von
Parvin Darabi (www.faithfreedom.org)
Ich war gerade mal 6 Tage alt, als
mein Großvater seine Religion auf mich übertrug, indem er einige arabische
Wörter in mein Ohr flüsterte. Ich bin ziemlich sicher, dass diese Worte die
einzigen arabische Worte waren, die mein Großvater zitieren konnte und
vielleicht wußte er nicht mal, was er mir denn da ins
Ohr gesprochen hat. Wir kommen aus dem Iran und unsere Sprache ist Persisch.
Die große Mehrheit der Iraner, meine Familie eingeschlossen, sprechen kein
Arabisch, die Sprache Allahs. Religion ist wie die Farbe unserer Augen. Sie
wird vererbt.
Ich ging in der Nachbarschaft in
einer Schule in den Kindergarten, wo eine ältere Dame namens Kobra die
Aufseherin war. Ich hasste diese Schule und diese Aufseherin, weil sie in ihrer
schwarzen Hülle so streng aussah. Die ganze Zeit trug sie immer nur schwarz. Es
gab kein Lachen, keine Musik, kein Spiel. Es gab nur Allah und den Islam. Die Schule
war schmutzig und trotzdem tat sie nichts anderes, als den Koran und
Gebetsbücher zu lesen. Ich wußte, dass sie gar keine
Ausbildung hatte und gar nicht lesen konnte. Denn als ich den Koran andersherum
vor ihr hinlegte, las sie einfach weiter...
Als Kind wollte ich Dreirad
fahren, genau, wie es die Jungs taten. Aber man sagte mir, dass Mädchen nicht
Dreirad fahren würden. Als ich in die Schule kam, wollte ich Geige spielen
lernen. Aber auch hier wurde mir gesagt, dass ein anständiges Mädchen kein Instrument
spielen würde. Dasselbe hörte ich, wenn es ums Fahrradfahren, Reiten, Schwimmen
und anderer Freizeitbeschäftigungen ging.
Schon als kleines Mädchen wurde mir die Bedeutung der Jungfräulichkeit
eingetrichtert. Ein Mädchen muss als Jungfrau in die Ehe gehen. Und das
Heiratsalter von Mädchen beträgt 9 Jahre. Tatsächlich sagte sogar Khomeini, der
Regierungschef des Iran, dass
„ Der
beste Augenblick für ein Mädchen zu heiraten ist der Zeitpunkt, wenn sie ihre
Menstruation bekommen könnte und es ist besser, wenn dies im Haus ihres Mannes
und nicht im Hause des Vaters geschieht.“
Meine Familie war nicht so streng religiös, aber unser Familienkultur
und die Gesellschaft um uns herum war islamisch. Der Gedanke, dass ich mit 9
Jahren verheiratet und an einen Fremden weitergereicht werden würde,
verursachte bei mir einen kalten Schauer. Ich hatte miterlebt, wie der Vater
des Mädchens, welches für unsere Mutter gearbeitet hat, sie an einen Mann
verheiratet hat. Dieser Mann hatte bereits 3 Söhne die älter waren als sie! Sie
war gerade mal 11 Jahre alt, aber in den Augen ihres Vaters galt sie schon als
alte Jungfer.
Ich erinnere mich daran, als mein
Vater vor unseren Augen ein Lamm in unserem Hof opferte. Als ich sah, wie
dieses arme Tier um sein Leben kämpfte und die Beine sich noch bewegten, als
ihm schon die Kehle durchgeschnitten war, fing ich an dieses Ritual zu hassen,
unter welchem das Tier sterben musste. In der darauffolgenden
Nacht erzählte mir die Mutter meines Vaters, die einzige religiöse Person in unserer
Familie, die Geschichte von Abraham und seinem Sohn Ismael. Sie erzählte mir,
wie Gott Abraham dazu aufgefordert hatte, seinen eigenen Sohn zu opfern, damit
Abraham seine Treue gegenüber Gott beweisen konnte. Und dann habe Abraham ein
Lamm gehört, als er seinem Sohn schon die Kehle durchschneiden wollte und
schließlich das Lamm anstelle des Sohnes geopfert. Das sei der Grund, warum wir
an dem Tag das Lamm geschlachtet hätten.
Die Geschichte machte mir Angst.
Ich kann mich an viele Alpträume erinnern, die diese Story mir beschert hat.
Ich träume davon, wie mein Vater mich opfern wollte, um Allah seine Ergebenheit
zu demonstrieren. Und dann sprang ich auf und stellte fest, dass ich noch am
Leben war. Schließlich überzeugte ich
mich selbst, dass Allah nur Männer dazu auffordern würde, ihre Söhne zu opfert
und nicht ihre Töchter. Warum sollte überhaupt jemand auf die Idee kommen, ein
Mädchen zu opfern? In diesem Moment war ich glücklich, ein Mädchen zu sein.
Die Mutter meines Vaters lehrte
mich üblicherweise in Religion und Islam. Sie erzählte mir, dass Allah
allmächtig sei, alles wisse und den Menschen und das ganze Universum erschaffen
hätte. Aber dann sagte sie mir, dass ich auf Arabisch beten müsste.
„Großmutter, versteht denn Allah kein Persisch?“
„Naja, nein. Du musst mit Allah
auf Arabisch sprechen.“
„Aber du hast gerade gesagt, dass
Allah alles erschaffen hat. Wenn er also auch Persisch erschaffen hat, warum
versteht er es dann nicht?“
Nach solchen Argumenten, die meine
Großmutter in die Enge trieben, weil sie darauf einfach keine Antworten fand,
hab ich Religion und den Islam vollkommen fallengelassen. Meine Antipathie
gegenüber Religion wurde noch verstärkt, als ich an der Highschool über die Shariah lernen musste. Was ich dort lernte war so
entwürdigend gegenüber Frauen und so unterdrückend, dass ich es sogar hasste,
die Bücher zu lesen.
Ich verstand nicht, warum nur Männer sich scheiden lassen
durften.
Warum mussten die Frauen ihre
Kinder in die Familie des Vaters zurückgeben, wenn der Mann sich von ihnen
geschieden hat oder verstorben war?
Warum erben Frauen nur die Hälfte im Vergleich zu den
männlichen Angehörigen?
Und warum durfte ein Junge alles tun, was ihm gefällt und
ein Mädchen nicht?
Warum mussten wir immer darauf
warten, bis die Männer und Jungs ihr Essen beendet hatten, damit wir dann die
Reste vertilgen konnten?
Warum gehörte mein Körper jedem anderen ,
außer mir selbst?
Sobald ich an unserer Tür stand
und mit dem Nachbarsjungen sprach, zwangen mich meine männlichen Familienangehörigen
dazu, wieder ins Haus zu gehen.
Das abscheulichste für mich
allerdings war das Ritual von ´Khastegary´
(Partnersuche). In diesem Ritual suchen Frauen innerhalb der direkten
Verwandtschaft des Mannes oder auch weiterläufigen Verwandtschaft nach einer
passenden Lebenspartnerin für den männlichen Familienangehörigen. Immer, wenn
meine Familienangehörigen ein Mädchen besuchten, welches als potentielle
Ehefrau für einen meiner Onkel oder Cousins in Frage kam, machte mich ihre
Beurteilung über das arme Mädchen krank. Es war so, als würden sie ein
Möbelstück kaufen. Das einzig Wichtige war ihr Aussehen und körperliche
Merkmale. Und natürlich musste sie Jungfrau sein. Für den Fall, dass die
Jungfräulichkeit nicht zweifelsfrei bewiesen werden kann, müssen ihre Eltern
den Bräutigam und seine Eltern für all die Kosten der Hochzeit entschädigen und
die Ehe wird am nächsten Tag annulliert.
Als Teenager besuchte ich in
Teheran die Hochzeit eines Verwandten. Das Mädchen war gerade mal 14 Jahre alt.
Die Eltern waren um ihre Jungfräulichkeit so besorgt, dass sie praktisch vor
der Tür des Schlafzimmers des frischvermählten Paares
klebten. Dort warteten sie, bis der 30-jährige Bräutigam das Zimmer verließ.
Dann traten sie ein und holten das blutige Laken, wo gerade ihre Tochter
vergewaltigt worden war und zeigten es jubelnd den
Eltern des Bräutigams. Somit war der Beweis der Jungfräulichkeit der Tochter
erbracht. Niemals im Leben wollte ich auf diese Art und Weise in meiner
Hochzeitsnacht behandelt werden!
Es gibt so viele Gesetze im Islam,
welche jeden gebildeten Menschen abschrecken würden. Eines solcher Gesetze ist zum Beispiel der Brauch von Schiieten,
eine Ehe auf Zeit einzugehen (Sigeh). Ich nenne das
religiös legitimierte Prostitution. Die Ehe im Islam ist ein Vertrag zwischen
einem Mann und dem Vormund einer Frau für eine bestimmte Zeit. In der
permanenten Ehe heiratet der Mann die Frau für 99 Jahre, weil angenommen wird,
dass niemand so lange lebt. In der Realität sterben die Männer natürlich weit
vor Ablauf des Vertrags, denn sie heiraten meistens in ihren 30er oder 40er
Jahren. Und die Frauen, die von ihren Eltern in jungen Jahren verheiratet
werden, haben so die Möglichkeit, den Rest ihres Lebens allein und in Frieden
zu leben. Bei der Zeitehe legt der Mann im Vertrag
die Dauer der Ehe fest. Er fragt dabei die Frau oder ihren Vormund, ob sie ihn
für einen gewissen Zeitraum heiraten möchte. Der kann dann 10 Minuten, eine
Stunde, Woche, einige Monate betragen und kostet eine bestimmte Summe an Geld.
Wenn sie oder ihr Vormund zustimmen, dann gilt die Ehe als geschlossen und sie
wird annulliert, sobald die vereinbarte Zeit verstrichen ist.
Ein weiteres islamisches Gesetz
ist das von ´Mohalel´. Dies passiert, wenn ein Mann
einen anderen Mann dafür bezahlt, seine Ex-Frau zu heiraten. Der Bräutigam soll
dann eine Nacht mit der Frau verbringen, mit ihr schlafen und sich am nächsten
Tag von ihr scheiden lassen. Nun kann der Ex-Mann seine Frau wieder heiraten.
Vor Jahren hat einer unser
entfernten Verwandten in Wut seiner Frau gegenüber die
Scheidung ausgesprochen. Danach war er darüber sehr traurig und wollte sie
zurückhaben. Aber der Mullah wollte sie nicht erneut verheiraten, es sei denn,
sie wäre vorher mit einem anderen Mann verheiratet, der auch mit ihr schlafen müsse
und sich dann von ihr scheiden läßt. Dann erst wollte
er die Hochzeit erneut zulassen.
Ich erinnere mich daran, was das
für ein Theater wurde. Der Ex-Mann suchte verzweifelt einen Mann, der bereit
war, seine Ex-Frau für diesen Tag zu heiraten, um sich dann gleich wieder
scheiden zu lassen. Da seine Ex-Frau sehr schön war, suchte der Ex-Mann nach
einer Person, der er vertrauen konnte. Schließlich müßte
sich der Mann ja auch tatsächlich wieder scheiden lassen. Schließlich fragten
sie einen Angestellten meines Vaters. Der Ex-Mann bezahlte diesem Angestellten
eine Menge Geld. Der Angestellte heiratete die Ex-Frau, verbrachte die Nacht
mit ihr und ließ sich am nächsten Tag scheiden.
Für mich war erschreckend, dass
keine der Frauen auch nur im Geringsten an eventuelle Konsequenzen diese One-Nightstands dachten. Vielleicht liegt das daran, weil
sie eh alle in ihrer Hochzeitsnacht von einem Fremden vergewaltigt worden waren
und so schien es für sie nichts Besonderes zu sein, erneut von einem Fremden
benutzt zu werden. Vielleicht hofften aber auch einige von ihnen, dass sich der
Mann scheiden läßt, damit sie eben einen anderen Mann
finden, der sie besser behandelt, als der Ex-Mann.
Wenn ich so über dieses Gesetz
nachdenke, finde ich es Frauen gegenüber abscheulich und erniedrigend. In
keinem der Fälle wird die Frau nach ihrer Meinung gefragt und immer muss sie
akzeptieren, was mit ihr geschieht. Sie muss der Vergewaltigung eines Fremden
zustimmen, weil der Ex-Mann sauer war und sich in seiner Wut von ihr scheiden
gelassen hat. Verfechter des Islams werden dir erzählen, dass dieses Gesetz in
Kraft getreten ist, damit die Männer ihre Frauen gerade nicht dreimal scheiden
lassen. Es solle also als Abschreckung vor der Scheidung dienen.
Im Islam hat nur der Mann das Recht
(was eine Mißachtung der Frauenrechte ansich ist) unter folgenden Bedingungen die Scheidung
auszusprechen. Wenn der Mann der Frau einmal sagt „Ich lass mich von dir
scheiden!“ und sie es sich dann doch anders überlegen, ist die Scheidung
praktisch von allein annulliert und sie können als Ehepaar normal weiterleben.
Sagt der Mann der Frau zweimal „Ich lass mich von dir scheiden.“ und dann
schlafen sie doch miteinander, ist die Ehe erneut wieder in Kraft getreten.
Sobald der Mann der Frau aber dreimal „Ich lass mich von dir scheiden.“ sagt
und das auch noch vor Zeugen, kann der Mann seine Frau nur zurückbekommen,
indem er einen Mohallel findet, einen Mann, der wie
oben beschrieben seine Frau auf Zeit heiratet.
Es gibt viele Fälle, in denen der Mohallel sich nicht daran gehalten hat, sich am nächsten
Tag von der Frau scheiden zu lassen. Und der Ex-Mann hat in diesem Fall
keinerlei Rechte.
Ich empfand dieses Gesetz aus mehreren Gründen barbarisch
und unmenschlich.
Erstens werden die Gefühle und
Rechte der Frau überhaupt nicht beachtet und sie ist dazu gezwungen, dass sie
eine Nacht lang von einem Fremden vergewaltigt wird. Zweitens ist der Gedanke
daran, dass ein Mann einen anderen Mann bezahlt, damit der sich eine Nacht mit
der Ex-Frau vergnügt, einfach nur widerwärtig. Und drittens gibt es ja auch
noch die Möglichkeit, dass sich der Mohallel nicht an
die Abmachung hält und die Ex-Frau gezwungen ist, ihr Leben in Trübsal zu
verbringen (es sei denn, dieser Mohallel ist netter
zu ihr, als der Ex-Mann), weg von Ex-Mann und eventuellen Kindern.
Nach all diesem Zirkus in der
Familie beschloss ich, kein Moslem zu sein. Trotzdem hatte ich nicht den Mut
dazu, dies wirklich zu tun. Ich verließ den Iran mit einem kleinen Koran in
meiner Tasche. Obwohl ich niemals gefastet hatte, gebetet habe , in der Moschee
war oder ein religiöses Ritual mitgemacht hatte, glaube ich immer noch an Allah
und daran, dass Mohamed sein Prophet war, als ich 1964 den Iran verließ, um
nach Amerika zu gehen.
Nachdem ich Englisch ziemlich gut
gelernt hatte, las ich Teile des Korans auf Englisch. Nie zuvor hatte ich den
Koran gelesen. Als ich den Iran verlassen hatte, gab es noch keine Übersetzung
auf Persisch, zumindest wußten wir nichts davon. Ich
las also einige Textstellen des Korans und war erschreckt über Verse, wie sie
in der Sure ´Das Licht´ vorkommen, wo Allah zu Mohamed sagt „Prophet, sag
deinen Frauen, Töchtern und anderen gläubigen Frauen, dass sie ihre Augen und
ihre Schätze vor der Sicht von Fremden schützen sollen.“ Mein Problem lag
darin, inwiefern eine Frau gekleidet sein sollte, um ihre ´Schätze´ zu
verbergen und was eigentlich sind die ´Schätze´ einer Frau? Lag der Schatz
einer Frau unterhalb der Gürtellinie oder war er ihr Gehirn? Die Art und Weise
wie die Moslems in meiner Familie sich verhielten machte deutlich, dass für sie
der Schatz der Frau in ihrer Jungfräulichkeit vor der Ehe lag und in ihrer
Vagina nach der Ehe. Ich verachtete diese Einstellung. Immerhin ist die Vagina
noch ein Teil MEINES Körpers. Warum sollte also jemand anderes über ihn
bestimmen, wie zum Beispiel der Vater oder der Ehemann oder die Mutter oder der
Rest der Sippe?
Ich beschäftigte mich von da an
immer mehr mit dem Koran und las viele Bücher. Nachdem ich alles immer wieder
gelesen hatte, kam ich zum dem Entschluss, dass die Religion nur dazu da war,
um die Fähigkeit des Menschen, SELBST zu denken und zu handeln zu zerstören.
Einige dieser Sätze habe ich hier aufgelistet:
„Die Frauen sind euer Feld. Bestelle dein Feld, wann immer
und wo immer du auch willst.“
„Gute Frauen sind gehorsam und
solltest du Widerspenstigkeit erwarten, ermahne sie, meide sie ihm Ehebett und
schlag sie!"
„Ich stand am Rande des
Höllenfeuers und die Mehrheit der Menschen, die ich dort sah, waren Frauen.“
(Aussage des Propheten Mohamed)
„Es ist besser, sich im Schlamm
mit Schweinen zu suhlen, als einer Frau die Hand zu schütteln.“ (ein
indonesischer islamischer Führer)
„Das Paradies der Frau liegt unter den Füßen ihres Mannes.“
(islamisches Sprichwort)
„Frauen sollten während ihres
Lebens dreimal das Licht erblicken. Wenn sie geboren werden, wenn sie
verheiratet werden und wenn sie sterben.“ (islamisches Sprichwort)
Später las ich in meinen
Nachforschungen über den Islam über die Hochzeit des Propheten mit seiner
ersten Frau als er 24 Jahre alt und damit 16 Jahre jünger war, als sie. Sie war
eine reiche Frau, zweimal geschieden und hat den Mohamed um die Hochzeit
gebeten und er hat angenommen. Als sie mit 72 Jahren starb, war er 56 Jahre alt
und heiratete ein 7-jähriges Mädchen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er mit
ihr schlief, als sie 9 Jahre alt war. Und er machte sie zur Mutter aller
Moslems, als er starb. Sie war damals 16 Jahre alt und durch diese Bürde konnte
sie nie mehr einen anderen Mann
heiraten.
In den letzten 8-10 Jahren seines
Lebens heiratete Mohamed zwischen 15 und 46 Frauen. Islam-Verteidiger
behaupten, dass diese Frauen alles Witwen gewesen wären. Sie hätten keinen
Platz gehabt, wo sie hätten hingehen können und niemand habe sich um sie
gekümmert. Also hat Allah Mohamed befohlen, sie zu heiraten. Dieses Argument
ist absolut lächerlich. Aisha, die er heiratete, als
sie gerade mal 6 Jahre alt war, war immer noch ein Mädchen. Zaynab
war ursprünglich mit dem Adoptivsohn des Propheten glücklich verheiratet. Aber
dann bat Mohamed diesen, sich von ihr scheiden zu lassen, damit er sie heiraten
könne. Um die Zustimmung ihres Stammes zu bekommen, brachte er den Vorwand,
dass ein Moslem nicht die Erlaubnis habe, den Sohn eines anderen Mannes zu
erziehen. Deswegen sei Zaid gar nicht sein Sohn, denn
er hatte ihn adoptiert, bevor er zum Propheten auserkoren wurde. Diese
Geschichte ist der Hauptgrund, warum Adoption im Islam verboten ist. Und Reyhaneh war eine wunderschöne Frau, deren Ehemann durch
die Anhänger des Propheten gefangen genommen wurde und noch in der gleichen
Nacht im Bett des Propheten landete. Diese Frauen waren keines
Witwen. Sie alle hatten jemanden, der sich um sie gekümmert hat.
Wenn ich solche Geschichten
gelesen hab, ist mein Kopf geradezu explodiert. Wie können so viele Menschen
auf der Welt so einem Macho und pädophilem Menschen
folgen? Wie konnte mein Großvater mich zu einer Muslimin
machen, als ich gerade mal 6 Tage alt war und somit zur Anhängerin eines
Kriminellen? Ich kam zu der Schlußfolgerung, dass er
davon einfach nichts wußte. Oder falls er es doch wußte, dann lag es einfach daran, dass er in einer solch
barbarischen Kultur groß geworden ist und es einfach nicht besser wußte.
Als mein Sohn geboren wurde, gab
ich ihm keine Religion. Ich gab ihm keinerlei religiöse Erziehung über Gott und
seine Propheten. Und ich ließ ihn auch nicht beschneiden. Mein Glaube an Gott
wurde am 1.April 1979 absolut ausgelöscht. Es wurde die islamische Republik
oder die Republik Allahs im Iran, meinem Geburtsland, gegründet. Damit erlebte
das gesamte Land eine Rückkehr zu düsteren Zeiten, denn von nun an herrschte
das islamische Gesetz. Die Frauen waren die ersten Opfer dieses Rückschritts.
Mehr als 130 Jahre des Kampfes waren mit einem Male durch die mittelalterlichen,
religiösen Führer vernichtet. Unterstützt durch die Verfassung wurden Frauen in
der Gesellschaft herabgestuft und zu Individuen zweiter Klasse.
Im März 1979 benutzte Khomeini das
Kopftuch (Hijab) als Symbol des Kampfes gegen den
Imperialismus und gegen Korruption. Er erklärte, dass Frauen die Behörden der
Islamischen Republik nicht ohne Kopftuch betreten sollten. Sie könnten
weiterhin arbeiten, vorausgesetzt, sie trügen das Kopftuch.
Im Jahr 1980 erklärte Khomeini:
„Von jetzt an hat keine Frau mehr das Recht, in der Regierung NACKT zu sein.
Sie können weiterhin ihre Aufgaben verfolgen, unter der Bedingung, dass sie
sich islamisch kleiden.“ Das Amt für Bildung legte daraufhin eine
Kleiderordnung für die weiblichen Schüler und Studentinnen fest: schwarz,
gerade geschnitten, den Körper von Kopf bis zu den Füßen bedeckend und das ab
einem Alter von 6 Jahren!
Um widerspenstige Frauen unter
Kontrolle zu halten, setzte die Regierung Beamten ein. Diese beobachteten dann,
ob sich die Frauen auf der Straße an die islamischen Gepflogenheiten hielten,
oder nicht.
Die Regierung ging sogar noch
einen Schritt weiter. Während der letzten 22 Jahren
haben sich die Bedingungen für die Frauen kontinuierlich verschlechtert. Dennoch , trotz der hohen Strafen (Auspeitschungen,
Steinigungen, Gefängnis, absolute Geschlechtertrennung), haben die iranischen
Frauen ihren wertvollen Kampf nicht aufgegeben.
Hashemi Rafsanjani, Präsident der
Islamischen Republik Iran, hat vor Kurzem den
Unterscheid zwischen Mann und Frau entdeckt. In seinem Zitat sagt er:
„Gleichheit hat keine Priorität
bei der Gerechtigkeit. Gerechtigkeit bedeutet auch nicht, dass alle Gesetze für
Männer und Frauen gleich sein müßten. Der Fehler der
Leute im Westen liegt darin, dass sie dies vergessen. Der Unterschied in der
Statur, der Vitalität, der Stimme, der Entwicklung, der körperlichen Kraft und
der physischen Stärke zwischen Mann und Frau zeigt, dass die Männer stärker und
vielseitig einsetzbar auf allen Gebieten sind. Das Gehirn der Männer ist größer
und Männer neigen eher zum Kampf und Frauen sind leichter reizbar. Männer
neigen zur Gewissenhaftigkeit und zum Rationalismus, während die Frauen eine
fundamentale Tendenz zum Emotionalen haben. Männer haben einen starken
Beschützerinstinkt, wohingegen Frauen lieber beschützt werden. Solche
Unterschiede beeinflussen die Verteilung von Verantwortungen, Verpflichtungen
und Rechten.“
Unter dem islamischen Gesetz wurde
das Gesetz zum Schutz der Familie aufgehoben. Die Polygamie wurde wieder
eingeführt. Der Iran unterstützt ausnahmslos die Mehrehe. In der Islamischen
Republik wurde die provisorische Ehe legitimiert. Als Konsequenz daraus kann
ein Mann vier ´permanente´ und so viele ´provisorische´ Frauen heiraten, wie es
ihm beliebt.
„Viele Europäer haben Geliebte.
Warum sollen wir einen menschlichen Instinkt unterdrücken? Ein Hahn befriedigt
auch mehrere Hennen und ein Hengst mehrere Stuten. Eine Frau ist während einer
bestimmten Periode nicht erreichbar, aber der Mann ist immer aktiv...“
(Ayatollah Ghomi, Le Monde, 20. Januar 1979)
„Die spezielle Aufgabe der Frau in
unserer Gesellschaft ist es, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Frauen werden
davon abgebracht, eine Karriere in Richtung Gesetzgebung oder Gericht zu machen
oder was auch immer die Fähigkeit der Entscheidungsfindung verlangt.
Schließlich vermissen Frauen diese intellektuelle Fähigkeit und die kritische
Urteilsfindung, die solche Berufe erfordern.“ (Ayatollah Mutahari,
einer der führenden Ideologen der Islamischen Republik bezüglich „The Question of Veil“)
Die Zeugenaussage eines Mannes
gleicht der von zwei Frauen. Also liegt der Wert einer Aussage einer Frau bei
der Hälfte der Aussage eines Mannes. Laut dem islamischen Strafgericht, welches
heute im Iran praktiziert wird, ist die „Frau halb soviel wert wie ein Mann“.
Laut Klausel 6 des Gesetzes über
Vergeltung und Bestrafung gilt im Falle, dass eine Frau einen Mann tötet,
folgendes: Die Familie hat das Recht auf Entschädigungszahlung für das Töten
eines Verwandten. Im Gegensatz dazu muss der Mann im Falle, dass er eine Frau
tötet, ihren Angehörigen nur die Hälfte dieses Geldes zahlen.
„Jede, die das Kopftuch nicht
trägt, wird als Apostat angesehen und die Bestrafung eines Apostaten liegt in
dessen Tod.“
Wenn Mädchen mit der Todesstrafe
verurteilt werden, soll das Urteil nicht vollzogen werden, solange sie noch
Jungfrauen sind. Deswegen werden sie in den Gefängnissen systematisch
vergewaltigt, bevor sie dann ermordet werden.
„Frauen in Gefängnissen zu vergewaltigen, vor
allem Jungfrauen, denen vorgeworfen wird, gegen das Regime zu sein, ist eine
normale und alltägliche Praxis in den Gefängnissen im Iran. Der Klerus erklärt,
dass sie an den Regeln des Islams festhalten und somit verhindern wollen, dass
eine dieser Jungfrauen ins Paradies gelangt. Mullahs glauben daran, dass solche
Frauen nicht von Allah sind und dass sie das Paradies nicht verdienen. Deswegen
werden sie vergewaltigt, damit sichergestellt wird, dass sie in der Hölle
landen.“ (Bericht einer Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen
bezüglich des Irans von 1992)
Der Artikel 15 der islamischen
Konstitution schreibt ganz eindeutig vor, dass der Präsident des Landes ein
Mann sein muss, der von den gottesfürchtigen und ehrenhaften Männern ausgesucht
werden soll. Das bringt zur Folge, dass eine Frau niemals Staatsoberhaupt
werden könnte und auch niemals die Stellung eines Valia-e-Faghih
(spiritueller religiöser Führer) oder der Führer der muslimischen Nation werden
kann.
Iranischen Frauen ist es verwehrt,Fremde zu heiraten. Es
sei denn, dass sie eine schriftliche Erlaubnis dazu vom Innenministerium
vorweisen können. Am 30.März 1991 sagte Ahmed Hosseini
(Direktor für Angelegenheiten in Sachen Ausländer und Immigranten), dass „Ehen
zwischen iranischen Frauen und Ausländern viele Probleme verursachen für die
Frauen und ihre Kinder. Denn diese Ehen werden nicht als legal anerkannt.
Religiöse Registrierungen solcher Hochzeiten werden nicht als ausreichende
Dokumente anerkannt, wenn es um legale Unterstützungen dieser Familien geht.“
„Verheiratete Frauen dürfen nicht
verreisen, es sei denn, dass sie eine schriftliche Erlaubnis ihres Ehemannes
bei sich haben.“
Laut einem Gesetzesentwurf, der
dem Majlis (dem islamischen Parlament) im Mai 1991
gezeigt wurde, ist es unverheirateten Frauen und Mädchen nicht erlaubt, das
Land zu verlassen. Obwohl es im Moment noch kein Gesetz gibt, welches den
Frauen das Verlassen des Landes verbietet, wissen es die Verantwortlichen in
der Realität, wie sie es denjenigen, die gerne verreisen möchte, möglichst schwermachen
können, so Keyhan am 23.Mai 1991. Die Behörden sind
besonders streng gegenüber den unverheirateten Frauen und Mädchen, die es
geschafft haben, ein Stipendium zu bekommen, um im Ausland studieren zu können.
Die jüngsten Berichte von
verschiedenen internationalen Organisationen wie Amnesty International oder den
Vereinten Nationen zeigt ganz deutlich, wie die Basisgrundrechte der iranischen
Männer , Frauen und Kinder mit Füßen getreten werden.
Das einzige, was die Islamische
Republik der iranischen Bevölkerung gebracht hat, ist Armut und Kummer. Ich
frage mich, warum Gott sie im Stich gelassen hat? Zur Zeit der Revolution hat
Khomeini gesagt, dass Gott auf ihrer Seite sei. Wenn es das ist, was man
erhält, wenn Gott einem zur Seite steht, dann bin ich froh, dass er nicht an
meiner Seite ist.
So habe ich erkannt, dass Religion
und Gott nur dazu da sind, die Menschen zu kontrollieren. Mit Religion und Gott
kann man große Geschäfte machen. Man kann viel Geld verdienen, damit die
Geistlichen gut leben können, indem man andere dazu bringt, dass sie sich
schuldig fühlen.
Mein Freund und Kollege Dr. Ahmad
sagte, dass es drei Religionen gibt, oder aber auch drei große Geschäfte: eine
sammelt das Geld am Freitag ein, die andere am Samstag und die letzte am Sonntag.
Parvin Darabi
(Co-Autor des Buches „Rage against the Veil“, Prometheus Books, 1999)