Parteiaufbau-Erfahrungen in �sterreich 2002-2007:
Fortschritte, Herausforderungen, Schwierigkeiten

(18.3.08)

Im Folgenden geht es um die Einsch�tzung unserer Parteiaufbau-Arbeit in den letzten Jahren, genau genommen seit der Gr�ndung der Revolution�ren Plattform. Wir setzten uns damals den Zusammenschluss aller revolution�r kommunistischen Kr�fte in �sterreich als Ziel. F�r uns war von vornherein klar, dass die n�chsten Jahre sehr schwierig sein w�rden, weil wir den Zusammenschluss aus einer sehr schwachen Position heraus anstrebten (und ein Teil der damaligen Organisation lehnte � ebenso wie die MLP� � den Zusammenschluss in dieser konkreten Situation �berhaupt ab).
Die vergangenen Jahre haben praktisch gezeigt, dass auch die vorsichtigen Hoffnungen und Erwartungen in den Bereichen nicht erf�llt wurden, wo es wirklich um den Zusammenschluss ging. Wir haben in diesen Jahren unsere Organisationst�tigkeit auf mehrere Bundesl�nder ausgedehnt, internationale Kontakte hergestellt, unsere programmatischen Grundlagen sowie Positionen zu wichtigen politischen Fragen ausgearbeitet usw. Aber die organisatorische B�ndelung der Kr�fte konnte nicht auf eine qualitativ h�here Stufe des Parteiaufbaus gehoben werden. Es war kein Zusammenschluss von drei Organisationen auf der gleichen Entwicklungsstufe und wir haben uns allzu leichtfertig �ber das Problem hinweggesetzt, dass es in mehreren Fragen nur oberfl�chliche �bereinstimmung gab. Auch nach dem Zusammenschluss wurde kein entwickelter Linienkampf gef�hrt. Stattdessen wurden bei der Formulierung von Positionen immer wieder zur�ckweichlerische Kompromisse beschlossen - aus dem einzigen Grund, das Zusammenwachsen nicht zu gef�hrden. Das war eine Illusion. Die seit �ber einem halben Jahrhundert akkumulierten theoretischen Defizite k�nnen nicht einfach ignoriert oder �bergangen werden. Die Stagnation der Theorie und des revolution�ren Erkenntnisprozesses hat auch in unserer Organisation �ble Auswirkungen gezeigt, die wir allerdings im Rahmen dieser Erkl�rung nicht weiter ausf�hren k�nnen.
Ohne auf innerorganisatorische Details n�her einzugehen, m�chten wir festhalten, dass weder eine demokratisch-zentralistische Organisationsstruktur noch verbindliche politische Positionen durchsetzbar waren. Schon bis 2005 war der Gro�teil der Gr�ndungsmitglieder von 2 der 3 Organisationen wieder weg, ein anderer Teil hatte bis 2007 zumindest vor�bergehend unsere Organisation verlassen.
Aus diesem Grund hat die 7. Konferenz der komak-ml Ende 2007 das Scheitern des Zusammenschluss-Projekts festgestellt und (wie schon l�nger geplant) eine �nderung des Organisationsnamens beschlossen. Der neue Name dr�ckt jetzt klarer unsere Absicht aus: Initiative f�r den Aufbau einer Revolution�r Kommunistischen Partei.
Wir haben versucht, unsere Erfahrungen so allgemein zu formulieren, dass sie auch f�r au�enstehende Interessierte und aus dem aktuellen Zusammenhang herausgel�st verst�ndlich sind. Deshalb haben wir auch m�glichst alle konkreten Bez�ge weggelassen.


1. Versuch �ber einige Schwierigkeiten

2006 haben wir als komak-ml �Thesen zum Verh�ltnis von Klassenkampf und M�glichkeiten des Parteiaufbaus� beschlossen. Viele dieser Thesen hatten schon damals den Charakter von Appellen. Appelle an uns als Organisation und an unsere eigenen Genoss/innen, sich doch zusammenzunehmen, durchzuhalten.
Unser Hauptproblem bei der Entwicklung zu einer arbeitsf�higen, tragf�higen und einigerma�en stabilen Gruppe, Organisation, Parteiaufbauorganisation ... war und ist die Kaderbildung.

Wir gehen von der Erkenntnis des wissenschaftlichen Sozialismus, und damit der kommunistischen Weltbewegung aus, dass die Arbeiter/innenklasse eine kommunistische Partei braucht, um die sozialistische Revolution durchzuf�hren.
Diese Partei ist notwendigerweise keine �Massen�partei, sondern eine �Kader�partei; sie ist Avantgarde, hat die Aufgabe anzuleiten, voranzuschreiten, ausger�stet mit Strategie und Taktik, mit Programm und Plan f�r die sozialistische Revolution. Die Partei gewinnt das Vertrauen der Massen der Arbeiter/innen in erster Linie im Kampf.
Weil Kommunist/innen bewusst ist, dass die Partei ein unabdingbar notwendiges Instrument ist, m�ssen sie, wenn es keine kommunistische Partei gibt, an dem Aufbau einer solchen arbeiten, zumindest Vorarbeiten daf�r leisten.
Freilich ist die kommunistische Partei in erster Linie Mittel und Werkzeug, nicht Selbstzweck. Sie ist vor der Revolution Werkzeug f�r den Klassenkampf, sie ist Mittel, um zur Revolution zu kommen, diese zu beginnen und die politische Macht zu �bernehmen.

In Zeiten des Klassenkampfs auf nur sehr niedrigem Niveau gibt es ein Problem damit, dass der eigentliche Zweck der Partei (als Avantgarde voranzuschreiten) gar nicht zum Tragen kommen kann, wir k�nnen nicht direkt �berpr�fen, ob wir das Richtige machen. Wir k�nnten das Werkzeug, selbst wenn wir in seinem Besitz w�ren (wir die Partei schon aufgebaut h�tten, was nicht der Fall ist), derzeit nicht im Sinne seiner eigentlichen Bestimmung verwenden.
Klar, die Entwicklung von Bewegung und den notwendigen Organisationsformen verl�uft dialektisch. Offensichtlich ist: Es gibt enge Zusammenh�nge zwischen dem historischen Stand der gesellschaftlichen Entwicklung und den konkreten M�glichkeiten f�r den Parteiaufbau.
Doch eben weil es falsch ist, darauf zu warten, dass die Bewegung �sich entwickelt�, die sich dann Organisationsformen selbst und nebenbei schafft, stehen wir heute schon ganz konkret vor der Aufgabe des Parteiaufbaus. Spontan entsteht sie n�mlich nicht, die kommunistische Partei. Ebenso wie die Arbeiter/innenklasse spontan nicht revolution�res Bewusstsein entwickelt.

Also: Um zu wissen, ob ein Hammer tauglich ist, muss ich ihn verwenden, erst dann werde ich merken, ob er meinen Anspr�chen gen�gt oder nicht. Und umgekehrt: In einer Situation wie unserer, wo es keine kommunistische Partei gibt, die Arbeiter/innenklasse kein Werkzeug hat, um zur Revolution zu kommen, und die Klassenk�mpfe nur auf sehr niedrigem Niveau stattfinden, stellt sich fast zwangsl�ufig die Frage, ob und inwieweit heute schon ein solches taugliches Werkzeug f�r eine zuk�nftige, nur vorgestellte revolution�re Situation entwickelt werden kann. Ein Werkzeug, das derzeit weder ausreichend ausprobiert, noch verfeinert und verbessert werden kann. Die Frage hei�t, ob und inwieweit Parteiaufbau heute �berhaupt m�glich ist.

Wir meinen: Es ist m�glich, zumindest Vorstellungen zu entwickeln, uns anzun�hern an Form, Wirkweise und Anwendungsarten des n�tigen Werkzeugs, unserer Partei, und es gibt Erfahrungen, die wir pr�fen m�ssen und auf denen wir aufbauen k�nnen.
Wir befinden uns heute und hier in der misslichen Lage, dass sich die revolution�r-kommunistische Bewegung international in einem �u�erst schlechten Zustand befindet, dass es in �sterreich keine kommunistische Partei gibt und dass dieses Gr�nde hat, die wir untersuchen m�ssen.
Wir wissen, dass die geschichtliche Entwicklung sowohl evolution�r als auch revolution�r verl�uft. Sprunghafte Ver�nderungen sind Teil der Entwicklung. Aufgrund des Wissens, dass eine Partei notwendig ist, trachten wir, bestm�glich vorbereitet zu sein auf solche Situationen, wo sprunghafte Ver�nderungen stattfinden.

Sicher ist: Ohne Theorie und ohne Programmatik verl�uft unsere Praxis ziel- und planlos. Doch auch die Theorie muss anhand der Praxis best�tigt, modifiziert und weiterentwickelt oder revidiert und verworfen werden.
Es ist daher notwendig, immer wieder zu pr�fen, ob unsere Theorie (und auch die eigenen Ans�tze zu einer Weiterentwicklung der revolution�ren Theorie) Stand h�lt, auch dem tats�chlichen Stand entspricht, oder aber nur voller Phrasen steckt, gar nicht gr�ndlich genug durchdacht ist, eigentlich blo�e Wiedergabe von alten, als gesichert angenommenen Texten, in Wirklichkeit blo� abgeschrieben ist. Angebliche Unumst��lichkeiten gebetsm�hlenartig zu wiederholen hat mit Theoriebildung sicher nichts zu tun. Das ist kein Aufruf, alles zu verwerfen, oder das Rad neu zu erfinden. Wir wissen um den reichen Schatz an Erfahrungen und Erkenntnissen, den wir uns aneignen m�ssen. Auf dem wir aufbauen m�ssen und k�nnen. Den wir weiterentwickeln m�ssen. Aber wir sind heute angehalten, ja verpflichtet, die tiefe Niederlage der Arbeiter/innenbewegung endlich zur Kenntnis zu nehmen. Es kann nicht angehen, dass wir uns auf Dogmen verlassen. Wir m�ssen sie in Frage stellen.

Wir haben uns vorgenommen, m�glichst gr�ndlich umzugehen mit unserer F�higkeit zur Analyse und auch die Beschr�nktheit unserer M�glichkeiten, wirkliche nutzbare Ergebnisse zu erhalten, nicht aus den Augen zu verlieren.
Die anstehenden Fragen sind ernst und wir m�ssen sie ernst nehmen, zumal wir wissen, dass auch die letzten Parteiaufbau-Versuche, die der 1970er-Jahre Fehlschl�ge waren, (insofern die sozialistische Revolution mit ihrer Hilfe nicht in absehbarere N�he ger�ckt ist). Ja eigentlich waren sie gro�teils nur mehr Abklatsch und Karikaturen der gro�en Arbeiter/innenparteien aus der ersten H�lfte des vorigen Jahrhunderts. Diese Versuche sind un�bersehbar nach dem Niedergang der Bewegungen, in deren Umkreis sie entstanden, zu sektenhaften Kleinstgruppen degeneriert und zum allergr��ten Teil l�ngst wieder verschwunden.

Wir halten daran fest, dass es m�glich ist, auch heute schon, planm��ig eine arbeitsf�hige Struktur (einen �Apparat�) aufzubauen. Und: Aufgrund der bisherigen Erfahrungen der K�mpfe der Arbeiter/innenklasse haben wir relativ konkrete Vorstellungen davon, wie diese Struktur notwendig ausschauen soll. Gleichzeitig m�ssen wir Acht geben und nicht vergessen, dass auch die Frage der Struktur eine der Praktikabilit�t und Zweckm��igkeit ist und keine heilige Kuh. Konkret: Der demokratische Zentralismus ist �u�erst praktisch und sinnvoll. Er kann aber auch zum Hindernis werden, etwa weil wir zu wenige sind, oder weil eine der Ebenen nicht funktioniert, und dann sollen wir uns andere Strukturen �berlegen, solche, mit denen wir arbeiten k�nnen.

Verl�sslichkeit ist f�r jeden politischen Zusammenschluss unabdingbar.
Ohne Verbindlichkeit in den Strukturen, ist demokratischer Zentralismus nie und nimmer verwirklichbar.
Jedoch: Jede Genossin, jeder Genosse ist daf�r verantwortlich. Nicht die Leitung, schon gar nicht einzelne Personen allein. Nur dann, wenn es von unten nach oben funktioniert, kann der n�tige Zentralismus fruchtbar sein.

Leuten, die an den Parteiaufbau gehen, muss unbedingt bewusst sein, worauf sie sich einlassen: n�mlich auf eine z�he, langwierige und ziemlich umfassende Arbeit, die zum einen jede einzelne Person betrifft: vor jeder Genossin (und auch vor Personen m�nnlichen Geschlechts) steht eine umfassende theoretische und praktische Ausbildung und stete ideologische Festigung, f�r die st�ndige bewusste Entwicklung zu einem m�glichst umfassend f�higen Kader; zum anderen geht es um die Entwicklung der ganzen Organisation: inhaltlich-programmatisch und strukturell (unter anderem auch den Aufbau einer Struktur f�r die illegale Arbeit und die Arbeit unter repressiveren Bedingungen, sowie den Aufbau von Ortsgruppen usw.) und dabei auch um das Auftreten nach au�en: Das hei�t in einer Phase, wo die Partei noch keinen Masseneinfluss hat (aktuell also wahrscheinlich noch l�ngere Zeit), geht es vorrangig um die revolution�re Propaganda in unterschiedlichster Form, und Agitation zu aktuellen Anl�ssen und dann, wenn sich die Klassenk�mpfe entwickeln, die Arbeiter/innen in Bewegung kommen, mehr und mehr, ...

Das dauerhafte Gewinnen von Leuten, denen diese komplexen Notwendigkeiten bewusst sind und die zu all dem (und eigentlich viel mehr) bereit sind, ist heute zweifellos eines der gr��ten Probleme f�r den revolution�r-kommunistischen Parteiaufbau. Denn die Konsequenz hei�t: Richte dein Leben darauf ein, Revolution�r/in zu sein.
Dass junge Leute sich kurzfristig f�r etwas begeistern und sehr aktiv sind, sich dann aber fast ebenso rasch wieder mehr oder weniger zur�ckziehen, und etwas anderes machen, ist f�r uns kein Grund zum Jammern.
Auch dass �ltere Leute, die Jahre und Jahrzehnte politisch aktiv sind, sich vom Parteiaufbau abwenden und endlich einmal privatisieren wollen, oder politisch resignieren ist nicht verwunderlich, angesichts der tristen Lage. Auch die Verzettelung in Teilbereichen ist eine Erscheinung, die wir h�ufig beobachten. Aber unser Vorhaben ist tats�chlich ein umfassendes, wieso dann in Teilk�mpfen das Ziel verlieren?

Wir sind umso mehr gefordert, unsere Arbeit weiterzumachen. Ohne Illusionen in allzu gro�e pers�nliche Wirkm�chtigkeiten.

Um an den Aufbau einer revolution�r kommunistischen Partei gehen zu k�nnen, sind also in erster Linie Kommunist/innen n�tig, die dazu bereit sind, und Kommunist/innen zeichnet aus, dass sie nicht reformistische Vorstellungen haben, sondern von der Notwendigkeit und M�glichkeit der sozialistischen Revolution wirklich �berzeugt sind, und eben auch bereit, daf�r zu k�mpfen.
Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts erlebte die kommunistische und Arbeiter/innenbewegung einen ungeheuren und triumphalen Aufstieg. Einige anschlie�ende H�henfl�ge verdeckten lange, dass etwas im Argen lag. Wir als Revolution�r/innen stehen heute vor den Tr�mmern dieser Entwicklung. Ein gewaltiger Berg ist es und wir haben gro�en Scharfsinn und �u�erste Klarsicht n�tig, um zu sortieren und abzutragen, zu verwerfen, zu reparieren und aufzuheben.
Unter anderem m�ssen wir unbedingt dahinter kommen, wie es zu dieser schweren Niederlage der Arbeiter/innenbewegung kommen konnte.

F�r unsere aktuelle Politik ist es auch wichtig herauszufinden, was von den erk�mpften Errungenschaften von Dauer und gesichert ist, welches Fehlentwicklungen und wirkliche Irrwege waren, die viele � und das nicht nur in Europa, sondern fast �berall auf der Welt - kapitulieren lie�en vor der gro�en revolution�ren Aufgabe und viele von uns auf immer neue Abwege des Reformismus und der Teilk�mpfe stie�en und sto�en.

War das gro�e haupts�chliche Ergebnis des Kampfes unserer kommunistischen und revolution�ren Vork�mpfer/innen im 20. Jahrhundert wirklich jenes, die konsequenteren Demokrat/innen zu sein? Sie haben held/innenhaft die b�rgerliche Demokratie gegen den Faschismus erk�mpft und �ber die Entwicklung der europ�ischen Gesellschaften zu b�rgerlichen Demokratien gewacht, oft genug immer noch bek�mpft, verleugnet, nicht ernst genommen. Danach sind sie abgetreten, verschwunden, als w�re ihre Aufgabe erf�llt. - Wenn nicht als Personen, so als Verk�rperung des revolution�ren Gedankens.
Wie unglaublich weit war dieses Ergebnis von ihren, von unseren kommunistischen, revolution�ren Vorstellungen, Hoffnungen und Erwartungen entfernt.
Zunehmend durchdrang der Reformismus jede m�gliche Handlung, und die Vorstellung, dass eine neue, grunds�tzlich andere Gesellschaft zu errichten sei, verlor sich in ihm.
Auch unz�hlige individuelle Biographien sind derart verlaufen, Generation f�r Generation, wir wissen das; und die Bourgeoisie kann frohlocken, sie bekommt kluge K�pfe frei Haus.

Sowohl die unterschiedlichen Versuche auf staatlicher Ebene - der Beginn der Errichtung von Gesellschaften mit sozialistischen Z�gen � erlitten Niederlagen, wie auch die kommunistischen Parteien, Bewegungen und Einzelpersonen in den - auch so deklarierten - kapitalistischen L�ndern. So die Revolution, die revolution�re Bewegung, der gesamte revolution�re Weltprozess.

Zahlreiche soziale und demokratische Rechte verdankten die Arbeiter/innen in �Westeuropa� haupts�chlich der so genannten Systemkonkurrenz. Aktuell hat die Bourgeoisie derartige Zugest�ndnisse nicht notwendig, ihr Gutd�nken und die Konjunktur bestimmen �ber die Geschicke der fast kampflos ergebenen Klasse.

Die wirklichen Unterschiede zwischen den Gesellschaften in Ost und West (-Europa, wohlgemerkt!) bestanden oft nur in Nuancen. Wir erkennen: Die Entwicklungen verliefen im Wesentlichen parallel. Die Niederlage ist wirklich umfassend. Heute geht es nicht um Korrekturen hier und da, sondern um einen Neubeginn!

Eine der fundamentalsten und der sicher bleibenden Erkenntnisse war, ist, wird sein: ohne Revolution, ohne Zerschlagung und v�llige Umw�lzung des Alten und ohne Eroberung der politischen Macht, kein Aufbau des Neuen, keine M�glichkeit f�r dauerhafte, qualitative Ver�nderungen. Daf�r wiederum ben�tigt die Arbeiter/innenklasse eine Vorhut-Partei, wovon uns Lenin in Theorie und Praxis �berzeugt hat.
Noch niemals war Dogmatismus etwas anderes als Erstarrung. Doch tut es Not, wach zu sein. Die Welt braucht sozialistische Revolutionen und wir brauchen eine Partei. Wir wissen, dass wir keine Rezepte besitzen, sondern, im Gegenteil und notwendigerweise, auf alte Dogmen verzichten werden. Blo� keine neuen Unumst��lichkeiten zulassen!

Uns ist auch das Unmoderne unseres Ansinnens bewusst. Umfassende Entw�rfe sind nicht gefragt. Und das schon seit Jahrzehnten. Der Eklektizismus treibt arge Bl�ten, doch sie riechen nicht einmal gut.
Wir wollen uns nicht verlieren in Teilbereichsk�mpfen. Es muss ums Ganze gehen. Wir haben beschlossen, wir wollen den Versuch wagen. Wir wollen Grundsteine f�r eine neue Partei legen.

Die komak-ml war dazu ein Anlauf, nicht der erste, nicht der letzte. Drei Gruppen haben sich damals zusammengeschlossen mit dem Willen, dieses Vorhaben voranzubringen. Wir sagen heute: Dieser Zusammenschluss ist gescheitert. Aus verschiedenen Gr�nden. Wir nehmen uns nicht so wichtig zu meinen, dass alle davon verallgemeinerbar w�ren. Doch einige, so meinen wir, sehr wohl.

2. Revolution�re Linie und Rechtsopportunismus

In Zeiten schwach entwickelter Klassenk�mpfe und politischer Ebbe wird jede revolution�r kommunistische Gruppe sich zuallererst auf die Propaganda konzentrieren m�ssen.

F�r eine kleine Gruppe von theoretisch geschulten Kommunist/innen mit einiger praktischer Erfahrung ist es nicht allzu schwer, auch �ber Jahre hinweg die gesamte Arbeit auf prinzipielle und theoretische Stellungnahmen und propagandistische Aktivit�ten auszurichten. Alle, die hinsichtlich dem praktischen Auftreten andere Vorstellungen haben, werden (von vorn herein oder nach kurzer Zeit) abgesto�en.

In der �positiveren� Variante wird die revolution�r kommunistische Theorie durch Studium klassischer Schriften und aktueller b�rgerlicher Werke sogar weiter entwickelt und in Teilbereichen auf einen aktuellen Stand gebracht. So kann sie als Grundlage f�r ein revolution�res Engreifen anderer Gruppen f�r wirklich stattfindende Klassenbewegungen nutzbar gemacht werden.

In der �negativeren� Variante werden vorrangig blo� Zitate aus kommunistischen Schriften vergangener Jahrhunderte passend aneinander gereiht und abschlie�end festgestellt, dass schon MELS usw. festgestellt haben, dass nur die proletarische Revolution eine wirkliche Ver�nderung bringen kann.

Beide Extreme sind Varianten einer reinen und ausschlie�lichen Propagandat�tigkeit einer Gruppe, die sich dem revolution�ren Kommunismus verbunden f�hlt � und beide Formen finden sich auch in �sterreich zumindest als Tendenz seit Jahrzehnten.

Sobald eine solche Gruppe versucht, �Politik zu machen�, d.h. in reale Bewegungen (mit Beteiligung) der Arbeiter/innenklasse einzugreifen, um ma�geblichen Einfluss zu erlangen, tauchen verschiedene Gefahren auf. Bei reiner Propagandat�tigkeit sind diese Gefahren des �linken� und rechten Opportunismus im Hintergrund, weil ja keine wirkliche Auseinandersetzung mit den Aktivist/innen einer Bewegung und ihrer Praxis gesucht wird. Im Wesentlichen wird �Wissen verk�ndet�, sei es in Publikationen oder auch auf Transparenten und in Sprechch�ren.

Die Probleme beginnen meist bei der Formulierung konkreter Forderungen und politischer Stellungnahmen zu aktuellen Anl�ssen und in Auseinandersetzungen mit f�hrenden Vertreter/innen einer Bewegung, z.B. bei Aktionseinheiten.

Ziel des Eingreifens einer revolution�r kommunistischen Gruppe in wirkliche Bewegungen der Arbeiter/innenklasse (und ihrer Verb�ndeten) muss es sein, Teile der Bewegung hinter revolution�ren Parolen zusammenzuschlie�en, d.h. einen Blick zustande zu bringen, der �ber eine prinzipienfeste Haltung zum Tagesereignis hinaus die Perspektive der proletarischen Revolution (direkt oder indirekt) vertritt.

In diesem Zusammenhang w�re es heute eine linke Abweichung, die Propaganda f�r die Revolution so stark in den Vordergrund zu stellen, dass der konkrete Kampf und Anlass f�r die Demo v�llig in den Hintergrund r�ckt. So k�nnen dann auch nicht die klassenbewusstesten Elemente im Kampf auf die Seite des Kommunismus gezogen werden. Konkret: Eine Person, die bereits mit dem Kommunismus irgendwie sympathisiert, sich pers�nlich aber insbesondere im Kampf gegen den EU-Imperialismus engagiert, kann nicht f�r den revolution�ren Kommunismus gewonnen werden, wenn die RK in ihrem ganzen Auftreten (z.B. als Block auf der Demo und im Flugblatt) signalisieren: Was schert uns der Teilkampf gegen die EU, wir wollen die Diktatur des Proletariats! So ein Auftreten schadet jedenfalls dem Parteiaufbau.
Es kommt allerdings immer wieder vor, dass Personen, die �ber lange Zeit so eine Haltung kultiviert haben, schlie�lich ins andere Extrem umschwenken.

Denn viel verbreiteter und einflussreicher als linke Abweichungen sind in �sterreich heute die verschiedenen Formen des Rechtsopportunismus, der durch den kleinb�rgerlichen und arbeiteraristokratischen Einfluss in (fast?) allen Bewegungen vorherrscht. Da Str�mungen des radikalisierten Kleinb�rgertums immer auch auf die Arbeiter/innenbewegung und auf kommunistische Organisationen einwirken, dringt der Rechtsopportunismus auch in revolution�r kommunistische Gruppen ein. In der heutigen Situation ohne RKP, wo das Hauptkettenglied der revolution�r kommunistische Parteiaufbau ist, zeigt sich der Rechtopportunismus am deutlichsten in dieser Frage des Parteiaufbau selbst: Eine Partei w�re unbedingt notwendig, aber der Parteiaufbau gehe heute praktisch nicht. Die Bedingungen seien noch nicht reif, deshalb m�ssten verschiedene Umwege versucht werden, die (auf l�ngere Sicht) zu einer Partei f�hren usw.

H�ufig entsteht der Rechtsopportunismus aus einem permanenten Anbiedern an das niedrige Bewusstsein der Aktivist/innen der �sozialen Bewegung� oder der �durchschnittlichen Arbeiter/innen�. Statt sich bewusst und gezielt an einzelne weiter fortgeschrittene, klassenk�mpferische Personen zu wenden, orientiert sich die rechtsopportunistische AgitProp an der Masse. Gleichzeitig wird bedauert, dass die Massen so lethargisch und inaktiv sind, was als Konsequenz dann zu einer noch seichteren AgitProp f�hrt, weit weg von jedem kommunistischen Anliegen.
Diese Haltung entspringt nat�rlich nicht der Dummheit oder dem b�sen Willen einzelner Genoss/innen oder ganzer Gruppen, sondern ist auf den permanenten Druck der b�rgerlichen und kleinb�rgerlichen Ideologie zur�ckzuf�hren, mit dem jedes Mitglied und jede Aktivist/in konfrontiert sind und zum Rechtsopportunismus als einfachen Ausweg, dem Druck auszuweichen, dr�ngt.
Simpel gesagt ist alles eine rechte Abweichung, wo die Perspektive der proletarischen Revolution � der Zweck unseres Zusammenschlusses als RK Parteiaufbauorganisation � nicht mehr sichtbar ist.

Das Problem der korrekten Ausrichtung in Teilk�mpfen stellt sich in entwickelteren Klassenkampfsituationen anders, wenn es eine gefestigte RKP gibt und verschiedene Vorfeldorganisationen und Komitees, die von der Partei im Tageskampf angeleitet werden. Heute in �sterreich, wo wochen- und monatelang keinerlei Klassenkampfaktionen stattfinden bzw. bekannt werden und wo es keine RKP gibt, muss jedes geplante Auftreten einer RK Gruppe auch dazu dienen, die revolution�re Perspektive zu entwickeln, gerade die klassenbewusstesten Elemente noch einen Schritt weiter zu bringen. Andernfalls kann von Parteiaufbau keine Rede sein.
Wenn eine fortgeschrittene Arbeiterin zu einem Flugblatt von uns sagt: Das zeigt wirklich gut die emp�rende Situation, aber ich kenn das eigentlich eh schon aus der Zeitung von SOS-Mitmensch oder dem GLB, dann passt wahrscheinlich was nicht an der Ausrichtung des Flugblatts.

3. Revisionistischer Druck und Liquidatorentum

Heutzutage gibt es in einem imperialistischen Land wie �sterreich unterschiedliche Kr�fte, die an jeder Person zerren, die sich zum revolution�ren Kommunismus bekennt und eine entsprechende Politik zu machen versucht:

In erster Linie und t�glich, st�ndlich bist du mit der b�rgerlichen Ideologie konfrontiert, die dir ins Gesicht sagt, dass erstens der Kommunismus gescheitert ist, zweitens der Kommunismus keine Perspektive hat, und drittens der Kommunismus im historischen R�ckblick nur unn�tiges Leid und Elend �ber die Menschen gebracht hat. Jeder Mensch, der politische Diskussionen f�hrt, die �ber die reine Besprechung von Tagesereignissen hinausgehen, unterliegt diesem permanenten Druck.

Abgeleitet davon gibt es heute zwei haupts�chliche Formen von Revisionismus, das hei�t Abkehr vom revolution�ren Kommunismus, die beide auf Reformismus hinauslaufen, auch wenn die Betreffenden den Reformismus-Vorwurf emp�rt zur�ckweisen, weil sie ja subjektiv �die Revolution� herbeisehnen, eine total andere Gesellschaft w�nschen.
Das eine ist der �Parteiaufbau von unten in kleinen Schritten� das andere ist der �Partikularismus�.

In einer Situation, wo es in einem Land keine revolution�r kommunistischen Gruppen gibt, ist es die Aufgabe jeder einzelnen kommunistisch orientierten Person, eine Gruppe zu schaffen und zu festigen, die als Kern f�r den Aufbau einer Revolution�r Kommunistischen Partei alle diejenigen Aufgaben in Angriff nimmt, die jedenfalls gemacht werden m�ssen. Abh�ngig von der Zahl und den F�higkeiten der Handvoll Genoss/innen muss auf alle F�lle der Schwerpunkt und der Gro�teil der Aktivit�ten dem Aufbau eines Zentrums dienen.
Dazu ist die Herausgabe und Verbreitung von propagandistischen Schriften (und nach M�glichkeit politischen Stellungnahmen zu herausragenden Ereignissen) ebenso notwendig wie eine Kontaktm�glichkeit zu diesem Zentrum.
Dazu sind ausf�hrliche und geduldige Gespr�che mit Sympathisierenden ebenso notwendig wie die Teilnahme an bedeutenden Massenaktionen der Arbeiter/innenklasse und anderen Teilen des Volkes.
Dazu ist das systematische Studium sowie die Anwendung und Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Kommunismus auf die konkrete Situation des Landes und die Ausarbeitung programmatischer Grundlagen ebenso notwendig wie die Organisierung von Schulungszirkeln und Theoriedebatten mit der Konzentration auf politisch nahe Stehende.
Dazu ist die Kontaktaufnahme mit revolution�r kommunistischen Parteien und Organisationen in anderen L�ndern ebenso notwendig wie die zu antiimperialistischen Organisationen in L�ndern, in denen der eigene Imperialismus eine bedeutende Rolle bei der Unterdr�ckung und Auspl�nderung der dortigen Volksmassen spielt.
Alle diese Aufgaben k�nnen auch von einer Hand voll revolution�rer Kommunist/innen jederzeit zumindest in kleinem Umfang angepackt werden. Wenn die Kr�fte richtig eingeteilt werden k�nnen in jedem dieser Bereiche langfristig kleinere Fortschritte erzielt werden, ohne einen dieser Bereiche zu vernachl�ssigen. Wichtig ist dabei, immer das Ziel einer wirklichen Kampfpartei vor Augen zu haben und vor allem solche Schwerpunkte setzen, um diesem Ziel n�her zu kommen, d.h. die gestellten Aufgaben immer besser und umfangreicher zu erf�llen.

Die Vertreter/innen des �Parteiaufbaus von unten in kleinen Schritten� haben auch das Bild einer fertigen Kommunistischen Partei im Kopf. Aber sie setzen ihre Aktivit�ten so, als ob diese Partei schon existiere. Sie nehmen wahllos zu allen m�glichen aktuellen Ereignissen vom kommunistischen Standpunkt aus Stellung, oder arbeiten in allen m�glichen Aktionseinheiten mit, oder basteln an Betriebsaufbauzellen und Vorfeldorganisationen, oder verbreiten Stellungnahmen kommunistischer Organisationen anderer L�nder usw. � so als ob es im eigenen Land schon einen revolution�r kommunistischen Kern (oder gar eine Parteiorganisation) gebe.
Der systematische Aufbau des Ger�sts der Parteiaufbauorganisation auf ideologischer, theoretischer und organisatorischer Ebene ist ihnen unwichtig und sie k�nnen jahrelang als Kommunistinnen dahin handwerkeln, ohne irgend etwas bleibendes, dauerhaftes zu Stande zu bringen. Das Versinken in die �tagt�gliche Kleinarbeit des Parteiaufbaus� f�hrt zu kleinb�rgerlichen Haltungen in politischen und organisatorischen Fragen, zu Rechtsopportunismus und Revisionismus, weil das Ganze, d.h. die konkrete Aufgabe der Schaffung einer Parteiorganisation immer weiter verschoben wird. In der heutigen Situation bringt es nichts, auf die Entstehung weiterer kommunistischer Zirkel zu warten und zu hoffen, um dann den Parteiaufbau leichter zustande zu bringen. Bis der n�chste kommunistische Zirkel - bei derart schwach entwickelten Klassenk�mpfen - entstanden ist, ist der erste Zirkel schon wieder l�ngst politisch versumpft.
Eine besondere Auspr�gung dieser handwerklerischen Haltung innerhalb einer Kommunistischen Organisation dr�ckt sich in der Weigerung aus, Verantwortlichkeiten zu �bernehmen, oder auch nur planm��ig und verbindlich Teilaufgaben zu �bernehmen und selbstst�ndig f�r ihre Umsetzung zu sorgen. Es gibt Genoss/innen, die in ihrer Selbstbeschr�nkung so weit gehen, auch nach langer Mitgliedschaft m�glichst immer nur Aufgaben unter der Anleitung anderer zu �bernehmen, sich jeder planm��igen Aufteilung der Kr�fte der Organisation zu widersetzen und immer nur �Hilfsdienste� zu �bernehmen. Hinsichtlich der notwendigen Kaderentwicklung ist das eine verheerende Haltung und steht der Entfaltung des demokratischen Zentralismus direkt entgegen. Als �einfache Mitglieder� fordern sie, von der Zellenleitung oder Ortsleitung bei jedem Schritt �angeleitet� bzw. betreut oder �berzeugt zu werden. Sobald sie in eine leitende Funktion gew�hlt wurden, betonen und verlangen sie die �Selbstst�ndigkeit� der Arbeit aller Genoss/innen, die �Entfaltung der Initiative von unten� usw. In jedem Fall sabotieren sie die planm��ige Arbeit und den systematischen Parteiaufbau im Rahmen eines erarbeiteten und st�ndig weiter entwickelten Gesamtkonzepts.

Eine andere M�glichkeit, �kommunistische Politik zu machen� ohne nachhaltig was weiter zu bringen ist der Partikularismus, die ausschlie�liche Konzentration auf einen bestimmten Teilbereich, auf eine bestimmte Frage des Klassenkampfs, auf eine Erscheinungsform der Widerspr�che im Imperialismus.
Revolution�re Kommunist/innen m�ssen - entsprechend ihren Kr�ften - planm��ig an verschiedenen Kampffronten der Arbeiter/innenklasse und in verschiedenen Sektoren der Volksmassen aktiv werden. Sobald es die Kr�fte erlauben, m�ssen gleichzeitig verschiedene Aktivit�ten in Angriff genommen werden, ohne die Hauptaufgaben im Parteiaufbau zu vernachl�ssigen � und auf jeden Fall systematisch und als Teil eines Gesamtplans.
In jeder etwas entwickelteren Klassenkampfsituation werden neue revolution�re Kr�fte wahrscheinlich in konkreten K�mpfen und �ber die systematische Arbeit der Partei im jeweiligen Bereich schon lange vor dem Ausbruch dieser K�mpfe und auch in der Zeit nach dem Ende dieser K�mpfe gewonnen werden. Das kann der langfristige Kampf auf gewerkschaftlicher Ebene oder der Kampf gegen Demokratie-Abbau oder K�rzung der Sozialleistungen sein, der Kampf f�r Frauenbefreiung oder gegen imperialistische Kriege usw.
Wenn Kommunist/innen sich darauf beschr�nken, in einer dieser Fragen aktiv zu werden, sich auf einen dieser Bereiche zu konzentrieren und alle anderen Fragen des Klassenkampfs und der Revolution aus dem Auge zu verlieren, dann kann der notwendige Aufbau einer Partei keine Fortschritte machen.
Eine besondere Form dieses Partikularismus, der �ehrliche kommunistische Gesinnung� mit Liquidatorentum verbindet, ist die Fixierung auf die Revolution in einem anderen Land. Auch eine noch so aufopferungsvolle Hingabe und materielle und physische Einsatzbereitschaft f�r den revolution�ren Kampf in einem anderen Land als in dem du lebst und arbeitest, bedeutet Liquidatorentum. Denn dort, wo du als Kommunist/in wirklich, ganz real was weiter bringen k�nntest, wo jede deiner Aktivit�ten - sofern sie nach einem sinnvollen Gesamtplan f�r den Parteiaufbau erfolgen � einen kleinen Schritt weiter bedeuten, macht du keine oder nur �u�erst beschr�nkte Beitr�ge, schlie�t du dich nicht wirklich mit den Genoss/innen zusammen, die die Revolution in diesem Land vorantreiben versuchen, das deinen Lebensmittelpunkt darstellst.

Revisionistische und reformistische Auffassungen sind leichter vereinbar mit den Alltagsbeziehungen in unserer Gesellschaft. Und auch die Konzentration der �revolution�ren Arbeit� auf einen einzigen exklusiven Bereich wird von �den Freund/innen und Bekannten� leichter akzeptiert als der Versuch, in allen Lebensbereichen eine revolution�re Haltung einzunehmen. Nur der bewusste und kollektive Kampf gegen Rechtsopportunismus in den eigenen Reihen kann die Organisation politisch stabilisieren und damit dem Liquidatorentum, das den Aufbau einer RKP hintertreibt, erfolgreich entgegentreten.

4. Probleme im multinationalen Parteiaufbau

Wenn sich gro�e Gruppen von revolution�r gesinnten Arbeiter/innen haupts�chlich auf fremde L�nder orientieren, ist das nat�rlich nicht nur schlecht f�r die politische Entwicklung in dem betroffenen Land, wo sie leben und arbeiten. Es schadet auch der Entwicklung der Revolution�r-Kommunistischen Weltbewegung insgesamt, denn am meisten bringt du als revolution�rer Kommunist und Kommunistin dort weiter, wo du direkt in den Klassenkampf eingreifen kannst, wo du lebst und arbeitest. Solche Formen von �revolution�rer Unt�tigkeit im eigenen Land bei gleichzeitiger Hingabe f�r den revolution�ren Kampf in einem anderen� gibt es nicht nur bei Arbeitsmigrant/innen, sondern allgemein bei revolution�r Gesinnten.

Wenn wir uns in �sterreich die Leute anschauen, die (zumindest subjektiv) einen starken Hang zur sozialistischen Revolution haben und sich auch mit revolution�r kommunistischer Literatur vertraut gemacht haben oder deren Inhalte zumindest ansatzweise vertreten, stellt sich heraus, dass auch unter denen ohne Migrant/innen-Rucksack die Besch�ftigung mit Revolutionen in fernen L�ndern (z.B. Venezuela, Bolivien) bedeutend intensiver ist, als mit Fragen der Revolution in �sterreich.

So sind revolution�re Migrant/innen, wenn sie nach �sterreich kommen, mit einer Situation konfrontiert, wo diejenigen, die sich mit dem Klassenkampf in �sterreich besch�ftigen, fast durchwegs Reformisten aller Spielarten und schlimmeres sind, w�hrend sich die wenigen Revolution�r/innen vorwiegend mit Venezuela, Kolumbien, Kurdistan, T�rkei, Baskenland oder sonst was besch�ftigen. Jedenfalls wissen sie wenig �ber die Klassenverh�ltnisse in �sterreich Bescheid und haben keine Ahnung, wie die revolution�re Bewegung in �sterreich Fortschritte machen soll.

Es ist sicher sinnvoll und notwendig, bei der Entwicklung der politischen Linie (bzw. ihrer Korrektur im Zwei-Linien-Kampf) die Erfahrungen anderer kommunistischer Organisationen in die Diskussion einzubringen. Das machen wir bei bestimmten Themen planm��ig und systematisch z.B. durch das Studium der Positionen der Komintern und der KP� (insbesondere aus den 1920er und 1930er Jahren), der KP China und MLP� (insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren) usw. Dar�ber hinaus studieren und diskutieren wir (weniger systematisch) Erkl�rungen und Einsch�tzungen heutiger internationaler kommunistischer Vereinigungen wie der RIM (Revolution�re Internationalistische Bewegung) oder der ICMLPO (Internationale Konferenz marxistisch-leninistischer Parteien und Organisationen) und ihrer f�hrenden Parteien, sowie anderer Parteien und Organisationen zu denen wir Kontakt haben.

Es ist auch zu begr��en, dass sich einzelne Genoss/innen oder Gruppen von Genoss/innen intensiver mit den Erfahrungen und der politischen Linie bestimmter revolution�r-kommunistischer Parteien in anderen L�ndern auseinandersetzen, um deren Positionen zu bestimmten Fragen in unserer Organisation zur Diskussion zu stellen. Das belebt und vertieft die Auseinandersetzung um die richtige politische Linie und f�hrt zu klareren Positionen � insbesondere in einer Situation so schwach entwickelter Klassenk�mpfe und politischer Debatten wie im heutigen �sterreich.

Es gibt dabei aber auch die Gefahr, dass bestimmte Analysen und konkrete Erfahrungen aus anderen L�ndern unreflektiert und schematisch auf �sterreich �bertragen werden. Diese sch�dliche Haltung, Positionen einfach zu �bernehmen, statt den eigenen Kopf zu gebrauchen, ist aus der revolution�ren Bewegung seit langem bekannt. Bei kleineren Organisationen kann dieses Problem auch in der Form auftauchen, dass Migrant/innen aus demselben Herkunftsland sich in verschiedenen Fragen st�rker an den Positionen einer Partei ihres Herkunftslandes orientieren als an denen ihrer eigenen Organisation. Das h�ngt neben eventuellen emotionalen Bindungen vor allem damit zusammen, dass sie sich mit den Verh�ltnissen in ihrem Herkunftsland �ber Jahre (oft Jahrzehnte) hinweg weitaus besser vertraut gemacht haben als mit denen des Landes, in dem sie seit Jahren und Jahrzehnten leben und arbeiten. Es grenzt jedenfalls an Selbstbetrug und Realit�tsverlust, wenn Arbeitsmigrant/innen seit 10 und mehr Jahren in �sterreich leben und arbeiten, aber immer noch keinen Bezug zum Klassenkampf in �sterreich haben und ihr politisches Leben v�llig an einer Partei ihres Geburtslandes ausrichten.

Es soll nicht behauptet werden, dass von einzelnen Migrant/innen nur deswegen die politischen Positionen einer bestimmten Partei ihres Herkunftslandes vertreten werden, weil sie deren Positionen besser kennen (n�mlich in ihrer Muttersprache gelesen und erl�utert bekommen haben), w�hrend sie mit den deutschsprachigen Ausf�hrungen in den Zeitungen ihrer eigenen Organisation sprachliche Schwierigkeiten haben. Aber diese Seite des Problems spielt sicher auch keine unwichtige Rolle � neben der Hauptfrage der grunds�tzlichen Orientierung auf die Revolution im Land des materiellen Lebensmittelpunktes.

Der Proletarische Internationalismus ist eine unbedingt notwendige Haltung und Pflicht aller Revolution�r/innen. Aber das bedeutet nach Lenin gerade nicht, die T�tigkeit auf eine Revolution in fernen L�ndern auszurichten, sondern eine hingebungsvolle Arbeit f�r die Revolution im eigenen Land - denn hier steht der Hauptfeind. Aus diesem Grund ist die T�tigkeit f�r die Revolution im eigenen Land das Hauptkettenglied der gesamten politischen Arbeit revolution�rer Kommunist/innen (au�er es handelt sich um gezielt von der Partei ins Ausland geschickte Kader f�r spezielle Aufgaben).

Im Zusammenhang mit bestimmten Positionen der Drei-Welten-Theorie, vor allem dass die Sturmzentren der Weltrevolution auf l�ngere Sicht ausschlie�lich in den neokolonial abh�ngigen L�nder zu finden seien, hat sich eine Revolutionstheorie und Parteiaufbau-Theorie mit falscher Schlagseite herausgebildet. Das geht so weit, dass manche revolution�r kommunistischen Parteien aus den Neokolonien offen vertreten, dass eine Revolution in den entwickelten imperialistischen L�ndern auf absehbare Zeit nicht m�glich sei. Deshalb m�ssten sich die Kommunist/innen dieser L�nder haupts�chlich auf die Unterst�tzung der Revolutionen in bestimmten internationalen Sturmzentren der Weltrevolution konzentrieren.
Davon abgeleitet folgern sie f�r den Parteiaufbau in den entwickelten kapitalistischen L�ndern, dass diesem jedenfalls weniger Gewicht einger�umt werden solle als dem Aufbau von revolution�ren antiimperialistischen Solidarit�tsbewegungen und entsprechenden Organisationen in m�glichst vielen imperialistischen L�ndern.

Die Haltung, sich in einem beliebigen Land als Abteilung der Revolution�r Kommunistischen Weltbewegung getrennt von den Hauptaufgaben des Klassenkampfs in diesem Land zu organisieren, halten wir f�r grunds�tzlich falsch. Demgegen�ber betonen wir, dass es die Aufgabe aller Kommunist/innen ist, sich als Teil der Vorhut der revolution�ren Bewegung des jeweiligen Landes zu organisieren, wo der materielle Lebensmittelpunkt ist. Das bedeutet gleichzeitig, sich haupts�chlich auf die Vorbereitung der proletarischen Revolution in diesem Land, wo wer lebt und arbeitet, zu konzentrieren � unabh�ngig von Geburtsort und Muttersprache.
Wir orientieren uns auf den Aufbau einer revolution�r kommunistischen Partei mit Mitgliedern verschiedener Nationalit�ten durch den Zusammenschluss aller revolution�ren Kommunist/innen, die in �sterreich leben und arbeiten, in einer einzigen Parteiaufbau-Organisation.
Selbstverst�ndlich ergibt sich daraus auch die Notwendigkeit, die Agitation und Propaganda auch in den wichtigsten Sprachen der Arbeitsmigrant/innen zu betreiben und allenfalls in verschiedenen Zellen der Partei zweisprachig oder notfalls sogar nur in einer Fremdsprache zu arbeiten. Die Erfahrungen aus den Zeiten der Komintern zeigen, dass diese Art von multinationaler Zusammenfassung in einer Partei m�glich ist, wenngleich es in der heutigen Zeit der Zersplitterung der internationalen revolution�r-kommunistischen Bewegung bedeutend schwieriger umzusetzen ist.

5. Parteiaufbau in einer Situation schwach entwickelter Klassenk�mpfe und die Bedeutung der Jugendorganisation

Immer wieder geraten Menschen aus der Arbeiter/innenklasse, aber auch aus den kleinb�rgerlichen Schichten, insbesondere Jugendliche, in Widerspruch zu den konkreten Verh�ltnissen und Entwicklungen im Imperialismus. Die offensichtlichen M�glichkeiten einer Gesellschaft, wo alle in relativem Wohlstand und ohne Unterdr�ckung, Ausbeutung, Hunger und Krieg leben k�nnten und der Widerspruch zur realen Situation sowohl in �sterreich als noch viel mehr weltweit treiben zum Widerstand und zur Rebellion. Besonders Jugendliche aus Migrant/innen-Familien sp�ren die Feindlichkeit des kapitalistischen Systems gegen die Arbeiter/innenklasse st�rker � sowohl �konomisch als auch politisch oder kulturell. Sie werden aber durch die traditionellen Jugendorganisationen weniger angesprochen.

So entstehen spontan immer wieder kleine Zusammenschl�sse und Gruppen, die in bestimmten Bereichen etwas gegen bestimmte Probleme machen wollen. Aufgrund der allgemeinen Unzufriedenheit entstehen auch immer wieder Gruppen, die etwas gegen die herrschenden Zust�nde insgesamt unternehmen wollen. �ber theoretische und praktische Auseinandersetzungen kommen viele von ihnen fr�her oder sp�ter mit dem revolution�ren Kommunismus in Kontakt.
Von den vielen Menschen aus der Arbeiter/innenklasse, die in Opposition zu einzelnen Erscheinungen des kapitalistischen Systems kommen, besch�ftigen sich nur wenige genauer mit den Lehren des wissenschaftlichen Kommunismus, einerseits weil die herrschende b�rgerliche Ideologie den revolution�ren Kommunismus v�llig verteufelt und verh�hnt und andererseits weil die revolution�r kommunistische Bewegung international sehr schwach ist und auf viele aktuelle Fragen keine umfassenden und tiefgehenden Antworten geben kann. (vgl. Theorie im 1. Abschnitt)

Da in �sterreich der kleinb�rgerliche Revisionismus politisch und organisatorisch viel st�rker ist als der revolution�re Kommunismus, geraten die meisten im Entstehen begriffenen Bezugsgruppen mit politischem Anspruch bald einmal in den Sogbereich von Organisationen, die sich selbst als marxistisch, revolution�r, sozialistisch oder kommunistisch bezeichnen, in Wirklichkeit aber verschiedene Spielarten des Revisionismus und Reformismus darstellen. Die beiden Hauptgruppen sind die KP� bzw. KP�-nahe Str�mungen mit Bezug zum Austromarxismus oder Chruschtschow-Breschnew-Revisionismus und trotzkistische Organisationen. W�hrend die inhaltlichen Unterschiede zwischen KP�-nahen und Trotzkisten immer mehr verschwinden, ist der oberfl�chlich auff�lligste Unterschied die scheinbar ganz gegens�tzliche Zuordnung zu historischen Str�mungen der Arbeiter/innenbewegung vor 1960 (Komintern-Kominform oder 4. Internationale)

Aufgrund der unentwickelten Situation k�nnen oppositionell gesinnte Menschen bei den Aktionen auf der Stra�e und bei Veranstaltungen schwerlich die grundlegenden Unterschiede zwischen Reformisten und revolution�ren Kommunisten erkennen. Alle Gruppen sind klein und relativ einflussschwach und manche Reformisten pr�sentieren sich wortgewaltig bzw. kraftmeierisch als �u�ert radikale K�mpfer gegen das System, eine Behauptung die anhand ihrer Praxis nicht unmittelbar �berpr�ft werden kann, weil politische Aussagen meistens auf der verbalen Ebene bleiben und keine Massenbewegung angeleitet werden muss bzw. kann.

Erfahrungsgem�� haben bestimmte Einzelpersonen schon verschiedene reformistische Organisationen n�her kennen gelernt, bevor sie sich genauer mit den revolution�ren Kommunisten befassen. Bei Jugendlichen f�hrt der Weg der Radikalisierung oft �ber die breit bekannte und leicht erreichbare Sozialistische Jugend zur KJ� (oder einem Komitee, das der KP� nahe steht) und erst in der praktischen Auseinandersetzung mit der Politik der Sozialdemokraten oder KP�-Reformisten und aus der Unzufriedenheit mit der kompromisslerischen, systemerhaltenden Politik kommt es zur Kontaktaufnahme mit revolution�ren Kommunisten. Teilweise gibt der krasse Widerspruch zwischen den bei der SJ oder KJ� geschulten Texten des Marxismus und der Politik der Organisation einen Ansto� f�r die Suche von radikalen Jugendlichen nach einer revolution�r kommunistischen Organisation.

Auch in der ziemlich unbelebten Klassenkampfsituation in �sterreich k�nnen anhand von internationalen Anl�ssen die Perspektiven einer radikalen Gesellschaftsver�nderung ins Zentrum ger�ckt werden, z. B. bei aufstands�hnlichen Stra�enschlachten in Paris oder Kampfdemos gegen imperialistische Konferenzen wie G8. B�rgerliche Parteien und Medien und kleinb�rgerliche, reformistische Organisationen versuchen, solche Bewegungen schlecht zu machen und die Jugendlichen zu desorientieren. Aber durch eine direkte Konfrontation mit dem staatlichen Unterdr�ckungsapparat �erleben� die k�mpfenden Jugendlichen die Unvers�hnlichkeit der Klassenwiderspr�che. Sie erleben sowohl die M�chtigkeit des Gegners als auch seine Schw�chen unmittelbar.
Auch in �sterreich gibt es f�r politisch engagierte Jugendliche � besonders in Wien � eine Reihe von Gelegenheiten, anhand der Praxis und der revolution�r kommunistischen AgitProp zu lernen.
Das allein gen�gt nicht f�r den Aufbau eines Revolution�r Kommunistischen Jugendverbandes. Es ist aber ein wichtiger Ansatz daf�r, die Notwendigkeit eines langfristigen und systematischen Engagements f�r eine gesellschaftliche Ver�nderung zu erkennen.

Aus der Geschichte der revolution�r kommunistischen Arbeiter/innenbewegung ist bekannt, dass die Frage der Gewinnung der �n�chsten Generation� entscheidend ist f�r die Entwicklung der Bewegung und ihrer Organisationen. Soweit wir wissen, sind weltweit wie in �sterreich die f�hrenden Kader der revolution�r kommunistischen Parteien und Organisationen derzeit stark �beraltert. Aber mit 50- oder 60-J�hrigen ist noch nirgends eine erfolgreiche Revolution gemacht worden. Die Konzentrierung der Organisation auf die F�rderung und Entwicklung des Revolution�r Kommunistischen Jugend-Verbandes ist daher eine entscheidende Aufgabe der Gesamtorganisation. #

(18.M�rz 2008)





IA.RKP
Initiative f�r den Aufbau einer Revolution�r Kommunistischen Partei
(vormals komak-ml)

Wir verbreiten seit 1995 Flugbl�tter, mit denen wir uns vor allem an klassenbewusste Arbeiter/innen wenden, und geben seit 2001 eine Zeitung, jetzt �Proletarische Revolution�, heraus. Unser Ziel ist eine Gesellschaftsordnung ohne Klassen, ohne Unterdr�ckung und Ausbeutung. Dazu muss die Klasse der Arbeiterinnen und Arbeiter eine eigene Kampfpartei aufbauen, die Macht erobern, die Besitzer der Produktionsmittel enteignen und den Klassenkampf fortsetzen, bis alle Reste der b�rgerlichen Ordnung verschwunden sind. Wir stellen uns in die Tradition der internationalen revolution�r-kommunistischen Bewegung, die Mitte der 1960er Jahre in Auseinandersetzung mit den Fehlern der KPdSU und in scharfem Kampf gegen die Wegbereiter des b�rokratischen Staatskapitalismus in der Sowjetunion eine marxistisch-leninistische Generallinie verteidigt hat und zur Gr�ndung neuer kommunistischer Parteien f�hrte. Wir sind revolution�re Kommunist/innen und deshalb nicht in der KP� organisiert.

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