang, über seine Wirbelsäule und Heero genoss es.
Duos Hände zitterten leicht, als er den kleinen Jungenkörper neben sich liegen sah,
seinen nackten Oberkörper dicht an seinen, ebenfalls entblößten, gelehnt. Ihre
aneinandergedrückte Haut schien von einem seidig weichen Wirbelsturm umspielt
zu werden. Es war wie ein leichtes Feuer, das seine Flammen sacht über ihre
Haut gleiten ließ. Die Gefühle, die die beiden überwältigten, waren
wunderschön, als sie schließlich in ihrer liebevollen Umarmung einschliefen.
Duo erwachte als erster. Seine Blicke glitten auf das kleine, zusammengerollte
Etwas an seiner Brust. Heero lag ganz dicht an ihn gekuschelt, die Beine etwas
angezogen und die Hände unter den Kopf gelegt. Der Anblick des kleinen
Wesens brachte Duo dazu, zu schmunzeln. Er strich Heero einer seiner wirren
Haarsträhnen aus dem Gesicht, berührte dabei mit den Fingerspitzen seine glatte
Haut so seicht, dass es sich anfühlte, als würde ein ruhiger Luftzug über sie
fahren.
Ein leiser, zufriedener Laut kam aus Heeros kleiner Kehle und er kam langsam
wieder zu sich, die weichen Fingerkuppen auf seiner Wange spürend. Er wollte
die Augen noch nicht aufschlagen, war müde, doch der Wunsch danach, Duos
Gesicht zu sehen besiegte ihn schließlich in seinem Kampf gegen die Müdigkeit.
Langsam öffnete er die Lider, rieb sich dann die Augen. Duo lag seitlich,
seinen Kopf auf seiner Hand gestützt. "Wollen wir weiterreden?",
fragte Duo dann. Heero sah ihn verschlafen an. Seine Haare sahen noch
verwuschelter aus, als sonst. Es war wirklich ein Bild für die Götter und Duo
lachte leise. Heero ignorierte es. Er nickte und schmiegte sich ganz dicht an
Duo.
"Erzähl weiter!", forderte er ihn mit weicher Stimme auf. Duo nickte
und begann zu reden, während er den Kleinen festhielt.
"Das, was du gestern mit dir gemacht hast, deinen Körper gestreichelt und
so...", Duo machte bewusst eine kleine Pause, "... das nennt sich
Selbstbefriedigung!" Er grinste etwas. Wieder schlich sich die
Vorstellung, wie Heero sich selbst berührte in seine Gedanken. Er schloss die
Augen, um diesen Gedanken einen Moment lang bewusst zu genießen. "Das kann
man auch zu zweit machen und das nennt sich dann Sex oder Petting."
"Wo ist der Unterschied?" Heero machte ein fragendes Gesicht und Duo
erklärte es ihm.
"Weißt du, auch Mädchen können zusammen Sex haben und Jungs auch mit
anderen Jungs..." Duo machte ein geheimnisvolles Gesicht und Heero sah ihn
erneut fragend an. Schließlich fand er seine Sprache wieder. "Wie soll das
gehen?", wollte er, nun noch neugieriger, wissen.
"Also bei Mädchen...", begann Duo, wurde jedoch von Heero durch ein
heftiges Kopfschütteln unterbrochen. "Bei Jungen..." Duo
wartete Heeros eifriges Nicken ab, das dem kleinen Jungen sofort etwas peinlich
war und seine Nasenspitze rot färbte, was Duo äußerst süß fand, ab. Sein Herz
machte einen Hüpfer, als sich herausstellte, dass Heero an dem Thema so interessiert
war. Vielleicht würde er ja doch...?!
Duo spürte den immer noch fragend schauenden Blick, der direkt auf sein Gesicht
gerichtet war. Er lächelte und fuhr mit ausgestrecktem Mittelfinger sanft über
Heeros Rücken, bis zu seinem kleinen Hintern hinunter. Er ließ den Finger
tiefer gleiten, über den Spalt, der sich zwischen Heeros Pobacken befand. Der
leichte Druck ließ den Jungen erschauern.
"Du nimmst ihn einfach in dir auf, Schatz!", flüsterte Duo. Heeros
Augen weiteten sich. Er verstand genau, was Duo ihm sagen wollte und die
Vorstellung verunsicherte ihn. Der Versuch, sich nichts anmerken zu lassen,
ging schief, das wußte er. Doch Duo ignorierte es dieses Mal, ging nicht weiter
darauf ein oder versuchte ihm die Bedenken zu nehmen. Warum nur? Heero verstand
es nicht und er verstand erst recht nicht, dass sein Freund einfach so aufstand
und ihn allein im Bett ließ.
Besorgt fragte Heero sich, ob er etwas falsch gemacht hatte, doch Duo schien
genauso fröhlich zu sein, wie meistens. "Ich geh' duschen!", verkündete
er und weg war er. Heero war allein. Er dachte über das nach, was Duo ihm
gesagt hatte. Dass Duo ihn 'Schatz' genannt hatte, hatte er ganz überhört, so
sehr war er durcheinander geraten. Lange machte er sich Gedanken darum,
versuchte, das Gefühl in ihm zu analysieren, doch es gelang ihm nicht.
Plötzlich hörte er Geräusche aus dem Bad. Sie waren die ganze Zeit über schon
dagewesen, doch nun folgte ihnen auf einmal ein leises, unterdrücktes Stöhnen.
Es kam von Duo, kein Zweifel.
Verwundert stand Heero auf. Was hatte der Amerikaner? Er lief besorgt zur
Badezimmertür und blieb stehen, als ein lautes Stöhnen erklang. Heero dachte
nach. Er kannte diese Tonlage irgendwoher. Es war kein schmerzliches Stöhnen,
wie er zuerst gedacht hatte. Neugierig bückte er sich und versuchte durchs
Schlüsselloch zu schielen.
Er sah jedoch nicht viel. Duo stand mit dem Rücken zu ihm. Dennoch war
eindeutig zu erkennen, dass seine Hüften kreisten, sich sein Unterkörper vor-
und zurückschob. Heero hielt die Luft an. Tat Duo etwa, was er durch seinen
Tipp vor kurzem getan hatte?
Das kleine Herz in seiner Brust begann allein schon bei dem Gedanken daran
schneller zu schlagen und er spürte seine Shorts enger werden. Er beobachtete
gespannt weiter und sah eine ganze Weile zu, bis Duo leise aufschrie.
Einen Moment verharrte er in der Bewegung. Vor sich sah er noch immer die
Bilder, die er sich vorgestellt hatte. Er sah Heero auf seinem Bett liegen und
nach Luft ringen. Er war nackt und lächelte seelig, während er seine Hand über
seinen Körper gleiten ließ. Duo zitterte bei der Vorstellung. Der heiße Saft,
der sich über seine Hand ergossen hatte, wurde sofort von dem Duschwasser
fortgespült. Er hielt noch einen Moment inne, dann drehte er das warme Wasser
ab, so dass ihn nur noch das kalte traf.
Heero, der inzwischen vor der Tür angefangen hatte immer schneller zu atmen,
als er sich zu Duos Stöhnen die Bewegungen, die er dazu machte, vorgestellt
hatte sah auf die Rundung seiner Hose. Dann spähte er wieder durchs
Schlüsselloch. Er sah, dass Duo sich abtrocknete und wieder anzog. Dann bewegte
er sich in Richtung Tür.
Heero hastete schnell zurück ins Bett. Er zog sich die Decke über den Kopf und
stellte sich schlafend. Irgend etwas in ihm schämte sich für seine Erregung und
er wollte nicht, dass Duo es bemerkte. Er hörte, wie die Türklinke hinunter
gedrückt wurde und kniff die Augen fester zusammen.
Duo warf einen Blick auf die kleine Gestalt, die sich im Bett zusammengerollt
hatte. Sollte Heero ruhig noch etwas schlafen! Sie hatten zwei Tage frei
bekommen und er war sicher noch ganz erschöpft von dem Training! Duo griff sich
seinen Mantel. Er hatte entschieden, einen kleinen Spaziergang zu machen. Das
Wetter war herrlich für diese Jahreszeit und er wollte einen Platz suchen, an
dem es schön war und sich ein Picknick lohnen würde. In seinen Gedanken hatte
er sich schon ganz genau ausgemalt, wie Heero und er auf einer Decke saßen,
tief in ihre Mäntel gekuschelt und sich gegenseitig fütterten.
Als Heero die Tür zuklappen hörte, wartete er noch eine Weile. Als er sich
sicher war, dass Duo nicht mehr da war, stand er auf. Er kramte seinen Laptop
hervor. Nun wollte er es ganz genau wissen! Es dauerte eine Weile, bis er
gefunden hatte, was er suchte, aber mit Hilfe dessen, was Duo ihm erzählt hatte
und einigen guten Suchmaschinen fand er schließlich, was er suchte.
Seine Augen waren weit aufgerissen, als er die Bilder von den nackten Männern
sah, die sich gegenseitig liebten. Es wurde nichts verdeckt, im Gegenteil! Es
wurde genau raufgehalten.
Heero schnappte nach Luft, als er die eindeutigen Bilder sah. Er sah, wie sie
ihre Arme und Beine ineinander verschlungen hatten, die Münder dicht
zusammengepreßt. Er sah, wie sie sich liebkosten und ein Bild hatte es ihm
besonders angetan.
Ein blonder Junge kniete vor einem anderen, der seinen Schwanz in ihn gesteckt
hatte. Die Gesichter der beiden faszinierten Heero. Sie sahen so erfüllt und
glücklich aus... So kritisch Heero das Bild zuerst auch beäugt hatte, es wurde
mit der Zeit immer anschaulicher, erregte ihn immer mehr.
Schließlich mußte Heero den Laptop ausschalten. Er hielt diesen Druck zwischen
seinen Beinen einfach nicht mehr aus, konnte die Lust, die in ihm aufgestiegen
war, nicht mehr leugnen.
Er befreite sich schnell von seiner Kleidung, die ja nur noch aus seiner Shorts
bestand, und begann sich zärtlich zu streicheln. Doch irgendwie brachte es ihm
nicht mehr die gleiche Erfüllung, wie beim ersten Mal.
Er war neugierig geworden, wollte wissen, wie es sich anfühlte, was die beiden
Jungen auf dem Foto da getan hatten. Ein Geistesblitz durchfuhr ihn und er
suchte etwas, dass in etwa passen würde...
Sein Blick fiel auf seine Waffe. Etwas unsicher nahm er sie in die Hand. Er
rang mit sich selbst, doch schließlich entlud er sie. Zörgernd streichelte er
sich wieder, drehte sich auf den Bauch. Dann ließ er den Lauf der Pistole über
seine Haut gleiten. Es war kalt und er zuckte zusammen.
Dann spürte er das kalte Metall plötzlich an seinem Hintern. Er stöhnte. Sollte
er wirklich? Er hatte etwas Angst, doch die Neugier siegte. Er drückte das
Metall gegen die kleine Öffnung und stöhnte auf.
Es fühlte sich gut an. Er drückte etwas weiter, versuchte es in sich
aufzunehmen. Ein Stückchen schaffte er es und er stöhnte laut auf vor Lust,
spürte wie sein erregtes Glied sich gegen die Matratze unter ihm drückte.
Heero versuchte den Lauf der Waffe weiter in sich zu schieben, doch plötzlich
tat es höllisch weh, als sie ruckartig weiter in ihn vorstieß.
Schmerzerfüllt verzog der kleine Junge das Gesicht und schrie auf. Sein Körper
zitterte und er erschrak, als er über seine Schulter schielte und etwas Blut
sah.
Enttäuschung machte sich in ihm breit. Wieso war es nicht so, wie er es sich
vorgestellt hatte?!
Er versuchte, den Schmerz zu ignorieren, die Waffe in einen günstigeren Winkel
zu bringen, doch es tat nur noch mehr weh. Seine Finger krallten sich in das
Bettzeug, während sein ganzer Körper zitterte und er leise vor sich hin
winselte.
Nein, das war überhaupt nicht mehr schön! Erst recht nicht, als sich die Tür
wieder öffnete und Duo ihn groß ansah.
Für einen Augenblick stand er einfach mit geöffnetem Mund im Türrahmen, brachte
kein Wort heraus. Er sah den leidigen Gesichtsausdruck des kleinen Jungen und
wie er sich auf dem Bett wand und es schien ihm schier das Herz zerreißen zu
wollen.
"Heero...", murmelte er fassungslos. Wie kam der Junge nur auf die
Idee mit der Pistole?!
Heero sah Duo ebenfalls geschockt an. Er hatte nicht erwartet, dass er
ausgerechnet jetzt zurückkommen würde und er schämte sich für seine
Unwissenheit.
Langsam kam Duo wieder zu sich. Er ging zu dem noch immer erstarrten Heero.
"Hör' auf damit!", befahl er fast tonlos. Heero fühlte sich plötzlich
unglaublich mies. Er zog den Lauf der Waffe wieder aus seinem kleinen
Hinterteil, wobei es feurig brannte und er vor Schmerz in sich zusammen fuhr.
"Ach Hee-chan..." Duo strich ihm beruhigend über die Schulter. Und
Heero versuchte, peinlich berührt, seinen Blicken auszuweichen. Duo lächelte
ihn an. Er ahnte, was in dem Kleinen vorging, raffte die Decke etwas auf und
wickelte Heero darin ein.
Endlich sah er den kleinen Körper. Sah ihn ganz, doch so hatte er es nicht
sehen wollen. Mit etwas Anstrengung gelang es ihm Heero nur noch ins Gesicht,
auf den Oberkörper zu sehen, während er ihn an sich drückte und ihn etwas in
seinen Armen wiegte.
"So geht das doch nicht, Hee-chan! Du tust dir doch weh!" Seine
Stimme klang in keinster Weise vorwurfsvoll, wie Heero erleichtert feststellte.
Er ließ sich halten und wußte nicht, was er machen sollte, doch Duos Gegenwart
tat so gut, war beruhigend.
"Wieso machst du denn so was?", fragte Duo nach einer Weile Schweigen
mit immer noch sehr sanfter Stimme. Heero zögerte etwas. "Ich... ich
wollte doch nur wissen, wie es sich anfühlt...", wisperte er schüchtern.
Duos Finger glitten durch das dunkelbraune Haar, seine Hände streichelten den
zarten Körper. Mitleidige Blicke trafen Heero und der Kleine verstand die Welt
nicht mehr. Er verstand nichts, was mit ihm geschehen war und wieso seine
Erwartungen sich nicht erfüllt, sondern so sehr ins Gegenteil umgeschlagen,
hatten.
"Laß' dir doch Zeit! Du bist doch noch so jung! Du mußt nichts
überstürzen!", redete Duo weiter auf Heero ein. Der Junge nickte etwas
bedrückt, spürte wie Duo auf einmal seinen Arm etwas anhob.
Die schlanken Finger des Amerikaners wanderten über seine glatte Haut hinab,
bis sie zu seiner Hand gelangten. Er hielt Heeros Handgelenk in einem sanften
Griff, strich zärtlich über die seine kleinen Finger. "Damit geht es doch
wunderbar!", flüsterte er. Heero sah ihn unsicher an. Seine Finger? Er
spürte, wie Duo seine Hand wieder losließ, sie auf seine Brust legte.
Heero spürte Duos Muskeln, spürte sie durch den Stoff seines schwarzen
Pullovers hindurch. Es fühlte sich schön an und er genoß den leichten Druck,
der ihn an den Älteren presste.
"Duo-chan..." Heero genoß die Umarmung, genoss den wundersamen
Geruch, der von Duo ausging. Er ließ seine Hände über Duos langen Zopf gleiten,
fühlte das seidige Haar. Heero wollte es ganz sehen. Zögerlich löste er Duos
Haargummi und der Junge sah ihn fragend an.
Heero warf ihm einen fragenden und zugleich bittenden Blick zu. Duo verstand.
Er nickte, ließ Heero kurz los und öffnete seinen Zopf. Die langen Haare fielen
wirr über seine Schultern, umschiegten seinen schönen Körper, wie eine seichte
Hülle. Heero war gebannt von dem Anblick. Er schmiegte sich wieder an Duo und
strich vorsichtig über die glänzende, kastanienbraune Haarpracht.
"Du bist schön, Duo!", wisperte er schließlich leise, als dürfe er es
nicht zu laut sagen, damit es seine Wahrheit nicht verlor. Duos Herz tat einen
Hüpfer, als er das hörte. Sein Kleiner hatte ihm tatsächlich ein Kompliment
gemacht. Er lächelte herzlich und gab ihm einen liebevollen Kuss auf die Stirn.
"Weißt du was? Dafür bekommst du was von mir!", sagte er. Er hatte
einen Geistesblitz gehabt.
Heero jedoch verstand nicht. Er wollte doch gar nichts?! Er hatte Duo doch nur
gesagt, was er dachte...
Doch Duo stand schon auf und zog sich die Jacke wieder an.
"Wo willst du hin?" Heero wollte nicht, dass Duo jetzt ging, was
dieser deutlich an seinem Blick erkannte. "Ich bin gleich wieder
da!", versprach er, als er schnell zur Tür hinaus huschte.
Als er wiederkam, trug er eine kleine Plastiktüte bei sich. Heero saß noch
immer auf dem Bett. Er hatte sich nicht gerückt und nicht gerührt. Sein Blick
war mürrisch auf die Pistole gerichtet, die noch immer vor dem Bett lag und Duo
mußte grinsen, als er den abfälligen Blick sah. Er ging wieder zu Heero und
setzte sich zu ihm. Dann reichte er Heero die Tüte.
"Was ist das?", fragte dieser. Duo antwortete ihm lediglich mit einem
Grinsen. "Etwas, das sich besser macht, als dieses Ding da!" Er
machte mit seinem Kopf eine Bewegung in Richtung Waffe und Heero sah neugierig
in die Tüte. Darin befand sich eine kleine Dose und ein längliches Ding, von
dem Heero keine Ahnung hatte, was es sein sollte. Er wußte ehrlich gesagt auch
nicht, was das für eine Dose war.
"Was mache ich damit?", fragte er und betrachtete beides
nachdenklich. Duo nahm zuerst das längliche Ding aus der Tüte. "Das ist
ein Vibrator. Damit machst du das gleiche, wie vorhin mit deiner Knarre, nur
ist dieses Teil dafür vorgesehen und ungefährlich." Dann fischte er die
kleine Dose aus der Tüte. "Und das ist Gleitcreme. Die schmierst du dir
vorher in den Hintern, dann tut's nicht so weh, weil das Einführen leichter
ist."
Als Duo mit seiner Erklärung fertig war, sah Heero ihn etwas verstört an. Er
fand es unglaublich lieb von Duo, was er alles für ihn tat, aber irgendwie
beschämte es ihn auch. "Da... Danke!", hauchte er leise. Seine
Nasenspitze war wieder etwas rot geworden und Duo grinste breit. Er wollte doch
nur das beste für seinen Kleinen und das Beste würde sicherlich sein, wenn er
sich erstmal über einige Dinge, die seinen eigenen Körper, seinen eigenen
Wünschen entsprachen, klar wurde.
Der Wunsch in Duo, Heero zu berühren, zu fühlen, wurde immer größer, doch er
wollte ihm genug Zeit lassen, um sich an alles Neue zu gewöhnen.
Schließlich stand Heero auf. Als die Decke, die er um seinen Körper geschlungen
hatte von ihm fiel, stellte Duo fest, dass Heero seine Sachen wieder trug. Der
Junge mußte in der Zwischenzeit also doch schon aufgestanden sein.
Duo war etwas enttäuscht. Hatte er doch gehofft doch noch einen kurzen Blick
auf Heeros nackten Körper erhaschen zu können...
Heero verstaute die beiden Sachen in der Zwischenzeit, in der Duo seinen
Gedanken nachging, in seiner Schreibtischschublade. Duo hatte sie ihm
zugeteilt, denn die beiden teilten sich ja wirklich alles. Duo mußte zugeben,
dass die meisten Leute, die er kannte solche Sachen nicht unbedingt in einer
Schreibtischschublade verstauten, sondern eher im Nachtischschränkchen,
andererseits fiel ihm aber auch auf, dass der Schreibtisch dem Bett am nächsten
war.
Er schmunzelte, als er plötzlich sah, wie Heero sich die Schuhe anzog. "Wo
willst du hin?", fragte er verblüfft. "Trainieren!" Heero sah
nicht auf, konnte daher Duos verwirrten Blick nicht sehen. "Aber wir haben
doch heute frei..." "Ich weiß. So spät ist es noch nicht! Vielleicht
bekomme ich so morgen und übermorgen frei, statt heute und morgen!" Duo
dachte nach.
Das leuchtete wirklich ein. Sie hatten noch genug Zeit für ihr Training und so
hatten sie zwei volle Tage, die sie in ganzen Zügen genießen konnten. Er sprang
auf. "Ich komme mit!" Hastig zog er sich die Schuhe an und folgte
Heero, der bereits auf dem Sprung war.
Nach einigem Hin und Her schafften sie es dann tatsächlich die
Sondergenehmigung zu erhalten, jedoch nur unter der Bedingung, dass sie ihr
Training dieses Mal noch besser absolvierten, was auch deutlich mehr
Anstrengungen kostete.
Am Abend konnten sie sich beide kaum noch bewegen. Sie waren müde und ihre
Körper waren schwer, taten weh. Die harten Stiefel an Heeros Füßen wurden immer
schwerer und er schaffte es kaum noch einen Fuß vor den anderen zu setzten.
Duo schien dieses Problem nicht zu haben. Sein Schuhwerk war lockerer und
leichter, als das von Heero. Der wußte nicht, was mit ihm los war. So müde und
kaputt hatte er sich lange nicht mehr gefühlt. Vielleicht war das Training doch
etwas sehr hart gewesen...
An diesem Tag taten die beiden nichts mehr. Sie ließen sich erschöpft ins Bett
fallen und schliefen auf der Stelle aneinander gekuschelt ein.
Heero war noch müde gewesen, als er aufgestanden war, aber er wollte Duo
unbedingt etwas Gutes tun und so hatte er sich daran gemacht dem Jungen
Frühstück zu machen. Er war extra leise gewesen, damit er nicht aufwachte und
trug nun das Tablett mit dem duftenden Kaffee, den belegten Brötchen und den
Frühstückseiern zu Duo. Er stellte es zunächst auf dem Schreibtisch ab.
Duo schlief noch immer. Seine Haare hatte er über Nacht offengelassen und sie
fielen wirr über sein Gesicht. Heero streichelte fasziniert über die seidigen
Wangen. "Aufstehen!", wisperte er leise.
Duo reagierte nicht und Heero legte ihm die Hand auf die Schulter, rüttelte ihn
sachte bis er die Augen aufschlug. Es dauerte einen Moment, bis Duo alle Sinne
wieder beieinander hatte und sich den Schlaf aus den Augen rieb. Im selben
Moment stellte Heero das Tablett auf das Bett und Duo nahm die Hände etwas
herunter. Erst machte er ein etwas überraschtes Gesicht, dann lächelte er und
schließlich begannen seine Augen zu leuchten.
"Eine fabelhafte Idee!", murmelte er, während er bereits munter
drauflos kaute. Heero freute sich, dass es seinem Freund zu schmecken schien
und er krabbelte über ihn hinweg auf seine Seite des Bettes. Er setzte sich im
Schneidersitz vor ihn hin und beobachtete ihn amüsiert.
Der Amerikaner hatte wirklich einen gesunden Appetit! Duo schaute auf die Uhr,
während er gerade den Orangensaft seine Kehle hinunter schüttete. "Lass
uns etwas shoppen gehen!", schlug er dann vor. "Hn?" Heero
machte ein etwas irritiertes Gesicht. Wie kam Duo jetzt darauf?
"Du willst doch nicht immer nur in diesen Spandex und deinem kleinen Shirt
rumrennen, oder?!" Duo sprang auf und lief ins Bad. "Gib mir fünf
Minuten!", rief er, bevor die Tür hinter ihm zuschlug und Heero polternde
und klirrende Geräusche hinter der Tür hörte - ein Zeichen dafür, dass Duo
etwas hektisch war.
Aus den fünf Minuten wurde eine halbe Stunde und Heero wartete gelangweilt. Er
hatte das Bett gemacht und alles aufgeräumt, was ihn gestört hatte und saß nun
mitten auf dem Fußboden, als Duo endlich wieder auftauchte. Er trug einen roten
Rollkragenpullover und schwarze Lederhosen, die sich eng um seine langen Beine
schmiegten. Heero sah ihn einen Moment bewundernd an, was Duo zum Grinsen
bracht.
"Yo, Shinigami sieht immer klasse aus!", bemerkte er und lachte
leicht, als Heero ihm einen skeptischen Blick zuwarf. "Denkst du nicht, du
bist ein bißchen zu selbsteingenommen?", fragte er, obwohl er zugeben
mußte, dass Duo ja wirklich recht hatte! Duo lachte. "Lass uns
gehen!" Er schnappte sich seine Lederjacke und Heero folgte ihm.
Sie fuhren gemeinsam zu einem großen Kaufhaus und Duo zog ihn durch alle
Abteilungen. Es stellte sich heraus, dass der Amerikaner ziemlich vernarrt in
sämtliche Haarpflegemittel und Kleidungsstücke war. Es gab kaum ein Regal oder
einen Kleiderständer, vor dem er nicht Halt machte. Heero konnte das gar nicht
verstehen, musste aber zugeben, dass er es genoss, wie fröhlich der Ältere hin
und her lief. Schließlich stoppte er.
"Sag mal, hast du noch gar nichts gefunden?" Heero schüttelte den
Kopf. Er hatte sich bisher auch nicht einmal umgesehen. "So geht das aber
nicht!" Duo tadelte ihn gespielt und nahm ihn dann an der Hand. Er zog ihn
zu ein paar Läden, hielt ihm Sachen an, um zu sehen, ob sie ihm standen, ließ
sie einpacken, um sie letztendlich alle bezahlen und zu ihnen nach Hause
liefern zu lassen.
Die Shoppingtour der beiden endete damit, dass Heeros Kleidersammlung nun
beachtlich zugenommen hatte.
Nachdem Heero ein mehrfaches "Das steht dir aber toll!", "Darin
siehst du klasse aus!", "Das mußt du unbedingt kriegen!" oder
einfach nur ein begeistertes "Wow!" über sich hatte ergehen lassen,
besaß er nun nicht mehr nur seine Standart-Spandex und sein grünes Muscle-Shirt,
sondern auch noch drei Paar Bluejeans inklusive passender Jacke, 3 Paar
schwarze Jeans, 10 T-Shirts, 5 Pullis, 7 Hemden und 3 neue Muscle-Shirts.
Weiterhin hatte Duo ihm noch eine Latzhose aus blauem Jenasstoff gekauft, die
er auf Grund des Wetters, welches er doch etwas unterschätzt hatte, und ihrer
Bequemlichkeit gleich anbehielt. Auch Duo hatte dieses Teil besonder gut
gefallen, da sie seiner Meinung nach Heeros Kindlichkeit etwas zum Ausdruck
brachte und es gefiel ihm.
Unter der großen Hose trug Heero einen schwarzen Rollkragenpullover und dazu
passend die neuen, schwarz-weißen Turnschuhe. Die Sachen waren alle etwas zu
groß, aber sie standen ihm wirklich super. Duo grinste und stülpte ihm eine
Basecap verkehrt herum auf den Kopf. Dann schob er Heero zu einem Spiegel, in
dem er sich betrachtete und als er nickte, wurde auch die Mütze gekauft.
Duo hatte einen wirklich interessanten Stil jemanden einzukleiden!
"Okay, ich glaub', wir können!", meinte Duo, doch plötzlich blieb
sein Blick an etwas haften, das sich hinter Heeros Rücken befand. "Moment
noch!" Schon war der fröhliche Amerikaner verschwunden und Heero stand
allein da. Er wartete geduldig auf Duo, der kurze Zeit später, eine Tüte
schwenkend, wiederkam.
"Was hast du da wieder gefunden?", fragte er neugierig. Duo grinste.
"Das erfährst du später!" Er legte Heero die Hand auf die Schulter
und schob ihn vor sich her.
"Hey, was würdest du davon halten ein Picknick zu machen?!", fragte
er plötzlich. Heero überlegte. Das Wetter war ausgesprochen schön, warum
nicht?!" Er nickte und schon wurde er von Duo eilig hinter ihm hergezogen.
Wieder in ihrem Zimmer warf Duo die geheimnisvolle Tüte in eine Ecke und kramte
einen Korb hervor. Er warf schnell die Sachen hinein, die sie gekauft hatten,
damit sie nicht erst noch alles vorbereiten mußten und bewaffnete sich mit zwei
zusammengerollten Decken. Heero half ihm beim Tragen. Duo führte ihn über
einige Wege, die ihm noch gar nicht aufgefallen waren.
Unterwegs kamen sie an einem Stückchen Feld vorbei, auf dem einige Jungen dabei
waren Fußball zu spielen. Heero sah kurz sehnsüchtig zu ihnen hinüber und Duo
fing seinen Blick auf.
"Willst du mitspielen?", fragte er. Heero riß seinen Blick wieder
los, schüttelte energisch den Kopf und ging weiter. "Warum denn nicht?
Sieht doch spaßig aus!" Duo war stehengeblieben und sah den Jungen beim
Bolzen zu. Heero hielt ebenfalls inne, als er bemerkte, dass Duo nicht mehr
neben ihm lief. "Kommst du?", fragte er etwas ungeduldig. Duo
schüttelte den Kopf. "Nein, ich will mitspielen!" Er stellte den Korb
ab und ging zu den Spielern hinüber.
Heero stand allein da, schließlich folgte er Duo zögerlich. Er hatte nicht vor
mitzuspielen! Doch... eigentlich hatte er schon Lust dazu. Nur würden die
Jungen es bestimmt nicht wollen.
Als er noch bei Dr. J war, hatte er kurzzeitig eine Schule besucht. Nach dem
Unterricht waren seine Mitschüler meistens noch etwas Fuß- oder Basketball
spielen gewesen. Er hatte ihnen oft zugesehen.
Einmal hatte er gefragt, ob er mitspielen dürfe, doch die anderen hatten ihm gesagt,
dass sie mit einem, der zum Soldaten ausgebildet werden sollte und somit
irgendwann einmal dazu beitrug, dass der Krieg weitergeführt wurde, nichts zu
tun haben wollten.
Es war für ihn nicht einfach gewesen unter so vielen pazifistisch erzogenen Kindern
aufzuwachsen. Dr. J hatte darauf gar keine Rücksicht genommen. Überhaupt hatte
er nie Rücksicht auf die Gefühle des Jungen genommen und es hatte weh getan
nicht dazuzugehören, wegen der Last, die ihm auferlegt worden und eh schon
schwer genug war, auch noch geschnitten zu werden.
Heero war klüger als die meisten aus seiner Klasse gewesen. Ein weiterer Grund
dafür, dass sie ihn nicht mochten. Sie schimpften ihn einen Streber, aber es
war doch nicht seine Schuld, dass er von klein auf an so erzogen wurde, dass er
immer nur zu lernen und zu trainieren hatte, kein Kind sein durfte...
Als er die Jungen bolzen sah, waren die Erinnerungen in ihm wieder hochgekommen
und es schmerzte ihn. Solange er mit Duo zusammen war, fühlte er sich
verstanden und befreit. Er versuchte alles, was einmal gewesen war, zu
vergessen, doch das konnte er nicht. Es war ihm gelungen alles etwas von sich
zu schieben, all den Schmerz und die Kraftlosigkeit, aber es war ihm lediglich
gelungen es zu verdrängen. Der Kummer und das Herzleid waren nicht
verschwunden, nur unterdrückt worden.
Schließlich riß Duos helle Stimme ihn aus seinen Gedanken. "Hey, ihr!
Können mein Freund und ich mitspielen?!", rief er den Jungen zu, als er in
ihrer Reichweite war.
Heero sah zu der kleinen Grupper herüber. Sie würden es doch eh nicht wollen!
Um so überraschter war er, als die Jungen nickte. Unsicher sah er zu Duo
herüber und er lächelte ihm zu. "Nun beweg' dich doch endlich! Die Jungs
müssen denken du wärst eine Salzsäule!" Automatisch lief Heero zu der
kleinen Gruppe hinüber.
Etwas scheu stand er vor ihnen. "Ich bin Duo, Duo Maxwell.", stellte
Duo sich vor. Die Jungen nickten. "Das sind Yosh, Alan, Mirc, Pet und
Bastian! Und ich bin Brain!" Der größte der Jungen zeigte der Reihenfolge
nach auf alle anwesenden. Dann sah er zu Heero. "Und wie heißt du?",
fragte er. "Heero!", antworte der Angesprochene leise. Brain nickte
und reichte ihm die Hand. Er war einen guten Kopf größer als er. Heero schätzte
ihn auf ca. 13 Jahre. Sie waren alle jünger, als Duo, jedoch alle älter, als
Heero.
"Na dann laßt uns anfangen! Gehst du ins Tor, Alan?" Ein Nicken und
das Spiel begann. Brain spielte Heero den Ball zu und er stürmte auf das Tor.
Als er sah, dass sich vor ihm zwei Verteidigungsspieler aufstellten, suchte er
nach einer Möglichkeit den Ball abzuspielen. Duo wurde gedeckt, doch dann sah
er Brain. Er legte ihm eine gute Flanke vor und er versenkte den Ball im Tor.
"Hey, der war gut Heero! Danke!", rief er ihm zu und Heero freute
sich.
Die Jungs waren von Anfang an recht offen den beiden Fremden gegenüber. So
etwas hatte er vorher noch nie gesehen. Sie spielten wirklich fast 90 Minuten
durch, bis die Jungen meinten sie müssen nach Hause. Duo und Heero
verabschiedeten sich von ihnen und sie bedankten sich untereinander für das
gute Spiel.
Duo hatte Heero die ganze Zeit über beobachtet und sich etwas im Hintergrund
gehalten. Fußball war nicht unbedingt sein Lieblingssport. Er bevorzugte
Basketball. Aber es war ihm wichtig gewesen, zu spielen! Er hatte es für Heero
getan, denn der Kleine hatte ihm unsagbar leid getan, als er die sehnsüchtigen
Blicke gesehen hatte. Duo sah auch, in Heeros Augen, die so oft so rätselhaft
verschlossen waren, dass er seinen Spaß gehabt und sich gefreut hatte. Das war
viel für sie beide.
Sie liefen nebeneinander her, zurück zu ihren Sachen, die sie am Wegrand hatten
stehenlassen. Dann führte Duo Heero tiefer in den Wald hinein. Er hatte seinen
Arm um ihn gelegt und fühlte sich wie immer sehr glücklich seinen kleinen
Schützling halten zu dürfen. Dann kamen sie an einer kleinen Lichtung an. Zu
diesem Platz hatte Duo gehen wollen. Die Sonne schien genau zwischen den Bäumen
hinab auf die Waldlichtung und wärmte so den Boden. "Wir sind da!",
verkündete er. Heero nickte. Er half Duo die Decke auf dem Boden aufzubreiten.
Plötzlich kam ein Windstoß und wollte sie an einer Decke wieder hochfegen.
Reflexartig drehten beide sich der Ecke zu und wollten sie festhalten. Dabei
stießen sie leicht aneinander und im nächsten Moment lagen sie auf dem Boden.
Als Heero die Augen wieder öffnete, war Duo gerade dabei seinen Kopf von seinem
Bauch zu erheben. "'Tschuldige!", murmelte er. In seinem langen Haar
hatten sich einige Blätter verfangen und Heero lächelte. "Alles
okay?", fragte er. Duo nickte und sie sahen sich in die Augen.
Da war es wieder, dieses anziehende Gefühl. Es war genauso, wie damals im Bad,
nur noch etwas intensiver. Ihre Blicke hingen an denen des anderen und noch ehe
sie sich versahen berührten sich ihre Lippen. Zunächst übten sie beide nur
einen leichten, scheuen Druck auf die Lippen des anderen aus, sahen sich in die
Augen, leicht gerötet um die Nasenspitze. Doch dann schlossen sie ihre Augen
und der Druck auf ihren Lippen wurde etwas fester. Einen winzigen Spalt weit
öffneten sie sie, ließen ihre Zungen vorsichtig aneinandergleiten. Ein warmes
Gefühl durchflutete sie, als sie sich gegenseitig sanft die Hände auf die
Wangen legten, in dem Kuss versanken und ihre Zungen behutsam umschmeichelten.
Als ihnen die Luft für den Kuss ausging unterbrachen sie ihn, aber sie fühlten
sich näher, als jemals zuvor und sie waren entspannt.
Heero sah Duo, der noch immer halb über ihn gebeugt dalag wie verzaubert an und
sein Blick wurde erwidert.
Schließlich half Duo Heero sich wieder aufzurichten. Er lächelte und hob den
kleinen Jungenkörper auf seinen Schoß, wickelte die übriggebliebene Decke um
sie.
"Duo, ich..." Heero zögerte etwas. Dann legte er die Hände um Duos
Hals und plazierte seinen Kopf auf seiner Schulter. "Ich hab' dich lieb!",
wisperte er dann.
Einen Moment lang sagte Duo gar nichts, dann drückte er den Jungen etwas fester
an sich. "Ich weiß... Und ich hab' dich auch lieb!", erwiderte er
dann. Seine Stimme war voller Wärme und Einfühlsamkeit und Heero war glücklich
das zu hören.
Sie ließen die Hände über ihre Arme und ihren Rücken gleiten, streichelten sich
zärtlich. Dann knurrte nach einer Weile Duos Magen und Heero sah ihn verblüfft
an. "Hast du schon wieder Hunger?", fragte er verwundert. Duo nickte.
"Was heißt schon wieder? Wir waren fast sieben Stunden unterwegs!",
rechtfertigte er sich. Dann streckte er den Arm etwas aus und zog den
Picknickkorb an ihre Seite.
Heero lächelte. Er klappte den Korb auf, ohne sich dabei auch nur einen
Zentimeter von Duo wegzubewegen und nahm eines der belegten Brötchen heraus. Es
reichte es ihm und Duo grinste. "Danke, Kleiner!"
Für Duo war die Art des kleinen Jungen, ihm seine Dankbarkeit zu zeigen, der
Wunsch danach auch ihm etwas Gutes zu tun, sehr rührend. Er fand es süß, wie er
sich Mühe gab und liebte ihn dafür um so mehr.
Nach einer Weile griff Heero sich die Chipstüte. Er öffnete sie und aß ein paar
und als Duo sein Brötchen aufgegessen hatte, steckte er sich einen Chip ein
Stückchen in den Mund, ließ den Rest etwas vorstehen und sah Duo mit großen,
lieben Augen an.
Duo verstand die Anspielung und lächelte. Er biß ein Stückchen von dem Chip ab
und Heero strahlte ihn an. Die beiden wiederholten das Spielchen noch einige
Male, bis sie genug von den Chips hatten. Ihre Lippen berührten sich wieder
zärtlich und sie schlossen die Arme umeinander, einfach nur den wundervollen
Moment genießend...
Heero stand vor dem Spiegel. Er drehte und wendete sich etwas. Duo hatte
wirklich einen umwerfenden Geschmack! Die Lederhose stand ihm wirklich gut! Der
dünne, schwarze Stoff legte sich eng um seine Beine. Zusammen mit dem weißen,
schimmernden Samthemd sah er etwas älter aus.
Heero überlegte. Irgend etwas störte ihn noch. Er knöpfte das Hemd so, dass es
nicht ganz zu war, sondern der Ausschnitt bis kurz über seiner Brust geöffnet
war und das Hemd auch unten auseinanderlief, da er auch dort zwei Knöpfe offen
ließ. Heero ließ seine Hand unter des Hemd gleiten, strich sich über den Bauch,
dann über die Brust.
Er fand sich in diesem Aufzug selbst unheimlich sexy und war von sich selbst
beeindruckt. Langsam ging er aus dem Bad. Es war noch etwas ungewohnt in den
schweren, schwarzen Lederstiefel mit den Metallbeschlägen zu laufen. Als er das
Zimmer, das er sich mit Duo teilte wieder betrat, stand der an die Wand auf der
gegenüberliegenden Seite der Badezimmertür gelehnt. Als er Heero erspähte,
weiteten sich seine Augen. Er konnte kaum glauben, dass vor ihm ein
zehnjähriger Junge stand. Leise pfiff er durch die Zähne und winkte Heero näher
an sich heran.
Der kleine Junge machte sich einen Spaß daraus sich bewusst so zu bewegen, dass
Duo die nackte Haut unter dem wegrutschendem Hemd sah. Er hatte es geübt.
"Heero, du siehst klasse aus!" Duo konnte in der Verbindung mit den
Sachen, die Heero trug einfach kein 'Hee-chan' benutzen. Es wäre viel zu
niedlich für den aufreizenden Anblick, wie er fand.
"Duo-chan, das Geschenk ist klasse! Danke!" Heero reckte sich etwas
und legte seine Arme um Duos Hals, kam ihm ein sanftes Küßchen auf die Wange.
"Wenn ich dafür solch eine Belohnung bekomme, dann muss ich dir wohl
glauben, dass es dir gefällt!" Duo grinste. Er hob Heero hoch, drehte sich
um, drückte ihn etwas an die Wand und presste seine Lippen fest auf die des
kleinen Jungen.
"Mmnhnnn..." Heero wollte etwas sagen, doch er konnte nicht. Er ergab
sich dem Kuss und umklammerte Duos Rücken. Sie hatten die Augen geschlossen und
Heero spürte, wie Duo seine Hand unter sein Hemd gleiten ließ. Er streichelte
über die weiche, aber gestraffte Kinderhaut und Heero umklammerte seinen Rücken
fester mit seinen Beinen. Schließlich gelang es ihm auf eine bestimmte, jedoch
unverletzende Weise den Kuss zu unterbrechen.
Duo verstand. Heero mochte in dem Outfit zwar älter und aufreizender Aussehen,
aber er bleib immer noch der kleine Junge, der er war.
"Entschuldige!", flüsterte er und es tat ihm leid, dass er so
stürmisch gewesen war. Heero nickte. Er wollte ja, dass Duo ihn küsste und es
tat ihm gut, aber diese Leidenschaft, die plötzlich immer stärker wurde, machte
ihm irgendwie Angst. Er kannte das Gefühl nicht und er wollte es erst
analysieren. Er wollte wissen, weshalb er sich immer noch mehr zu Duo
hingezogen fühlte, die Leidenschaft in ihm aufflammte. Er hatte längst
entschieden, dass er mit Duo zusammensein wollte. Er wollte nicht sein Freund
sein, sein Partner. Er wollte, dass Duo ihn als mehr ansah, als das. Er wollte,
dass Duo ihn liebte, dass er ihn lieben durfte. Er wollte sein Geliebter sein!
Und doch... Es war ihm lieber, wenn Duo vorerst der Duo war, den er kannte.
Wirklich aus purer Leidenschaft hinaus zu lieben, zu fühlen, zu berühren,
berührt zu werden, verunsicherte ihn noch etwas.
Seine Hand glitt Duos Wange hinab und er berührte zärtlich seine Lippen. Duo
hielt ihn fest - noch immer an die Wand gedrückt, aber wieder voller Sanftheit,
nicht mehr herausfordernd aufreizend, sondern einfach nur liebend und
verständnisvoll.
Nach einer Weile ließ Duo Heero wieder auf den Boden hinunter. Beide wussten
inzwischen, was der andere wirklich für ihn empfand und sie waren glücklich.
Sie hetzten nicht, bedrängten den anderen nicht und wenn einer der beiden zu
verstehen gab, dass er etwas nicht wollte, so ließen sie es.
Sie absolvierten ihr Ausbildung wie immer. Kleine Zeichen reichten ihnen aus,
um zu verstehen, was der andere dachte und fühlte und das war nicht nur ein
Vorteil, den sie fürs Training nutzen. Sie nutzen ihn auch für ihre Beziehung!
Duo brachte Heero bei, was er so viele Jahre über nicht wußte. Er zeigte ihm,
wie man mit Konsolenspielen umging, wie schön es war auch mal über Cartoons,
die im Fernsehen liefen zu lachen, dass es Spaß machte, zu tanzen, zu lachen,
einfach gemeinsam lustig zu sein und Heero zeigte Duo immer mehr von sich, von
dem Jungen, der er wirklich war.
Bei Duo durfte er sein, was ihm immer verboten war. Es durfte ein kleines Kind
sein, das einfach unbeschwert in den Tag hinein leben konnte und andererseits
durfte er der Junge sein, den er liebte, der alt und weise genug war, zu
verstehen, was Liebe wirklich bedeutete und er war Duo überaus dankbar. Er
wusste genau, dass er ohne ihn noch lange nicht so weit, vielleicht nie so weit
gekommen, wäre.
Duo war alles für ein, was er wollte. Er war seine Mutter, sein Vater, sein
Bruder, sein Freund, sein Kollege und vor allem sein Geliebter. Er war alles,
was er nie hatte und genauso war Heero alles für Duo. Er war für ihn wie sein
Bruder, sein Sohn, sein Freund, Kollege und Geliebter und beide waren
glücklich, so wie es war.
Beide begegneten sich mit einem ungemeinen Ausmaß an Vertrauen, Wärme und
Feinfühligkeit und für sie war es gut so. Es ging ihnen nicht in erster Linie
darum, so schnell wie möglich bis zum Äußersten zu gehen. Ihnen reichten
oftmals die zärtlichen Küsse, die Berührungen, die sie streiften, wie eine
sanfte Brise.
Sie absolvierten ihre Ausbildung, wie zuvor. Auch ohne Worte verstanden sie
sich genau, ohne Zweifel. Ein Vorteil, den sie nicht nur für ihr Taining,
sondern auch für ihre Beziehung nutzen und der ihre Beziehung so einzigartig
machte.
Heero hätte sich nie träumen lassen, dass es möglich war sich einander mit so
viel Feingefühl, soviel Selbstverständnis zu nähern. Sie wußten, dass sie für
einander bestimmt waren und sie wußten, sie hatten alle Zeit der Welt.
Doch eines Abend war es anders. Duo spürte es, als er aus dem Bad kam. Die
Wochen waren ins Land gezogen und hatten ihnen viel gebracht. Mit jedem Kuss,
jeder Berührung waren sie sich näher gekommen...
Heero lag bereits im Bett. Er war müde gewesen und wollte schlafen, um am
nächsten Tag, Duos Geburtstag, fit zu sein.
Duo lächelte, als er sich neben Heero legte. Der Mond schien durch das
Zimmerfenster und machte einzelne Teile des zarten Jungenkörpers, der unter die
Decke gekuschelt lag, sichtbar.
So sehr wie nie zuvor fühlte Duo sich zu ihm hingezogen, als er den nackten
Oberkörper sah. Die Beine ausgestreckt und somit das kleine Hinterteil in Duos
Richtung gerichtet, den Kopf auf die Hände gelegt, lag er da.
Duo seufzte leise. Er war so schön! Immer wieder bremste er sich, ließ dem
Jungen Zeit, doch nun sehnte er sich danach ihn zu berühren.
Heero schlief, er würde es kaum merken, wenn er seine Fingerspitzen leicht über
seine Brust gleiten ließ...
Er streckte seine Hand aus und berührte den straffen Bauch des Jungen,
streichelte ihn, ließ seine Hand hinauf zu seiner Brust gleiten. Er spürte, wie
sie sich in regelmäßigen Zügen hob und wieder senkte. Er lauschte dem
gleichmäßigen Atmen.
Duo schmiegte sein Gesicht an Heeros bloßen Rücken, ließ seine Fingerspitzen
vorsichtig über die kleinen Nippel des Jungen streichen, die sofort fest
wurden.
Heeros Körper war kalt, sein eigener warm, als er sich dicht an ihn schmiegte.
Kreisende Bewegungen fuhren immer wieder sanft über Heeros Körper. Er spürte
sie intensiv, jede einzelne von ihnen. Noch konnte er sich kontrollieren,
konnte vortäuschen, dass er schlief. Er genoss Duos Liebkosungen, musste nichts
tun, wenn er nicht wollte. Das Spiel, dass Duo mit ihm trieb, erregte ihn.
Immer wieder fuhren die Hände flink, aber enorm zärtlich über seinen Körper,
wanderten schließlich von seiner Brust über seinen Bauch, weiter hinunter und
plötzlich glitten Duos Fingerspitzen in seine Shorts, berührten vorsichtig sein
Glied.
Duo spürte Heeros Erregung und stoppte kurz, hielt die Luft an. Heero atmete
ein, öffnete die Augen. Duo, der sich etwas erhoben hatte, sah es und erschrak,
ließ seine Hand schnell wieder zu seinem Bauch hinaufgleiten.
Heero berührte sie sanft mit seiner, hielt sie einen Augenblick. "Es ist
wunderschön...", wisperte er leise, atmete tief ein. "Willst du, dass
ich weitermache?", fragte Duo mit sanfter Stimme. Er war bereit ein 'Nein'
zu akzeptieren, doch noch bevor Heero leicht nickte, wusste er, dass sie sich
in dieser Nacht näher kommen würden, als jemals zuvor.
Heero drehte seinen Kopf etwas zu Duo. Ihre Lippen trafen sich, während Duo
seine Hand langsam wieder tiefer gleiten ließ. Ein Lächeln breitete sich über
Heeros Mund, als er leise stöhnte und sich langsam auf den Rücken drehte.
Mit samtweichen Berührungen streifte Duo ihm die Shorts ab. Er hatte sich über
ihn gebeugt, sah wie die Augen des kleinen Jungen ihn groß anstarrten, sich in
ihnen unglaublich viel Liebe widerspiegelte. Sie schlossen sich und der
Gesichtsausdruck von Heero spiegelte ein unermessliches Ausmaß der
Glückseeligkeit wieder, als Duo seine Lippen leicht um seinen Nippel schloss,
mit er rechten Hand den freien Linken berührend.
Heero fühlte sich, wie auf eine samtweiche Wolke gehoben. Es war wunderschön so
berührt zu werden. Es war viel besser, als wenn er sich selbst in diesen
Zustand versetzen wollte. Er spürte Duos Hände an seinen Seiten hinabstreichen,
während seine Lippen seine Brust bedeckten, über sein Schlüsselbein immer
tiefer glitten, bis hin zum Bauch.
Duos Hände auf seine Hüften gelegt, brachten ihn dazu, sich unter ihm zu regen.
Er wand sich leicht, fühlte sich befreit. Dann war sie wieder da: Duos Hand,
die sanft über sein Glied strich, mit seinen kleinen Bällchen spielte.
Heero streckte die Hüften etwas nach oben, fühlte einen warmen Druck zwischen
seinen Lenden, während er immer fester wurde.
Duos Hand glitt unter seinen Hintern, streichelte langsam und federleicht über
den kleinen Schlitz. Ein leiser, zufriedener Seufzer bahnte sich über seine
Lippen und Duo lächelte. Es fühlte sich so unglaublich gut an, den kleinen
Körper zu berühren, ihn zu streicheln, zu kosen...
Duos Erregung stieg immer mehr. Sein Glied war hart, als er Heeros zärtlich
küsste. Der Junge unter ihm stöhnte auf. Nie zuvor in seinem Leben hatte er so
etwas Gutes gefühlt. Er erlebte intensiv, wie Duos Zunge mit feuchten,
langsamen Zügen über sein Glied strich. Ganz langsam hinauf, ihn reizend,
wieder hinab um gleich darauf wieder langsam hinaufzufahren.
Heero stöhnte wieder, dieses Mal etwas lauter. Es war, als wären Duos Hände
überall. Seine Rechte massierte zärtlich seine Pobacke, während die andere sich
unter seine Hüften geschoben hatte, ihn haltend. Und immer wieder die
Feuchtigkeit seiner Zunge...
Schließlich legte er den, in das Kissen gedrückten, Kopf etwas höher, öffnete
die Augen. "Bitte... ich... ich will dein sein!" Seine Stimme klang
leise, zaghaft, aber dennoch bestimmt. "Willst du wirklich? Hast du es
nochmal ausprobiert?", fragte Duo leise. Er wollte sich vergewissern, dass
Heero wirklich wusste, worauf er sich einließ. "Ich hab's nicht mehr
versucht. Ich wollte auf dich warten!", wisperte der kleine Junge leise.
Duo lächelte. Die Worte ließen sein Herz schneller schlagen. Es hämmerte gegen
seine Brust, genauso stark, wie das kleine Herzchen in Heeros Brust pochte, als
Duo sich über ihn beugte, ihn küsste.
Dann richtete er sich auf, streckte sich, um an die Schreibtischschublade zu
kommen. Er zog sie auf, holte die kleine Dose heraus und schob die Schublade
wieder zu. Schnell entfernte er den Deckel. Er ließ den Finger hineintauchen.
Dann beugte er sich wieder über Heero. Er küsste ihn zärtlich und der Junge hob
seinen Unterleib an. Duo lächelte, er küsste Heero erneut sanft auf die Lippen,
während er vorsichtig seinen Finger in die kleine Öffnung gleiten ließ.
Er spürte, wie Heero leicht zusammenzuckte, sein Atem schneller wurde, während
seine Lippen noch immer in einem sinnlichen Kuß versunken auf die von Duo
drückten.
Duo schmierte den Jungen gut ein. Er wollte lieber zuviel, als zu wenig von der
Gleitcreme nutzen, denn er wollte seinem Geliebten auf keinen Fall mehr weh
tun, als nötig. Während er den Kuß noch immer nicht unterbrach, schmierte er
sich selbst etwas ein.
"Wenn es dir weh tut, oder du nicht mehr willst, sag' mir Bescheid, dann
höre ich sofort auf, ja?!", sagte er mit einfühlsamer Stimme. Heero
nickte, spitzte noch einmal die Lippen, wollte noch einmal mit Duo in einem
zärtlichen Kuss versinken, bevor es soweit war.
Duo tat ihm den Gefallen. Sie ließen ihre Zungen miteinander spielen und als
sich sich von einander lösten, war Heero entspannt. Er lag ruhig da, während
Duo seine Beine teilte, nachdem er sich seine Shorts abgestrampelt hatte. Er
hockte sich zwischen ihn, hob den Unterleib des Jungen etws an, um dann ganz
vorsichtig in ihn einzudringen.
Heero stöhnte als er die harte Spitze gegen seine kleine Öffnung drücken
spürte, stöhnte etwas lauter, als sie in ihn drang.
Duo bewegte sich so vorsichtig, wie möglich, drang immer weiter in den Jungen
ein, sah seine zusammengekniffenen Augen, als er bereits zur Hälfte in ihn
gedrungen war. Er berührte vorsichtig mit seinen Fingerspitzen das Glied des
Kleinen, um ihn etwas abzulenken. Es klappte! Heero entspannte sich etwas. Der
Druck, der die kleine Öffnung zusammenhielt ließ etwas nach, erleichterte Duo
das Eindringen.
Heero stöhnte auf, als er endlich ganz in ihm versunken war.
Einen Moment lang hielt Duo inne. Dann begann er sich ganz vorsichtig und
zunächst nur leicht sich in dem Jungen zu bewegen. Als er sah, dass er sich an
die Ausgefülltheit gewöhnte, wurden seine Bewegungen etwas sicherer.
Wieder ein Stöhnen von Heero. Es hörte sich an, wie es sein sollte. Es war voll
Lust, voll von Liebe und Glück.
Schließlich begann Duo seine kreisenden, zarten Bewegungen zu sanften Stößen
werden zu lassen. Er streichelte Heeros kleines Glied, schob die Vorhaut etwas
vor und zurück. Er selbst fühlte, wie er dem Orgasmus immer näher rückte, wie
er durch Heeros leises Stöhnen immer mehr erregt wurde.
Seine Stöße wurden härter. Heero bewegte sich in seinem Rhythmus, wollte Duo in
sich spüren, wollte, dass er in ihm explodierte.
Schließlich war es soweit. Heero hielt es nicht mehr aus, kam und ergoss sich
über Duos Hand, während er vor Erregung leise wimmerte und stöhnte.
Duo war ebenso nah davor zu kommen. Er stieß kräftig zu. Heero bewegte sich
noch immer mit ihm. Seine kleine Öffnung zog sich rasch zusammen, weitete sich
wieder und zog sich wieder zusammen als er kam, brachte Duo damit an den Rand
des Wahnsinns, als auch er kam und seinen heißen Saft in den kleinen Jungen
verströmte.
Einen Moment verharrte er in ihm, rang nach Luft, genauso, wie es Heero unter
ihm tat. Dann zog er sich aus ihn zurück, legte sich neben ihn. Er hob die
Hand, über die Heero sich ergossen hatte, zum Mund, leckte den klebrigen Saft
von seinen Fingern, hielt sie dicht vor Heeros Gesicht. Auch er leckte etwas.
Dann ließ Duo die Hand sinken.
Sie küssten sich und er schlang den Arm um den kleinen Jungen, hielt ihn fest.
"Es war wunderschön!", wisperte er leise, während er sich an Duo
kuschelte. Duo nickte. Er sah auf die Uhr. Es war Viertel nach Zwölf. "Das
ist das schönste Geburtstagsgeschenk, dass ich jemals bekommen habe!",
flüsterte er.
Heero lächelte und erhob sich etwas. Er bedeckte Duos Lippen mit einem
liebevollen Kuss. "Happy Birthday!", flüsterte er leise. Dann sank er
in Duos Arme zurück. Sie schlossen die Augen und genossen die Nähe des anderen,
ließen alles in ihren Gedanken noch einmal Revue passieren. Dann schliefen sie
erschöpft, aber sehr, sehr glücklich ein...
Heero stellte die kleine Torte vor Duo auf den Tisch. Er verzichtete darauf,
sich wie ein kleiner Chorjunge aufzustellen und Happy Birthday zu singen. Doch
Duo freute sich auch so außerordentlich doll. Er blies die Kerzen aus und sie
fütterten sich gegenseitig.
Heero saß auf Duos Schoß und lächelte, als dieser sich etwas bekleckerte. Mit
seinem Finger wischte er das Sahnetröpfchen von Duos nackter Brust und
schleckte es weg. "Hey, ich will auch!", protestierte Duo. Er nahm
die Sprühdose und sprühte etwas Sahne auf Heeros Schlüsselbein. Der Junge
guckte verwundert und Duo neigte sich etwas hinunter, begann seine Zunge über
Heeros bloße Haut gleiten zu lassen und leckte den süßen Schaum ab. Er ließ ein
bisschen davon auf seiner Zunge um es in einem innigen Kuss mit Heero zu
teilen.
Der Kleinere griff eine frische Erdbeere vom Frühstückstisch, steckte sie zur
Hälfte in den Mund und ließ Duo abbeißen. Ihre Augen leuchten voller Liebe und
sie waren glücklich sich so nahe sein zu dürfen.
"Warte mal!" Heero hob seinen Hintern etwas an und griff in seine
Jeanstasche. Er holte ein kleines, eingewickeltes Schächtelchen heraus.
"Ich... ich hab' noch ein Geschenk für dich!", flüstere er leise. Duo
sah ihn neugierig an. Er nahm das kleine Schächtelchen und wickelte das Papier
ab, dann klappte er es auf. Zum Vorschein kamen zwei goldene Ringe. Beide
trugen einen kleinen Diamanten, waren ansonsten nur mit einer kleinen
Verzierung versehen, ansonsten fast glatt.
Duo sah Heero verblüfft an und der kleine Junge wurde rot. Duo nahm einen Ringe
aus der Halterung und besah ihn sich genau. "Gottes Segen, meine Liebe -
auf ewig Dein" stand darin eingraviert.
Langsam fing sich Duo wieder. "Hee-chan...", murmelte er etwas
fassungslos. Was war? Freute er sich etwas nicht? Heero wurde rot. War er zu
weit gegangen, mit seinem Geschenk? "Ich... ich will dich nie wieder
verlieren...", wisperte er etwas scheu. Im nächsten Moment drückten ihn
zwei weiche Arme dicht an sich.
Duo ließ seine Finger durch das struppige Haar des Jungen rennen und küsste ihn
immer und immer wieder. "Duo-chan..." Heero suchte nach einer Antwort
auf die Fragen in ihm. Doch dann ließ Duo ihn wieder los. Er nahm den kleineren
Ring und streifte ihn auf Heeros linken Ringfinger.
Er akzeptierte das Geschenk! Heero wurde vor lauter Freude flau im Magen. Er
nahm Duo den anderen Ring aus der Hand und tat das Gleiche mit ihm, wie Duo es
bei ihm gemacht hatte.
Sie fielen sich wieder gegenseitig um den Hals und bedeckten sich mit Küssen,
bis Heero sich etwas löste. "Das klebt!", sagte er leise und schaute
auf sein Schlüsselbein hinab. Duo lachte. "Dann sollten wir vielleicht mal
duschen gehen!" Heero nickte und der Amerikaner trug ihn ins Bad, zog ihm
die Shorts wieder aus und Heero half Duo bei seinen.
Sie seiften sich gegenseitig ein, streichelten sich, lehnten sich aneinander,
als das warme Wasser über ihre Körper lief.
"Wann hast du eigentlich Geburtstag?", fragte Duo, während Heero ihm
die Haare wusch. Die Hände, die seine Kopfhaut massierten, hielten kurz inne.
Heero überlegte. Er wußte es nicht. In seinen Akten stand, dass er zehn war,
aber nicht, wann er geboren wurde. "Am 02. September.", antwortete er
dann leise. Duo überlegte. "An dem Tag haben wir uns doch kennegelernt,
nicht wahr?!", fragte er. Heero nickte. Er drehte das Wasser wieder an und
es spülte den Schaum aus Duos Haaren. "Ich lebe erst, seit ich dich
kenne!", wisperte Heero dann leise. Sein Blick war voller Wärme, voller
Dankbarkeit auf Duo gerichtet. Duo drehte sich zu Heero und kniete sich zu ihm
herunter. "Mir geht's genauso!" Er küsste Heero liebevoll...
Es war Nacht. Draußen rieselten Schneeflocken. Weihnachten war lange vorbei. Es
war kalt und es stürmte. Das Wetter war ungemütlich, auch in den warmen
Zimmern. Dazu kam der Gedanke, dass der Krieg immer heftiger wurde. Auch an
kleinen Randgebieten der Kolonien waren Angriffe gestartet worden. Es herrschte
ein unsagbares Ausmaß an Angst unter den Menschen, der die Gemüter trübte.
Auch Heero fürchtete sich. Er fürchtete, dass Duo gehen würde. Er war fast
fertig mit seiner Ausbildung und sie brauchten alle Leute, die sie bekommen
konnten.
"Laß' uns gehen! Bitte!", wisperte Heero eindringlich. Er lag dicht
an Duo gepresst, hielt ihn fest in der Angst, dass jeder neue Morgen ihn ihm
nehmen könnte. Duo hatte genauso viel Angst, doch er versuchte den Kleinen zu
beruhigen. Er rannte seine Fingerspitzen durch sein Haar. "Wofür
trainierst du? Weswegen bist du hier? Irgend etwas hält dich doch, oder?!",
fragte er mit ruhiger Stimme. Heero schüttelte den Kopf. "Ich mache es
nur, weil ich nichts anderes gewöhnt bin. Was soll ich den sonst tun?"
Duo lächelte. Er schloss die Augen. "Weißt du... Ich habe mich damals
entschlossen zu kämpfen, als sie mich anwarben, weil ich Menschen verloren
habe... Viele Menschen, die ich liebte wurden mir genommen, wurden getötet...
Getötet von OZ... und... so viele Unschuldige mußten sterben... Ich will nicht,
dass es ewig so weitergeht, verstehst du?!"
Heero verstand es nicht. Warum? Warum wollte Duo jemanden rächen, der nicht
wieder lebendig werden würde?! Warum gerade er?! Heero wollte, dass er bei ihm
blieb! Er dachte nach. Wenn Duo für die Menschen kämpfte, die er einst geliebt
hatte, dann wollte er das auch tun. "Ich werde für dich kämpfen!",
sagte er leise, aber entschlossen.
Duos Finger erstarrten kurz. Es gefiel ihm nicht, dass der kleine Junge, den er
so sehr liebte, so redete! Er wollte nicht, dass er kämpfte, dass er den Krieg
aus nächster Nähe miterlebte! "Tu' das...", wisperte er leise. Er
hoffte, dass es nie passieren würde, dass Heero das alles durchmachen musste.
Er hatte schon genug erlebt in seinem kurzen Leben...
Immer mehr Tage waren ins Land gezogen. Jeder von ihnen brachte mehr Meldungen
über Tote und Verletzte - fast alle ausschließlich Opfer des Krieges zwischen
den Kolonisten und OZ. Heero hatte erst gerade wieder eine Zeitungsmeldung
gelesen, als er einkaufen war, in der stand, dass ein kleines Mädchen und eine
Mutter bei einem Lagerbrand, welcher durch OZ-Soldaten verursacht wurde, ums
Leben kamen.
Er schloß die Zimmertür auf, wobei er die Tüten so balancierte, dass nichts aus
ihnen herausfiel. Vorsichtig trat er mit seinem Fuß gegen das schwere Holz und
die Tür öffnete sich. "Tadaima!", rief er, um Duo zu sagen, dass er
wieder heil zu Hause angekommen war, doch dieses Mal erschien kein strahlender
Duo, der ihn freudig begrüßte, wie sonst immer.
Heero wunderte sich etwas und stellte die Tüten vor der Theke ab. Dann lief er
durch den gesamten Gebäudetrackt, auf der Suche nach Duo. Er fand ihn nicht und
das ungute Gefühl in seiner Magengegend wurde immer größer. Schließlich trieb
es ihn zum Hangar, wo Duo gerade dabei war in einen Flieger zu steigen.
Heero erstarrte, war unfähig etwas zu sagen, doch Duo hatte ihn schon bemerkt.
"Hee-chan...", wisperte er tonlos. Seine Stimme zitterte. Dann fasste
sich Heero endlich wieder. So schnell er konnte lief er zu seinem Geliebten und
drückte sich an ihn. Er hielt seine Hände unsanft um seinen Rücken geschlungen.
"Du darfst nicht gehen!", flehte er leise. Auch seine Stimme zitterte
und er war den Tränen nahe, als Duo ihm beruhigend seine Hand auf den Kopf
legte. Ihm selbst fiel er schwer zu gehen. Er wollte es auch nicht, aber er
hatte den ausdrücklichen Befehl bekommen XXXG-01D zu steuern, den Gundam
Deathscythe.
"Hee-chan, weißt du noch, was ich dir damals erzählt habe? Du weißt,
weswegen ich es tue. Ich muss es tun!" Er versuchte, dem Jungen sein
Handeln zu erklären und wusste doch, dass es sinnlos war. Heero stieß sich
etwas von ihm weg und sah ihn mit aufgerissenen, verzweifelten Augen an.
"Aber was ist, wenn du stirbst?!", schrie er Panik erfüllt. Duo
zuckte zusammen. Ihm selbst war bewusst, in welche Gefahr er sich begab,
andererseits jedoch konnte ihm genauso viel passieren, wenn er als gewöhnlicher
Bürger zur falschen Zeit am falschen Ort war. "Ich werde nicht
sterben!", flüsterte er leise, während er Heero aufmunternd ansah und ihn
wieder an sich zog.
Er hatte sich nicht von ihm verabschieden wollen. Er hatte Heero absichtlich
nichts gesagt, damit es ihnen nicht noch schwerer fiel... Mit einem Seufzer
kniete er sich zu ihm hinunter. Dann zeigte er ihm seine Hand, nahm die des
Kleinen und sie berührten sich, die Ringe trafen leicht aufeinander.
"Hey, wir bleiben zusammen, klar?! Ich lass' dich nicht allein und du
lässt mich nicht allein, okay?!" Heero nickte leicht. //Aber warum gehst
du dann?!// Schrie jede einzelne Faser seines Körpers. Er selbst jedoch war
unfähig, etwas zu sagen. Er drückte sich an Duo, wollte ihn auf keinen Fall
loslassen. Den zärtlichen, langen Kuss, den Duo ihn gab, spürte er kaum vor
Verzweiflung.
Dann schoben die Arme des Jungen, den er so sehr liebte, ihn leicht von sich.
Er lächelte ihm etwas zu, dann stieg er ein, winkte ihm noch einmal, bevor die
schwere Stahltür zwischen ihnen zufiel.
Hinter dem starken Metall verschwand Duos Lächeln. Eine Träne rollte über seine
Wange und er wischte sie schnell weg, ging ins Cockpit.
Heero stand noch immer wie angewurzelt. Seine Kehle war trocken und er
schluckte heftig, nicht fähig zu weinen. Er spürte tief im Unterbewusstsein,
wie jemand eine Hand auf seine Schulter legte und ihn unsanft aus dem Hangar
schob, doch sein Blick war starr auf den Flieger gerichtet, der sich zum Abflug
bereit machte und schließlich den Hangar verließ. Heero sah hinauf zum Himmel,
sah die Maschine, in der der einzige Mensch saß, den er liebte, der einzige
Mensch, der ihn jemals verstanden hatte und der seine Liebe
erwiderte.................................
Fünf entsetzlich lange Jahre später war der Krieg endlich vorbei, fünf lange
Jahre, in denen Heero nie wieder ein Wort von Duo gehört hatte. Er war nie
wieder der kleine Junge gewesen, den Duo verlassen hatte.
Zunächst widerwillig doch dann sein einziges Ziel daraus machend, hatte er
seine Ausbildung fortgesetzt, war nur ein Jahr später zum Piloten des Wing
Gundam geworden.
Inzwischen war er berechnend geworden, hatte nur noch den Sieg über OZ und das
Erfüllen seiner Mission vor Augen gehabt. Er war nicht weicher geworden, nur
härter.
Der Tod wich nicht mehr von seiner Seite, nein... Der Tod hatte ihn verlassen.
Shinigami war ihm nicht geblieben. Nicht einmal des Gott des Todes... Auch er
hatte ihn verlassen! Wie hatte er denken können, dass jemand es wirklich lange
mit ihm aushielt?!
Aber Duos Liebe hatte ihm doch so gut getan, war so offen gewesen, so
einfühlsam...
Den Ring trug er immer noch. Er hatte ihn an eine Kette gebunden und um seinen
Hals gehängt und nieder wieder hatte er ihn abgenommen. Er war immer bei ihm
gewesen, so wie er sich wünschte, Duo wäre es gewesen.
Noch immer verstand er nicht, wie Duo ihn allein lassen konnte. Er hatte ihn
doch immer seinen kleinen Engel genannt...
Kurz nach Duos Abflug war er wieder von Dr. J betreut worden. Er hatte ihm
gesagt, dass Duo die ganze Zeit über vorgehabt hatte, Heero zu verletzen, in
dem er ihn allein ließ.
Wieder wurden seine Gedanken und Gefühle durcheinander gebracht. Auf der einen
Seite stand seine Liebe zu Duo und das Wundervolle, was sie alles gemeinsam
erlebt hatte und auf der anderen Seite stand ganz klar die Aussage, dass
Gefühle schwächten, verletzbar machten, ausgenutzt wurden...
In all den Jahren des Kampfes war er allein gewesen. Niemand war da, wenn er
verletzt wurde um ihn zu trösten - niemand war da, wenn er eine Mission
erfolgreich abgeschlossen, Menschen das Leben gerettet hatte, um ihn zu
loben...
Heute sollten sie ausgezeichnet werden: Alle Soldaten, die treue Dienste
erwiesen hatten, allen voran die fünf Piloten der Gundam...
Heero schaute sich um. Er hasste diese feierlichen Veranstaltungen. Er hatte
sie nie gemocht, wagte gar nicht nachzuzählen, wie viele Einladungen er schon
zerrissen hatte. Die meisten kamen von einen Mädchen, das vor Aufdringlichkeit
kaum mehr von seiner Seite gewichen war. Noch dazu war sie kein einfaches
Mädchen, wie jedes andere, sondern Relena Peacecraft. Heero mochte sie nicht.
All die Jahre hatten sie gekämpft, um ein Ziel zu erreichen: das Ende des
Krieges, doch das hieß noch lange nicht, dass er auch nur irgendeine Sympathie
für sie empfand.
Ja... Ja, sie mochten ihn. Mädchen und Jungen lagen ihm zu Füßen, dem großen,
muskulösen Piloten des Wing Gundam, der er geworden war, doch nicht eine, nicht
einer unter allen, hatte jemals sein Interesse geweckt.
Sein Leben galt nur noch dem Kampf. Nun stand er da, in ihrer Mitte, fühlte
sich genauso fehl am Platze, wie immer, wusste, dass er ausgezeichnet werden
sollte. Was bedeutete diese Auszeichnung schon?! Sicher, es war eine Ehrung,
doch sie war nichts, verglichen mit dem Wunsch, bei Duo zu sein, der jahrelang
in seinem Herzen schlug, ihn nicht zur Ruhe kommen ließ.
Nacheinander wurden sie aufgerufen, alle fünf Piloten der Gundam. Er zuerst.
Mit sicheren Schritten trat er auf die Bühne, stand kerzengerade mit einem
Blick, der durch alles hindurch zu gehen schien, das Gesicht ausdruckslos wie
immer. Warum sollte er auch Gefühle zeigen? Nie hatte jemand ihn je wieder so
verstanden, wie Duo und niemandem wollte er so nahe sein!
Seine Gedanken waren bei dem aufgeweckten Amerikaner, als er geehrt wurde. Ihm
wurde der Ordnen angesteckt, für den er heute Abend erschienen war. Er
schüttelte Hände und antwortete nur mehr mit einem 'Hn' während sie ihm
gratulierten, er Hände schüttelte auf deren dazugehörige Gesichter er nicht
einmal achtete.
Duo müsste inzwischen 20 sein. Er war ganze fünf Jahre älter gewesen als Heero.
Fünf Jahre, die ihnen nie etwas ausgemacht hatten. Ob er immer noch so fröhlich
war? Ob er überhaupt noch lebte? Jedes Mal, wenn Heero sich diese Frage
gestellt hatte, hatte sein Herz sich schmerzlich zusammengezogen, so auch
dieses Mal.
Er verließ die Bühne wieder. Mechanisch setzte er einen Fuß vor den anderen,
den Blick kalt und durchdringend geradeaus gerichtet. Doch plötzlich erstarrte
er in der Bewegung, als der nächste Pilot aufgerufen wurde. Der Pilot des neuen
Models Deathscythe Hell - Duo Maxwell.
Heero drehte sich um, spürte die Blicke in seinem Rücken.
Tatsächlich! Dort stand er! Mitten auf der Bühne... Ein hochgewachsener Mann,
größer noch, als er selbst es war. Der lange Zopf, der inzwischen noch
gewachsen war, wippte bei jeder Bewegung auf und ab, genauso, wie es immer
gewesen war. Seine indigofarbenden Augen visierten ihn an.
Heero musste sich stark zusammenreißen, um nicht zusammenzubrechen. Plötzlich
waren seine Knie weich, wie Gummi und er musste sich an eine Wand lehnen.
Solange hatte er auf diesen Moment gewartet, hatte gehofft, Duo wiederzusehen.
Doch Zweifel stiegen in ihm auf. Wollte Duo überhaupt noch mit ihm zusammen
sein? Was, wenn nicht? Würde es je wieder sein, wie es war?!
Heero hörte den Applaus, als Duo die Bühne verließ. Er klatschte mit. Zum
ersten Mal, seit Duo weg war, zeigte er eine gewisse Anteilnahme. Doch wieso?
Duo wurde dafür geehrt, dass er ihn verlassen hatte, um zu kämpfen...
Als Duo endlich vor ihm stand, wurden Heeros Knie noch weicher. Seine Hände
zitterten, waren feucht und er glaubte, er würde jeden Moment zusammenbrechen.
Duos Augen sahen ihn fragend an, warteten auf ein Zeichen, dass Heero ihm gab,
doch er konnte nicht. Er wusste, wenn Duo ihn jetzt umarmte, oder auch nur ein
Wort sagte, würde er in Tränen ausbrechen, dann wären all die Anstrengungen als
Mr. Perfect Soldier zu gelten umsonst gewesen und er wäre wieder verletzbar
gemacht.
Er sagte kein Wort, doch er ging langsam zum Seitenausgang. Duo verstand. Auch
ohne, dass Heero etwas sagte, folgte er ihm.
"Wo wohnst du jetzt?", fragte er schließlich. Seine Stimme klang
unsicher, genauso, wie Heeros Antwort. "Hier, L1-Colony." Mehr Worte
fielen nicht.
Duo folgte Heero bis zu seiner Wohnung. Er erschrak etwas, als er die spärliche
Einrichtung sah. Nur eine Matratze auf dem Boden, die Wände nicht gestrichen,
ein Herd im gleichen Zimmer. Dann eine Verbindungstür zum Bad, wie Duo
herausfand, als er sie öffnete. Auch hier nicht mehr als ein Waschbecken,
Spiegel, Dusche und eine Toilette. Der Putz bröckelte überall von den Wänden.
Das ganze Zimmer war dunkel. Lediglich im Bad gab es Deckenlicht, in dem
kleinen Zimmer, in dem sie sich nun niederließen nur eine kleine
Schreibtischlampe auf einer Kiste, in der sich die Nahrungsmittel befanden.
"Gemütlich hast du's hier!", bemerkte Duo ironisch. "Mehr
braucht ein Soldat nicht. Ich habe alles, was ich brauche." Heero setzte
sich auf die Matratze, winkelte die Beine etwas an und stützte die Arme auf
sie. Sein Blick visierte Duo an, der die Lampe von der Kiste nahm und sich
hinsetzte.
Eine Weile Schweigen. Duo wand sich unter Heeros Blick. Die Ausdruckslosigkeit
in seinen Augen war schier unerträglich für ihn.
"Wo ist das Kind in dir geblieben?", fragte er schließlich. Seine
Stimme klang mitleidig, beklommen. "Wo hast du es zurückgelassen?",
war Heeros karge Antwort.
Seine Stimme klang anklagend, verletzt. "Heero, ich habe dir erklärt
warum..." Weiter kam Duo in seinem verzweifelten Versuch, das Gespräch auf
ein erträgliches Niveau zu bringen, nicht.
"Warum hast du dich nie gemeldet?!" Heero stand auf. Er stellte sich
neben das Fenster, verdunkelte so den Raum nur noch mehr. Seine Hand stützte er
auf das Fensterbrett, während er in die Ferne starrte.
Heero hätte damit leben können, wäre Duo nicht bei ihm gewesen und hätte doch
ab und zu von sich hören lassen. Doch so glaubte er, Duo hätte ihn völlig
vergessen, hätte seine Liebe zu ihm verloren.
Er spürte wie es heiß wurde an der Stelle auf seiner Brust, auf der der Ring
lag. Duo sprang auf. Er sah es durch die Spiegelung auf der Fensterscheibe,
doch er hätte es auch bemerkt, wäre es nicht da gewesen. Er kannte ihn zu gut,
um es nicht zu bemerken.
"SIE HABEN MIR GESAGT, DU SEIST TOT!", schrie Duo. Heero erstarrte.
Er drehte sich zögerlich um, sah die Tränen über Duos Gesicht rennen.
Fassungslos starrte er ihn an.
"Weißt du, was das für ein Gefühl war, als mein Brief zurückkam? Nur eine
kleine Aufschrift: Absender verstorben - Nachricht nicht zustellbar! Ich hab'
geglaubt ich müsse sterben!"
Heero sah die Tränen immer noch in Strömen über Duos Wangen rennen, wußte, dass
er nicht log. Er kannte seinen Geliebten. Er hatte gestohlen, war geflohen,
hatte Unsinn gemacht - doch nie hatte er gelogen!
Duo schluchzte und redete weiter. "Kannst du dir vorstellen, was das für
ein Gefühl war, dich wiederzusehen?! Kannst du dir vorstellen, wie ich gelitten
habe zu wissen, dass der einzige Junge, den ich jemals so sehr liebte, wie
dich, tot sein sollte?! Hast du überhaupt eine Ahnung wie sehr es geschmerzt
hat, dich vorhin wiederzusehen und zu begreifen, dass alles eine Lüge war?!
Eine Lüge, die uns fünf ganze Jahre gekostet hat?! Weißt du das, Yuy?!"
Heero zuckte. Duos Stimme klang genauso verletzt, wie seine am Anfang ihres
Gespräches.
"Duo, ich... ich..." Heero fand keine Worte für das, was er aussagen
wollte, für die Beschreibung dessen, was in ihm vorging. Es war abgrundtiefer
Schmerz, gemischt mit unendlicher Freude des Wiedersehens.
Langsam ging er zu Duo. Er legte seine Arme um ihn, drückte seinen Kopf an
seine Schulter. Duo ließ seinen Tränen freien Lauf, spürte wie Heero zitterte
und seine nassen Tränen auf seinen Rücken fielen, sein T-Shirt benässten.
Heero wollte es wissen... Er wollte wissen, ob Duo ihn noch immer so sehr
liebte, wie früher, ob er immer noch mit ihm zusammensein wollte, doch er
traute sich nicht zu fragen. Die Ungewissheit in ihm brannte, drückte ihm die
Luft fast ab.
"Duo..." Er streichelte dem großen Jungen das aufgelöste Haar aus dem
Gesicht. Es war noch immer genauso weich und gepflegt, wie immer, duftete nach
Honig und Vanille... Heero atmete tief ein, atmete den Duft, den er so sehr
liebte.
Schließlich gelang es ihm, über seinen Schatten zu springen. "Werde ich
dich je wieder in mir spüren dürfen?", fragte er leise. Seine Stimme klang
unsicher, scheu - wie die des kleinen Jungen, der er einmal gewesen war.
Duo hob sein Gesicht. Er sah in Heeros Augen, versank in dem Kobaltblau.
Plötzlich sah er ihn wieder, den Jungen, den er so sehr liebte. Der
undurchdringliche Blick hatte sich gewandelt, war wieder voller Wärme und
Offenheit. Der Soldat vor ihm war verschwunden, sein geliebter, kleiner Junge
stand wieder vor ihm...
Duo nickte. Sein Herz raste so schnell, daß er glaubte allein von dem Tempo
seines Herzschlages überwältigt zu werden. Er drückte Heero an sich,
streichelte über seinen Nacken.
Die Ketten, die sie um den Hals trugen rutschten aus ihren Hemden, die Ringe
berührten sich mit einem kleinen Klirren. Sie sahen auf sie hinunter. Plötzlich
war kein Zweifel mehr daran, dass der andere ihn immer bei sich getragen hatte.
"Jetzt und für immer, hier und in Ewigkeit, bin ich dein, werde deiner
Liebe immer gedenken, so wie ich dich in meiner Liebe fangen werde und wir sind
eins, für immer und ewig!", wisperte er leise.
Ein Brennen... Ihre Lippen berührten sich... Ihre Herzen fingen Feuer, brannten
füreinander mit Liebe und Feingefühl, Friede und Geborgenheit, ließen sie eins
sein - für immer...........
~Owari~