Test
Lotus Excel S.E.
Ein Lotus Excel hingegen ist von
solch biederer Volkstümlichkeit ganz und gar unbeleckt. Er erntet
noch jene aufrichtige, von keinerlei Fachkenntnis getrübte Bewunderung,
die das Publikum allein bei der Entdeckung eines bis dahin unbekannten
Sportwagens zollt. Da wird der Namenszug am Heck ehrfürchtig buchstabiert,
als gelte es eine frisch ausgegrabene antike Inschrift zu entziffern, und
da wird der Fahrer ausgefragt, als sei er der Spitzenkandidat eines Quiz-
Turniers oder zumindest Alleinverantwortlicher für die Verbreitung
von Lotus-Daten.
Unter den hierzulande ganz allgemein
raren Repräsentanten der Marke Lotus kann der Excel - bislang wurden
nur neun Exemplare in Deutschland verkauft - zum konservativen Flügel
gerechnet werden. Er ist der aufgefrischte Nachfolger eines Autos, das
mit dem Namen Eclat leben mußte. Auf die wesentlichen Charaktermerkmale
reduziert, bedeutet das: Frontmotor und Heckantrieb.
Diese klassische Mechanik steckt
einschließlich dem Lotus-typischen Zentralrahmen aus feuerverzinktem
Stahlblech in einer traditionellen Coupé-Karosse mit langer Haube
und gedrängtem Wohngemach. Lotus formt das alles aus Kunststoff und
läßt den Rost mithin allenfalls noch am Hungertuch nagen.
Die Qualität der Form des Lotus
Excel liegt darin, daß er sich vordergründiger Auffälligkeit
auf sympathische Weise enthält, aber trotzdem mit unverwechselbarer
Eigenart die Blicke auf sich zu ziehen versteht.
Selbst die Bürde des Heckspoilers
macht ihn nicht wirklich aufregend. Das nützt ihm in der Heimat, wo
er als dezenter Dienstwagen dynamischer Jungunternehmer ganz gern gekauft
wird. |
a

Inwendig zeigt der Excel
eine edle sportliche Note,
die mit Leder eingefaßten
Sitze bieten Komfort und Seitenhalt

|
Inwendig ist der Excel ein typischer
Sportwagen, gemäß der Formel 2+2, was hier wie in aller Regel
bedeutet: Zwei fahren erster Klasse, während die anderen beiden das
bittere Los der Hinterbänkler in aller Enge trifft. In diesem Punkt
ist der Lotus kein bürgerliches Wohlfahrts-Coupé, sondern ein
Sportwagen allen Ernstes und als solcher nicht ungeräumig. Ein Porsche
944 bietet hier deutlich weniger. Die Atmosphäre seines Innenraums
sättigt - gegen einen unvermeidbaren Aufpreis - der schwere Duft von
englischem Connolly-Leder. Und auch der erste Blick des anglophilen Herrenfahrers
läßt hier die Illusion der Heimkehr in einen Sportwagen aus
den United Kingdom aufkommen. Eine genauere Betrachtung der Dinge läßt
sich nur mit weltbürgerlicher Souveränität überstehen.
Denn das Lenkrad stammt aus Italien (Design Giugiaro), die Instrumente
sprechen deutsch (VDO), Hebel und Heizwerk gar sind mass produced in Japan
(Toyota).
Um Trost bemüht, läßt
Lotus verlauten, „Qualität geht vor Nationalstolz", was gleich noch
mit dem Hinweis verbunden ist, daß auch das Getriebe von Toyota stammt
und die Räder vom Formel 1-Ausstatter Speedline, Italien. |
PREISE
Grundpreis:
DM 59 900,-
Serienausstattung:
*
Zentralverriegelung
Außenspiegel
links und rechts elektr. einstellbar
* Fensterheber elektr.
betätigt
* Leichtmetallräder
* Servolenkung
* Wärmedämmendes
Glas
Zusatzausstattung: DM
-
Klimaanlage
2952,-
- Lederausstattung
3709,-
- Lederpolsterung
2107,-
- Metallic-Lackierung
1731,-
Technische Daten
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Der
Motor des Excel indes schlägt original britischen Viertakt an. Der
2,2 Liter-Vierzylinder gilt als der dienstälteste unter den Vierventilern
der Neuzeit.
Seine frühen Jugendjahre verbrachte
der atmungsaktive Lotus-Zylinderkopf auf einem gußeisernen Block
von Vauxhall. 100 Prozent Lotus wurde er erst später durch ein hauseigenes
Leichtmetallgehäuse. Von ihren Zylinderabmessungen her ist diese Maschine
ein sportlicher Kurzhuber, und als solche gibt sie sich auch ohne weiteres
zu erkennen. Der Vierzylinder dreht klaglos, bis ihm auf dem Drehzahlmesser
bei 7000 die Zahlen ausgehen. Das kernige Ziehen von unten raus ist nicht
seine Sache, zumal er mit dem Excel runde 1200 Kilogramm von der Stelle
ziehen muß.

Muntere Dreharbeit von Gang zu Gang
setzt der Motor in Fahrleistungen um, die auf dem Datenblatt allemal einen
guten Eindruck hinterlassen, während das subjektive Empfinden des
Fahrers den Wunsch nach etwas mehr Schub nicht so ganz unterdrücken
kann. Die bei Messungen nachgewiesene Höchstgeschwindigkeit von 216
km/h liegt ähnlich respektgebietend über der Realität des
schnellen Reisens, denn sie ist nichts weiter als das Endprodukt eines
sehr langen Anlaufs, dem der Autobahn-Alltag selten eine entsprechende
Lücke eröffnet.
Es
könnte fixer vorangehen, wenn der Lotus seine nominelle Leistung von
184 PS (134 kW) bei 6500/min in Geschwindigkeit umsetzen dürfte. Aber
im fünften Gang bei Topspeed schafft er nur 6050/min und erzeugt dabei
so viel Lärm, daß der Fuß auf dem Gaspedal bald wieder
etwas leicht wird. Auch der zügig wachsende Durst mahnt zur Zurückhaltung,
denn 15 Liter und mehr verabscheut diese Maschine keineswegs, wenn sie
ordentlich gefordert wird.
Verabreicht werden diese Quantitäten
nach alter Sitte von zwei italienischen Dell'Orto-Vergasern. die Erinnerung
an das Zeitalter vor aller Einspritzung wachrufen, als kalte Sportmotoren
noch mit viel Einfühlungsvermögen am Choke geweckt werden
wollten.
|
Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Reihenmotor
vorne längs, fünffach gelagerte Kurbelwelle, zwei obenliegende
Nockenwellen (Zahnriemenantrieb), vier Ventile pro Zylinder über Tassenstößel
betätigt, zwei Flachstromdoppelvergaser , (Del'Orto
DHLA 45 D). Leistung 134 kW (184 PS) bei 6500/min, spezifische Leistung
61,6 kW/L (84,2 PS/L), Hubraum 2174 ccm,
Bohrung x Hub 95,29
x 76,2 mm, Verdichtungsverhältnis 11,0:1, maximales Drehmoment 232
Nm bei 5000/min, mittlere Kolbengeschwindigkeit bei Nenndrehzahl 16,5 m/s
Ölinhalt Motor 6,0 L, Kühlsysteminhalt 8,25 L, Batterie 12 V
55 Ah, Drehstromlichtmaschine 970 Watt.
Kraftfübertragung
Hinterradantrieb, Fünfganggetriebe,
hydraulisch betätigte Kupplung.
Übersetzungen
I.
3,285
II. 1,894
III. 1,275
IV. 1,0
V.
0,783
R.
3,768,
Achsantrieb 3,9:1,
Geschwindigkeit bei 1000/min im V. Gang 35,8 km/h.
Fahrwerk
Vorn Einzelradaufhängung mit
Doppel-Querlenkern und Schraubenfedern, Stabilisator, hinten Einzelradaufhängung
mit Längslenkern, Querstreben und Schraubenfedern, Lenkung servounterstützt,
3 1/4 Lenkradumdrehungen, hydraulische Zweikreis-Bremse servounterstützt,
innenbelüftete Scheibenbremsen vorn, Scheibenbremsen hinten, mechanische
Feststellbremse hinten.
Felgengröße 7 J x 15,
Reifengröße 215/50 VR 15.
Karosserie
2+2-sitziges Coupé, mit
zwei Türen, zentraler Kastenrahmen Kunststoff- karosserie.
Radstand 2483 mm, Spur vorn/ hinten
1479/1479 mm,
Außenmaße 4389 x 1816
x 1207 mm
Innenbreite vorn/ hinten 1380/1050
mm, Innenhöhe vorn/ hinten 890/850 mm, Sitzhöhe vom/ hinten 490/
480 mm, Knickmaß 975-1160 mm,
Sitzraum 480-650 mm, Wendekreis
rechts/ links 11,2/ 11,4 m,
Lenkraddurchmesser 340 mm, Koffenmunvolumen
nach VDA-Norm 368 L, Tankinhalt 67 L, Leergewicht, 1185 kg, Gewichtsverteilung
vorn/ hinten 48,9/51,1%, zulässiges Gesamtgewicht 1550 kg
Wartung
Inspektion
alle 10 000
Ölwechsel
alle 10 000
Test-Werte
Höchstgeschwindigkeit
(Drehzahl 6050/min V. Gang) 216 km/h
| Beschleunigung |
Elastizität |
| 0- 60 km/h 3,6s |
40-100 km/h (IV.Gang) 14,5s |
| 0- 80 km/h 5,4s. |
60-120 km/h (V.Gang) 20,9s |
| 0-100 km/h 7,8s |
|
| 0-120 km/h 11,0s |
|
| 0-140 km/h 14,8s |
|
| 0-160 km/h 20,2s |
|
| 0-180 km/h 28,6s |
|
400 m stehender Start
15,5s; 1 km stehender Start 28,6s
| Tachometerabweichung |
|
Innengeräusch |
| Anzeige |
effektiv |
|
| 50 km/h |
46 km/h |
Bei 50 km/h 65 db |
| 100 km/h |
95 km/h |
Bei 100 km/h 72db |
| 130 km/h |
123 km/h |
Bei 130 km/h 78 db |
| 160 km/h |
152 km/h |
Bei 140 km/h 78db / Bei 160 km/h
79db |
| 180 km/h |
170 km/h |
Bei 180 km/h 80db |
Kilometerzählerabweichung
+1% |
| Das Ergebnis dieser aufwendig kostbaren
Bauweise läßt die natürliche Wesensart und Härte des
klassischen englischen Sportwagens nur noch andeutungsweise erkennen. Der
Excel weigert sich ganz einfach, auf kleine unbedeutende Bodenwellen federnd
zu reagieren. Er trommelt sie, als wären es
wichtige Botschaften, dem Fahrer in den Sitz. Wer aber angesichts schwerer
Bodenwellen nun noch Schlimmeres befürchtet, der kann zu seiner großen
Verwunderung Federung und Dämpfer bei erstaunlichem Eifer ertappen.
Denn wenn die erst mal zum Ansprechen ermuntert sind, dann gerät der
Komfort sogar erstklassig.
Wenn kurvenreiche Strecken in Sicht
kommen, richtet das Lotus-Chassis bereitwillig schöne Grüße
von Ayrton Senna und Co aus. Und von da an ist das Fahren darstellende
Geometrie anhand der Ideallinie. Die Lenkung zeichnet das Bogenmaß
mit absoluter Klarheit, und trotz Servounterstützung verblassen weder
Reaktion noch Information. Das Eigenlenkverhalten des Lotus aber ist eine
wohlgesetzte Komposition mit neutralem Preludium und übersteuerndem
Finale. Die Goodyear-Reifen jedenfalls wissen, was sie dann zu spielen
haben: "Freude schöner Schräglaufwinkel".
Die Art und Weise, wie das
klassische Fahrwerkskonzept hier auf gutmütige, perfekte Weise hohe
Qualitäten ausspielt, das ist zweifellos die stärkste Seite des
Lotus Excel, der sich im Verlauf von reichlich 4000 Testkilometern als
bemerkenswert unexotischer Exote zu erkennen gab. Der Excel. legte vielmehr
den Gehorsam eines recht wohlerzogenen Gebrauchswagens an den Tag, so daß
mancher Eigenart wie der wirksamen, aber kraftfordernden Bremse, dem kratzwütigen
Frontspoiler und der vom achterlichen Leitwerk verbauten Rücksicht
mildernde Umstände zugebilligt werden muß. Natürlich
ist auch der Kofferraum nach alter Sportwagensitte ziemlich klein. Doch
fürs Fluchtgepäck aus dem Alltag reichen auch die Rücksitze.
-cpb-
|
Karosserie:
sauber verarbeiteter Kunststoffaufbau,
Sicht nach hinten durch Heckspoiler eingeschränkt
Raumangebot:
reichlich Platz vorne, beengter
Fond, wenig Kofferraum
Bedienung:
gut abgestimmte Lenkung, praktische
Schalter, hohe Pedalkräfte
Motor:
drehfreudig, mäßige
Durchzugskraft und Laufkultur, schlechter Kaltlauf
Getriebe:
gute Schaltung, exakte Abstufung
Fahrleistungen:
befriedigende Endgeschwindigkeit
gute Beschleunigung, mäßige Elastizität
Fahreigenschaften:
neutrales bis leicht übersteuerndes
Kurvenverhalten, präzise Lenkung
Fahrkomfort:
gute Federung mit mäßigem
Ansprechverhalten, laute Antriebsgeräusche, bequeme Sitze
Ausstattung:
auf dem Niveau der Preisklasse
Wirtschaftlichkeit:
relativ hoher Preis, Verbrauch
über dem Durchschnitt, relativ hoher Wertverlust
Mängel am Testwagen:
Zentralverriegelung defekt
Konkurrenten:
Alfa Romeo GTV 6, Mazda RX 7,
Porsche 944, Renault Alpine Turbo, Toyota Supra |