http://www.welt.de/data/2004/04/29/271413.html
Bürgermeister will schwarz-grünen Probelauf für 2008
Ole von Beust setzt sich
persönlich für Bündnisse auf Bezirksebene ein - Koalitionsverhandlungen in
Altona und Harburg
von
Martin Kopp und Oliver Schirg
In
den Bezirken Harburg und Altona wird voraussichtlich ein tief greifender
politischer Wandel eingeleitet. Erstmals in der Geschichte der Freien und
Hansestadt Hamburg wollen CDU und Grüne hier Koalitionen bilden. Am Montag
trafen sich GAL und Union in Harburg zum ersten inhaltlichen Gespräch über eine
Zusammenarbeit. Gestern nun gaben die Grünen in Altona bekannt,
Koalitionsverhandlungen für die Bezirksversammlung ausschließlich mit der CDU
führen zu wollen. Das resolute Vorgehen aller Beteiligten macht dabei deutlich,
dass es um mehr geht, als um kommunale Zweckbündnisse. Es geht um Probeläufe
für 2008.
Dann
stehen nämlich erneut Bürgerschaftswahlen an. Sollte die CDU dabei die absolute
Mehrheit verfehlen, braucht sie einen Partner. Und immer mehr Unionsmitglieder
denken dabei offenbar an die Grünen. Einer von ihnen ist Bürgermeister Ole von
Beust. Er hat den Bezirken zwar bei der Wahl ihrer Partner freie Hand gelassen,
sympathisiert aber mit schwarz-grünen Bündnissen. Deshalb will er auch, dass
die Experimente in Altona und Harburg gelingen. Es bleibt nicht bei
Absichtserklärungen, sondern mündet in konkreten finanziellen Zusagen an die
Grünen: So hat die CDU in Altona der GAL die Einrichtung einer Kommunaltrasse
für den Busverkehr in der Großen Bergstraße eingeräumt. Kostenpunkt:
700 000 Euro. Zur Sicherung des Stadtteilarchivs Ottensen werden
zusätzliche 30 000 Euro bereitgestellt - alles aus Landesmitteln, die dem
Bezirk zugewiesen werden müssen. "Bürgermeister von Beust hat uns bei unseren
Bemühungen eine Einigung zu erzielen, stark unterstützt", sagt der
CDU-Fraktionschef in der Bezirksversammlung Altona, Uwe Szczesny. "Ich
hoffe mit ihm, dass die Grünen 2008 ein denkbarer Koalitionspartner auf
Landesebene sind." Und auch die Grünen sind vom Entgegenkommen der
Schwarzen überrascht. "Für uns sind Inhalte entscheidend, nicht die
Konstellation der Farben, und wir versprechen uns mit der CDU mehr durchsetzen
zu können", sagt die GAL-Fraktionsvorsitzende Gesche Boehlich.
Zwar
habe es auch Sondierungsgespräche mit der SPD gegeben. Diese sei aber nicht in
der Lage gewesen konkret zu werden und habe "die Ernsthaftigkeit nicht
erkennen lassen", ein Bündnis mit den Grünen einzugehen.
Das
sehen die Sozialdemokraten anders: In einer Presseerklärung zeigte sich die
Altonaer SPD über die Koalitionsentscheidung der Grünen überrascht und sprach
von "Wählertäuschung". Es habe in den Sondierungsverhandlungen keine
ernsthaften Differenzen zwischen SPD und Grünen gegeben, erklärte SPD-Kreischef
Hans-Christoff Dees. "Alles andere ist eine fadenscheinige
Legendenbildung." Die Koalitionsentscheidung der GAL zu Gunsten der CDU
sei "rein machttaktischer Natur".
Auch
in der SPD-Parteizentrale reagierte man zurückhaltend. So hoffen manche
SPD-Verantwortliche, dass die Meinungsunterschiede zwischen CDU und GAL
deutlich größer sind als bislang sichtbar und die Koalition nicht halten wird.
Dann habe sich auch für 2008 die Frage nach einer schwarz-grünen Koalition auf
Landesebene erledigt.
Artikel erschienen am 29. April 2004