New World By Japsi Daily News of South Africa Johannesburg, 12.09.2021 Letzte Verhandlungen gescheitert Die heute abend in London staatgefundenen Verhandlungen brachten nicht den erwarteten Erfolg. Die Vertreter der EU und der USA kamen zu keiner Übereinkunft über die Besitzrechte der Antarktis. Nun ist ein Krieg wohl unabwendbar. Obwohl keine der beiden Parteien sich zu ihrem weiteren Vorgehen äußern wollte, sind sich alle Politologen einig, daß es zu keinen weiteren Verhandlungen kommen wird. Es sind erste Rufe nach der UNO lautgeworden. Doch diese scheint beim jetzigen Stand der Entwicklungen nicht mehr zu existieren. Denn welche Bedeutung sollte die UNO ohne die Staaten der EU und der USA noch haben. Versuche mehrerer neutraler Regierungen, zu vermitteln, stießen nur auf Ignoranz und Ablehnung bei den beiden Parteien. So sieht es also aus, als würde 70 Jahre nach dem 2. Weltkrieg der erste Konflikt entstehen, der für die ganze Menschheit eine Gefahr darstellen würde. Obwohl alle Staaten nach dem Amsterdamer Vertrag von 2007 verpflichtet worden waren, ihre Bestände an Atomwaffen zu vernichten, ist nicht auszuschließen, daß sich einige Regierungen nicht von allen ihren Nuklearwaffen haben könnten. Und beim heutigen Entwicklungsstand der Atomtechnik würde es das Ende der von uns gekannten Existenz bedeuten, sollte auch nur eine Atomwaffe gezündet werden. Deshalb plädiere ich an alle Menschen, denen etwas an ihrem Leben liegt, sich lautstark und sollte es nötig sein, mit Gewalt gegen diesen Krieg zu wehren. Mir ist bewußt, daß ich meine Befugnisse als Journalist übertrete, wenn ich zum Aufstand aufrufe, aber ich halte es für meine Pflicht, sie über die Entwicklungen auf dem letzten Stand zu halten. Deshalb auch der falsche Name. Doch ich würde wahrscheinlich keine Stunde länger leben sollte ich unter meinen eigenen Namen schreiben. "Elvis Presley" Daily News of South Africa Johannesburg, 17.09.2021 Erste Kampfhandlungen sind möglich Seit gestern abend weisen immer mehr Tatsachen darauf hin, daß der Beginn eines Krieges schon in sehr naher Zukunft liegen könnte. Amerikanische, sowie europäische Streitkräfte haben mit der Großmobilmachung begonnen. Es sieht fast danach aus, als würde nichts mehr unternommen werden können, um diesen Krieg zu verhindern. Unser einziges Bestreben kann jetzt nur mehr sein, an die Vernunft der Regierungen und Armeen zu appellieren, vom Einsatz von Atomwaffen Abstand zu nehmen. Ich möchte sie alle dazu aufrufen, ihren Regierungen merken zu lassen, was sie von diesem Konflikt halten, und daß der Einsatz von Atomwaffen nicht nur den Feind, sondern mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit auch die eigene Bevölkerung auslöschen würde. "Elvis Presley" Daily News of South Africa Johannesburg, 18.09.2021 Verrückter Journalist verursacht Unruhen Die von dem, nur als "Elvis Presley" bekannten, Journalisten aufgestellten Vermutungen und Aufrufe können nicht im geringsten bestätigt werden. Die Vertreter der beiden Bündnisse haben uns versichert, daß zwar Meinungsverschiedenheiten nicht verleugnet werden können, es aber keinen Grund gebe, sich vor einem Krieg zu fürchten. Deswegen möchten wir sie bitten, Hinweise, die zur Ergreifung des unbekannten Journalisten führen könnten, an die nächste Polizeidienststelle weiterzugeben. Wir wollen uns auch dafür entschuldigen, daß diese Berichte in unserer Zeitung erschienen sind, aber da sie nur in unserer Online-Ausgabe erschienen sind, weist alles darauf hin, daß dieser Mann - oder diese Frau - über fundierte Informatikkenntnisse zu verfügen scheint. "Die Redaktion der South Africa News" Daily News of South Africa Johannesburg, 21.10.2021 Befürchtungen waren berechtigt Der Widerruf der Redaktion und die darauf folgende Hetzjagd auf mich, gaben mir nicht die Chance, über die laufenden Ereignisse zu berichten. Da ich jetzt aber wieder in Sicherheit bin, werde ich wieder regelmäßig berichten können. Die letzten Tage müßten nun auch den skeptischsten Kritikern meiner Einschätzung der Lage gezeigt haben, daß ich nicht verrückt bin. Denn das Aufgebot an Militär, welches überall in Europa und Amerika zu sehen ist, kann sicherlich nicht mehr heruntergespielt werden. Seit letzter Woche haben sehr viele Demonstrationen in Washington und den Hauptstädten der EU-Staaten stattgefunden, an welchen Millionen von Menschen teilnahmen. Die Menschen fordern ein Ende der Kriegsvorbereitungen und die Wiederaufnahme der Verhandlungen. Wie vom Pressesprecher des amerikanischen Präsident verlautbart, hat er die EU-Regierung zu erneuten Verhandlungen eingeladen. Als Verhandlungsort hat er Tokio vorgeschlagen, da die Japaner wiederholt ihre Neutralität bekundet haben. Wie aus europäischen Regierungskreisen zu hören ist, scheinen diese Verhandlungen kurz bevor zu stehen. Nun bleibt uns nur die Hoffnung, daß die Verhandlungen nicht scheitern und der Weltfrieden wieder hergestellt werden kann. Ich werde mich nach Ende der Verhandlungen, egal wie diese auch immer ausgehen sollten, zu erkennen geben. Denn im Falle des Scheiterns würden wir alle sowieso nicht mehr lange leben. Sollten die Gespräche, wie wir alle hoffen, erfolgreich sein, dann werde ich jedes Urteil, daß die Gerichte für mich als angemessen befinden annehmen. "Elvis Presley" Daily News of South Africa Johannesburg, 27.10.2021 Anwalt war "Elvis Presley" "Elvis Presley", der die Welt in den letzten Wochen auf dem letzten Stand der Spannungen zwischen den zwei Großbündnissen EU und USA hielt, ist Anwalt in Südafrika. Er hat scheinbar seine Freundschaft zu mehreren Regierungsmitgliedern der beiden Parteien genutzt, um sich ein Gesamtbild zu schaffen, welches ihn dann dazu brachte, sich Zugang zu unserem Internetserver zu verschaffen und seine Warnungen zu veröffentlichen. Er hat sich gestern nach der erfolgreichen Beendigung der Verhandlungen zwischen den zwei Großbündnissen der Polizei gestellt und befindet sich derzeit in Untersuchungshaft in London. Wir werden sie über sein weiteres Schicksal informieren. "Die Redaktion der South Africa News" Daily News of South Africa Johannesburg, 28.10.2021 "Elvis Presley" freigesprochen Die gestrige Vorverhandlung im Fall "Elvis Presley" wurde überraschend unterbrochen, als 17 Männer den Gerichtssaal betraten. Bei diesen Männern handelte es sich aber nicht, wie zuerst vermutet, um Terroristen, sondern um die Regierungschefs der 16 EU-Staaten und dem amerikanischen Staatsoberhaupt. Sie forderten das unverzügliche Ende der Ermittlungen gegen der Angeklagten. Sie begründeten das mit der Tatsache, daß er nur seine Pflicht als Weltbürger erfüllt hatte und durch seine Handlungen einen schon ziemlich wahrscheinlichen Krieg verhindert hatte. Der Richter folgte der Bitte der mächtigsten Männer der Welt ohne weitere Fragen zu stellen. Jetzt befindet sich "Elvis Presley", dessen wirkliche Identität noch immer nicht bekannt gegeben wurde, wieder auf freiem Fuß. Wir hoffen, daß er bald der schützenden Mantel seines Synonyms verlassen wird und uns sagen wird, wie man sich fühlt, wenn man die Welt gerettet hat. "Die Redaktion der South Africa News" Daily News of South Africa Johannesburg, 05.11.2021 Interview mit "Elvis Presley" Wie wir versprachen, haben wir alle Kräfte in Bewegung gesetzt, um ein Interview mit dem Mann zu bekommen, der sich seit seiner sehr positiv ausgegangenen Verhandlung noch nicht zu erkennen gegeben hat. Doch wir hatten den gleichen Erfolg wie unsere Kollegen von den anderen Zeitungen und dem Fernsehen. Immer hieß es nur, es würde schon die Zeit kommen, wenn er seinen Deckmantel fallen lassen würde. Doch dann bekamen wir gestern nachmittag einen Anruf von ihm. Er meinte, er würde nun gerne seine wahre Identität preisgeben. Er stellte nur die eine Bedingung, er wolle das Interview mit einem Journalist unserer Zeitung machen, um sich so für die Benutzung unserer Internetzeitung zu bedanken. So sandten wir noch am Abend ein Reporterteam zu ihm, um sie so schnell über ihm aufzuklären. "South African News (SA)": Ich freue mich, daß ich endlich dem Mann gegenübersitze, der den 3. Weltkrieg verhindert hat. Viele unserer Leser haben in ihren Briefen so manche Frage vorgeschlagen, die sie gerne beantwortet haben würden. Ich hoffe, daß wir zumindest einige dieser Unbekannten heute auflösen werden können. "Michael Grews (MG)": Ich freue mich meinerseits über dieses Interview, da es mir eine schwere Last von den Schultern nehmen wird, endlich den Mantel meines Synonyms ablegen zu können. Aber zuerst möchte ich mich für die Unannehmlichkeiten entschuldigen, die sie durch meine Berichte hatten. Ich habe erst jetzt erfahren, daß sie alle verdächtigt wurden, "Elvis Presley" zu sein. Ich glaube es wäre jetzt Zeit, meinen richtigen Namen zu verraten, das wird unsere Unterhaltung auf eine andere Ebene führen. Denn es wäre doch sehr verrückt, wenn sie mich immer mit "Elvis" oder "Mr. Presley" ansprechen würden. Mein Name ist Michael Grews. Sie können mich Michael nennen. SA: Michael, das einzige, was wir von ihnen wissen ist, daß sie Anwalt in Südafrika sind und den 3. Weltkrieg verhindert haben. MG: Ja, ich bin in einer kleinen Anwaltskanzlei beschäftigt und arbeite hauptsächlich im Bereich der Menschenrechts- Verletzungen. Deswegen habe ich die guten Beziehungen in alle Länder der Erde, welche mir erst die Möglichkeit gaben, ein solches Gesamtbild von der Lage zwischen EU und USA zusammen zufügen. Und zu ihrer zweiten Aussage kann ich nur sagen, man sollte nicht so schamlos übertreiben, denn wer weis, ob es überhaupt zum Krieg gekommen wäre. Doch bin ich stolz, meinen Anteil an der Lösung dieses Problems beigetragen zu haben. Ich würde meinerseits die Menschen ehren, welche unter Einsatz ihres Lebens demonstriert haben und so zum Umdenken aufgefordert haben. SA: Mir scheint, sie wollen mit diesen Worten nur von sich ablenken. Das ist zwar sehr löblich, aber sie können nicht von den erbrachten Taten ablenken. Denn niemand unter den Demonstranten hätte sich überhaupt gegen die Gefahr wehren können, hätten sie nicht darauf hingewiesen. MG: So würde ich das nicht ausdrücken. Es ist eher so, daß ich das Glück hatte, in den letzten Jahren Kontakte in die ganze Welt aufzubauen. Ich bin also nicht der Held für den mich alle halten. Ein Held hätte sicher kein Synonym verwendet. SA: Um auf ihren Decknamen zu kommen, warum haben sie ihn gewählt? Das ist die Frage, welche die meisten Lesern gerne beantwortet haben wollen. MG: Das hat keine bestimmten Grund. Ich wollte nur einen Namen wählen, der es unmöglich machen sollte, meine Verfolger auf meine Spur zu lenken. Es ist also kein emotioneller Hintergrund für die Wahl verantwortlich. SA: Können sie uns in einigen Sätzen etwas über ihre Person erzählen? MG: Nun, ich bin sicherlich kein besonderer Mensch. Geboren wurde ich in Zaire. Mein Vater war dort Entwicklungshelfer. Nachdem Zaire nicht mehr als Entwicklungsland galt, zogen wir nach Johannesburg, wo mein Vater seinen früheren Beruf als Industrievertreter wieder ergriff. Meine Mutter war nach schwerer Krankheit zu schwach, um wieder zu arbeiten und verbrachte die meiste Zeit im Krankenbett, bevor sie starb, als ich neun war. Das war eine sehr schwere Zeit für uns und sie hat mich sicherlich entscheidend geprägt. Nachdem ich die Schule in Johannesburg beendet hatte, studierte ich dort Jura und entdeckte schon damals mein Interesse für die Menschenrechte. Kurz arbeitete ich auch für Amnesty International, doch nach dem großen Spendenskandal hatte ich nicht mehr das Vertrauen in diese Organisation. Nach dem Studium hatte ich einige Anwaltsjobs, welche mir aber nicht zusagten, da ich nicht an Zivilklagen interessiert war. Dann stieß ich in einer Zeitung auf ein Stelleninserat einer Kanzlei, welche auf Menschenrechtsfragen spezialisiert ist und bewarb mich noch am selben Tag. Obwohl in dem Inserat ein erfahrener Anwalt gesucht wurde, schien dem Kanzleileiter meine Leidenschaft für die Menschenrechte zu imponieren und so stellte er mich für eine Probezeit ein. Da ich wußte, daß ich nun einem großen Druck ausgeliefert war, wurde diese Zeit eine der härtesten in meinem Leben. Ich arbeitete den ganzen Tag mit einem der erfahrensten Menschenrechts-Anwälte zusammen, den man mir als Mentor zur Seite gestellt hatte. Er zeigte mir, daß die Menschenrechte eine wunderbare Sache waren, aber nur selten vollständig eingehalten wurden. Von ihm habe ich alles gelernt, was ich kann. Zum Schlafen kam ich nicht sehr viel, da ich bestrebt war, diesen Job zu behalten und so eignete ich mir soviel Wissen über Menschenrechtsprozesse an, wie ich nur irgendwie beschaffen konnte. So hatte ich am Ende meiner Probezeit ein so fundiertes Wissen, daß mich die Kanzlei behielt. Anfangs arbeitete ich noch mit meinem Mentor zusammen, doch schon nach achtzehn Monaten bekam ich meine ersten eigenen Fälle. Plötzlich auf mich allein gestellt, machte ich doch einige schwere Fehler, doch wie ich später erkannte, hatten meine Vorgesetzten mir nur Fälle gegeben, die keines Verteidigers bedurft hätten. So könnte ich etwas lernen, ohne jemanden in Gefahr zu bringen. Bald schon war ich gefestigt und sicher genug und bekam auch ernste Fälle. Ich kann nicht sagen, daß ich der beste Anwalt war, ich schaffte es aber doch fast immer, meine Sicht der Dinge so darzulegen, daß der Richter oder die Geschworenen richtig entscheiden konnten. Das schwere in meinem Beruf ist, daß man keinen eindeutigen Kläger hat, sondern meist selbst der Kläger ist und so eine Doppelfunktion erfüllen muß. Ja, das ist in groben Zügen mein bisheriges Leben. Ich hoffe, daß sich ihre Leser nun ein Bild von mir machen können. SA: Nun, da sie eben das Wort Bild erwähnt haben: Wären sie bereit, uns auch ein Foto von ihnen machen zu lassen? Oder wollen sie damit noch warten? MG: Das stellt kein Problem für mich da. Da ich zu einem großen Empfang der Regierungschefs eingeladen wurde, wäre mein Gesicht ab diesem Zeitpunkt sowieso jedermann bekannt und so spricht nichts dagegen. SA: Das freut uns, wir werden das Bild dem Artikel beifügen. Meine letzte Frage: Wie sieht ihre weitere Zukunft aus? Werden sie in Johannesburg bleiben oder habe sie andere Pläne? MG: Aufgrund meiner Leistung wurde ich vom Menschenrechts-Beirat der UNO gefragt, ob ich nicht die Abrüstung und die damit verbundene Zerstörung der letzten Atomwaffen in ihrem Auftrag überwachen wolle. Diese Aufgabe würde mich sehr reizen. Ich will mich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht festlegen. Meinen alten Beruf werde ich nicht mehr ausüben können, da Ermittlungen unablässig sind und dabei erkannt zu werden, würde die Ausgangsbasis für jeden Fall in einem solchen Ausmaß verzerren, daß die Dinge für die ich immer gearbeitet habe, in Frage gestellt würden. Deshalb ist meine nächste Zukunft noch ungewiß. Es ist nur ziemlich sicher, daß ich Südafrika verlassen werden, da ich nun lange genug hier gelebt habe. Ich werde nach Amerika ziehen, wo mein Vater ein Haus besitzt und dann werde ich weitersehen. SA: Ich danke ihnen für dieses Gespräch und hoffe, daß wir über ihre weiteren Tätigkeiten berichten dürfen. MG: Ich werde sie auf dem laufenden halten und danke ihnen meinerseits dafür, daß ich auf diesem Weg meine wahre Identität zeigen durfte. "Die Redaktion der South Africa News" News of South Africa Johannesburg, 13.12.2021 Michael Grews verantwortlich für Atomwaffenbeseitigung Wie aus Regierungskreisen zu entnehmen ist, hat Michael Grews, das Angebot des Menschenrechtsbeirates angenommen, die Beseitigung der letzten Atomwaffen zu überwachen. Damit hat er wahrscheinlich den gefährlichsten Job, der momentan zu bekommen ist. Denn eine Selbstmordsekte, deren Mitglieder sich über die ganze Welt verteilen hat angekündigt, die gesamte Menschheit mit sich zu nehmen. Daher ist zu vermuten, daß sie planen, eine Atomwaffe zu zünden, um ihren irrsinnigen Plan zu verwirklichen. Doch es steht ihm ein großer Stab an Militär beider Bündnisse zur Seite. Es sieht so aus, als wäre der Konflikt völlig vergessen und bei manchem der befragten Soldaten kommt schon der Gedanke an immerwährenden Frieden auf. Dieses Aufgebot an Elitestreitkräften zeigt, daß es diesmal wirklich die letzte Stunde für die andauernde atomare Bedrohung geschlagen hat. Denn wer kann behaupten, daß er nicht von Zeit zu Zeit leichte Angstzustände bekommen hat, wenn er an die eventuell nicht genügend gesicherten Atomwaffen gedacht hat, die überall auf der Welt versteckt gelagert werden. Mr. Grews während einer Pressekonferenz anläßlich seines Amtsantritts gemeint, er werde nicht nur die ihm zugänglich gemachten Atomwaffenlager durchsuchen lassen. In Zusammenarbeit mit den größten wirtschaftlichen und militärischen Bündnissen wolle er jeden Quadratmeter über und unter der Erde durchsuchen, um die Welt von der atomaren Gefahr zu befreien. Er meinte, nachdem die Welt schon vor zehn Jahren die als sehr sicher geltenden Atomkraftwerke erbannt hatte, sollten doch auch die weitaus gefährlicheren Atomwaffen erst recht ihrer Existenz beraubt werden. "Die Redaktion der South Africa News" Daily South Africa News Johannesburg, 10.02.2022 Grews Truppen räumen auf Der erst seit zwei Monaten im Dienst der Atomwaffenbeseitigung stehende Michael Grews hat das Bild auf der Welt wie schon lange kein anderer Mensch geprägt. Seine als Bluthunde bekannten Truppen drehen buchstäblich jeden Stein um, um auch noch die letzten Atomwaffen zu finden und ihrer Vernichtung zuzuführen. Sie gehen dabei aber keineswegs brutal vor. Im Gegenteil, sie sind überall gerne willkommen. In einigen Staaten werden richtige Volksfeste gefeiert, wenn sie eintreffen. Und ihre Vorgangsweise gibt ihnen recht. Sie haben bisher über fünfzig Atomwaffen beschlagnahmt. Dabei werden aber nur die unerlaubt gelagerten gezählt, da es auf der Welt noch zirka zehn Sprengköpfe gibt, welche im Fall eines Angriffes aus dem All als Verteidigung dienen sollten. Doch auch diese wurden schon demontiert und vernichtet. Es wurden an ihrer Stelle Laserbänke aufgestellt, welche genauso gefährlich für Feinde aus dem All, jedoch völlig ungefährlich für uns Menschen sind. Die Bluthunde stießen zwar teilweise auf Widerstand, doch es gab während der ganzen Zeit nur zwei Tode, da Grews seinen Männern immer Rückendeckung durch Scharfschützen und Luftunterstützung gibt. Grews ist zwar kein Soldat, aber er wird als einer der größten Feldherren in die Geschichte eingehen. "Die Redaktion der South Africa News" Daily South Africa News Johannesburg, 19.07.2025 Ende der Suche Gestern abend berief Michael Grews eine außerordentliche Pressekonferenz ein, um über das Ende der nun schon drei Jahre dauernden Suche nach Atomwaffen zu unterrichten. Er sagte, daß nun eine neunundneunzig prozentige Wahrscheinlichkeit bestehe, daß es nun keine Atomwaffen mehr auf der Erde geben sollte. Er meinte, daß es keine Bomben mehr geben konnte, welche die gesamte Erde bedrohen konnte, da solche Waffen ein räumliches Ausmaß einnehmen, welches nicht mehr gegeben war. Seiner Meinung nach sei die Satellitenüberwachung nun so gut ausgebaut, daß ein solches Großunternehmen nicht mehr möglich sei. Kleinere Bomben können seiner Meinung nach immer wieder auftauchen. Er meinte, so hart es sich anhöre, aber sollte ein Land ausradiert werden, sei es eine Katastrophe, aber könnte auf lange Sicht verkraftet werden. Eine Gefahr für die gesamte Menschheit wäre da schon um einiges schrecklicher und diese sei ja jetzt ausgemerzt. Auf die Frage, was seine nächsten Aufgaben sein würden, antwortete er, es gäbe schon noch genug zu tun für ihn. Erste Priorität habe nun die geregelte Entsorgung der letzten Atomwaffen. Er erzählte auch von einem großen Lager in der Sahara, wo die Uran- und Plutoniumbestände gelagert werden würden. Er sagte, daß Fort Knox eine öffentliche Toilette sein würde im Vergleich zu diesem Vorhaben. Es sollte nie mehr daran gedacht werden, Atomwaffen zu produzieren. Deswegen sollten alles Positionen von Personen aus der ganzen Welt besetzt werden, um im Fall eines Konfliktes nicht die Gefahr einer neuen Produktion aufkommen zu lassen. Weiters würden alle Minen, in denen die Rohstoffe für die Atomwaffenproduktion abgebaut werden konnten innerhalb von zehn Jahren abgebaut werden und die Edelmetalle ebenfalls in diese Wüstenfestung gebracht werden. Der nächste Schritt würde der Aufbau einer Einsatzgruppe werden, die bei eventuellem Auftauchen von Atomwaffen oder Rohstoffen diese so schnell wie möglich beschlagnahmen und in Sicherheit bringen sollten. Diese würde natürlich auch nach dem Prinzip der Verteilung auf alle Staaten der Erde aufgebaut werden würde. Er sprach auch davon, daß weitere Projekte im Entwicklungsstatus seien, jedoch noch in einem so wenig fortgeschrittenen Stadium, daß er noch nicht darüber sprechen wollte. Dann gingen die Fragen ein wenig in die private Richtung. Hier sagte er, daß er zwar weiter hart arbeiten würde, seine Hauptaufgabe aber getan sei. Er wollte sich jetzt wieder etwas mehr Freizeit gelten. Von dieser habe er in den vergangenen Jahren nicht sehr viel gehabt und sein Körper, sowie sein Geist seine ausgelaugt und das sollte sich nicht auf seine Arbeit auswirken. Als ihn ein Journalist auf seine Nominierung für den Friedensnobelpreis ansprach, sagte er, er fühle sich sehr geehrt, würde ihn aber nicht annehmen, sollte die Nominierung nicht auf seine Truppe ausgeweitet werden. Auf die Frage, warum er immer die Lorbeeren teilen wollte, meinte er, seine Arbeit sei nur gewesen, aus der Ferne zu planen und es seien keine besonderen Ideen gewesen, die zum Erfolg geführt hatten. Er habe eben nur keine Kosten gescheut und alles unternommen, um das Ziel zu erreichen. Die Hauptarbeit hatten seiner Meinung nach die Männer verrichtet, die überall auf der Erde unter Einsatz ihres Lebens für den Weltfrieden nach den Waffen gesucht hatten. Die darauf folgende Frage nach den hohen Kosten rechtfertigte er, indem er auf die Bedeutung für die ganze Welt hinwies und diese könnte nicht mit Geld aufgewogen werden. Als er sich erhob um sich zu entfernen mußte er dies schnell machen, da jeder der anwesenden Journalisten noch Fragen an ihn gehabt hätte. Doch er entschuldigte sich nur und sagte, er sei dabei ein Buch zu schreiben, in welchem alle Fragen beantwortet werden würden. Dann verließ er den Raum und ließ die Reporter ohne weitere Kommentare zurück. "Die Redaktion der South Africa News" News of South Africa Johannesburg, 05.09.2031 Wüstenfestung fertiggestellt Gestern abend wurde offiziell das Ende der Bauarbeiten für die Wüstenfestung verkündet. Dieses Bauwerk wird wahrscheinlich nie ganz fertiggestellt werden, da es immer auf dem letzten Stand der Technik bleiben muß. Jetzt ist es auf diesem letzten Stand. Wissenschaftler haben errechnet, daß selbst ein Meteor diese Festung zerstören könnte. Zu viele Stahlbetonschichten sind über der, in tausend Meter Tiefe liegenden, Anordnung von fünfzig Sälen angebracht. Aber auch eine Gefahr aus dem Erdinneren ist nicht gegeben, da die selbe Anzahl an Betonschichten auch unter dem Gebäude angebracht wurden. Das Aufgebot an Bewachung hat ein niemals dagewesenes Ausmaß abgenommen. Über dem Eingang zur Öffnung in die Tiefe ist eine kleine Stadt entstanden, welche den tausend Mann ein Leben ermöglicht, welches dem in ihrer Heimat sehr ähnelt. Bewacht wird im Dreischichtbetrieb. Um die dreihundert Soldaten bewachen also rund um die Uhr dieses Lager der gefährlichen Metalle. Aber auch die technische Absicherung ist mit allem gerüstet, was die Technik zu bieten hat. In diesem Punkt können wir ihnen nicht mehr berichten, da hier höchste Geheimhaltungs- Stufe gilt. Leider konnte der Vater dieses als Weltwunder bezeichneten Hochsicherheitslagers nicht bei der Eröffnung nicht anwesend sein, da er seiner Jahrelangen Arbeit Tribut zollen muß. Er hat im letzten Jahr einen Herzinfarkt erlitten, wie erst jetzt bekannt wurde. Diese Tatsache wurde bis jetzt geheimgehalten, um keine Zweifel an der Fertigstellung der Festung aufkommen zu lassen. Grews Zustand ist stabil. Er befindet sich auf dem Weg der Besserung und wird sich bald wieder der Öffentlichkeit präsentieren können. Wir wollen ihm auf diesem Weg eine schnelle Genesung wünschen, damit er seine Zeit im nun wohl verdienten Ruhestand genießen kann. "Die Redaktion der South Africa News" News of South Africa Johannesburg, 21.01.2032 Vater der Wüstenfestung zieht sich zurück Wie schon lange vermutet, hat Michael Grews seinen Ruhestand angetreten. Er meinte während eines Fernsehinterviews, daß seine Arbeit nun sicher getan sei und er ruhen Gewissens zurücktreten könne. Einen Nachfolger gibt es keinen, da für diesen Posten kein Bedarf mehr besteht. Grews wird seinen Ruhestand in Frankreich verbringen, wo er mit seiner Frau in der Nähe von Paris leben wird. Wann er geheiratet hat, wird wohl eines der Geheimnisse bleiben, die er nie auflösen wird. Er hat es wieder einmal geschafft, sein Privatleben vor der Öffentlichkeit geheim zu halten, doch das kann ihm keiner verdenken. Der ihm zu Ehren gegebene Festakt war voll von Ehrungen und Lob aus allen Ländern der Erde. Während seiner Ansprache erklärte er, daß er sich bei den Regierungen für das in ihn gesetzte Vertrauen bedanken wolle. Ohne diese Unterstützung hätte er seine Ziele nie erreichen können. Und dann überraschte er die Reporter mit der Tatsache, daß dies sein letztes öffentliches Auftreten sein würde. Er würde auch keine Interviews mehr geben. Da würde es keine Ausnahmen mehr geben. Wir können uns nur bei diesem großen Mann bedanken und ihm einen schönen Ruhestand wünschen. Wir für unseren Teil werden seinen Wunsch respektieren, von den Medien verschont bleiben zu wollen. "Die Redaktion der South Africa News" News of South Africa Johannesburg, 15.02.2056 Michael Grews gestorben Gestern abend ist der bedeutenste Mann des einundzwanzigsten Jahrhunderts gestorben. Michael Grews starb in seinem Haus in Frankreich im Alter von sechsundsiebzig Jahren an einem Hirnschlag. Wir können nicht in Worten ausdrücken, was der Tod dieses Mannes für die Welt bedeutet. Es mußte ein eigenes Sonderpostamt eingerichtet werden, um die Beileidschreiben, welche an seine Frau gerichtet sind, abzufangen. In einigen Ländern wurde Staatstrauer ausgerufen, in anderen der Tag für alle Zeit zum Feiertag ernannt. Der Vatikan hat angekündigt, die Heiligsprechung für Grews sei schon o gut wie beschlossene Sache. Der Ort seines Begräbnisses wird nicht bekanntgegeben, um einen Massenandrang zu verhindern. "Die Redaktion der South Africa News" News of South Africa Johannesburg, 18.02.2056 Michael Grews in Wüstenfestung beigesetzt So wenig Michael Grews auch während seines Lebens für sich gefordert hatte, für seine letzte Ruhestätte hatte er seinen Einfluß geltend gemacht. So wurde schon während des Baus der Wüstenfestung eine Gruft für ihn angelegt, in welcher er gestern beigesetzt wurde. Es war das erste Mal seit Fertigstellung der Festung, daß es Privatpersonen gestattet wurde, sich innerhalb der Mauern aufzuhalten. Sie wurden jedoch einer genauen Untersuchung unterzogen, da man hier kein Risiko eingehen wollte. Es war einem unserer ältesten Kollegen erlaubt, der Bestattung beizuwohnen. Es handelte sich um Clark Michel, der das Enthüllungsinterview mit Grews hatte, beidem sich dieser erstmals der Öffentlichkeit zu erkennen gab. Er war Zeuge einer der schönsten Bestattungen die er je gesehen hatte. Der Papst hielt die Festpredigt und sprach Grews während dieser auch heilig. Er wird fortan als der heilige Michael von Johannesburg bekannt sein und der Schutzpatron der Weltarmee sein. Er berichtete, daß sich die gesamte Weltregierung versammelt hatte, um Grews die letzte Ehre zu erweisen. Unter den Gästen waren aber auch viele ehemalige Politiker, deren Politik von Grews stark beeinflußt worden war. Aber auch viele andere seiner Wegbegleiter waren gekommen um seiner letzten Reise beizuwohnen. Mit dem Tod von Michael Grews ist wohl einer der größten Männer von uns gegangen, den die Natur je hervorgebracht hat. Wir wollen uns nochmals von ihm verabschieden und können nur hoffen, daß sein Tod ohne Folgen für das politische Gleichgewicht sein wird. Doch da Grews immer weit vorausgedacht hat und seine Rolle immer so gehalten hatte, daß er entbehrlich sein würde, sollte dies kein Problem darstellen. "Die Redaktion der South Africa News" 1. KAPITEL 1. Mein Name ist Philip Grews. Ja, sie vermuten richtig, wenn sie denken, daß ich mit Michael Grews verwandt bin. Er war mein Großvater und diese Verwandtschaft hat das Leben meiner Familie sehr geprägt. Mein Vater war nur ob seines Namens in die Weltregierung gewählt worden und war daran zerbrochen. Er hatte es einfach nicht geschafft, den hohen Anforderungen zu entsprechen. Zu viele verantwortungsvolle Aufgaben hatte man ihm anvertraut. Da er seinem Namen alle Ehre machen wollte, setzte er all seine Energie ein. So war es nur eine Frage der Zeit, bis er so überfordert war, daß es ihn krank machte. Er verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in einen Pflegeheim, nachdem seine geistige Verwirrung ihn einige Male in bedrohliche Situationen gebracht hatte. Als ich ein Amt der Regierung angeboten bekam, lehnte ich dieses ab, da ich erst eine militärische Ausbildung absolvieren wollte. Erst dann wollte ich über meine weiteren Pläne nachdenken. Die Regierungsmitglieder versuchten mit allen möglichen Anreizen, mich zu überreden, da es klar war, daß die Macht und das Ansehen dieser Institution sehr gestiegen wären, wenn sie den Namen Grews in ihren Reihen hätten aufweisen können. Doch ich blieb standhaft. Zu belastend war der Gedanke, genau wie mein Vater an den Pflichten zugrunde zu gehen. 2. Als ich in die Akademie der Wüstenarmee eintrat, tat ich das unter einem falschen Namen, da ich die Ausbildung aus eigener Kraft schaffen wollte. Ich wollte dabei nicht von Vorurteilen gestärkt oder geschwächt werden. Die Ausbildung war hart und mehr als die Hälfte der Rekruten beendete sie nicht. Ich selbst war auch einige Male knapp davor, das Handtuch zu werfen und ins Zivilleben zurück zu kehren. Doch es steckte wohl insgeheim doch der Wille in mir, meinem Name gerecht zu werden. So überwand ich mich immer wieder und schaffte auch die ersten sechs von acht Zwischenprüfungen positiv zu absolvieren. Als ich bei der siebenten antrat, war erst kurz vorher meine Mutter tödlich verunglückt und so war ich nicht ganz bei der Sache. Schon während der Prüfung hatte ich kein gutes Gefühl. Doch das Ergebnis war dann trotzdem sehr enttäuschend. Ich schaffte gerade mal siebenundvierzig Prozent der geforderten Aufgaben und war so gezwungen, die ganze Beurteilung zu wiederholen. Das war nicht sehr angenehm, da es pro Jahr nur einen Prüfungstermin gab, was also eine Wartezeit ergab, welche reinen Zeitverlust darstellte. Denn ich würde nur wenige Wochen vor der Prüfung mit den Vorbereitungen beginnen müssen und eine Job würde ich auch keinen wirklich erfüllenden bekommen, da mich sicherlich niemand für ein Jahr aufgenommen hätte. Leider machte ich das falscheste, was man ich in meiner Lage machen konnte: Ich sprach bei der Weltregierung vor, um dort einen kleinen Job zu bekommen. Hatte ich gedacht, dort würde man mir weiterhelfen, so lag ich total falsch. Sie nahmen mein Gesuch um einen kleinen Job als Fingerzeig dafür, daß ich nun doch eine Regierungsfunktion einnehmen wollte. So blieb mir nichts anderes übrig, als die wahren Beweggründe offen zu legen. Gleich boten sie mir an, einen zusätzlichen Prüfungstermin zu schaffen, doch ich sprach mich klar dagegen aus. Ich wollte meinen Weg alleine schaffen und nicht nur, weil mein Großvater diese Armee gegründet hatte, irgendwelche Erleichterungen bekommen. Es bedurfte einiger Diplomatie, um meine Wünsche so darzulegen, daß sie auch so verstanden wurden, wie ich dies wollte. Vielleicht hatte ich den Männern mit meinen Erklärungen einige Erwartungen in mich zerstört, aber sie schienen mich zu verstehen. Sie gaben mir einen Botenjob im Hauptarchiv, bestanden aber darauf, daß ich den Namen verwenden mußte, unter dem ich schon meine Ausbildung anonym bestritten hatte. Das war kein Problem für mich, da ich meinerseits auch nicht sehr darauf aus war, erkannt zu werden. Ich verbrachte die nächsten zehn Monate damit, alte Lagerbestände zu sortieren und den Archivrechner auf Vordermann zu bringen. Es war zwar keine Arbeit, welche ich mein ganzes Leben machen wollte, aber ich mußte nicht sehr viel denken und so war diese Zeit sehr gut für mich. Ich konnte endlich über mein Leben nachdenken und mir über einiges klar werden. Es war aber auch eine harte Zeit für mich, denn erst während diesen stillen Stunden erkannte ich, daß ich mein weiteres Leben auf mich allein gestellt sein würde. Meine Eltern sowie alle meine restlichen Verwandten waren tot. Hatte ich während des Ausbildungsbetriebs immer sehr viel Ablenkung gehabt, so kam die Trauer über den Tod meiner Mutter nun wie ein Sommergewitter über mich. Ich weinte oft stundenlang und leerte so meine Seele. Dieser bildliche Vergleich hatte mich bis dahin immer nur genervt, aber als sich die reinigende Wirkung der Tränen spürte, veränderte ich mich wirklich. Heute sehe ich es als einen großen Wink Gottes, mich durch den Tod meiner Mutter aus meiner heilen Welt geholt und so bereit für mein weiteres Leben gemacht zu haben. Ich trat nach kurzer Vorbereitungszeit bei der Zwischenprüfung an und hatte diesmal kein Problem, sie zu schaffen. So stand also nichts mehr zwischen mir und dem letzten Ausbildungsabschnitt, welchen ich auch ohne größere Schwierigkeiten bewältigte. Als das Abschlußexamen vor der Tür stand, war es Zeit für jeden Rekruten, sich für eine Waffengattung zu entscheiden. Diese Entscheidung bedeutete zwar noch lange nicht, daß man seiner Wunscheinheit auch zugeteilt wurde, es wurde aber soweit möglich auf die Vorlieben der Soldaten eingegangen, da diese so auch mehr Leistung erbrachten. Ich selbst hatte schon in einem sehr frühen Stadium der Ausbildung mein Interesse für die taktische Einsatzführung entdeckt. Diese Einheit faszinierte mich deshalb so, weil man sowohl im Kampfeinsatz, als auch in den Planungsprozeß eingebunden war. Denn eine meiner größten Ängste bestand schon immer darin, zu versagen, weil ich nicht wußte, was passieren würde. Ich hatte im allgemeinen meine Probleme damit, ein Ziel zu erreichen, wenn mir der Weg dahin nicht klar war. Am deutlichsten läßt sich das wahrscheinlich an den physischen Leistungsfeststellungen während der Ausbildung erklären. War mir die zu bewältigende Strecke bekannt, so zählten meine Leistungen immer zu den besten. Hatte ich jedoch eine mir unbekannte Strecke zu überwinden, dann war ich oft nur mit größtem Einsatz dazu in der Lage, die geforderten Limits zu schaffen. Es war einfach immer mein Problem, mit unbekannten Einflüssen nicht zurecht zu kommen. Erst im Laufe der Jahre lernte ich - gezwungener Maßen - diese Schwäche zu überwinden. Doch das kostete mich sehr viel Kraft. 3. Die Monate vor dem Abschlußexamen waren sehr vollgefüllt mit Vorbereitungen. Es galt sich sowohl körperlich, wie auch vom Wissensstandpunkt aus gesehen, in einen Topzustand zu befinden. Doch damit hatten ich und meine Kollegen keine Probleme. Zu hart war die Ausbildung gewesen, als daß sich einer nun noch geschlagen geben wollte. Dazu kam noch, daß die Chance, seiner Wunscheinheit zugeteilt zu werden, mit der erreichten Punktezahl anstieg. Und des bestand immer noch ein zwanzig Jahre alter Punkterekord, welchen es zu schlagen galt, um zur Legende der Waffenschule zu werden. Ich hatte mich für die Vorbereitungen mit drei meiner besten Freunde zusammengeschlossen. Da wir alle den Wunsch hatten, der taktischen Einsatzführung zugewiesen zu werden, bot sich die Möglichkeit sehr an, da wir uns so auf unsere Spezialgebiete konzentrieren konnten. Wir vernachlässigten die anderen Themen natürlich nicht, sondern wir teilten uns die Ausarbeitung so auf, daß wir nach Zusammenfassung unserer Ergebnisse ein gutes Skriptum zum Lernen hatten. Das ersparte uns sehr viel Zeit, von welcher wir zu dieser Zeit sowieso nicht besonders viel hatten. Wir hatten aber auch sehr viel Spaß. Dieser Spaß war aber nicht negativ für unseren Lernfortschritt. Im Gegenteil, wir wurden dadurch lockerer und nahmen so sehr viel mehr an Stoff auf, als das in strenger Umgebung oder alleine lernend möglich gewesen wäre. Mit der Zeit wurden wir zu einem richtigen Team und so stieg die Hoffnung noch mehr, daß wir in die gleiche Einheit kommen sollten. Ich bemerkte an mir Fähigkeiten, welche ich früher nie beachtet hatte. Hatte ich, ob meiner Verwandtschaft, immer gedacht, eine Führungsposition einnehmen zu müssen, so entschloß ich, mich in diese Richtung nicht entwickeln zu wollen. Ein Job in der Weltregierung schien für mich in dieser Phase nicht mehr in Frage zu kommen. Mir war zwar klar, daß ich irgendwann eine Einheit führen würde, jedoch wollte ich nicht in die obersten Führungskreise der Wüstenarmee vorstoßen, auch wenn mich dort viele Leute sehr gern gesehen hätten. Da meine Freunde und ich oft über unsere Pläne redeten und dann darüber diskutierten, brachte ich diese Entscheidung während einer dieser Runden ins Gespräch ein. Ich stellte mit Überraschung fest, daß meine Freunde nicht verstehen konnten, warum ich nicht so weit kommen wollte. Da wurde mir zum ersten Mal klar, daß die Leute, mit denen ich den Großteil meiner Zeit verbrachte, meine wahre Identität gar nicht kannten. Sie hätten dies aber ob ihrer Freundschaft verdient. Ich überlegte einige Tage, ob ich ihnen klaren Wein einschenken sollte. Ich befürchtete nur, daß sie vielleicht enttäuscht sein konnten, da ich sie so lange belogen hatte. Schlußendlich konnte ich dann aber doch nicht mehr mit dieser Lüge weiterleben. Während eines unserer Gespräche bat ich sie, mir kurz ihre Aufmerksamkeit zu schenken und mich nicht zu unterbrechen. Ich sagte ihnen, wer ich sei, teilte ihnen die Gründe für die Verwendung des falschen Namens mit und bat sie um Verzeihung für die lange Zeit, in der ich sie im Irrglauben gelassen hatte. Sie waren anfangs sehr zornig auf mich und wir hatten ein langes Gespräch. Als wir uns nach fast vier Stunden zum Schlafen in unsere Zimmer zurückzogen, hatte ich das Gefühl, daß unsere Freundschaft nie wieder die sein würde, welche sie vor unserem Gespräch gewesen war. Und die nächsten Wochen zeigten auch ganz klar, daß ich mit dieser Einschätzung völlig richtig gelegen war. Ich war zwar in die Vorbereitungen für das Examen nach wie vor eingebunden, während der Freizeit, wurde ich jedoch von den Aktivitäten ausgeschlossen. Ich kann nicht sagen, daß mich diese Reaktion meiner Freunde verwunderte oder daß ich sie ihnen übel nahm. Meine Gefühle hätten sich ebenso entwickelt, hätte jemand mein Vertrauen in einer solchen Weise mißbraucht. Kurz vor der Abschlußprüfung baten sie mich, im Freizeitraum vorbei zu schauen. Sie hätten etwas mit mir zu besprechen. Ich wußte nicht, was mich erwarten würde. Das Gespräch begann so, daß ich annehmen mußte, sie wollten von mir eine freiwillige Versetzung in eine andere Einheit verlangen. Ich hätte das getan, um ihnen zu zeigen, wie leid mir die ganze Sache tat. Doch dann nahm die Unterhaltung eine plötzliche Wendung. Sie teilten mir mit, daß sie zwar einige Zeit gebraucht hatten, um die erste Verbitterung zu überwinden, dann aber doch noch zur Vernunft gekommen waren. Sie hatten in einigen Gesprächen über mich diskutiert und festgestellt, welche Bedeutung mein Name für mich gehabt haben mußte. Sie waren zu der Überzeugung gekommen, daß dieser wohl eine weit größere Last, als Hilfe für mich gewesen war. Da so die Versöhnung perfekt war, ließen wir die Abendlektion aus und machten uns einen schönen Abend. So hatten also endlich Menschen von meinem Namen erfahren und akzeptierten mich trotzdem noch. Ich nahm ihnen das Versprechen ab, daß meine wahre Identität unser Geheimnis bleiben mußte, bis wir zu unserer Einheit zugeteilt sein würden. 4. Das Abschlußexamen verlief ganz gut für mich. Ich konnte zwar auf keinem Gebiet Spitzenergebnisse erlangen, war aber gesamt gesehen unter den besten Absolventen zu finden. Genau gesagt, war ich siebentbester von dreiundzwanzig angetretenen Rekruten. Nicht ganz zu meiner Überraschung wurde ich von meinen drei Kameraden übertroffen. Sie belegten die Plätze eins, zwei und vier. Da wir so zu den Leuten gehörten, welche sich ihre Einheit aussuchen durften, stand unserer Zusammenarbeit nicht mehr im Wege. 5. Wir kamen auf dem Trainingsgelände der taktischen Einsatzgruppe an, wo wir von unserem leitenden Offizier empfangen wurden. Er sagte, daß es ihn glücklich machte, daß sich drei der besten Absolventen für seine Einheit entschieden hatten, meinte aber, daß dies hier nichts zähle und wir hier ganz von vorne anfangen mußten. Er erzählte uns von den Pflichten, welche mit der Arbeit in der Einheit zusammenhingen und der besonderen Verbindung, welche zwischen den Mitgliedern bestand. Ich hatte vom Anfang an das Gefühl, daß es hier zwar hart werden würde, aber man wie in einer Familie lebte. Alles war sehr familiär. Angefangen von den Mahlzeiten, bis zur Freizeitgestaltung hatte man sehr viele gemeinsame Möglichkeiten. Man wurde aber zu nichts gezwungen. Gleich am dritten Tag sprach ich beim Einheitskommandaten vor, um diesem meine Identität offen zu legen. Er zeigte sich zwar sehr kühl, schien aber doch sehr überrascht zu sein. Ich wurde bis zur Klärung meiner weiteren Tätigkeiten zu Arrest verdammt, da nicht klar war, ob das oberste Kommando mich überhaupt zulassen würde. Sie hatten es mit der schwierigen Situation zu tun, daß da ein Mann war, der zwar die Ausbildung an der Waffenschule positiv absolviert hatte, dessen Namen aber in keinem der Verzeichnisse aufschien. Doch wie sich zeigte, wollten sie sich nicht die Chance entgehen lassen, einen Grews in ihrer Armee zu haben und ich durfte meinen Dienst wieder aufnehmen. Ich hatte immer mit diesem Ausgang gerechnet und war zu meinen Glück in dieser Spekulation richtig gelegen. Während eines gemeinsamen Abends bat ich meine neuen Kameraden, mir kurz ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Als sich die letzten Stimmen gesenkt hatten und sich fast zweihundert Augen, aus welchen die verschiedensten Erwartungen zu erkennen waren, auf mich richteten, begann ich mit der Erklärung meiner Situation. Ich hatte mich auf diese Ansprache sehr lange vorbereitet, da ich keine Mißverständnisse aufkommen lassen wollte. Sie hörten mir alle interessiert zu, als ich ihnen meine Identität offen legte, die Verwendung des falschen Namens erklärte und mich für diese Täuschungen entschuldigte. Dann bat ich sie, sich nicht von dem Namen Grews beeindrucken zu lassen, ich wolle mir ihren Respekt ehrlich verdienen. Der darauffolgende Applaus gab mir recht. Ich hatte es geschafft, meinen Namen zu relativieren. Als der Applaus abklang, richtete ich noch eine Bitte an die Menge. Ich wollte, daß jeder mir oder den Vorgesetzten davon erzählen sollte, falls von irgendwelchen Bevorzugungen meiner Person aufkommen sollten, denn ich wollte die Stimmung in der Einheit nicht trüben. Von da an wurde ich behandelt, wie jeder andere. Nur, wenn andere Einheiten anwesend waren, hatte ich eine besondere Stellung inne. Den wenn dann jemand mir Bevorzugung oder ähnliches vorwarf, stand die ganze Einheit hinter mir und vertrat mich. Ich glaube nicht, daß ich alle diese Situationen alleine geschafft hätte. Selbst, als einige Mitglieder der Weltregierung auf Inspektion bei uns waren, war ich nicht von den anderen zu unterscheiden. Meine Kameraden und ich sahen eben fast gleich aus, wenn wir in Tarnkleidung antraten. Wir erklärten dies damit, daß wir unsere Tarntechniken präsentieren wollten. Denn ich war der Grund dieses Besuchs und die Politiker mußten erst nachfragen, um zu erfahren, wo ich aufzufinden war. Nach Beendigung ihrer Visite statteten sie mir einen kurzen Besuch ab. Dieser Besuch verlief sehr überraschend für mich, da meine Gäste erst gar nicht versuchten, mich zu einem Regierungsamt oder einer Offizierslaufbahn überreden wollten. Im Gegenteil, sie schienen sie eher glücklich zu machen, daß ich in die Regierung eingetreten war. Das war genaugenommen zwar nicht der Platz, den sie sich für mich vorgestellt hatten, aber ich gab der Regierung in der Armee immer noch mehr Rückhalt, als wenn ich einen unbedeutenden Job in der Privatwirtschaft entschieden hätte. War die Ausbildung auf der Waffenschule schon hart gewesen, so übertrafen die ersten drei Monate in der neuen Einheit diese noch um einiges. Die körperlichen Anforderungen, welche man uns verlangt wurden waren aber nicht das Problem. Es waren mehr die Übungen, welche die Streßresistenz erhöhen sollten. Wir verbrachten Stunden in kleinen, schlecht beleuchteten Räumen, wo uns pausenlos Fragen gestellt wurden. Es waren Fragen, welche aus unserem Ausbildungskatalog stammten. Diese hätten wir alle ohne Probleme beantworten können müssen. Während der ersten zwei Stunden war dies auch kein Problem, doch ab der dritten Stunden steigerte sich die Anzahl der Falschantworten sehr schnell. Nach einem Monat hatten wir es endlich geschafft, die fünfundneunzig Prozentmarke zu schaffen. Diese mußte während einer sechsstündigen Befragung erreicht werden. Das verlangte uns das letzte ab. 6. Nun lag der erste Urlaub vor uns. Meine Kameraden besuchten ihre Familien, aber was sollte ich machen? Ich beschloß, ein wenig auszuspannen und flog daher an die australische Westküste. Dort las ich sehr viel, hörte Musik und vergnügte mich des nachts in den Bars. Da ich während der Ausbildung sehr gut schwimmen gelernt hatte, nahm ich an einigen Schwimmwettkämpfen teil. Ich war zwar nicht sehr erfolgreich, aber es machte mir sehr viel Spaß. Außerdem blieb ich in Form, was nicht unwichtig war. 7. Gut entspannt kehrte ich wieder zurück auf das Trainingsgelände. Obwohl das für mich und meine Kameraden jetzt wirklich schon unmöglich schien, erklärte uns der leitende Offizier, daß nun die Abschlußübung vor der Tür stand und diese alles übertreffen würde, was wir während der Ausbildung schon hatten bewältigen müssen. Die Übung wurde unter dem Namen Desert-Storm vorgestellt, was an einen Großangriff der USA gegen den Irak Ende des zwanzigsten Jahrhunderts erinnern sollte. Wir würden sechs Wochen in einem abgegrenzten Gebiet verbringen müssen. Es würden Angriffe anderer Einheiten, Nahrungsengpässe, wilde Tiere, Feuer und alle möglichen anderen Situationen auf uns zukommen, welche auch im Realfall zu erwarten waren. Die Offiziere meinten, daß es keine wirklich hohen Kurzzeitbelastungen geben würde. Diese hätten wir schon zur Genüge hervorragend gemeistert. Der Hauptsinn war, festzustellen, inwieweit jeder von uns in einem eventuellen Krisenfall auch über längere Zeit eine befriedigende Leistung zu erbringen in Stande war. 8. Nachdem wir unsere Bewaffnung und eine erste Notration bekommen hatten, wurden wir unter erstem Dauerbeschuß in den Wald gejagt. Diese Schüsse waren für uns das Zeichen, daß wir in den nächsten zweiundvierzig Tagen auf uns allein gestellt sein würden. Erschwerend kam noch dazu, daß nur die Gruppe als ganzes bestehen konnte. Sollte ein Mitglied sich verletzen, aufgeben wollen oder im Gefecht ausfallen, so würde die ganze Gruppe scheitern. Darum war es besonders wichtig, die anderen immer im Auge zu behalten und über alle Probleme offen zu sprechen. Das war in unserer Gruppe kein Problem, da man mir und meinen Freunden von der Waffenschule erlaubt hatte, zusammen zu bleiben. Man sah darin sicherlich eher Vorteile als Nachteile, daß wir uns so gut kannten und wir würden unsere Aufgaben viel schneller in Angriff nehmen können, als wenn die anderen erst kennenlernen mußte. Da es Situationen gab, in welchen man schnell handeln mußte, war es unsere erste Aufgabe, einen Kommandaten zu bestimmen. Wir gingen der Einfachheit halber auch den erreichten Punkten bei der Abschlußprüfung im Teil "Truppenführung" vor. So kam es zu keinen langen Diskussionen. Ich hatte in diesem Prüfungsteil am schlechtesten abgeschnitten und so entkam ich dieser mir nicht sehr angenehmen Aufgabe. Meine Pflicht bestand darin, das Gelände zu erforschen, da dies meine größte Stärke war. Zusätzlich war ich für die Lagerführung verantwortlich. Wir schafften es sehr gut, die Aufgaben so aufzuteilen, daß jeder seine besonderen Fähigkeiten einbringen konnte, ohne daß jemand unter- oder überfordert war. Während meine Kameraden sich in Verteidigungsstellung brachten, ging ich auf die Suche nach einem Basislager, welches ich auch bald fand. Auf dem Rückweg zur Truppe wäre ich beinahe in eine Angreifereinheit gelaufen und so dauerte es sehr lange, bis ich mich wieder zu meinen Freunden durchgeschlagen hatte. Da durch den ersten Kontakt mit den Feinddarstellern klar war, daß wir uns ab nun, außer gegen die Einstellungsschwierigkeiten auch gegen Angreifer würden wappnen müssen, beschlossen wir, daß ein offenes Lage nicht sehr viel Schutz bieten würde und besprachen so die Möglichkeit eines Zeltlagers zwischen den Bäumen. Auf warme Nahrung verzichtete jeder von uns. Denn die Zubereitung warmer Nahrung war ein sehr großes Sicherheitsrisiko. So bildeten wir zwei Gruppen, welche sich im Bewachen und der Schaffung unserer Unterkunft abwechselten. Wir versuchten die Bäume am Waldrand die Bäume so wenig wie möglich zu verändern, um die Suche nach uns so schwer als möglich zu machen. Aber auch das Lager wurde der Pflanzenwelt angepaßt. Wir wählten eine Baumgruppe, welche um einen älteren, dickeren Baum angeordert war. Dann bildeten wir mit unseren Zeltplanen ein Dach und schafften so mehr Platz, als man dies während eines Einsatzes erwarten kann. Dann bildeten wir mit Seilen, welche wir zu Netzen verknüpften und Blättern, Wände. Den Abschluß machte ein Graben um unser Lager, welcher das Wasser abhalten sollte. Da wir unseren Eingang sehr schlecht sichtbar gestaltet hatten, schufen wir einen Ablenkungspfad, welcher zwar nicht zu auffällig, sondern nur schlecht geraten aussah. Dort brachten wir auch den größten Teil unseres Alarmmaterials an. Schon in der ersten Nacht fand ein Spähtrupp unseren gefälschten Lagereingang. Spät am Abend hörten wir die lauten Geräusche, welche von unseren Alarmfallen herrührten. Unsere Gegner forderten gleich Unterstützung an. Als diese zu ihnen gestoßen war, stürmten sie das in den Büschen vermutete Lager. Als sie bemerkten, daß sie auf eine Finte hineingefallen waren, zogen sie sich zurück. Wir hatten uns in der Zwischenzeit an das andere Ende des Wäldchens begeben, wo wir sie schon erwarteten. Sie liefen an uns vorbei und waren uns so auf der offenen Ebene hilflos ausgeliefert. Ich wartete nur mehr auf das Zeichen unseres Kommandaten. Als dieses kam, ließ ich die - mit Farbstoff gefüllte - Munition auf den Spähtrupp los. Einer nach dem anderen mußte seinen Sender wegwerfen, was unseren Sieg bedeutete. Wir hatten es geschafft, ohne die geringsten eigenen Verluste einen zahlenmäßig weit überlegenen Gegner zu schlagen und zogen uns im Schutz der einfallenden Dunkelheit, über einen Umweg in unser Lager zurück. Obwohl wir in dieser Nacht mit keinem weiteren Angriff mehr zu rechnen hatten, stellten wir trotzdem eine Wachschicht zusammen. Im Vierstundenrhythmus und in Zweiertrupps sorgten wir dafür, daß es keine bösen Überraschungen gab. Die Nacht verlief sonderbar ereignislos und so vertrieb ich mir die Zeit damit, diese Aufzeichnungen zu beginnen. Am nächsten Morgen machten wir uns daran, ein Fluchtlager zu bauen. Da der Waldboden sehr weich war, gruben wir eine Grube, welche dann in eine Höhle mündete. Dann bauten wir mit dickeren Ästen ein Gerüst, auf welches wir die vorher entfernte Erde wieder aufbrachten. Zur Unterstützung dienten uns kleinere Sträucher, welche ein Abrutschen der Wände vermieden. Als dann noch der Boden wieder dem umliegenden gleichgestaltet war, bastelten wir aus dicken Ästen und Lehmerde in Verbindung mit Kalk eine Tür, welche dann am Eingang angebracht wurde. So war nach fünfstündiger Arbeit nichts mehr von der Veränderung zu sehen. Es bestand nun aber trotzdem immer noch die Gefahr, daß jemand unser Notlager finden konnte und uns auflauern konnte. Also legten wir Laub so auf, daß es ein Muster ergab, welches aber unmöglich zufällig erkannt werden konnte. So würde für uns auf den ersten Blick zu sehen sein, ob sich feindliche Truppen in unserer Nähe aufhielten. Nachdem diese wichtigen Arbeiten abgeschlossen waren, waren wir nun in der Lage, uns der Planung der nächsten Tage und Wochen zu widmen. Da unser Abschneiden nicht nur von unserer Defensivarbeit abhing, sondern auch ein Angriff auf ein feindliches Lager vorgesehen war, war die Festlegung der Taktik sehr schwer. Wir kamen aber zu der Übereinkunft, den Angriff so bald als nur irgendwie möglich durch zu führen, da wir so während der restlichen Zeit unsere volle Aufmerksamkeit ganz auf Defensivgedanken konzentrieren konnten. So gingen wir in abwechselnden Zweiertrupps Streife, um ein Lager für unsere Attacke zu finden. Nach drei Tagen wollten wir die Suche schon aufgeben, da wir glaubten, daß ein feindliches Lager zu dieser Zeit noch gar nicht bestand.