Seide und Schneiderarbeiten
Südindien produziert eine Menge schöner Textilien, wie z.B. die
Kanchipuram Seide. Sie ist nach der Tempelstadt nahe Chennai in Tamil
Nadu benannt worden, wo Seiden- Saris in allen Farben hergestellt
werden. Besonders wertvoll und somit auch teuer werden sie mit Gold-
oder Silberstickereien.
Die Seide wird auf Farmen an der Grenze von Tamil Nadu zu Karnataka
gekauft. Nachdem sie nach Kanchipuram gebracht wird, werden die Stoffe
gebleicht und danach gefärbt. Hierzu werden entweder natürliche oder
chemische Farbstoffe verwendet, wobei die chemischen Farben schon
überwiegen.
Als nächstes kommt das Weben. Immer noch werden die Saris größtenteils
auf Handwebstühlen hergetellt. Dieses Herstellungsverfahren haben sich
die Pallava Könige im 6 Jahrhundert zum Nutzen gemacht und bis heute
spricht man von Heimindustrie, welche die ganze Familie einbezieht.
Ungefähr 80 % der Bevölkerung von Kanchipuram lebt vom Handweben und
glücklicherweise hat maschinelles Weben das Handweben noch nicht
verdrängt. Das kommt wohl daher, da ein maschinell gemachtes
Kleidungsstück niemals ein echtes Kanchipuram Produkt ersetzen k�nnte!
Noch dazu kommt, dass sich Handweber seit Mitte der 50iger
zusammengeschlossen haben und wohl auch stark genug sind, damit ihre
Arbeitsplätze nicht abgebaut werden, denn eine Maschine würde 1000
Handarbeiter ersetzen.
Ihr seht schon, es gibt ein richtig grosses Angebot an Stoffen und nicht nur Seidenstoffe, sondern mindestens genauso viel Baumwollstoffe. Es ist also ratsam, seinen Koffer bzw. Rucksack nur halb voll zu packen, da man es bestimmt nicht schafft, mit leeren Händen wieder heim zu fahren! :) Gerade Bangalore ist bekannt für die vielen und guten Stoffläden. Auf der Commercialstreet und Umgebung gibt es einen Laden am anderen. Oft ist auch direkt ein Schneider mit dabei. Es ist vielleicht am Anfang ein ungewohntes Gefähl zum Schneider zu gehen, aber das ist in Indien ganz normal. man zahlt z.B. dem Schneider für ein Shirt oder eine Bluse 50 bis 150 Rupies. Das sind ungefähr 2,50 bis 7 Mark. Und nicht nur für Frauen ist es das Paradies. Die männliche Welt kann sich, im Vergleich zu deutschen Preisen, sehr günstig einen ( oder natürlich mehrere) maßgeschneiderte und gute Anzüge anfertigen lassen! Die andere Möglichkeit- auch gut, jedoch ein bißchen teurer- einzukaufen ist die MG Road und deren Querstrasse Brigade Road. Diese zwei Straßen sind die modernsten in ganz Bangalore. Hier kann man sogar sehr preisgünstig "Calvin Klien"(!) oder " Adibas"(!) Klamotten finden.
by Annette Arnold ([email protected]), 12.05.2000