| Syrinx Remix - Side A Mittagshitze, silbern und schwer. Ein Knabe, nein, kein Knabe mehr, doch auch noch kein Mann, schl�ft im Schatten eines Olivenbaums, um ihn ein Gespinst aus Zikadengesang. Neben ihm sitzt eine Nymphe, langgliedrige Tochter des Flusses. Weizenfarben das Haar, das ihr bis auf die H�ften reicht, und ihre Augen sind klar wie die Seen hoch droben in den Bergen. Geistesabwesend f�chelt sie die Fliegen vom Gesicht des J�nglings, h�tet versonnen die Tr�ume des Knaben, dieses pflichtvergessenen H�ters der Schafe, die h�gelabw�rts sich ducken unter einer breitkronigen Pinie. Vereinzeltes, schl�friges Bl�ken der Tiere, das tr�ge Murmeln des Stromes unten im Tal. Sanft h�llt die mitt�gliche Stunde sie ein mit traumschwerem Gesang. So sehen sie ihn nicht kommen, ihn, den F�rst dieser blau-silbernen Stunde, der im glei�enden Licht �ber die Berggipfel schreitet, die Sonne im Nacken. Ein Lied bl�st er auf der Fl�te und klar sinken die T�ne hernieder auf H�gel und Tal. Ein m�chtiger Zauber liegt in den uralten Weisen. Sogleich f�llt sein Blick auf die Schl�fer, verweilt auf den geschwungenen Lippen des J�nglings, seinen dunklen Locken. Und genau da, in just diesem Augenblick, schwirrt ein Pfeil durch die Luft, unsichtbar, doch gleicherma�en unfehlbar, gelenkt von sicherer Hand, auf Gehei� der launenhaften G�ttin. Und eh er sich's versieht, ergreift sehnliches Verlangen den Wanderer, heftiger als je er's gekannt. Er kniet nieder und beugt sich �ber den Schl�fer. "Mein sollst sein, schon bald. Doch nicht mit Gewalt - mit List will ich Dich gewinnen, und lockender Z�rtlichkeit." Sanft streift sein Finger die Lippen des Knaben. Er fragt sich, ob diese von K�ssen schon wissen, die anders sind als die von Mutter und Amme. �ber Jochbein und Brust gleitet die Hand und unter schwieligen Finderkuppen teilt sich der feingewebte Chiton. Von fern h�rt man das Bellen der Hunde, der Wanderer schreckt auf. Zu m�chtig der Ruf, st�rker noch als sein Verlangen. Denn schon beginnt die Sonne zu sinken. Eilig schn�rt er den G�rtel und wendet sich schnell zum Gehen. "Morgen kehre ich zur�ck. Und dann werde bei Dir bleiben." Der J�ngling seufzt auf im Traum als ein Ku� seine Lippen ber�hrt, hei�-gl�hender Vorgeschmack auf k�nftige Liebkosungen. Die Sonne steht bereits tief, als der Knabe endlich erwacht. L�ngst ist die Nymphe dahin, verschwunden in tieferen T�lern und k�hleren Fluten. Nur ein blau-goldenes Echo schwebt noch im Dunst �ber den H�geln, von fernen Fl�tenkl�ngen und fl�chtigem Hundegebell. Verwirrt sind die Sinne des Knaben, vorsichtig-z�gernd ber�hrt er seine Lippen. Da ist etwas, ein unbekannter, unerkl�rlicher Geschmack, s�� und salzig zugleich, von dem er, das wei� er sogleich, nie genug bekommen wird. Gedankenverloren erhebt sich der J�ngling schlie�lich und treibt seine Herde zusammen. Immer wieder blickt er zur�ck, als er langsam seine Schritte zu den hohen Mauern hin lenkt. Ein Geheimnis scheint im Schatten der Olivenb�ume verborgen, dunkel und k�stlich. Doch was k�nnte das sein? Er wei� es nicht zu sagen. Des Nachts findet sich der J�ngling bei den Kammern der M�gde ein. Freudig �berrascht, unter aufgeregtem Geplapper und Gefl�ster �ffnen sie ihm die T�ren. Heimlichkeiten und verstohlenes Lachen im Schein der Fackeln, schnell fallende Gew�nder. Weich und warm ist ihre Haut, doch ihre Lippen schmecken so anders. Da ist kein Geheimnis, kein Versprechen auf verf�hrerisch s��-herbe Fr�chte. Schon bald verl��t er die M�dchen und steigt statt dessen hinauf auf die einsamen Mauern. Aus der Tiefe des blau-schwarzen Firmaments leuchten die Sterne. Schwer ist ihm das Herz und er wei� nicht warum. Am n�chsten Tag wiederholt sich das Schauspiel. Leise rauscht der Wind in den Olivenb�umen und milde versinkt der Mittag im silbrigen Dunst. Schon bald schl�ft der Knabe ein, und nur seine Herde ist um ihn. Dieses Mal wacht keine Nymphe an seiner Seite. Unmi�verst�ndlich klang die Warnung bis in ihre Tr�ume: "Scher dich von dannen, nutzloses Gesch�pf. Schlecht soll's Dir ergehen, treffe ich Dich morgen wieder hier an." Nur zu gut wei� sie von Mutter und Schwestern, von den dunklen Malen auf deren Schultern und Handgelenken, da� man sich nicht ungestraft dem Herrn �ber Felder und Fluren widersetzt. Schon h�rt man eilige Schritte und das Bellen der Hunde und da ist er auch schon, der wandernde Fl�tenspieler, im Laufschritt ist er �ber H�gel und T�ler geeilt. Atemlos sinkt er nun nieder neben dem lockigen Knaben. Hei� und feurig sind die K�sse auch dieses Mal, ungeduldige, gierige H�nde entbl��en den J�ngling im Nu. Der Knabe st�hnt, schwer sind seine Lider. Er m�chte erwachen, doch wie von Zauber gebannt, gelingt es ihm nicht. Gleichzeitig dr�ngt er sich immer n�her heran, windet sich unter den zupackenden Griffen, die ihn umfassen, ihn liebkosen, ihn zu melken beginnen, so s��, da� er meint, er m��te vergehen. Der J�ngling gr�bt seine N�gel in die breiten Schultern, sucht Halt an den sehnigen Armen, denn es ist ihm, als w�rde er fallen, tiefer und immer tiefer. J�h schreit er auf, als er sich hei� ergie�t �ber Schenkel und Bauch. Der Mann mit den meergrauen Augen l�chelt und leckt sich die Lippen, leckt die salzigen Spuren aus dem Bauchnabel, leckt die dunklen, kreisrunden Nippel w�hrend er seine Finger in die dickfl�ssige Feuchte taucht. Doch gerade als er den J�ngling an seiner geheimsten Stelle liebkost, ihn mit kundigen Fingern dehnt und weitet, ert�nt wieder der Ruf. Wie gerne w�rde er den Knaben jetzt nehmen, wieder und wieder in ihn dringen und sich ganz und gar in ihm verlieren. Aber auch dieses Mal kommt es nicht so weit. Verzweifelt blickt er zum Himmel. "Warum machst Du mir dieses k�stliche Geschenk, Herrin, um es mir Mal um Mal zu versagen?" "Morgen, morgen," singt der Wind. Und so eilt der Wanderer erneut von dannen. Dieses Mal ist es fast schon dunkel als der Knabe erwacht. Verwundert blickt er an sich herab, ber�hrt mit zitternden Fingern seinen K�rper, der immer noch gl�ht, als habe er zu lange in der Sonne gelegen. Feurige Male scheinen auf seiner Haut zu brennen, unsichtbare Zeichen, die er nicht zu entr�tseln vermag. Auf dem Heimweg macht er halt, er taucht seine H�nde in den Flu� und benetzt seine Stirn. "Was geschieht mit mir? Sagt es mir, meine Teuren." Stumm blicken die Nymphen ihn an und sch�tteln den Kopf. "Was sollen wir Dir sagen, Syrinx, Sohn unserer Mutter Schwester. Das Wasser ist tr�be und wir waren nicht bei Dir, dort droben in den H�geln." Ratlos zieht der J�ngling heimw�rts. Die Fackeln brennen bereits und es ist k�hl im Schatten der hohen Mauern. Der Junge blickt in das Feuer und sein Herz pocht wild, voll Sehnsucht und ungestilltem Verlangen. Als die M�gde den J�ngling nachts Einla� gew�hren, merken sie schnell, er ist nicht mehr der, der er einst war. Doch aller Ungest�m und unerm�dliches Dr�ngen sind nur Schein. In Gedanken ist er woanders, nicht auf diesem Lager, nicht in dieser Kammer, sondern drau�en vor den Toren, in den Bergen. Dort wo die Erde noch warm ist von der Glut des Tages und wo selbst nachts ein s��er Duft von Kr�utern und Gr�sern die Luft erf�llt. Und w�hrend er zwischen den Schenkeln der M�dchen liegt, die dunkel�ugig sind, so wie er selbst, und deren Haut golden, ganz wie die seine, fragt er sich, wie es im Gegenzug wohl sein mag, ge�ffnet zu werden und zu empfangen. Nach einer langen und schlaflosen Nacht bricht endlich der Tag an. Und trotz wiederholter Mahnungen des Vaters, dies niedrige Amt sei seines Sohnes nicht w�rdig, macht sich der J�ngling wieder auf in die Berge. Und alles ist wieder wie an den Tagen zuvor. Voll Verlangen umarmen sich die beiden und, wie beim ersten Mal, meint der J�ngling er k�nne vergehen, so gro�e Lust bereiten im Lippen und Zunge und H�nde des anderen. Doch da geschieht etwas Unerwartetes. Gerade als der Knabe vor ihm liegt, halb benommen von gerade vergossener Wonne, gerade als der Wanderer langsam die Schenkel des Jungen teilt und ihn zu sich heranzieht, da bricht der Zauber. Und der Knabe �ffnet die Augen. Dem Fremden stockt der Atem. Welch dunkelschwarzes Begehren wohnt in diesem Blick. Um wie viel sch�ner, um wieviel unvergleichlicher ist so der Knabe. Nichts w�nscht er sich mehr, als da� dieser Blick so auf ihm ruht und ihn nicht mehr verl��t, wenn er endlich den langersehnten ersten Sto� tut. Bezaubert ist er nun, der zauberkundige Herrscher der W�lder. Wie benommen nimmt er wahr, wie die kastaniendunklen Augen des Jungen sich weiten, fast schwarz sind sie nun, doch nicht mehr vor Verlangen, nichts als blankes Entsetzen spricht aus dem sch�nen Gesicht. Denn das erste was der Junge seinerseits erblickt, sind die grau-gr�nen Augen, voller Sehnsucht und Wildheit, und hei� z�ngelt die Lust wieder in ihm empor. Doch was ist das? Zwischen den rotblonden Str�hnen recken sich krumme Bocksh�rner �ber der Stirn des Fremden! Weiter nach unten gleitet der Blick des Jungen, �ber dicht behaarte Arme und Brust zum steil aufgerichtetem Glied des Fremden, das sich dunkel aus schwarzem Haar erhebt, so nah dem Ziel ihrer beider W�nsche, und schon gl�nzt ein milchiger Tropfen auf der Spitze. Der Junge seufzt auf, fast gegen seinen Willen �ffnen sich seine Schenkel. Doch, nein! Da sieht er den Schwanz, der sich schnell durch die Luft und um die H�ften des anderen Mannes schwingt. Doch ist dies �berhaupt ein Mann? Die kraftvollen Schenkel enden nicht in f�nfzehigen F��en, sondern in Hufen, denen eines Schafsbocks gleich. "Nein! Nein! Ein Ungeheuer!" ruft der J�ngling voller Entsetzen und schon springt er auf. Zu gefangen ist der Hirtengott vom Anblick des Knaben, zu �berrascht �ber die pl�tzliche Zur�ckweisung, ein schneller, wohl plazierter Schlag gegen die breite Brust, da� er vers�umt, den J�ngling festzuhalten. Aufzuhalten. In wilder Flucht, wie von den Racheg�ttinnen selbst verfolgt, l�uft der Junge hinunter zum Flu�. "Helft mir! So helft mir doch, Ihr Nereiden!" Schnell hat er das schilfreiche Ufer erreicht und schon benetzen die Wellen seine nackten Sohlen. Dicht dahinter ist Pan, denn kein anderer als er ist es, Herr �ber Begierde und Wahnsinn, der nun selbst fast wahnsinnig ist vor Entt�uschung und Wut. Im Nu hat er den Knaben eingeholt, schon umschlingt er ihn von hinten und will ihn endlich nehmen, denn viel zu lange hat er schon gewartet. Er ist halb rasend vor unerf�lltem Verlangen. Der Knabe st�hnt auf vor Schmerz. "Was geschieht mit mir? Nein, nein!" Verzweifelt blickt der J�ngling auf seine H�nde, die sich pl�tzlich zu wandeln beginnen und zu langen, schlanken Halmen werden. Und nicht genug, Arme, Beine, der Rumpf und all das, was weiche Haut und Fleisch einst war, verwandelt sich in biegsames, festes Ried. Als letztes erfa�t die wundersame und schreckliche Verwandlung das Gesicht des J�nglings, vor Schreck geweitet sind seine dunklen, dunklen Augen und der Mund ge�ffnet zu einem tonlosen Schrei. Da ist es auch schon geschehen. Der Knabe ist nicht mehr. Der geh�rnte Gott sinkt zwischen den Schilfgr�sern dahin, die sich im Winde biegen, und Tr�nen str�men �ber sein Gesicht. "Warum habt Ihr das getan, Ihr � Ihr raches�chtigen Gesch�pfe, Ihr falsch verstandenen W�chter von Tugend und Keuschheit. Um Eure Tugend wird�s von nun an schlecht bestellt sein." Und so kommt es auch. Von nun an verfolgt Pan die T�chter des Nereus ohne Erbarmen. Und um so lauter sie schreien und um so heftiger sie sich wehren, um so besser gef�llt es ihm. Doch nicht allein deswegen schw�ngert er sie immer wieder und immer gegen ihren Willen. Ihre und des Syrinx Mutter waren Schwestern gewesen, und so hofft er, ganz gegen jede Vernunft, das einer der vielen Bastarde so sein w�rde wie einst der geliebte Knabe, mit einem Haupt voll dunkler Locken und Augen, aus denen Begehren und Leid der ganzen Welt sprach. Doch alle Kinder waren weizenblond und von heller Haut, ganz wie ihre M�tter. So gab er es schlie�lich auf, zumal Aphrodite selbst, die doch an allem schuld gewesen war, unter Androhung schlimmster Strafen seinem Treiben endlich Einhalt gebot. Das Einzige was Pan fortan blieb, war die Fl�te, die er sich aus dem Schilfgras am Flu� gefertigt hatte. Und immer wenn er �ber die Berge schritt, h�rte man sein sehnsuchtsvolles Lied. Bald klang diese Weise von immer weiter und verlor sich schlie�lich ganz im Dunst der H�gel und im Lauf der Zeit. Doch heute noch hei�t die Fl�te so, wie einst jener ungl�ckselige Knabe, Syrinx. |
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