Gesetze von Reinkarnation und Karma nach Rudolf Steiner
Quelle: R. Steiner, Wiederverkörperung, Themen
aus dem Gesamtwerk
Karmische Auswirkungen in aufeinanderfolgenden
Inkarnationen (=>Pfeil steht für nächste Inkarnation)
1. Liebe den Mitmenschen gegenüber =>
(nächste Inkarnation:) Freude, innere Kraft, Stärke =>
(nächste I.:) offenes Herz, freier Sinn
2. Haß oder Antipathie =>
(nächste I.:) Leid => (nächste I.:) Torheit
3. Luziferischer Einschlag (betrifft immer den) Astralleib:
Neid als moralische Eigenschaft in der Jugend, wächst sich im Alter
aus zu Tadel-, Spottsucht, Arroganz bis hin zur Unselbständigkeit
=> schwacher physischer Körper (weil moralische Defizite
negativ organisierend auf die Konzeption des Körpers im nachfolgenden
Leben wirken)
Heilmittel: Herantragen von verzeihender Liebe bereits
an das Kleinkind
4. Ahrimanischer Einschlag (betrifft immer den) Ätherleib:
Lügenhaftigkeit als charakterliche Eigenschaft, wandelt sich im
Alter zu Oberflächlichkeit und Scheue => Schwachsinn,
weil der Ätherleib die Verstandeskräfte (Denkfähigkeit)
organisiert. Folge: Nicht nur schwacher Körper, sondern auch schwache
geistige Fähigkeiten
Heilmittel: Wahrheiten des Geistes bereits dem Kinde
liebevoll beibringen
5. Glaubenslosigkeit bewirkt das
"Verdörren" des Astralleibs: "Wie die Nahrung auf den
physischen Leib, so wirkt der Glaube auf den Astralleib." => "Austrocknen" der
Individualität, geistige Stumpfheit
Karma = Schicksalsausgleich; Reinkarnation =
Wiederverkörperung, -geburt
Inkarnation = wörtlich: Fleischwerdung, ins
irdische Dasein treten
S.123: Denken wir uns, wir bemühten uns
liebevoll, anderen Menschen je nach ihrem Karma zu helfen. Nehmen wir einen
Menschen, der ein scheues, unsicheres Wesen hat, aber nicht aus Bescheidenheit,
sondern aus Furcht, anderen Menschen gegenüberzutreten. (Es hat sich diese
übermäßige Scheuheit gebildet als Folge von ahrimanischen
Verfehlungen, d.h. Lügenhaftigkeit und Oberflächlichkeit
gegenüber der Wahrheit. Denn so sind die ehernen Gesetze vom
Schicksalsausgleich (=Karma): Wer in seiner Jugend lügenhaft war, der
traut sich im Alter nicht, den Leuten in die Augen zu schauen. Instinktiv sagt
man in ländlichen Gegenden: Traue niemanden, der dir nicht ins Auge
schauen kann.) Wie können wir diesem Menschen helfen, seine Unsicherheit
zu überwinden ? Wir müssen es als Pflicht ansehen, einem anderen
Menschen zu helfen. Denn würden wir sagen, man solle diesen Menschen
seinem Schicksal (Karma) überlassen, dann wäre das moralisch falsch,
seinem ihn Hier komme ich auf ein
subtiles Gesetz:
"Alles, was wir dem anderen tun zum Ertragen und
Überwinden seines Karma, wird immer dazu führen, daß nicht nur
dem anderen geholfen wird, sondern auch dazu, daß wir etwas für uns
selber tun. Aber was wir uns selber tun, z.B. um recht schnell
vorwärtszukommen, wird uns in der Regel nicht viel helfen. Fruchtbar
werden kann für den Menschen nur das, was er für andere tut. Uns
selber können wir nichts Gutes erweisen. Wenn wir einem Menschen sein
Karma zu überwinden helfen, ergeben sich die besten Wirkungen, denn was
wir für andere tun, ist Gewinn für die Menschheit. Für uns
selber können wir nichts tun, das müssen wiederum die anderen tun.
Darum müssen wir im höchsten Sinne auffassen: Mitgefühl
für andere Menschen. - Entwickeln wir dieses Mitgefühl im
höchsten Sinn, dann fühlen wir auch im Bezug auf Neid und Lüge
diese Pflicht des Mitgefühls anderen Menschen gegenüber. Wir
entwickeln auf diese Weise ein Solidaritätsgefühl, das sich auf alle
Menschenseelen erstreckt.
Die
Menschheit ist überhaupt daraufhin veranlagt, daß jeder einzelne
Mensch seinen Zusammenhang mit dem ganzen Menschentum immer fühlt. Und
dieses Gefühl in seinen verschiedenen Lebensäußerungen sollte
auch in den Kämpfen gegen Luzifer und Ahriman leben."
Eine weitere karmische Regel lautet, daß der
Neid als luziferische Verfehlung sich in späteren Lebensabschnitten
umwandelt in Tadelsucht, Spottsucht, Überheblichkeit,
Selbstüberschätzung.
"Der Neid tritt nach 20 oder 30 Jahren
nicht mehr hervor, und es zeigt sich die Umwandlung desselben wieder dadurch,
daß der Betreffende sich mit der Eigenschaft der Unselbständigkeit
zeigt, des Abhängig-sein-Wollens von anderen Menschen oder von
Vorstellungen des Nicht-vertragen-Könnens, auf eigenen Füßen zu
stehen, immer andere Menschen haben zu müssen, die raten und helfen. Eine
gewisse moralische Schwäche tritt als Folge des umgewandelten Neides auf,
und wir werden immer sehen, wenn jemand diese moralische Schwäche hat,
daß da die karmische Folge des umgewandelten Neides vorliegt.(...) Und
was als moralische Schwäche in einer Inkarnation auftritt, wirkt
organisierend in der nächsten Inkarnation. Die seelische
Schwäche, welche die Folge des Neides ist, kann in der gegenwärtigen
Inkarnation, wo der Leib schon aufgebaut ist, diesen Leib nicht besonders
zerstören. Aber wenn wir durch den Tod hindurchgehen und zu einer neuen
Inkarnation zurückkehren, wirken diese Kräfte so, daß sie
organisch-leibaufbauende Schwäche werden, und wir sehen, daß ein
schwacher Leib von solchen Menschen aufgebaut wird, die den umgewandelten Neid
in einer vorhergehenden Inkarnation hatten. Das Heilmittel für ein
körperlich schwaches Kind ist die verzeihende Liebe. Wer die Kraft der
Liebe an das Kind heranträgt, wird schon sehen, wie das Kind stärker
und stärker wird. Bis auf das Denken hinein muß verzeihende Liebe
wirken, denn dadurch kann das Kind Kräfte sammeln, um sein früheres
Karma umzubiegen und in eine fruchtbare Richtung zu lenken. Das Kind wird auch
leiblich stark werden. Ein solches Kind zeigt oftmals Eigenschaften, die
unangenehm sind. Wenn wir es lieben - bis ins allertiefste Herz, so wirkt das
als das intensivste Heilmittel, und wir werden bald sehen, wie wirksam dieses
Heilmittel ist."
Betrachten wir noch einmal die Lügenhaftigkeit,
eine ahrimanische Verfehlung. In einer Inkarnation wird da der Mensch im Alter
scheu. Das ist eine seelische Eigenschaft. Aber in der nächsten
Inkarnation wirkt sich diese Eigenschaft aus als Architekt des Leibes. Da tritt
das Kind nicht nur schwach auf, sondern so, daß es überhaupt kein
rechtes Verhältnis zu seiner Umgebung gewinnen kann, so daß es schwachsinnig
ist. Man muß versuchen, einem solchen Menschen recht viel von dem
beizubringen, was Wahrheiten des geistigen Lebens sind, dann werden sie sehen,
wie er aufblüht. Immer sollten wir da den Gedanken haben: "Wir
müssen alles tun, um ein wahres Verhältis eines solchen Kindes
zu seiner Umgebung herzustellen."(123) Da Ahriman seine Macht im
menschlichen Ätherleib entfaltet, dort Lüge und Irrtum verbreitend,
kommt es zur Degeneration der Verstandeskräfte in der nachfolgenden
Inkarnation, weil der Verstand durch den menschlichen Ätherleib
(Bildekräfteleib) hervorgebracht wird. Neid hingegen, der sich zu Spottsucht
bzw. Unselbständigkeit auswächst, entstammt dem luziferischen
Einwirken auf den Astralleib (Empfindungsleib). In der nachfolgenden
Inkarnation entwickelt der physische Leib eine schwächliche Konstitution
mit Disposition zu körperlichen Krankheiten. Indem wir uns klarmachen, wie
wir uns gegenüber Menschen mit angeborenen körperlichen oder
geistigen Defekten verhalten sollen, kann uns deutlich werden, daß die
Welt erfüllt ist von diesen Impulsen von Luzifer und Ahriman - und wie sie
überwunden werden können im Laufe der Erdenentwicklung.
"Da
kommt nun jeder Mensch, wenn er solche Zusammenhänge im Gefühl
verfolgt, notwendig dazu, ein immer tieferes Gefühl von dem Menschentum
überhaupt zu haben. Gewissermaßen gibt es für jeden Menschen
die Möglichkeit, etwas zu fühlen, was ihn mit allen Menschen
verbinden kann."
Die Idee von Reinkarnation und Karma wird vielleicht
nicht unmittelbar unser äußeres Leben verändern, aber
dafür umso stärker unser seelisches Leben. Dann wird diese Idee
allmählich zur dirigierenden Macht auch unseres äußeren Daseins
werden. "Erfolg muß diese Lehre (sehr bald) haben, wenn die
Menschheit nicht ihrem Niedergang entgegengehen soll." (S.105) Die
Fähigkeiten und Kräfte eines Menschen sind das Ergebnis der Ursachen,
die er selbst in früheren Leben gelegt hat. Nichts ist dieser Idee so
feindselig gesinnt, als die Meinung, daß man für eine erbrachte
Arbeit oder Leistung sofort einen angemessenen Lohn erhalten soll. Aus
der Idee des Karma folgt, daß wir im Leben nicht zufällig an dem Ort
stehen, den Posten einnehmen, auf dem wir uns befinden, sondern aus einer Art
von unterbewußtem Willensentschluß. Daß wir bereits vor
unserer Geburt diesen Willensentschluß gefasst haben, diesen aber wieder
vergessen haben, als wir uns in den Körper einlebten. Diese Entscheidung
beinhaltet unsere Neigung für die Schicksalsschläge, die uns treffen,
da wir sie unbewußt anstreben. Die Unzufriedenheit der Menschen ist
nichts anderes als ein Produkt ihrer vergangenen Leben. Nur wer die Wahrheit
von Reinkarnation und Karma anerkennt, kann den Gang seines Lebens konstruktiv
und zielvoll gestalten. Von den einzelnen Karmagesetzen verstehen die Menschen
heute noch sehr wenig.
"Oft ist zu hören: Was früher der Glaube war, muß
heute das Wissen sein. Dem Hellseher erscheinen die karmischen
Zusammenhänge des Lebens folgendermaßen: Betrachtet man einen
besonders spirituellen Menschen, dann wird es umso klarer deutlich, als dieser
"geradezu ein Genie ist auf dem Gebiet der religiösen Andacht, der
Hinordnung der Gedanken nach der übersinnlichen Welt". Als Hellseher
erkennt man bei eben diesen besonders gläubigen Naturen, bei denen der
Glaube oft erst im späteren Lebensalter auftritt, daß sie in
vorhergehenden Inkarnationen Wissende waren in Bezug auf
Weltanschauungen. Eine erstaunliche Tatsache. Das Wissen ihrer vorhergehenden
Inkarnation, das rationelle Element der Vernunft der früheren Inkarnation
hat sich gerade in das Glaubenselement der gegenwärtigen
Inkarnation verwandelt.
Tritt man dagegen an besonders materialistische Menschen heran, die
nicht mehr glauben, sondern nur wissen wollen, so findet man Stumpfheit gegenüber
den Weltanschauungen im vorhergehenden Leben. Ungläubigkeit trocknet den
Astralleib aus, verdörrt ihn. Wie die Nahrung auf den Körper, wirkt der
Glaube auf den Astralleib (Empfindungskörper, physische Entsprechungen:
Herz, Brust, Leber). In der nachfolgenden Inkarnation wird die
Individualität durch den angeborenen Stumpfsinn untergraben. Der Mensch
wird durch Glaubenslosigkeit unfähig sein, sich in der nachfolgenden
Inkarnation ein Wissen zu erwerben. Und von Leben zu Leben wechslen sich
Glauben und Wissen sozusagen ab, d.h. auf eine mehr gläubige Inkarnation
folgt eine mehr vernunftmäßige Inkarnation. Es gibt hierzu eine interessante
Parallele: Auch das Geschlecht wechselt sich in aufeinanderfolgenden
Inkarnationen ab. Diese Dinge stehen in der Tat durchaus in gegenseitiger
Befruchtung und Ergänzung. Auch andere Kräfte des Menschen stehen in
einer ähnlichen Ergänzung, wie die beiden Seelenfähigkeiten, die
wir bezeichnen wollen als Liebefähigkeit und innere Kraft,
im Sinne von innerer Harmonie, Selbstgefühl, seelischer Stärke und
dem Wissen, was wir zu tun haben im Leben. Auch diese beiden wechseln sich ab,
einerseits Liebe als ein Aufopfern für die Mitmenschen und andererseits
die Stärkung des Inneren, so daß die Kräfte dazu verwendet
werden, um selber weiterzukommen, ohne aber lieblos zu sein. Der Hintergrund
ist, daß ein Mensch umso mehr geben kann, je stärker er ist. Man
muß selbst erst kräftig sein, bevor man lieben, also sich aufopfern
kann. Sonst ist das Opfer seiner Ichheit nicht besonders viel Wert. Denn Liebe
kann sehr unangebracht sein und sogar schaden anstatt zu nutzen, wenn sie nicht
mit weiser Lebensführung und mit Einsicht in die entsprechenden
Verhältnisse auftritt.