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OURANIA KOUKA Foundation of the Hellenic World, (Greece) Zur Organization der insularen Gesellschaften der Nord- und Ostaegaeis waehrend der Fruehbronzezeit.Die 1870 in Troia - Ilion von Heinrich Schliemann begonnenen Grabungen stellen den Beginn der praehistorischen Archaeologie in der Aegaeis dar und weisen seiter ihrer nordoestlichen Region, die Troia und die nord- und ostaegaeischen Inseln umfasst, eine besondere Bedeutung zu. Der nordostaegaeische Raum bietet mit mehreren grossflaechig ausgegrabenen und ausreichend publizierten Siedlungen, wie Troia, Poliochni auf Lemnos, Thermi auf Lesbos, Emporio auf Chios und dem Heraion auf Samos, eine reiche Basis an, um die bei der Entstehung und Entwicklung von komplexeren Sozialgefuegen wirksamen Faktoren zu ermitteln. In den genannten Siedlungen wurden klare Architekturschichten der ersten Haelfte des 3. Jts. untersucht, die eine lange Siedlungskontinuitaet aufweisen und die, im Gegensatz zu den duerftigen FH I - Siedlungsresten, eine eingehende Untersuchung der Organisation von Gesellschaften im fruehesten Abschnitt des 3. Jts. v. Chr. in der Aegaeis erlauben. Schwerpunkt des Vortrags ist, mittels Analyse der nordaegaeischen Siedlungsarchitektur und Auswertung aller jeweils in einer Siedlung vorkommenden Fundgattungen nach Phasen die Eigenart der jeweiligen regionalen Strukturen zu untersuchen. Dadurch werden Erkenntnisse ueber die Mechanismen gewonnen, die bei der Entwicklung komplexerer wirtschaftlicher, politischer und sozialer Strukturen am Anfang der Fruehen Bronzezeit wirksam waren. Ferner wird die Dynamik der insularen im Vergleich zu den festlaendischen Gesellschaften sowie die Austauschmechanismen zwischen den nordost- und den mittel- und suedaegaeischen Siedlungen waehrend der Fruehen Bronzezeit einsichtig. Ueberdies wird der Beitrag der Nordostaegaeis zur kulturellen Entwicklung in der zweiten Haelfte des 3. und am Anfang des 2. Jts. v. Chr. in der Aegaeis deutlich gemacht; fuer das 3 Jt. wurde er anhand der an der Ostkueste Mittel- bis Suedgriechenlands und den Kykladen erfassten Lefkandi I-Kastri-Phase in kontroversen Studien mehrfach angesprochen. Schliesslich wird die Stellung der nordaegaeischen Inseln im Handelsnetz mit Kreta und dem griechischen Festland im beginnenden 2. Jt. anhand der juengsten Grabungen in Mikro Vouni auf Samothrake und Koukonisi auf Lemnos unter einen neuen Blickwinkel betrachtet. In allen Siedlungen war vom frueehesten Abschnitt der FB an ein politischer Vorstand festzustellen, dessen Wirken an der Errichtung von Gemeinschaftswerken wie Umfassungs- bzw. Befestigungsmauern, Bauten mit spezieller Funktion (Kommunalbauten, Gemeinschaftsspeicher), Versorgungseinrichtungen (Bewaesserungs- und Abwassersysteme) und an Aenderungen der Bautschemata deutlich erkennbar wird. Die Organisation der untersuchten Siedlungen weist alle Charakteristika urbaner Zentren auf. Die Verteilung des Reichtums zeugt von Gesellschaften mit hoch entwickelten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen, die das Niveau eines Dorfes ueberwunden und sich zu konkurrenzfaehigen staedtischen Siedlungen in der Nordaegaeis gewandelt haben. Das Auflassen der Siedlung von Thermi V ist ein Beleg fuer eine derartige Konkurrenz. Die Existenz einer politischen Macht und der Wohlstand, den Thermi in Phase V erreicht hatte, wurde fuer die Siedlung zunehmend zu einer Gefahr, die vom Land und von Meer her drohte. Die zunehmende Bedrohung Thermis durch ebenso wohlhabende oder maechtigere Gemeinschaften, die sich auf den Inseln (z. B. Poliochni) oder auf dem kleinasiatischen Festland (Troia, Liman Tepe) entwickelten, fuehrte zur Umsiedlung der recht grossen Bevoelkerung von Thermi V ins Inselinnere. Die Ergebnisse der grossflaechig untersuchten insularen Siedlungen und Troias sowie der begrenzt erforschten Siedlungen wie Kumtepe, Besik-Yassi-Tepe, Larisa am Hermos, Bayrakli/Smyrna, Liman Tepe/Klazomenai und Panaztepe an der Westkueste Kleinasiens, Protesilaos auf der Kallipolis-Halbinsel, Methymna und Kourtir auf Lesbos, Myrina und Koukonisi auf Lemnos, Mikro Vouni auf Samothrake, Skala Sotiros, Kastri und Ajios Antonios auf Thasos sowie Palamari auf Skyros und vor allem jene von Samothrake, Thasos und Skyros sind von vonbesonderer Bedeutung, da sowohl ihre Architektur als auch die Keramik und die Kleinfunde den selben Charakter zeigen wie die Befunde von Troia I und II. Dies deutet darauf hin, dass im fruehesten Abschnitt der FB, besonders aber ab der spaeten Troia I-Poliochni verde-Zeit eine "Koine" auf den nord- und ostaegaeischen Inseln von Thasos und Samothrake bis Skyros, Samos und Rhodos, bis zur westlichen Kueste Kleinasiens (Troia, Liman Tepe, Panaztepe) erfasst werden kann. Darueber hinaus stellen die monumentalen Anlagen in Klazomenai/Liman Tepe (grosser Langraumbau mit Magazinen, Befestigungsmauer mit Bastionen) einen unwiderlegbaren Beweis dafuer dar, dass Troia nicht die einzige maechtige und konkurrenzfaehige Siedlung Westkleinasiens war. Rezente Studien zur Keramik Westkleinasiens zeigen die deutlichen Unterschiede (v.a. Keramik) zwischen der Kueste und dem westlichen Binnenland Kleinasiens. Folglich muss der geographische Rahmen und der Name der sogenannten "Trojanischen Kultur" den neuen Erkenntnissen gemaess neu definiert werden. Im Rahmen dieser Studie wird der Terminus "Nord- und Ostaegaeis" angewendet, der sowohl die insularen Siedlungen als auch die maritimen Siedlungen des kleinasiatischen Festlandes beinhaltet. Der Terminus "Trojanische Kultur" muss weiter beibehalten werden, um die Siedlungsphasen von Troia II zu bezeichnen, die durch ihre Architektur und die zahlreichen Sammelfunde (sog. Schaetze) von Troia IIg zweifelsohne ein lokales Phaenomen darstellen, umso mehr, als Troia ueber kein Hinterland in Anatolien verfuegt.
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