Aus dem Leben eines Taugenichts
Wenn ich keine Pleite gemacht hätte, hätte
ich wahrscheinlich heute auch ein Konto in der Schweiz. Meine Schriften habe
ich dennoch nicht aus Neid verfasst, wie es Kritikern mangels besserer
Argumente unterstellt wird. Die Ungebundenheit des Studenten und des Pleitiers
erleichtert den Mut zu Kritik, die man sich sonst aus Rücksicht auf Ruf und
Karriere verkneift.
Als Student waren mir die Nachteile nicht
klar, heute habe ich nichts mehr zu verlieren, ausser der physischen Existenz.
Diese wird durch namentliche Veröffentlichung besser geschützt als durch
anonyme, da Märtyrer der Sache nur größere Publizität verleihen. Wegen und
durch die Steueroasen haben schon viele Menschen ihr Leben verloren. Es sind
keine Peanuts und keine Milchmädchen, um die es geht.
Scio ut nescio, ich weiß, dass ich nichts
weiß, sagte Sokrates in aller Bescheidenheit. Aber die anderen wissen auch
nicht mehr. Keine Partei, Religion, Ideologie, Philosophie und
Gesellschaftswissenschaft hat Patentrezepte. Mehr als mittelfristige Konzepte
sind Makulatur. Sicher ist nur: Notwendige gesellschaftliche Veränderungen sind
nur demokratisch erreichbar, mit den Menschen und nur wenn die Regeln eingehalten
werden. Schönste Konzepte, beste Gesetze und größter Anstand nützen nichts,
wenn sich zu wenig daran halten. Massive Regelverstöße sind das
gesellschaftliche Hauptproblem geworden.
Ich habe keine Scheuklappen und keine
ideologische Brille. 1968 habe ich nicht nur gegen den Vietnamkrieg
demonstriert, sondern auch gegen den Warschauer Pakt. Ich bin bereit, mich
eines Besseren belehren zu lassen. Ich bin von der katholischen Überzeugung
meiner Jugend als Student zu neuen Ufern,
Marxismus und Atheismus, aufgebrochen. Als Anwalt, Autor und Betreiber
des leider insolventen Bildungsinstituts bin ich Unternehmer geworden.
Unternehmungsgeist habe ich behalten. Hoffnungen auf sozialistische Alternativen
zu predigen, ist heute sektiererisch.
Vor uns steht die Lösung globaler
Probleme, da Steuerflucht und Kriminalität nationale Dimensionen gesprengt
haben und damit globale Durchsetzung rechtlicher Regeln, Frieden,
Gleichberechtigung und sozialer Verantwortung. Das haben die vereinten Nationen
nach den Erfahrungen der schrecklichen zwei Weltkriege und des Wahnsinnigen
Nationalismus in der UN-Charta niedergelegt. Nicht mehr und nicht weniger gilt
es zu verwirklichen. Diese Aufgabe ist so gigantisch, weil es gegen
unglaubliche Kapital‑ und Machtkonzentration und gegen Gegner geht, die gewohnt
sind Gesetze zu missachten und seit Vietnam Achtung vor anderen Menschen
verloren haben. Das erfordert gewaltige Kraftanstrengung aller friedlichen und Verantwortungsbewussten
Menschen über alle nationalen, religiösen, politischen, sozialen Unterschiede
hinweg und Isolation nichtsnutziger Spekulanten.
Als Unternehmer habe ich die
Verführbarkeit in Not und bei Gelegenheit erlitten. Ich bin heute der festen
Überzeugung, dass wesentliche gesellschaftliche Probleme nur gelöst werden
können, wenn Regeln des Rechts und des Anstands eingehalten werden. Worte und
Taten müssen in Übereinstimmung gebracht werden. Gesetze, Anstand und soziale
Verantwortung müssen realisiert werden. Da wesentliche, massive Regelverstöße
heute über Grenzen gehen, müssen globale Lösungen gefunden werden.
Hoffnung, Stärke und Zuversicht können wir
daraus schöpfen, dass alles was heute zur Lösung globaler Probleme erreicht
werden muss, verbrieftes Recht ist, in der UN-Charta und fast allen Verfassungen.
Wir müssen es nur realisieren. Dazu muss UNO handlungsfähig und stark gemacht
werden.
Dazu möchte ich beitragen, weniger durch
aufregende Enthüllungen und Neuigkeiten als durch eine möglichst klare und
verständliche Darstellung, damit auch inzwischen Politikverdrossene für Ruck
und Trendwende erreicht werden. Consens über alle nationalen,
gesellschaftlichen, religiösen und politischen Unterschiede ist entscheidend.
Dazu sind direkte demokratische Aktionen erforderlich, weil Medien zu sehr von
Quoten und Leuten beeinflusst sind, die keine ernsthaften Veränderungen wollen.
Niemand, keine gesellschaftliche Gruppe,
keine Rasse, keine Nation, Partei, Religion oder Ideologie hat sich über andere
zu erheben. Christliches Abendland ist mit Feuer und Schwert, Eroberungen,
Raubzügen, Kolonialismus und Neokolonialismus zu Lasten anderer Völker
ausgebreitet und reich geworden. Es hat die schrecklichsten Kriege der
Geschichte zu verantworten, entsetzliche Glaubensverfolgungen, Völkermord,
Zwangsarbeit. Wir haben keinerlei Veranlassung uns über andere zu erheben. Auch
Amerikaner nicht, die von der geschichte in besonderer Weise begünstigt wurden,
immer stärker waren als ihre Gegner und diese Stärke weidlich ausgenutzt haben,
sich genommen haben, was sie wollten und ihre Stärke auch heute gnadenlos
ausnutzen. Die Bemühungen um einen Raketenschirm zeigen, dass sie ernsthaft den
Weg weitergehen wollen, den Rest der Welt militärisch, finanziell und politisch
zu beherrschen.
Nixon hat globale Probleme verschärft
durch Watergate, Vietnam und unbegrenzte Freiheit für Kapital. Es ist ein
parasitäres weltweites Finanzsystem entstanden, das brutal militärisch
abgesichert wird. Seit Vietnam haben Amerikas Machthabe jede Achtung vor
anderen Menschen verloren. Schurken wie Hussein und Bin Laden sind von Amerikas
Falken gepäppelt worden. Sie lkiefern Vorwände auf Bestellung. So wirken Nixons
schmutzige Tricks weiter.
11. September erinnert fatal an
Reichstagsbrand. Weltmacht, Blitzkriege, Brutalität bei der Durchsetzung
angeblich nationaler Interessen weckt schlimmste Befürchtungen. Bisher stelte
sich Amerika als Hort der Freiheit und Humanität dar, jetzt sind sie in
unerträglich platter Propaganda einfach die Guten und Böse alle, die nicht
folgen. Weltherrschaft mit Gewalt endet im Desaster. Amerika beschwört mit
seiner unvergleichlichen Finanz- und Militärmacht das grösste.
Widerstand gegen irrsinnige Skrupellosigkeit
und Brutalität amerikanischen Grössenwahns muss früh genug einsetzen. Dazu
möchte ich meine letzten Kräfte einsetzen.
20. April 1947 * Bochum
Mutter Martha versuchte mir seither Liebe zu Musik und Lyrik zu vermitteln,
Vater Heinrich Mutterwitz und Redlichkeit. Für ihre lebenslange Mühe, Geduld
und Zuwendung liebe ich sie, auch wenn ich ihren tiefen Glauben nicht teile.
Vaters Geduld mit Patienten und Schwestern war mir unerreichbares Vorbild.
Seine Kunst zu malen und aus Holz Menschen zu schnitzen und sein Verständnis
für Architektur wurde nicht nur in der Familie geschätzt.
Mutter liebt ihre fünf Kinder und 11 Enkelkinder und ist ständig um Bildung und
Wohlergehen bemüht.
1966 Lehrer
des altsprachlichen Gymnasiums schafften es ihrem widerspenstigen und trägen
Schüler zum Abitur zu verhelfen. Dank sei Herrn Fernkorn für Deutsch, Herrn
Meier für griechische Kultur, Herrn Bodschwinna und Herrn Kutschelis für
Latein, Herrn Freisewinkel für Musik, Herrn Tilner für Mathe, Herrn Blasius für
Streitgespräche und den Rauswurf aus dem Religionsunterricht und allen anderen.
Verzeihung erbitte ich für meinen Drang mich bei Schabernack und
Unbotmässigkeit hervorzutun, statt durch Fleiss und Folgsamkeit.
Gruss an die Schulkameraden einer glücklichen Jugend.
1966 Start
des Studiums in Kiel. Die kürzeste Schlange bei der Immatrikulation bescherte
mir Mathematik als Studienfach.
1966-1968 Wehrdienst
in Minden bei den Pionieren.
Mein Strafaufsatz über Gehorsam des Soldaten begann so: Wie der Offizier in den
Wald ruft, so schallt es heraus. Hören war nicht meine Stärke.
1968 Studium
in Freiburg fortgesetzt. Nach einem weiteren Semester Mathe erkundigte ich mich
nach einem leichteren Studienfach, um das Studentenleben besser zu geniessen
und landete bei Jura. Da braucht man ja nur in den letzten zwei Jahren zum
Repetitor. Naja.
Ausserdem
benötigte ich Zeit, um meiner Beschäftigung als Revoluzzer nachzugehen.
1968-1974
Ruhruniversität.
Meine
erste Frau, Helma, Sohn Edward, hat mich während des Studiums begleitet. Danach
habe ich sie verlassen. Vietnamdemonstrationen, Verbesserung der
Studienbedingungen, des öffentlichen Nahverkehrs, Umweltschutz waren Themen der
Empörung und Begeisterung. Studieninhalte wurden ebenso kühn wie unbedarft
kritisiert. Auftritte mit dem Megaphon in der Vorlesung fanden nicht nur
Zuspruch. Mich empörte besonders der Putsch gegen den mutigen und kultivierten
Salvatore Allende, der einen Sozialismus erstrebte, der nach Rotwein und
Empanadas schmeckt und der Terror Pinochets. Über den SDS gelangte ich zu
Spartakus und trat der DKP bei, weil ich dort realistische Lösungen für die
naheliegenden Probleme sah, die uns bewegten: Vietnam, Umwelt, Nahverkehr,
Mitbestimmung, Demokratie, Bruch autoritärer Strukturen. Als angehender Jurist
engagierte ich mich für die Demonstranten, denen wegen Nötigung des Nahverkehrs
der Prozess gemacht wurde. Mein Verfahren wurde eingestellt.
1974 I.
jur. Staatsexamen beim Oberlandesgericht Hamm. Referendarzeit beim Landgericht
Essen.
1976 II.
jur. Staatsexamen beim Justizminister in Düsseldorf.
1977-1994 Rechtsanwalt
in Bochum
Schwerpunkt zunächst Strafverteidigung. Viel Zeit im Knast mit den
Strafgefangenen verbracht.
Aus Interesse und Verständnis für die aufkommenden Personalcomputer setzte ich
diese frühzeitig ein und trieb Forderungen für Gläubiger ein. Begeisterung für
Computer verleitete mich, ein Computerprogramm zur Berechnung des Unterhalts
für Kinder und Ehegatten zu entwickeln und ein Buch darüber zu verfassen.
1983-1989 An
dieser Aufgabe wirkte ich wie besessen von 1983 bis 1989 und schaffte es mit
letzter Kraft das Werk bei dem Verlag GIESEKING zu veröffentlichen. Ich
gründete ein Bildungsinstitut für computergestützte Rechtsanwendung um die
Anwendung des Programms den damals mit Computern unerfahrenen Juristen
nahezubringen.
Mit
der Entwicklung des Programms hatte ich Nächte, Wochenenden und Urlaube
verbracht, meine junge Frau mit zwei Kindern völlig vernachlässigt und mit der
Gründung des Instituts mich auch finanziell völlig übernommen.
Der
Kollege, der als Partner eingestiegen war, zog seine Einlage wieder ab und
brachte mich vollends in Breduille.
In
dieser Not habe ich mich zu krummen Sachen hinreissen lassen. Das Verfahren dauerte
lange und untergrub meinen Ruf.
1991 Ich
trat die Flucht nach vorn an, erweiterte das Institut in Berlin, da nach der
Wende dort grosser Bedarf an juristischer Ausbildung bestand.
Mit
Partnern aus Ostberlin und Geldgebern aus Hannover wurde das Institut gross.
Von 1991 bis 1994 schulten wir 2000 juristische Mitarbeiter im Auftrage der
Arbeitsämter in Ostdeutschland um, die überwiegend in Arbeit kamen, worauf wir
eigentlich stolz sein können.
Ab
1993 reduzierte die Bundesanstalt die Förderdauer von 24 auf 21 Monate, womit
die Rechtsanwaltskammern nicht einverstanden waren, so dass wir keine Aufträge
mehr erhielten. Mein inzwischen beschädigter Ruf bei den Rechtsanwaltskammern
hat deren Entscheidung sicher beeinflusst und das ursprünglich gute Verhältnis
abgekühlt.
1994 Nach
längerem Kampf um den Erhalt des Instituts mussten wir im November 1994 den
Betrieb einstellen. Die Kurse konnten zum Glück zu Ende geführt werden.
Da
wir uns mit den Geldgebern zerstritten hatten, waren wir für die riesigen
entstandenen Schulden persönlich haftbar.
Meine
Partnerin Irina und ich verloren unsere Zulassung. Da wir inzwischen geheiratet
hatten und ich nach Berlin zog, gab ich meine Zulassung zurück. Der Kampf um
die Zulassung von Irina ging 1998 verloren.
Ich
bin wegen der in meiner Not begangenen Straftaten zu einem Jahr und drei
Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Die Strafe ist
inzwischen erlassen.
Meine
Frau und ich haben uns unter dem Druck der Schulden getrennt. Diese doppelte
Lebenskrise hat mich eine Zeitlang in psychiatrische Behandlung gebracht.
Ich
habe verschiedene juristische Tätigkeiten ausgeübt und habe wieder begonnen zu
schreiben. Gesellschaft, Politik und Recht sind die Themen, die ich auf der
Homepage veröffentliche, in der Hoffnung, doch noch einen Verleger zu finden.
Meine
Töchter Judith, 18, und Frauke, 16, sind zum Glück wohlauf bei ihrer Mutter.
Meine
Mutter leistet mir mit inzwischen 81 Jahre persönlichen Beistand.
Ich
danke den Lieben, die mir geholfen haben und verzeihe denen, die mir auf die
Füsse traten. Ich bitte alle um Verzeihung, die ich geschädigt, gekränkt oder
vernachlässigt habe.
Ich
hatte Möglichkeiten und Erfolg im Leben, aber wie Hans im Glück habe ich
Erreichtes nicht gepflegt und das nächste Ziel angestrebt. Ich möchte daher
meine Schriften zu Ende bringen, so mir Gott hilft, auf den meine Mutter
vertraut.
Verführbarkeit
von Menschen, besonders bei Not, Gelegenheit und der Hoffnung, nicht
aufzufallen, habe ich selbst erfahren und möchte es weitergeben.