INTERVIEW: BLIGG "NORMAL"

Es gibt sicher Solche die denken wir verdienen uns jetzt eine goldene Nase weil ich einen Major-Vertrag habe. Das ist aber völlig falsch. Wir haben durch das Major zum Beispiel die Möglichkeit gehabt mit Live-Musikern im Studio zusammen zu arbeiten was früher nicht der Fall war weil Zeit und Geld fehlte. Durch solche Sachen kann man auch die Qualität und das Level der Musik selbst steigern und um das ist es mir auch gegangen.

Dein neues Solo Album trägt den Titel „Normal“. Erklär uns was dein Album von einem „normalen“ Album unterscheidet und zu etwas speziellem macht.
Da gibt verschiedene Punkte. Musikalisch geht es sicher ehr in eine bisschen moderne Richtung und unterscheidet sich klar vom HipHop wie er in letzter Zeit in der Schweiz zu hören war. Vom Textlichen gesehen hat es sicher Storys auf dem Album die im Rap-Bereich neu sind. Für mich persönlich kommt es als „Gesamtes“ anders daher als andere Sachen die bis anhin im Umlauf waren.

Man kennt dich hauptsächlich aus dem Duo Bligg'n'Lexx. In der Vergangenheit gab es vereinzelte Trennungsgerüchte, dann sah man Lexx und dich trotzdem wieder gemeinsam auf der Bühne. Was ist an dem Gerücht wahr und wie ist es zu deinem Solo-Projekt gekommen?
Also „sheanz ma saiz“-mässig sind Gerüchte ja sehr verbreitet. Das „Bligg'n'Lexx“-Projekt ist momentan einfach mal auf Eis gelegt. Wir hatten damals die „Schnitzeljagd“-Maxi und das „Nahdisnah“-Album gemacht und ob es jemals wieder etwas gemeinsames geben wird steht noch in den Sternen. Zur Zeit arbeiten wir Beide an unseren eigenen Sachen. Das hat sich einfach so ergeben. Während der „Bligg'n'Lexx“-Zeit hatten wir unheimlichen Stress weil wir beide parallel noch arbeiteten, am Weekend auf der Bühne standen etc. Irgendwann brauchten wir Beide eine Pause um Abstand davon zu nehmen. Lexx ging für eine längere Zeit in die Ferien. Ich kam früher retour und konnte nicht einfach herum sitzen und nichts machen. Ich habe Angefangen meine eigenen Tracks zu schreiben und plötzlich waren es so viele das ich mir ernsthaft überlegen musste ob ich nicht besser ein Solo Album mache will. Wir sind allerdings immer noch „ei Familiä“, Lexx wird auf der Tour an einigen Konzerten mit dabei sein und er hat auf dem Album einigen Sachen produziert und auch textlich etwas beigetragen.

Auf deinem Album gibt es einiges was man in dieser Art noch nie gehört hat. So zum Beispiel das internationale Top-Featuring mit Tha Liks, der gemeinsame Track mit Emel oder das erste Featuring mit einem Welschen-Act (Double Pact). Was waren die Ideen dahinter?
Bis zum Zeitpunkt von Bligg'n'Lexx spielte sich alles in einem relativ minimierten Rahmen ab. Klar war das man Leute wie einen Spoo, Gleis Zwei natürlich mit supportet hat. Für mich war wichtig ein Album auf die Beine zu stellen das anders daher kommt als das was man bis jetzt gehört hat. Zum einen hätte ich es cool gefunden etwas mit einem grösseren Act zu machen. Nicht um nachher mehr Platten verkaufen zu können. Es ging mir mehr um den kulturellen Austausch und auch darum zu zeigen das es in der Schweiz MCs gibt die im internationalen Vergleich mithalten können. Es ist fett das es geklappt hat und ich hatte Glück aber so wichtig wäre mir das nicht gewesen. Dann wollte ich etwas neues ausprobieren mit einer Frau welche in diesem Fall jetzt Emel ist und zu letzt wollte ich auch noch jemanden unbekannten supporten. Ivy singt bei einem Track den Refrain und hat bei einigen anderen Stücken im Background mitgewirkt

Wie ist es zu diesen Tracks gekommen? Wie ist der Kontakt zu diesen Acts entstanden?
Es gibt sicher viele Leute die nun sagen: „Bligg ist nun auf Universal da kann man sich so Sachen wie Featuring mit Emel oder Tha Liks leisten.“ Das Stimmt allerdings nicht. Bevor ich wusste das ich mein Album über Universal veröffentlichen wird, hat M.A.R.C. bereits das mit den Alkaholiks geplant. Wir wussten das sie für ein Konzert in die Schweiz kommen werden und anschliessend noch für vier Tage hier bleiben. Wir schrieben also ein Email und fragten ob sie Interessen hätten vielleicht gemeinsam in ein Studio zu chillen während ihrem Aufenthalt. Gleich am nächsten Tag kam eine positive Antwort zurück. Sie sagten noch nicht definitiv zu aber das Interesse war immerhin schon mal vorhanden. Wir trafen uns dann und ich zeigte ihnen den Beat welcher Dimos in kürzester Zeit klar gemacht hat. Sie fanden den Beat cool und man ging auf das Hotelzimmer und veranstaltete da eine Freestyle-Session. Ich kickte meine Freestyles wie immer auf „Züri-Dütsch“ und Tha Liks fanden das sichtlich fett. Am nächsten Tag ging man ins Studio, schrieb zusammen die Reims und nahm alles auf. Die Stimmung stimmte einfach und ich merkte bei den Aufnahmen auch das Tha Liks mit Herz dabei waren. Wäre das nicht so gewesen hätte ich alles wieder abgeblasen.
Ähnlich war es eigentlich mit Emel. Ich hatte schon gewisse Ideen wie der Song etwa tönen sollte. Ich habe mir überlegt welche Frau sich zu so etwas eignen würde hier in der Schweiz. Zuerst dachte an Deborah von Sens Unik wobei mir klar war das sie es nicht auf „Züri-Dütsch“ machen kann. Ich erinnerte mich dann wieder an Emel welche bereits einige Solo Sachen in English gemacht hat und auch schon mit Moses P. zusammen gearbeitet hat. Als es darum ging welcher Song als Single in die Läden kommen soll, war für mich klar das es dieser Song sein muss.
Ich will nicht das die Leute glauben ich hätte irgendwie eine Strategie beabsichtigt und mein Album dann danach aufgebaut. Klar ist es mein Solo Album aber schlussendlich haben doch extrem viele Leute dazu beigetragen das es so gekommen ist. Sei das nun M.A.R.C. von Dialog Records oder Dan der es abgemischt hat. Es ist wie eine Arche Noah auf welche ich all meine Leute drauf gepackt habe.
Ach ja, und noch zum Track mit Double Pact. Für mich kommt es absolut nicht darauf an woher jemand kommt und welche Sprache er spricht. Wenn ich merke das die Flows und Skills vorhanden sind dann gibt es weder Landes- oder sonstige Grenzen. Ich persönlich finde Stress einer der besten MCs in der Schweiz. Wir hatten bereits früher mal einen Track mit ihnen aufgenommen welcher dann nie veröffentlichte wurde weil wir alle nicht so zufrieden damit waren und nun haben wir die Chance gepackt und für mein Album ein Track gemacht.

Nach welchen Kriterien hast du deine Beats ausgesucht und mit welchen Produzenten hast du zusammengearbeitet?
Mir war wichtig das ich mit Leuten zusammenarbeite die ich kannte und mit welchen ich auch bereits schon Sachen gemacht habe. Es sind auch noch einige neue dazugekommen wie Beispielsweise Ivan von Double Pact. Ich wollte verschiedene Produzenten mit verschiedenen Styles um das Album möglichst vielfältig zu machen. Lexx hat Beats produziert, M.A.R.C. hat Beats gemacht und auch Pete Pennicka. Das ist das normale „Bligg'n'Lexx“-Umfeld. Ivan produziert geile Sachen nach meinem Geschmack. Von ihm habe ich drei Beats. Mit Dimos habe ich auch schon früher zusammen gearbeitet und wir sind musikalisch auf einer ähnlichen Ebene so das es mit ihm immer cool ist etwas zu machen.
Das wirkliche Kriterium schlussendlich bei den Beats war aber immer mein Geschmack und teilweise hatte ich auch schon Vorstellungen von einzelnen Songs.

Die HipHop-Szene in der Schweiz erlebt momentan einen kleinen Boom. Es erscheinen innerhalb von zwei Monaten ca. fünf Alben, täglich laufen die Videos auf Viva Swizz und für dein Album gab es zum erstenmal Snippet-Tapes. Entsteht für dich dadurch auch ein kleiner Druck das nun mehr Einheiten verkauft werden müssen als früher?
Als wir das Projekt mit Bligg'n'Lexx gemacht haben war es halt wirklich so das wir am Weekend bis zu zwei Konzerte hatten. Während der Woche waren wir am arbeiten und am Abend gingen wir noch irgendwie unsere Flyer verteilen und Plakate aufhängen. Wenn du dich aber voll auf den musikalischen Bereich konzentrieren willst, und das war mir persönlich das Wichtigste, dann ist es das Beste wenn du Leute hast welche die Promoarbeit für dich erledigen und dir solche Sachen wie die Snippet-Tapes ermöglich. Deshalb habe ich mich auch für den Schritt zu Universal entschieden.
Es gibt sicher Solche die denken wir verdienen uns jetzt eine goldene Nase weil ich einen Major-Vertrag habe. Das ist aber völlig falsch. Wir haben durch das Major zum Beispiel die Möglichkeit gehabt mit Live-Musikern im Studio zusammen zu arbeiten was früher nicht der Fall war weil Zeit und Geld fehlte. Durch solche Sachen kann man auch die Qualität und das Level der Musik selbst steigern und um das ist es mir auch gegangen.
Es gibt auch Leute die zu mir kommen und sagen „Bligg, wenn du es nicht schaffst dann schafft es niemand“. Ich frage mich dann einfach was ist die Definition von „Schaffen“. Ich für mich habe es „geschafft“ ein Album auf die Beine zu stellen das meinen Vorstellungen entspricht und hinter dem ich hundertprozentig stehen kann. Wenn es klappt und das Album von einer breiteren Masse gehört wird freu ich mich natürlich aber eigentlich bin ich nicht mehr als ein Typ der einfach sein Ding durchgezogen hat wie jeder andere auch.
Das Label steht absolut hinter mit und meinem Sound und ich kann nach wie vor das machen was ich will. Ich denke der ganze „Hype“ um diese Major-Deals wird hauptsächlich von den Leuten gemacht. Für uns war es einfach eine Entwicklung die sich so ergeben hat. Wir arbeiten immer noch mit den gleichen Personen wie zu „Bligg'n'Lexx“-Zeiten und zusammen mit den Major sind wir ein gutes Team.

Erzähl uns doch etwas von „Rashpall da Süessholzfella“ und deiner Pupe die immer wieder auftaucht.
„Rasphall“ ist ein Fabelwesen aus unserem Umfeld und ist ganz einfach eine durchgeknallte Begleitung auf meinem Snippet-Tape welches er moderiert. Er versucht die richtige Frequenz zu finden um den Bligg-Shit an die Leute zu bringen. Ansonsten existiert der Type eigentlich nicht. Auch auf dem Album ist er nicht mit dabei. Die Puppe ist einfach mein Logo.

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