Die Geschichte von der lahmen Elster, die sieben grüne Eier hatte
In längst vergangenen Zeiten lebte eine lahme Elster, die sieben grüne Eier hatte. Aber eines Tages kam ein Fuchs und sagte: "Gib mir eines von deinen sieben Eiern! Ich will es fressen!"
Darauf erwiderte die Elster: "Ich werde dir keines meiner Eier geben."
"Wenn du mir keines deiner Eier gibst, werde ich deine Sachen zu Staub zermalmen und deine goldene Espe mit meinem Kopf umstoßen," drohte der Fuchs.
Die Elster bekam Angst und gab ihm ein Ei. So kam dann der Fuchs jeden Tag, wiederholte seine Drohung und fraß die Eier der Reihe nach auf, bis nur noch ein einziges Ei übrig war. Als daraufhin die Elster anfing zu weinen, traf es sich, daß eine Maus des Weges kam.
"Warum weinen Sie?" fragte die Maus.
Die Elster antwortete: "Ich hatte einst einen Berg von sieben Eiern. Aber dann kam der Fuchs und sagte: 'Du mußt mir eines deiner Eier geben.' Und als ich sagte, ich würde ihm kein einziges geben, sagte er: 'Wenn du es mir nicht gibst, werde ich deine goldene Espe umstoßen, ich werde deine Sachen zu Staub zermalmen.' Da blieb mir nichts anderes übrig, als ihm das Ei zu geben, und jetzt ist nur noch ein einziges Ei übrig."
Die Maus gab der Krähe folgenden Rat: "Gut, sag jetzt bitte 'Ich werde dir keines meiner Eier geben'. Wenn der Fuchs das hört, wird er dir wieder drohen und sagen: 'Ich werde deine goldene Espe mit meinem Kopf umstoßen. Ich werde deine Sachen zu Staub zermalmen.' Und dann sagst du folgendes: 'Wo ist denn dein Geweih, mit dem du die goldene Espe umstoßen könntest? Und wo sind deine Hufe, mit denen du meine Sachen zu Staub zertrampeln könntest?' Dann wird dich der Fuchs fragen, wer dich diese Worte gelehrt hat. Und du antwortest bitte: 'Ich habe selber nachgedacht, bis es mir einfiel. Ich habe darüber geschlafen, und da kam es mir in den Kopf. Ich habe gegrübelt, bis ich die Idee hatte.'"
Am nächsten Tag kam der Fuchs wieder und forderte: "Gib mir dein letztes Ei!"
Aber die Elster sagte: "Ich werde es dir nicht geben."
"Dann werde ich die goldene Espe mit meinem Kopf umstoßen. Ich werde deine Sachen zu Staub zermalmen," sprach der Fuchs.
Da fragte die Elster: "Wo ist denn dein Geweih, mit dem du die goldene Espe umstoßen willst? Und wo sind deine Hufe, um meine Sachen zu Staub zu zermalmen?"
"Von wem hast du diese Worte gehört? Sag es mir!" entgegnete der Fuchs.
Die Elster antwortete: " Ich habe selber nachgedacht, bis es mir einfiel. Ich habe darüber geschlafen, und da kam es mir in den Kopf. Ich habe gegrübelt, bis ich die Idee hatte."
"Wenn du mir nicht sagst, wer dich diese Worte gelehrt hat, dann werde ich dich mit Hilfe der 13 Listen des Fuchses fangen und fressen!" drohte der Fuchs.
Da sah die Elster keinen Ausweg mehr, und in ihrer Angst sagte sie: "Die Maus, die in jenem Loch wohnt, hat sie mich gelehrt."
Der Fuchs ging zu dem Eingang der Höhle der Maus und rief die Maus. Die Maus antwortete: "Ich mache gerade sauber."
Aber der Fuchs wartete und rief noch einmal nach ihr. Da rief die Maus: "Ich wische gerade meinen Spiegel ab."
Der Fuchs aber blieb weiter vor der Höhle und rief noch einmal nach der Maus. Da streckte die Maus ihren Kopf aus der Öffnung.
"Wenn der Kopf schon so prächtig ist, wie prächtig muß dann erst die Brust sein," schmeichelte der Fuchs. Da brachte die Maus ihre Brust zum Vorschein.
Der Fuchs sagte: "Wenn die Brust schon so prächtig ist, wie prächtig muß dann erst der Po sein." Die Maus kroch soweit hervor, daß ihr Po zum Vorschein kam.
"Wenn der Po schon so prächtig ist, wie prächtig ist dann wohl erst der Schwanz," sagte der Fuchs, und die Maus präsentierte ihren Schwanz.
Schließlich sagte der Fuchs: "Dein Körper ist so prächtig. Wie prächtig wärst du erst, wenn du auf einen Felsen hüpfen würdest?" Als die Maus daraufhin auf einen Felsen hüpfte, schnappte der Fuchs zu und fing sie.
Da sagte die Maus: "Wenn du mich kaust, wird es stinken. Wenn du aber ein großes Stück abbeißt, wird es gut schmecken." Also machte es der Fuchs so, wie die Maus es ihm geraten hatte, und als er sein Maul dazu weit aufriß, fiel die Maus aus seinem Maul und lief davon.