
Wie lange habt ihr an eurem Album gearbeitet?
Scott: Willst du die Wahrheit? Wir haben eigentlich im
September 2000 angefangen. Aber bis März hatten wir nur vier Lieder. Der
Hauptteil ist innerhalb von zwei März-Wochen entstanden.
Ali: Aber das waren auch nur die Aufnahmen.
Wie schreibt ihr eigentlich eure Texte? Habt ihr da
vorher Konzepte?
Ali: Ich glaube, wenn man seine Debüt-LP macht, hat man
gewisse Dinge, die man schon immer machen wollte - man kann auf verschiedene
Dinge zurückgreifen. Viele Sachen waren uns vorher klar, viele sind während
des Album-Prozesses entstanden. Grundsätzlich zum Texteschreiben: Es ist so,
dass wir von Iman einen Beat bekommen und versuchen, die Stimmung des Beats
aufzugreifen. Ich weiß, das hat man auch schon tausendmal gehört, aber es ist
bei mir wirklich so, dass ich die Gefühle erst richtig im Text weiterzutragen
versuche.
Das Album ist ja auch sehr gefühlvoll. Eine Hook
hat zum Beispiel Patrice gesungen. Da ist noch eine andere gesungene Hook
drauf...
Ali: Das ist "Dreams" von Kevin Iszard
aus Carolina, der seit ein paar Monaten in Frankfurt lebt.
Ist es, was die Aufmerksamkeit angeht, in Deutschland
momentan nicht schwer, englischsprachigen HipHop zu machen?
Ali: Selbstverständlich. Da brauchen wir gar nicht drüber
diskutieren. Wir haben halt am Anfang diesen Weg gewählt, und mir hat sich nie
die Frage gestellt, ob ich umswitchen soll, weil ich mich einfach auch immer
noch nicht mit der deutschen Sprache identifizieren kann. Natürlich ist es
schwer. Es ist auch für unser Label schwer. Die sind sehr commitet. Es ist ja
auch alles sehr aufwendig, was wir da gemacht haben. Aber wenn man weiß, dass
jemand an einen glaubt, ist es ja auch schon wieder einfacher. Auf der anderen
Seite ist der Vorteil, dass man vom Ausland Feedback bekommt. Leute aus den
Staaten oder aus Japan sagen: "Das ist gut!". Und da gleicht es sich
ein wenig aus.
Das ist natürlich ein Vorteil, den man als deutscher MC
nicht hat.
Ali: Ganz genau.
Was habt ihr denn an internationalen Kontakten? Und wie
war das Feedback?
Ali: Bis jetzt war es eigentlich ziemlich gut. Bei der
ersten Maxi "Mind, Body and Soul" war es ziemlich gut, bei "State
of the Art" war es richtig groß. Wenn du x-tausend Platten verkauft hast
und dann erfährst, dass du ein Drittel hier verkauft hast und ein Drittel ganz
woanders, dann ist das schon gut. Wir kriegen auch ab und zu mal E-Mails von
hier und dort. Beim Album bin ich selbst gespannt, wie es ankommt, weil du eine
Gruppe auch nicht unbedingt nach Maxis beurteilen kannst. Das ist nicht repräsentativ
für die Gesamtstimmung, das Gesamtwerk. Nach einem Album hast du eine
Geschichte zu erzählen. Da schaut das dann ein wenig anders aus.
rap.de: Ihr macht wahrscheinlich Musik auch seit
den Teenie-Jahren. Was ist das für eine Erfahrung, sein erstes Album zu machen?
Ist es im Grunde das Gleiche, was man immer gemacht hat: Texte schreiben und
Tracks machen, oder ist es doch was anderes, weil man sich sagt: O.K., in neun
Monaten hauen wir fünfzehn Tracks zusammen und arbeiten konzentriert an einem
Stück durch.
Ali: Man denkt, dass man keine Probleme hat, sobald man
einen Plattenvertrag unterschrieben hat. Man denkt als Künstler, ab dem Trag
sei alles rosig. Die Realität ist einfach, dass, sobald du einen Plattenvertrag
unterschrieben hast, die Probleme erst anfangen. Gar nicht mal negativ: Ich hab´
seit ´89 Musik gemacht und hab´ auch immer das Glück gehabt, dass ich von
Anfang an ins Studio gehen konnte und richtig Lieder machen konnte. Das Glück
haben nicht sehr viele. Viele schreiben und schreiben, und irgendwann finden sie
dann einen Produzenten, der das für sie macht. Bei mir war das so, dass ich von
Anfang an mitbekommen habe, wie man Lieder macht. Aber das, was wir in den
letzten Jahren von der politischen Vielfältigkeit des ganzen Geschäftes
mitbekommen haben, hat alles übertroffen: Es geht nicht mehr nur um deine
Musik. Obwohl wir mit Showdown wirklich definitiv die coolsten Leute haben, die
es gibt - ich bezeichne die nicht als mein Label, sondern schon als meine
Freunde, ich hab wirklich eine persönliche Beziehung zu den Jungs. Und das ist
auch gut so. Aber trotzdem gibt es tausend andere Sachen drum herum, wo du enttäuscht
wirst. Wo das, worum es wirklich geht: nämlich, dass wir eine Kultur haben,
dass es eine Lebensform ist und dass es nicht nur um die Musik geht, sondern
dass sehr viel mehr damit verbunden ist - solche Gedankengänge werden in der
Industrie, bei den Ausmaßen, die HipHop heute hat, nicht mehr realisiert.
Was ist euch denn wichtig? Ich meine jetzt nicht ein Thema
oder so, sondern: Was ist das, was Square One ausmacht?
Ali: Musik. Dass wir Musik machen, Musik lieben, leben und
dass es primär nicht um HipHop geht, sondern, dass wir Musik wirklich leben.
Und wir machen das. Wenn man das Album von uns hört, dann machen wir Musik. Es
gibt tausend Themen, die wir da aufgegriffen haben, und ich glaube auch tausend
wichtige Themen, aber letztlich ist das HipHop-Musik, was wir machen;
unterhaltende HipHop-Musik.
Ihr habt ja gerade erzählt, dass viele Leute denken, wenn
man einen Plattenvertrag hätte, hörten die Probleme auf, man hat endlich Geld.
Wie kann man sich denn euer Leben momentan vorstellen?
Ali: Also, ich arbeite nicht mehr. Ich habe bis Ende März
noch gearbeitet. Ich hab´ in einem Buchladen gearbeitet, was sehr gut war. Aber
es hat sich nicht mehr arrangieren lassen. Wir mussten nach New York, mastern,
die ganzen Auftritte, was ja auch wichtig ist. Ich komm' zurecht. Ich hab eine
Frau zuhause, ich muss zurecht kommen. Aber wenn ich das Gefühl hab´, ich muss
wieder arbeiten, weil es kurz und knapp wird, dann mach ich das auch gern. Ich
hab' kein Problem, zu arbeiten. Wo ich die letzten zwei Jahre richtig gearbeitet
hab, gab es mir auch einen Ausgleich. Für mich ist das cool. Iman und Eddie
arbeiten aber noch.
Scott: Ich arbeite auch nicht mehr. Es ist zu hart.
Wollen wir hoffen, dass den Jungs ein wenig Erfolg vergönnt ist und sie lange und kräftig ihre Musik produzieren können. Live long and prosper, square!
P.S.: Wer die Musik der Achtziger kennt, weiß übrigens, dass die Rockband Dire Straits auch ein Album veröffentlichte, das "Walk of Life" hieß, was an sich noch nicht wirklich erwähnenswert ist, aber ergänzt durch die Tatsache, dass Kollege Huey Lewis einen Hit hatte, der "Hip to be Square" hieß, wird doch ein Flash draus. In dem Sinne: Es lebe die Musik!