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In Gedenken an den Genossen Goupil

Ende vergangenen Jahres verstarb der Genosse Andre Claisse (genannt Goupil) nach langer schwerer Krankheit. Goupil wurde am 16 Juli 1918 im 14. Pariser Arrondissement geboren. Er wurde 1933 Mitglied der Gewerkschaft CGT und trat 1934 der Kommunistischen Jugend bei. Später arbeitete er als Eisenbahner. 1940 geriet Andre an der Front in Kriegsgefangenschaft. Er blieb nur drei Monate Kriegsgefangener weil die Deutschen drei Kategorien, die für die Aufrechterhaltung der Wirtschaft wichtig waren, zurückschickten: Postarbeiter, Krankenschwestern und Eisenbahner. Er wurde Aktivist in der trotzkistischen Gruppe „Union Communiste“ um Barta, dem ein gewisses Charisma anhaftete, da er mit dem offiziellen Trotzkismus gebrochen hatte. Die „Union Communiste“ schickte ihn zur politischen Arbeit in die Citroenfabrik wo er mit Flugblättern intervenierte. Goupil wurde im revolutionären Lager besonders für seine Beteiligung am Renaultstreik berühmt, der von der KP zum Vorwand genommen wurde, sich aus der Regierung der Klassenzusammenarbeit zurückzuziehen. Oberflächliche Journalisten und kleine linke Schreiberlinge haben sich bezüglich der Geschichte des Renaultstreiks auf die Rolle Pierre Bois konzentriert. Andre hatten jedoch eine viele klarere Positionen zur Klassenautonomie. Zum Zeitpunkt des Streiks gehörte er nicht zu den eigentlichen Anstiftern und war auch nicht sonderlich enthusiastisch, sich an einem großen Streik in der schwierigen Periode des Wiederaufbaus zu beteiligen. Für eine kurze Zeit wurde er Mitglied des Streikkomitees, welches von einer Handvoll Trotzkisten der Union Communiste geleitet wurde, der er noch angehörte. Aber er stellte seine Aktivitäten in dem Komitee aufgrund von Differenzen über die Richtung, die der Streik nehmen sollte schnell ein. Vor den Fabriktoren von Renault machte er die Bekanntschaft mit zwei Zeitungsverkäufern des Journals Etincelle (der Funke), Marc Chirik und Robert Salama von der kleinen Gruppe “Gauche Communiste de France”, einer der wenigen Gruppen, die während des Krieges eine internationalistische Position eingenommen hatten. In Diskussionen in mehreren Cafes der Umgebung stellte er fest, dass er sich mit diesen Militanten auf derselben Wellenlänge befand. Er unterstütze die zentrale Position dieser beiden Militanten, die Bewegung auszuweiten. Im Unterschied zur ambivalenten Haltung der Trotzkisten gegenüber den sog. “stalinistischen Arbeiterparteien” verstand er, dass es nicht ausreiche, die Proteste auf Streikposten nur vor den Renault-Fabriken zu begrenzen. Die gesamte Arbeiterklasse sah sich mit den Angriffen der Regierung aus Gaullisten und Stalinisten konfrontiert. Diese konnte nur durch einen gemeinsamen Kampf aller Arbeiter zurückgeschlagen werden. Der Streik, der eine Unnachgiebigkeit der Arbeitermassen zu Ausdruck brachte, führte zu Aufregungen in der stalinistischen KP. Sie fürchtete weniger zwei oder drei Ministerposten zu verlieren, als an Einfluss und Kontrolle über die Arbeiterklasse einzubüßen. Goupil blieb während der Streikaktionen in der Minderheit. Er war kein großer Redner. Er musste sich nicht mit direkten Bedrohungen des stalinistischen Apparats auseinandersetzen, der die Entschlossenheit der Arbeiter für Lohnerhöhungen zu kämpfen, weitaus mehr fürchtete als von winzigen und viel härteren revolutionären Gruppen “kopiert” zu werden. Aufgrund der Umstände der Nachkriegsperiode blieb der Streik auf einer rein ökonomischen Ebene auch wenn die Arbeiter bewusst genug waren, die Stalinisten in ihren Ministersesseln lächerlich zu machen. Die Isolation und die Schwäche des Streiks ihn auszuweiten, signalisierte das Ende des Kampfes. In Einklang mit ihrer gewerkschaftlichen Orientierung reduzierte sich die dissidente trotzkistische Minderheit um Pierre Bois darauf, eine neue Gewerkschaft mit dem lächerlichen Namen SDR (Demokratische Gewerkschaft von Renault) zu gründen. Goupil weigerte sich ihr beizutreten, da er die Grenzen vorgeblich radikaler Gewerkschafterei klar erkannte. Die Gewerkschaft SDR führte ein lächerliches Dasein und verschwand nach drei Jahren.

Goupil blieb ein Militant der Gauche Communiste de France bis 1952, als diese politische Minderheit verschwand. (Goupil war gegenüber dem Führer dieser Gruppe, Marc Chrik, sehr kritisch eingestellt, der nach Venezuela auswanderte, um angesichts des Koreakrieges die Ideen der Gruppe zu bewahren.) Trotz der politischen Leere in Frankreich und des Zerfalls der GCF blieb Goupil politisch aktiv.1971 erkrankte er an Krebs und war zum ersten Mal in seinem Leben in seiner militanten Aktivität eingeschränkt. Einige Jahre später war er einigermaßen kuriert und hielt den Kontakt und die Korrespondenz mit seinen Genossen aufrecht.

1990 kontaktierte er die Internationale Kommunistische Strömung und besuchte deren öffentliche Veranstaltungen Er schloss sich 1998 der IKS an, stellte aber schnell fest, dass diese Gruppe sich zu einer Sekte entwickelte. Im Jahr 2000 trat er aus. Er nahm Kontakt zu Battaglia Comunista und dem Internationalen Büro für die revolutionäre Partei auf, und gehörte zu den Gründern der französischen Zeitung des IBRP, Bilan et Perspectives.

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