ELMAR CHRISTMANN
Institut fuer Ur- und Fruehgeschichte, Heidelberg (Germany)

Das nordgriechische Festland in der Fruehbronzezeit waehrend der aegaisch-anatolischen Koine

Die Fruehbronzezeit Mittel- und Suedgriechenlands zeigt regionale Auspraegungen, die nach allgemeiner Auffassung aber genuegend gemeinsame Elemente aufweist, um sie unter dem Begriff Fruehhelladikum (FH) zusammenzufassen. Es gilt darauf hinzuweisen, dass Nordgriechenland durchaus Verbindungen mit dem Fruehhelladikum erkennen laesst und nicht vom suedlicher gelegenen Festland als "nichthelladisch" abzutrennen ist. Heute ist klar, dass die Kuestenregion Thessaliens Teil der als fruehhelladisch definierten Kulturguppen ist und Verbindungen mit Attika, den Kykladen etc. hat. Es sind vergleichbare Austauschmechanismen mit den Nachbarregionen zu bemerken, wie es fuer Fundorte Mittel- und Suedgriechenlands festzustellen ist. In den grossen thessalischen Ebenen fehlen dagegen weitgehend Elemente des FH I-III, wie wir sie aus Eutresis oder Lerna kennen. Andererseits haengen sowohl West- als auch Ostthessalien mit der Fruehbronzezeit Boeotiens (z.B. Theben, Orchomenos) zusammen, ebenso Teile Ostmakedoniens (Servia) und vielleicht sogar Zentralmakedoniens (Kastanas). Eine scharfe Abgrenzung der Fruehbronzezeit des Nordens mit der "helladischen" des Suedens ist daher nicht moeglich. Es ist nicht nur die geographische Entfernung etwa zu Lerna, die das weitgehende Fehlen von Leitelementen wie z.B. Urfirniskeramik oder den sog. saucers erklaerbar machen. Es ist auch der Einfluss von Kulturgruppen aus dem Zentralbalkan, der hier wirksam wird (Armenochori-Gruppe).

Waehrend die Kuestenregionen Zentral-, Ostmakedoniens und auch Thrakiens durchaus Importe und Einfluesse des suedlich gelegenen Fruehhelladikums zeigen - erklaerbar durch den fuer das Fruehhelladikum typischen Handel entlang der Kueste -, ist fuer das dortige Hinterland die Beruehrung mit oder sogar die Einbindung in die Kulturgruppen der thrakischen Ebenen des Nordens festzustellen. Bereits waehrend des Spaetneolithikums waren die nach Sueden fuehrenden Flusstaeler von Vardar/Axios, Strymon oder Marica von zentraler Bedeutung als Achsen fuer die Anbindung nach Norden. Waehrend der Fruehbronzezeit ist ueber Dikili Tasch oder Sitagroi eine klare Verbindung zu den primaer aus Ostserbien bekannten Kostalac- bzw. Vucedol-Gruppen zu bemerken, der sich z.T. bis nach Thessalien auswirkt (Pevkakia). Auch die seit laengerem bekannten Funde von schnurverzierter Keramik belegen den thrakischen Einfluss nach Sueden, und zwar sowohl sicher zu Beginn des FH II als auch am Ende von FH II/ Beginn FH III. Ein klarer anatolischer Einfluss in Thrakien war bereits durch die Altfunde von Depas-Bechern aus Baa Dere (Mihalich) nachvollziehbar. Die neuen Depasfunde aus Konstantia (bei Simeonovgrad) sind nun stratigraphisch fixierbar (FBZ III) und belegen erneut die Bedeutung des Marica- Flusstales. Der anatolische Enfluss laesst sich somit in zwei Richtungen feststellen: direkt nach Norden (ueber z.B. das Marica-Tal) und nach Westen, wo im Kontext von Lefkandi I westanatolische Elemente bis in den Kuestenbereich Thessaliens und Mittelgriechenlands gelangen. In Innerthessalien und Makedonien ist derartiges jedoch nicht festzustellen .

Previous available abstract.  Next available abstract.

This page is hosted by GeoCities

© International Symposium and author.   Last updated on Monday, March 30, 1998.
Hosted by www.Geocities.ws

1