Keine Toleranz für Nazis! Kein Frieden mit Deutschland!
Nur der
Kampf gegen den Kapitalismus ist wirklicher Kampf gegen den Faschismus!!
Mit den Wahlerfolgen von DVU in Brandenburg und der NPD in
Sachsen vollzog sich das, was bereits im Vorfeld von bürgerlicher Journaille und
allerlei Experten vorausgesagt und zu einem bestimmten Grad auch
herbeigeschrieben wurde: Die DVU schaffte mit einem Zugewinn von 0, 8 Prozent
den Wiedereinzug in den Brandenburger Landtag, während die NPD mit 9.2 %
erstmals seit 1968 wieder in einem Landesparlament vertreten ist. In der
Entwicklung der faschistischen Bewegung in der BRD ist dies eine neue Qualität.
Die in den Medien weitverbreitete Behauptung, dass sich die Nazis mangels
Kompetenz und Sachverstand in ihrer parlamentarischen Arbeit bald ad absurdum
führen werden, ist nicht nur dumm, sondern politisch höchst gefährlich. Sie
abstrahiert von der Tatsache, dass es in etlichen Kommunalparlamenten und
Ausschüssen schon seit Jahren eine gedeihliche „Sachzusammenarbeit“ zwischen
„Demokraten“ und „Rechtsextremen“ gibt. Es ist davon auszugehen, dass die Nazis
sich durch ihren Wahlerfolg politisch wie organisatorisch stärken werden.
Besonders die reichliche Wahlkampfkostenrückerstattung bietet den Nazis die
Möglichkeit ihren Propaganda- und Organisationsapparat enorm aufzustocken. Die
Ankündigung von NPD und DVU, bei den nächsten Wahlen mit einer gemeinsamen Liste
anzutreten, zeugt von einem gewachsenen Selbstvertrauen der Nazis. Selbiges gilt
für die Ankündigung von Aufmärschen durch vorwiegend migrantische Wohnviertel,
die für den Aufbau der Nazis zentral sind, um ihre Anhängerschaft zu sammeln und
zu organisieren und ihnen das Gefühl der Stärke zu vermitteln.
Alles nur Protest?
Allgemein wird nun von den Herrschenden versucht die
Wahlerfolge als Folge der sozialen Proteste gegen Hartz IV hinzustellen. Ein
Blick auf die Wahlergebnisse zeigt, dass die Nazis besonders in ländlichen
Regionen Stimmen gewonnen haben, also gerade da, wo die soziale Protestbewegung
am schwächsten ausgeprägt war. Die Nazis konnten nicht von den Ansätzen der
Antihartzbewegung profitieren, sondern von noch weit verbreiteter Apathie,
Perspektivlosigkeit und Vereinzelung. Das wirksamste Mittel gegen Nazis bleibt
nach wie vor die Entwicklung sozialen und solidarischen Widerstandes von unten.
Die Wahlerfolge für NPD und DVU sind sicherlich Indikatoren für die
Legitimationskrise des politischen Systems. Dennoch greift die gängige
Protestwählerthese als Erklärungsansatz zu kurz. Die Stimmen der Nazis sind
nicht vom Himmel gefallen. Der Erfolg der NPD in Sachsen ist das Ergebnis einer
lange verfolgten Strategie. Es ist ihr gelungen eine Kaderstruktur mit
Masseneinfluss aufzubauen und in einigen Regionen Ostdeutschlands eine
nationalistische Jugend – und Alltagskultur zu etablieren. Eine verhängnisvolle
Entwicklung, die teilweise von Agenten des Verfassungsschutzes aktiv
mitgesteuert, aus den Fleischtöpfen sog. „akzeptierender Jugendsozialarbeit“
staatlicherseits alimentiert und auf der Grundlage eines rassistischen
Grundkonsenses in dieser Gesellschaft auch toleriert wurde. Diesen Prozess als
„Protestwählerverhalten“ abzufrühstücken und im gleichen Atemzug zu
„konstruktivem demokratischen Bürgerverhalten und Toleranz“ aufzurufen, ist mehr
als infam. Allgemein offenbaren die Wahlerfolge von DVU und NPD die
offenkundigen Schwierigkeiten der etablierten Parteien ein rassistisch und
nationalistisch orientiertes und autoritär gestricktes Wählerspektrum zu binden.
In der Vergangenheit wurden derartige Schwarten von den etablierten Parteien
durch Stammtischparolen und rassistische Hetzkampagnen wieder wettgemacht (So
z.B. Die Asylrechtsdiskussion in den 90er Jahren) Es bleibt abzuwarten, welche
Sündenbockkampagnen ihnen in Zukunft einfallen werden. Fest steht momentan nur,
dass die gesellschaftlichen Diskurse zukünftig durch zunehmende politische
Polarisierung und Aggressivität geprägt sein werden. Klar sollte sein, dass es
vor diesem Hintergrund nichts bringt, „antifaschistische“ Kosmetik zu betreiben
oder diese einzufordern. Nach wie vor geht es darum, die Verhältnisse in ihrer
Gesamtheit ins Blickfeld zu bekommen, um gegen sie vorgehen zu können.
Rechts ist die deutsche Mitte
Immer dann, wenn Nazis bei Wahlen punkten können, dürfen jene
bezahlten Gutmenschen nicht fehlen, die sich medienwirksam Sorgen um die
Demokratie machen. Jeder, der als „Demokrat“ etwas auf sich hält, gibt sich nun
„tief betroffen“, ergeht sich in gekünstelten Abgrenzungsritualen und macht sich
selbstverständlich Sorgen um die „Investitionsbereitschaft der Unternehmen“ in
Ostdeutschland. Ihre einhellige Message ist ziemlich simpel: Um zu verhindern,
dass die „Extremisten aller Couleur“ weiter an Boden gewinnen, sollen wir auf
die sachgemäße Umsetzung der „Sozialreformen“ durch die etablierten
demokratischen Parteien vertrauen. Um „geschwundenes Vertauen in die Demokratie“
wiederzugewinnen, wird nun parteiübergreifend „Aufklärung“, „Zivilcourage“ und
Bürgerverantwortung eingefordert. So ziemlich alle Hebel der
Meinungsmacherindustrie werden in Bewegung gesetzt um „dem Volk“ die Beteiligung
am parlamentarischen Spektakel wieder schmackhaft zu machen und die viel
beschworene „Demokratie“ als vermeintlich annehmbarste Form der Ausbeutung und
des Arbeitszwangs zu verkaufen. Besonders penetrante Philanthropen rufen in
diesen Sinne noch lauter nach einer „wählbaren linken Alternative“, was für sie
nicht mehr und nicht weniger bedeutet als auf der Grundlage der politischen
Akzeptanz der kapitalistischen Gesellschaft „Arbeit und soziale Gerechtigkeit“
einzuklagen. Dieser antifaschistische Ruf nach dem Staat, nach Arbeit,
Gemeinschafts- und Gerechtigkeitssinn passt sich hervorragend in die gängigen
nationalistischen Verzichtsdiskurse der Herrschenden ein. Zum Wohle des
Standortes und im Sinne der nationalen Konkurrenzfähigkeit wird nach wie vor
Verzicht, Flexibilität und Leistungsbereitschaft gefordert, bestimmen
Chauvinismus und Rassismus die „öffentliche Meinung“. Während
Bundesinnenminister Schily sich mit der Forderung nach Auffanglagern für
Flüchtlinge in Nordafrika profiliert, ergehen sich die Medien in
kulturalistischen Zuschreibungen und Überlegungen über die
„Mentalitätsstrukturen von Menschen mit islamischem Migrationshintergrund.“
Einhellig macht man sich dabei Sorgen über die „Integrationsfähigkeit unserer
Gesellschaft“, die sich im Endeffekt immer an den Verwertungsinteressen des
Kapitals, bzw. „dem Arbeitskräftebedarfs unserer Volkswirtschaft“ zu orientieren
habe.
Gegen die Nazis – aber nicht nur gegen die!
Die Nazis stehen nicht außerhalb dieser nationalistischen und
autoritären Formierung der bürgerlichen Gesellschaft, sie sind ein integraler
Teil von ihr. Nazis verkörpern weder Protest noch Opposition gegen die
Verhältnisse, sie radikalisieren lediglich die tagtäglich gestreuten Ideologien
und Stammtischparolen der Herrschenden in ihrem Sinne. Nazis sind nicht als der
„Demokratie“ äußerliches Extrem zu bekämpfen, sondern als radikale Protagonisten
bürgerlicher Ideologien und Sichtweisen. Angesichts der gefährlichen Mischung
aus Rassismus, Antisemitismus und sozialer Demagogie, mit der die Nazis auf
Stimmenfang gehen, erweist sich das Gejammer der bürgerlichen Linken über die
Machenschaften „internationaler Konzerne“, des „globalisierten Kapitals“, der
Ruf nach dem Staat und „sicheren Beschäftigungsverhältnissen“ als Schwert aus
Pappe. Unser Problem mit diesen reformistischen Wunschprogrammen ist nicht, dass
sie nicht weit genug gingen, sondern das sie schlicht und einfach kapitalistisch
sind. Eine oberflächliche und verkürzte Kritik der „Globalisierung“ oder des
sog. „Finanzkapitals“ eröffnet immer Freiräume, in denen linke und rechte
Ansätze zugunsten letzterer vermischt werden können:
„Jeder Antikapitalismus, der die unmittelbare Negation des Abstrakten
versucht und das Konkrete verklärt – anstatt praktische und theoretische
Überlegungen darüber anzustellen, was die historische Überwindung von beiden
bedeuten könnte – kann angesichts des Kapitals bestenfalls gesellschaftlich
unwirksam bleiben. Schlimmstenfalls wird es jedoch politisch gefährlich; selbst
dann, wenn die Bedürfnisse, die der Antikapitalismus ausdrückt, als
emanzipatorische interpretiert werden können. Die Linke machte einmal den
Fehler, zu denken, dass sie ein Monopol auf Antikapitalismus hätte oder
umgekehrt, dass alle Formen des Antikapitalismus zumindestens fortschrittlich
seien. Dieser Fehler war verhängnisvoll, nicht zuletzt für die Linke selbst.“
(Moishe Postone: Antisemitismus und Nationalsozialismus)
Antifa bringt nix! Für den Kampf ums Ganze!
Spätestens seit der antifaschistischen Legitimierung des
Jugoslawienkriegs durch die Bundesregierung und des kurze Zeit darauf von
Bundeskanzler Schröder proklamierten Aufstandes der Anständigen hat sich das
„Konzept Antifa“ als einigendes und sammelndes Verbindungselement der radikalen
Linken blamiert. Antifastrukturen und -zusammenhänge sind geschrumpft, zerfallen
oder haben sich in diverse Bestanteile aufgespalten. Die Ideologie des
Antifaschismus und ihr konstitutives Element, die berühmt berüchtigte Logik des
kleineren Übels sind jedoch nach wie vor fest in der „linken Vorstellungswelt“
verankert. Deutlich wird dies nicht zuletzt am notorischen Gezänk zwischen
„Antideutschen“ und Antiimps, einem Streit, bei dem es im wesentlichen um die
korrekte „antifaschistische Positionierung“ in den innerimperialistischen
Auseinandersetzungen geht, was nach unserem Verständnis mit einer linken
Orientierung rein gar nichts zu tun hat. Klar, angesichts der jetzigen
Entwicklung ist es notwendig etwas gegen die Nazis zu unternehmen, ihre
Aufmärsche zu verhindern, und schonungslos gegen rassistische und
nationalistische Argumentationsmuster vorzugehen. Dafür muss man sich jedoch
nicht „antifaschistisch“ in der „Zivilgesellschaft verorten oder sonst wie
positiv auf die bürgerliche Demokratie beziehen. Es fällt uns nicht im Traum ein
mit unserer Kritik an den Verhältnissen hinter dem Berg zu halten, unseren
Frieden mit Stalinisten und Sozialdemokraten zu machen, oder gar die
Staatsfetischisten von Attac als Bündnispartner anzusehen. Wir rufen dazu auf,
eine „antifaschistische Einheit“ zu brechen, die darauf abzielt auf dem
kleinsten gemeinsamen Nenner im extrabreiten Bündnis die bürgerliche Demokratie
zu verteidigen bzw. als annehmbarste Form kapitalistischer Vergesellschaftung zu
verklären. Wir wenden uns nicht nur gegen die Nazis sondern gegen die
gesellschaftlichen Zustände, die sie hervorbringen und stark machen. Unser
Widerstand richtet sich gegen Herrschaftsverhältnisse die tagtäglich Ausbeutung,
Rassismus und Gewalt reproduzieren. Das einzig realistische Minimalprogramm
gegen den Wahnsinn der kapitalistischen Gesellschaft heißt nach wie vor
Kommunismus. Darunter läuft für uns nichts!
Das Vaterland verraten!
Nieder mit dem Lohnsystem!
Für die Staaten- und
klassenlose Gesellschaft!
Gruppe
Internationaler SozialistInnen (September 2004)