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Wie finde ich Christus ? Das Schaffen des Engels an der Menschenseele
Zusammenfassung eines Vortrages von Dr. Rudolf Steiner, Zürich 1918
Du mein himmlischer Freund, der du mich zur Erde geleitet
Und mich geleiten wirst durch die Todespforte
In die Geistesheimat der Menschenseele.
Du, der die Wege kennst seit Jahrtausenden,
Lasse nicht ab, mich zu erhellen,
Mich zu erkraften, mir zu raten,
Dass ich aus dem webenden Schicksalsfeuer
Als ein stärkeres Schicksalsgefäss hervorgehe
Und mich immer mehr erfüllen lasse
Mit dem Sinn der göttlichen Weltenziele.
Rudolf Steiner
Liebe Freunde,
“
Sie werden hier die wichtigen Gedanken dieses Vortrages lesen. Zuerst möchte ich Ihnen die Dialektik von gut und böse nach Steiner erläutern.
1.Gut und B�se
Dr. Steiner folgend, ist das B�se ist ein urspr�nglich Gutes, das, anstatt sich weiterzuentwickeln, in der unveränderten fr�heren Gestalt in einem späteren Zeitalter der Menschheitsentwicklung nachwirkt. B�ses kann aber auch dadurch entstehen, dass etwas, das erst in einem späteren Zeitalter wirksam werden soll, in unreifer Form zu früh auftritt. Das B�se ist ein zeitversetztes Gutes. Der Kampf zwischen Gutem und B�sem besteht in der Auseinandersetzung des Fr�heren mit dem Späteren, des Alten mit dem Neuen. Die Evolution bedarf des B�sen als notwendigem Gegengewicht zum Guten; nur durch den Ausgleich beider kann das Weltenziel erreicht werden. Das Urgeheimnis des B�sen hängt nach Dr. Steiner mit dem "Streit am Himmel", einer Art Krieg in der geistigen Welt, zusammen.
2. Luzifer
Die Kräfte des Luzifer bringen die Auswirkungen dieses Krieges in den einzelnen Menschen ein. Genau genommen nur in den Teil des Menschen, welcher sich vom etwa 14. bis zum 21. Lebensjahr entwickelt, und den Dr. Steiner als Astralleib oder Empfindungsk�rper bezeichnet. Er durchdringt unseren K�rper und ist von nicht-stofflicher Beschaffenheit. Der Astralleib erzeugt unsere Gef�hle, die nicht auf direkter Wahrnehmung beruhen: Sympathie, Phantasie, Freude, aber auch Unlust, Unzufriedenheit, Neid, Spottsucht oder Antipathie. In den Astralleib senkt sich vom 21. Lebensjahr an das Ich hinein. Ständig sind wir Versuchungen ausgesetzt, denken Negatives, uns befällt Angst, oder wir sind unausgeglichen, wenn wir etwa grossen Durst oder Hunger haben. Wie tr�stlich ist es zu wissen, dass Christus uns unsere kleinen Unzulänglichkeiten nachsieht. Die groben Vergehen aber werden geahndet, in Form des selbstgewählten Schicksalsausgleiches, quasi in Selbstjustiz. Es ist unsere Aufgabe, durch Demut, Bescheidenheit und Moralität unsere Seele gegen die Verfährungen immun zu machen.
Wer oder was genau sind diese Kräfte, die uns ständig vom Guten trennen wollen ?
Luzifer, der "Lichtträger", bringt den Menschen die Fähigkeit zur moralischen Erkenntnis – dies setzt uns aber auch der Gefahr aus, uns tief in moralische Verfehlungen zu verstricken. Das ist aber notwendig, damit der Mensch ein moralisch eigenverantwortliches Wesen werden kann. Luzifer kann so zwar als Widersacher aufgefasst werden, der sich den göttlichen Schöpfermächten entgegenstellt, aber er fördert durch seinen Widerstand zugleich unsere Entwicklung, indem er uns die Freiheit und die moralische Erkenntnis bringt. Er darf also keineswegs als einseitig b�se geistige Macht aufgefasst werden. B�se wird nur der Mensch, wenn er sich einseitig den durch Luzifer erregten sinnlichen Begierden willenlos hingibt.
Im Sinne des Guten wirkt Luzifer, wenn die Menschen durch Luzifer, das Licht der Weisheit und den Sinn f�r die Sch�nheit der sinnlichen Welt aufnehmen. Alle Wissenschaft und alle Kunst sind eine Gabe Luzifers, auch alle auf Erkenntnis gegr�ndete moralische Erkenntnis. Ohne ihn gäbe es die menschliche Kultur nicht. Luzifer wollte den Menschen in die sinnliche Welt hineinf�hren, aber es lag nicht in seinen Absichten, ihn zugleich so fest an die materielle Welt zu binden, wie das mittlerweile der Fall ist.
Luzifer wird in der Bibel durch die Schlange symbolisiert, die sich in das Paradies schleicht und den Menschen verf�hrt, vom "Baum der Erkenntnis" zu essen. Dadurch werden dem Menschen die Sinne f�r die äussere Welt ge�ffnet - und zugleich werden seine sinnlichen Begierden erweckt. Der Mensch wird dadurch fr�her und tiefer in die sinnliche Welt verstrickt, als es urspr�nglich vorgesehen war. Als Folge des luziferischen Einflusses wird der Mensch aus dem Paradies verstossen, d.h. es wird ihm der unmittelbare Anblick der �bersinnlichen Welt entzogen. Das rein geistige Wesen, das der Mensch einmal war, steigt herab in die sinnliche Welt und nimmt hier physisch-k�rperliche Gestalt an. Weil der Mensch nun ein stofflich-k�rperliches Wesen wird, verliert er seine urspr�ngliche Unsterblichkeit und nimmt den Tod in seine k�rperliche Natur auf. Zugleich wird aus dem urspr�nglich eingeschlechtlichen geistigen Menschen- wesen ein zweigeschlechtliches - die Geschlechtertrennung ist eine unmittelbare Folge des luziferischen Einschlags.
Der Mensch ist dadurch nicht mehr das reine unverfälschte Abbild des g�ttlichen Wesens, als das er urspr�nglich veranlagt war, sondern das in Mann und Frau gespaltene Bild der geistigen Sch�pfermächte. Geburt und Tod entstehen. Die Menschheit entwickelt sich in Rassen, Stämme und V�lker. Dadurch wird schliesslich die Voraussetzung f�r die allmähliche Individualisierung des Menschen geschaffen. Der Mensch wird selbstständiger; Luzifer bringt ihm die individuelle Freiheit, verf�hrt ihn aber auch zum Egoisimus. Durch Luzifer kann er aus eigener Kraft zwischen gut und b�se unterscheiden. Die unreife Menschenseele missbraucht die Erkenntniskraft des Luzifer, indem sie sich selbst�berschätzt, hochm�tig, ehrgeizig, eitel oder spotts�chtig ist. Es resultieren aus dieser Denkart t�richtes Handeln, Untugenden, Laster, negative Gedanken, Angst, Schmerz und Krankheiten. Nach Dr. Steiner sind Schmerz und Krankheit von guten Mächten herbeigef�hrt, damit wir die Macht des Luzifer nicht weiterhin missbrauchen. Unser Unterbewusstsein wei�: Mein Schmerz ist die Folge meiner Verfehlungen. Mein Schmerz ist ein Erzieher, der mir die Befreiung von meinen Lastern nahebringen will. Jede Heilung ist eine Selbstheilung. Krankheit und Schmerz werden allein durch die Kraft der Liebe geheilt. Die Menschenseele geht gest�rkt aus Leid und Schmerz hervor, voller Vertrauen auf die heilende Kraft der Liebe.
3 Ahriman
Der andere Teil b�ser Kr�fte bezeichnet Dr. Steiner als Ahriman. Ahriman ist der Gott der Finsternis, und wird in der Bibel als Satan bezeichnet, in Goethes Faust als Mephistopheles, von hebr�isch "mephiz" (Verderber) und "tophel" (L�gner). Durch Ahrimans Wirken verdunkelt sich dem Menschen der Einblick in die �bersinnliche Welt, er nimmt nur noch das Materielle in seiner Umgebung wahr. Die Materie ist das Reich Ahrimans. Ahrimans Macht bewirkt, da� der Mensch sich in der materiellen Welt verliert, und die geistige Welt wie durch einen Nebel oder Schleier verh�llt wird. Stellen Sie sich vor, Sie blicken in die Natur, sehen Pflanzen, Tiere, Sie betrachten Ihre Mitmenschen - und anerkennen nur das K�rperliche. Wie manch moderner Wissenschaftler oder Arzt nur das glaubt, was er sehen und messen kann. "Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben", sagte der auferstandene Christus zum ungl�ubigen Thomas. Ahriman bewirkt, da� viele Menschen den Geist in der Welt nicht erkennen. Seine Kraft verst�rkte sich mit Aufkommen der exakten Wissenschaften im 15. Jahrhundert. Heute inspiriert Ahriman die Forscher u.a. zu Atomkraft und Gentechnik in Landwirtschaft und Medizin.
Ahriman bringt die Todeskr�fte in die Welt. Er lebt in der Menschen L�gen und unbewu�ten Irrt�mern. Er ist daher ein Keim f�r Leid und Krankheit. Sein Wirken ist aber nicht als b�se im absoluten Sinn zu bezeichnen. Es k�nne - so teilte Dr. Steiner mit - auch als Opfertat verstanden werden, die einen wertvollen Beitrag f�r die gesamte Weltentwicklung leistet. Ahrimans Beitrag ist ganz wesentlich daf�r, dass der Mensch die Freiheit erringen kann, die er sp�ter einmal durch die Entfaltung �bersch�ssiger Liebe entgelten zu k�nnen.
Ahriman k�nnen wir �berwinden, wenn wir den Menschen in lebendiger Einheit mit der Natur und dem Kosmos sehen. Das Menschenwesen vereinigt die Kr�fte von Mineralien, Pflanzen, Tieren. Das menschliche Gehirn ist ein exaktes Abbild des Kosmos. Pflanzenformen werden von Planetenbahnen gezeichnet, Tierformen von den Tierkreiszeichen definiert, aber allein der Mensch tr�gt im Kopf das genaue Abbild des gesamten Universums.
4. Beziehung zwischen Luzifer und Ahriman
Der Mensch findet also in der Au�enwelt die Materie vor, in seiner Innenwelt das Gewissen, die Erkenntnis von gut und b�se. Charakterliche Moralit�t ist in jedem Fall der sichere Wegweiser durch den t�glichen Dschungel des Lebens. Luzifer ist der Geist der Visionen, Illusionen, des Auftriebs und des Rausches, der den Menschen von der Erde hinwegheben will in sein fl�chtiges Reich. Ahriman dagegen will uns in die rein materielle Welt herabziehen. Allein im Gleichgewicht zwischen diesen erdenfl�chtigen luziferischen und erdens�chtigen ahrimanischen Kr�ften kann der Mensch seine wahre Freiheit finden. Wer glaubt, es gebe keinen Geist, der verstrickt sich bald in seine eigenen Fehlurteile und provoziert Schicksalsschl�ge und Krankheit. Doch wer sich an Christus h�lt, der findet den Weg zu Wahrheit und Leben. Dr. Steiner formulierte den Vers:
"Willst du dich selber erkennen,
Blicke in der Welt nach allen Seiten.
Willst du die Welt erkennen,
Schaue in alle deine eigenen Tiefen."
5. Die Arbeit der Engel
Wir Menschen stehen in der Entwicklung �ber Tierreich, Pflanzenreich und Mineralienreich. Es besteht die Gemeinsamkeit mit dem Tierreich, da� auch die Tiere einen Astralleib (Empfindungsk�rper) haben, um Gef�hle zu empfinden. Pflanze, Tier und Mensch haben alle drei einen �therleib (Bildekr�fteleib, Lebensleib). Er ist der Tr�ger der lebendig wirkenden Weltgedanken, welche die Lebensformen der Natur hervorbringen. Er wirkt als Lebenskraft, die die Vorg�nge des Organismus aufrechterh�lt, und die Stoffwechselprodukte sowie das Wasser an ihren rechten Platz bringt. Das Mineralienreich bildet die gemeinsame Grundlage f�r die physischen K�rper von Tier, Pflanze und Mensch. Das Wirken derjenigen Hierarchien, welche �ber uns Menschen stehen, wurde von Dr. Steiner in akribischer Pr�zision mitgeteilt. Sie k�nnen es in seinem Werk "Die Geheimwissenschaft im Umri�" studieren.
Es sollen in aller K�rze die Wesen beschrieben werden, welche am meisten mit uns Menschen verwandt sind: die Engel. Wenn auch nicht sichtbar, sind sie in ihrem Wirken aber sehr wohl erlebbar. Engel sind direkt mit uns verbunden, denn jeder Mensch hat seinen Schutzengel - egal ob es bewu�t erlebt wird oder unbewu�t bleibt . Sie haben nicht einen physischen K�rper, sondern einen �therleib als unterstes Glied. Daher sind sie nicht physisch wahrnehmbar, sondern nur �bersinnlich. Dazu kommen ein Astralleib, ein Ich und ein Geistselbst, welches sie gegenw�rtig vervollst�ndigen, genau wie der Mensch heute sein Ich vervollst�ndigt. Es trifft f�r alle h�heren Wesen zu, da� ihre Wahrnehmung drei Hierarchien nach unten reicht. Was f�r uns Menschen als Materie sichtbar, ist f�r die Angeloi als �therleib sichtbar. F�r die n�chsth�heren Wesen, die Erzengel, ist der Astralleib das unterste Wesensglied. Die Engel wirken auf uns durch unseren Empfindungsk�rper, dem Sitz unseres Ich. Indem sie unser Gewissen mit positiven oder negativen Gef�hlen speisen, entstehen unsere individuellen Werte- und Moralvorstellungen. Unser Gewissen erh�lt von ihnen die Impulse zu drei Tugenden:
- zu N�chstenliebe,
- zu Geisteserkenntnis, d.h. da� wir geistig-seelischer Entwicklung anstreben,
- und zu Religionsfreiheit, damit jeder den anderen liebe, egal welcher Religion er angeh�rt
Wenn der Mensch entgegen besseren Wissens und Gewissens handelt, also unmoralisch ist, dann wehrt er das Schaffen seines Engels am menschlichen Astralleib ab. Der Engel wird nun seine Arbeit an den schlafenden Menschen heranbringen, was ganz fatale Folgen hat: Im schlafenden Menschen findet der Engel nur den �therleib, da der Astralleib und das Ich im Schlaf aus den K�rper herausgehen. Das ist bei allen Menschen so, weshalb die griechische Kultur auch den Schlaf als den kleinen Bruder des Todes bezeichnete. Der Engel trifft also auf den �therleib und vollbringt daran seine Arbeit. Dieses Schaffen bringt nun ein v�llig anderes, ein negatives Resultat hervor. Der Engel tut es, weil der Mensch sich entschieden hat, nichts an sein Gewissen heranzulassen. Man kann sagen, weil der Mensch sich so entscheidet, wird auch sein Engel sich so verhalten. Und was passiert durch das Werk des Engels im menschlichen �therleib ? Es tritt nicht ein bewu�tes Gewissen auf, sondern dessen Gegenteil. Es kommt zu Erkenntnissen instinktiver, unbewu�ter Art. Und wozu f�hren unbewu�te Einsichten ? Fast immer zum Mi�brauch. Dr. Steiner beschreibt drei sch�dlichen Folgen:
1. Wenn der Mensch die bewu�te Geisteserkenntnis ablehnt, wie sie durch Anthroposophie verbreitet wird, dann kommt es zum unkontrollierten technischen Fortschritt. Zu egoistischen Zwecken werden enorme Maschinenkr�fte freigesetzt, man denke hierbei an Atomkraft und Industrialisierung. Dadurch also geriet die Technik des 20. Jahrhunderts au�er Kontrolle, soziale und �kologische Katastrophen sind die direkte Folge (Kriege, Armut).
2. Das Leugnen der Heilkraft Christi f�hrte bis heute in den stumpfesten Materialismus, z. B. in der Medizin. Viele �rzte betrachten den Menschen, jenes geistige und hochkomplexe Wesen, als eine Maschine. Heilung ist aber immer Selbstheilung, die durch die Seele veranlasst wird. Der medizinische Fortschritt in der heutige Apparatemedizin dient egoistischen Zielen.
Die ungesunde Lebensweise f�hrt dazu, da� seelisches Wachstum kaum mehr m�glich ist.
3. Durch Ablehnung der Br�derlichkeit verst�rkt sich die Ichbezogenheit. Durch entartete Sexualkr�fte gelangt ein sch�dlicher Einflu� ins menschliche Blut, und es werden aus gewissenlosen Menschen halbe Teufel. Gesellschaftliche Zersetzungsph�nomene best�tigen auch diesen Punkt; man bedenke den dramatischen Anstieg von Gewalt, Kriminalit�t, Prostitution, Alkohol- und Drogenmi�brauch in den letzten Jahrzehnten.
6. Der Christus - Impuls
Um zu zeigen, wie wir den Christus finden k�nnen, m�chte ich aussprechen, was das letzte Abendmahl Christi aus geisteswissenschaftlicher Sicht bedeutet. Das Abendmahl kann man in seiner geistigen Tiefe verstehen, wenn die Worte des Christus "dies ist mein Fleisch" und "dies ist mein Blut" in dem Sinn w�rtlich genommen werden, dass sich durch die Kreuzigung der Sohn Gottes, also Gottes Wort, mit der Erde verbunden hat und die ganze Erde zu seinem Leib geworden ist. Mit dem Abendmahl k�ndigt sich an, wie die lebendigen �therkr�fte des Christus sich von seinem physischen Leib zu l�sen beginnen und sich verbinden mit den irdischen �therkr�ften, also mit den lebendig wirkenden Weltgedanken, welche die Lebensformen der Natur hervorbringen. Indem der Christus Brot und Wein segnet und teilt, zeigt er, dass seine Lebenskr�fte in Brot und Wein als Repr�sentanten der �u�eren Natur �bergehen. Das Abendmahl ist die Anleitung f�r die geistige Vereinigung und seine Allgegenwart: "Ich bin bei euch alle Tage". Durch meditative Versenkung k�nnen wir uns mit Christus verbinden. Die Auferstehung ist ein Eintauchen der �therkr�fte des menschlichen Gehirns in die umgebende �therwelt. Darauf hat Rudolf Steiner hingewiesen mit den Worten: "Der Idee in der Wirklichkeit gewahrzuwerden ist die wahre Kommunion des Menschen."
7. Unbegreifbarkeit der Kreuzigung Christi
Die Suche nach Christus f�hrt direkt hin zum Mysterium von Golgatha. Wenn Sie einen Geschichtsforscher fragen, ob man die Kreuzigung Christi historisch beweisen kann, wird dieser es anzweifeln. Es l�sst sich nicht �u�erlich beweisen. Dies hat einen guten Grund: Die Kreuzigung soll sich aufgrund g�ttlicher Weisheit gar nicht �u�erlich beweisen lassen, weil das Mysterium von Golgatha nur auf �bersinnliche Weise erschaubar sein soll. Denn es ist das allerwichtigste Ereignis, das sich im Erdengeschehen ereignet hat. So, wie man die Perlen nicht vor die S�ue wirft, wird der Zweifler und Kritiker, der den Beweis verlangt, ihn eben niemals �u�erlich finden. Man mu� schon in sich gehen, um das �bersinnliche zu sp�ren. Durch Christi Tod sollen die Menschen vor die Entscheidung gestellt werden, sich einzugestehen: Ich mu� im �bersinnlichen suchen, wenn ich das Golgatha-Mysterium begreifen will. Auf die Art soll die Menschenseele den Weg ins �bersinnliche, ins Geistige finden.
8. Warum opferte sich Christus ?
Nehmen sie folgende Frage: Was w�re eigentlich ohne die Kreuzigung passiert ? Erstens h�tte der Mensch den Anschlu� an die �bersinnliche Welt verloren, weil die Todeskr�fte des menschlichen K�rpers auch die Seele zerst�rt h�tten. Zweitens h�tte sich im 7. Jhd. jene ahrimanische Weltanschauung, die wir heute als den Islam kennen, in anderer, viel gef�hrlicherer Form �ber die ganze Erde ausgebreitet. Der Grund ist, da� im 6. und 7. Jhd. die besten griechischen Philosophen der aristotelisch-platonischen Tradition von Kaiser Justinian aus Griechenland vertrieben wurden und sich in Persien an der Akademie von Gondishapur versammelten. Im griechisch-r�mischen Zeitalter von 700 v. Chr. bis 1400 n. Chr. eignete sich der Mensch die Verstandesseele an, seine Gedanken- und Verstandeskr�fte wuchsen in eine einzigartige Dimension. Auf dem H�hepunkt der Entwicklung der Verstandesseele lehrten also die hervorragendsten griechischen Weisen in Gondishapur. Sie hatten aber den Christus-Impuls nicht aufgenommen, nichts von Christi Botschaft in ihrer Seele getragen. Durch luziferisch-ahrimanische Eingebung sind sie zu derart fortschrittlichen Resultaten gekommen, wie es der Weltenplan erst f�r das Jahr 2500 vorsieht: Sie wollten der Menschheit die Bewu�tseinsseele bringen, und damit all die Fortschritte und Errungenschaften, die erst f�r das Jahr 2500 vorgesehen sind, dann n�mlich, wenn die Menschheit es allm�hlich zur voll entwickelten Bewu�tseinsseele gebracht h�tte. Das ist es, wovon die Offenbarung des Johannes f�r das Jahr 666 spricht. Die Menschheit k�nnte damals nie mit den F�higkeiten der Bewu�tseinsseele umgehen. Teuflische M�chte wollten somit Menschheit abschneiden von ihrer Entwicklung, denn sie h�tten den Menschen dadurch eine Natur eingepflanzt, die es unm�glich gemacht h�tte, sich �ber die Bewu�tseinseele hinaus zum Geistselbst zu entwickeln. Die Sache hat sich anders ergeben: Die Welt hat durch das Mysterium von Golgatha eine andere Gestaltung angenommen. Es blieben nur Rudimente dieser unermesslichen Gelehrsamkeit �brig, und daraus entstand der ("phantastische, j�mmerliche") Islam.
Die Menschheit war also durch das Mysterium von Golgatha abgebracht worden von dieser, ihr verderblichen, Richtung. Allein die Unbegreifbarkeit der Kreuzigung verst�rkte deren Wirkung; der Mensch wurde so an die �bersinnliche Welt herangef�hrt. Und wenn im Moment unseres Todes unsere Gedankenkr�fte eine v�llig neue St�rke erhalten, begegnen wir - jetzt als Bewohner der geistigen Welt - der lebendigen Christus-Kraft, der h�chsten Macht im Universum.
Denn auch nach dem Tod entwickelt sich die Menschenseele weiter. Sie w�chst in ihren Verst�ndniskr�ften, sie lernt immer mehr und mehr verstehen. Rudolf Steiner teilte mit:
"Die Zeitgenossen des Jesus Christus, die sich durch ihre Liebe zu Christus vorbereitet hatten auf ein Leben nach dem Tod, diese Menschen begriffen erst im 3. Jahrhundert die wahre Bedeutung des Mysteriums von Golgatha. Also diejenigen, die mit dem Christus als seine J�nger und Apostel zugleich gelebt haben, die starben dann, lebten weiter in der geistigen Welt, und dort wuchsen ihre Kr�fte. Dieselben waren erst nach mehr als 200 Jahren so weit, da� sie verstanden, was sie hier auf Erden erlebt hatten. Und dann inspirierten sie von der geistigen Welt aus die sogenannten Kirchenv�ter, welche dann im 3. Jahrhundert die Evangelien schrieben" (z.B. Tertullian).
Die Situation im 3. Jh. war durchaus kompliziert: Die menschliche Natur war so, da� sie die Auferstehung Christi leugnete, weil ihr zum Verst�ndnis die Erkenntniskr�fte fehlten und die Seelen im Glauben zu schwach waren. Der Mensch war damals noch nicht zur Vereinigung mit Christus f�hig. So kam es dazu, da� die Toten auf die Gl�ubigen durch Inspirationen einwirkten, damit der Sinn der Menschen auf das Mysterium von Golgatha gelenkt wird. Zum Heil der Menschheit wurde verhindert, da� sich die teuflische Weisheit der Akademie von Gondishapur verbreiten konnte.
9. Der "Stachel im Fleisch"
Dennoch ging der arabistische Impuls des Jahres 666 nicht spurlos an der Menschheit vor�ber. In die K�rper der Menschen gelangte eine Degeneration, die bis heute andauert: Das Menschenblut der zivilisierten Menschheit ist seitdem infiziert von einer Krankheit: n�mlich die Tendenz des Menschen, den Vatergott zu leugnen, also das G�ttliche generell abzulehnen. Es wirkt sich aus wie eine k�rperliche Krankheit, wenn der Mensch seinen eigenen K�rper nicht von den Gotteskr�ften der Natur durchstr�mt f�hlt. Ein physischer Defekt, den kein Arzt kurieren kann, sondern nur die Geisteserkenntnis. Diese Krankheit wurde damals dem Menschen eingeimpft, und wir werden heute noch damit geboren. Sie f�hrt zum Atheismus, wenn sie sich auslebt. Verstehen Sie mich recht: die zivilisierte Menschheit hat heute die Anlage zum Atheismus angeboren. Der heilige Paulus sprach prophetisch vom "Stachel im Leib". Dieser Atheismus wird heute immer bedeutungsvoller, denn er macht den Menschen materialistisch, indem die Seele sich heute st�rker an den Leib bindet, als es fr�her der Fall war. St�rker, als es eigentlich in der Natur des Menschen liegt. Als Folge wendet sich die Seele vom Geist ab, und nimmt gr��eren Anteil am Sterben des K�rpers, auch an seiner Geburt und an der Vererbung. Es war also von teuflischen M�chten beabsichtigt, die geistige Entwicklung der Menschenseelen ins Physische abzuzweigen. Auch der Zeitpunkt von Leben und Tod des Jesus Christus war mit g�ttlicher Weisheit gew�hlt: Die Menschenseele hatte durch die Verstandesselle im 7. Jh. die st�rkste Verbindung an den K�rper. Um entgegenzuwirken, hat Christus die Menschenseele in der Kommunion st�rker an den Geist gebunden, als ihr eigentlich vorbestimmt war.
10. Wie findet der Mensch den Christus ?
In uns Menschen ringen also seit dem 7. Jh. zwei Kr�fte miteinander: Die Christus-Kraft befreit uns vom Tod und f�hrt uns innerlich zum Geist, die widrigen Kr�fte machen uns seelisch dem Tode �hnlich und erzeugen Atheismus und Materialismus. Der Geist Christi ist uns ein Arzt gegen die Erkrankungskraft in unserem K�rper, die zur Gottesleugnung hintendiert.
Wir sind heute in einer ganz anderen Lage, als es die Menschen der Vergangenheit waren. Wenn wir heute leben, und aus der �bersinnlichen Welt ins sinnliche Dasein geboren werden, dann haben wir nun wiederum Jahrhunderte vorher in der geistigen Welt einen Abglanz der Auferstehung Christi erlebt. Wir alle k�nnen diesen Abglanz wahrnehmen. Er f�hrt uns zur Antwort auf die Frage: Wie finde ich den Christus ? Dazu ist folgendes notwendig. Man geht so vor, da� man erstens sagt: Ich will so weit Selbsterkenntnis anstreben, als es mir ganz pers�nlich m�glich ist. Und die aufrichtige Suche nach dem Christus wird folgendes ergeben: Ich kann Christus nicht verstandesm��ig erfassen, nicht begreifen. Wenn Sie sich mit diesem Gef�hl der Ohnmacht durchdringen, merken Sie: Dieses Ohnmachtsgef�hl ist gesund, es ist nichts weiter als das korrekte Empfinden der Krankheit der Gottesleugnung, also das Sp�ren des paulinischen Stachels in unserem K�rper. Indem man also die Ohnmacht des Nicht-Begreifenk�nnens empfindet, f�hlt man, da� unsere Seele eigentlich verurteilt w�re, mit dem K�rper zu sterben, weil dieser krank ist. Um diesen innerlichen Seelentod zu �berwinden, m�ssen wir kr�ftig genug diese Ohnmacht sp�ren, dann schl�gt sie ins Gegenteil um. Denn erst wenn wir tiefste Ohnmacht sp�ren, werden wir uns der heilenden Kraft des Christus bewu�t.
Wir finden Christus, indem wir uns an das halten, was uns die Kraft des eigenen Geistes erlaubt, n�mlich den innerlichen Seelentod durch den Geist zu �berwinden. Wir haben die M�glichkeit, unsere Seele wiederzufinden und an den Geist anzukn�pfen. Wir erleben die Nichtigkeit des Daseins auf der einen Seite und die Verherrlichung des Daseins aus uns selber, wenn wir das Ohnmachtsgef�hl �berwinden. Indem wir den Heiland sp�ren, f�hlen wir, da� wir etwas in unserer Seele tragen, das aus dem Tode jederzeit auferstehen kann. Wir f�hlen es in unserem eigenen inneren Erleben.
Wenn wir diese zwei Erlebnisse suchen - die Ohnmacht gegen�ber des Seelentodes und die Auferstehung unserer Seele durch den Geist, finden wir den Christus in unserer eigenen Seele. Der Mensch mu� die zwei Pole f�hlen: die Ohnmacht durch sein Leibliches, die Auferstehung durch sein Geistiges. Das innere Erlebnis, das aus diesen zwei Teilen besteht, das ist es, was das Mysterium von Golgatha uns wirklich n�herbringt. Dann aber, wenn wir Ohnmacht und Wiederherstellung aus der Ohnmacht empfinden k�nnen, tritt f�r uns Menschen der Gl�cksfall ein, da� wir eine wirkliche Beziehung zu dem Christus Jesus haben. Man braucht keine �bersinnliche Wahrnehmung, um dies zu erreichen. Unbedingt erforderlich ist aber der Wille zur Selbstbesinnung, sowie der Wille zur Bek�mpfung des Hochmuts. Jener Hochmut, der heute so allgegenw�rtig ist, ist f�r jede Art von Erkenntnis hinderlich, denn er macht die Menschen blind und ohnm�chtig durch ihre eigene Kraft. Das Christus-Erlebnis besteht nicht aus dem blo�en Erlebnis des G�ttlichen in unserer Seele, sondern aus zwei Erlebnissen: zuerst der Tod der Seele durch den Leib, dann die Wiederauferstehung der Seele durch den Geist. Wer dies verinnerlicht, der befindet sich auf einem �bersinnlichen Weg zum Mysterium von Golgatha; er selbst wird die Kr�fte finden, welche gewisse �bersinnliche Kr�fte anregen und die ihn hinf�hren zum Mysterium von Golgatha.
Angelus Silesius:
�Das Kreuz von Golgatha kann dich nicht von dem B�sen,
Wo es nicht in dir wird aufgericht�, erl�sen.“
Rudolf Steiner
�Es offenbart die Weltenseele sich
Am Kreuze des Weltenleibes.
Sie lebet f�nfstrahlig leuchtend
Durch Weisheit, Liebe, Willenskraft,
Durch Allsinn und Ichsinn
Und findet so
Den Geist der Welt in sich."
Steiner - Gebet zur Neugr�ndung der Anthroposophischen Gesellschaft:
�Liebe, die erw�rmet, die armen Hirtenherzen -
Licht, das erleuchtet, die weisen K�nigsh�upter -
G�ttliches Licht
Christus-Sonne
Erw�rme unsere Herzen
Erleuchte unsere H�upter;
Da� gut werde,
Was wir aus Herzen gr�nden
Aus H�uptern zielvoll f�hren wollen.“