| TIEF IM WALDE
�Hier m�chte ich ja nicht tot annen Zaun genagelt sein�, motzte Debbie. �Was zum Teufel ist das?�, schlug Kyla in die gleiche Kerbe. Der Tourbus der Poriomaniacs rollte langsam um das Geb�ude und kam zum Stehen. Bei dem Geb�ude handelte es sich um den Schauplatz des heutigen Konzertes, den Prachtclub Conrad Sohm. Und dessen idyllische Lage, mitten im Wald, ein paar Kilometer au�erhalb des pittoresken St�dtchens Dornbirn, war momentan der Stein poriomanischen Ansto�es. �Was sollen wir denn bitte hier? Das ist ja voll in der Wallachei hier!� Kyla begann, sich ernsthaft zu ereifern. �Vielleicht ein Konzi f�r Waldschrate und Wolpertinger geben - schlie�lich ist heute Halloween?�, spann Debbie den Faden weiter. Zwei w�tende Augenpaare richteten sich auf Tommi, den Tourmanager. �Wenn das drinnen genauso nett ist wie von au�en, spiel ich heut nur Triangel�, schnappte Debbie und h�pfte Richtung Bust�r, um eine erste Ortsbegehung vorzunehmen. Kyla schleuderte noch einen hasserf�llten Blick gen Tommi, der lieber keinen Kommentar abgab, und folgte Debbie wortlos. Mittlerweile hatte Kurti, der Busfahrer, den Kofferraum ge�ffnet und der gr��te Teil von Debbie befand sich in ebendiesem, auf der Suche nach ihrem Trolley. Immer noch in Brast fetzte sie auf den Eingang des Clubs zu, ihr Gep�ck holperte so heftig hinter ihr her, dass die R�der f�rmlich Funken schlugen. Mit Banalit�ten wie Gep�ck-Selber-Reintragen gab sich Kyla gar nicht erst ab, schlug den Mantelkragen hoch und stolzierte hinter Debbie her. Gemeinsam betraten sie den Vorraum - oder den Vorhof zur H�lle? Rechts ein Tapeziertisch, der offensichtlich die Abendkasse darstellen sollte, geradeaus ein hufeisenf�rmiger Bartresen, links daneben die Fl�gelt�r, die in den B�hnenraum f�hrte. Und vor dieser T�r, die Augen bereits leuchtend in freudiger Erwartung, k�hles Bier fest in der Hand: Bruno! �Ohmeingottderschonwieder!�, raunte Debbie. Kyla blieb fast die Spucke weg. �Was macht denn der in �sterreich? Kontrollieren die gar nicht mehr an der Grenze?� �Frach mich nich�, fl�sterte Debbie zur�ck und setzte dann schnell ihr s��estes falsches L�cheln auf. Mit einem fl�chtigen Hi Bruno dr�ngelte sie sich schleunigst an ihrem selbstproklamierten Fan Nummer Eins vorbei. �Hallo, wie geht's euch beiden?�, schmetterte Bruno begeistert. �Frag mich inner Minute nochmal�, grummelte Kyla und quetschte sich hinter Debbie durch die Fl�gelt�r, kurz bevor diese zuschlug. Sofort schimpfte Debbie los wie ein Rohrspatz. �Mir reicht's echt langsam! Egal, wo wir auch auftreten, sogar in fucking Austria mitten im Wald - Bruno ist schon da und steht sabbernd vor der T�r!� Einige der Crewmitglieder, die bereits vor der Band eingetroffen waren, um mit dem Aufbau zu beginnen, blickten leicht erschrocken ob des lauten Ausbruchs von ihrer Arbeit auf. �Und wo sind die fucking Dressing Rooms in diesem Shithole?�, blaffte Debbie in Richtung ihres Gitarrentechnikers Lorzi. Der sagte lieber gleich gar nichts, die Anf�lle seiner Chefin waren ihm ja schlie�lich nichts Neues, sondern deutete nur stumm auf eine T�r rechts neben der B�hne. Im Vorbeilaufen warf Kyla einen fl�chtigen Blick auf die B�hne. �Na toll! Ich hab schon Schulaulas mit gr��eren B�hnen gesehen. Wie sollen wir denn da alle draufpassen?� �Und ich wette, JEDE Schule hat bessere Umkleider�ume als das, was uns dort oben erwartet�, orakelte Debbie, w�hrend sie finster die schmale Steintreppe hinaufsp�hte, die hinter der T�r lag. Die schlimmsten poriomanischen Bef�rchtungen wurden noch �bertroffen: Ein langer, schmaler, flur�hnlicher Raum, an dessen rechter Seite ein B�ffet aufgebaut war und auf dessen linker Seite zwei T�ren zu zwei winzigen R�umen f�hrten, in denen sich au�er je einem Sofa nicht viel mehr befand. Kyla r�mpfte das N�schen. �Supi. Und wo sind hier die Duschen?� �Duschn hamma leida koane do herin�, erschreckte sie eine dr�hnende Stimme mit starker bairischer F�rbung aus dem Hinterhalt. Ein fr�hlicher, leicht bauerntrampeliger Clubmitarbeiter freute sich offensichtlich fast ein Loch in den Bauch, dass er den Poriomaniacs mit dieser tollen Information weiterhelfen konnte. Zumindest strahlte er �ber s�mtliche roten Apfelb�ckchen. �Midm Duschn nachm Konzert miassads dann hoid wartn, bisz wieda im Hodej seids. Aba vorher bleibds hoffendle no a weng zu unsrer z�mpfdigen Halloween Aftershow-Party. Alle meine Spez'n kumma nemle heid omnds.� Er streckte eine seiner Pranken zwecks Handshake aus. �I bin �brigens da Sepp, da Facility Manager.� Beide Porios starrten wie versteinert den Herrn Hausmeister entgeistert an, dann drehten sie sich wie einstudiert gleichzeitig zur T�r um, �ffneten ebenso synchron die M�nder und br�llten durchdringendst im Chor �TOOOMMIIIII!�. Nachdem Tommi ordentlich die Meinung gegeigt worden war - inklusive leerer Drohungen � la Wenn sowas nochmal vorkommt, cancel ich die Tour! (Debbie), Ich spiel heut nur Triangel! (Debbie) und Tommi, passemauff! (Kyla) - besorgte Myra, die immer ruhige und besonnene Leadgitarristin der Poriomaniacs, erstmal eine gro�e Kanne hei�en Tee. Nachdem sie Debbie, Kyla, Stella, der Drummerin, und sich selbst je einen Becher eingegossen hatte, schnappte sich Myra ihren Tee und ging zur T�r. �Alex holt grad meine Gitarren rein, da muss ich dabei sein.� Sprach's und entschwand. Kyla r�hrte Milch in ihr Teechen. �Dass die aber auch immer alle Gitarren mitschleppt, die sie �berhaupt besitzt.� �Wieso? Sind halt ihre Babies�, meinte Debbie. �Na, dass du das verstehst, war mir klar. Du tr�gst ja auch Dutzende Guitars mit dir rum f�r das bisschen Rhythmus, das du spielst�, gab Kyla zur�ck. �Hey!�, verteidigte sich Debbie. �Ich brauch die alle! Und gegen Myra bin ich ja wohl harmlos! Die kauft ja auch noch in jeder Stadt mindestens eine Neue dazu!� W�hrend sie sich ereiferte, zog sie einen eleganten silbernen Flachmann aus der Jackentasche und kippte einen �u�erst gro�z�gigen Schuss einer gr�nen Fl�ssigkeit in ihren Tee. Kyla sch�ttelte sich. �Wie kannst du blo� das Zeug saufen!� Gro� blickte Debbie sie �ber den Rand ihres Teebechers an. �Wieso? Das ist der gute 70%ige. Absinth aus Tschechien - der putzt mir den Rachen durch, da kann ich besser singen!� |