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Anmerkung Barandat: ....
jeder, der "Staatsterrorismus" verurteilt und die deutsche und europäischen Regierungen auffordert, Israel zur Respektierung des Völkerrechts zu zwingen, sollte auch etwas zu Hamas, Hisbolah, Jihad Islami...etc., sowie die Rolle der arabischen Staaten und Regierungen  in der Instrumentalisierung der Palästinenserproblematik für ihre durchsichtige Interessenpolitik sagen .....
M.E. setzt sich jeder, der versucht Terrorismus in dieser Weise zu "differenzieren" (mitunter auch ungewollt und unbewusst) dem Verdacht aus, nicht humanitär / ethisch, sondern interessenpolitisch zu argumentieren...

In diesem Zusammenhang lesenswerter ARTIKEL:

Welt, 03.04.04

"Islamistische Gewalt ist eher politischer als religiöser Natur"

Interview mit Mehmet Aydin: Der türkische Religionsminister wirbt für Toleranz
von Jan Rübel

 

DIE WELT: Sie haben einmal gesagt, die westlichen Länder seien im Umsetzen guter Werte bisher erfolgreicher als islamische Länder. Welche Werte meinen Sie?

Mehmet Aydin: Die demokratischen. Auf den Feldern der menschlichen Würde, der Gerechtigkeit, Rechtsstaatlichkeit, Transparenz, kurz: "good governance". Es macht mich aber traurig, dass momentan in westlichen Gesellschaften ein Bedürfnis nach Sicherheit aufgebaut wird, das zumindest in Teilen die Demokratie beschneidet. Das verstehe ich, aber es sollte nicht dazu führen, die demokratischen Visionen einzuschränken.

DIE WELT: Meinen Sie die Angst vor Terrorismus, dass wir uns zu Sklaven der Angst machen?

Aydin: Das ist menschlich, aber Vorsorge gegen Angriffe erreicht man nicht durch Beschneidung der Meinungsfreiheit. Wir sollten alle vorsichtiger werden. Alle sollten mehr Respekt vor anderen Kulturen zeigen.

DIE WELT: Braucht die islamische Welt eine Art Aufklärung, um zum Westen aufzuschließen?

Aydin: Nein, aber wir müssen bei dem anknüpfen, welches die Aufklärung in Europa ermöglichte, zum Beispiel an den Universitäten der Renaissance. Die Bildung müssen wir stärken.

DIE WELT: Liegt es an diesem Abstand zwischen Ost und West, dass islamistische Gruppen rund um Al Qaida Anschläge verüben?

Aydin: Nein, das hat andere Gründe. Westliche Länder werden nicht angegriffen, weil dort Demokratie herrscht, sondern weil die Angreifer aus Ländern kommen, die nicht genügend demokratisch sind. Ohne genügend Freiraum, sich auszudrücken, entfremden sich Menschen von ihrer kulturellen Umwelt. Gewalt bietet sich dann als Alternative an. Sie ist eher politischer als religiöser Natur. Der westliche Blick auf islamische Gesellschaften sollte sich daher mehr auf die säkularen Wurzeln dieser Gewalt richten. Diese Leute denken nach ihrer eigenen Logik, bewerten die Geschehnisse in Israel und im Irak und ziehen ihre kruden Schlussfolgerungen.

DIE WELT: Die europäischen Gesellschaften sollen also ihre Sichtweise des Islam überprüfen?

Aydin: Die Medien schielen zu sehr auf die bizarren, extremistischen Islam-Interpretationen, da gibt es eine Obsession. Es gibt so viele Spielarten moslemischen Lebens, und die islamistischen von ihnen bilden eine kleine Minderheit. Im Westen gibt es den Hang zum Generalisieren, das ist nicht korrekt.

DIE WELT: Die Innenminister der deutschen Bundesländer nennen Anhänger der Milli Görüs extremistische Parteigänger des politischen Islam. Haben sie Recht?

Aydin: Viele dieser Anhänger votieren für eine Reform der alten islamistischen Ideologien. Wenn 5 von 100 politisch motiviert sind, sind nicht die restlichen 95 dafür haftbar zu machen. Als Anhänger von Milli Görüs ist man doch nicht automatisch ein politischer Extremist.

DIE WELT: Gibt es in der Türkei Religionsfreiheit?

Aydin: Ja, jeder kann zu seinem Gottesdienst gehen.

DIE WELT: Aber es ist schwierig, Kirchen zu bauen.

Aydin: Jetzt ist dies möglich, wir mussten einige Gesetze ändern. Nun kann jeder die Einrichtung eines Gebetsraums beantragen.

DIE WELT: Warum wurden diese Reformen von der konservativen AK-Partei begonnen und nicht von den Sozialdemokraten, als die an der Macht waren?

Aydin: Unsere Aspirationen bezüglich einer EU-Mitgliedschaft haben die Reformen beschleunigt, es gilt keine Zeit zu verlieren.

DIE WELT: Wie islamisch ist die AKP heute?

Aydin: Es ist plausibel zu sagen, dass die AKP eine neue politische Bewegung ist. Hätte sie eine organische Verbindung mit Gruppen wie Milli Görüs, wäre ich dort nicht Mitglied. Die AKP ist heute keine islamische, sondern eine rein konservative Partei.

DIE WELT: Sie sind verantwortlich für die meisten islamischen Gemeinden in Deutschland. Wie ist dort die Stimmung nach den Anschlägen von Madrid?

Aydin: Die Stimmung ist gedrückt, viele fürchten sich vor Verallgemeinerungen und vor einem Generalverdacht.

DIE WELT: Deutschland erlebt zurzeit eine Kopftuch-Debatte. Sollte Lehrerinnen und Angestellten im öffentlichen Dienst das Kopftuch verwehrt werden?

Aydin: Ich habe einen Traum: Wenn ein Mensch denkt, dass ein Symbol, welches andere nicht irritiert, wichtig für seine Identität ist, dann sollte er seine Identität nicht verstecken.

 

 

 

BUNDESREGIERUNG

 

Interview von Bundesaußenminister Fischer vom 16.02.2004 mit dem TV-Sender Al Jazeera zu Nahost, Irak, und einer Partnerschaft mit der arabischen Welt

http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/ausgabe_archiv?archiv_id=5411

 

"Israel ist der Blitzableiter" - Interview mit Bundesaußenminister Fischer zum Friedensprozess im Nahen Osten im "Spiegel Spezial" 2/2003 (Auszug)

http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/ausgabe_archiv?archiv_id=4664

 

 

HINTERGRUNDINFORMATIONEN  /  ZUGÄNGE ZUR THEMTIK

 

Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik

http://www.weltpolitik.net/regionen/naherosten/1067.html

 

 

DOKUMENTIERTE  MEINUNGEN

 

Deutsch-Arabische Gesellschaft

http://www.d-a-g.de/politik.htm

 

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