Konrad-Adenauer-Stiftung:

Unterstützung friedensfördernder Maßnahmen
im südlichen Afrika
 
 
 

Hausarbeit im Seminar
Institutionen und Instrumente deutscher Entwicklungspolitik
Dr. Matthias Weiter
Geographisches Institut der JLU Gießen
WS 1998/99
 
 
 

vorgelegt von
Johannes Herrmann
Eichendorffring 115 / 516
35394 Gießen
 Gliederung

1.   Einleitung, Zielsetzung .................................... 1
2.   Die Konrad-Adenauer-Stiftung ...................... 2
 a)  Organisation ...................................................... 2
  aa) Finanzen ............................................................ 2
  bb) Strukturen ......................................................... 2
 b)  Projektauswahl .................................................. 3
  aa) Verfahren .......................................................... 3
  bb) Entscheidungskriterien ....................................... 4
  cc) Erfolgskontrolle ................................................. 6
3.   Namibia ........................................................... 7
 a)  Geographische Grundlagen ................................ 7
  aa) Räumliche Gliederung, Klima ............................ 7
  bb) Wirtschaft .......................................................... 7
  cc) Ethnische Struktur ............................................. 8
 b)  Kurzer geschichtlicher Abriß ............................. 9
 c)  Gegenwärtige politische Situation ..................... 9
  aa) Verteilungsungerechtigkeiten ............................ 10
  bb) Versöhnung ...................................................... 10
  cc) Das Epupa-Staudammprojekt ............................ 11
  dd) Außenpolitische/sezessionistische Konflikte ....... 11
  ee) Gleichstellung der Frauen .................................. 12
4.   Projektpartner und Projekte in Namibia ....... 14
 a)  Frühere Projektpartner ...................................... 14
 b)  Neuorientierung der Konrad-Adenauer-Stiftung . 16
  aa) NID .................................................................. 16
  bb) ARC .................................................................. 17
  cc) WAD ................................................................ 18
5.   Schluß/Bewertung ........................................... 18

Literatur
 

 1. Einleitung, Zielsetzung

Dieser Beitrag will die Organisation und entwicklungspolitische Zielsetzung der Konrad-Adenauer-Stiftung darstellen. Die allgemeinen Ziele und Methoden sollen dabei anhand eines begrenzten regionalen Beispiels verdeutlicht werden, um die Gefahren einer Behandlung der Makroebene ohne Kenntnis der kleinräumigeren Strukturen zu vermeiden. Eine räumliche Beschränkung kann eine zu oberflächliche, eher intuitive Analyse zu verhindern helfen. (vgl. Hanisch 1995, S. 14 f.) Aus diesem Grund beschränke ich mich nach einer Darstellung der Organisation und inhaltlicher Zielsetzung der Konrad-Adenauer-Stiftung auf das Beispiel der Entwicklungszusammenarbeit mit Organisationen in Namibia. Dieses Regionalbeispiel beinhaltet bei einer relativen Übersichtlichkeit wichtige Probleme einer jungen afrikanischen Demokratie wie regionale Disparitäten, Dominanz einer ethnischen Gruppierung und einer politischen Partei.
Dabei nimmt die Darstellung eines speziellen Bereichs der gesellschaftlichen Auseinandersetzung in Namibia, in dem die Konrad-Adenauer-Stiftung tätig geworden ist, einen relativ breiten Raum ein: Am Beispiel der (teilweisen) Verwirklichung der Gleichstellung von Mann und Frau durch den Married Persons Equality Act, 1996, lassen sich die Form der demokratischen Kämpfe und die Machtverhältnisse innerhalb der Gesellschaft sowie die Art der Einflußnahme durch die Konrad-Adenauer-Stiftung konkret nachvollziehen. Es soll gezeigt werden, mit welchen Konzepten die Konrad-Adenauer-Stiftung diesen Problemen begegnen will.

 2. Die Konrad-Adenauer-Stiftung

a) Organisation

Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) mit Sitz in St. Augustin ist die parteinahe politische Stiftung der CDU. Sie arbeitet in den Bereichen politische Bildung, Politikforschung und Beratung, Europäische Einigung und Entwicklungszusammenarbeit.

aa) Finanzen
Der Haushalt der KAS hatte 1997 einen Rahmen von 220,8 Mio DM mit aufgrund der Umverteilung der öffentlichen Finanzen sinkender Tendenz. Die Einnahmen stammen zum größten Teil aus direkter staatlicher Zuwendung, darüber hinaus aus Spenden, Teilnehmerbeiträgen und dem Erlös aus dem Verkauf von Publikationen. Etwa die Hälfte der Gelder gehen in die Internationale Zusammenarbeit, auf das südliche Afrika entfallen davon, aufgeschlüsselt nach den Ländern, auf
- Namibia: 1,2 Mio DM;
- Südafrika: 2,3 Mio DM;
- Simbabwe: 0,6 Mio DM;
- regionale, länderübergreifende Projekte 1,4 Mio DM.
Die Gelder werden nur zum kleinsten Teil für punktuelle Projektförderung durch die Auslandsbüros verwaltet, sie gehen im allgemeinen direkt an die Partnerorganisationen vor Ort.

bb) Strukturen
Die Stiftung hat die Organe Mitgliederversammlung und Vorstand. Sie gliedert sich gemäß ihrer Arbeitsschwerpunkte in die Arbeitsbereiche Politische Bildung, Forschung und Beratung, Wissenschaftliche Dienste und Internationale Zusammenarbeit. Neben dem mit über 300 Mitarbeitern besetzten Hauptstelle in St. Augustin besitzt die KAS 24 dem Bereich Politische Bildung zugerechnete Bildungswerke innerhalb Deutschlands sowie insgesamt 62 Auslandsbüros (Stand 1997). Die Büros im südlichen Afrika - in Johannesburg, Harare und Windhoek - sind mit jeweils ein bis zwei deutschen Mitarbeitern und ein bis fünf einheimischen Kräften besetzt.

b) Projektauswahl

Die Auslandsbüros führen kaum eigene Projekte durch, sondern konzentrieren sich auf Politikberatung und die Auswahl und Unterstützung von Projekten der Partnerorganisationen.

aa) Verfahren
Entscheidend für die Auswahl der Projektpartner und der einzelnen Projekte, die gefördert werden, ist zunächst das Urteil des Mitarbeiters vor Ort, der einen Antrag auf Förderung an die Zentrale in St. Augustin richtet. Sein Antrag wird von verschiedenen Stellen in der Zentrale geprüft: Der Referent für das südliche Afrika, der Abteilungsleiter für Afrika und der Leiter des Bereichs Internationale Zusammenarbeit und verschiedene andere Stellen beurteilen den Antrag und arbeiten gegebenenfalls Veränderungen aus. Zur Zeit muß jeder Antrag eines Auslandsmitarbeiters durch sieben Instanzen bewilligt werden. Damit konnte die Bürokratie innerhalb der Stiftung in den letzten Jahren schon bedeutend abgebaut werden (vor einigen Jahren mußten noch 12 Instanzen zustimmen).
In diesem Diskurs über die Förderung von konkreten Projekten ist die Meinung des örtlichen Repräsentanten der KAS letztlich die wichtigste, da er innerhalb der allgemeinen politischen Zielsetzungen der Stiftung die Vorauswahl trifft und im direkten Dialog mit den tatsächlichen und potentiellen Partnerorganisationen steht.

 bb) Entscheidungskriterien
Grundsätzlich sieht sich die KAS als Teil der christlich-demokratischen Bewegung. Mit ihrer Internationalen Zusammenarbeit will die Stiftung in erster Linie weltweit Demokratie stärken. In demokratischen Strukturen können objektiv bestehende unterschiedliche Interessen zwischen verschiedenen Gruppen einer Gesellschaft mediatisiert werden. Demokratische Konfliktlösungsstrategien können nicht die Interessengegensätze „aus der Welt schaffen", sondern streben ein faires Ausbalancieren und das Erreichen von für alle Seiten tragfähigen Kompromissen an. (vgl. Grunwald 1998: 19 ff.) Eine demokratische Gesellschaft soll idealiter nicht nur allen Beteiligten eine bestmögliche Verwirklichung ihrer Interessen ermöglichen, sondern damit auch zu langfristiger Stabilität führen. Damit kann die Unterstützung von Demokratisierung direkt als Beitrag zur „Unterstützung friedensfördernder Maßnahmen" angesehen werden.
In der ersten Runde der afrikanischen Demokratisierung wurde postuliert, der Demokratisierung müsse eine Alphabetisierung und Bildung vorausgehen; organisatorisch orientierten sich die neuen Regime am europäischen zentralistischen System der Kolonialzeit. Nur ein starker Staat könne Entwicklung durchsetzen, daher seien tribalistische Strukturen schädlich und müßten entmachtet werden. (Ansprenger 1997: 87; 97) Aber das koloniale Organisationssystem ermöglichte es, daß die neuen Eliten ihre Macht ausbauten und sicherten und zu Vertretern der dominanten gesellschaftlichen Gruppen (Ethnien) oder des Militärs mutierten. Sie manipulierten Wahlen, ignorierten die Verfassungen und die Systeme von checks and balances (Gewaltenteilung, unabhängige Justiz, freie Presse), entmachteten lokale Autoritäten und ließen keine gesellschaftliche Partizipation zu.
Für die meisten Entwicklungsländer  ist heute die Demokratisierung eine Voraussetzung der Entwicklung, da sich autoritäre Eliten meist nicht an der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Gesellschaft interessiert gezeigt haben. Diese Erfahrung mußten viele afrikanische Gesellschaften machen, nachdem nationale Befreiungs-bewegungen oder Teile des Militärs entwicklungshemmende (Kolonial-) Regime
 ablösten, sich aber typischerweise selbst zu Diktatoren entwickelten. In diesem Punkt hatte Peter Kropotkin recht, als er schon Anfang des Jahrhunderts die Transformation solcher Revolutionäre beschrieb: „An Stelle der drückend gewordenen Macht suchten sie eine neue zu schaffen, die sie selber innehaben würden, und versprachen - oft in gutem Glauben -, daß der neuen Autorität die Interessen des Volkes, das sie wirklich zu vertreten im Sinne hätten, am Herzen liegen würde - ein Versprechen, das später unvermeidlich vergessen und verraten wurde." (1993: 29)
Während des Kalten Krieges war den Weltmächten eher an zuverlässigen Verbündeten als an demokratischen Stukturen in der Dritten Welt interessiert. Auch die ökonomischen Interessen der nördlichen Industriestaaten konnten scheinbar besser in undemokratischen Staaten durchgesetzt werden: es ist einfacher, mit autokratischen Regimen zu verhandeln, als mit demokratischen Regierungen, die verschiedene gesellschaftliche Positionen berücksichtigen müssen. Nach Beendigung des Kalten Krieges, dem offensichtlichen Scheitern der staatsgelenkten Planwirtschaft und der meisten Entwicklungsdiktaturen konnte die zweite Runde der Demokratisierung beginnen, in der sich auch wirtschaftliche Entwicklungsmodelle durchsetzen konnten, die eher an demokratischen Strukturen orientiert sind. Zunehmend setzte sich die Erkenntnis durch, daß das größte Entwicklungshemmnis der afrikanischen Staaten in ihren schlechten Regierungen und klientelistischen Staatsstrukturen lag. (vgl. Nuscheler 1995: 337 f. m.w.N.)
Um die Gesellschaften des südlichen Afrikas bei der Ausbildung ihrer demokratischen Strukturen zu unterstützen, konzentrieren sich die Aktivitäten der KAS auf:
- die Ausbildung von politischen und gesellschaftlichen Führungskräften;
- die Förderung demokratischer Inhalte und Verfahren;
- die Stärkung benachteiligter Bevölkerungsgruppen;
- die Förderung entwicklungsorientierten Verhaltens;
- die Anregung des interkulturellen Dialogs;
- den Auf- und Ausbau gesellschaftlicher Organisationen;
- die Vermittlung von Hilfe zur Selbsthilfe;
- den weltweiten Informations- und Erfahrungsaustausch.
(aus der Internetinformation des Bereiches Internationale Zusammenarbeit der KAS, vgl. http://www.kas.de)
Bei der Umsetzung demokratischer Vorstellungen setzt die KAS ökonomisch auf die Marktwirtschaft und generell auf eine Stärkung speziell nicht-staatlicher Kräfte. Sie beruft sich dabei auf das aus der katholischen Soziallehre stammende Prinzip der Subsidiarität, nach dem der Staat sich so weit wie möglich aus den gesellschaftlichen Prozessen zurückziehen solle. Der Begriff Subsidiarität stammt vom lateinischen „subsidium ferre" (Hilfestellung leisten) und setzt Solidarität voraus. Der Staat wird zur Entwicklung eines Sozialsystems verpflichtet, das aber den einzelnen und die kleineren und untergeordneten Gemeinschaften nicht aus der Pflicht nimmt. Hilfe wird grundsätzlich als Hilfe zur Selbsthilfe verstanden, da sie als rein karitative Gabe langfristig fruchtlos bleibt. (vgl. Spieker 1997: 548f.; KAS 1998: 37)

cc) Erfolgskontrolle
Eine Evaluation der Projekte ist nach Einschätzung des Referenten für das südliche Afrika, Michael Plesch, kaum möglich. Da sich die Arbeit der Stiftung auf gesellschaftliche Entwicklungen konzentriert, müßte für eine harte Projektevaluation die Prognose gewagt werden, wie sich die Gesellschaft ohne die Arbeit der Stiftung entwickelt hätte. Erfolg läßt sich relativ zuverlässig messen in konkreten, auf die Lebenssituation der einzelnen Menschen zielenden Projekte, aber weniger in den Bereichen, in denen die KAS tätig wird und die auf die Unterstützung der demokratischen Strukturen Namibias zählen.
Trotz dieser Probleme müssen die Auslandsmitarbeiter natürlich ihre Arbeit in Berichten darstellen und erläutern. Zusätzlich unterzogen Auslandsmitarbeiter und die Zentrale der KAS ihre Programme der Armutsbekämpfung im Afrika südlich der Sahara einer gründlichen Evaluierung, die die Wirksamkeit der Zusammenschlüsse von Selbsthilfegruppen zur politischen Vertretung ihrer Interessen dokumentierte. (KAS 1998: 37)

 3. Namibia

a) Geographische Grundlagen

aa) Räumliche Gliederung, Klima
Mit einer Fläche von 824.292 km² ist Namibia ungefähr zweieinhalbmal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland ist aber mit ca. 1,6 Mio. Einwohnern sehr dünn besiedelt. (Melber 1993: 401) Besonders im ariden Süden leben sehr wenig Menschen. Das Bevölkerungswachstum ist mit 3,3 % relativ hoch und hat zu einer Verdoppelung der Bevölkerung zwischen 1970 und 1990 geführt. (StBA 1990: 33, 41)
Namibia gliedert sich in drei Teile: Im Westen erstreckt sich entlang der Atantikküste die Namibwüste, in der die mittleren jährlichen Niederschlagsmengen unter 100 mm liegen. Mit Ausnahme einiger Hafenstädte ist dieser Bereich sehr dünn besiedelt. Der Zentralteil besteht aus einem 1000 bis 2000 Meter hoch gelegenem Plateau, das die landwirtschaftlich besten Nutzungsmöglichkeiten liefert. Aufgrund der semiariden Bedingungen mit Niederschlägen zwischen 100 und 400 mm, die nur während des Südsommers fallen, wird vor allem extensive Viehwirtschaft betrieben. Im Osten und im Süden des Landes bestimmen große Wüstengebiete die Landschaft. Die nordöstlichen Landesteile weisen mittlere Jahresniederschläge von bis zu 600 mm auf, so daß dort auch Getreide, Obst und Gemüse angebaut werden können. (Melber 1993: 401 f.; Dahle/Leyerer 1992: 21)

bb) Wirtschaft
Die Wirtschaft Namibias wird vor allem bestimmt durch die Landwirtschaft und den Bergbau. Während die Landwirtschaft 1988 nur ca. 10 % des Bruttosozialprodukts erwirtschaftete, lebten 50-70 % der Bevölkerung direkt oder indirekt von ihr oder dem Fischfang. (Dahle/Leyerer 1992: 129) Neben einer modernen, kommerziellen Farmwirtschaft, die auf den Export von Rindfleisch und Karakulfellen ausgerichtet ist, gibt es einen großen traditionellen Bereich, der bäuerlichen Subsistenzwirtschaft, der relativ unproduktiv arbeitet. Die Bodenschätze (vor allem Uran und Diamanten) werden von internationalen Firmen abgebaut und nehmen eine bedeutende Rolle ein für die Wirtschaft Namibias. Knapp 2/3 der Exporterlöse Namibias stammen aus diesem Bereich (Melber 1993: 407) sowie ein großer Teil der Staatseinnahmen aus Steuereinkünften. Die Abhängigkeit Namibias von diesen beiden Wirtschaftsbereichen sowie seine während der Kolonialzeit gewachsene Ausrichtung auf den Südafrikanischen Markt stellen Namibia vor bedeutende Probleme.

cc) Ethnische Struktur
Für die verschiedenen in Namibia lebenden Volksgruppen gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Einteilungen und Bezeichnungen. Hier dargestellt sei die tabellarische Auflistung des Statistischen Bundesamtes (1992: 45), die die deutliche Dominanz der Owambo zeigt und einen ungefähren Überblick über die Verteilung der anderen Volksgruppen ermöglicht:

Bevölkerung nach Ethnien: 1989, Schätzung, absolut und prozentual
Owambo 641.000 49,76 %
Kavango 120.000 9,31 %
Herero  97.000 7,53 %
Damara  97.000 7,53 %
Weiße  82.000 6,36 %
Nama  62.000 4,81 %
Farbige  52.000 4,03 %
Caprivianer  48.000 3,72 %
Buschmänner  37.000 2,87 %
Rehoboth-Basters  32.000 2,48 %
Tswana    8.000 0,62 %
Andere  12.000 0,93 %

b) Kurzer geschichtlicher Abriß

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der ehemalige deutscher Kolonialbesitz Südwest-Afrika unter die Verwaltung Südafrikas gestellt, das diesem als Lieferant für Felle, Fleisch und Bodenschätze und als Abnehmer von Produkten der verarbeitenden Industrie diente. Als Reaktion auf schlechte Arbeitsbedingungen und die rassistische Apartheidstrukturen entstand eine Opposition, die sich ab 1960 in der SWAPO (South West African People’s Organization) bündelte und bald den bewaffneten Kampf aufnahm. Die Vereinten Nationen entzogen der Republik Südafrika im gleichen Jahr das Mandat über Südwest-Afrika. Südafrika entließ das Land aber erst im Zuge der Überwindung des Ost-West-Konfliktes 1989/90, nun unter dem Namen Namibia, in die Unabhängigkeit. Aus freien Wahlen ging im November 1989 die SWAPO mit 57,3 % der abgegebenen Stimmen als eindeutige Siegerin hervor, die das Land seit seiner Unabhängigkeit am 21. März 1990 unter dem Präsidenten Sam Nujoma regiert. In Regionalwahlen Ende 1992 konnte die SWAPO ihre Vorherrschaft weiter ausbauen, im Dezember 1994 errang sie in freien Parlaments- und Präsidentenwahlen 72 bzw. 75 % der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von über 70 %. (Melber 1997: 106)

c) Gegenwärtige politische Situation

In Namibia vollzog sich der Wandel von der illegalen Besetzung durch Südafrika als Fortsetzung europäischer Kolonialgeschichte zur völkerrechtlichen Autonomie ab 1990 relativ problemlos, nachdem Südafrika sich zum Rückzug aus Namibia entschlossen hatte. Seitdem hat Namibia eine hohe Stabilität bewiesen. Die sozialistische Rhetorik der SWAPO ist nach dem Zerfall der Sowjetunion weitgehend einer pragmatischen marktwirtschaftlichen Ausrichtung gewichen, (Ansprenger 1997: 124) so daß sich Befürchtungen vor der Destabilisierung einerseits des Landes, die vor allem die Grundbesitzer hegten, sowie andererseits der gesamten Region, die einer der Gründe für das lange Bleiben der Südafrikaner in Namibia waren, nicht bewahrheitet haben. Gerade nach dem Ende der Apartheid in Südafrika, für das die Freigabe von Namibia als „Generalprobe" angesehen wird (Ansprenger 1997: 188), und dem Zusammenschluß der ehemaligen Frontstaaten mit ihrem früheren Gegner Südafrika in der regionalen Entwicklungsgemeinschaft SADC (Southern African Development Community) erweist sich Namibia nicht als Destabilisierungsfaktor, sondern als hoffnungsvolles Beispiel für demokratische Entwicklungen in Afrika. Trotzdem hat die namibische Gesellschaft mit großen Problemen zu kämpfen.

aa) Verteilungsungerechtigkeiten
Der Bericht über die menschliche Entwicklung der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (1997: 25) bezeichnet Namibia als eines der Länder mit den größten sozialen Diskrepanzen. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen war 1996 mit 1904 US-$ (Melber 1997: 101) relativ hoch, aber allein zwei Drittel des Volkseinkommens entfallen auf nur 10 % der Bevölkerung. 40 % aller Haushalte müssen mit einem Einkommen unterhalb der absoluten Armutsgrenze auskommen.

bb) Versöhnung
Eine weitere Hypothek der langen Kolonialgeschichte Namibias liegt in den direkten Bürgerkriegsfolgen. Die Versöhnung zwischen den verschiedenen auf unterschiedlichen Seiten am Bürgerkrieg beteiligten gesellschaftlichen Gruppen sowie die Wiedereingliederung ehemaliger Kämpfer in die Zivilgesellschaft verläuft erstaunlich gut, birgt aber noch auf lange Zeit Konfliktpotential. Grundsätzlich sorgen zwei Faktoren für eine Befriedung der Gesellschaft: erstens die unangefochtene Vorherrschaft einer Partei, zum anderen ihr behutsames Vorgehen bei der angekündigten, aber nie vollzogenen Umverteilung, welche zu heftigen Konflikten mit den reichen und für den wirtschaftlichen Entwicklungsprozeß sehr wichtigen Schichten geführt hätte. Diese Beibehaltung des status quo hat den Preis der Enttäuschung großer Teile der in ökonomischer Hinsicht marginalisierten schwarzen Bevölkerung, die ihren Forderungen aber noch nicht in für die Regierung oder den gesellschaftlichen Frieden gefährdender Weise artikuliert.
 

 cc) Das Epupa-Staudammprojekt
Die Regierung Namibias plant die Errichtung eines Staudamms im angolanisch-namibischen Grenzfluß Kunene, um dort elektrische Energie gewinnen zu können. (vgl. die ausführliche Darstellung von Bollig 1997: 67 f.; 78 ff.) Die wirtschaftlichen und ökologischen Folgen sind sehr umstritten; bei dem Projekt scheint es sich in erster Linie um ein „Prestigeobjekt der Regierung" (Dirk Behrens in SZ vom 25.7.98, S. 10) zu handeln, das zu erheblichen Auseinandersetzungen innerhalb Namibias geführt hat. Besonders die im Nordwesten lebenden halbnomadischen Himba, deren traditionelle Lebensweise von dem Staudammprojekt direkt betroffen wäre, setzen sich heftig zur Wehr. In dem Konflikt wird sich die Fähigkeit der jungen Demokratie zeigen, unterschiedliche Interessen zu mediatisieren und gesellschaftliche Konflikte auszutragen. Bislang scheint die Regierung ihre Position konsequent durchsetzen zu wollen, aber die Tatsache, daß eine kritische Berichterstattung in der Presse möglich ist und die Himba ihre Position national wie international vertreten können, läßt die Hoffnung auf einen Ausbau der demokratischen Konfliktlösungsstrategien in Namibia zu.

dd) Außenpolitische / sezessionistische Konflikte
(1) Botswana
Zwischen Namibia und Botswana gibt es seit einigen Monaten einen Streit um drei Inseln in dem Grenzfluß Linyanti, der je nach Wassermenge seinen Verlauf ändert. Der Konflikt schwelt unterhalb der Schwelle kriegerischer Auseinandersetzung, trotz gelegentlich rüder Rhetorik sind beide Staaten grundsätzlich freundschaftlich verbunden.
(2) Caprivi
In dem im Nordwesten Namibias gelegenen Caprivi-Zipfel kämpfte die sezessionitische „Caprivi Liberation Army" unter dem ehemaligen Präsidenten der wichtigsten Oppositionspartei Namibias, der DTA (Demokratische Turnhallen-Allianz), für eine Abspaltung ihres Gebietes. Obwohl er und viele seiner Kämpfer mittlerweile in Botswana in Haft sind, herrscht im Caprivi-Zipfel der Ausnahmezustand. (The Namibian z.B. vom 27.10.1998, 29.10.1998) Mittlerweile haben mehrere tausend Caprivier in Botswana Zuflucht gesucht, ihr weiteres Schicksal ist bislang unklar. (The Namibian, 7.1.1999)
(3) DRC (Kongo - Demokratische Republik)
Der Einsatz von namibischen Truppen in der Demokratischen Republik Kongo auf Seiten des Präsidenten Kabila hat national wie international große Kritik hervorgerufen. Während Kritiker des Einsatzes die militärisch schwierige Lage im Kongo, die enormen Kosten und die Ausweitung des Konflikts auf immer mehr Länder betonen, sehen Befürworter umgekehrt die Notwendigkeit und Möglichkeit, mit einer Stärkung von Kabila eine Ausweitung auf andere Länder, zum Beispiel durch eine Stärkung der angolanischen UNITA bei einem Sieg der Rebellen im Kongo, was zu einem Übergreifen des Konflikts in Angola auf Namibia führen könnte, zu verhindern. (Kühne/Mair 1998)

ee) Gleichstellung der Frauen
Die am 9. Februar 1990 von der Nationalversammlung einstimmig angenommene (!) Verfassung von Namibia (NV) sieht in ihren Artikeln 10 II und 14 I ausdrücklich die Gleichstellung von Mann und Frau vor. Die einfachgesetzliche Umsetzung erfolgte jedoch erst nach sechs Jahren mit dem Married Persons Equality Act, 1996, und das nur teilweise. (zum folgenden vgl. Sippel 1997 sowie Becker 1997) Während der südafrikanischen Herrschaft in Namibia wurde 1920 das unkodifizierte südafrikanische Recht in Namibia zur Geltung gebracht. Dieses basierte einerseits auf dem römisch-holländischen Recht, das seit dem 17. Jh. nach Südafrika gebracht wurde, andererseits auf dem britischen common law, das seit der Eingliederung der Kapkolonie in das britische Empire 1806 allmählich von den Juristen rezipiert wurde. Vor allem im Bereich des Privatrechts blieben allerdings römische Rechtsformen bestimmend, neben dem besonders in den ländlichen Gebieten Namibias häufig das jeweilige Gewohnheitsrecht (customary law) Anwendung fand. Diese Rechtslage wurde von der neuen Verfassung in Art. 66 I NV ausdrücklich übernommen, soweit die gewohnheitsrechtlichen Regelungen nicht der Verfasssung entgegenstehen. Das römisch-holländische Recht beinhaltete Regelungen, durch die Frauen sehr stark benachteiligt wurden und die trotz des allgemeinen Diskriminierungverbots nach wie vor teilweise angewandt wurden: so gab die Frau mit ihrer Heirat ihre Rechtspersönlichkeit ab, sie konnte keine eigenen Bankkonten eröffnen und sich nicht selbst vor Gericht vertreten, hatte im Falle einer Trennung von ihrem Mann keine Rechte über ihre Kinder usw. Dieses Denken entspricht dem europäischen patriachalischen Gedanken, daß die Vorherrschaft des Familienvaters über die Tochter vom Ehemann weitergeführt wird. Die südafrikanische Rechtswissenschaft rechtfertigte die Anwendung dieses Grundsatzes damit, daß ihm sich die Frau mit der Heirat freiwillig unterwerfe.
Die meisten dieser diskriminierenden Regelungen wurden nach erheblichen Anstrengungen der namibischen Frauenbewegung mit dem Married Persons Equality Act,1996 abgeschafft, allerdings nicht für alle in Namibia geschlossenen Ehen, sondern nur für die nach modernem Recht geschlossenen. Ehen, die dem afrikanischen Gewohnheitsrecht unterliegen, wurden von der Gleichstellung ausgeschlossen. Dafür lassen sich zwei Komplexe von Begründungen ausmachen: Der erste liegt in den tatsächlichen Machtverhältnissen in Namibia. Zwar ist den meisten Beteiligten klar, daß eine wirtschaftliche Entwicklung vor allem der ländlichen Räume zum großen Teil nur von den Frauen getragen werden kann und diese besser ohne juristische Beschränkung tätig werden können, aber die konservativen traditionellen Führer vor allem auf dem Land hatten erhebliche Bedenken gegen das Gesetz angemeldet und sollten nicht verprellt werden. Auch Frauen wandten sich gegen eine Gleichstellung, weil sie mit dem Zuwachs von Rechten auch neue Pflichten auf sich zukommen sahen. Oft wurde auch mit der Bibel argumentiert, daß die Frau dem Mann untertan sein solle.
Die zweite Begründung für die Herausnahme der nach traditionellem Recht geschlossenen Ehen liegt in Befürchtungen, daß besonders die ländlichen Gesellschaften zerfallen könnten, wenn der Familie der eindeutige Führer genommen würde. Es wurde verwiesen auf die für die Gesetzgebung unklare Rechtssituation in den ländlichen Gemeinschaften, in die so wenig wie möglich eingegriffen werden solle, um unerwünschte „Nebenwirkungen" auf althergebrachte Lebensformen zu vermeiden. Eine Untersuchung des customary law sollte hier zunächst für mehr Klarheit sorgen.
An diesem Beispiel zeigt sich die zögernde Bereitschaft der herrschenden politischen Kräfte, Namibia in einem modernen Sinn zu entwickeln, ohne dabei gesellschaftliche Gräben aufzureißen. Ohne eine stark fordernd auftretende Frauenbewegung hätte die Überwindung des sexistischen römischen Rechts gewiß keine Chance gehabt, und nur wenn auch die Frauen auf dem Land ihre immerhin durch die Verfassung garantierten Gleichheitsrechte vehement einfordern, können sie mit einem Erfolg rechnen. Das Beispiel zeigt auch, daß es Veränderungen zwar schwierig zu erreichen sind, aber durchaus möglich. In einer Stärkung basisdemokratischer Kräfte liegt daher ein wichtiger und vielversprechender entwicklungspolitischer Ansatz.

4. Projektpartner und Projekte der Konrad-Adenauer-Stiftung in Namibia

a) frühere Projektpartner (vgl. Schneider 1992: 124 ff.)
(1) TUCSIN
TUCSIN (The University Centre for Studies in Namibia) ist eine private Bildungsorganisation, die benachteiligten Schichten in Namibia Zugang zu besseren Bildungsmöglichkeiten eröffnen will. In Jahreskursen wird Schülern der Erwerb einer Hochschulzugangsberechtigung ermöglicht. Die Kooperation zwischen TUCSIN und der Konrad-Adenauer-Stiftung reicht bis ins Jahr 1984 zurück, also in die Zeit vor Unabhängigkeit Namibias und Gründung der Universität von Namibia 1992. Mit der Unterstützung von TUCSIN handelte die KAS zunächst entgegen der Politik der Vereinten Nationen, die die SWAPO 1976 als alleinige (!) Vertretung der namibischen Volkes anerkannt hatten (Papst 1991: 44) und bis 1984 die Unterstützung von gesellschaftlichen Gruppen innerhalb Namibias ausschloß. Heute ist die Zusammenarbeit mit TUCSIN beendet. (Gespräch mit Michael Plesch, 28.12.1998)
(2) NCCA
Die Namibian Community Co-operative Alliance arbeitet auf dem Gebiet der ländlichen Entwicklung, ein aufgrund der extrem ungleichen sozialen Verhältnisse in Namibia wichtiges Betätigungsfeld, das es ermöglicht, soziale Gerechtigkeit zu unterstützen und direkt bei den Lebens- und Produktionsbedingungen der ländlichen Bevölkerung ansetzt. Sie konzentriert sich dabei auf das Namaland im südlichen Teil Namibias. Ein wichtiges Ziel ist dabei der Zusammenschluß zu Erzeuger-Kooperativen, um gemeinsam bessere Lebensbedingungen zu erreichen. Die lokalen Seminare, Treffen und Projekte der NCCA werden dezentral organisiert und auf die jeweiligen Bedürfnisse der Bevölkerung zugeschnitten. Grundsätzlich werden Selbsthilfeprojekte unterstützt, die die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung verbessern soll.

(3) NAU
Die Förderung der ländlichen Entwicklung hat sich auch die Namibia Agriculture Union zum Ziel gesetzt. Sie ist die Dachorganisation der namibischen bäuerlichen Vereinigungen, die sowohl kommerzielle Großfarmer als auch Kleinbauern als Mitglieder haben. Ihr Ziel ist die bessere Ausbildung der Erzeuger auf dem landwirtschaftlichen Gebiet und die Verbesserung ihrer allgemeinen Bildungschancen. Dazu bemüht sie sich, Bildungsprogramme zu entwerfen, die speziell auf die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung zugeschnitten sind, und dabei weder kulturelle und soziale, noch ökonomische Aspekte zu vernachlässigen.
(4) HBF
Die Helmut Bleks Foundation will die Ausbildung speziell der nicht-weißen Kinder und Jugendlichen im ländlichen Raum verbessern. In ihrem Rahmen förderte die Konrad-Adenauer-Stiftung ein Projekt, das sich an unqualifizierte junge Frauen richtet und diese in dreijährigen Kursen ausbilden und zur Durchführung von Entwicklungsprogrammen befähigen will. Die politische Bildung und die Vermittlung von Organisationsfähigkeiten nimmt hierbei breiten Raum ein.
(5) DTA
Während die Friedrich-Ebert-Stiftung auch mit der Regierungspartei SWAPO zusammenarbeitet, unterstützte die KAS vor allem die Oppositionsparteien. In Namibia war das besonders die Demokratische Turnhallen-Allianz, die in den ersten Parlamentswahlen von 1989 mit 28,6 % der Stimmen die größte Oppositionspartei wurde. Während im Owamboland die SWAPO mit 92,3 % der Stimmen unangefochtene Siegerin war, entfielen im ethnisch weitgehend geschlossenen Hereroland 66,4 % auf die DTA. (Ansprenger 1991: 118, 120) In den folgenden Jahren konnte die DTA allerdings nicht an Profil gewinnen, war zerstritten und verlor zunehmend an politischem Gewicht. (vgl. Diescho 1996: 11 f., 18) In den Parlamentswahlen von 1994 konnte sie nur noch 20,45 % der Stimmen auf sich vereinigen, während die SWAPO ihren Anteil von 57,3 % (1989) auf 72,7 % steigern konnte. (Eichholz 1996: 130) Damit entwickelt sich nach Einschätzung von Melber (1997: 107) Namibia de facto zum Einparteienstaat.

b) Neuorientierung der Konrad-Adenauer-Stiftung

Die KAS reagiert auf den Prozeß der schwächer werdenden parteipolitischen Opposition mit der Konzentrierung auf die Unterstützung von außerparlamentarischen gesellschaftlichen Interessenvertretungen und hat die Zusammenarbeit mit der DTA, die ohnehin stärker durch die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung unterstützt wurde (Papst 1991: 231), eingestellt.
Im Zuge der schrumpfenden Haushaltsvolumen seit Mitte der neunziger Jahre bemüht sich die KAS um eine Konzentration ihrer Aktivitäten auf ihre eigentlichen Kernkompetenzen bei gleichzeitiger Intensivierung der Kooperation mit anderen Entwicklungshilfeträgern. Das bedeutete einen Rückzug aus dem Bereich der Sozialstrukturförderung, wie sie Projektpartner wie TUCSIN oder NCCA verfolgen, und eine Stärkung von Aktivitäten, die die gesellschaftspolitische Demokratisierungsprozesse unterstützen. Die Unterscheidung zwischen Sozialstrukturförderung und gesellschaftspolitischer Demokratisierung läßt sich allerdings nicht immer konsequent ziehen, da die Sicherung von Grundbedürfnissen eine Voraussetzung für gesellschaftliche Entwicklungsprozesse darstellt. Gerade im Bereich der Frauenförderung überschneiden sich die Zielbereiche: Eine Stärkung der Rolle der Landfrauen in der Gesellschaft läßt sich nur verbunden mit einer gleichzeitigen Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse durchsetzen.

aa) NID
Das Namibia Institute for Democracy ist eine politisch ungebundene Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, demokratische Werte und Praktiken in der Gesellschaft zu verbreiten und so zur nationalen Verständigung und Versöhnung beizutragen. Sie veranstaltet Seminare und Tagungen, veröffentlicht Publikationen und versucht, die Bevölkerung über ihre demokratischen Rechte und Pflichten aufzuklären. Das NID arbeitet auch mit einer Arbeitnehmervertretung zusammen (Namibia Peoples Social Movement), die zum Beispiel für einen größeren Einfluß der Gewerkschaften und für die Verbesserung des Sozialversicherungssystems eintritt.
bb) ARC
Die Regionalräte (Association of Regional Councils)  stellen mit dem Nationalrat die zweite Kammer Namibias, sie sind grundsätzlich vergleichbar mit den deutschen Länderregierungen, haben allerdings deutlich weniger Kompetenzen. Sie versuchen mit Hilfe der Konrad-Adenauer-Stiftung ihre Handlungsspielräume zu erweitern und der Zentralregierung durch Dezentralisierung einen Counterpart entgegenzusetzen. Diesem Vorhaben kommt aus zwei Gründen erhebliche Bedeutung bei. Erstens kann eine starke Zweite Kammer der Zentralregierung ein politisches Gegengewicht entgegensetzen und damit ein System von checks and balances stärken, das die Überwachung der Regierung durch eine starke parlamentarische Opposition ergänzen oder, für Namibia, teilweise ersetzen kann. Zweitens kann der Ausbau dezentraler Strukturen besser auf die Bedürfnisse der Bevölkerung eingehen. Insbesondere in den ländlichen Gebieten sind nach wie vor die lokalen Autoritäten Ansprechpartner für die Bevölkerung, oft regeln sie Rechtsfragen nach traditionellem, lokalen Recht (Becker 1997: passim). Föderale Strukturen sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Zentralregierung und lokaler Ebene. (z.B. ARC 1995: passim)
In Namibia bedeutet dies ein politisch schwieriges Unterfangen: Namibia wird dominiert von der Ethnie der Owambo, die anderen ethnischen Gruppierungen unterscheiden sich sehr stark voneinander und hatten teilweise sehr starke Konflikte untereinander. Um eine nationale Einheit zu gewährleisten entschlossen sich die Verfassungsväter, die Regionen Namibias nach rein geographischen und ausdrücklich nicht ethnischen Gesichtspunkten aufzuteilen (Art. 102 II NV).  Konflikte anhand von ethnischen Trennlinien gibt es in Namibia, wie die Auseinandersetzungen um das Epupa-Staudammprojekt und die im Caprivi-Zipfel zeigen, aber sie scheinen den nationalen Frieden in Namibia insgesamt nicht zu gefährden.
Die Stärkung regionaler Strukturen darf nicht einhergehen mit der Manifestation von ethnischen Spannungen.
cc) WAD
Woman’s Action for Development ist eine sehr erfolgreiche Selbsthilfeorganisation namibischer Frauen. (KAS 1998: 36) Sie wurde 1994 gegründet und hat heute ca. 900 Mitglieder, die in ca. 30 Selbsthilfegruppen organisiert sind. WAD will speziell die Situation der Landfrauen verbessern durch Ausbildung in Hygiene, Ernährung, Gesundheit und Familienplanung sowie durch einkommensschaffende Maßnahmen. Dazu gehören die Sparklubs in den Selbsthilfegruppen, aber auch das „Empowerment" der Frauen: die Stärkung ihrer Selbständigkeit und die selbstbewußte Vertretung ihrer gesellschaftspolitischen Interessen (s.o. 3.c.dd).

5. Schluß/Bewertung

Insgesamt bietet die KAS ein überzeugendes Konzept für die Überwindung von Entwicklungsproblemen, da längerfristig nur die Stärkung demokratischer Strukturen den Machtmißbrauch patrimonialer Cliquen mit allen nachfolgenden Entwicklungshemmnissen verhindern kann. Dabei ist besonders zu bedenken, daß sich die Arbeit der politischen Stiftungen gegenseitig ergänzt und eng verbunden ist mit den Tätigkeiten der anderen Entwicklungshilfeorganisationen: Keine von diesen besitzt die allein „richtigen" Erkenntnisse, nur ihr Zusammenwirken durch die Unterstützung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen mit unterschiedlichen Interessen kann beim demokratischen Aufbau helfen. Die Stiftungen unterstützen dabei Partnerorganisationen, die ihren Zielen grundsätzlich nahestehen: die KAS eher bürgerliche Organisationen, die FES eher sozialistisch orientierte, oft könnten sie ihre Projektpartner und die von ihnen unterstützten Projekte jedoch auch austauschen.
Die KAS hat dabei im internationalen Bereich gewisse Probleme, ihre Vorstellungen von einem schlanken Staat und Abbau bürokratischer Strukturen zu rechtfertigen, da Deutschland nicht dem Ideal eines Staates, der sich weitestgehend aus gesellschaft-lichen Prozessen herausgezogen hat, entspricht. Es hat sich vielmehr gerade auch durch die Christdemokratischen Parteien ein erfolgreicher Sozialstaat entwickelt, der ausgesprochen bürokratisch organisiert ist. Auch die KAS selbst hat durchaus bürokratische Organisationsstrukturen.
 
 

 Literatur

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