Anthroposophische
Ernährung im Überblick
Menschen
und Tiere nehmen mit den Pflanzen die Kraft der Sonne in sich auf. Die
Leichtigkeit des Organismus, die er durch Pflanzennahrung erhält, hebt über die
"Erdenschwere hinweg, sie macht eine gewisse innere, sich allmählich wie
zur Geschmacksempfindung ausbildende Erlebnisfähigkeit im Körper möglich. Es
ist die Empfindung, als würde man mit der Pflanzennahrung durchaus das
Sonnenlicht mitgenießen, welches ja so viel Arbeit in den Pflanzen
leistet" (R. Steiner). Je nach
individueller Verträglichkeit besteht eine abwechslungsreiche, gehaltvolle
Ernährung vorzugsweise aus Brot und
Getreideerzeugnissen, Milchprodukten, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen,
Samen und hochwertigen Pflanzenölen.
Kohlehydrate
Kohlehydrate
liefern die Energie, die für alle Aufbau- und Wärmeprozesse im Organismus
benötigt werden. Kohlehydrate stärken Brust, Lunge, Halsregion und Stimme und
geben unserem Körper die Kraft, körpereigenes Fett und Eiweiss herzustellen.
Kohlehydrate werden in Mund und Magen in Glukose umgewandelt und gelangen ins
Blut. Das "Durchsetzen" des Körpers mit Süßigkeit bewirkt körperliche
Stärke. Kohlehydrate wirken auf den rückwärtigen Teil des Gehirns, und zwar auf
die Gehirnregion, die direkt mit Lunge, Hals und Gaumen verbunden ist.
Heiserkeit, so Steiner, habe ihre Ursache darin, daß nicht genug Kohlehydrate
an diese Stelle des Gehirns kommen, weil die Kohlehydrate-Verdauung gestört
sei. Brot und Getreide enthalten neben hochwertigen Kohlehydraten in einer
idealen Menge Protein, nämlich zu circa 10%. Diese ist notwendig, um die
Verdauungsorgane aufzubauen und zu erhalten. Das Brot sollte immer mit etwas
Butter verkostet werden, damit dessen fettlösliche Nährstoffe und Vitamine
aufgenommen werden können.
Fette
Das mit der Nahrung aufgenommene Fett steht unserem Körper als Energielieferant
im Gewebe zur Verfügung. Dort lagert es sich vor allem im Schlafzustand ab. Im
Wachzustand brauchen wir das Fett bei jeder Bewegung zum Schmieren des
Bewegungsapparats. Darüberhinaus hat Fett die Funktion, daß es unsere Gestalt
ausfüllt, quasi auspolstert. Im menschlichen Organismus wird das Fett in Mund,
Magen und Darm zerlegt. Dieser Prozeß benötigt zunächst Energie, aber eben
durch das Aufspalten der Fette erhält der Körper die Information
("Bauplan"), körpereigenes Fett herzustellen. Je mehr Fett zerlegt
wird, desto mehr kann der Körper wieder selbst produzieren. Das körpereigene
Fett benötigen wir für die Blutbildung (Blutansatz), die Blutgefäße, fürs Herz,
zum Schmieren des Bewegungsapparats und um Wärme zu erzeugen, die der
Gasaustausch in der Lunge benötigt. Manche Menschen haben durch Veranlangung
nicht die Fähigkeit, pflanzliches Fett zu verarbeiten. Sie sollten tierisches
Fett (Käse, Butter, usw.) essen, weil es nicht erst zerlegt werden muß, sondern
direkt vom Organismus aufgenommen wird. Solche Dinge müssen von jedem selbst
sorgfältig beobachtet werden, denn es muß unbedingt auf die Bedürfnisse des
Körpers eingegangen werden. Falls wir nicht genug Fett zu uns nehmen, sei es
durch Knappheit oder durch eine Krankheit der Fettverdauung, muss der Mensch
immer dünner werden. Dies kann zu Auszehrung, Schwindsucht und Hungerwahnsinn
führen.
Proteine
Die
hochwertigsten Proteine enthalten Mandeln, Nüsse und Samen: Mandeln sind zudem
reich an Magnesium, Sonnenblumenkerne an Eisen, Sesam an Kalzium, Walnüsse an
Vitamin E. Protein
ist die Ursubstanz des Lebendigen. Es ist die Grundlgae für allen Organe
unterhalb der Lunge: Magen, Darm, Leber, Niere, Milz, Gallenblase. Das Protein
aus der Nahrung wird in Magen und Darm in Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff,
Wasserstoff und Schwefel zerlegt. Indem zuerst Protein zerlegt wurde, verfügt
der Körper jetzt über die Kraft, die gleiche Menge körpereigenen Proteins
produzieren. Durch die Atmung werden alle zur Proteinsynthese nötigen Elemente
aufgenommen, ausser dem Kohlenstoff, da dieser zur Energiegewinnung verwendet
wird. Das Eigentümliche ist, daß die zur Proteinsynthese benötigten Stoffe aus
der Atemluft gewonnen werden, und nicht aus dem Protein der Nahrung. Das liegt
daran, daß die Luft für diese Stoffe die bestmögliche Quelle ist - reiner als
eine feste Substanz jemals sein könnte. Es ist aber nicht so, dass man nur einmal
Eiweiß essen müsse, um es dann immer wieder selbst herzustellen. Unser Körper
verfügt dahingehend über keinerlei Gedächtniskraft, sondern muss alle Kräfte
für die Synthese des eigenen Proteines verwenden. Daher müssen wir Proteine
zuführen, weil diese wie eine Schablone für die Proteinsynthese nötig sind. Zum
Aufbau des Magens dienen hervorragend die Proteine aus Obst, Gemüse und Milch.
Die Proteinverdauung beansprucht und ermüdet unseren Körper recht stark. Dr.
Steiner warnt vor übermäßigem Proteinkonsum, ganz gleich ob pflanzlicher oder
tierischer Art: Wenn sich zuviel Eiweiß im Darm befindet, also mehr als
verarbeitet werden kann, kommt es dort zu Fäulnisprozessen und dadurch zur
Vergiftung des Körpers. Wenn diese Gifte bis ins Gehirn gelangen, kann es zum
geistigen Verfall kommen. Zuviel Protein kann ausserdem einen unruhigen Schlaf
und Kopfschmerzen nach dem Aufstehen verursachen.
"Die
denkbar größte Sorgfalt muß darauf gerichtet sein, daß dem Körper nicht zuviel
und nicht zuwenig Eiweißstoffe zugeführt werden. Denn innerhalb der Verdauung
entsprechen die Eiweißstoffe demjenigen, was in der Denktätigkeit bei der
Erzeugung von Vorstellungen vor sich geht. Nun soll aber der Mensch immer Herr
seiner Vorstellungen werden. Darum soll die Eiweißzufuhr in gewissen Grenzen
bleiben, sonst wird er von einer Vorstellungskraft überwältigt, von welcher er
gerade frei werden sollte. Das hatte Pythagoras im Sinn, wenn er seinen
Schülern die Lehre gab: Enthaltet euch der Bohnen!" (R. Steiner)
Honig
Honig steht für
Weisheit: Er stärkt die Seele und vermittelt dem Organismus die Bildekräfte der
Natur. Honig schenkt dem erwachsenen Menschen dieselben aufbauenden Kräfte, wie
sie die Milch für Kinder hat: "Während wir also Kinder sind, fördern wir
die plastischen Kräfte durch den Milchgenuß; brauchen wir im späteren Alter
noch plastizierende Kräfte, dann müssen wir Honig essen, und wir brauchen ihn
nicht in großen Mengen essen, weil es nur darauf ankommt, diese Kräfte
qualitativ zu haben." Honig enthält also genau diejenigen plastizierenden,
gestaltenden Kräfte, welche das Kind durch die Milch erhält. Weil der
Erwachsene diese Kräfte der Milch nicht mehr nutzen kann, müssen wir den Honig
verwenden. Neuseeländischer Manukahonig wird seit Jahren intensiv von den
Medizinern erforscht und wird bei Magengeschwüren und Heliobacter
pyloris-Bakterien angewendet, sowie in Krankenhäusern zur Wundbehandlung.
Bienen produzieren wirkungsvolle, natürliche Arzneien: Honig, Gelee Royale und
Propolis, der das menschliche Immunsystem stimuliert und über ein breites
antimikrobielles Wirkungsspektrum verfügt.
Milch und Butter
Rohmilchprodukte
(Rohmilchkäse) sind eine Quelle für psychische Heilkräfte. Sie verleihen
Bodenständigkeit und Selbstsicherheit.
Nur in Rohmilch/-käse sind die vielfältigen, einzigartigen Vitalstoffe der
Milch enthalten. Joghurt, Quark usf. werden aus pasteurisierter Milch
hergestellt. Diese wirken sehr wohl durch das enthaltene Kalziumlaktat
beruhigend auf Nerven und kräftigend für Kochenbau und Haut. Aber die seelische
Ebene erreichen Rohmilchprodukte ganz direkt. Rohmilchprodukte üben ihre
Heilkräfte direkt auf die seelische Ebene aus: Es kann sich sich bei
regelmässigem Genuß ein Gefühl von Ausgeglichenheit, Ruhe, Wärme einstellen und
Gefühlsschwankungen stabilisieren sich. Butter ist für Vegetarier sehr wichtig,
da viele Menschen genetisch nicht in der Lage sind, sich aus pflanzlichem Fett
das körpereigene Fett herzustellen. Dadurch ist Butter für eine gesunde
Ernährung so wertvoll.
Getränke:
Wasser, Kaffee, Tee
Wasser ist
besonders geheimnisvoll. Es kann gerade in allerkleinsten Mengen die
Selbstheilung stimulieren, wenn es in Liebe und Dankbarkeit genossen wird.
Mäßiger
Kaffeegenuß unterstützt die logische Folgerichtigkeit -, "es wird durch
den Kaffegenuß der Mensch sozusagen auf physischem Wege in seinem
Folgerichtigkeit gefördert, in einem folgerichtig den Tatsachen sich
anschließenden Denken". Kaffeekonsum in gesunder Menge wird eine solide,
bodenständige Denkweise fördern; unmäßiger Kaffeekonsum wird den Intellekt/Verstand
einseitig aktivieren, so daß das Herzdenken (Intuition) vom abstrakten Verstand
des Gehirns (Kronenchakra) übertönt wird. Wenn man sich in seinen Ideen
verzettelt, den zweiten Schritt vor dem ersten tut oder "über das Ziel
hinausschießt", sollte man besser erst einmal die Finger von zuviel Kaffee
lassen. Rudolf Steiner relativierte seine Aussagen: "Das soll wahrhaftig
nicht eine Agitation für den Kaffeegenuß sein; denn das bewegt sich ja alles
auf physischer Grundlage, und der Mensch würde sich zu einem ganz
unselbständigen Wesen machen, wenn er sich herrichten wollte durch den Genuß
dieser Nahrungs- und Genußmittel; es soll nur der Einfluß dieser Nahrungs- und
Genußmittel charakterisiert werden. Aber weil namentlich das logische,
folgerichtige Denken sehr abhängt von der Struktur, von der Form des physischen
Leibes, so wird durch die eigentümliche Wirkung des Kaffees, der gleichsam
schärfer herausschattiert die Struktur des physischen Leibes, physisch die
logische Folgerichtigkeit befördert."
Schwarzer und
grüner Tee wirken zwar ähnlich stimulierend, aber - wie Steiner sagt - "es
wird in gewisser Weise ausgeschaltet die Struktur des physischen Leibes. Der
Ätherleib (Bildekräfteleib und Sitz des Gedächtnisses, Anm. des Autors) tritt
mehr in seine fluktuierenden Rechte. Daher werden die Gedanken durch den
Teegenuß auseinanderflatternd gemacht, werden in gewisser Weise weniger dazu
geeignet gemacht sich an die Tatsachen anzuschließen. Es wird zwar die
Phantasie, manchmal nicht in sehr sympathischen Sinn, durch den Teegenuß
angeregt, nicht aber die Anpassung an die Wahrheit und die Anpassung an die Solidität der Verhältnisse. Daher kann
man sagen, daß es begreiflich ist, wenn in Gesellschaften, wo viel darauf
ankommt, daß man Geistesblitze hat, daß man sprühende Geistigkeit entwickelt,
wenn da die Anregung gerne gegeben wird durch den Tee; und es ist auch auf der
anderen Seite begreiflich, daß, wenn der Teegenuß überhand nimmt, er in
gewisser Weise eine Gleichgültigkeit erzeugt gegen die Anforderungen, die in
den Menschen durch die gesunde Struktur seines physischen Körpers kommen
können. So daß träumerische Phatastik und ein gewisses unbekümmertes
nonchalantes Wesen, ein wesen, daß gerne hinwegsieht über die Anforderungen des
äußeren soliden Lebens, leicht gefördert werden durch den Teegenuß". Zum
Thema Kakaokonsum teilte Steiner mit, daß maßloser Kakaokonsum die
"Philistrosität" befördere, womit er Spießbürgerlichkeit,
Engherzigkeit und geistige Beschränktheit meinte.
Kritik
an Rohkost und Rudolf Steiner über Wurzelgemüse
Über
Rohkost teilte Rudolf Steiner
mit, dass sie als alleinige Ernährungsform nicht geeignet sei, denn so sehr
Rohkost den Körper durch die enthaltenen Vitalstoffe zunächst aufpeitsche,
falle der Körper danach in ein energetisches Tief, weil zuviel Kraft für die
Verdauung aufgebracht werden müsse. Eine Zubereitung durch Wärmezufuhr sei bei
denjenigen Lebensmitteln notwendig, die bei der Ernte für unseren Organismus
nicht ausreichend reif seien, was insbesondere für Getreide, Bohnen, Kartoffeln
und Wurzelgemüse gelte. Wurzelgemüse wirkt aktivierend auf das Gehirn, da es
wertvolle Salze beinhaltet. Rote Beete erzeuge unbewußt eine "furchtbare
Sehnsucht, viel zu denken". Wer nicht Denken will oder kann, mag sie
nicht. Rettich und Radieschen geben durch ihre Schärfe Impulse zur
Denkanregung, Sellerie senkt zudem den Blutdruck, Karotten liefern reichlich
Vitamin A und Zink.
Literatur:
Rudolf Steiner,
"Ernährung und Bewusstsein", "Naturgrundlagen der
Ernährung"