L O T U S  E X C E L  S E


An Article from the german car-magazine AUTO MOTOR SPORT ca.1986
(sorry, german only...but do you know http://babelfish.altavista.digital.com/?)
LOTUS EXCEL SE
Freude schöner Schräglaufwinkel
Test Lotus Excel S.E. Englischer Sportwagen mit brillantem Fahrverhalten.

My LOTUS EXCEL SE
Die ständig weiter um sich greifende Bildung im  Pflichtfach Automobile bringt es so mit sich, daß interessierte Knaben und auch sonstige Passanten selbst den kostbarsten Exoten mit einer von Kenntnis unterkühlten Bewunderung begegnen. Der geschulte Fan registriert selbst einen Ferrari Testarossa als einen längst Bekannten und findet es nett, daß  man sich mal trifft. Sogar jene Auserwählten, die zur Zeit in der Vorfreude auf einen Porsche 959 schwelgen dürfen müssen auf die Tatsache gefaßt  sein, zu guter Letzt ein Auto zu besitzen, daß heute schon jeder Interessierte kennt.
Lotus 912
Hohe Drehzahlen gehen dem etwas hubraumschwachen 
Lotus-Motor locker von der Welle

Test Lotus Excel S.E.

Ein Lotus Excel hingegen ist von solch biederer Volkstümlichkeit ganz und gar unbeleckt. Er erntet noch jene aufrichtige, von keinerlei Fachkenntnis getrübte Bewunderung, die das Publikum allein bei der Entdeckung eines bis dahin unbekannten Sportwagens zollt. Da wird der Namenszug am Heck ehrfürchtig buchstabiert, als gelte es eine frisch ausgegrabene antike Inschrift zu entziffern, und da wird der Fahrer ausgefragt, als sei er der Spitzenkandidat eines Quiz- Turniers oder zumindest Alleinverantwortlicher für die Verbreitung von Lotus-Daten.

Unter den hierzulande ganz allgemein raren Repräsentanten der Marke Lotus kann der Excel - bislang wurden nur neun Exemplare in Deutschland verkauft - zum konservativen Flügel gerechnet werden. Er ist der aufgefrischte Nachfolger eines Autos, das mit dem Namen Eclat leben mußte. Auf die wesentlichen Charaktermerkmale reduziert, bedeutet das: Frontmotor und Heckantrieb.

Diese klassische Mechanik steckt einschließlich dem Lotus-typischen Zentralrahmen aus feuerverzinktem Stahlblech in einer traditionellen Coupé-Karosse mit langer Haube und gedrängtem Wohngemach. Lotus formt das alles aus Kunststoff und läßt den Rost mithin allenfalls noch am Hungertuch nagen.

Die Qualität der Form des Lotus Excel liegt darin, daß er sich vordergründiger Auffälligkeit auf sympathische Weise enthält, aber trotzdem mit unverwechselbarer Eigenart die Blicke auf sich zu ziehen versteht.

Selbst die Bürde des Heckspoilers macht ihn nicht wirklich aufregend. Das nützt ihm in der Heimat, wo er als dezenter Dienstwagen dynamischer Jungunternehmer ganz gern gekauft wird.


Inwendig zeigt der Excel eine edle sportliche Note, 
die mit Leder eingefaßten Sitze bieten Komfort und Seitenhalt
 
Inwendig ist der Excel ein typischer Sportwagen, gemäß der Formel 2+2, was hier wie in aller Regel bedeutet: Zwei fahren erster Klasse, während die anderen beiden das bittere Los der Hinterbänkler in aller Enge trifft. In diesem Punkt ist der Lotus kein bürgerliches Wohlfahrts-Coupé, sondern ein Sportwagen allen Ernstes und als solcher nicht ungeräumig. Ein Porsche 944 bietet hier deutlich weniger. Die Atmosphäre seines Innenraums sättigt - gegen einen unvermeidbaren Aufpreis - der schwere Duft von englischem Connolly-Leder. Und auch der erste Blick des anglophilen Herrenfahrers läßt hier die Illusion der Heimkehr in einen Sportwagen aus den United Kingdom aufkommen. Eine genauere Betrachtung der Dinge läßt sich nur mit weltbürgerlicher Souveränität überstehen. Denn das Lenkrad stammt aus Italien (Design Giugiaro), die Instrumente sprechen deutsch (VDO), Hebel und Heizwerk gar sind mass produced in Japan (Toyota).
Um Trost bemüht, läßt Lotus verlauten, „Qualität geht vor Nationalstolz", was gleich noch mit dem Hinweis verbunden ist, daß auch das Getriebe von Toyota stammt und die Räder vom Formel 1-Ausstatter Speedline, Italien.
PREISE
Grundpreis:               DM 59 900,-

Serienausstattung:
 * Zentralverriegelung 
    Außenspiegel links und rechts elektr. einstellbar 
 * Fensterheber elektr. betätigt 
 * Leichtmetallräder 
 * Servolenkung 
 * Wärmedämmendes Glas 
Zusatzausstattung:  DM 
 - Klimaanlage                    2952,- 
 - Lederausstattung            3709,- 
 - Lederpolsterung              2107,- 
 - Metallic-Lackierung       1731,- 

Technische Daten

Der Motor des Excel indes schlägt original britischen Viertakt an. Der 2,2 Liter-Vierzylinder gilt als der dienstälteste unter den Vierventilern der Neuzeit.
Seine frühen Jugendjahre verbrachte der atmungsaktive Lotus-Zylinderkopf auf einem gußeisernen Block von Vauxhall. 100 Prozent Lotus wurde er erst später durch ein hauseigenes Leichtmetallgehäuse. Von ihren Zylinderabmessungen her ist diese Maschine ein sportlicher Kurzhuber, und als solche gibt sie sich auch ohne weiteres zu erkennen. Der Vierzylinder dreht klaglos, bis ihm auf dem Drehzahlmesser bei 7000 die Zahlen ausgehen. Das kernige Ziehen von unten raus ist nicht seine Sache, zumal er mit dem Excel runde 1200 Kilogramm von der Stelle ziehen muß.

Muntere Dreharbeit von Gang zu Gang setzt der Motor in Fahrleistungen um, die auf dem Datenblatt allemal einen guten Eindruck hinterlassen, während das subjektive Empfinden des Fahrers den Wunsch nach etwas mehr Schub nicht so ganz unterdrücken kann. Die bei Messungen nachgewiesene Höchstgeschwindigkeit von 216 km/h liegt ähnlich respektgebietend über der Realität des schnellen Reisens, denn sie ist nichts weiter als das Endprodukt eines sehr langen Anlaufs, dem der Autobahn-Alltag selten eine entsprechende Lücke eröffnet.

Es könnte fixer vorangehen, wenn der Lotus seine nominelle Leistung von 184 PS (134 kW) bei 6500/min in Geschwindigkeit umsetzen dürfte. Aber im fünften Gang bei Topspeed schafft er nur 6050/min und erzeugt dabei so viel Lärm, daß der Fuß auf dem Gaspedal bald wieder etwas leicht wird. Auch der zügig wachsende Durst mahnt zur Zurückhaltung, denn 15 Liter und mehr verabscheut diese Maschine keineswegs, wenn sie ordentlich gefordert wird.

Verabreicht werden diese Quantitäten nach alter Sitte von zwei italienischen Dell'Orto-Vergasern. die Erinnerung an das Zeitalter vor aller Einspritzung wachrufen, als kalte Sportmotoren noch mit viel Einfühlungsvermögen am  Choke geweckt werden wollten.

    Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Reihenmotor vorne längs, fünffach gelagerte Kurbelwelle, zwei obenliegende Nockenwellen (Zahnriemenantrieb), vier Ventile pro Zylinder über Tassenstößel betätigt, zwei Flachstromdoppelvergaser ,    (Del'Orto DHLA 45 D). Leistung 134 kW (184 PS) bei 6500/min, spezifische Leistung 61,6 kW/L (84,2 PS/L), Hubraum 2174 ccm, 
Bohrung x Hub 95,29   x 76,2 mm, Verdichtungsverhältnis 11,0:1, maximales Drehmoment 232 Nm bei 5000/min, mittlere Kolbengeschwindigkeit bei Nenndrehzahl 16,5 m/s Ölinhalt Motor 6,0 L, Kühlsysteminhalt 8,25 L, Batterie 12 V 55 Ah, Drehstromlichtmaschine 970 Watt. 

   Kraftfübertragung
Hinterradantrieb, Fünfganggetriebe, hydraulisch betätigte Kupplung. 

  Übersetzungen
    I.   3,285 
    II.  1,894 
    III. 1,275 
    IV.  1,0 
    V.   0,783 
    R.   3,768, 
   Achsantrieb 3,9:1, Geschwindigkeit bei 1000/min im V. Gang 35,8 km/h. 

   Fahrwerk
Vorn Einzelradaufhängung mit Doppel-Querlenkern  und Schraubenfedern, Stabilisator, hinten Einzelradaufhängung mit Längslenkern, Querstreben und Schraubenfedern, Lenkung servounterstützt, 3 1/4 Lenkradumdrehungen, hydraulische Zweikreis-Bremse servounterstützt, innenbelüftete Scheibenbremsen vorn, Scheibenbremsen hinten, mechanische Feststellbremse hinten. 
Felgengröße 7 J x 15, Reifengröße 215/50 VR 15. 

    Karosserie
2+2-sitziges Coupé, mit zwei Türen, zentraler Kastenrahmen Kunststoff- karosserie. 
Radstand 2483 mm, Spur vorn/ hinten 1479/1479 mm,
Außenmaße 4389 x 1816 x 1207 mm
Innenbreite vorn/ hinten 1380/1050 mm, Innenhöhe vorn/ hinten 890/850 mm, Sitzhöhe vom/ hinten 490/ 480 mm, Knickmaß 975-1160 mm, 
Sitzraum 480-650 mm, Wendekreis rechts/ links 11,2/ 11,4 m, 
Lenkraddurchmesser 340 mm, Koffenmunvolumen nach VDA-Norm 368 L, Tankinhalt 67 L, Leergewicht, 1185 kg, Gewichtsverteilung vorn/ hinten 48,9/51,1%, zulässiges Gesamtgewicht 1550 kg

   Wartung
    Inspektion     alle 10 000 
    Ölwechsel      alle 10 000 

   Test-Werte
Höchstgeschwindigkeit    (Drehzahl 6050/min V. Gang)   216 km/h 
Beschleunigung Elastizität
0- 60 km/h 3,6s 40-100 km/h (IV.Gang) 14,5s 
0- 80 km/h 5,4s.  60-120 km/h (V.Gang) 20,9s
0-100 km/h 7,8s
0-120 km/h 11,0s 
0-140 km/h 14,8s 
0-160 km/h 20,2s 
0-180 km/h 28,6s
   400 m stehender Start 15,5s; 1 km stehender Start 28,6s 
Tachometerabweichung  Innengeräusch 
Anzeige  effektiv 
50 km/h 46 km/h  Bei 50 km/h  65 db
100 km/h  95 km/h  Bei 100 km/h 72db
130 km/h 123 km/h  Bei 130 km/h 78 db
160 km/h  152 km/h  Bei 140 km/h 78db / Bei 160 km/h 79db 
180 km/h 170 km/h  Bei 180 km/h 80db 
 Kilometerzählerabweichung      +1% 

Das japanische Getriebe paßt gut zu dem englischen Drehzahl-Virtuosen. Die konfektionierte Abstufung entspricht dem Motorcharakter ebenso wie die präzise, ganz mühelose Schaltung. Die Kupplung ist nicht von dieser feinen Art, sie fordert viel Kraft.


 Seinen x-förmigen Kastenrahmen aus Stahlblech ziert der Excel wie alle Lotus mit liebevoll, fast rennwagenmäßig gebauten Radführungselementen. Vorn sind das doppelte Querlenker, dazu kommt hinten eine nicht minder korrekte Konstruktion mit einzelnen Querlenkern, Längsstreben und radführenden Federbeinen. Die Stoßdämpfer des Völkerbund-Vehikels Excel sind übrigens von Koni in Holland.


Die Karosserie ist ein durch nichts zu erschütterndes Beispiel 
erstklassiger Kunststoff-Verarbeitung bei Lotus in Norwich
Das Ergebnis dieser aufwendig kostbaren Bauweise läßt die natürliche Wesensart und Härte des klassischen englischen Sportwagens nur noch andeutungsweise erkennen. Der Excel weigert sich ganz einfach, auf kleine unbedeutende Bodenwellen federnd zu reagieren. Er trommelt sie, als wären es wichtige Botschaften, dem Fahrer in den Sitz. Wer aber angesichts schwerer Bodenwellen nun noch Schlimmeres befürchtet, der kann zu seiner großen Verwunderung Federung und Dämpfer bei erstaunlichem Eifer ertappen. Denn wenn die erst mal zum Ansprechen ermuntert sind, dann gerät der Komfort sogar erstklassig.

Wenn kurvenreiche Strecken in Sicht kommen, richtet das Lotus-Chassis bereitwillig schöne Grüße von Ayrton Senna und Co aus. Und von da an ist das Fahren darstellende Geometrie anhand der Ideallinie. Die Lenkung zeichnet das Bogenmaß mit absoluter Klarheit, und trotz Servounterstützung verblassen weder Reaktion noch Information. Das Eigenlenkverhalten des Lotus aber ist eine wohlgesetzte Komposition mit neutralem Preludium und übersteuerndem Finale. Die Goodyear-Reifen jedenfalls wissen, was sie dann zu spielen haben: "Freude schöner Schräglaufwinkel".

 Die Art und Weise, wie das klassische Fahrwerkskonzept hier auf gutmütige, perfekte Weise hohe Qualitäten ausspielt, das ist zweifellos die stärkste Seite des Lotus Excel, der sich im Verlauf von reichlich 4000 Testkilometern als bemerkenswert unexotischer Exote zu erkennen gab. Der Excel. legte vielmehr den Gehorsam eines recht wohlerzogenen Gebrauchswagens an den Tag, so daß mancher Eigenart wie der wirksamen, aber kraftfordernden Bremse, dem kratzwütigen Frontspoiler und der vom achterlichen Leitwerk verbauten Rücksicht mildernde Umstände zugebilligt werden  muß. Natürlich ist auch der Kofferraum nach alter Sportwagensitte ziemlich klein. Doch fürs Fluchtgepäck aus dem Alltag reichen auch die Rücksitze. 
-cpb-
 

Karosserie:
sauber verarbeiteter Kunststoffaufbau, Sicht nach hinten durch Heckspoiler eingeschränkt

Raumangebot:
reichlich Platz vorne, beengter Fond, wenig Kofferraum

Bedienung:
gut abgestimmte Lenkung, praktische Schalter, hohe Pedalkräfte

Motor:
drehfreudig, mäßige Durchzugskraft und Laufkultur, schlechter Kaltlauf 

Getriebe:
gute Schaltung, exakte Abstufung

Fahrleistungen:
befriedigende Endgeschwindigkeit gute Beschleunigung, mäßige Elastizität

Fahreigenschaften:
neutrales bis leicht übersteuerndes Kurvenverhalten, präzise Lenkung

Fahrkomfort:
gute Federung mit mäßigem Ansprechverhalten, laute Antriebsgeräusche, bequeme Sitze 

Ausstattung:
auf dem Niveau der Preisklasse

Wirtschaftlichkeit:
relativ hoher Preis, Verbrauch über dem Durchschnitt, relativ hoher Wertverlust

Mängel am Testwagen:
Zentralverriegelung defekt

Konkurrenten:
Alfa Romeo GTV 6, Mazda RX 7, Porsche 944, Renault Alpine Turbo, Toyota Supra



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Updated June 15th 2000
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